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Full text of "Entomologische Zeitung"

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Entomologiscbe  Zeitung. 


Herausgegeben 
von  dem 


entomologischen  Vereine 


STETTIN. 


Siebenunddreissio'.ster  Jahroaug. 


Stettin  1876. 

]Jruck   von    li.    ({rastiuiiin 


Siitoiuolo^ifielie  ZeUiiiig; 


herausgegeben 

von  dem 

eiitomologisclieu  Vereine  zu  Stettin. 


von  dem 


Redaction-  ^^  Conimission  bei  den  Buchhandl. 

V.  E.  S.  Mittlerin  Berlin  u.  Fr. Fleischer 

C.  A.  Dohrn,  Vereins-Präsident.  in  Leipzig, 

No.  1-3.  37.  Jahrgang.    Jauuar— März  1876. 


Neujahrs -Note  zum  Reiclis-Text. 


Leicht  lässt  sich's  denken,  wie  die  Mutter  Isis 
Gekichert  hat,  als  zivr  Kartoft'elkridis 
Erging  das  drollig-knollige  Vorbot; 
Abdera  schien  mit  Unrecht  ausgestorben, 
Wenn  alle  andern  Streiche  auch  verdorben 
—  Prohibitive  helfen  aus  der  Noili! 

Wir  hätten,  um  nns  Herzek'id  zu  sparen. 
Vor  „Greenhacks^^  sollen  uns "re  Taschen  wahren, 
Die  Sorte  G^lnzeug  schul'  uns  Angst  und  Qual: 
Harmlose  Knollen  grimm  zu  controlireu  — 
Leptinotarsa  wird  das  divertiren. 
Der  sind  sie  ungeniessbar  und  l'atal. 

Für  Prinzengärten  hinter  Spiegelscheiben, 
Auch  l'iir  botanische  wird  mau  verschreiben 
Von  drüben  manch'  schöublühendes  Gewächs: 
Ja  das,  das  böte  die  bequemste  Weise 
Für  mögliche  Leptinotarsen-Reise  — 
Doch  davon  schweigt  die  Delph'sche  Weisheit-Lex. 

Kartoffelkrieg  wh-d's  also  schwerlich  geben, 
Jedocli  viel  ĂĽbler  steht  es  um  die  Reben, 
Stets  nah  und  näher  rückt  die  Lausepest: 
Es  gilt,  sich  mannhaft  gegen  Phjdloxeren 
Und  ihren  „Mässigkeitsverein"  zu  wehren. 
Der   offenbar  nicht  mit  sicli  spassen  lässl. 

1* 


Was  (icn  Grosssenior  der  Zoologen, 
Den  Archenbauer  Noah,  einst  bewogen, 
Dass  er  die  schnöde  Reblaus  hat  salvirt, 
Begre" "    «ich  schwer  —  Er  grade  musste  wissen, 
Dass  die    Janaille  mit  erzgift'gen  Bissen 
Just  seine  Lieblingspflanze  schlimm  schimpfirt ! 

Auch  möglich,  dass  die  Laus  in  jenen  Zeiten 
(Die  Darwinisten  werden's  kaum  bestreiten) 
Ganz  anders  aussah  und  ganz  andres  frass: 
Wer  ahnt,  dass  solch'  ein  winz'ger  Parasite 
Chäteau  Lurose  erstürmt,  Chäteau  Lafitte 
Und  ganz  Burgund  —  —  das  arge  Rabenaas! 

Drum  wird  Collegeu  Lichtenstein  und  Bollen 
Man  Dank  und  heisse  SegenswĂĽnsche  zollen 
Zu  dem  pompösen  Frosch-  und  Mäusekrieg: 
Falls  sie  beseitigen  das  Lause  wunder, 
So  stossen  wii-  in  GaudiĂĽsarfs")  Burgunder 
Hoch  an  auf  ihren  Sack-  und  AschensieĂĽ! 


C.  A.  D. 


Kssa,s  i.,     ,h.-a,   '    8-1'    :"''•',.' "''"'IVV'""'-'    '«'    Oogenstand    eine;    monographiscl.en 

l)ia  nose    iJr  S^^^^^^^^  ''"'f-  ,''""    '""    »'^l'"^«'-«»    Seiten    versichert   wurde,    die 

m  hX.r    Ik     .,11     hi^   .,'•    ,"'",;.', ''^'''  ^'«»"f>'C'-atben,  und  die  unverliolVt  grü-ssere.  dass 
lim  hLsiar  .he  i.m1Ic.  hi.si>ain.sclie  Flici,'o  unbelästigt  gelassen  hat.     Persjat! 


Rede  zur  Stiftungsfeier 

am  17.   October  1875. 


M  eine   Herren! 

Auf  meinen,  von  den  in  Stettin  lebenden  Vereinsmitgliedern 
genehmigten  Vorschlag  weichen  wir  heute  von  der  Norm  ab, 
und  begeben  die  Stil'tungsfeier  unsere  Vereins  statt  zu  An- 
fange Novembers  bereits  im  October.*)  Die  heute  theiloeh- 
menden  Genossen  werden  sich  hoffentlich  der  hiedurch  er- 
wachsenden moralischen  Verpflichtung  nicht  entziehen,  den 
eigentlichen  Kalendertag  (6.  November)  in  bester  Gesundheit 
zu  ĂĽberleben. 

Was  den  Personalstatus  unsrer  Mitglieder  betrifft,  so 
haben  wir  im  verwichnen  Jahre  eins  unsrer  Ehrenmitglieder 
verloren,  den  Director  der  zoologischen  Abtheilung  des  British 
Museum  in  London,  John  Edward  Gray.  Seinem  achtungs- 
werthen  Willen,  die  reichen  Schätze  des  Museums  durch 
systematische  entomologische  Cataloge  (mit  Beschreibungen  der 
neuen  Arten)  der  Welt  bekannt  zu  machen,  entsprach  leider 
nicht  immer  die  Auswahl  der  damit  von  ihm  betrauten  Per- 
sonen, so  dass  einzelne  Cataloge  nach  der  Meinung  von  Sach- 
verständigen das  Chaos  nur  noch  chaotischer  gemacht  haben. 
Andre  dieser  Cataloge  haben  aber  unzweifeUiaft  der  Wissen- 
schaft erspriessliche  Dienste  gethan. 

Bei  der  grossen  Zahl  unsrer  Mitglieder  ist  es  wahr- 
scheinlich, dass  wir  ausser  den  als  verstorben  angezeigten 
Entomologen  Harer,  Heuäcker,  Kayser,  Nicolai,  Pal- 
liardi,  Reissig  auch  noch  andre  durch  den  Tod  verloren 
haben  werden,  aber  es  ist  mir  darĂĽber  authentisch  nichts  be- 
kannt geworden.  Eine  erfreuliche  Reihe  neuer  Mitglieder  ist 
dem  Verein  beigetreten;  eine  kurze  Uebersicht  wird  der 
Zeitung  beigefĂĽgt  werden. 

Mit  den  gelehrten  Gesellschaften  des  In-  und  Auslandes 
stehen    wir    nach    wie   vor  in  freundlichen  Beziehungen,     Es 


'•')  Meine  Absicht  hei  dieser  Vorausnahme,  die  Mitglieder  auf 
meinem  Landsitze  als  Gäste  zu  bewirthen,  ist  leider  durch  anhaltendes 
PfcCgenwetter  bedauerlich  vereitelt  worden. 

C.  A.  D. 


6 

entstellen  deren  rortwähiend  neue  mit  mehr  oder  minder  Be- 
rechtigung und  LebensCäliigkeit:  sehr  natürlich,  dass  jede  den 
^Kampf  um  das  Dasein"  mit  löblichem  Selbstgefühl  beginnt, 
und  dass  die  Stiftungsmitglieder  in  dem  Bewusstsein  der 
schweren  Anfangsopfer  an  Zeit  und  MĂĽhe  den  ausreichenden 
Grund  zu  haben  vermeinen,  dass  alle  altern  Gesellschaften 
und  Vereine  iiinen  hĂĽlfreiche  Hand  bieten  sollen,  namentlich 
durch  Austausch  der  Schriften.  Schon  mehrfach  habe  ich 
darauf  aufmerksam  machen  mĂĽssen,  dass  gegen  diese  ideal 
untadelige  Ansicht  die  liausbackne  Realität  in  mancher  Be- 
ziehung zwingenden  Protest  einlegt,  und  dass  wir  aus  dem 
Hauptgrunde  des  finanziellen  Gleichgewichts  und  aus  dem 
Nebeugrunde  der  Räumlichkeit  für  unsre  Bibliothek  auf  uns 
telber  RĂĽcksicht  nehmen  mĂĽssen,  in  Analogie  desselben  Irr- 
tiiums,  der  einen  grossen  Theil  der  Socialdemokraten  zu  der 
Forderung  veranlasst,  sie  mĂĽssten  aus  der  Staatskasse  er- 
nährt, gekleidet,  geschult,  wo  möglich  auch  noch  vergnügt 
werden,  ohne  dass  sie  das  Geringste  zu  besagter  Kasse  steuern, 
ebenso  fänden  es  manche  Entomophilen  ganz  unbedenklich, 
Vereinsvortheile  zu  geniessen,  ohne  die  mindeste  Vereioslast 
tragen  zu  helfen.  Und  doch  mĂĽssle  ihnen  deutlich  sein,  dass 
Druck  und  Papier,  Porto,  Local,  Bedienung  und  was  sonst 
noch  sich  geltend  macht  —  von  Zeit  und  Mühe  ganz  abge- 
sehen —  recht  grobe  Realien  sind,  deren  ideale  Unter- 
schätzung über  kurz  oder  lang  den  Lebensfaden  jedes  Vereins 
durchschneidet. 

Gegen  unser,  seit  mehr  als  einem  Menschenalter  beste- 
hendes, und  deshalb  nicht  ohne  vollwichtige  GrĂĽnde  aufzu- 
gebendes System,  unsre  Zeitung  nicht  direct  auszugeben, 
sondern  es  unsem  Lesern  freizustellen,  sie  nach  ihrer  Wahl 
durch  den  Buchhandel  oder  durch  die  Post  zu  beziehen,  sind 
mir  vereinzelte  Stimmen  zu  Ohren  gekommen.  Dieselben 
betonen  besonders,  dass  es  durch  die  neuesten  Portoherab- 
setzungen möglich  sein  werde,  den  Preis  zu  ermässigen,  falls 
jedes  Exemplar  der  Zeitung  unter  Band  frankirt  expedirt 
werde.  Vor  der  Hand  scheint  es  mir  doch  gerathner,  es 
(wie  bereits  im  vorigen  Jahrgange  S.  260  angedeutet)  beim 
Alten  zu  belassen,  und  von  den  mancherlei  GrĂĽnden  dafĂĽr 
hebe  ich  folgende  heraus.  Die  Expedition  der  Exemplare  fĂĽr 
die  Post,  für  die  Buchhändler,  für  die  gelehrten  Gesellschaften, 
mit  denen  wir  in  Tauscliverkehr  stehen,  und  fĂĽr  diejenigen 
Städte,  in  welchen  sich  einzelne  geehrte  Mitglieder  der  Mühe 
unterzogen  haben,  eine  Mehrzahl  von  Exemplaren  an  die  Ab- 
nehmer zu  vertheilen,  nimmt  die  Zeit  und  MĂĽhe  unsers  ver- 
dienstlichen Herrn  Gillet  de  Montmore,  der  ausserdem  die 
Last  der  KassenfĂĽhrung  auf  seine    Schultern    genommen   hat, 


dergestalt  in  Anspruch,  dass  ich  es  (bei  meiner  Kenntnies  von 
seinen  anderweiten  Berufsarbeiten)  nicht  verantworten  möchte, 
ihm  das  Expediren  jedes  einzelnen  Exemplars  unter  Band 
anzumuthen.  Dazu  mĂĽssten  wir  folglich  einen  besondern  Ex- 
pedienten anstellen  und  eventuell  salariren.  Auf  die  leidige 
Consequenz  jener  andern  Methode,  im  Laufe  des  Jahres  ge- 
schärfte Mandate  zu  erlassen  an  die  säumigen  Mitglieder, 
ferner  Ausschliessungsdecrete  („ray6  de  la  liste"),  Wieder- 
aufnahme-Anzeigen nach  erfolgter  Zahlung  u.  s.  w.  will  ich 
nur  vorĂĽbergehend  deuten,  aber  noch  auf  den  eigenthĂĽmlichen 
Umstand  mehr  Accent  legen,  dass  nach  den  Erfahrungen  der 
letzten  Jahre  der  Absatz  durch  den  Buchhandel,  obwohl  er 
theurer  und  weit  langsamer  ist,  sich  von  Jahr  zu  Jahr  gegen 
den  schnelleren  und  billigeren  durch  die  Post  gehoben  hat, 
wahrscheinlich  wegen  der  mehr  säubern  Behandlung  der 
Exemplare.  Demnach  scheint  mir  kein  Grund  vorzuliegen, 
unsern  durch  die  Erfahrung  erprobten  bisherigen  Weg  zu 
verlassen,  um  so  weniger,  als  wir  im  einzelnen  Falle  gern 
bereit  gewesen  sind  und  fĂĽr  die  Folge  auch  sein  werden, 
unsern  Mitgliedern  bei  Anschaffung  früherer  Jahrgänge  unsrer 
Zeitung  billige  Modalitäten  zu  gewähren. 

Von  dem  bekannten  Rechtsgrundsatze:  „was  nicht  ver- 
boten ist,  ist  erlaubt",  machen  seit  geraumer  Zeit  die  Spe- 
cialisten  aller  naturgeschichtlichen  Fächer  Gebrauch,  respeetive 
Missbrauch.  Dass  in  der  Entomologie  die  Errichtung  neuer 
Gattungen  in  den  letzten  Jahren  eine  haarsträubende  Aus- 
dehnung gewonnen  hat,  und  dass  die  Uebersichtlichkeit 
namentlich  der  bevorzugteren  Ordnungen,  Coleoptera  und 
Lepidoptera,  dadurch  geradezu  der  menschlichen  Leistungs- 
fähigkeit mehr  und  mehr  entrückt  wird,  darin  sind  nachgerade 
alle  besonnenen  Entomologen  einverstanden.  Kein  Sachkenner 
wird  behaupten,  dass  das  ungeheure  Material,  welches  wir 
heute  im  Vergleiche  gegen  das  besitzen,  was  Linn^-  vor  sich 
hatte,  in  die  von  ihm  vorgeechlagnen,  damals  ausreichenden 
Gattungen  eingezwängt  werden  kann:  aber  niemand  wird  sich 
verhehlen  können,  dass  wir  jetzt  auf  dem  besten  Wege  zu 
Amyot's  Mononjmie  sind,  nur  mit  dem  unbequemen  Unter- 
schiede, dass  für  jede  Art  3,  jeweilen  4  Wörter  auswendig 
zu  lernen  wären,  um  über  ihren  Platz  im  Systeme  Bescheid 
zu  wissen.  Es  ist  aber  weder  zu  erwarten  noch  zu  verlangen, 
dass  alle  Entomophilen  Virtuosen  in  der  Mnemotechnik  sein 
müssen  —  auch  ohne  die  Sintflut  neusten  Gattungen  -  Unfugs 
hatten  sie  schon  genug  und  ĂĽbergenug  zu  lernen. 

Wer  oder  was  kann  hier  AbhĂĽlfe  schaffen?  Weder  das 
Zetern  eines  einzelnen  Jeremias,  noch  die  kalten  Schläge 
irgend  eines  abblitzenden  Congresses  —   wohl  aber  sind  Leute 


6 

in  meiner  Stellung  moralisch  verpflichtet,  es  hier  zur  öffent- 
lichen Kenntnise  zu  bringen,  dass  mĂĽndlich  und  schriftlich  die 
allgemeine  Meinung  schon  in  hohem  Grade  gegen  den 
Leichteinn  erbittert  ist,  mit  welchem  sonst  ganz  verdienstliche, 
in  diesem  Punkte  aber  durch  Mihisucht  verblendete  Entomo- 
graphen  auf  die  unerheblichsten  Dinge  verkehrten  Accent 
legen,  um  damit  ihre  leichtfertigen  Aftergattungen  elend  zu 
fundamentiren.  Der  allgemeine  Unwille  muss  nur  öffentlich 
an  allen  berufenen  Stellen  ausgesprochen  werden,  vielleicht 
bringt  das  diese  blindverbissenen  Generifexe  zu  heilsamer 
Besinnung. 

Aus  der  Correspondenz  der  letzten  Wochen  theile  ich 
nachstehendes  mit.      Es  schrieben  die  Herren: 

1.  Prof.  Zeller,  BergĂĽn,  10.  August,  bedauert,  dass 
er  sich  statt  mit  erwünschten  Motten  mit  höchst  unerwünschten 
Mixturen  von  Rhabarber,  Oleum  ricini  und  Carlsbader  Salz 
herumsciilagen,  und  deshalb  die  Heimreise  noch   vertagen  muss. 

2.  Oberförster  Eichhoff,  Saarburg,  11.  Aug.,  dankt 
bestens  für  die  übersendeten  „Baum-  und  Borken-Schänder" 
und  gedenkt,  die  Mehrzahl  davon  mit  legitimen  Taufscheinen 
baldigst  zurĂĽckzusenden,  wĂĽrde  aber  einige  hocharistokratische 
Bubeu,  mit  deren  Bekanntschaft  er  frĂĽher  noch  nicht  beehrt 
worden,  gerne  noch  behufs  genauerer  PrĂĽfung  zurĂĽckbehalten. 
Die  ilim  in  Aussicht  gestellte  Beaugenscheinigung  von  Tomi- 
ciden  aus  Neu-Guinea  und  Umgegend  versetzt  ihn  in  aufge- 
regte Spannung. 

3.  E.  Wehncke,  Harburg,  11.  Aug.,  sendet  mir  den 
grössern  Theil  der  bei  seinem  neulichen  Besuche  zu  Determi- 
nation und  Vergleicliung  mitgenommenen  Hydrocantharen 
zurück.  Augenblicklich  beschäftigt  ihn  die  Beschreibung  der 
neuen,  aus  Australien  von  dem  ausgezeichneten  Sammler  des 
ĂĽodetfroy'schen  Museums,  Herrn  Daemel,  mitgebrachten  Nova: 
es  würde  ihm  passen,  wenn  ich  ihm  auch  meine  neuhollän- 
dischen  Wasserräuber  mittheilen  wollte.  [Ist  gerne  ge- 
schehen.    D.| 

4.  J.  Lieh  ten  st  ein,  Montpellier,  12.  Aug.,  will  auf 
meinen  Br.  v.  6.  lieber  gleich  antworten,  ehe  er  sich  durch 
die  8  Schachteln  von  Perez,  3  von  Sclienck,  1  von  Saussure, 
l  von  'lischbein,  alle  zugleich  angekommen,  ableiten  und 
zerstreuen  lässt.  Er  bezweifelt  nicht,  dass  es  den  Herren 
Mayet  und  Marquet,  mit  denen  er  eine  Razzia  in  den  DĂĽnen 
verabredete,  sehr  willkommen  sein  wird,  dass  sie  mir  ihre 
„angestriclinen"  Sammlungs-Cataloge  einsenden  sollen.  Mit 
der  Classification  seinor  eignen  Käfer  kommt  er  auf  keinen 
sonderlich  grünen  Zweig,  da  die  Beschäftigung  mit  den  le- 
benden Jnsecteu  ihm   wenig  oder  keine    Müsse    lässt,    sich  mit 


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den  todteu  abzugeben.     [Nach    der    systematischen    Seite  ein 
geringer  Nachtheil,  aber  ein  höchst   schätzbarer  Vortheil  für 
die  biologische,  da  der  heutigen  Wissenschaft  unendlich  mehr 
an  zuverlässigen  Beobaclitungen  der  Entwicklung  gelegen  ist, 
als  an  relativ  unverächtlichen  synonymischen  Noten   und  Be- 
schreibung neuer  Arten.     D.]     Er    hat   gegenwärtig  an  2000 
kleine  Triungulinen  der  Cantharis  vesicatoria    in    der  Zucht, 
und  hofft,  sie  nach  jahrelangen   vergeblichen  Versuchen  doch 
diesmal  wenigstens  bis  zu  einer  oder  zwei  Häufungen  durch- 
zubriogen.     Auch  sind  die  Phylloxera    gerade    in    der   Flug- 
Periode,  und  in  den  grossen  Musselin-Zwingern,  in  welche  er 
sie  eingeschlossen,  muss  er  doch  täglich  wenigstens  3,  4  Mal 
nachsehen.     In   Betreff  der  systematischen  Stellung  der  Phyl- 
loxera, ob  als  vierflĂĽgelig  zu  den  Aphiden,  ob  als  eierlegend 
zu  den  Cocciden,  wäre  er  nicht  ungeneigt,  mir  beizupflichten, 
dass  die  genaue  Kenntniss  der  Lebensweise  einer  richtig  fest- 
gestellten Art  mehr   werth  ist,  als  gelahrter  Zank    ĂĽber  ihre 
Stellung  im  System.     Das  fĂĽhrt  ihn  auf    die    Frage,    ob    ich 
gleich  ihm  die  Strepsiptera  für  Käfer  halte  oder  nicht?  [Bisher 
haben  mir  die  negativen  Gründe  von  Siebold  und  Gerstäcker, 
die  Zeichnung  von  Fred.   Smith    in    den  London  Transactions 
mehr  eingeleuchtet,  als  die  Motivirung  des  GegentheĂĽs  durch 
Schaum,  Lacordaire  u.  A.;  aber  ich  fĂĽrchte,  es  ist  ein  Streit 
de  lana  caprina,  wenn  man  dem  Creator    mundi    menschlich- 
spanische Systemstiefel    anzwängen    will:    die    alte    Zoologie 
hatte  ihre  imperativischen  Kategorieen    und  ging  deshalb  mit 
dem  kategorischen  Imperativ  viel  sorgloser  in's  Zeug,  als  die 
neuere,    deren    Thesaurus    ungeheuerliche  Vocabeln  aufweist, 
wie  Parthenogenesis,  Generationswechsel  und  ähnliches.]     Von 
den  Larven  der  Canth.   vesicatoria  stellt  er  mir    und  begehr- 
lustigen Freunden  beliebig  zur  Disposition.     Eine  in  Erde  ein- 
geschlossene Puppe  von  der  Grösse  eines  Olivenkerns  hat  ihm 
in  diesen  Tagen  eine  Bembex  geliefert,  die  er  fĂĽr  B.  oculata 
Dahlb.  hält;  die  -9  gelb,  die    ö^  aber  mit  weissem  Ring  ohne 
Punkt,  so  dass  vielleiclit  B.  Latreillei  als     o     ^-u    B.    oculata 
gehört.   —   Der  früheren  Entdeckung  der  Puppen  von  Celonites 
apiformis  (kleine  Zellen  von  Mörtel    längs    einem    Halm,  mit 
den    Enden    aneinanderhängend    wie  Würstchen)    ist    in    der 
letzten  Zeit  eine  neue  gefolgt  (vielleicht  des  C.  afer  Lepell.), 
dessen  ähnlich  geformte    Puppen    parallel    nebeneinander    an 
einen  Stein  geklebt  waren.     Es  dĂĽnkt  ihm  abnorm,    dass  die 
Bewohner  dieser  Zellen  die  FlĂĽgel  an  den  Bauch  angedrĂĽckt 
und  die  Beine  darĂĽber  liegend  zeigen,  was  ihm   bei  keinem 
andern    Hymenopteron    vorgekommen.      Ammophila    Heydeni 
Dahlb.  ist   ihm    aus    einem    hellkastanienbraunen    Cocon    mit 
breiter  weisser    Binde    ausgeschlĂĽpft,    der    in    einem    andern 


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CocoD  schlaffen  Gewebes  eingeschlossen,  im  Sande  gefunden 
wurde.  —  Von  100  Raupen  des  Bombyx  Yamamai  erzog  er 
80  Puppen,  aus  denen  76  Falter  ausschlĂĽpften,  die  er  in  sei- 
nem Garten  fliegen  liess.  Er  erwartet  den  angekĂĽndigten 
Besuch  des  Prof.  Gerstäcker  und  der  andern  deutschen  Na- 
turforscher, welche  im  Auftrage  des  Reiclisministeriums  die 
Phylloxera  beobachten  sollen.  Augenblicklich  fliegt  diese 
Landplage  so  massenhaft  umher,  dass  er  ohne  Uebertreibung 
behaupten  kann,  auf  jedem  Blatt  einer  grossen  Eiche  in 
seiner  Nachbarschaft  sitzen  mindestens  zehn  Exemplare! 

5.  C,  Blees,  Sachsenhausen,  13.  Aug.,  wĂĽrde  gerne 
europ.  oder  exot.  Schmetterlinge  durch  Zucht  aus  befruchteten 
Eiern  gewinnen,  und  bittet  um  Auskunft,  ob  und  wo  der- 
gleichen zu  kaufen. 

6.  Dr.  Katter,  Putbus,  17.  Aug.,  hat  aus  der  Schweiz 
Dichotrachelus  Knechti  Tourn.  n.  ep.  heimgebracht  und  könnte 
ein  Paar  Exemplare  abtreten. 

7.  R.  Friedländer  &  Sohn,  Berlin,  20.  Aug.,  wegen 
der  Revue  Cuvierienne  (und  Magazin)  von  Guerin,  welche  sie 
zur  Ansicht  einsenden  werden. 

8.  E.  Keitter,  Paskau,  18.  Aug.,  Nachträge  zu  seinem 
Artikel  ĂĽber  Lathridier. 

9.  Graf  Ferrari,  Wien,  4.  Aug.,  dankt  verbindlich 
fĂĽr  die  ihm  zur  Disposition  gestellten  Autographa  von  Ento- 
mologen; die  meisten  davon  fehlen  ihm  und  werden  will- 
kommen sein. 

10.  Brischke,  Danzig,  17.  Aug.,  bedauert,  dass  er 
dem  aus  SĂĽdfrankreich  durch  meine  Vermittelung  ihm  mit- 
getheilten  Wunsche  nach  norddeutschen  Goldwespen  wegen 
Schimmels  seiner  Dupla  kaum  wird  entsprechen  können.  An 
südlichen  Chrysiden  wäre  ihm  nichts  gelegen,  desto  mehr  an 
Exemplaren  der  Phylloxera  vastatrix  und  am  Corpus  delicti 
ihres  Schadens,  Wurzel-  und  Blatt-Gallen  u.  s.  w.  Desgleichen 
an  andern  Feinden  des  Weinstocks,  Tortrix  ambiguella,  Pil- 
leriana  und  wo  möglich  deren  Raupen  in  ihren  Gespinnsten. 
Auch  einige  Exemplare  von  Leptinotarsa  (Doryphora)  decem- 
lineata,  und  wenn  thunlich,  deren  Eier  und  Larven,  befressene 
Kartoffelpflanzen  u.  s.  w.  wären  pia  desideria!  [Es  wird 
schwer,  wenn  nicht  unmöglich  sein,  diesen  von  vielen  Seiten 
gleichzeitig  geäusserten  Wünschen  auch  nur  theilweise  be- 
friedigend  zu  entsprechen!     D.] 

11.  Gerichtsrath  Keferstein,  Erfurt,  21.  Aug.,  sendet  ' 
lepidopterische  Notizen  fĂĽr  die  Zeitung. 

12.  P.  Bargagli,  Firenze,  22.  Aug.,  konnte  wegen 
einer  Reise  nach  der  Schweiz  meinen  Brief  vom  5.  August 
nicht    eher     beantworten,    hat    mit    dem    Tesoriere,    Grafen 


11 

Vimercati  gesprochen  und  wird  die  Beitragsangelegenheit  aus- 
gleichen. Die  Aussicht,  durch  Dr.  Anton  D.  bei  seiner  Heim- 
kehr nach  Napoli  eine  Sendung  von  Curculionen  zu  erhalten, 
ist  ihm  erfreulich,  und  er  hofft,  sich  im  Laufe  des  Winters 
durch  toseanische  Seltenheiten  dafĂĽr  dankbar  zeigen  zu 
können.  In  Betreff  des  Amorphocephalus  coronatus  thut  es 
ihm  leid,  bei  der  fraglichen  Excursion  nicht  mehr  als  zwei 
Pärchen  gefangen  zu  haben,  von  denen  ihm  nur  eines  ver- 
blieben. 

13.  Hofrath  Speyer,  Rhoden,  24.  Aug.,  ersucht  um 
die  ihm  verheissnen  Separata. 

14.  Dr.  Snellen  van  Vollenho  ven,  den  Haag,  28.  Aug., 
erzählt  von  einer  Versammlung  der  niederländischen  Ento- 
mologen, welche  kĂĽrzlich  zu  Amsterdam  in  einem  Saale 
der  Gesellschaft  ^Natura  Artis  Magistra'^  stattgefunden  hat. 
Sie  war  zahlreich  besucht,  die  vorgetragnen  Mittheilungen 
interessant,  die  Stimmung  heiter  und  das  Festmahl  vortrefflich, 
V.  macht  mich  im  Voraus  darauf  aufmerksam,  in  dem  zu 
erwartenden  Berichte  die  Mittheilungen  des  Herrn  Piepers 
ĂĽber  Macassar  (oder  wie  P.  schreibt  Mangkasar)  nicht  zu 
übersehen.  Den  zoologischen  Garten  der  „Natura  A,  M." 
hält  V.  wo  nicht  für  den  besten  des  europäischen  Continents, 
so  doch  fĂĽr  einen,  der  in  erster  Reihe  steht.  Der  tĂĽchtige 
Dipterolog  van  der  Wulp  ist  im  Begriff,  ein  dreibändiges 
Werk  über  die  niederländischen  Zweiflügler  mit  vielen  Tafeln 
herauszugeben;  ein  vornehmer  und  reicher  Gönner  hat  sich 
zur  Deckung  der  Kosten  bereit  erklärt.  Hoffentlich  geht  es 
damit  rascher  vorwärts,  als  mit  V.'s  Pinacographia,  deren 
zweite  Lieferung  schon  seit  längerer  Zeit  durch  das  Fehlen 
eines  guten  Coloristeo  sich  verzögert;  es  ist  noch  fraglich, 
ob  in  Bruxelles  ein  passender  zu  finden  sein  wird.  Anfrage, 
ob  ich  des  berĂĽhmten  Hymenopterologen  Holmgr^n's  genaue 
Addresse  weiss?  V.  hätte  den  dringenden  Wunsch,  einige 
von  H,  beschriebne  Ichneumoniden  in  typischen  Exemplaren 
zu  sehen.  V.  bedauert,  dass  die  Zalil  der  deutscheu  Ab- 
nehmer seiner  ^Schetsen"  sich  verringert  hat.  [Der  Grund 
bei  Zweien  der  Herren  ist  mir  als  triftig  bekannt:  sie  sind 
verstorben!     D.] 

15.  J.  D.  E,  Schmeltz,  Hamburg,  28.  Aug.,  sendet 
das  erbetne  Duplicat  des  verlegten  Verzeichnisses  einer  höchst 
interessanten  Sendung  von  einigen  sechzig  Paussiden  aus 
Nordost-Australien,  welche  mir  mit  dem  Anheimstellen  zuge- 
gangen ist,  darĂĽber  einen  Artikel  fĂĽr  das  Journal  Godeffroy 
zu  sehreiben. 

Der  Hamburger  Verein  fĂĽr  naturwissenschaftliche  Unter- 
haltung zählt  bereits  über  siebzig    Mitglieder,    die    Versamm- 


12 

hingen  werden  fleissig  besucht,  die  Veieiosbibliothek  wächst, 
mit  20  gelelirten  Gesellscliaftea  besteht  Schriftentausch. 

Zwei  Vorschläge  von  Mitgliedern  für  den  Stettiner  Verein, 

16.  Dr.  ().  Niekerl,  Prag,  4.  Sept.,  wollte  schon  seit 
acht  Tagen  antworten  und  die  Holubianer  Ostafrikaner 
schicken,  war  aber  durch  unvorgesehne  Hindernisse  abge- 
halten, zuletzt  durch  den  Besuch  des  Herrn  W.,  dem  (als 
Ausländer)  es  auch  gelang,  in  das  den  Inländern  versiegelte 
Museum  Helfer  zu  dringen  und  ĂĽber  den  trostlosen  Kampf 
der  wenigen  noch  erhaltnen  Reliquien  mit  den  siegreichen 
Anthrenen  durch  Augenschein  zu  berichten.  —  Mein  Rath, 
die  fraglichen,  rübenschänderischen  Cleonu»  punctiventris- 
Larven  in  andrer  als  der  bisherigen  Weise  transportiren  zu 
lassen,  um  die  Beobachtung  ihrer  Verwandlung  zu  ermög- 
lichen, ist  befolgt  worden,  doch  ohne  Nutzen,  denn  sämmt- 
liche  Larven  sind  zu  Grunde  gegangen.  —  Die  Käferausbeute 
im  Kiesengebirge  war  wenig  erbaulich,  vielerlei,  aber  nichts 
rares.  Frage  nach  dem  Namen  eines  centralamer.  Semiotus 
( —  nach  den  angegebnen  Specialien  ist  es  S.  insignis  Cand.  — ). 
Von  den  europ.  Necrophoren  und  Silphen  fehlen  in  seiner 
Sammlung  nur  noch  wenige. 

17.  D.  V.  Schlechtendal ,  Zwickau,  1.  Sept.,  Notiz 
für  die  Zeitung  über  die  Präparation  von  Pflanzenläusen  für 
die  Sammlung. 

18.  Dr.  F.  Rudow,  Neustadt-Eberswalde,  2.  Sept., 
sendet  weniger  Chrysiden,  als  er  beabsichtigte,  da  eine  hin- 
einfallende Lupe  starke  VerwĂĽstung  in  den  zum  Abmarsch 
designirten  anrichtete.  Er  hofft  im  nächsten  Jahre  sein  be- 
sondres Augenmerk  auf  die  Goldwespen  richten  und  mehr 
davon  liefern  zu  können,  südliche  Arten  werden  ihm  als 
Aequivalent  willkommen  .sein.  Auch  mit  andern  Hymenop- 
teren  und  mit  Insecten  andrer  Ordnungen  (^abgerechnet 
Schmetterlinge,  Käfer  und  die  erst  seit  Kurzem  in's  Auge 
gefassten  Dipteren)  würde  er  ausländischen  Sammlern  gerne 
dienen.  Neustadt-Eberswalde  ist  eine  herrliche  Fundgrube 
fĂĽr  Insecten,  es  kommen  die  seltensten  Thiere  aller  Art  vor. 
I —  Das  bestätigt  eine,  mir  vor  Jahren  seltsam  dünkende 
Behauptung  des  verewigten  Ratzeburg,  der  auf  Alex.  Hum- 
boldt's  Frage  nach  der  Proportion  der  bei  Neustadt  vorkom- 
menden Insecten  zu  der  Anzahl  der  dortigen  Phanerogamen 
U  Insecten  auf  jede  Pflanze  angab,  aber  dies  fĂĽr  einen  excep- 
tionellen  Reichthum  der  Localität  hielt.  — ]  Eine  genauere 
Addresse  des  Scandinaven  Holmgren  kt   R.  nicht  bekannt. 

1».  Schreiben  des  Kais,  Ober-Postdirectors  Grub  er, 
Stettin,  G.  Sept.  —  Da  die  meisten  Staaten  nur  Brief-  und 
keine  Paket-Post  haben,  woraus  sich  der  tiscalische  Imperativ 


13 

erklärt,  den  Sendungen  durchaus  nichts  Schriftliches  beifügen 
zu  dürfen,  so  hatte  ich  einer  Käfersendung,  die  ich  im  April 
d.  J.  an  Herrn  Lichtenstein  in  Montpellier  fĂĽr  zwei  seiner 
coleopterophilen  Freunde  abgehen  Hess,  kein  Verzeichniss  der 
etwa  100  Arten  beigefĂĽgt,  sondern  legte  dasselbe  in  einen 
separaten  Brief.  Ich  war  nicht  eben  augenehm  ĂĽberrascht, 
als  mir  Herr  L,  zwar  den  richtigen  Eingang  der  Kiste,  aber 
nicht  des  unter  genau  derselben  Addresse  gleichzeitig  abge- 
sendeten Briefes  meldete;  und  da  ich  es  unterlassen  hatte, 
Abschrift  des  Verzeichnisses  zurĂĽckzubehalten,  so  konnte  ich 
aus  dem  Gedächtnisse  die  Namen  der  gesandten  Käfer  nur 
ziemlich  lĂĽckenhaft  angeben.  Gegen  Mitte  August  wurde  ich 
seltsam  ĂĽberrascht,  als  mir  der  anscheinend  verlorne  Brief 
von  der  hiesigen  Post  wieder  mit  dem  Vermerk  „zur  Ermitt- 
lung des  Absenders  amtlich  eröffnet"  zugestellt  wurde.  Nun 
lag  auch  der  Grund  zu  Tage,  weshalb  er  nicht  an  seine 
Addresse  gelangt  war.  Dicht  unter  das  von  mir  deutlichst 
geschriebne  und  unterstrichne  Montpellier  hatte  es  irgend 
einem  albern  inspirirten  Genius  postalis  beliebt,  mit  grossen 
deutschen  Lettern  yjNord-Amerika''  hinzuzuschmieren,  und  in 
Folge  dieser  mehr  aus  der  Luft,  als  aus  dem  Malte  Brun, 
Stieler  oder  Kiepert  gegriffnen  Directive  hatte  sich  mein 
armer  Brief  zwei  Monate  lang  in  den  Vereinigten  Staaten 
unbestellbar  umhergetrieben,  bis  das  Postamt  in  Washington 
die  Geduld  verloren  und  ihn  mit  dem  Stempel  „unclaimed" 
nach  Stettin  zurĂĽckgeschleudert  hatte. 

Herr  Gruber  bedauert  nun  in  seinem  Schreiben  den  er- 
folgten Missgriff,  sagt,  dass  ein  hiesiger  Postbeamter  als  Autor 
des  Beisatzes  „Nord-Amerika"  ermittelt  worden,  der  zu  seiner 
Entschuldigung  anführe:  „ihm  sei  die  Lage  von  Montpellier 
vollkommen  bekannt,  er  mĂĽsse  aber  in  dem  Drange  der  Arbeit 
den  beabsichtigten  Erläuterungsvermerk  aus  Versehen  nicht 
auf  den  beabsichtigten,  sondern  auf  diesen  Brief  gesetzt  ha- 
ben." Uebrigens  sei  diese  FlĂĽchtigkeit  entsprechend  gerĂĽgt 
worden. 

NatĂĽrlich  hatte  ich  das  vagabundirende  Verzeichniss 
(diesmal  der  Sicherheit  wegen  durch  „Einschreiben"  besserer 
Behändigung  empfohlen)  von  neuem  abgesandt,  und  Herr 

20.  J.  Lichtenstein,  Montpellier,  .5.  Sept.,  Iiat  es 
richtig  erhalten,  und  meint,  es  werde  doch  noch  einen  und 
den  andern  Zweifel  über  die  Namen  der  gesandten  Käfer 
zweckdienlicii  beseitigen.  —  Ph3'lloxera  (cum  pertinentiis) 
wird  ihm  von  vielen  Seiten  abverlangt.  —  Herr  C.  V.  Riley, 
State  entomologist,  Saint  Louis,  Missouri,  wĂĽnscht  Mitglied 
des  Stettiner  Vereins  zu  werden,  und  den  laufenden  Jahrg. 
der  Zeitung  zu  haben.  —  Die  Herren  Prof.  Gerstäcker,  Nord- 


14 

linger  und  Märker  waren  8  Tage  lang  in  Montpellier  und 
Bordeaux  in  Sachen  Phjlloxerae.  Für  Prof.  Gerstäcker  schien 
es  sehr  interessant,  dass  L.  ihm  die  zweite  Larvenform  der 
Cantharis  vesicatoria  zeigte,  und  es  wĂĽrde  ihm  vielleicht  nicht 
weniger  wichtig  sein,  die  eben  entwickelte  dritte  Form 
(2V'2  Centim.  lang)  zu  sehen. 

L.'s  Behauptung,  die  eine  Art  Phylloxera  ĂĽberwintere 
auf  Quercus  coccifera,  wandere  im  Sommer  auf  Quereus 
pubescens  ĂĽber,  kehre  aber  im  Herbste  auf  Q.  coccifera  zu- 
rĂĽck, war  von  der  Pariser  Academie  als  ganz  unwahrscheinlich 
und  gewiss  ungenau  abgewiesen  worden.  Jetzt  schreibt  ihm 
Prof.  Targioni  aus  Firenze:  „Vos  observations  sont  excellentes, 
ici  les  Phylloxera  6migrent  aussi  du  Q.  sessiliflora  au  Q.  ilex." 
L.  fährt  fort: 

„Targioni  schickt  mir  als  Beweis  Eichenblätter  der  zwei 
Arten  und  siehe  dal  ich  finde  nicht  nur  die  mir  bekannte 
Phylloxera,  die  auf  coccifera  ihre  sexuirten  PĂĽppchen  bringt, 
sondern  auch  die  Püppchen  selbst  und  4  sexuirte  Läuse 
lebendig,  2  <^  und  2  $.  Haben  wir  nicht  da  ein  exotisches 
Insect,  das  in  seinem  struggle  for  life  sich  bei  uns  mit  Q. 
pubescens  und  coccifera,  in  Italien,  wo  diese  fehlen,  mit  ses- 
siliflora und  ilex  arrangirt?^ 

21.  Cand.    phil.    0.    Schmiedeknech  t    in    Stadtilm 
(ThĂĽringen),    10.    Sept.,    wĂĽnscht    Mitglied     des    Vereins    zu  11 
werden,  sendet  eine  Schrift  ĂĽber  Flora   und    Fauna    der  Ort-  | 
Schaft  Gumperda  ein,  und  wĂĽrde    gern    mit    Neuropterologen 
in  fĂĽr  ihn  belehrenden  Verkehr  treten,  um  dessen  Vermittlung 
er  ersucht. 

22.  Dr.  G.  Rad  de,  Borshom  bei  Tiflis,  31.  Aug.,  sendet 
mir  einen  Bericht  aus  seiner  Sommerreise,  aus  welchem  ich 
Folgendes  wörtlich  ausziehe: 

^Es  war  eine  grosse  Cavalcade,  die  Mitte  Juni  von  hier 
aufbrach.  ZwöU  muthige  Tatarenpl'erde,  zwei  gute,  vier  be- 
denklich schlechte  Reiter,  leidliche  Provision,  ein  vorwelt- 
licher Weinschlauch,  nach  antiker  Manier  einem  SĂĽnden- 
(Ziegen-)  bock  ĂĽber  sein  eignes  Maul  gezogen,  dann  auf  der 
innern  Seite  reichlich  mit  schwarzer  Naphta  ausgeschmiert, 
an  den  4  Fussenden  sorgsam  unterbunden,  am  Nabel  ver- 
picht, am  Maule  und  wo  sonst  nöthig  ganz  w-asser-  und 
wein-dicht  gemacht,  und  straft*  mit  edlem  Kachetiner-Gewächs 
gefĂĽllt:  er  wurde  allabendlich  auf  seinen  Inhalt  kritisch  und 
nachhaltig  geprĂĽft.  Wie  Sie  vielleicht  schon  wissen,  reisten 
mit  mir  Dr.  Schneider,  Dr.  Fixsen,  Lepidopterolog,  der  Bruder 
des  Cuetos  des  Petersb.  Museums,  H.  Morawitz,  der  deutsche 
Consul  BrĂĽning  und  ein  Sohn  des  Ihnen  bekannt  gewesenen 
Lepidopterophilen  Sievers. 


15 

Von  hier  ging  es  zunächst  direct  gegen  Süden  in's  Rand- 
gebirge von  Armenien,  weiches  hier  mit  den  herrlichsten 
Wäldern  bestanden  ist.  Sofort  begann  der  liebenswürdigste 
Regen  und  verhalt"  uns  zu  den  ĂĽberflĂĽssigsten  Reminiscenzen 
an  die  Sintflut,  Noah,  die  Arche  etc.  Das  half  ausgezeichnet, 
wir  wurden  nass  und  immer  nässer,  heute,  morgen  und  jeg- 
lichen folgenden  Tag,  selbst  da,  wo  sonst  in  normalen  Jahren 
am  Araxes  nur  6  Zoll  Regenwasser  fallen,  und  wo  sonst  die 
lulodis  Faldermanni  an  den  stachligen  Alhagi-Stauden  sitzen 
und  sich  entzĂĽckt  von  den  sengenden  Sonnenstrahlen  schmoren 
lassen.  Diesmal  Regen  und  immer  Regen;  an  Aussichten  im 
Hochgebirge  nicht  zu  denken,  und  natĂĽrlich  auch  nur  geringe 
entomistische  Ausbeute.  Selbst  der  unermĂĽdlich  rafflustige 
Dr.  Schneider,  der  vorgestern  ĂĽber  Stambul  heimgekehrt  ist, 
hat  zwar  von  Käfern  multa,  aber  nicht  multum  zu  seiner 
Enttäuschung  eingeheimst.  Dem  für  Reitter  hier  reisenden 
Leder  ist  es  ähnlich  ergangen,  überdies  soll  ihm  auf  dem 
Transport  noch  die  Hälfte  seiner  Raff'beute  schwer  geschädigt 
worden  sein. 

Wir  hielten  uns  nur  ein  paar  Tage  am  Tabizkur-See 
(6000')  auf,  gingen  dann  ĂĽber  Achalkalaki  durch  das  Gebiet 
der  Duchoborzen-Secte  entlang  der  tĂĽrkischen  Grenze  nach 
Alexandropol,  und  bestiegen  von  der  Nordseite  den  12000' 
hohen  Alagös.  Auch  hier  oben  Hagel  und  Schnee,  unten 
Regen.  Wohlthuend  war  das  Ausruhen  im  Kloster  Kiptschach, 
wo  uns  eine  Elite  von  Teufelsanbetern  (Jesiden,  einem  Kur- 
denstamm) die  Ehre  ihres  Besuches  erwies  und  den  93gradigen 
Spiritus  aus  unsern  Schlangengläsern  weg&ofF,  uns  ihrer  mass- 
losesten Freundschaft  versichernd.  Man  erzieht  in  diesem 
alten  Kloster  eine  Anzahl  Seminaristen,  höfliche  und  dienst- 
fertige junge  Leute,  deren  Kirchenlieder  freilich  unsern  Ohren 
nichts  weniger  als  lieblich  dĂĽnken  wollten.  [Eine  gewisse 
Isolirzelle,  mit  scharlachrothem  Tuch  malerisch  ausgeschlagen, 
veranlasst  mich  vielleicht  später  zu  einer  Monographie  über 
einseitige  Sitzsamkeit,  wobei  ein  Oelfarbendruck  der  Kipt- 
schacher  pensilvanischen  Erleichterungs-Zelle  durchschlagenden 
Neid  erwecken  soll.] 

In's  mittlere  Araxesthal  triumphirten  wir  unter  denselben 
mistnassen  Auspicien  hinein,  so  dass  unser  liebenswĂĽrdiger 
Bienenjäger  Morawitz  alle  Augenblicke  seinen  Schutzpatron, 
den  heiligen  Radoschkoff"sky,  derzeit  Präsidenten  der  Peters- 
burger Molochgesellschaft  invocirte!  Nicht  ohne  Lebensgefahr 
erkletterten  wir  in  Sardarabad,  einem  grossen  Dorfe  von 
persischem  Typus,  die  hügeligen  Erd-Dächer.  Nachdem  ich 
den  Freunden  einen  herrlichen  Plov  (europäisch  bekannter 
als  Pilaw  oder  Pilau)  hatte  bereiten  lassen,  zogen  sie  es  vor, 


16 

in  einer  pogenannten  Stube  zu  nächtigen,  während  ich  (als 
l{u}^»ertu8  expertus)  \vohi\vei.«lieh  oben  am  Luftloch  des  Daches 
verblieb.  Himmel!  wie  sahen  die  Freunde  am  nächsten  Morgen 
aus!  Elend,  taumelnd,  von  Muskitostichen,  Wanzenbissen, 
Flohbosheiten  verhindert,  in  der  ganzen  Nacht  die  Augen  zu 
schliessen  —  das  war  die  reichste,  aber  höchst  unerwünschte 
entomische  Fundgrube  gewesen! 

Am  Goktschai-See  gab  es  wieder  viel  Wasser  auf  den 
Pelz,  an  den  Mineralquellen  von  Abastuman,  wo  uns  ein  me- 
dicinischer  Freund  bewirthete,  mehr  Nectar  in  den  Magen. 
Die  Reitparlie  in  das  Gurische  Grenzgebirge  brachte  uns  ein 
splendides  Mittagsmal  im  Walde  ein,  dazu  Regimentsmusik, 
und  hinter  die  Ouvertüre  zu  Wilhelm  Teil  sogar  ein  militär- 
l'rommes  „Gott  erhalte  Franz  den  Kaiser!"  Ich  lasse  unent- 
schieden, was  intensiver  war,  die  Freude  des  Finders  eines 
Carabus  Leforti  nicht  weit  von  der  Lucullischen  Tafel,  oder 
die  Wehmulh  der  Nichtfinder. 

Jedenfalls  wurde  uns  am  Fusse  des  Kasbek  (10,000') 
der  Abschied  von  einander  nicht  nur  durch  sehr  trinkbaren 
Porter  verbittert,  sondern  den  verschiednen  Molochen  auch 
durch  Bienenbelastung,  Schmetterlings  -  Centurien,  Käfer- 
milliarden etc. 

Das  dem  Dr.  Heinr.  D.  versprochne  Rhododendron  wird 
in  nächster  Zeit  erfolgen." 

23.  Dr.  R.  Gestro,  Genova,  31.  Aug.  und  IJ.  Sept., 
erhielt  meine  Briefe  erst  nach  der  RĂĽckkehr  von  einer  mehr- 
wöchentlichen Ausflucht  zur  See  in  der  Jacht  eines  Freundes, 
wobei  die  sĂĽdliche  und  westliche  KĂĽste  Sardiniens  und  einige 
toscanische  Inseln  bestreift  wurden.  Die  zoologische  Ausbeute 
war  nichts  weniger  als  erheblich,  das  Beste  vi^aren  ein  Paar 
Falco  Eleonorai  und  deren  Eier.  Dass  in  seiner  letzten  Sen- 
dung doch  einiges  fĂĽr  mich  neu  gewesen,  war  ihm  lieb,  und 
nach  den  neusten  Berichten  Beccari's  hofft  er  auf  reicheren 
Nachschub,  von  dessen  Duplis  ich  in  erster  Linie  bedacht 
werden  soll.  Ueber  die  Differenz  der  von  ihm  aufgestellten 
Lonriaptera  xanthopyga  von  Boisduval's  L.  xanthopus  sei  er 
völlig  sicher  durch  eine  Reihe  von  Exemplaren;  da  er  von 
L.  Latreillei  kein  typisches  Stück  besitze,  könne  er  über  deren 
Verschiedenheit  von  L.  Wallacei  nichts  sagen:  dass  einige 
der  von  Thom-son  und  Wallace  aufgestellten  Arten  mit  ein- 
ander collidiren,  sei  ihm  freilich  wahrscheinlich.  —  Die 
Gattung  Gloeodema  habe  Wolla&ton  in  seinen  Genera  of  the 
Cossonidae  Lond.  Transact.  1873  errichtet.  [Ich  hatte  sie, 
durch  oberflächliche  Aehnlichkeit  des  ö"  mit  Brentiden  ver- 
leitet, vergeblich  unter  diesen  gesucht.]  —  .Meinen  Vorschlag, 
die  exotischen  Tomiciden    durch    Oberförster   Eichhoff,    einen 


17 

der  besten  Kenner  dieser  schwierigen  Gruppe,  determiniren 
zu  lassen,  wĂĽrde  er  dankbar  acceptiren:  nur  sei  zu  befĂĽrchten, 
dass  die  Eisenbahngesellschaft  (es  giebt  keine  Packetpost  in 
Italien)  nach  der  kleinen  Stadt  Saarburg  in  Lothringen  keine 
Sendung  annehme.  —  Mit  dem  Cureulionidenkenner  Roelofs  in 
Bruxelles  bestehe  bereits  ein  freundlicher  und  erspriesslicher 
"Verkehr.  Das  Befinden  des  Marchese  Doria  nach  der  schweren 
ĂĽberstandnen  Krankheit  sei  durchaus  noch  nicht  zufrieden- 
stellend: namentlich  könne  er  sich  aus  anscheinender  Apathie 
nicht  zu  einem  Luftwechsel  entschiiessen,  der  ganz  dringend 
geboten  sei.  —  In  Beceari's  letztem  Schreiben  vom  5.  Juni 
aus  Dorei  (N.-Guinea)  seien  höchst  interessante  geographische 
und  zoologische  Notizen  enthalten,  B.  sei  mit  den  Resultaten 
seiner  bis  dahin  glĂĽcklich  durchgefĂĽhrten  Reise  zufrieden, 
wolle  noch  das  Arfak-Gebirge  besuchen  und  dann  Neu-Guinea 
verlassen:  die  Ausbeute  sei  ganz  zu  seiner  Befriedigung  aus- 
gefallen. [Das  lautet  hocherfreulich,  denn  Dr.  Beccari  spannt 
seine  Erwartungen  durchschnittlich  sehr  hoch  und  ist  selten 
mit  seinen  Resultaten  zufrieden,  auch  wenn  alle  Andre  es 
sind.  D-]  -  In  dem  zweiten  Briefe  theilt  Dr.  Gestro  gute 
Nachrichten  ĂĽber  Doria's  Befinden  mit,  der  sich  endlich  ent- 
schlossen hat,  in  die  Campagna  und  an  den  Apennin  zu 
gehen,  und  bereits  in  der  frischen  Bergluft  sichtliche  Fort- 
schritte in  der  Besserung  macht. 

24.  J.  W.  Douglas,  London,  12.  Sept.,  benachrichtigt 
mich  von  einem  Unwohlsein  unsers  Freundes  Stainton;  an 
dessen  Stelle  werde  er  das  Schreiben  an  Rev.  Matthews 
wegen  der  Emerj'schen  Ptilien  befördern  und  für  deren 
weiteres  Fortkommen  in  der  Welt  sorgen,  und  zwar  auf  dem 
Wasserwege,  um  ihnen  die  Eisenbahnstösse  zu  ersparen. 
17.  Sept.  Anzeige,  dass  auf  dem  Schrauber  ^Saxon''  nicht 
nur  die  Emery-Ptilien,  sondern  auch  noch  einige  mir  gehö- 
rige Micra  eingeschifft  sind,  welche  schon  seit  längerer  Zeit 
bei  Herrn  E.  Janson  in  deposito  waren.  [Mir  natĂĽrlich  un- 
bekannt, da  ich  kein  Aviso  erhalten.     D.] 

25.  E.  Mulsant,  25.  Mai  (Buchhandelweg),  sendet  die 
Publicationen  der  Lyoner  gel.  Gesellschaften  mit  dem  Er- 
suchen, ein  Paar  verlorne  ältere  Jahrgänge  der  entom.  Zeitung 
für  die  Bibliothek  der  Soc.  Linneenne  der  nächsten  Sendung 
beizulegen. 

26.  Friedländer  &  Sohn,  Berlin,  18.  Sept.,  senden 
für  die  Vereinsbibliothek  die  Ergänzung  der  Revue  Cuvi6rienne 
und  Cramer-StoU  Pap.  exotiques. 

27.  T.  Knapp,  Gotha,  22.  Sept.,  bittet  um  RĂĽcksen- 
dung des  im  vorigen  Jahre  gesandten  „Verzeichnisses  der 
von  ihm  in  ThĂĽringen  beobachteten    Schmetterlinge."     [Ohne 

2 


18 

dem  Local-Patriotismus  des  Verf.  zu  nahe  zu  treten,  und  die 
aufgewandte  „viele  Mühe''  und  „4(ljährige  Arbeif*  zu  unter- 
schätzen, müspen  wir  docli  bemerkhch  machen,  dass  eine 
blosse  Nomenclatur  der  bei  Gotha  vorgekommenen  Schmetter- 
linge (einschliesplich  der  Geometriden,  aber  ohne  die  Microptern) 
ohne  Angabe  der  Futterpflanzen  fĂĽr  die  Raupen,  Erscheinungs- 
zeit der  Imago  u.  s.  w.  von  verhältnissmässig  zu  geringer 
Bedeutung  fĂĽr  die  Wissenschaft  ist,  um  deswegen  andre  Ar- 
tikel zurĂĽckzulegen,  die  wir  fĂĽr  momentan  wichtiger  halten. 
Den  ĂĽblichen  Raum  fĂĽllen,  wenn  zu  wenig  Material  vor- 
handen, und  wenn  versprochne  Artikel  ausbleiben,  ist  fĂĽr  die 
Redaction  eine  schwere  Aufgabe:  aber  sie  ist  auch  nicht 
leicht,  wenn  das  Gegentheil,  allzu  reichlicher  Segen  an  Ma- 
nuscripten,  eintritt,  weil  Keiner  warten  will.] 

28.  Gehrth.  Dr.  Suffrian,  MĂĽnster,  22  Sept.,  hatte 
zwar  sich  meines  Briefes  nach  Bad  Rehburg  gefreut,  aber  die 
dort  angefangne  Antwort  bis  jetzt  unbeendet  gelassen,  und 
es  nun  vorgezogen,  den  Rest  durch  Dictat  zu  erledigen.  Von 
den  wenigen  beiiolgenden  Käfern  verdient  Crjptoeephalus 
pusio  aus  Cuba  allenfalls  eine  ehrenvolle  Erwähnung,  denn 
es  existiren  davon  nur  etwa  5  bekannt  gewordne  Exem- 
plare. Die  vier  Buprestiden  stammen  aus  dem  Nachlasse 
eines  kĂĽrzlich  in  Siegen  verstorbnen  Missionars,  der  sich  vor 
Jahren  in  Australien  und  um  Neu-Guinea  herumgetummelt 
hat,  von  dort  Naturalien  aller  Art  mitgebracht,  dieselben 
aber  unter  Verschluss  behalten  hatte.  Nach  seinem  Tode 
wurden  sie  verkauft  und  aus  einer  Spiritusflasche  voller 
Insectentrümmer  an  Bäuchen,  Flügeln  und  Beinen  hat  ein 
ehemaliger  SchĂĽler  S.'s  diese  leidlich  erhaltnen  StĂĽcke  ge- 
rettet. (Drei  der  Buprestiden  gehören  zu  Cyphogastra  fovei- 
collis  Boisd. ;  die  vierte  Art  besitze  ich  gleichfalls  aus  der 
Gegend  des  Sunda-Archipel«,  aber  ohne  Namen.  D.]  Eine 
Käfersendung  von  Dr.  Gundlacli  aus  Cuba  kam  leider  statt 
auf  dem  gewöhnlichen,  als  gut  erprobten  Wege  über  Cassel 
oder  Marburg  auf  ungewöhnlicher  Strasse  über  Hamburg  und 
Berlin  nach  MĂĽnster,  und  lieferte  einen  zerstossenen  und  ver- 
btümmelten  Betrag  von  Rüsselkäfern  und  Halticiden. 

20.  E.  Daemel,  Ham!)urg,  17.  Sept.,  theilt  mir  einige 
Data  ĂĽber  die  von  ihm  in  Australien  fĂĽr  das  Museum  Go- 
deffroy  gesammelten  Pau&siden  mit.  Ich  behalte  mir  vor, 
darüber  später  zu  berichten. 

30.  Max  Korb,  MĂĽnchen,  23.  Sept.,  hat  Beobachtungen 
ĂĽber  Insecten  in  der  libyschen  WĂĽste  gemacht  und  fragt  an, 
ob  dieselben  in  der  Zeitung  Platz  finden  können?  30.  Sept., 
sendet  sie  ein. 


19 

31.  Gustos  Schmeltz  (Museum  Godeffroy),  Hamburg, 
23.  Sept.,  war  durch  die  grossartige  AusrĂĽstung  des  Explo- 
rators  Kubary,  der  fĂĽr  das  Museum  G.  mehrere  Inselgruppen 
des  stillen  Oeeans  erforschen  soll,  an  frĂĽherer  Beantwortung 
meines  Schreibens  behindert,  ist  mit  meinen  Vorschlägen  in 
Betreff  einiger  Dupla  der  Paussen  einverstanden  und  dankt 
für  den  Nachweis  von  Determinatoren.  Aufträge  und  An- 
fragen für  meine  Söhne  Dr.  Heinrich  und  Dr.  Anton. 

32.  Dr.  G.  Schweinfurth,  Berlin,  17.  Sept.,  spricht 
seinen  Dank  aus  fĂĽr  das  (hinsichtlich  der  in  Cairo  zu  grĂĽn- 
denden naturwissenschaftlichen  Bibliothek)  Erbieten  des  Ver- 
eins. Die  Buchhandlung  F.  A.  Brockhaus  in  Leipzig  wird  die 
Zusendungen  vermitteln. 

33.  Baron  Huene  auf  Lechts  bei  Reval,  23.  Sept.,  kann 
bei  der  nach  dem  fast  tropischen  Sommer  jetzt  eingetretnen 
normalen  Herbstkälte  es  nur  für  erlaubt  halten,  die  Herren 
V.  Nolcken  und  Petersen  zu  beneiden,  die  in  den  nächsten 
Tagen  zu  einem  zweijährigen  Exploriren  Venezuela's  auf- 
brechen wollen.  Ob  die  exotischen  Lepidoptera  nicht  ihren 
bisherigen  Forschungen  im  Gebiete  der  einheimischen  Eintrag 
thun  werden?  [Erweiterung  des  Gesielitskreises  ist  gewiss 
nicht  notliweodig  mit  Indifferenz  gegen  das  Einzelne  ver- 
bunden, während  es  bei  jeder  Systematik  unbestritten  auf 
unhaltbare  Einseitigkeiten  fĂĽhren  muss,  wenn  sie  sich  ohne 
zwingende  Noth  auf  Grenzen  limitiren  will,  von  welchen  die 
Natur  nichts  weiss.  Gerade  die  Herren  Lepidopterologen 
könnten  aus  den  in  unsrer  Zeitung  gebrachten  Artikeln  der 
letzten  Zeit  zu  der  unabweislichen  Einsicht  gelangt  sein,  dass 
die  nordamerikanische  Fauna  mit  der  europäischen  eng  genug 
verschwistert  ist,  selbst  abgesehen  von  der  Identität  der  po- 
larischen Arten]  Vorschlag  eines  Mitgliedes.  Anfrage  nach 
feüdeuropäischen  Addressen  für  Schmetterlingstausch. 

34.  C.  Kitsema,  Leyden,  27.  Sept.,  muss  zu  seinem 
Bedauern  eingestehen,  dass  er  seit  längerer  Zeit  im  Cor- 
respondenz-RĂĽckstande  verblieben.  Die  beifolgende  Beschrei- 
bung eines  neuen  Paussus  aus  Congo  war  schon  seit  längerer 
Zeit  fĂĽr  die  entom.  Zeitung  bestimmt;  ein  paar  Separata 
werden  erbeten.  In  Folge  eines  durch  Dr.  Snellen  van 
Vollenhoven  ĂĽbermittelten  Wunsches  wird  das  Desideratum 
in  Begleit  mehrerer  Buprestiden  und  Cetoniden  aus  nieder- 
ländisch Indien  mir  zugehen;  es  werden  Species  namhaft  ge- 
macht, welche  dagegen  als  Aequivalent  gewĂĽnscht  werden. 
Die  von  mir  als  Helota  Bowringi  in  coli,  versandte  Art  ist 
inzwischen  von  Gorham  als  H.  gemmata  beschrieben  worden; 
Ausser  derselben  beschränken  sich  die  bekannten  Species  auf 
H.  Vigorei,  Servillei,  Guerini,  tibetana  (welche  R.  mit  Mellyi 

2* 


20 

für  bynonym  hält);  zwei  andre  Arten  aus  Java  sollen  näch- 
etene  beechrieben  werden.  Aus  der  Umgegend  von  Batavia 
ibt  ein  kleiner  Peeudomorpliide  (Carabicin)  nach  Leyden  ge- 
langt, der  in  die  bisherigen  Gattungen  nicht  p;«8st,  Cryptoce- 
phalomorpha  Gaverei  Rits.  zu  Ehren  des  Finders  Dr.  C.  de 
Gavere.  Auch  eine  neue  Apatetica  und  ein  prachtvoller  neuer 
Scotajus  sollen  ehstens  publicirt  werden.  Der  Bruder  R.'s 
ist  jetzt  nach  dem  östlichsten,  bisher  entomologisch  nicht 
explorirten  Theile  von  Java  an  der  Balistra&se  versetzt,  und 
es  sind  von  dort  interessante  Schätze  zu  erwarten.  Anfrage 
nach  exotischen  Hymenopteren. 

35.  L.  Fairmaire,  Paris,  27.  Sept.,  hatte  (wie  ge- 
wöhnlich) seit  einem  Monat  den  festen  Vorsatz,  mir  zu 
schreiben,  und  pflasterte  (wie  gewöhnlich)  die  Hölle  damit. 
Die  bewussten  Maroccaner  sind  beordert  und  deren  Eintreffen 
zu  erwarten.  Da  es  sich  bei  den  Sendungen  aus  Monrovia 
herausgestellt  hat,  dass  der  mit  der  ersten  in  einigen  Exem- 
plaren gekommene  Glyptus  sculptilis  (Carab.)  bei  der  zweiten 
gänzlich  ausblieb  (—  seine  Seltenheit  war  inzwischen  auch 
dadurch  indirect  verbĂĽrgt,  dass  er  in  der  grossen  Carabicinen- 
sammlung  fehlte,  welche  Marchese  Doria  vom  Grafen  Castelnau 
gekauft  hat,  obschon  der  Letztere  an  Guineakäfern  sehr  viel 
besass  — ),  so  ist  F.  ganz  zufrieden,  dass  er  von  jenen  ersten 
Exemplaren  eines  profitirte.  Er  hoflft,  von  den  mir  zur  Be- 
sprechung vorliegenden  Paussiden  Australiens  eine  Vermeh- 
rung Beines  unpassend  ärmlichen  Bestandes  von  nur  drei 
exotischen  Arten.  Auch  ihm  wurde  mitgetheilt,  dass  es  sich 
mit  unsers  Freundes  Doria  Gesundheitszustand  bessert. 

36.  Gustos  Schmeltz,  Hamburg,  29.  Sept.,  dankt  fĂĽr 
das  erhaltne  Manuscript,  welches  er  der  Redaction  des 
GodeflFroy-Museums- Journals  bereits  übergeben  hat,  schlägt 
ein  neues  Mitglied  vor,  bittet  um  nachträgliche  Exemplare 
des  laufenden  Jahrgangs  der  Zeitung,  und  acceptirt  das  Er- 
bieten wegen  der  Cryptocephaliden. 

37.  Dr.  C.  Berg,  Prof.  der  Zoologie  und  Inspector  des 
Museo  publico  in  Buenos-Aires,  8.  Aug ,  war  zu  seinem  Be- 
dauern durch  mehrfache  Reisen  und  viele  Berufsgeschäfte 
seit  Jahr  und  Tag  am  Schreiben  verhindert.  Er  beklagt 
namentlich  die  unverhältnissmässige  Zeit,  welche  aufgewendet 
werden  muss,  um  die  Insecten  des  Museums  vor  den  ganz 
unglaublichen  VerwĂĽstungen  zu  schĂĽtzen,  welche  der  Schimmel 
darin  anrichtet  —  alle  bisher  gebrauchten  Gegenmittel  haben 
nichts  gefruchtet,  j  Meines  Erinnerns  haben  unsre  niederlän- 
dischen Collegen  kürzlich  eiu  wirksames  Präservativ  in  der 
Tydskrift  publicirt.  D.j  In  diesem  Uehelstande  liege  auch 
ein  Hauptgrund,    weshalb    das    entom.    Museum    nicht    daran 


21 

denken  könne,  sich  über  das  inländische  Material  hinaus 
auszudehnen.  Die  von  mir  in  meinem  letzten  Briefe  an  Prof. 
Burmeister  gerichtete  Frage,  ^ob  es  denn  nicht  möglich  sei, 
junge  LandeseiDgeborne  auf  Entomologie  zu  dressiren?"  mĂĽsse 
er  verneinen;  sie  hätten  nur  Sinn  für  greiflich  reale,  oder 
für  politische  Interessen,  oder  (noch  schlimmer)  „würden 
sofort  ĂĽber  die  Sache  Abhandlungen  schreiben  wollen,  um 
des  gelahrten  Nimbus  willen."  Uebrigens  solle  ihn  das  nicht 
abhalten,  in  seinen  nächstens  zu  beginnenden  Vorlesungen 
den  Zuhörern  die  Entoma  an's  Herz  zu  legen.  —  Augen- 
blicklich ist  er  mit  dem  Ordnen  der  Noctuinen  und  Geome- 
trinen  des  Museums  beschäftigt.  Gelegentlich  sollen  einige 
der  auf  der  patagonischen  Reise  erbeuteten  Kerfe  mitgetheilt 
werden  und  die  in  Aussicht  gestellten  Lamellicornien  werden 
willkommen  sein.     Einlage  an  Prof.  Zeller. 

38.  Dr.  H.  Hagen,  Cambridge  (Mass.),  14.  Sept.,  er- 
klärt sich  sehr  damit  einverstanden,  dass  ich  seine  Briefe 
zweimal  beantworte.  [Meine  erste  Antwort  hatte  ich  von 
meinem  Landsitze  aus  geschrieben,  ohne  den  H.'schen  Brief 
vor  mir  zu  haben,  fand  aber  nachher  in  der  Stadt,  dass  ich 
einiges  Wesentliche  nicht  beachtet  hatte  und  sehrieb  darĂĽber 
einen  zweiten  Brief.  D,]  Kurz  vor  Antritt  seiner  Sommer- 
ferien-Reise trafen  auch  zwei  längst  erwartete  Kisten  ein, 
die  eine  aus  England  mit  sehr  beschädigtem,  die  andre  aus 
Schwaben  über  Stettin  mit  ganz  unbeschädigtem  Inhalt.  H. 
hatte  sich  zur  Erholung  auf  die  Reise  zwei  Darwinistische 
Schriften  mitgenommen  und  verbrämt  sie  mit  humoristischen 
Randglossen.  [Auf  die  Gefahr  der  Indiscretion  hin  theile  ich 
die  eine  davon  mit:  „Dass  die  Neger  aus  Sommer-Eiern  ent- 
standen sind,  war  mir  nach  Lesung  der  Schrift  von  W.  bei- 
nahe zweifellos.'']  H.  war  in  Woodshole  an  der  See,  wo 
Prof.  Baird  mit  einem  Dutzend  tĂĽchtiger  junger  Leute  in 
einem  trefflich  eingerichteten  Laboratorium  arbeitet.  A.  Agassiz 
hat  ein  eben  so  zweckmässiges  in  Newport  und  leistet  Ausge- 
zeichnetes in  Beobachtungen  der  postembrjonalen  Zustände 
der  Crustaceen  etc.  In  Woodshole  ist  auch  eine  botanische 
Sommerschule  fĂĽr  Algen,  in  Cleveland  eine  zoologische  Station 
mit  23,  in  Kentucky  eine  geologisch-zoologisch-botanische  mit 
70  Schülern,  eine  andre  in  Paeoria  (Illinois).  —  Von  den 
Longicornen  des  Museums  sind  200')  Arten  bestimmt,  600 
Arten  nicht.  Von  Autocrates  seneus  Westw.  ist  das  r^  vor- 
handen. Eine  neue  Sendung  ist  von  Carleton  gesandt  wor- 
den; er  hat  mit  persönlicher  Gefahr  in  Thanassur  (Indien) 
einen  heiligen  Teich  ausgefischt,  Libellenlarven  ein  Quart, 
Nepa,  Ranatra    zwei    Quart,    ebensoviel    von    einem    kleinen 


22 

DjtiscideD,  der  auch  mir  nicht  entgehen  solle.*}  -  Eine 
neue  Synopsis  der  amerik.  Odonaten  wird  eben  gedruckt-, 
im  letzten  Jahre  kam  mehr  Neues  und  Interessantes  als  je 
vorher.  So  z.  B.  lag  H.  bei  Woodshoie  auf  einem  HĂĽgel, 
sich  der  weiten  Rundschau  erfreuend:  plötzlich  stösst  eine 
riesige  Aesclma  wie  ein  Habicht  auf  den  herumflatternden 
Papilio  Asterias  und  setzt  sieh  damit  an  einen  Strauch,  um 
ihm  Kopf  und  Thorax  abzubeissen.  H.  fängt  sie  und  erkennt 
io  ihr  Anax  longipes,  von  ihm  selber  vor  '20  Jahren  aus 
Escher  ZoUikofer'tt  Sammlung  beschrieben  nach  einem  vor 
bO  Jahren  von  Abbot  in  Georgien  gefangnen  Weibchen,  seit- 
dem verschollen,  fast  als  opokrj'ph  geltend.  Und  bald  nachher 
erhält  H.  von  einem  Knaben  denselben  Anax,  in  Florida  ge- 
fangen und  zwar  genau  unter  denselben  Umständen,  dass  der 
Anax  eben  einem  andern  Insect  Kopl  und  Thorax  abgebissen. 
—  Falls  etwa  Jemand  sich  an  elegantem  Latein  den  Magen 
verderben  will,  kann  ihm  im  Entom.  monthly  Magazine  des 
Rev.  Eaton  dipterische  Abhandlung  ĂĽber  Kerguelen  J.  nach- 
drĂĽcklich empfohlen  werden.  23.  Sept.  Kurze  Anzeige,  dass 
meine  Sendung  eben  glücklich  und  unbeschädigt  eingetroffen 
ist,  und  dass  der  vorläufige  Anblick  ihn  sehr  befriedigt  hat; 
hoffentlich  solle  mir  das  Echo  gefallen. 

39.  Dr.  Eppelsheim,  GrĂĽnstadt,  3,  Oct.,  bittet  um 
Ansicht  eines  5"  von  Glyptomerus  etruscus  Picc.  und  wird  es 
in  Begleit  eines  fĂĽr  die  Zeitung  neubeschriebnen,  deutschen 
Thinobius  zurĂĽcksenden. 

40.  Gustos  Schmeltz,  Hamburg,  2.,  5.  und  10.  Oct.. 
wird  den  Nachtrag  zu  dem  Artikel  ĂĽber  australische  Paussiden 
gehörigen  Orts  einschalten  und  erklärt  sich  einverstanden 
mit  den  vereinfachten  Vorschlägen  über  die  Bearbeitung  der 
Daemerschen  Ausbeute. 

41.  Stud.  Ad.  Krause,  Leipzig,  5.  Oct.,  hat  die  Ab- 
sicht, eine  Reise  von  Tripolis  durch  die  Sahara  in  der  Rich- 
tung auf  Timbuktu  zu  machen  und  möchte  neben  dem  Haupt- 
zweck geographisclier  und  ethnologischer  Studien  auch  ento- 
mologische Interessen  wahrnehmen.  Ein  halbjähriges  Weilen 
im  Fezan  (1869j  hat  ihm  freilich  keine  lepidopterischen 
Illusionen  gelassen,  denn  er  sah  in  den  se^hs  Monaten  nur 
zwei  Schmetterlinge;  aber  Orthopteren,  Neuropteren  und  na- 
mentlich Käfer  waren  verhältnissmässig  reich  vertreten, 
Rathschläge  wegen  der  Ausrüstung  und  Addressen  würden 
ihm  willkommen  sein. 


*)  Mir  schwant  der  schwer  vermeidhche  Hindu  Hydaticus  v 
^««  *•!!  C.  A.  D, 


itta- 


33 

42.  Gehrth.  Suffrian,  MĂĽnster,  4.  Oct.,  giebt  mir  den 
SchlĂĽssel  zu  einer  mir  in  seinem  letzten  Briefe  unentzifferbar 
gewesenen  Hieroglyphe,  bezeichnet  ihm  Annehmbares  unter 
angebotnen  Kerfen,  möchte  Näheres  über  Glyptus  sculptilis 
wissen,  ist  vor  der  Hand  noch  ausser  Stande,  die  angefangnen 
Artikel  abzuschliessen. 

43.  H.  T.  Staiuton,  Mountstield,  3.  Oct.,  ist  von  seinem, 
zuletzt  bedenklich  gewordenen  Nervenleiden  durch  eine  glĂĽck- 
liche Krisis  vollkommen  genesen. 

44.  Circular  der  Kais.  Ges.  d.  Naturforscher,  Moskwa, 
4.  Oct.  mit  der  Anzeige,  dass  das  50jährige  Doctor-Jubiläum 
des  Geh.  Staatsratii  Alexander  Fischer  v.  Waldheim  am 
15.  October  festlich  begangen  werden  soll.  13.  Oct.  Dank 
fĂĽr  die  eingelaufne  Gratuktion. 

45.  Dr.  F.  Rudow,  Neustadt-Eberswalde,  6.  Oct.,  be- 
darf zu  einer  wissenschaftlichen  Arbeit  die  Jahrgänge  1873 
und   1874  der  Wiener  Zool.-bot.  Verhandlungen. 

46.  L.  Fairmaire,  Paris,  6.  Oct.,  nimmt  dankend  den 
ihm  durch  mich  vermittelten  Antrag  des  Museums  Godeffroy 
in  Hamburg  an,  die  durch  Hrrn.  Dämera  australische  Explo- 
ration erbeuteten  Coleoptera  zu  revidiren  und  die  neuen  Arten 
im  Journal  Godeffroy  zu  beschreiben.  Ausser  Graf  Mniszech 
(dessen  schwere  Krankheit  sich  zu  bessern  scheint)  und  A, 
Chevrolat  (der  seine  Sammlung  indessen  familienweise  ver- 
kleinert), ist  er  nachgerade  noch  der  einzige,  der  eine  allge- 
meine Käfersammlung  hat.  [Diese  bedenkliche  Consequenz 
des  Marseul'schen  ^bassin  de  la  m^diterran^e"  liess  sich 
beinah  voraussehen!  D.j  Der  verheissene  Tanyproctus  per- 
sicus  wird  ihm  eine  schmerzliche  GattungslĂĽcke  wohlthuend 
stopfen,  und  wegen  Canthidium  wird  er  in  Ergebenheit 
warten. 

47.  Dr.  Snellen  van  Vollenhoven,  Haag,  6,  Oct., 
kam  sich  beinah  als  laudator  temporis  acti  vor,  als  er  zu- 
fällig bei  einem  Besuch  in  Leyden  das  kleine  Schächtelchen 
sah,  welches  diesmal  Sendung  und  Gegensendung  vermittelt 
hatte,  damit  in  Gedanken  die  grossen  Kisten  vergleichend, 
welche  frĂĽher  unsern  Tausch  transportirten.  Durch  einen 
Missionar,  der  nach  Neuguinea  gelit,  wird  das  Museum  lug- 
dunense  hoffentlich  gutes  Material  erhalten.  —  V.  wünscht 
zu  wissen,  ob  der  Verein  das  I.  Heft  der  Pinacographia  er- 
halten? [Bisher  nicht.]  Auch  wie  es  um  die  No.  von  Sepp 
steht?  —  Note  zur  vergleichenden  Kritik  der  europäischen 
zoologischen  Gärten.  —  Wegen  Nees  van  Esenbeck'scher 
Typen  von  einigen  Arten  Codrus  hatte  sich  V.  an  das  Mu- 
seum zu  Bonn  gewendet,  erfuhr  aber  zu  seinem  Bedauern, 
dass  6  von  diesen  Arten  seit  1853  an  Herrn  A.  F.  in  Aachen 


24 

zur  Ansicht  ausgeliehen  sind.  V,  hatte  bisher  das  ZurĂĽck- 
halten entliehener  Infecten  von  1862  bis  1875  durch  Herrn 
M.  in  H.  fĂĽr  eine  starke  Geduldprobe  gehalten,  aber  dies 
Aachner  Wunder  ist  doch  entschieden  grösser,  und  äusserst 
ermuthigend  zum  Ausleihen  von  Unicaten!  -  8.  Oct.  Ihm 
ist  kein  andres  epecificum  wider  den,  allen  niederländischen 
Entomologen  nur  allzubekannten  Schimmelpilz  bekannt,  als 
das.'  Herr  van  Albarda  das  Benzin  als  gutes  Präservativ 
empfohlen  hat. 

4S.  C.  Ritsema,  Leyden,  7.  Oct.,  zeigt  an,  dass  meine 
Sendung  wohlbehalten  eingetroflfen  ist.  Meine  Voraussetzung, 
der  im  dortigen  Museum  als  Macleayi  Westw.  befindliche 
Arthropterus  werde  wohl  Arthr.  angulatus  W.  Mc.  Leay 
sein,  hat  sich  bestätigt;  doch  war  das  bereits  vorhandne 
Exemplar  ein  sehr  lädirtes.  R.  giebt  ein  Verzeichniss  der 
dort  repräsentirten  22  Arten  und  würde  gerne  fehlende  Arten 
gegen  doppelt  vertretene  eintauschen.  Der  Besuch  von 
A.  Costa  war  ihm  besondere  angenehm  wegen  der  Perspective 
auf  südeuropäische  Hymenoptera,  die  im  Leydener  Museum 
nicht  nach  Wunsch  vorhanden  sind.  Dass  mir  aus  Buenos- 
Aires  Patagonier  verheissen  sind,  wundert  ihn,  weil  Prof.  W. 
von  einem  absoluten  Export-Verbot  verlauten  lassen. 

49.  F.  RĂĽhl,  Ansbach,  12.  Oct.,  bietet  die  vom  dortigen 
Pastor  Heller  hinterlassene  Schmetterlingssammlung,  die  ca. 
12,000  europäische  nnd  exotische  Exemplare  umfasst,  für 
8000  Reichsmark  aus.  Er  sagt:  ^Der  Werth  der  von  mir 
genau  nach  Catalogen  Staudinger's,  Venus'  etc.  berechneten 
vorhandnen  Exemplare  dürfte  sich,  die  Unica  und  Varietäten 
nicht  geschätzt,  gerne  auf  Reichsmark  20,000  belaufen." 
[Ich  weiss  nicht,  ob  Herr  R.  in  den  vielen  ausgezeichneten 
Lepidopterensammlungen  Deutschlands  so  bewandert  ist,  dass 
er  sich  zu  dem  Ausspruche  für  berechtigt  hält:  „die  Heller'sche 
Sammlung  suche  an  Tadellosigkeit  und  Seltenheit  der  Exem- 
plare ihres  Gleichen"  —  aber  icli  darf  wohl  vermuthen,  dass 
sie  zu  dem  geforderten  Preise  noch  recht  lange  einen  Käufer 
suchen  wird,  ohne  ihn  zu  finden.  Angehende  Sammler,  auch 
wenn  sie  vermögend  sind,  stutzen  doch  vor  solcher  Summe, 
und  ältere  haben  vollends  keine  Neigung,  eine  grosse  Zahl 
Dupla  mit  Geld  aufzuwiegen.     D.J 

50.  Piero  Bargagli,  Firenze,  12.  Oct.,  erhielt  das  ihm 
durch  Gelegenheit  übersandte  Kästchen  und  dankt  für  die 
willkommnen  Käfer.  Er  hat  meinen  rückständigen  Beitrag 
fĂĽr  die  dortige  entom.  Gesellschaft  berichtigt,  und  wĂĽrde  den 
Ausgleich  gern  durch  ihm  brauchbare  entom.  BĂĽcher  er- 
halten. Anfrage,  ob  ich  ihn  im  Laufe  des  Winters  besuchen 
wĂĽrde?     [Dubito,  AtticelJ 


I 


25 

51,  Oberlehrer  F.  Sintenis,  Dorpat,  10.  Oct.,  dankt 
fĂĽr  mein  Erbieten,  ihn  in  den  Verein  einfĂĽhren  zu  wollen, 
und  erwartet  von  dem  eingeleiteten  Briefwechsel  mit  den 
verelirten  Stettiner  Professoren  den  grössten  Nutzen.  Er 
werde  (via  Leipzig)  ältere  Jahrgänge  der  Zeitung  bestellen 
lassen. 

52.  Dr.  Radde,  Titlis,  10.  Oct,,  zeigt  an,  dass  die 
Kiste  mit  allerlei  caucasischen  Sämereien  (conf,  No.  22)  be- 
reits expedirt  ist,  und  eine  mit  Glaphyrus  micans,  Böcken 
und  Buprestiden  ihr  auf  dem  Fusse  folgen  wird. 

Es  wurden  als  neue  Mitglieder  in  den  Verein  aufge- 
nommen die  Herren: 

H,  Maack,  Buchhalter  in  Hamburg, 

C.  Zimmermann,  Kleidermacher  in  Hamburg, 

C.  V.  Riley,  Staats-Entomolog  in  S.  Louis  (Missouri). 

0,  Schmiedeknecht,  Cand,  phil,  in  Stadtilm  (ThĂĽ- 
ringen). 

Pahnsch,  Oberlehrer  und  Conservator  am  zool. 
Mus.  in  Reval. 

J,  Kubary,  Naturforscher,  derzeit  auf  einer  Explo- 
rationsreise. 

F.  Sintenis,  Oberlehrer  in  Dorpat, 

V.  von  Boeder  in  Hoym  (Anhalt). 

Nach  erfolgter  Bestätigung  der  bisherigen  Vereinsbeamten 
wurde  die  Sitzung,  welche  die  auf  ihrer  Durchreise  nach 
Columbien  begriffenen  auswärtigen  Mitglieder  Herren  Baron 
V.  Nolcken  und  Stud.  Petersen  mit  ihrer  Gegenwart  beehrt 
hatten,  geschlossen. 

Dr.    C,    A.   Dohrn, 


36 


Mitglieder  -  Verzeichniss. 


Um  Raum  zu  gewinnen,  wird  auf  das  Verzeichniss  zu 
Anfang  des  Jahrgangs   1875  verwiesen. 

Die  im  Laufe  des  vorigen  Jahres  uns  bekannt  gewordnen 
Todesfälle  von  Vereinsmitgliedern  sind  8.  5  bereits  auf- 
gefĂĽhrt. 

Dem  Vereine  hinzugetreten  sind: 
als  Ehrenmitglied : 

Exe.  Baron  van  Lansberge,  General-Gouverneur 
von  Niederländisch  Indien  in  Batavia. 
als  Mitglieder  die  Herren: 

Alpheraki  in  Taganrog. 

H.  Burmeister,  Rentier  in  Arnstadt. 

Crokisius.,  Kaufmann,  derzeit  nach  der  GoldkUste 

in  Westafrika  unterwegs. 
Gaiger,  K.  K.   Rechuungs-OfĂźcial  in  Lissa    (Dal- 

matien). 
Heydenheim,  Lehrer    an    der    h.  Töchterschule 

in  Stettin. 
Krieghoff,  Pastor  in  Altenfeld  (Schwarzb.-Sond.)- 
Lichtenstein,  Kaufmann  in   Montpellier. 
Malm,  Director  des  Museums  in  Göteborg. 
A.  Miller,  Kaufmann  in  Stettin. 
Muller,  Gymnasiallehrer  in  Stettin. 
Mundt,  Ober-Postkassenrendant  in  Stettin. 
Dr.  A.  Nicolai  in  Greussen  bei  Erfurt. 
Dr.  Pipitz  in  Graz. 
P.   Wa entig  in  Zittau. 
Uns   bekannt    gewordne    Veränderungen    des    Wohnorts, 
der  Addresse  u.  s.  w.  einzelner  Mitglieder    sind    S.   260    des 
vorigen  Jahrgangs  angegeben.     Herr  Pastor  Schmidt  wohnt 
in  ZiilzeĂźtz  bei  Labes  in  Pommern,  nicht  TĂĽlzefitz,  wie  es  im 
vorjährigen  Verzeichnisse  lautet. 

Red. 


i 


27 


Insecten-BeobacliturLgen  in  der  Libyschen 

WĂĽste. 


Von 
llax  Kort»  in  München. 


Das  von  der  Rohlfs'schen  Expedition  in  den  Winter- 
nnonaten  1873|74  durchreiste  Gebiet  kann  man  wohl  mit 
Recht  den  ödesten  und  trostlosesten  Theil  der  Sahara  nennen.  — 
Auf  den  eigentlichen  WĂĽsten-Strecken  traf  ich  nur  wenige 
Arten  von  Insecten.  Auf  dem  Marsche  von  Siut  nach  Farafrah 
bemerkte  ich  nur  eine  Termes-Art  und  eine  flĂĽgellose 
Sandschrecke,  die  mit  ihren  langen  Beinen  ungeheuer 
schnell  über  die  öden  Sand-  und  Steinflächen  dahineilt  und 
ganz  dieselbe  Farbe  hat,  wie  die  des  Bodens,  auf  dem  sie 
angetroffen  wird.  So  waren  die,  welche  ich  auf  Sandboden 
antraf,  von  derselben  gelben  Färbung  wie  jener,  während  die 
auf  dem  sogenannten  dunklen  Serir  -  Boden  erbeuteten  eben 
solche  dunkle  Färbung  hatten. 

Uebrigens  waren  Letztere  viel  grösser  als  die  erstge- 
nannte, und  es  sind  wahrscheinlich  zwei  verschiedene  Arten.  — 
Bei  den  WĂĽsten-Brunnen,  die  von  einigen  Palmen,  Tama- 
risken und  GestrĂĽpp  etc.  umgeben  sind,  kann  sich  der  Sammler 
etwas  mehr  versprechen.  Hier  zeigen  sich  an  den  Gesträuchen 
immer  einige  Libellen  und  Fliegen,  und  am  Sand  und 
unter  Steinen  trifft  man  mehrere  Arten  Pimelien  an.  Auch 
traf  ich  an  einem  dieser  Brunnen  (Bir  Kerani)  unter  einem 
Stein  eine  Scarites-Art  an.  Beim  Bir  Diker  (zwischen 
Farafrah  und  Dachel)  fand  ich  in  dem  Cadaver  eines  Esels 
einen  Dermestes  (ähnlich  unserm  deutschen  murinus)  in 
Mehrzahl.  Hie  und  da  trifft  man  auch  in  der  WĂĽste  in  ein- 
zelnen Exemplaren  die  grosse  Wanderheuschrecke 
(Oedipoda  migratoria),  die  sich  auf  den  Carawanen-Wegen 
herumtreibt  und  den  Reisenden,  wenn  sie  aufgescheucht  wird, 
durch  ihr  Geschnarre  aufmerksam  macht.  Seltner  sieht  man 
einen  Schmetterling  in  diesen  WĂĽstenstrichen,  und  nur  einmal 
bemerkte  ich  uneern  bekannten  Distelfalter  (Vanessa 
Cardui),  einen  ächten  Cosmopoliten,  auf  der  Strecke  von 
Dachel  nach  Farafrah. 

So  arm  auch  diese  WĂĽstenstriciie  fĂĽr  den  Entomologen 
sein  mögen,  um  so  freudiger  wird  er  überrascht,  sobald  sein 


28 

FuöB  die  Oasen  betritt.  Obwohl  sich  auch  hier  eine  gewisse 
Armutli  an  Inneoten  fĂĽlilbar  macht,  so  kann  der  fleissige 
Sammler  docli  viel  Gutes  erbeuten.  Allerdings  fallen  liieri 
manche  Sammel-JVJethoden,  wie  man  sie  in  andern  Gegenden 
zum  Erlangen  von  Insecten  anzuwenden  pflegt,  ganz  weg, 
wie  z.  B,  Abklopfen  von  BĂĽschen  (denn  die  wenigen  Aca- 
zien-,  Oliven-,  Kicinun-Sträucher  etc.  lieferten  mir  nur  einige 
Arten  von  kleineren  Insecten),  Suchen  und  Graben  unter! 
Steinen  oder  im  morschen  Holz,  da  beide  nicht  vorhanden 
sind.  Der  Boden  in  den  Oasen  ist  nur  mit  Sand  bedeckt, 
sowohl  in  den  Palmengärten  als  in  den  Feldern  und  in  den 
Stadt;  steinigen  Boden  trifft  man  erst  in  der  Nähe  der  die; 
Oase  umgebenden  Bergketten.  Das  Holz  der  wenigen  Baum-' 
arten,  als  Palmen,  Acazien,  Oliven  und  Tamarisken,  bildet' 
den  nĂĽtzlichsten  Gegenstand  der  Bewohner  zum  Bauen  ihren 
Häuser  etc.  und  als  Brennmaterial. 

Die  ergiebigsten  Fangplätze  für  Insecten  sind  die  Sau- 
bohnenfelder, auf  denen  sich  verschiedene  Arten  von  Insecten 
in  Mehrzahl  einfinden.  —  Besonders  sind  es  die  Hymeno- 
pteren  und  Dipteren,  die  hier  an  den  BlĂĽten  Honig  sau- 
gen. —  Unter  den  ersteren  ragt  besonders  durch  Grösse  und 
Schönheit  Xylocopa  sestuans  hervor,  die  auch  häufig  in 
unsere  Zimmer  auf  Besuch  kam,  mit  starkem  Gebrumme  um 
die  Fenster-  und  Thürstöcke  fliegend,  in  welche  sie  ihre 
Wohnungen   bohrte, 

Scolien-  und  Polistes-Arten  waren  auf  den  blĂĽhenden 
Linsen-  und  Saubohnenfeldern  die  häufigsten  Erscheinungen.) 
Besonders  ist  Polistes  gallicus  sehr  gemein  und  ĂĽberall 
anzutrefi"en. 

Einige  Arten  traf  ich  nur  in  bestimmten  Gegenden,  z.  B, 
Eumenes  tinctor  (Christ.)  erbeutete  ich  nur  in  einigen 
Exemplaren  in  der  Oase  Farafrah.  Sie  flogen  sehr  gerne  an 
den  Wassergräben  und  setzten  sieh  oft  an  die  feuchten 
Stellen  an  den  Rändern  derselben.  Eumenes  pomiformis 
F.  dagegen  sah  ich  nur  in  Dachel  auf  Saubohnenfeldern. 

Unter  den  Schmetterlingen  bemerkte  ich  ein  einziges 
Mal  in  Farafraii  in  einem  Olivengarten  unsere  Vanessa 
Atalanta.  —  Professor  Ascherson  beobachtete  auf  seiner 
Reise  in  Africa  in  einem  Garten  in  Alexandrien  die  Futter- 
pflanze (Urtica)  dieses  Falters,  sonst  nirgends,  woraus  mani| 
mit  Sicherheit  annehmen  kann,  dass  die  Raupe  dieses  Falters 
in  den  Oasen  eine  andere  Futterpflanze  hat.  —  Die  Raupe 
von  der  in  den  Oasen  überall  häufigen  Vanessa  Cardui 
fand  ich  in  Dachel  auf  Siljbum  in  zusammengesponnenem 
Blättern.  —  Der  schönste  und  grösste  der  Oasenbewohner 
unter  den   Schmetterlingen    ist    Danais    Chrysippus      der, 


29 

häutig  in  den  Gärten  und  Feldern  in  schwerfälligem  Fluge 
ßich  zeigt.  Seine  Raupe  fand  ich  häufig  auf  Calotropis  pro- 
cera,  einem  Giftbaum,  der  besonders  in  Dachel  sich  in  Menge 
findet.  Auf  einem  Strauche  waren  meistens  10 — 12  Raupen 
und  in  verschiedenen  Häutungen.  Auch  die  Puppe  fand  ich 
zu  gleicher  Zeit  mit  den  Raupen  vor,  nach  Art  unserer  Li- 
menitis-Arten  an  der  Unterseite  der  Blätter  und  Stengel  ge- 
nannter Pflanze. 

Die  Raupe  erreicht  die  Grösse  von  der  unseres  Machaon 
und  ist  milchweiss  mit  2  länglichen  dunkelgelben,  schwarz 
eingefassten  Flecken  auf  jedem  Leibringe.  —  Am  1.  Leibringe 
hat  sie  zwei  4'"  lange  Fleischzapfen,  am  4.  sind  wieder  2 
kleinere  und  am  vorletzten  2  desgleichen.  Die  Leibeinsclmitte 
sind  schwarz,  ebenso  die  Fleischzapfen,  welche  an  der  Wurzel 
roth  sind.  -  Die  stumpfe  Puppe  ist  blaugrĂĽn"  mit  2  Gold- 
punkten am  Kopfe,  2  an  der  Wurzel  der  FlĂĽgel,  4  auf  dem 
RĂĽckenschild  und  einem  Goldstreifen  mit  erhabenen  schwarzen 
Punkten  in  der  Mitte  des  Leibes.  —  Einige  Tage  vor  der 
Entwickelung  wird  dieselbe  dunkel;  es  prägen  sich  die  Far- 
ben des  Falters  scharf  aus. 

Den  Schmetterling  traf  ich  Mitte  Januar,  Februar,  März, 
die  Raupe  Ende  Januar  und  später  noch  bis  Mitte  Februar," 
zu  gleicher  Zeit  traf  ich  oft  junge  Raupen  und  Puppen  auf 
einem  Baume. 

Bemerkenswerth  ist  noch  die  Futterpflanze  der  Raupe, 
Calotropis  procera,  bei  den  Arabern  „Oschar"  genannt;  die- 
selbe erreicht  in  der  Oase  (Dachel)  colossale  Dimensionen, 
und  Professor  Ascherson  maass  Exemplare  von  5  m.  Höhe 
und  0,77  m,  Stammumfäng.  Sie  hat  breite,  graugrüne  Blätter. 
Bei  der  geringsten  "Verletzung  eines  Blattes  oder  Zweiges 
entfliesst  diesem  eine  Menge  milchartiger  Flüssigkeit,  ähn- 
lich wie  bei  unseren  Wolfsmilcharten.  —  Die  Blüten  find 
violett;  es  stehen  immer  mehrere  in  einem  BĂĽschel  beisammen. 
—  Am  interessantesten  sind  die  Früchte,  welche  die  Gestalt 
von  Pfirsichen  haben,  blassgrĂĽn  sind  und  innen  ein  faseriges 
Gewebe  haben,  in  dem  auch  dieser  milchige  Saft  tröpfchen- 
weise sitzt.  —  Die  abgefallenen  Früchte  werden,  wenn  sie 
vertrocknet,  so  leicht,  dass  sie  ein  Hauch  wegblasen  kann. 

Auf  den  Saubohnenfeldern,  die  während  unseres  Aufent- 
haltes in  genannter  Oase  gerade  in  schönster  Blüte  standen, 
zeigten  sich  mehrere  Lycaenen- Arten  in  Unmasse,  worunter 
besonders  eine  grössere,  geschwänzte,  hervorragend  ist.  — 
Hie  und  da  sieht  man  in  raschem  Fluge  eine  Colias,  ganz 
ähnlich  unserer  Edusa,  deren  Raupe  wahrscheinlich  auf 
Klee  (Trifolium  Aiexandrinum),  welcher  hier  in  Menge  ge- 
baut wird,  vorkommt. 


30 

Ein  einziges  Mal  sah  ich  in  einem  Garten  am  Boden  i 
eine  8y  rieb  Thus- Art,  welclie  ich  nur  in  einem  einzigen) 
Exemplare  erbeutete.  —  Vielleicht  ist  dieselbe  in  späterem 
Monaten  (April,  Mai  etc.)  häufiger  hier  zu  fioden.  —  Ebenso' 
traf  ich  nur  ein  einziges  Mal  auf  einem  Kleefeld  eine  Pieiis 
an.  die  walirsclieinlich   die  Ehrenbergtche  Glauconome  ist.. 

Von  Dämmerungs-  und  Nachtfaltern  sah  ich  nur  wenige 
Arten,  und  nur  einige  Male  ting  icli  eine  Agrotis  und  einige 
kleine  Spanner.  -  Am  häufigsten  zeigt  sich  ein  hübscher 
Crambus  (silbergrau  mit  zwei  Goldstreifen),  welchen  ich 
niclit  nur  in  den  Oasen,  sondern  auch  ĂĽberall  in  der  WĂĽste 
antraf.  —  Jeden  Abend,  auch  in  der  vegetationslosesten  Ge- 
gend, umschwirrten  einige  Exemplare  dieses  Crambus  die 
Lichter  in  unsern  Zelten.  —  Auf  Kleefeldern  ting  ich  öfter 
eine  Platypti  lus- Art  und  eine  Plutella,  ganz  ähnlich 
unserer  gemeinen  Cruciferarum,  die  ich  ĂĽbrigens  schon  im 
Nilthale  bei  Siut  sehr  häufig  bemerkte. 

Ein  reicher  Fundort  fĂĽr  den  Sammler  sind  die  warmen 
Quellen  in  den  Oasen. 

In  Ain  el  Scheril  bei  Kasr  in  der  Oase  Dachel  erbeutete 
ich  in  der  dortigen  Quelle  mehrere  D  vtiscus- A.ten  (worunter 
D.  africanus  der  gewöhnlichere  zu  sein  scheint),  Hydro- 
poren  und  Agabus- Arten.  —  In  den  Wassergräben,  die 
von  diesen  Quellen  in  die  Felder  abgeleitet  werden,  ist 
ein  Dineutes  zu  Tausenden  vorhanden,  ebenso  in  den  Quellen 
selbst.  —  Die  Umgebung  diesei-  Quellen  sind  meistens  Schilf- 
gewächse (Phragmites  und  Juncus).  Zwischen  diesen  treiben 
sich  mehrere  Laufkäferarten  umher,  z.  B.  1  Art  Brach  in  us, 
gross  mit  einem  grossen  ziegelrothen  Flecken  auf  jeder  FlĂĽ- 
geldecke, 1  grosse  C  hlaenius  -  Art,  mehrere  Feronieu  und 
1  Calosoma  mit  vertieften  goldgrünen  Pünktchen.  —  Auch 
Pimelien  und  Zophosis- Arten  fehlen  nicht  und  schlĂĽrfen 
hier  das  kostbare  Nass;  manche  Unvorsichtige  findet  ihren 
Tod  in  dem  feucliten  Element.  —  Von  Libellen  trifft  der 
Sammler  hier  immer  mehrere  Arten  an;  besonders  eine 
hĂĽbsche  mit  purpurrothem  Leib  findet  sich  an  solchen  Stellen 
häufig  ein. 

Auf  den  nahe  liegenden  Kleefeldern,  auf  denen  auch 
viele  andere  Pflanzen  blĂĽhen,  besonders  Sinapis,  Asphodelus 
und  Echium,  giebt  es  fĂĽr  den  Entomologen  noch  viel  zu  thun. 
Besonders  häutig  ist  auf  den  genannten  Pflanzen  eine  Tropi- 
nota,  ähnlich  unserer  hirtella,  und  eine  Coccinella  (ich 
halte  sie  für  7  punctata).  —  Die  beiden  Arten  sind  wohl 
die  häufigsten  nebst  den  Pimelien  unter  den  Coleopteren  in 
diesen  Oasen. 


Auf  solchen  Feldern,  auf  denen  oben  genannte  Pflanzen 
sich  vorfinden,  stellen  sich  besonders  viele  Dipteren  und 
Hymenopteren  ein.  —  Geht  man  in  den  Vormittagsstunden 
au  solche  Stellen,  da  summt  und  brummt  es.  wie  bei  uns  in 
den  Sommermonaten  auf  einer  Wiese,  auf  der  viele  L'mbelli- 
feren  stellen  —  Aach  treffen  wir  hier  einige  Bekannte  aus 
der  Heimat  an.  Besonders  ist  Syrphus  sutorius  und  eine 
kleinere  Art  häufig.  Lucilia  Caesar,  die  sich  auch  auf  we- 
niger schönen  Localitäten  herumtreibt  und  besonders  auf  Ca- 
davern  sehr  häufig  i.-t.  —  Vanessa  Cardui  seheint  diese 
Stellen  am  meisten  zu  lieben. 

Hie  und  da  trifft  man  in  den  Gärten  etc.  die  Excremente 
von  Schafen  und  Kameelen.  Hier  finden  sich  mehrere  hĂĽbsche 
kleine  Aphodien.  Staphjlinen  und  ein  Onitice  11  us  vor. 
Letztere  traf  ich  immer  in  Mehrzahl  an. 

Die  einzige  Art  aus  der  Familie  Buprestidae,  eine 
Lampetis,  fand  ich  an  blĂĽhenden  AcazienbĂĽschen  bei  Ain 
el  Scherif,  ^  2  Stunde  von  der  Stadt  Kas»-.  Abends  sitzen 
dieselben  ruhig  an  den  Zweigen  und  Stämmen  dieses  Strauches. 
Sie  ist  hellbraun  mit  einem  matten  grĂĽnlichen  Goldschimmer. 
Ebenso  fand  ich  von  Elateren  nur  ein  einziges  Exemplar 
unter  einer  Erdscholle  in  einem  Garten.  Derselbe  ist  ein- 
farbig aschgrau  und  gehört  wahrscheinlich  der  Gattung 
Ser icosomus  an. 

Im  Hause  fing  ich  einmal  1  Exemplar  von  Blaps  li- 
neata  und   Akis  refiexa. 

Die  schönste  und  grösste  unter  den  Pimelien,  die  ich 
erbeutete,  ist  Prionotheca  eoronaia:  merkwĂĽrdigerweise 
fand  ich  in  Dachel  nur  ein  einsiges  Exemplar,  während  sie 
in  der  Oase  Farafrah  Dutzendweise  in  unserm  Lager  her- 
umlief. 

An  den  Lehmmaueru.  die  jeden  Garten  in  der  Oase  um- 
geben, traf  ich  mehrere  hĂĽbsche  Wespenarten  an,  die  sich 
nur  hier  aufhielten.  Es  sind  dies  Chrjsis  pyrophana 
(Klug)  und  Pompilus  viaticus.  Ferner  traf  ich  folgende 
Arten  in  den  Gärten  der  Oasen  selbst  an,  Campoplex, 
Ammophila  holosericea  (F.),  Bassus  laetatorius,  Pe- 
lopDeus  spirifex  (L.)  und  eine  Mutilla. 

Was  die  Sc  hr  ecken  -  Arten  betrifft,  50  sind  besonders 
die  grossen  Truxalis  zu  erwähnen,  welche  ich  in  den  Oaseq 
Dachel  und  Farafrah  nur  einzeln  antraf,  dagegen  in  der 
grossen  Oase  Chargeh,  die  dem  Nilthal  am  nächsten  liegt, 
in  Mehr/.ahl.  —  Ferner  fand  ich  in  genannten  3  Oasen  die 
hĂĽbsche  Mantis  religiosa  und  in  Dachel  eine  ande)e  sehr 
schöne  Mantis -.4.rt  (.grün,  Flügel  weiss  gedeckt),  auf  einem 
Calotropis-Strauche. 


32 

Id  Farafiah  fing  ich  auf  eiDem  Weizenfeld  eine  dritte 
braune  Mantis-Art,  ungetlügelt.  —  Ausserdem  bemerkte  ich 
eine  Menge  anderer  kleinerer  Schrecken-Arten,  die  beson- 
ders auf  den  Weizen-  und  Saubohnenfeldern  in  grosser  Zahl 
eich  vorfinden. 

In  der  Gase  Cliaigeh  hatte  Herr  Dr.  Schweinfurth,  der 
eich  in  den  Wintermonaten  1872|73  dort  aufhielt,  die  GĂĽte, 
mir  die  von  ihm  während  der  Zeit  (Dec.  bis  März)  gesam- 
melten Insecten  zu  ĂĽberlassen:  darunter  fanden  vsich  mehrere 
neue  Arten.  Besonders  verdient  eine  grosse  Wasser wanze 
erwähnt  zu  werden,  die  in  einer  Natron-Pfütze  gefangen 
wurde.  Im  Allgemeinen  sind  es  jedoch  dieselben  Arten,  wie 
sie  in  den  andern  Oasen  vorkommen. 

Aus  allem  bisher  Gesagten  geht  hervor,  dass  die  libjschen 
Oasen  tehr  wenige  eigentlich  africanische  Formen  besitzen, 
sowie  auch  die  botanischen  Untersuchungen  des  Herrn  Prof. 
Ascherson  nur  einzelne  speciell  afrikanische  Arten  ergaben; 
meistens  sind  es  südeuropäische  Formen. 


Exotisches 

von 
H.  B.  IfloseUler  in  Kronförstchen  bei  Bautzen. 

Synonymic  List  of  the  Buttertlies  of  North  America, 

North  of  Mexico. 

By  Samuel  H.  Seudder. 

Part.  I.  Nymphales. 

Diese  neueste  Arbeit  ĂĽber  nordamerikanische  Tag 
Schmetterlinge  befindet  sich  in  Bulletin  of  the  Ăźuffalo  Society 
of  Natural  Sciences  1875. 

Nach  einer  kurzen  Einleitung  wird  zuerst  eine  arfaly- 
tische  Tabelle  zum  Bestimmen  der  Unterfamilien,  Tribus  und 
Gattungen  gegeben,  an  welche  sich  dann  die  systematische 
Aufzählung  reiht.  Jeder  Art  sind  Notizen  über  Futterpflanzen 
der  Raupe  und  Flugort  gegeben,  ebenso  sind  die  Synonyme 
beigefĂĽgt  und  ist  in  dieser  Beziehung  das  Verzeichniss  sehr 
brauchbar.  Dass  die  Falter  von  Nord-Mexiko  mit  aufge- 
nommen sind,  wird  nicht  ĂĽberflĂĽssig  erscheinen,  wenn  man 
bedtnkt,    dufs    das    nordamerikanische    Faunen -Gebiet    nach 


33 

SĂĽden  ebensowenig  scharf  begrenzt  ist,  wie  es  bei  dem  euro- 
päischen der  Fall  ist;  wie  bei  letzterem  nach  Osten  schon 
recht  abweichende  Formen  sich  einmengen,  so  bei  jenem  auch. 

Zu  bedauern  ist  meiner  Ansicht  nach,  dass  der  Verfasser 
gar  so  sehr  dem  Princip  der  Gattungsfabrication  huldigt.  In 
dieser  Beziehung  hat  er  gewiss  des  Guten  zu  viel  gethan, 
wie  z.  B.  die  Trennung  der  Gattungen  Limenitis,  Vanessa, 
Argynnis,  Melitsea  zeigen,  von  welchen,  oft  auf  blosse  Zeich- 
nungsverschiedenheiten hin,  einzelne  Arten  abgesondert  und 
auf  sie  nöue  Gattungen  begründet  sind.  Wohin  man  aber 
schliesslich  gelangt,  wenn  man  jede  unbedeutende  Verschie- 
denheit zur  BegrĂĽndung  neuer  Gattungen  benutzt,  ist  gar 
nicht  abzusehen;  wer  soll  schliesslich  im  Stande  sein,  sich 
alle  diese  Namen  zu  merken?  Das  Studium  wird  dadurch 
nur  ganz  zwecklos  erschwert  und  wie  viel  Lepidopterologen 
nehmen  denn  diese  neuen  Gattungen  an? 

Ein  zweiter  Uebelstand  des  Verzeichnisses  scheint  mir 
der  zu  sein,  dass  der  Verfasser  alte,  gut  begrĂĽndete  Gattungs- 
namen verwirft  und  dafĂĽr  solche  aus  HĂĽbner's  Tentamen 
aufstellt. 

Wie  schon  Speyer  in  dieser  Zeitschrift  anfĂĽhrt,  haben 
jene  Namen  gar  keine  wissenschaftliche  Geltung,  indem  sie 
ohne  alle  Charakteristik  der  dur<;h  sie  bezeichneten  Gattung 
hingeslellt  sind.  Das  ganze  System  im  Tentamen  nimmt  ein 
Quartblatt  ein ! 

Der  Verfasser  theilt  die  Familie  der  Nymphales  L.  in 
vier   [Jnterfamillen  und  8  Tribus  ein. 

1.  Subfamilie  Praetor  es  Hbst. 
1,  Tribus  0  read  es  Bkh. 

Oeneis  Hb.  mit   10  Arten: 

Tarpeia  Esp.     Uhleri  Heak.    Iduna  Edw,     Gigas  Bttl. 
Nevadensis  Feld.    Cliryxus  Wstw.  Hew.    Polixenes  Fb. 
Semidea  Say.     Ueno  Ăźdv.     Jutta  Hb. 
Dass  Tarpeia  in  Nordamerika  fliegt,  ist  mir  sehr  zweifel- 
haft; sie  ist  ĂĽbrigens  gar  keine  arktische  Art. 

Uhleri  Reak.  von  den  Rocky  Mountains  ist  eine  inter- 
essante, Sculda  Evm.  nahestehende   Art. 

Iduna  Edw.,  Gigas  Bttl.,  erstere  von  Californien,  letztere 
von  Vancouvers  Island,  kenne  ich  nicht,  Nevadensis  Feld,  von 
der  Sierra  Nevada  nur  nach  der  Abbildung.  Chryxus  Wstw. 
Hew.  =  Calais  Seudd.  ist,  wie  ich  frĂĽher  bereits  bemerkt, 
sicher  nur  Taygete  Hb.  und  wird  fig,  3.  4.  der  betreffenden 
HĂĽbner'schen  Tafel  auch  citirt.  Polixenes  Fbr,  =  Bore  Esp., 
zu  welcher  Taygete  Hb.  gehört.     Semidea  Say  und  Oeno  Bdv. 

3 


34 

ehĂĽicn  zusammen,  ebenso  fĂĽllt,    wie    frĂĽher   von  mir  mitge- 

leiit,  Also  mit  zu  dieser  Art;  fĂĽr  die  von   Seudder  als  Oeno 

Bdv.  aufgefĂĽlnte  Art  hat  der    von    P'rejer    gegebene    Name 

Crambis  einzutreten  und   als  Synonym    Taygete    H.-Sch.    nee 

Hb.  zu  gelten. 

Jutta  Hb.  in  der  Varietät  Balderi  Hb. 

Neominois  Scudd.  mit  der  einzigen  Art  Kidingsii  Edw. 
Edwards  lässt  diese  Art  bei  Satyrus  stehen  und  gewiss  mit 
Recht;  ich  kann  wenigstens  an  meinem  Exemplar  von  Kid- 
ingsii in  dem  Längenverliältniss  der  Mittelschienen  zu  den 
Schenkeln  keinen  irgend  nennenswerthen  Unterschied  von  den 
Arten  der  Gattung  Satyrus  finden.  Nach  der  analytischen 
Tabelle  liegt  aber  in  diesem  Merkmal  der  Trennungsgrund; 
denn  es  heisst  unter  15: 

„Mittelschienen  kaum   mehr   als  halb  so  lang  als    die 
Mitlelschenkel." 

Ridingeii  weicht  in  der  Zeichnung  allerdings  von  den 
ĂĽbrigen  nordamerikanischen  Arten  der  Gattung  Satyrus  im 
Sinne  von  Edwards  ab,  er  nähert  sich  am  meisten  S.  Geyeri 
H.-Sch.  und  fliegt  in  Colorado  und  Nevada. 

Gy  rocheil  US  Bttl.  mit  Tritonia  Edw.  mir  fremd,  von 
Arizona. 

Enodia  Hb.  mit  Portla'ndia  Fb. 

Cercyonis  Speyer  in  litt,  mit  12  Arten.  Diese  Gattung 
ist  auf  die  kaum  bedornten  Mittelschienen  und  die  Einbuchtung 
des  Innenwinkels  der  HinterflĂĽgel  begrĂĽndet,  und  es  unter- 
scheiden sich  allerdings  die  amerikanischen  Arten  in  beiden 
StĂĽcken  von  Phredra  und  deren  Verwandten. 

Tegala  Fb.  Diese  Art,  welche  ich  bei  Staudinger  sah, 
möchte  ich  nicht  lür  speciüsch  verschieden  von  Alope  Fb. 
halten,  mit  welcher  ich  auch  Nephele  Kb.  zusammenziehe, 
da  ich  zu  letzterer  deutliche  Uebergänge  besitze.  Die  Unter- 
seite aller  drei  Arten  ist  ganz  gleich,  Nephele  zeigt  auf  den 
VorderflĂĽgeln  oben  keine  Spur  einer  gelben  Binde,  Alope  be- 
sitzt dieselbe,  bei  Pegala  ist  die  Binde  breiter  und  höher 
gefärbt.  Nun  kommen  aber  von  Alope  Exemplare  vor,  bei 
welchen  diese  Binde  mehr  oder  weniger  durch  die  braune 
Grundfarbe  verdunkelt  wird,  und  ich  kann  mich  von  der 
Ansicht  nicht  trennen,  dass  zwischen  diesen  3  Arten  ein 
gleiches  Verhältniss  stattfindet,  wie  zwischen  ActEea,  Podaroe, 
Cordula  und  den  übrigen  hierher  geiiörenden  Formen,  wenn 
sich  auch  bei  diesen  das  Variiren  mehr  auf  die  Weiber  be- 
s-ch  rankt. 

Wheeleri  Edw.  =  Hoffmanni  (Strecker),  mir  nur  aus 
dessen  Bild   bekannt.     Utah,  Nevada. 

Boopis  Behr.     Gabbii  Edw.  mir  fremd. 


35 

Nepliele  Kiib.  Ariane  Bdv.  Caliibrnien,  Nevada.  Meadii 
Edw.,  von  Colorado,  ist  mir  fremd.  Sthenele  Bdv.  Califor- 
nien.  Oetiis  Bdv.  von  Californien,  Colorado,  und  Fiiocus  Edw. 
von  Britt.  Columbia  kenne  icli  nicht,  Silvestris  Edw.  von 
Caliibrnien,  Nevada. 

Satyrodes  Seudd.  mit  Eurydice  Linn.  =  Cantims  L.  — 
Edwards  stellt  diese  Art  zu  Pararge  Hbn.,  von  welcher 
Gattung  sie  aber  durch  die  kürzeren  Fühler,  deren  längere, 
schlanke,  nicht  abgesetzte  Kolbe,  dĂĽnner  behaarte  Palpen, 
kĂĽrzere  JĂśttelschienen  abweiclit.  Der  Bau  der  FĂĽhlerkolbe, 
sowie  die  Zeichnung  der  Oberseite  zeigen  Aehnlichkeit  mit 
Dejanira  L. 

Erebia  Dlm.   mit  8  mir  fremden  Arten: 

Epipsodea  Bttl.  —  Mancinus  Wstw.  -  Hew.  —  Vesagus 
Wstw.-Hew.  von  den  Rocky  mountains.  —  Rossii  Curtis.  — 
Faseiata  Bttl.  aus  dem  arktischen  Amerika.  —  Callias  Edw. 
von  Colorado.  —  Haydenii  Edw.  von  Wyoming,  —  Diseoi- 
dalis  Kb,,  Hudsonsbay   bis  Alaska. 

Coenonympha  Hb.     8  Arten: 

Brenda  Edw.,  Süd  -  Californien.  —  Pamphiloides  Reak., 
Californien.  —  Ochracea  Edw.,  Neufoundland,  Kansas,  Cali- 
l'ornien,  Colorado.  —  Ampelos  Edw.,  Oregon.  —  Kodiak 
Edw,,  Kodiak.  —  Jnoruata  Edw.,  Winnipeg.  —  Sie  sind 
mir  in  Natur  sämintlich  fremd.  —  California  Wstw.-Hew., 
Californien.  —  Galactina  Bdv. Wird  als  Varietät  zu  der  vo- 
rigen Alt  gezogen. 

Neonympha  Hb.  mit  Cornelius  Fb.  =  Gemma  Hb.  Ztrg. 
—  und  Phocion   Fb.   =  AreoJatus  Smth,-Abb. 

Megisto  Hb.  mit  Acmenis  Hb.  Ztrg.  fig.  233.  34,  Balti- 
more nacli  HĂĽbner.  Seudder  sagt  von  dieser  Art,  dass  die- 
selbe den  amerikanischen  Lepidopterologen  unbekannt  und 
von  BlĂĽbner  wahrscheinlich  das  Vaterland  l'alsch  angegeben 
sei,  wie  es  bei  mehreren,  in  den  Zuträgen  abgebildeten  Arten 
geschehen  ist. 

Cissia  Dbld.  mit  Sosybius  Fb.  —  Eurytus  Fbr.  =  Eury- 
tris  Fb.   —   und   der  mir  unbekannten   Rubricata  Edw, 

2.  Siibfamilie  Heliconidffi  Swns. 
2.  Tribus  Festivi  Fb. 

Danaida  Ltr.   mit  Plexippus  L.     Var.   Archippiis  Fb. 

Anosia  Hb.  Berenice  Cr.  und  Strigosa  Bates,  erstere 
Art  aus  den  SĂĽdstaaten,  letztere  von  Texas. 

Mit  welchem  Recht  diese  Arten  in  zwei  Gattungen  ge- 
stellt werden,  ist  mir  nicht  klar;  in  der  analytischen  Tabelle 
sind  nur  die  bei  Anosia  vorhandenen,    bei  Danaida  fehlenden 


36 

weisflen  Flecken  in  der  Mitte    der     Medianzelle    der  Vorder- 
flĂĽgel als  Treunungsmerkmal  angegeben. 

3.  Tribus  Heliconii  L, 

Hymenitis  Hb.  mit  Diaphana  Dr.  Florida,  Louisiana, 
Texas.  —  Pliono  Hb.  Ztg ,  Florida.  Letztere  Art  nur  auf  die 
Autorität  von  Geyer  hin  aufgenommen,  nach  Kirby  Catal. 
aus  Neu-Granada. 

Dynothea  Rkt.  Lycaste  Fb.  Los  Angelos,  Californien, 
mit  den  Varietäten:  Panamensis  ßts,  von  Panama,  und  Ne- 
greta  Reak.  von  Californien,  Los  Angelos. 

Mechanitis  Fb.  Californica  Reak,  Los  Angelos,  Cali- 
fornien. 

Apostraphia  Hb.     Charitlionia  L,     SĂĽdstaaten. 

HĂĽbner's  Gattungsname  ist  1816  aufgestellt  und  kann 
doch  nicht  Priorität  vor  Heliconius  Latr.  1805  haben. 

3.  Subfamilie  Najades  Bkh. 

4.  Tribus  Argonautse  Cr. 

Smyrna  Hb.     Karwinskii  H.-G.     Texas,  Neu-Mexiko. 

Coea  Hb.  Acheronta  Fb.  ==  Cadmus  Cr.,  Pherecydes 
Cr.  —  Texas,  Neu-Mexiko. 

Historis  Hb.     Orion  Fb.     Florida.     . 

Aneea  Hb.  Andria  Scudd.  Der  Verfasser  hält  die  nord- 
amerikanisclie  Art  fĂĽr  verschieden  von  Glyceriura  Dbld.-Hew. 
und  ich  möchte  dieser  Ansicht  beistimmen.  Mississippithal, 
Texas.   —  Troglodyta  Fb.  =  Astyanax  Cr.  aus  Florida. 

Chlorippe  Bdv.  Herse  Fb.  und  Lycaon  Fb.;  letztere 
=5  Celtis  Bdv.  und  Alicia  Edvv. 

5.  Tribus  Archontes  Hbst. 

Basilarchia  Scudd.  mit  Weidemeyeri  Edvv.  von  den 
Rocky  Mountains  und   Colorado,  mir  fremd, 

Arthemis  Dr.  mit  der  Varietät  Hybrid?  Proserpina 
Edvv.         Astyanax  Fb.  =  Ursula  Fb.  Archippus  Cr.  = 

Misippus  Fb. 

Die  Trennung  dieser  in  allen  körperlichen  Merkmalen 
mit  Limenitis  ĂĽbereinstimmenden  Gattung  scheint  der  Ver- 
fus.ser  nur  auf  die  Zeichnung  hin  vorgenommen  zu  haben;  er 
eagt  in  der  Bestimmungstabelle  unter  3.5:  Upper  surface  of 
bind  vvings  provided  vvilh  a  distinct  .«ubmarginal  rovv  of  white 
or  blue  spots  .  .  .  .  Basilarchia.  —  —  —  with  uo 
distinct  submarginal  row  of  spots Limenitis. 


Limenitis  Fb.  Californica  Bttl.  =  Eulalia  Bdv.  und 
Bredowii  Hb,  Ztrg.  Letzterer  Name  hat  wohl  die  Priorität. 
Californien.   —   Lorquinii  Bdv.  Californien. 

Eunica  Hb.     Monima  Cr.     Florida. 

6.  Tribus  Prsefecti  Hbst. 

Hypanartia  Hb.     Lethe  Fb.     Texas,  Neu-Mexiko. 

Polygonia  Hb.  1816.  ==  Grapta  Kb.  1837. 

Interrogationis  Fb.  —  Comma  Harr.  var.  Dryas  Edw,  —  Sa- 
tyrus  Edw.  —  Marsyas  Edw.  Californien,  mir  fremd.  —  Ze- 
phyrus  Edw.  Rockymountaine,  Colorado.  —  Faunus  Edw.  — 
Silenus  Edw,  Oregon  bis  Vancouvers  Island,  mir  fremd.  — 
Oreas  Edw.     Californien,  mir  fremd.   —   Progne  Cr. 

Interrogationis  fliegt  vom  sĂĽdlichen  Labrador  (Packard) 
bis  Texas  und  erscheint  in  verschiedenen  Varietäten:  ümbrosa 
Lintn.     Crameri  Scudd. 

Comma  Harr,  scheint  den  Nordstaaten  anzugehören, 
Edwards  zog  sowohl  Comma  als  Dryas  aus  den  Eiern 
einer  Brut. 

Satyrus  und  Marsyas  gehören  nach  Scudder  möglicher- 
weise zusammen. 

Faunus  kann  ich  noch  immer  nicht  von  C.  album  unter- 
scheiden. 

Silenus  und  Oreas  fallen  möglicherweise  zusammen. 

Eugonia  Hb, 

J.  album  Boisd.  wohl  sicher  nur  unbedeutende  Local- 
varietät  von  V.  album.  Scheint  nur  dem  Norden  des  Ge- 
bietes anzugehören  und  geht  nach  des  Verfassers  Mittheilung 
bis  Labrador. 

Californica  Bdv.,  eine  interessante,  Polychloros  nahe- 
stehende, doch  sicher  verschiedene  Art  von  Californien. 

Aglais  Dlm. 

Milberti  God.  Diese  Art  vertritt  Urticse  und  gehört 
ebenfalls  den  nördlichen  Staaten  an. 

Papilio  L. 

Antiopa  L.  fliegt  von  Labrador  bis  Mexiko.  Die  An- 
sicht, dass  fĂĽr  Antioi)a  der  Gattungsname  Papilio  einzufĂĽhren 
sei,  weil  Linne  in  der  ersten  Ausgabe  der  Fauna  Suecica 
(1746)  diese  Art  zuerst  unter  Papilio  aufgefĂĽhrt  habe,  hat 
Scudder  im  Canadian  Entomologist  VL  pag,  143  etc.  ausge- 
sprochen, ist  in  einer  späteren  Nummer  derselben  Zeitschrift 
von  Prof.  Hagen  widerlegt  worden  und  dĂĽrfte  wohl  mit  seiner 
Ansicht  ziemlich  allein  stehen. 

Vanessa  Fb,  Atalanta  L.  Huntera  Fb.  Cardui  L. 
Carye  Hb. 


;j8 

Gegen  die  Trennung  der  vorstehenden  5  Gattungen  lässt 
bicli   verecliiedenes  einwenden. 

Polygonia  (Grapta)  dĂĽrfte  beizubehalten  sein;  der  starii 
geschwungene  Innenrand  der  VorderflĂĽgel  trennt  die  hierher 
gehörenden  Arten  gut  von  den  übrigen  Verwandten;  dagegen 
werden  sich  fĂĽr  Trennung  vou  Eugonia,  Aglais  und  Papilio 
schwerlich  genĂĽgende  GrĂĽnde  beibringen  lassen,  denn  das  light 
band  submarginal  bei  Aglais  und  das  light  band  marginal 
bei  Papilio  dĂĽrfte  wohl  ebensowenig  als  Gattungsmerkmal 
anerkannt  werden,  wie  „tail  of  upper  median  nervule  of  hind 
wings  broad  and  ijluntly  rounded  at  tip"  der  Gattung  Eugonia. 
Weitere  Unterschiede  giebt  aber  die  Bestimmungstabelle 
nicht.  Eher  wird  man  Vanessa  trennen  können,  wenn  denn 
einmal  die  frĂĽhere  Gattung  gleichen  Namens  zersplittert 
werden  soll,  und  die  betreffenden  Arten  sind  auch  schon  von 
verschiedenen  Autoren  als  Gattung  Pjrameis  aufgestellt 
worden. 

Junonia  Hb.     Coenia  Hb. 

Anartia  Hb.     Jatrophse    L.     Texas,  SĂĽd-Florida. 

Dieethria  Billberg  (1820).     Clymena   Cr.     SĂĽd-Florida. 

Warum  ist  hier  nicht  der  ältere  Name  Callicore  Hb. 
1816  fĂĽr  die  Gattung  beibehalten? 

Mestra  Hb.     Amymone  M6n.     Texas,  mir  fremd. 

Amphichlora  Feld.     Fornax  Hb.     Feronia    L.     Texas. 

Felder  in  seiner  Arbeit  ĂĽber  die  Nymphaliden  hat  bei 
Section  III.  der  Gattung  Ageronia  in  Parenthese  Amphichlora 
stehen,  aber  wohl  nicht  die  betreffenden  Arten  als  Gattung 
trennen  wollen. 

Timetes  Bdv.     Coresia  God.     Texas,  Neu-Mexiko. 

Nach  Kirby  Cat.  ist  der  berechtigte  Gattungsname  Me- 
galura  Blchd.,  da  Ăźoisduval  die  Gattung  nicht  charak- 
terisirt  hat. 

Athen a  Hb.  Peleus  Sulz.  Florida,  —  Pellenis  Godt. 
Texas,  Neu-Mexiko. 

Auch  diese  beiden  Gattungen  sind  in  der  analytischen 
Tabelle  nur  durcli  die  Zeichnungsanlage  auseinandergehalten, 
eher  hätte  \ielleicht  der  ziemlich  verschiedene  Flügelschnitt 
zur  Trennung  benützt  werden  können. 

Victorina  Blchd.     Stelenes  L.     Neu-Mexiko. 

7.  Tribus.     Dryades  Bkh. 

Coltenis  Hb.     Julia  Fb.     Delila  Fb.     Beide  von  Texas. 
Agraulis    Bdv.     Vanillee  L.     SĂĽdstaaten. 
Euptoieta  Dbld.     Claudia  Cr.     SĂĽd-Ontario,    Colorado, 
Neu-Mexiko. 


39 

Speyeria  Scudd.  Idalia  Dr.  Die  Trennuog  dieser  Art 
von  Argynnis  ist  lediglich  auf  die  Zeichnung  begrĂĽndet^  in 
der  analytischen  Tabelle  heisst  es  unter  53:  Outer  half  of 
upper  surface  of  bind  wings  with  two  rows  of  pale  markings 
on  a  blackish  ground,  none  of  the  spots  confluent. 

Semnopsjche  Scudd.  Diana  Cr,  Auch  diese  unzwei- 
felhaft echte  Argynnis  wird  von  dem  Verfasser  wegen  ihrer 
Zeichnung  als  besondere  Gattung  aufgestellt,  denn:  „Basal 
half  of  bind  wings  unspotted  beneath  or  with  .  only  one  or 
two  faint  light  spots.^ 

Mit  gleichem  Recht  könnten  da  auch  Paphia  und  Pan- 
dora   als  eigne  Gattung  aufgestellt  werden! 

Argynnis  Fb.  mit  26  Arten.  Der  Reichthum  der  ver- 
einigten Staaten  an  grossen  Arten  dieser  Gattung  ist  auf- 
fallend.    Es  gehören  hierher: 

Nokomis  Edw.  von  Idaho.  Nitocris  Edw.  Arizona,  beide 
mir  fremd. 

Leto  Behr,  Californien,  Oregon.  Strecker'a  Vermuthung, 
dass  Leto  zu  Cybele  Fb.  in  dem  gleichen  Verhältniss  stehe, 
wie  Alexandra  zu  Aglais  hat  manches  fĂĽr  sich,  mir  ist  Indess 
von  Leto  nur  der  Mann  bekannt,  das  Weib    soll    weiss   sein. 

Cybele  F'b.     Aphrodite  Fb.     Halcyone  Edw.  mir  fremd. 

Edwardsii  Reak.  Nevadensis  Edw.  Nevada.  Meadii 
Edw.  Colorado.  Coronis  Behr.  Californien.  BischofFii  Edw. 
Alaska,  Britt.  Columbia.  Die  vier  letzten  Arten  sind  mir 
fremd.  Eurynome  Edw.  Oregon,  Californien,  Colorado, 
Wyoming,  Utah.  Atlantis  Edw.  nordöstliche  Staaten;  Canada 
nördlich  bis  zur  Hudsonsbai  und  westlich  bis  zu  den  Rocky 
Mountains,  Colorado. 

Ich  erhielt  diese  Art  auch  von  Labrador,  und  somit  wird 
sie  dem  europäischen  Faunengebiet  zuzurechnen  sein. 

Behrensii  Edw.  Californien,  mir  fremd. 

Bremnerii  Edw.  San  Juan  Island.  Der  Verfasser  bemerkt 
bei  dieser  Art:  Is  tliis  distinct  from  Callippe?  â– 'â– .-.^^'hi^- 

Mit  dieser  Art  möchte  ich  mein  Exemplar  von  Brfemnerii 
aber  nicht  vereinigen;  Grundfarbe  der  Unterseite  der  Hinter- 
flĂĽgel, sowie  Form  der  Silberflecken  weichen  zu  sehr  ab. 
Callippe  Bdv.  Californien.  Rhodope  Edw.  Britt.  Columbia, 
mir  fremd.  Adiante  Bdv.  Californien.  Zerene  (pars)  Bdv. 
Californien.     Monticola  Behr.  Californien. 

Diese  drei  Arten  haben  keine  Silbeiflecken;  ob  solche 
die  folgenden,  mir  fremden  Arten  fĂĽhren,  weiss  ich  nicht,  es 
sind:  Rupestris    Behr.    und    Inornata    Edw.    von    Californien. 


40 

Hesperis  Edw.  von  Colorado.  Moimonia  Bdv,  von  Califor- 
nien.     Montivaga  Belir.,  Irene  Bdv.   ebendaher. 

Brenthis  Hb.  Obgleich  auch  Felder  diese  Gattung  von 
Argynnis  trennt,  glaube  ich  doch,  dass  unsre  ĂĽbrigen  Sjste- 
maliker  Recht  daran  thun,  diese  Trennung  nicht  vorzunehmen. 

Myrina  Cr.  vertritt  unsre  Selene.  Triclaris  Hbst.  ist 
Localvarietät  von  Aphirape.  Labrador,  Colorado,  Utah, 
Wyoming. 

Helena  Edw.  Colorado.  Morrisii  Reak.  Californien,  Ore- 
gon,    Nenoquie  Reak.,  ebendaher,  sind  mir  fremd. 

Chariclea  Schnd.  mit  var.  Boisduvalii  Somm.  Grönland, 
Labrador,  Rocky  Mountains. 

Tarquinius  Curt.  Polar-Regionen.  Der  Verfasser  wird 
wohl  Recht  haben,  wenu  er  in  dieser  Art  eine  Varietät  von 
Freya  vermuthet;  dafĂĽr  sieht  sie  auch  Kirby  Catal.  an. 
Freya  Thnbg.  Rocky  Mountains,  Colorado,  Labrador. 

Montinus  Scudd.  White  Mountains  in  New  Hampshire, 
ist  die  Vertreterin  unsrer  Pales. 

Polaris  Bdv.  Grönland  und  Labrador. 

f'rigga  Thnbg.  Labrador,  Colorado.  Die  amerikanische 
Form  weicht  nicht  unbeträchtlich  von  der  europäischen  ab 
und  der  Name  Saga  Kad.  in  litt,  kann  fĂĽr  sie  unbedenklich 
als  Varietätsbezeichnung  angenommen  werden. 

Bellona  Fb.,  am  nächsten  der  vorigen  Art  stehend. 

Epithore  Bdv.  Californien,  mir  fremd. 

8.  Tribus  Hamadryades  Bkh. 

Euphydryas  Scudd,  Phaeton  Dr.  SĂĽd-Canada  und 
Nordstaaten.  Nach  der  analytischen  Tabelle  ist  diese  Gat- 
tung nur  auf  die  Zeichnung  begrĂĽndet:  Basal  half  of  hind 
wings  immaculate  above. 

Lemonias  Hb.  1806.  Dieser  Gattungename  ist  von 
HĂĽbner  in  seinem  Tentamen  determinationis  digestionis  etc. 
aufgestellt  und  kann  entschieden  nicht  den  von  Fabricius  1807 
aufgestellten  Namen  Melitsea  verdrängen,  da,  wie  oben  bereits 
erwähnt,  das  Tentamen  gar  keine  wissenschaftliche  Geltung 
haben  kann. 

Chalcedona  Bdv.  Californien,  Oregon,  Colorado. 

Cooperi  Behr.  Californien,  mir  fremd. 

Anicia  Dbl.-Hew.  =  Editha  Bdv,,  Nubigena  Behr.  Cali- 
fornien. Helvia  Scudd.  Alaska.  Quino  Behr.  SĂĽd  Californien, 
mir  fremd. 

ĂĽoffmanii  Behr.  Californien,  Nevada,  Colorado.  Helcita 
Bdv.  —  var.  von  Palla?  —  mir  fremd. 

Palla  Bdv.  Californien. 


41 

Pola  Bdv.  SĂĽd-Californien.  Whitneyi  Behr.,  Gabbii  Behr., 
ebendaher.  Sterope  Edw.  Oregon.  Acastus  Edw.  Nevada, 
Utah,  mir  sämmtlich  fremd. 

Thessalia  Scudd. 

Leanira  Bdv.  Californien.     Theona  Men.  Sud-Calitbrnien. 

Thecla  Edw.  SĂĽd-Californien,  mir  fremd. 

Schoenis  Hb. 

Minutus  Edw.  Texas.  Araclme  Edw,  Colorado.  Beide 
mir  fremd.  Da  der  Verfasser  als  Type  dieser  Gattung  Melit. 
Cinxia  L.  hinstellt,  so  habe  ich  kaum  Zweifel,  dass  beide 
Arten  echte  Melitsea  sind. 

Cinclidia  Hb.  Hanissii  Scudd.  SĂĽd-Canada  und  Nord- 
staaten. Meine  Exemplare  lassen  mir  eine  Trennung  von 
Melitsea  nicht  gerechtfertigt  erscheinen,  Scudder  nennt  als 
Type  dieser  Gattung  Phoebe  S.  V. 

Charidryas  Scudd.     Ismeria  Bdv.  mir  fremd. 

Nycteis  Dbld.  Canada  und  Nordstaaten,  Colorado. 

Phyciodes  Hb.  Vesta  Edw.  Texas.  Pulchella  Bdv.  =3 
Mylitta  Edw.  Texas,  Kansas,  Californien.  Callina  Bdv.  So- 
nora.  Orseis  Edw.  Californien.  Fris^ia  Poey.  SĂĽd-Florida. 
Pallida  Edw.  Texas,  Kansas,  Colorado.  Picta  Edw.  Nebraska, 
Colorado.  Canace  Edw.  Süd-Californien,  mir  sämmtlich,  mit 
Ausnahme  von  Pulchella,  fremd. 

Pratensis  Behr.  Californien,  Colorado.  Tharos  Dr.  Ca- 
nada, Nordstaaten. 

Batesii  Reak.  Virginien  bis  New-York.  Gorgone  Hb. 
Georgia,  Florida.  Phaon  Edw.  Georgia  und  Golf-Staaten. 
Hermas  Hew.  Süd-Californien,  mir  sämmtlich  fremd. 

Anthanassa  Scudd,     Texana  Edw.  Florida,  Texas. 

Punctata  Edw.   Arizona,  Neu-Mexiko,  mir  fremd. 

Chlosyne  Bttl.  Janais  Dr.  Texas.  —  Mediatrix  Feld. 
Texas.  —  Adjutrix  Scudd.  Texas.  —  Erodyle  Bdv.  -  Texas. 
Crocale  Edw.  Arizona,  mir  sämmtlich  fremd. 

4.  Subfamilie  Hypati  Hbn. 

Hypatuö  Hb.  Carinenta  Cr.  Neu-Mexiko  und  Arizona. 
Bachmanii  Kirkl.  Vereinigte  Staaten    östlich    vom   Mississippi. 

Warum  der  von  HĂĽbner  erst  1825  aufgestellte  Gattungs- 
name dem  fichon  1^07  von  Fabriciuf?  angenommenen  Namen 
Libythea   vorgezogen  wird,  ist  nicht  gesagt. 


42 


Paussus  Woerdeni, 
eine  neue  Art  aus  Congo  (West -Afrika), 

beschrieben  von 
C.    R  i  t  s  e  m  a. 


Diese  Art,  welche  eine  sehr  längliche  Geetalt  besitzt, 
gehört  zu  Westwood'a  Section  B.  (prothorax  subcontinuus) 
und  steht  dem  Paussus  setosus  des  genannten  Autors  sehr 
nahe.  (Proceedings  of  the  Linnean  Society  of  Lon- 
don,  19.  June  1849,  p.  60  und  Thesaurus  Entomolo- 
gicus  Oxoniensis,  p.  95,  pl.  19,  fig.  4  und  4a.) 

Die  Länge  beträgt  8  mm.  Die  Fühler,  Kopf,  Prothorax 
und  Beine  sind  dunkel  rothbraun,  das  Meso-  und  Metaster- 
num,  so  wie  auch  die  ĂĽnterĂĽeite  des  Abdomens,  hell  gelb- 
braun, während  das  Pygidium  die  Farbe    der    Beine    besitzt. 

Die  FlĂĽgeldecken  sind  heller  und  weniger  rothbraun 
gefärbt,  als  Kopf  und  Prothorax. 

Der  Kopf  ist  ziemlich  stark  deprimirt  und  zeigt,  ausser 
einem  feinen  und  unbehaarten  Dörnchen  zwischen  den  Augen, 
nichts  Besonderes;  der  Theil,  welcher  vor  genanntem  Dörn- 
chen liegt,  ist  mit  gemischten  feineren  und  gröberen  Pünktchen 
überdeckt  (sehr  fein  chagrinirtj;  hinter  diesem  Dörnchen  sind 
nur  feine  PĂĽnktchen;  die  Augen  sind  gross  und  stark  vor- 
springend. Die  FĂĽhler  stehen  auf  der  Stirn  unmittelbar  neben 
einander.  Sie  stimmen  beinahe  genau  ĂĽberein  mit  denen  von 
Paussus  aetosus  Westw.;  die  Keule,  welche,  wie  bei  ge- 
nannter Art,  von  einer  scharfen  Leiste  umgeben  ist  und  pa- 
rallel laufende  Seiten  hat,  ist  jedoch  von  etwas  gedrungnerer 
Form,  und  der  kegelförmige  Zahn,  in  welchen  der  scharfe 
Hinterrand  am  Grunde  endet,  ist  ein  wenig  gespalten; 
das  erste  FĂĽhlerglied  ist  kurz  und  dick  und  sehr  dicht  mit 
groben  PĂĽnktchen  ĂĽberdeckt;  die  Keule  jedoch  ist  wohl  sehr 
dicht,  aber  äusserst  fein  punkdrt  und  trägt  zerstreute  kurze 
weisse  Härchen,  welche  man  auch  auf  der  ganzen  Rücken- 
seile des  Thieres  beobachtet;  den  scharfen  Hinterrand  der 
Keule  der  FĂĽhler  entlang  liefindet  sich  eine  Reihe  grober, 
goldgläuzender   Härchen. 

Der  Prothorax  ist  schmäler  als  der  Kopf  mit  den  Augen, 
und  wie  der  Kopf  durch  die  feine  und  dichte  Punktirung 
ohne  Glanz;  der  vordere  Theil  ist  von  dem  nach  hinten  aus- 
gebogenen  Quereindruck    breit    herzförmig,    und  durch  einen 


43 

kaum  melkbaren,  vorn  glatten  und  hinten  eingedrĂĽckten 
Längsstreif  g'etheilt;  der  schmälere  hintere  Theil  zeigt  auf 
der  Mitte  einen  breiten  Längseindruck,  welcher  am  Grunde 
onfängt,  aber  nicht  vollkommen  bis  zum  Hinterrande  verläuft. 

Die  Beine  sind  lang  und  dünn,  glänzend,  aber  mit  zer- 
streuten Pünktchen,  in  denen  je  ein  Borstenhärchen  entspringt, 
überdeckt;  von  den  Tarsen,  welche  ungefähr  gleiche  Breite 
haben  wie  die  Schienen,  ist  das  erste  Glied  klein,  das  zweite, 
dritte  und  vierte  einander  gleicli,  das  letzte  beinahe  so  laug 
als  die  drei  vorhergehenden  zusammen;  die  Schienen  der 
Hinterbeine  sind  mit  zwei  Enddornen  versehen.  Die  FlĂĽgel- 
decken sind  glänzend  und  nehmen  nach  hinten  nur  sehr  wenig 
in  Breite  zu;  sie  sind  ĂĽberdeckt  mit  feinen  PĂĽnktchen,  in 
welchen  je  ein  weisses  Härchen  steht. 

Mesosternum  und  Metasternum  sind  glatt  und  glän- 
zend und  mit  nur  wenigen  und  feinen  PĂĽnktchen  versehen; 
ĂĽber  der  Mitte  des  Metasternums  befindet  sich  ein  feiner 
Längsstreif.  Die  Bauchseite  des  Hinterleibes  ist  glatt  und 
glänzend  und  mit  feinen,  zerstreuten  Pünktchen  überdeckt; 
auf  dem  letzten  Segment,  welches  länger  ist  als  die  beiden 
vorgehenden  zusammen,  ist  die  Punktirung  vorzĂĽglich  an  den 
Seiten  bedeutend  dichter;  das  Pygidium  ist  ungeachtet  der 
groben   Punktirung  glänzend. 

Ein  einziges  Exemplar  dieser  Art  ist  von  dem  leider 
schon  verstorbenen  Sammler  M.  G.  van  W'oerden  aus  Congo 
(SĂĽdwestkĂĽste  von  Afrika)  ĂĽbersandt.  Es  betindet  sich  im 
Lejdener  Museum, 


Eine  neue  Insectenquelle. 

Vom 
Oberlehrer  Comcliui^  in  Elberield. 


Der  Entomophile  und  besonders  der  Käfersarnmler  macht 
nicht  selten  die  leidige  Erfahrung,  dass  Cultur  und  Industrie 
die  grössten  Feinde  der  Natur  sind,  ja,  dass,  wo  jene  an- 
fangen, dies^e  meist  aufhört.  Wo  frülier  unter  Steinen,  Moosen 
und  abgefallenem  Laube  schöne  Caraben  und  seltene  Staphy- 
linen,  oder  auf  mancherlei  GestrĂĽpp  und  BlĂĽthen  hĂĽbsche 
Cetonien,  Curculionen,  Longicornen  und  Chry.'^^omelinen  zii 
finden  waren,  da  ist  all  diese  Herrlichkeit  fĂĽr  immer  aus  der 


44 

Gegend  verschwunden,  nachdem  der  Boden  gesäubert  wurde, 
und  der  Pflug  die  Wildnise  in  „gesegnete  Fluren"  umwan- 
delte, die  an  Coleopteren  wenig  mehr  als  massenhafte  Meli- 
gethes  teneus  und  viridescens  oder  schlechte  Erdflöhe  darzu- 
bieten haben.  Dort  an  der  Stelle  der  klassischen  BrĂĽche  bei 
Dortmund,  wo  Suffrian  Gyrinen  und  Donacien,  und  Char- 
pentier  Libellen  studirten,  übertönt  heute  der  Pfiff  der 
Locomotive  das  GetĂĽmmel  des  Bahnhofes;  es  werden  an 
projectirten  oder  bereits  angefangenen  Strassen  zu  hohen 
Preisen  Bauplätze  feilgeboten;  die  Namen  der  berühmten 
Fangplätze  existiren  nur  noch  in  alten  Flurkarten  und  in  den 
Werken  der  Schriftsteller.  „Du  fragest  nach  den  —  Teichen? 
Du  findest  sie  nicht  mehr." 

Um  so  ĂĽberraschender  und  erfreulicher  muss  es  erscheinen, 
wenn  gerade  irgend  ein  Werk  der  Cultur  —  eine  industrielle 
Anlage  —  dem  Insectenfreunde  eine  reiche  bisher  wohl  un- 
gekannte  und  ungealmte  FĂĽlle  von  Sammelobjecten  darbietet, 
die  nicht  bloss  den  Besitz  vermehrt  und  die  Kenntniss  der 
Localfauna  erweitert,  sondern  auch  einen  tiefern  Blick  in  das 
Leben  der  Insecten  eröffnet,  oder  zum  Nachdenken  über  Ur- 
sache und  Wirkung  in  demselben  anregt. 

Und  von  einem  solchen  Falle  will  ich  hier  Bericht 
geben. 

Im  letztverflossenen  Sommer  1874  wurde  ich  durch  einen 
unserer  Schüler,  einen  Sohn  des  städtischen  Gasdirectors 
Schwarzer,  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  in  den  Rinnen 
der  Gasometerbassins  eine  grosse  Menge  Käfer  und 
anderer  Insecten  schwimmend  angetroffen  wurden. 

Der  Gasanlagen  sind  in  unserer  Stadt  zwei  —  eine  im 
südöstlichen  Theile  mit  zwei,  die  andere  im  nordwestlichen 
mit  drei  Gasometern.  Die  erstere  ist  dicht  an  einen  felsigen 
Berg  gerückt  und  theilweise  von  hohen  Häusern  umgeben; 
aus  diesen  GrĂĽnden  vielleicht  waren  hier  nur  wenig  Insecten 
zu  finden.  Desto  ergiebiger  waren  die  Rinnen  an  der  nord- 
westlichen Anlage,  die  sich  auf  einem  HĂĽgel  etwas  ausserhalb 
der  Stadt  in  freiem  Felde  und  in  der  Nähe  von  gemischtem 
Buschwerk  befindet. 

Ich  wandte  sofort  nach  der  Mittheilung  des  Knaben 
meinen  Wasserschöpfer  an  und  war  erstaunt  über  die  in's 
Ungeheure  gehende  Anzahl  von  Insecten,  vorzugsweise  Kä- 
fern, die  in  diesen  Fallgruben  sich  zusammenfinden;  in  den 
besten  Junitagen  kam  es  vor,  dass  aus  einer  einzigen  von  den 
drei  Rinnen  nach  massiger  Schätzung  mehrere  Tausende  von 
Kerbthieren  in  Einem  Zuge  durch  die  ganze  Rinne  gefangen 
wurden. 


45 

Ein  grosser  Tlieil  der  Thiere  ist  noch  lebendig  — 
Wasserkäfer  und  aquatile  Rhynchoten  schwimmen  munter 
umher,  Schmetterlinge,  Ameisen  und  andere  Hymenopteren, 
Fliegen  und  OhrwĂĽrmer  versuchen  ohne  Erfolg  sich  zu  retten, 
und  wenn  man  die  Beute  zu  Hause  in  Wasserbecken  aus- 
spĂĽlt, hat  man  seine  liebe  Noth,  die  FlĂĽchtigen  in  Sicherheit 
zu  bringen.  Der  Ertrunkenen  findet  man  um  so  mehr,  wenn 
man  des  schlechten  Wetters  oder  anderer  Hindernisse  wegen 
den  Fang  länger  als  ein  paar  Tage  lang  hat  unterbrechen 
mĂĽssen. 

Die  vorkommenden  Insecten  sind  bei  Weitem  nicht 
alle  geflĂĽgelt,  denn  es  finden  sich  ausser  einer  grossen 
Menge  von  Myrmicidenarbeitern  auch  Carabus-Arten,  Phos- 
phsenus,  viel  Larven  und  andere  Thiere,  die  bekanntlich  kein 
Flugvermögen  besitzen. 

Nachdem  ich  nun  den  Fang  ein  Jahr  lang  betrieben 
habe,  bin  ich  im  Stande,  eine  vorläufige  Uebersicht  der  in 
unsern  Gasometerbassins  vorkommenden  Insecten  zu  geben. 
Ich  will  dabei  weniger  eine  Aufzählung  von  Seltenheiten,  als 
vielmehr  die  besondern  Beziehungen  gewisser  Insecten  zu 
diesem  Fundorte  und  daneben  das  faunistische  Localinteresse 
im  Auge  behalten.  —  Es  fanden  sich: 

1.     Coleopteren. 

Gewöhnliche  Notiophilus,  Blethisa,  gew,  Carabus  (be- 
sonders nemoralis  JH.),  Nebria  brevic,  Leistus  ferrug.  L., 
Clivina  foss.  L.,  Dyschirius  glob.,  beide  viergefleckte  Dromien, 
Chleenius  nigricorn,,  Badister  2pust.,  Taphria  (häufig),  Stomis 
puniic.  (in  Mehrzahl),  gemeine  Feronien,  Amaren,  Harpalus 
(vorzugsw.  ruficornis  und  seneus,  beide  hfg.),  Stenolophus 
meridianus  L.  und  Trechus  obtusus  Er.  —  beide  sehr  hfg., 
endlich  ein  noch  nicht  sicher  bestimmtes  Bembidium  von  der 
Grösse  des  nitidulum  Mrsh.  mit  rothen  Fühlern  und  Beinen. 
—  Haliplus  ziemlich  zahlreich  und  in  mehreren  der  gew. 
Arten,  Hyphydriis,  Hydroporus  (u.  a.  flavipes  Oliv.),  Laccoph. 
minut.  Gyll.,  llybius,  die  gemeinsten  Dytiscus,  Acilius  sulc. 
L.  —  Gyrinus  natat.  Scop.,  Orectochilus  villosus  F.  —  Phil- 
hydrus,  Linmebius  truncat.  Thbg.,  Helophorus  (vorz.  nubilus 
Fb.),  einige  Ochthebien  und  Hydrsenen,  Cercyonen  und  Me- 
gasternum.  —  Unter  den  Staphylinen  Aleoch.  rufipennis  Er., 
AI.  rufitarsis  Heer,  Myrmed.  cognata  und  zahlr.  canaliculata, 
llyobates  (drei  Arten),  Cajlicerus  obscurus  Grv.  (im  Anf.  des 
FrĂĽhl.  hfg.),  Oxypoden  und  Homaloten  (bes.  brunnea  und 
occulta),  gew.  Tachinus  und  Tachyporus,  Mycetoporus  und 
Heterothops,  Quedius    fulgid.    und    fuliginosus,    mehrere    Phi- 


46 

lonlhus  (ecybiilarius  Nordm.  im  Aof.  des  Jahres  hfg.),  X.intltol., 
Latlirob.  (bes.  l'ulvipenne),  Stilicus,  Scopteus,  l.ithochaiis, 
Suniiifi,  Euae.i-liietus,  wenige  Stenus,  Platystet.,  Oxvtelus  (l)es. 
insectalus  Grv.),  Coprophilus  (nicht  selten),  Piognatha  qua- 
dricoinis  Kiiby,  Lesteva  bicolor  Payk.  (hfg.),  Acidot.  cienata 
Fb.  (Imal),  ümalium,  Micropeplus  porc.  —  Pselaph.  Heisei 
Hbet.  (hfg.),  einige  Biyaxis,  Scydmsenus  angulatue  M.  &  K. 
(nicht  eeilen),  und  andre.  -  Ci!ole\a  cisteloides  Fröhl.,  Catops 
sericeus  Pz.  (zieh,  hfg.),  sonst  keine  Silphidse.  —  Saprin.  seneus 
Fb.,  Gnathonc.  rotund.  111.  (beide  nur  Jmal),  Ontliophilus 
striat.  —  Olibrus  (gem.  Arten).  —  Carpophil.  eexpust.  — 
Meligethes  aneus  (im  FrĂĽhj.  in  grosser  Menge),  viridescens 
(weniger  hfg.)  und  wenige  andere  Arten,  Omosita  discoid.  Fb. 

—  Ips,  Rhizophagus  (mehrere  Arten,  paralleloc.  sehr  hfg.)  — 
Monotoma  (wenig).  —  Antherophagus  (alle  drei  Arten), 
Crjptopliagus  und  Atomaria  (zahlr.  in  vielen  Arten).  —  La- 
thridius  (die  gemeinste  Art  lifg.),  Corticaiia  (in  einigen  nicht 
seltenen  Arten).  —  Attagenus  und  Anthrenus  (wenig  in  gem. 
Arten).  —  Byrrhus  (bloss  pilula  L.),  Cytiius  varius  Fb.  (hfg.), 
Simploc.  semistriata  III.  (überaus  hfg.).  —  Georyssus  pygmfBus 
Fb.  —  Parnus  (mehrere  Arten  hfg.),  Poniatinus  (im  Spät- 
sommer nicht  selten),  Limnius  tuberculatus,  Elmis  (nur  Ger- 
mari Er.  Imal'.  —  Heterocerus  lajvigat.  Pzr.  —  Aphodius 
(nur  wenig  timetariu?,  etwas  mehr  poicatus).  —  Lacon,  Elat. 
balteatus  L.,  Crypiohypn.  minutissimus  Grmr.  (Imal),  Mela- 
notus  brunnipes  Gyll.,  Limonius  Brueteri  Fb.,  Athous  niger, 
hsemorrhoidalis,  subfuscus  und  longicollis  q  und  $,  Agriotes 
(vorzugsw.  pilosus  und  im  FrĂĽlij.  sehr  gemein  sputator), 
Adraetus  (mehrere  gem.  Arten),  Sericosom.  brunneus  L,  - 
Cyphon  (einige  gem.  Arten).  —  Laniprorhiza  splendidula  L.  j. 
Phobphpenus  hemipterus  Geoffr.  (an  20  Stck.,  nur  oo"')).  — 
Cantharis  (verschiedene  gem.  Arten  nicht  selten),  Antho- 
comus  (die  beiden  gemeinsten  Arten).  —  Laricobius  Erich- 
toni  Rosenli.,  Hedobia  imper.  L.  (einige  StĂĽck),  Ptinus  rutipes 
Fb.  (2  cJö).  —  Anob.  pertinax  L.,  striatum  (mehrmals),  Oli- 
gomerus  brunneus  Oliv.  (imal).   -   Lyctus  canalicul.  (nur  Imal). 

—  Cis.  —  Mycetochares  barb.  Ltr.  (Imal).  —  Salpingus 
ater  Payk.  und  castaneus  Pzr.,  Rhinosimus  (alle  4  Arten).  — 
Serropalpus  striat  us  Hellen,  (nur  Imal,  fĂĽr  die  hiesige 
Gegend   neu).   -     Anthicus  floralis    Fb.    —    Anaspis    (wenig). 

—  Oedemera  (nur  1  Stck.  virescens).  -  Von  Curculioniden 
hervorragend     Barypeithes    brunnipes    Oliv.     (hfg.     im    Juni), 


*)  Das  in  den  meisten  Suiiunluufjen  fehlende  $  fing  ich  1862  in 
liegatluug  unter  einem  umgeötiilpten  IJlum.'ntopfe  in  meinem  Oärtclien 
hinter  dem  Wohnhause. 


47 

mehrere  gem.  Phyllobius,  Sitonee  und  Polydrusus,  Liophl. 
nubilus,  Liosomus  ovatulus  Clairv.  (hfg.),  Hypera,  Hylob. 
Abietis  L ,  Mecinus  pyrast.  (Imal),  Hydronomus,  Balaninus 
(die  grossen  Arten),  Anthonomup,  Orebes-tes.  Sibjnia  priraita 
Hbst.  (mehrmals),  Cionus  Fraxini  de  Geer  (Imal),  Gymnetron, 
Coeliodes  rubicundus  Payk.  (hfg.),  guttula  Fb.,  Ceuthorhynchus. 
bes.  syrites  Grm.,  sulcicollis  Gyll.,  Amalus  pumilio  Gyll , 
Riiinoncu.e,  Cossonus  linearis  L.,  Alagdaliniis  und  einige 
Apionen.  —  Hylesininen,  Scolytus  Pruni  Rtzbg.,  Bostrychinen. 

—  Rhynchites  eeneovirens  Mrsh.,  Platyrhinus  latirostris  Fb., 
Tropideres    niveirostris    Fb.,    Brachytars.  varius   Fb.    (Imal). 

—  Callid.  violaceum  L.,  variabile  L.,  Asemum  striatum  L., 
Clytu.s    myi^ticus  L.,  Liopus  nebulosus  L.  —   ßruehus    Pisi    L. 

—  Lema  melanopa  L.,  Cryptoceph.  Morgei  L.,  Adimonia 
Capreae  L.  (im  Anf.  des  FrĂĽhl.  sehr  hfg),  Luperus  (die  ge- 
meinste Art),  Halticinen,  bes.  Longitarsus-Arten  (im  Spät- 
sommer in  vielen  Arten  zahlreich),  Psylliodes  chrysocephalus 
L.  (die  vorzĂĽglichste  Aetzung  der  Jungen  von  Cypselus  apus, 
ziemlich  hfg.),  Cassida  obsoleta  (2mal).  —  Engis  humeralis 
Fb.  —  Von  Coccinellen  wenig,  Scymnus  desgl.,  RiMzobius 
litura  Fb.  (zieh  hfg.),  Orthoperus. 

Es  sind  also  unter  den  Coleopteren  hauptsächlich 
vertreten:  Carabiden,  Staphylinen,  Pselaphiden,  Scydmseniden, 
Nitidularien,  Ăźhizophagen,  Lathridien,  Cryptophagiden,  Byr- 
rliiden,  Paruiden,  Elateiiden,  Lampyriden  (Phospheenus),  Tele- 
phoriden  (Cantharis),  Ptiniden,  Anobiiden,  Pythiden,  Curcu- 
Honen  und  Scolytiden.  —  Wenig  oder  sehr  wenig  lieferte: 
Silphiden,  Histeriden,  Dermestiden,  Lamellicornen,  Cisteliden, 
Melandryiden,  Anthiciden,  Mordellonen,  Oedemeriden.  Longi- 
cornen,  Clirytomelinen  und  Coccinelliden.  —  Ohne  Vertretung 
sind:  Trogositiden,  Colydiiden,  Rhy.^odiden,  Cucujiden,  Myce- 
tophagiden,  Buprestiden,  Tenebrioniden,  Lagriarien,  Pediliden, 
Meloiden.   Attelal>iden  und  Endomvchiden. 


2.     Hy  meuopter  en. 

Tenthrediuiden  (wenig  Arten),  Ichneumoniden  (u.  a. 
Pezomachus-Arten)  nicht  gerade  zahlreich  an  Gattungen  und 
Arten,  Formioiden  (v\  enig  Arten,  aber  llyrmica  ruginodis  Nyl. 
in  ĂĽberaus  grosser  Zahl),  von  Apiden  hfg.  Apis  meilifica, 
seltner  einige  Andreniden,  noch  seltener  eine  Vespa,  nament- 
lich V.  germanica,  aber  im  April  mehrere  der  grössern 
Cynips-Avten,  und  das  Jahr  hindurch  verschiedene  Ptero- 
malinen. 


•]8 


3.     Lepidopteren. 


Rliopaloceren  sind  rnir  bis  jetzt  nicht  vorgekommen. 
Von  Heteroceien  sind  besondere  die  Noetuideu,  und  von  den 
Micros  die  Hypeniden,  Pyraliden,  Tineiden  und  Gelechiden 
(Depresparia)  vertreten.  Die  meisten  dieser  Thiere  sind  indess 
durch  Abwaschen  unkenntlich  und  zu  näherer  Bestimmung 
unbrauchbar  geworden,  so  dass  man  nur  selten  ein  aufbe- 
wahrenswerthes  StUck  findet. 

4.     Dipteren. 

Es  fanden  sich  Tabaniden,  Empiden,  Asiliden,  Syrphiden, 
Museiden,  Bibioniden,  Tipuliden  (meist  unbrauchbar),  und 
sogar  ein  Hippoboscide:  Oxypterum  pallidum  Leaeh. 

5.  Orthopteren. 

Thripse,  Poduren,  Gryllus  domesticus,  sehr  zahlreiche 
Forficula  auricularia  L.,  im  Juni  noch  unreif,  neben  Labidura 
minor  L.,  und  Psocus-Arten. 

6.  Neuropteren. 

Einige  Ephemerinen  (kleinere),  Semblodeen,  Phryga- 
neodeen  (Limnophilus-Arten),  und  von  Hemerobiden  die  Gat- 
tungen Chrysopa,  Hemerobius  und  Drepanopteryx  phalsenodes, 
letztere  in  ziemlich  zahlreichen  schönen  Exemplaren. 

7.     R  h  y  n  c  h  0 1  a. 

Aphidinen  (nur  wenig),  Psyllodes,  Cicadinen  (Jassus  in 
zahlreichen  Arten  und  StĂĽcken);  Fulgorinen  (besonders  Del- 
phax  und  Cixius),  Noionectinen  (Corixa  in  melireren  Arten 
und  Noctonecta)  Hy.irometra,  Aradiden,  Tingiden,  Phylocoriden 
(CapsuK),  Macropeltiden,  Cydniden. 

An  Soolopendern,  Spinnen,  Milben  und  Asseln  lehlt  es 
auch  nicht. 

Ganz  natürlich  drängt  sich  uns  die  Frage  nach  der 
Ursache  der  Erscheinung  auf.  Was  fĂĽhrt  diese  verschieden- 
artigsten Insecten  in  die  Gasomelerbassins,  und  wie  gelangen 
sie,  geflĂĽgelte  und   ungeflĂĽgelte,  hinein? 

In  manchen  Beziehungen  mag  hier  der  Zufall  keine  un- 
wichtige KoUe  spielen.  Durch  Wind  und  Wetter,  in  der 
Hitze  der  Verfolgung  oder  auf  der  Flucht  vor  Feinden  wird 
manches  Thier  in  das  Wasser  gerathen,  ohne  an  den  ziemlich 


49 

glatten  Wänden  hinaufsteigen  und  sich  retten  zu  können. 
Was  speciell  die  Dytisciden  und  Hydrophilen  betrifft,  so  wäre 
es  nach  analogen  Fällen  wohl  möglich,  dass  diese  Käfer  in 
dĂĽrren  Sommern  das  Wasser  in  den  Rinnen  als  Ersatz  auf- 
suchten. Die  Hauptsache  wird  aber  wohl  darin  liegen,  dass, 
wie  auch  Freund  Scriba  annimmt,  die  Insecten  durch  die 
in  dem  Wasser  enthaltenen  Stoffe  angezogen  wer- 
den und  dann,  fliegend  oder  kriechend,  hineingelangen. 

Hr.  Gasdirector  Schwarzer  erzählt  mir,  dass,  als  vor 
Jahren  solches  Gaswasser  zu  Berlin  in  die  Spree  abgeleitet 
wurde,  sich  zahlreiche  kleine  Fische  und  andere  Wasserthiere 
an  der  Abflussmündung  einfanden  und  sich  in  dem  einströ- 
menden Wasser  lustig  tummelten  und  scheinbar  berauschten. 
Um  der  Sache  mehr  auf  den  Grund  zu  kommen,  habe 
ich  mich  an  einen  Freund,  den  Herrn  Dr.  W.  von  der  Marck 
zu  Hamm  a.  d.  Lippe,  tĂĽchtigen  Chemiker  und  Naturforscher, 
gewandt,  der  mir  folgende  Analyse  des  betreffenden  Wassers 
nebst  begleitenden  Bemerkungen  mittheilt: 

„1.  Das  Wasser  der  Gasometerbassins  enthält  we- 
„sentlich  die  Bestandtheile  des  sogenannten  Am- 
„moniakwassers,  d.  h.  vorzugsweise:  a.  Theer- 
^bestandtheile  —  sehr  complicirter  Natur;  b.  koh- 
„lensaures  Ammoniak;  c.  Schwefelcyan  -  Ammon 
„und  vielleicht  auch  Schwefel- Ammon;  d.  Phenol- 
„verbindungen. 
„2.  Dasselbe  riecht,  ähnlich  wie  Gaswasser,  vorwie- 
„gend  nach  Ammoniak,  aber  es  erinnert  auch  an 
„Cloakengas,  d.  h.  an  Verwesungsproducte  stick- 
„stoffhaltiger  Körper. 
„3.  üewisse  Insecten,  z.  B.  Stubenfliegen,  lassen  sich 
„durch  Ammoniakgeruch  verlocken. 

„Auch  ich  fand    im    hiesigen   Gasometerbaesin 
„zahlreiche,    theils    todte,    theils    noch    lebendige 
„Käfer,    z.    B.     Maikäfer     verschiedener     Arten, 
„Wasserkäfer  —  drei  Dytiscus  —  Hydrophilus  etc., 
„aber    noch    keine    Aaskäfer,    vielleicht    nur   zu- 
„fällig.     Künftig    werde    ich    der    Sache    weitere 
„Aufmerksamkeit  schenken." 
Ich  schliesse  mit  dem  Wunsche,  dass  dies  auch   von  an- 
dern Seiten  geschehe    und    hoffe,    später  Weiteres  berichten 
zu  können. 

Elberfeld,  Juli  1875. 


60 


1 


Nachtrag  zur  Revision  der  europäischen 
Lathridiidae 

von 
Edmund  Keittei«.     (Jahrg.  1875,  S.  297.) 


Unter  Divisio  II,  vor    Anommatus  ist   einzuschalten: 

Genus  Abroraus  Reitter. 

Antennse  lO-articulatee,  articulis  duobus  primis  valde    incras- 

satis,  clava  magna,  globosa,  biarticulata.     Oculi  nuUi. 

Scutellum  haud  perspicuum.     Prosternum  inter  eoxas 

anticae    subproductum.      Coxai    antiese    subdistantes. 

Femora  brevia  robusta.     Tarsorum  articuli  duo  primi 

minuti.    Thorax  subquadratus.    Elj'tra  seriatim  grosse 

punctata. 

Eine    neue,    mit    Anommatus    nalie  verwandte  Gattung. 

Die  Körperform  und  das  ganze  Aussehen  ist  wie  bei    dieser, 

und  sie  trennt    f>ich    von    ihr    durch    die   Bildung  der  FĂĽhler 

und  des  Prosternums  hauptsächlich  ab. 

Die  Fühler  sind  sehr  kräftig,  ebenfalls  am  oberen  Seiten- 
rande der  Stirn  des  ganz  wie  bei  Anommatus  geformten 
Kopfes  eingefĂĽgt,  welch'  letztere  ebenso  die  bogenartige, 
dunkle  und  schwache  Vertiefung  ĂĽber  der  FĂĽhlereinlenkungs- 
stelle  zeigt.  Die  beiden  ersten  Glieder  der  FĂĽhler  sind  viel 
grösser  und  stärker  verdickt,  als  bei  der  nächstverwandten 
Gattung,  die  ferneren  6  ebenfalls  sehr  klein  und  rundlich, 
die  beiden  letzten  bilden  eine  sehr  grosse,  runde  Keule.  Die 
Abgrenzungsnaht  der  beiden  Keulenglieder  ist  sehr  deutlicli 
walirnehmbar,  das  letzte  runde  an  der  Basis  fast  etwas 
schmäler  als  das  vorhergehende  an  der  Trennungsnaht.  Kopf 
nahezu  von  der  Breite  des  Halsschildes,  mehr  oder  minder 
viereckig,  vorgestreckt.  Mundtheile  ähnlich  wie  bei  Anom- 
matus. Halsschild  last  quadratisch,  die  Seiten  gegen  die 
abgestumpften  Hinterwinkel  sehr  schwach  verengt,  und  mit 
deutlichen  Sj)uren  von  weitläufigen,  kleinen  Kerbzähnchen, 
der  Hinterrand  ist  weniger  enge  an  die  FlĂĽgeldecken  ange- 
fĂĽgt, als  dies  bei  Anommatus  der  Fall  ist,  und  sehr  schwach 
bogig  gegen  die  letzteren  erweitert.  Schildchen  nicht  sicht- 
bar. FlĂĽgeldecken  von  der  Breite  des  Halsschildes,  ĂĽiemlich 
gleichbreit,  an  der   Spitze    gemeinschaftlich    abgerundet,    mit 


-51 

groben  Punktreihen  wie    bei    Anommatus    und    sehr    kurzen, 
schwer  sichtbaren  Börstchen  in  den  Punkten.     Das  Prosternum 
entsendet    zwischen    die    VorderhĂĽften    einen    plattenartigen 
kleinen  Vorsprung,  welcher  jedoch  nicht  ĂĽber  die  Mitte    der 
HĂĽften  hinausragt.   Die  VovderhĂĽftea  sind  wegen  dieser  kleinen 
Prosternumplatte    auch    weiter    von    einander    abstehend,    als 
bei  Anommatus.     Das  Uebrige  wie  bei    der  letztern  Gattung. 
Abromus  Bruckii:  Parvulus,  oblongus,  subdepressus,  testaceus, 
nitidulus;    thorace    quadrato,    basin  versus    subangus- 
tato,  lateribus  parce  minutissime    subdenticulato,    an- 
gulis  posticis  obtusis,  dorso  crebre  fortiter    punetato; 
elytris  thorace  fere  duplo  longioribus,  dense  sat  for- 
titer,   apicem    versus    subtiliter     seriatim    punctatis, 
angulo  humerali  acuto  subprominulis.     Long.  ^(4  mm. 
Bei   Baujuls   in  SĂĽdfrankreich  durch  Michel  Nou  in  eini- 
gen StĂĽcken  entdeckt,  und  im  Besitze    des  Herrn  vom  BrĂĽck 
befindlich. 

Die  Punktirung  des  Halsschildes  ist  auf  der  Scheibe  ge- 
drängter als  an  den  Seiten,  ohne  irgend  eine  punktfreie  Längs- 
stelle in  der  Mitte;  die  Punktreihen  der  FlĂĽgeldecken  sind 
kaum,  oder  nur  undeutlich  vertieft. 

Nach  Enicmus    brevicoUis    Thoms.    pag.    329    ist    einzu- 
schalten: 
Enicmus  (Conithassa  Thoms.)  Carpathicus: 

Niger,  subopacus,  glaber,  antennis  pedibusque  testaceis; 
prothorace  leviter  transverso,  coleopteris  valde  angustiore, 
lateribus  subtilissime  crenulatis,  prope  medium  parum  rotun- 
datis,  angulis  anticis  obtusis,  non  productis,  dorso  foveolis 
duabus  longitudinalibus  et  hasi  transversim  impresso;  elytris 
subnitidis,  brevibus,  valde  ampliatis,  pone  medium  rotundato- 
angustatis,  couvexis,  punctato-striatis,  interstitiis  sat  an- 
gustis,  planis,  interstitio  3  basi  subelevato.  Long.  I.5 — l.g  mm. 
Var.  b.  Ferrugineo-brunneus,  antennis  pedibusque  testaceis. 
In  Alpibus  Hungarise  bar.  Orient. 

Eine  neue  Art  aus  der  Verwandtschaft  des  E.  consimilis, 
brevicollis  Thoms.  und  parallelocollis,  daher  in  die  Unter- 
gattung Conithassa  Thoms.  gehörend.  Unterscheidet  eich  von 
den  beiden  ersten  durch  die  kurze,  sehr  aufgetriebene  Form 
der  P'lügeldecken ,  verhältnissmässig  schmäleres  Halsschild 
und  die  geringe  Grösse;  von  parallelocollis  sich  durch  das 
kürzere  Halsschild  entfernend,  welches  ähnlich  wie  bei  ru- 
gosus  und  brevicollis  geformt,  aber  etwas  höher  ist.  Durch 
die  kurzen  und  breiten  FlĂĽgeldecken  erinnert  diese  Art  sehr 
an  E.  Mannerheimi  Kolenati,  aus  dem  Caucasus,  welche  Leder 
bei  Elisabethpol  wieder  auffand  und  mir  zusendete;  Manner- 
heimi gehört  jedoch  zur  Untergattung  Enicmus   in  spec,    die 

4* 


52 

Punktßtreifen  der  Flügeldecken  sind  auch  viel  weitläufiger 
und  stärker  auegeprägt,  und  das  Halsschild  ist  wie  bei  testa- 
ceu8  Steph.  (cordaticoilis  Aube)  gebildet. 

Im  Gemülle  alter,  zerfressener  Buchenschwämme  auf  der 
Alp  Howerla  bei  dem  Dorfe  Suhy  im  nordöstlichen  Ungarn 
in  einigen  vollkommen  ĂĽbereinstimmenden  Exemplaren  auf- 
gefunden. 


Ein  neuer  Dytiscus, 

beschrieben  von 
E,    1ÂĄ  e  h  n  e  k  e. 


Djtiscus  persicus  m. 

Oblongoovalis,  nigro  olivaceus,  prothoracis  margine  luteo, 
elytrorum  castaneo-brunneorum  margine  lineisque  tenuibus 
longitudinalibus  luteis,  abdomine  subtus  luteo,  lateribus  nigro 
maculato,  coxarum  posticarum  laciniis  obtusiusculis.  Long. 
30  mm. 

Dem  Djtiscus  pisanus  Casteln.  am  nächsten  stehend, 
durch  eine  länglichere,  gewölbtere  Form  unterschieden;  auch 
sind  die  Spitzen  der  HinterhĂĽften  nicht  abgerundet,  sondern 
deutlicher  zugespitzt. 

Der  Kopf  ist  fein  punktirt,  von  dunkelolivengrĂĽner  Farbe 
mit  gelber  Vorderseite  und  zwei  röthlichen  Stirnflecken,  die 
Endglieder  der  gelben  Fühler  an  der  Spitze  bräunlich. 

Das  Halsschild  ist  doppelt  so  breit  als  lang,  nach  vorne 
etwas  schmäler  zulaufend,  mit  abgerundeten  Vorderecken, 
dunkelolivengrUn,  breit  gelb  gesäumt,  fein  punktirt  und  durch 
eine  tiefe  Längsfurche  auf  der  Mitte  ausgezeichnet. 

Flügeldecken  länglich,  hinter  der  Mitte  nur  wenig  ver- 
breitert, kastanienbraun,  die  Seitenränder  sowie  eine  ver- 
wischte Schrägbinde  vor  der  Spitze  gelblich.  Unterseite  des 
Körpers  gelb,  schwarz  gefleckt. 

Vaterland:  Persien.  Ein  Weibchen  in  der  Sammlung 
des  Herrn  Dohrn. 


53 


Einige  neue  dalmatinisclie,  griechische  und 
kleinasiatische  Tenthredoniden. 

Von 
•r.  P.  E.  Frdr.  Stein  in  Berlin. 


Cimfiex  scapularis; 

C.  scapularis  Mus.  Berol. 

(^.  Kigra,  opaca,  pubescens,  antennis  tareisque  luteis; 
angulis  prothoracis  maculisque  lateralibus  segmentorum  ab- 
dominis  3  et  4  sulphureis. 

?.  PiceO'brunnea,  opaca,  pubescens,  antennis,  scutello 
pedibusque  luteis;  angulis  prothoracis  et  maculis  lateralibus 
segmentorum  abdominis  3  et  4,  fasciisque  medio  interruptis 
6—8  sulphureis. 

Der  C.  axillaris  Jurine  nahe  verwandt,  aber  von  mehr 
schwarzer  Färbung,  und  im  Allgemeinen  etwas  grösser. 

(^.  FĂĽhler  braungelb,  das  erste  Glied  ganz,  das  zweite 
bis  zur  Mitte  schwarz.  Kopf  schwarz,  ziemlich  dicht  mit 
grauen  und  schwarzen  Haaren  bedeckt;  Kopfschild  gelblich 
weiss,  unten  seicht  ausgerandet.  Mandibeln  schwarz  mit 
dunkelbraunen  Spitzen;  die  inneren  Mundtheile  gelb.  Die 
Seiten  des  Prothorax  (Schulterecken)  mit  einem  gelblich- 
weissen,  viereckigen  Flecke.  Meso-  und  Metathorax,  sowie 
das  Schildchen  schwarz  und  dicht  grauschwarz  behaart.  Die 
Aussenhälfte  der  Vorderflügel  ist  der  Länge  nach  gelbbraun; 
die  HinterflĂĽgel  nur  im  Costalraume.  An  den  mit  ziemlich 
langen  Haaren  bedeckten  Beinen,  sind  HĂĽften  und  Schenkel 
glänzend  schwarz;  erstere  vor  der  Spitze  mit  einem  ziemlich 
scharfen  Zahn  versehen,  letztere  verdickt;  die  etwas  ge- 
krĂĽmmten, schwarzen  Schienen  sind  auf  dem  Aussenrande  mit 
kurzen,  seidenglänzenden,  gelben  Härchen  bedeckt,  was  aber 
nicht  bei  allen  Individuen  gleich  deutlich  hervortritt;  die 
Hintertibien  sind  zuweilen  nach  der  Spitze  hin  mehr  oder 
weniger  rothbraun;  die  Sporen  an  den  Tibien  sind  gelbbraun, 
wie  sämmtliche  Tarsenglieder. 

Der  schwarze  Hinterleib  ist  oben  kurz,  an  den  Seiten 
länger  behaart;  die  blosse  Stelle  zwischen  erstem  und  zweitem 
Ringe,  der  dritte  Ring  oben  und  unten  —  mit  Ausschluss 
der  Mitte  oberhalb  — ,  und  der  vierte  Ring  in  den  Aussen- 
M'inkeln  und  unterhalb  derselben,  sind  gelblichweiĂźs.  Die 
gelblichweisse  Binde  des  dritten  Ringes  ist  bei    den    meisten 


51 

Individuen  oben  sehr  breit  unterbrochen,  ĂĽberhaupt  aber  nie 
ganz  zusamnienliänpiend.  Auf  der  Mitte  der  vier  letzten 
Hinterleibsringe  befindet  sieh  ein  seichter  Eindruck,  der  auf 
dem  letzten  sich  zu  einer  Grube  vertieft. 

$.  FĂĽhler  ganz  gelb;  der  Kopf  mit  langer,  schwarz- 
grauer  Pubescenz  bedeckt,  mit  den  Mandibeln  rothbraun, 
letztere  mit  pechschwarzen  Spitzen;  Kopl'schild  schwefelgelb, 
unten  seicht  ausgerandet;  die  ĂĽbrigen  Mundtheile  hellgelb. 
Prothorax  pechbraun;  Oberrand  und  die  breiten  Schulter- 
ecken  schwefelgelb.  Mesotliorax  oben  schwarz;  Schildchen 
und  Metatliorax  braun.  Die  Flügel  wie  beim  Männchen. 
HĂĽften  und  Beine  gelbbraun;  die  Aussenseiten  der  HĂĽften  und 
Schenkel  mit  schwarzem  Strich.  Die  Ringe  des  Hinterleibes 
sind  unten  und  an  den  Seiten  oben  mehr  oder  weniger 
schwefelgelb;  der  Ite  und  2te  oben  ganz,  der  3te  in  der 
Mitte,  der  4te  bis  kurz  vor  den  Seitenränderu,  der  5te  bis  7te 
in  der  Mitte  s^pitz  dreieckig  schwarz.  Die  Seitenecken  dieser 
schwarzen  Dreiecke  ziehen  sich  jeĂĽerseits  als  eine  schmale, 
fast  verdeckte  Linie  auf  dem  Vorderrande  hin.  Die  Lege- 
röhre ist  rothgelb. 

rj$.  Länge  des  Körpers  23  mm.,  eines  Vorderflügels 
21  mm. 

In  der  Köuigl.  Sammlung  2  (^  aus  dem  Balkan  von 
Frivaldszky  und  3  (^  und  1  $  aus  der  Gegend  um  Smyrna; 
3   ,^  in  meiner  Sammlung  aus  Griechenland  von  Dr.  KrĂĽper. 

Alliasi«4  Ii.rii|iei*i;  nigra,  opaca,  glabra,  tibiis 
tarsieque  stramineis. 

Der  A.  obscura  Fabr.  sehr  ähnlich,  aber  durch  die  Fär- 
bung der  Beine  sofort  zu  unterscheiden;  ausserdem  haben  die 
FlĂĽgel  keine  rauchbraune  Querbinde,  sind  vielmehr  fast 
wasserhell,  mit  dunkelbraunem  Stigma  und  Costalraum.  Die 
Mandibeln  sind  vor  der  pechbraunen  Spitze  bräunlichgelb. 
Die  Schenkelspitzen  und  alle  Tibien  sind  gelblichweisp,  die 
Innenseite  der  Mittel-  und  Vordertibien  mit  schwarzem  Strich. 
Die  letzten  Segmente  des  Hinterleibes  sind  mit  einem  schil- 
lernden, seidenartigen  Toment  bedeckt. 

Länge  des  Körpers  9  mm.,  eines  Vorderflügels  8  mm. 

Ein  o  aus  Attika  und  ein  $  aus  der  Gegend  von  Smyrna 
von  Dr.  KrĂĽper,  und  ihm  zu  Ehren  benannt;  beide  in  meiner 
Sammlung. 

Alll»Ni!$    COncinna:    nigra,    opaca.    glabra,    sca- 


pulis,  abdominis  segmentorum  lateribus,  tibii.sque  citrinis. 

Am.  concinna  Mus.  Berol. 

Der  Am.  jucunda  Kl.  älinlich,  aber  von  gedrungenerem 
Baue,  und  die  gelben  Binden  des  Hinterleibes  derartig  unter- 
brochen, dass  sie  zumeist  nur  gelbe  Seitenflecke  bilden. 


00 

Der  Kopf  ist  fein,  der  Hinterleib  ziemlich  grob  punktirt; 
der  Thorax  fein  runzlig.  Die  FlĂĽgel  sind  wasserhell,  mit 
blassgelbem  Stigma  und  Costalraume,  der  in  der  Nähe  des 
Stigma's  eine  längliche,  braune  Stelle  hat.  Die  Schulterecken 
sind  breit  dreieckig  citronengelb;  so  sind  auch  die  Seiten  der 
Hinterleibsringe,  wenn  auch  ein  wenig  blasser,  gefärbt;  die 
beiden  vorletzten  Ringe  sind  nur  in  der  Mitte  etwas  ge- 
schwärzt, der  letzte  ist  ganz  gelb,  mit  Ausnahme  einer 
schmalen,  schwarzen  Stelle  in  der  Mitte  der  Basis.  Die 
Unterseite  des  Hinterleibes  ist  pechschwarz;  die  einzelnen 
Ringe  sind   aber  jederseits  in  den   Vorderwinkeln  gelb. 

An  den  Beinen  sind  die  Schenkelspitzen  und  die  Schienen 
blassgelb;  die  Hinterschienen  an  der  Aussenseite  der  Spitze 
mit  einem  schwarzen  Flecke  versehen.  Die  Tarsen  sind 
pechschwarz;  die  der  Vorderbeine  an  der  Basis  blassgelb. 
Die  Sporen  an  den  Vorderschienen  sind  hellgelb;  an  den 
Mittel-  und  Hinterbeinen  schwarzbraun. 

Länge  des  Körpers  6  mm.,  eines  Vorderflügels  6  mm. 

Ein  $  aus  Rumelien  von  Frivaldszky  in  der  Königl. 
Sammlung. 

Tar|ia  albicllicta;  nigra,  nitida,  pubescens,  ca- 
pitis thoracisque  raaculis,  abdominis  fasciis  flavescenti-albis. 

Der  T.  flavicornis  Kl.  ähnlich  und  nahe  verwandt,  jedoch 
von  anderer  Zeichnung  und  Punktirung. 

Die  FĂĽhler  sind  hier,  nicht  wie  bei  T.  flavicornis,  ganz 
gelb,  sondern  das  2te  kleine,  kugelförmige  Glied  ist  dunkel- 
braun oder  fast  schwarz;  auch  die  kammförmigen  Zähne  an 
der  Unterseite  sind  gebräunt.  Der  Kopf  ist  ziemlich  dicht 
schwarz  behaart;  die  gelben  Mandibeln  haben  dunkelbraune 
Spitzen;  der  Clypeus,  ein  dreieckiger  Fleck  oberhalb  des- 
selben, ein  länglich-viereckiger  •  neben  dem  Innern  Augen- 
rande, zwei  parallellaufende,  nach  vorn  abgekĂĽrzte  Striche 
des  Scheitels,  und  ein  jederseits  am  Hinterkopfe  befindlicher, 
hinter  den  Augen  herabsteigender,  stumpfwinkliger  Strich  — 
sind  gelblichweiss.  Der  Scheitel  ist  glänzend  glatt,  und  nur 
in  der  Umgebung  der  Ocellen  unregelmässig  punktirt;  bei 
T.  flavicornis  ist  der  ganze  Kopf  grob  punktirt. 

Der  Prothorax  hat  oben  jederseits  einen  nach  innen 
hakenförmigen,  gelblich  weissen  Fleck;  unterhalb  der  Flügel- 
wurzel und  daneben  finden  sich  je  drei  gelbliche  Flecke; 
zwei  ebenso  gefärbte,  kurze,  schräg  nach  aussen  gerichtete, 
längliche,  stehen  vorn  und  hinten  auf  dem  Mesothorax;  auch 
die  blosse  Stelle  zwischen  dem  ersten  und  zweiten  Hinter- 
leibsringe ist  gelblichweiss.     Die  FlĂĽgel,   besonders    die    vor- 


56 

deren,  find  ähnlich,  wie  bei  den  meiBten  Tarpen,  bernstein- 
gelb. Die  Beine  sind  lebhaft  gelb,  aber  Vorder-  und  Mittel- 
echenkel  bis  fast  zur  Mitte  echwarz. 

Der  Hinterleib  zeigt  auf  dem  Hinterrande  des  4ten  bis 
6len  Ringes  ziemlich  gleichbreite,  jedoch  nur  schmale,  Meisse 
Binden;  auf  dem  2ten,  oder  auch  zugleich  auf  dem  -Uen 
Ringe  findet  sich  jedereeits  nach  aussen  nur  ein  eckiger, 
weisser  Fleck.  Die  Unterseite  ist  entweder  einfach  glänzend 
schwarz  (cJ),  oder  trägt  zwei  weisse,  schmale  Binden  auf 
dem  Hinterrande  der  beiden  vorletzten  Ringe  (?),  die  vorn 
in  der  Mitte  mit  einer  kleinen   Ausrandung  versehen  sind. 

Länge  des  Körpers  11  mm,,  eines  Vorderflügels  10  mm. 

Ein  (^  aus  Macedonien  und  ein  ?  vom  Olymp,  beide 
von  Dr.  KrĂĽper,  in  meiner  Sammlung. 

Xarpa  liOeivii;  nigra,  nitida,  pubescens,  capitis 
thoracisque  maculis,  abdominis  fasciis  pedibusque  citrinis. 

Der  T.  Hiepanica  Spin,  sehr  ähnlich,  aber  grösser  und 
von  anderer  Zeichnung  auf  Kopf  und  Brustschild. 

Die  FĂĽhler  sind  gelb,  das  2te  kleine,  runde  Glied  roth- 
braun; die  Kammzähne  blassbraun.  Der  Kopf  ist  mit  kurzen, 
schwarzen  Haaren  bedeckt;  der  Scheitel  glatt,  die  Umgebung 
der  Ocellen  und  die  Partieen  in  der  Nähe  der  Augen  dicht 
punktirt.  Auf  dem  Scheitel  befinden  sich  zwei  parallele, 
vorn  abgestutzte,  nach  hinten  verschmälerte,  gelbe  Striche; 
hinter  den  Augen  ein  stumpfwinkliger,  vom  Nacken  aus  her- 
ablaufender, gelber  Strich;  innerhalb  der  Augen  jederseits 
ein  gelber,  dreieckiger,  und  oberhalb  des  gelben  Clypeus 
ebenfalls  ein  gelber  Fleck.  Die  Mandibeln  sind  gelb  mit 
braunen  Zahnspitzen;  sämmtliche  Palpen  ebenfalls  gelb,  deren 
letzte  Glieder  aber  mit  braunen  Spitzen. 

Der  Prothorax  hat  jederseits  einen  mit  der  Spitze  nach 
innen  gekehrten,  dreieckigen,  nach  unten  in  einen  stumpfen 
Fortsatz  verlaufenden,  citronengelben  Fleck;  zwei  ebenso 
gefärbte,  kleine,  rundliche  von  ungleicher  Grösse  befinden 
sich  jederseits  vor  den  FlĂĽgelwurzeln.  Die  FlĂĽgel  sind  von 
der  gewöhnlichen,  bernsteingelben  Färbung,  insbesondere  die 
Vorderhälfte  der  Vorderflügel.  Die  Flecke  auf  dem  stark 
runzlig  punktirten  Mesothorax  bilden,  wie  gewöhnlich,  zwei 
Paare;  das  vordere  besteht  aus  zwei  kleinen,  am  Grunde 
genäherten,  mit  der  Spitze  nach  aussen  gerichteten,  citronen- 
gelben Flecken;  das  hintere  Paar  ist  ebenso  gefärbt,  aber 
von  etwas  anderer  Form  und  Stellung,  und  mit  sehr  ent- 
fernter Basis  der  einzelnen  Flecke.  Die  Beine  sind  hellgelb; 
die  Vorder-  und  Mittelichenkel   bis  zur  Hälfte    schwarz;    die 


57 

Sporen  der  Vorder-  und  Mittel-Tibien  sind  gelb,  die  der 
Hinlertibien  braun;  die  Spitzen  der  HinterhĂĽften  haben  innen 
und  aussen  einen  citronengelben  Fleck. 

Der  Hinterleib  ist  oben  glänzend  schwarz,  undeutlich 
und  seicht  punktirt;  hinter  dem  Iten  Segmente  befindet  sich 
jederseits  eine  längliche  Makel,  welche,  wie  alle  folgenden 
Ăźinden  citronengelb  ist;  auf  dem  Hinterrande  des  2ten  Seg- 
ments ist  die  Binde  breit,  auf  dem  des  3ten  schmal  unter- 
brochen; auf  dem  4ten  ist  sie  in  der  Mitte  ziemlich  tief  aus - 
gerandet;  auf  dem  5ten  bis  8ten  Segmente  sind  die  Binden 
durchlaufend,  alle  von  gleicher  Breite. 

Länge  des  Körpers  13  mm.,  eines  Vorderflügels  13  mm. 

Ein  (^  bei  Patara  (Kleinasien)  von  dem  berĂĽhmten  Dip- 
terologen  Low  gefunden  und  ihm  zu  Ehren  benannt,  in  der 
Königl.  Sammlung. 

liyda  lliactllipeoiftls;  nigra,  nitida,  glabra,  ca- 
pite  abdomineque  fulvescentibus,  alis  anticis  maculis  rotundis 
tribus  nigro-fuscis. 

Ausgezeichnet  durch  zwei  runde,  dunkelbraune,  mit  dem 
glänzend  schwarzen  Stigma  im  Dreieck  stehende  Flecke  der 
VorderflĂĽgel. 

Die  Fühler  sind  von  massiger  Länge,  schwarz;  das  Ba- 
salglied gelb;  die  nach  aussen  abgeschrägte  Spitze  des  2ten 
Gliedes  weiss.  Der  Kopf  ist  gelb;  nur  ein  breiter  Streifen 
auf  dem  Scheitel,  und  die  Umgebung  der  Ocellen,  sowie  die 
Mandibeln  sind  schwarzbraun,  letztere  an  der  Basis  gelb; 
unterhalb  jedes  FĂĽhlers  befindet  sich  ein  schwarzer  Punkt. 

Der  Prothorax  bildet  einen,  oben  gelblichweissen,  schmalen 
King;  der  schwarze  Mesothorax  ist  in  der  Mitte  hellbraun; 
das  Schildchen  hat  weissliche  Vorderecken.  Die  FlĂĽgel  sind 
hell  bernsteingelb;  die  Spitzen  ziemlich  dunkel  rauchbraun, 
was  nach  innen  scharf  abgegränzt  erscheint.  Jeder  Vorder- 
flĂĽgel hat  an  der  Basis  einen  blassbraunen,  in  der  Iten  und 
3ten  Discoidalzelle  je  einen  runden,  dunkelbraunen  Fleck  und 
ein  glänzend  schwarzes  Stigma.  Die  Beine  sind  durchweg 
schwarz,  und  nur  die  Tarsen  dunkelbraun. 

Der  Hinterleib  ist  bräunlichgelb;  der  erste  Ring  und  je 
ein  Seitenfleck  des  letzten  dunkel  pechbraun.  Auf  der  Bauch- 
seite trägt  jeder  Ring  nach  aussen  je  einen,  der  letzte  aber 
im  Ganzen  drei  runde,  braune  Flecke. 

Länge    des    Körpers    9—  10    mm.,    eines    Vorderflügels 

Zwei  $  aus  der  Umgebung  Smyrna's,  von  Dr.  KrĂĽper 
gefunden,  in  meiner  Sammlung. 

Xyela  Grraeca;  flavescens,  fusco-variegata,  glabra, 
ovipositore  testaceo,  cultriformi. 


58 

Der  X.  pusilla  Dalm.  sehr  ähnlicli  und  von  gleicher 
Grösse,  von  derselben  hauptsächlich  durch  das  nicht  gefurchte 
Gesicht,  und  die  Form  und  Färbung  der  Legeröhre  ver- 
schieden. 

Die  Fühler  sind  gelb,  das  4te,  verlängerte  und  verdickte 
bräunlich.  Der  Kopf  ist  hellgelb;  auf  den»  Scheitel  die  Ge- 
gend um  die  Ocellen,  und  zwischen  den  Augen  jederseits  ein 
nach  vorn  abgekürzter  Längstleck  sind  braun;  von  dem 
braunen  Ocellenflecke  laufen  jederseits  zwei  blassbräunliche, 
schräge  Striche  nach  den  Fühlerwurzeln,  und  ein  ähnliches 
Strichelchen  findet  sich  in  der  Mitte  der  Stirne;  die  beiden 
ereteren  haben  dicht  an  der  FĂĽhlerwurzel  je  ein  sehr  kleines, 
undeutliches  Grübchen.  —  (Bei  X.  pusilla  Dalm.  sind  alle 
drei  Striche  im  Grunde  zu  einer  feinen  Furche  der  ganzen 
Länge  nach  vertieft.)     Mandibeln  und  Palpen  sind  ganz  gelb. 

Der  Prothorax  ist  blassgelb;  der  Mesothorax  braun  mit 
gelben  Flecken,  namentlich  am  Vorderrande.  Die  FlĂĽgel  sind 
wasserhell;  das  Stigma  noch  blassgelber,  als  bei  X.  pusilla 
Dalm.  Die  Beine  sind  ganz  gelb,  auch  die  HĂĽften;  an  den 
Tarsen  der  Hinterbeine  ist  der  Metatarsus  aussen,  die  ĂĽbrigen 
Glieder  an  der  äussersten  Spitze  braun. 

Der  Hinterleib  igt  bräunlich,  die  einzelnen  Ringe  am 
Hinterrande  gelb.  Die  Legeröhre  des  2  ist  gerade,  kaum 
von  der  Länge  des  Hinterleibes,  durchsichtig  gelb,  und  durch 
die  abgeschrägte  Spitze  messerförmig.  (Bei  X.  pusilla  Dalm. 
ist  die  Legeröhre  verhältnissmässig  etwas  länger,  mehr  zu- 
gespitzt, und  wenigstens  bei  den  ausgefärbten  Stücken  von 
dunkelbrauner  Farbe.) 

Länge  des  Körpers,  einschliesslich  der  Legeröhre  4  mm., 
eines  VorderflĂĽgels  S^jo  mm. 

Zwei  -?  aus  Griechenland  von  Dr.  KrĂĽper,  in  meiner 
Sammlung. 

CepIlUS  SllCCtabilii^:  niger,  nitidus,  glaber,  an- 
tennarum  apice,  abdominis  segmentis  3—5,  tibiis  tarsisque 
rufie. 

Eine  der  grössten  Arten  dieser  Gattung;  beide  Ge- 
schlechter in  Grösse  und  Färbung  ganz  ähnlich,  nur  die 
Weibchen  etwas  robuster,  als  die  mehr  schlanken  Männchen. 

An  den  schwarzen  Fühlern  sind  die  letzten  7  —  8  Glieder 
roth.  Der  Kopf  ist  glänzend  schwarz;  die  Mundtheile  an  den 
Endgliedern  roth;  die  Mandibeln  mit  rothbraunen  Spitzen. 

Der  Thorax,  namentlich  der  Prothorax,  ist  glänzend 
schwarz.  Die  FlĂĽgel  sind  durchscheinend  pechbraun;  Stigma 
und  Costalraum  rothgelb;  in  der  äussern  Radialzelle  ein 
länglicher,  dunkler  Schatten.  An  den  Beinen  sind  die  Schenkel 
in  der  Mitte  schwarz,  an  der   Basis  und  der  Spitze  mehr  oder 


59 

weniger,  sowie  die  Schienbeine  und  Tarsen  rotligelb;  die 
Hintertarsen  nach  aussen  schwach  gebräunt;  sämmtliche 
Sporen  gelb,  die  an  den  Vordertibien  etwas  gebogen  und 
gleichsam   bajonetartig  zugespitzt. 

Am  Hinterleibe  ist  die  blosse  Stelle  zwischen  erstem  und 
zweitem  Ringe  schwefelgelb;  der  Ite  Ring  ganz,  der  2te  nur 
oben,  die  3  letzten  Ringe  ebenfalls  ganz  schwarz;  der  3te 
bis  5te  Ring  roth.  Die  Legeröhre  des  ^  ragt  ungefähr  l^/a 
Linie  hervor,  ist  massig  zugespitzt,  am  Ende  gerade  abge- 
stutzt und  peehbraun. 

Länge  des  Körpers  17  —  20  mm.,  eines  Vorderflügels 
13  mm. 

Zwei  o  aus  Attika  von  Dr.  Krüper  in  der  König].  Samm- 
lung; drei  ö^  und  2  $  von  mir  bei  Spalato  in  Dalmatien  im 
Mai  gefangen,  in  der  meinigen. 

CepEĂĽlBS  alllO-lliacsslatiBS:  niger,  nitidus,glaber, 
abdominis  segmentis  3 — 6  lateribus  albo-maculatis,  tibiis  tar- 
sisque  luteis. 

Zu  den  grösseren  Arten  zählend,  und  dem  C.  Troglodyta 
(Gmel.)  Fabr.  nahe  verwandt. 

Die  Fühler  sind  rein  schwarz.  Der  Kopf  ist  glänzend 
schwarz.  Die  Mandibeln  sind  dunkelgelb  mit  brauner  Spitze. 
Der  Thorax  ist  schwarz,  der  Prothorax  ziemlich  glänzend. 
Die  FlĂĽgel  sind  schwach  rauchgrau  getrĂĽbt,  Stigma  und 
Costalraum  gelbbraun.  Schenkelspitzen,  Schienbeine  und 
Tarsen  sind  röthlichgelb. 

Am  Hinterleibe  ist  die  blosse  Stelle  zwischen  erstem 
und  zweitem  Ringe  schwefelgelb;  sämmtliche  Ringe  sind 
glänzend  schwarz;  im  Aussenwinkel  jederseits  des  3ten  bis 
6ten  Ringes  befinden  sich  gelblichweisse  Flecke  von  verschie- 
dener Form;  der  Ite  und  3te  ist  klein  und  rund,  der  2te 
länglich,  der  4te  ist  etwas  grösser,  als  Iter  und  3ter  und 
mehr  oval.  Die  Legeröhre  des  $  ragt  kaum  eine  halbe  Linie 
hervor. 

Länge  des  Körpers  einschliesslich  der  Legeröhre  15  mm., 
eines  VorderflĂĽgels  11   mm. 

Ein  $  von  mir  bei  Ragusa  in  Dalmatien  im  Mai  ge- 
fangen, in  meiner  Sammlung. 

CcpIlllS  variegatus;  oiger,  nitidus,  glaber,  ab- 
domine  pedibusque  nigro  citrinoque  variis. 

Dem  C.  Idolon  Rossi  recht  ähnlich,  aber  kleiner  und 
die  einzelnen  Körpertheile  anders  gefärbt. 

Die  FĂĽhler  sind  sciiwarz,  nach  der  Spitze  hin  etwas 
gebräunt;  bei  C.  Idolon  R.  ist  die  äusserste  Spitze  hellgelb. 
Der  Kopf  ist  glänzend  schwarz;  Clypeus  und  Mandibeln,  sowie 
alle  Mundtheile  sind  blassgelb. 


60 

Der  Thorax  ist  oben  glänzend  schwarz,  unten  gelb,  bei 
C,  Idolon  R.  sind  die  Seiten  des  Prothorax  gelb.  Die  FlĂĽgel 
Bind  fast  glashell,  Stigma  und  Costalfeld  braungelb;  der 
äusserste  Rand  (costa)  nach  der  Wurzel  hin  hellgelb.  An 
den  Beinen  sind  die  HĂĽften  gelb  mit  schwarzem  Punkte  nach 
aussen;  die  Aussenseiten  sämmtlicher  Schenkel  schwarz; 
Vorder-  und  Mittelschienen  hellgelb ;  Hinterschienen  aussen 
mit  braunem  Striche,  der  sich  auch  auf  die  Hintertarsen  aus- 
dehnt, während  die  übrigen  Tarsen  rein  gelb  sind;  auch  die 
Sporen  an  sämmtlichen  Schienbeinen  sind  hellgelb. 

An  dem  Hinterleibe  ist  die  blosse  Stelle  zwischen  erstem 
und  zweitem  Ringe  schwefelgelb.  Der  erste  Ring  ist  ganz 
schwarz,  der  2te  nur  oben,  aber  in  den  Hinterwinkeln  gelb; 
der  3te  ist  gelb,  oben  mit  einer  schwarzen  Zeichnung,  die 
ein  dreieckiges  Fleckchen  einschliesst,  und  ausserdem  befindet 
sich  beiderseits  an  der  Basis  ein  kleiner,  schwarzer  Punkt; 
der  4te  und  6te  Ring  ist  ganz  gelb,  nur  jederseits  an  der 
Basis  ein  schwarzer  Punkt;  der  5te  ist  schwarz  mit  gelben 
Hinterwinkeln;  der  7te  ist  an  der  Basis  schmal  schwarz ;  der 
8te  schwarz  mit  gelbem  Seiten-  und  Hinterrande.  Die  Hinter- 
leibsspitze  ist  gelb,  am  Grunde  schwarz;  die  inneren  Ge- 
schlechtstheile  sind  ebenfalls  gelb. 

Länge  des  Körpers  8  mm.,  eines  Vorderfltigels  6  mm. 

Ein  J  bei  Ragusa  in  Dalmatien  im  Mai  von  mir  ge- 
fangen, in  meiner  Sammlung. 

Pacliycephii^s. 

Antennse  apicem  versus  paululum  incrassatae,  articulis 
sedecim.  Palpi  maxillares  6-,  labiales  4-articulati.  Abdomen 
cylindricum,  subdepressum.    • 

Durch  die  sechszehngliedrigen  FĂĽhler  von  Cephus,  welcher 
22gliedrige  hat,  zunächst  verschieden. 

An  den  sechsgliedrigen  Kiefertastern  ist  das  3te  Glied 
dick,  halb  so  lang,  wie  das  4te,  welches  sehr  dĂĽnn  ist.  Das 
Endglied  ist  ebenfalls  dĂĽnn,  und  wie  bei  Cephus,  vor  der 
Spitze  des  vorletzten,  sehr  kleinen,  inserirt.  An  den  vier- 
gliedrigen  Lippentastern  ist  das  letzte  Glied  rübenförmig. 
Das  Flügelgeäder  ist  dem  von  Cephus  ganz  ähnlich.  Die 
Legeröhre  des  2  ist  kurz,  gerade  abgestutzt  und  unbedeutend 
zusammengedrĂĽckt. 

Pachyccpliiis  ISiiiyrneiisU;  niger,  nitidus, 
leviter  griseo-pubescens,  abdomine  lateribus  maeulis  citrinis 
pedihusque  nigris. 

Auf  den  ersten  Blick  gleicht  das  Thier  einer  Macrophya, 
aber  die  Fühler,  das  Flügelgeäder  und    die    ziemlich  hervor- 


61 

ragende  Legeröhre  weisen  ihm  einen  Platz  zunächst  bei 
Cephus  an. 

Die  FĂĽhler  sind  massig  lang,  dunkel  schwarzbraun.  Kopf 
und  Mundtheile  sind  schwarz,  ersterer  mit  kurzer,  greiser 
Pubescenz. 

Der  Prothorax  hat  jederseits  am  Hinterrande  ein  gelbes, 
fast  viereckiges  Fleckchen;  auch  unter  der  Basis  jedes  FlĂĽgel- 
paares befindet  sich  ein  gelblichweisser  Punkt.  Die  FlĂĽgel 
sind  in  der  Spitzenhälfte  schwach  rauchbraun  getrübt,  nament- 
lich die  VorderflĂĽgel.  Die  Beine  sind  schwarz;  die  HĂĽften 
der  Hinterbeine  haben  aussen  einen  gelben  Längsfleck.  Die 
Schienbeine  sind  schwarzbraun;  alle  Sporen  bräunlich. 

Der  Hinterleib  ist  grösstentheils  schwarz,  wenig  glän- 
zend; die  blosse  Stelle  zwischen  erstem  und  zweitem  Ringe; 
ein  Seitenfleck  jederseits  des  3ten  Ringes;  eine  in  der  Mitte 
unterbrochene  Binde  auf  dem  Hinterrande  des  5ten,  ein  vier- 
eckiger Fleck  jederseits  des  6ten,  ein  kleiner  Punkt  an  den 
Seiten  des  7ten,  und  der  obere  Theil  des  8ten  ĂĽber  der  Lege- 
röhre befindlichen  —  sind  citronengelb. 

Länge  des  Körpers,  einschliesslich  der  Legeröhre  11  mm., 
eines  VorderflĂĽgels  8  mm. 

Ein  $  aus  der  Umgegend  von  Smyrna,  von  Dr.  KrĂĽper 
an  die  Köuigl.  Sammlung  geliefert. 

Bemerkung,  In  der  Königl.  Samml.  befindet  sich  noch 
ein  StĂĽck,  ebenfalls  weiblich,  welches  bei  Brusa  von  Thirk 
gefangen  wurde.  Es  ist  etwas  kleiner,  als  das  beschriebene, 
und  glänzender,  vielleicht  weil  es  reinlicher  gehalten  ist; 
ihm  fehlen  die  gelben  Schulterflecke,  und  die  gelben  Flecke 
des  Hinterleibes  sind  etwas  begränzter,  aber  auf  denselben 
Ringen ;  die  beiden  kleinen  Flecke  an  den  Seiten  des  7ten 
Ringes  fehlen.  Gleichwohl  sclieint  es  mir  nur  als  Varietät 
des  beschriebenen  betrachtet  werden  zu  mĂĽssen,  da  speci- 
fische  unterschiede  mangeln. 


62 


Lepidopterologisches, 

von 
Gerichtsrath  Kefersteio. 


1.  Es  hat  sich  in  OsnabrĂĽck  ein  naturwissenschaftlicher 
Verein  gebildet,  dessen  zweiter  Jahresbericht  (OsnabrĂĽck 
1875)  mir  vorliegt.  Er  enthält  unter  andern  S.  63 — 94  ein 
Verzeichniss  der  in  der  Umgegend  von  OsnabrĂĽck  vorkom- 
menden Makrolepidopteren,  aufgestellt  von  H,  nach  dem 
eystematischen  Verzeichniss  der  europäischen  Schmetterlinge 
von  Heidenreich,  Leipzig  1851. 

In  diesem  Verzeichniss  sind  als  OsnabrĂĽck'sche  Schmet- 
terlinge aufgefĂĽhrt:  AnthocharisCallidice,Leucophasia 
Luthyri,  Lithosia  flavicans.  Da  der  erstere  Schmetter- 
ling die  Alpen  bewohnt,  die  zwei  andern  aber  im  sĂĽdlichen 
Frankreich  heimisch  sind,  so  ist  das  Vorkommen  bei  Osna- 
brĂĽck sehr  befremdend.  Der  Verfasser  des  Verzeichnisses 
hat  sich  nicht  genannt,  und  so  wandte  ich  mich  um  Auskunft 
darĂĽber  an  den  Vorstand  des  Vereins,  bin  aber  bis  jetzt  mit 
keiner  Antwort  erfreut  worden.  Es  scheint  ausser  Zweifel 
zu  sein,  dass  bei  Aufnahme  obiger  Schmetterlinge  ein  Irrthum 
stattgefunden  hat,  und  wahrscheinlich  unerhebliche  Abände- 
rungen als  wirkliche  Arten  aufgefĂĽhrt  sind. 

2.  Ein  vor  mehreren  Jahren  verstorbener  Freund  von 
mir,  der  Ăźanquier  Herrmann,  war  zwar  kein  Entomolog, 
hatte  aber  offenen  Sinn  fĂĽr  die  Natur.  Das  Bad  Driburg  in 
Westphalen  ist  wiederholt  von  ihm  besucht  worden,  und  er 
hat  mir  versichert,  gar  nicht  sehr  selten  eine  Argjnnis-Art 
daselbst  beobachtet  zu  haben,  die  seiner  Beschreibung  nach 
sich  von  den  europäischen  Argynniden  unterschied  und  höchst 
wahrscheinlich  eine  nordamerikanische  war.  Leider  hat  er 
ohne  Fangwerkzeuge  ihrer  nicht  habhaft  werden  können. 
So  unwahrscheinlich  es  daher  auch  erscheint,  dass  eine  exo- 
tische Argynnis  sich  bei  Driburg  angesiedelt  haben  sollte,  so 
ist  dazu  d6ch  immer  eine  Möglichkeit  vorhanden.  Wenn 
Entomologen  das  Bad  Driburg  besuchen,  so  mögen  sie  doch 
diesem  Gegenstand  ihre  Aufmerksamkeit  schenken.  Vielleicht 
ist  Herr  Dr.  Speyer  am  ersten  im  Stande,  darüber  Aufklä- 
rung zu  geben. 

3.  Staudinger  fĂĽhrt  in  seinem  Catalog  von  1871  bei 
den  Rhopaloceren  unter  No.  373  als  eine  besondre  Art 
Pararge  Xiphia  F.  auf  und  citirt  dabei  H.  S.,  f.  86  und  87. 
Als  Varietät    zieht    er    dazu,     unter  dem  Namen    Xiphioides, 


63 

Xiphia  Bd.  Icon.  pl.  44  fig.  7  und  rechnet  hierzu  Xiphia 
H.  5,  fig.  84.  85  T.  Als  Vaterland  giebt  er  Madeira  und 
die  Canarischen  Inseln  an.  In  Duponehel  Hist.  des  L6pidop- 
teres  Suppl.  I  und  II  ist  pl.  46  f.  5  und  6  Satyrus  Xiphia 
F.  abgebildet  und  dabei  bemerkt,  dass  sich  dieser  Schmetter- 
ling in  Portugal,  dem  mittägigen  Spanien,  Madeira  und  den 
Canarischen  Inseln  finde.  Der  Duponchersche  Schmetterling 
stimmt  mit  dem  Herrich-Schäffer'schen  der  Zeichnung  nach 
ĂĽberein;  nur  ist  die  Grundfarbe  dunkler,  fast  schwarz.  Kirby 
in  seinem  Catalogue  of  Diurnal  Lepidoptera  (ed.  1871)  zieht 
Xiphia  HS.  Fabr.  und  Godt.  Enc.  meth.  IX.  p.  505  No.  90 
als  Var.  zu  Aegeria  L.  und  glaubt,  dass  Xiphia  Bdv.  Icon. 
pl.  44  f.  6  und  7  eine  besondere  Art  bilde,  die  er  neben 
Tigelius  Bon.  (Paramegeera  Hb.)  stellt.  Diese  Xiphia  Bdv. 
findet  sich  nach  demselben  in  Portugal,  dem  mittägigen 
Spanien,  Teneriffa  und  Madeira. 

Boisduval  in  seinem  Index  methodicus  von  1840  betrachtet 
seine  in  den  Icon.  abgebildete  Xiphia  als  Varietät  von  Aegeria. 

Der  Schmelterling  bei  HS.  f.  84  —  87  ist  ö'?  derselben 
Art  und  identisch  mit  dem  Duponcherschen  Bilde.  Beide 
Schmetterlinge  sind  offenbar  eine  südliche  Varietät  von 
Aegeria.  Ganz  verschieden  davon  ist,  namentlich  auf  der 
Oberseite,  die  bei  Bdv.  in  den  Icon.  abgebildete  Xiphia  F. 
Aegeria  und  die  dahin  gehörigen  Varietäten  haben  auf  der 
Oberseite  der  VorderflĂĽgel  nur  Flecken,  aber  keine  Binde. 
Die  Boisduval'sche  Xiphia  hat  aber  wie  der  Mann  von  Par. 
Megsera  eine  deutliche  schwarze  Binde,  wie  einen  dicken 
Strich.  Auffällig  ist  es,  dass  Bdv.  von  diesem  charak- 
teristischen Merkmale  nichts  erwähnt  und  den  Schmetterling 
als  Varietät  von  Aegeria  betrachtet.  Die  Unterseite  stimmt 
auch  ganz  mit  der  Herrich-Schäffer'schen  Xiphia.  Ich  kann 
mir  die  Sache  nicht  anders  erklären,  als  dass  Bdv.  entweder 
eine  Hybriden-Art  vor  sich  hatte,  welche  auf  der  Oberseite 
der  FlĂĽgel  die  Zeichnung  der  Megsera  var.  Tigelius,  auf 
der  Unterseite  aber  die  der  Herrich-Schäffer'schen  Xiphia 
trägt,  oder  dass  die  Unterseite  von  einem  andern  Schmetter- 
ling genommen  ist,  als  den  die  Oberseite  darstellt. 

Sollte  sich  der  Boisduval'sclie  Schmetterling  mit  der 
Oberseite  von  fig.  6  und  der  Unterseite  von  fig.  7  in  der 
Natur  finden,  so  wĂĽrde  er  wohl  auf  die  Rechte  einer  beson- 
dern Art  Anspruch  machen  können. 

Noch  liat  Pararge  Xiphia  Fb.  =  Xiphia  HS.  die  Eigen- 
thĂĽmlichkeit,  dass  sie  sich  nach  Kolenati  Meleteraata  Ento- 
mologica  fasc.  5  auch  im  Caucasus  bei  Elisabethpol  findet; 
auch  Kolenati  hält  sie  für  eine  Varietät  von  Aegeria. 


64 


Zur  Systematik  von  Phylloxera 


von 
•lule»  JLicIitenstein. 


Meine  guten  Freunde  Riley  aus  St.  Louis  und  Signoret 
aus  Paris  haben  sich  in  der  letzten  Sitzung  der  Soci6te  entom, 
de  France  (Paris,  28.  Juli)  gegen  meine  Classification  der 
Phylloxera  als  Cocciden  erklärt  und  wollen  durchaus, 
dasö  diese  Insecten  bei  den  Aphiden  oder  ächten  Blatt- 
läusen eingereihet  bleiben.  Worauf  sich  diese  Freunde  grün- 
den, um  ihre  Meinung  zu  vertheidigen,  haben  sie  niciit  ge- 
sagt. Wenn  man  die  Homopteren  nach  der  Anzahl  und 
Beschaffenheit  der  FlĂĽgel  ordnet,  ist  es  gewiss,  dass  die 
Phylloxeriden  und  mit  ihnen  die  Chermesiden  und 
Aleuroden  bei  den  „Aphiden"  bleiben  müssen,  da  sie  vier 
Flügel  besitzen.  Ebenso  ungefähr  wie  Forficula  bei  Lin- 
nseus  mit  Staphylinus  als  Coleopteron  einbegriffen  ist 
wegen  der  harten  Beschaffenheit  der  FlĂĽgeldecken.  FĂĽr  mich 
ist  aber  die  Lebensweise  und  die  Metamorphose  der  Insecten 
viel  entscheidender  als  die  FlĂĽgelbildung,  und  ich  theile  diese 
Section  der  Homoptera  in  zwei  Familien  wie  folgt: 

Mit  einer  oder  mehreren  Generationen 

vivipara Aphidida. 

immer  ovipara Coccididu. 

Die  Cocciden  mit  vier  FlĂĽgeln,  wie:  Phylloxera, 
Aleurodes  und  Chermes  bilden  natĂĽrlich  den  Uebergang 
von  den  Aphiden  (Blattläusen)  zu  den  Cocciden  (Schild- 
läusen); aber  ihre  Fortpflanzung  durch  Eier  und  nicht  duroh 
lebendige  Junge  (wie  die  Blattläuse  im  Sommer)  scheint  mir 
hinreichend,  um  sie  zu  den  Cocciden  zu  zählen, 

Montpellier,  1.  August. 


65 


liiteratur. 


Thesaurus  entomologicus  oxoniensis 

JT«  O«  li¥estvrooil. 

Oxford  1874. 


Dieser  mit  40  vom  Autor  gezeichneten  Tafeln  ausge- 
stattete Quartant  entliält  auf  XXIV  Seiten  einen  systema- 
tischen Index,  die  Erltlärung  der  Tafeln,  einen  von  Pettigrew 
verfassten  Necrolog  des  Rev.  Hope,  des  GrĂĽnders  des  Ox- 
ford-Museums, und  ein  von  Westwood  gearbeitetes  chronolo- 
gisches Verzeichniss  der  entom.  Schriften  Hope's. 

Dann  folgen  von  S.  1 — 202  von  Westwood  neuerrichtete 
oder  vergleichsweise  besprochne  Gattungen  und  Arten,  1  — 108 
Coleoptera,  109—172  Hymenoptera,  173—176  Orthoptera, 
177— 179  Neuroptera,  18U  — 183  Lepidoptera,  hierauf  folgen 
Monstrositäten,  zumeist  hermaphroditisch  von  Schmetterlingen, 
auf  S.  169  eine  von  Calepteryx  (Libell.)  virgo,  demnächst 
von  190  —  193  Hemiptera.  Auf  S.  194  wird  ein  parasitisches 
Insect  besprochen,  Platypsyllus  castorinus  Weatw.  [von  Ritsema 
einen  Monat  frĂĽher  durch  sonderbares  Zusammentreffen  als 
Platypsyllus  castoria  beschrieben,  von  John  Leconte  fĂĽr  einen 
abnormen  Käfer  erklärt],  als  Repräsentant  der  neuerrichteten 
Ordnung  ?  Achreioptera  geschildert  und  auf  Tafel  37  abge- 
bildet. Dann  folgen  von  S.  195—190  Thysanura,  197—199 
Anoplura,  200—202  Arachnida,  203—205  Addenda  et  Errata. 

Es  wĂĽrde  mir  nicht  ziemen,  das  vorliegende  Opus  ope- 
ratum  des  wĂĽrdigen  Veterans  unsrer  Wissenschaft  kritisiren 
zu  wollen;  selbst  zu  Bemerkungen  ĂĽber  den  coleopterischen 
Theil  des  Thesaurus  habe  icii  nur  beschränkten  Anlass,  so- 
fern mir  die  Mehrzahl  der  besprochnen  Käfer  nicht  in  natura 
vorliegt.  Mit  ganz  besonderem  Interesse  habe  ich  die  von 
S.  72 — 96  tractirten  Paussiden  und  die  dazu  gehörigen  Ta- 
feln 15 — 19  studirt,  einmal,  weil  ich  mit  etwa  70  Arten  in 
meiner  Sammlung  versehen  bin,  sodann,  weil  ich  gerade  mit 
einer  Arbeit  ĂĽber  eine  Anzahl  australischer  Paussiden  aus 
dem  Museum  GodefFroy  betraut  wurde,  und  mich  deshalb  mit 
den  Arbeiten  des  jungem  Mc-Leay  in  den  Sydney  Trans- 
actions  näher  beschäftigen  musste.  Ueber  das  Resultat  habe 
ich  an  einer  andern  Stelle  berichtet. 


66 

Da  Westwood  bei  jeder  Art  bemerkt,  ob  dieselbe  im 
Museo  Hopeiano  Oxon.  vorhanden  ist,  oder  nicht,  so  wird  es 
mir  im  Interesse  derjenigen,  welche  um  Determination  eines 
ihnen  unbekannten  Pauesiden  verlegen  find,  vergönnt  sein,  hier 
diejenigen  Arten  meiner  Sammlung  aufzufĂĽhren,  welche  nicht 
als  in  dem  Oxford-Museum  vorhanden  bezeichnet  sind: 

Pleuropterus  alternans,  hastatus;  Arthropterus 
subsulcatus,  Westwoodi,  Mastersi,  angusticornis,  var. ?  Kingi, 
PauBsus  Humboldti,  niloticus,  sinicus,  pacificus,  hystrix, 
DohrĂĽi,  Germari,  Schaumi,  Ludekingi. 

Als  besondres  Curiosum  verdient  die  Art,  wie  Goliathus 
albosignatus  Boheman,  d.  h.  das  im  British  Museum  befind- 
liche Exemplar  erlegt  wurde,  Erwähnung  —  er  wurde  im 
Fluge  mit  einer  Flinte  geschossen,  wobei  sein  Stimhom  be- 
schädigt wurde. 

Bei  dem  gleich  nachher  (S.  3)  erwähnten  Goliathus 
Fornasinii  ist  zu  berichtigen,  daes  er  nicht  wie  hier  gedruckt 
Fornassinii  und  sein  Autor  nicht  Bertolini,  sondern  Bertoloni 
heisst.  Ein  Weibchen  dieser  seltnen  Art  aus  Mozambik  be- 
sitze ich;  lange  Zeit  exi.'tirte  nur  im  Museo  di  Bologna  ein 
(^  davon,  meines  Erinnerus  gegen  das  aus  dem  Museum 
Turner  abgebildete  etwas  massiver. 

Dass  es  in  Westwood'schen  Publicationen  (Arcana,  Ori- 
ental  Cabinet)  nicht  an  prächtigen  Schaustücken  fehlt,  wissen 
die  Entomologen;  im  Interesse  der  Umrisse  ist  es  vielleicht 
ein  Vorzug,  dass  der  mir  vorliegende  Thesaurus  keine  illumi- 
nirten  Tafeln  hat:  die  englischen  Coloristen  gerathen  bis- 
weilen auf  seltsame  Abwege  —  ich  kann  ein  Chalcosoma 
Atlas  in  Donovan's  Insects  of  India  aufweisen,  dessen  Illumi- 
nator sämmtliche  Regenbogenfarben  gemissbraucht  hat.  Dann 
doch  lieber  wie  hier  die  schwarzen  Umrisse! 

C.    A,   Dohrn. 


67 


Englisclie  Notizen 

von 
^ÂĄ.  Koltze. 


Unter  verschiedenen,  mir  von  einem  Freunde  aus  der 
Umgegend  von  London  eingesandten  Käfern,  fand  sieh  zu 
meiner  Ueberraschung  auch  ein  Exemplar  des  Adelops 
Wollastoni.  Dieser  Umstand  veranlasste  mich,  bei  meiner 
Anwesenheit  in  London  im  vorigen  Sommer,  weitere  Nach- 
forschungen nach  dem  genannten  Thiere  anzustellen,  und  es 
gelang  mir,  eine  grössere  Anzahl  desselben  aufzufinden.  Das 
Thier  fand  sich  im  Garten  meines  Freundes  unter  Laub  und 
faulenden  Yegetabilien,  doch  immer  erst  einige  Linien  unter 
der  Erdoberfläche,  ähnlich  wie  Anommatus  128triatus,  von 
dem  gleichfalls  einige  Exemplare  vorkamen. 

Ueberhaupt  scheint  die  Umgegend  von  London,  wenig- 
stens der  hier  in  Frage  kommende  Theil  Hammersmith,  nicht 
so  arm  an  Insecten,  als  man  bei  der  dichten  Bevölkerung 
und  der  ungeheuren  Ausdehnung  der  Stadt  annehmen  sollte, 
denn  es  fanden  sich  noch  manche  brauchbare  Arten,  z.  B.: 
Platyderus  ruficollis,  Steropus  concinnus,  madidus,  Bradjcellus 
verbasci,  Homalota  umbonata,  trinotata,  longicornis,  niger- 
rima,  fusca,  Cryptophagus  acutangulus,  distinguendus,  hirtulus, 
Atoraaria  Zetterstedti,  apicalis,  atricapilla,  Ephistemus  glo- 
bulus,  Lathridius  nodifer,  Oxytelus  Eppelsheimi  etc. 

Auch  von  Lepidopteren  fing  und  zĂĽchtete  mein  Freund 
manche  seltene  Art,  so  besonders  die  gesuchte  Dasypolia 
Tempil,  welche  er  aus  Eiern  gewann.  Die  $?  dieser  Eule 
ĂĽberwintern  und  legen  erst  zum  FrĂĽhjahr  ihre  Eier  ab. 

FĂĽr  die  Herren  Lepidopterologen,  welche  diese  und  an- 
dere englische  Arten  einzutauschen  wĂĽnschen,  gebe  ich  hier 
die  Adresse  meines  Freundes:  G.  Hälssen,  38  Brookgreen, 
Hammersmith,  London. 


68 


Microlepidopterologisclie  Notizen, 


von 


€i«  Briläehke;  Hauptlehrer  in  Danzig. 


Seit  einigen  Jahren  nehme  ich  auf  meinen  hjmenoptero- 
logischen  Excursionen  auch  die  Raupen  der  Microlepidopteren 
mit,  welche  mir  zu  Gesichte  kommen.  Die  erzogenen  Thier- 
chen  sendete  ich  an  Herrn  Professor  Zeller  mit  der  Bitte  um 
gefällige  Bestimmung  und  hatte  die  doppelte  Freude,  meine 
Sendungen  nicht  nur  mit  bekannter  Bereitwilligkeit  deter- 
minirt  zurĂĽckzuerhalten,  sondern  auch  aus  den  beigefĂĽgten 
Bemerkungen  zu  sehen,  dass  manches  Interessante  unter  den 
Thierchen  sich  befinde,  was  der  Veröffentlichung  werth  sei. 
So  entstanden  diese  Notizen,  welche  ich,  obgleich  nicht  Le- 
pidopterologe,  in  Nachfolgendem  der  Oeffentlichkeit  ĂĽbergebe. 

Lobesia  permixtana.  Am  21.  August  1871  fand  icli 
bei  Oliva  in  den. Stengelspitzen  der  Solidago  virgaurea  eine 
Tortrix-Raupe,  etwa  8  mm.  lang,  hellbraungrĂĽn  oder  braun- 
roth,  Kopf  und  erstes  Segment  oben  glänzend  braun,  dieses 
mit  hellem  Längsstriche  in  der  Mitte.  Körper  mit  einzelnen 
Haaren  besetzt  und  auf  jedem  Segmente  jederseits  2  schräg 
hinter  einander  stehende,  noch  mehr  seitlich  2  unter  einander 
stehende  glänzende  Wärzchen,  auf  dem  3.  Segmente  etwas 
anders  geordnet.  Afterklappe  glänzend  braun.  Zur  Ver- 
wandlung geht  die  Raupe  in  die  Erde  und  spinnt  ein  läng- 
liches Gehäuse.     Am    11.    April    1872  erschien  der  Wickler. 

Sciaphila  virgaureana.  Am  29,  Mai  1872  waren 
im  Königsthaler  Wäldchen  die  Gipfelblätter  des  Sedura  tele- 
phium  und  der  Solidago  virgaurea  welk,  zusammengesponnen 
und  theilweise  abgebissen;  zwischen  den  Blättern  fand  ich 
eine  Raupe,  welche  jung  grĂĽnlichgelb  ist,  mit  schwarzem 
Kopfe  und  Nackenschilde  und  2  Querreihen  schwarzer  Punkte 
auf  jedem  Segmente.  Erwachsen  ist  sie  10  mm.  lang,  schwarz- 
grĂĽn.  Kopf  rothbraun,  Nackenschild  und  Afterklappe  hornig, 
schwarz.  Körper  sparsam  behaart,  jedes  Segment  trägt  jeder- 
seits ein  Paar  hintereinander  stehende  weissliche  Warzen- 
punkte. Zur  Verwandlung  spinnt  sich  die  Raupe  ein.  Am 
15.  Juni  erschien  der  erste  Wickler;  er  ist  wohl  eigene  Art 
und  nicht  blos  Varietät  von  Wahlbomiana. 

Grapholitha  ServiUana  Dup.  Im  FrĂĽhjahre  1875 
brachte  mir  ein  Freund  einige  Zweigspitzen  der  Salix  daph- 
noides   vom  Seestrande,  die  mit  Beulen  besetzt  waren.    Diese 


69 

Zweigspitzen  waren  theilweise  ausgefressen  und  in  der  hohlen 
Markröhre  lag  in  weisslichem  Gespinnste  eine  etwa  4 — 6  mm. 
lange,  dicke,  nackte,  hellgrĂĽnlichgelbe  Raupe  mit  dunkel- 
braunem Kopfe  und  ebenso  gefärbten  Klauen  der  ßrustfUsse. 
Jedes  Segment  hat  jederseits  des  Rückengefässes  2  hinter 
einander  liegende,  dunklere  QuerwĂĽlste  und  ĂĽber  der  Fuss- 
basis  noch  einen  solchen  Fleck.  Aus  der  braunen,  dĂĽnn- 
schaligen Puppe  entwickelte  sich  schon  am  19.  April  der 
erste  Wickler. 

Cleodora  tanacetella  Sehr.  In  den  letzten  Tagen 
des  August  und  später  noch  fand  ich  in  der  Nähe  des  See- 
strandes auf  der  Westerplatte  die  Blüthenkörbchen  des  Ta- 
naceturn  vulgare  zusammengesponnen  und  in  dem  Gespinnste 
eine  grĂĽnlichbraune,  dicke  Raupe.  Ich  nahm  die  zusammen- 
gesponnenen Blüthenkörbchen  mit,  um  die  Raupen  zu  er- 
ziehen; allein  die  Zucht  missglĂĽckte.  Aber  in  einigen  BlĂĽthen 
und  Fruchtböden  entdeckte  ich  andere,  nur  4  mm.  lange, 
glänzende,  ziemlich  dicke,  hellrothe  Räupchen  mit  herzför- 
migem Kopfe.  Kopf  und  Nackenfleck  braun,  dieser  in  der 
Mitte  getheilt.  Afteiklappe  und  Endrand  des  vorletzten  Seg- 
mentes ebenfalls  braun.  Auf  jedem  Segmente  stehen  etwa 
4  dunklere,  kleine  Warzenflecke.  Die  Räupchen  spannen  sich 
Hüllen  von  weissen  Seidenfäden,  lebten  aber  den  Winter 
hindurch,  und  wurden  erst  im  FrĂĽhjahre  zu  hellbraunen 
Püppchen,  die  ich  auch  in  den  Fruchtböden  fand.  Im  Juni 
erschien  die  erste  Motte;  aber  auch  Raupen  waren  noch 
vorhanden. 

Die  Raupe  der  selir  ähnlichen  Cleodora  striatella, 
welche  auch  auf  Tanacetum  vulgare  und  Anthemis,  und  zwar 
in  den  BlĂĽthenstielen  leben  soll,  kenne  ich  nicht,  finde  auch 
keine  Beschreibung  derselben. 

Schreckensteinia  festaliella.  Die  Raupe  ist  ganz 
grĂĽn  und  gleicht  einer  Pterophoren-Raupe,  sie  hat  weder 
schwarze  Dornen,  noch  schwarze  Seitenpunkte,  wie  HĂĽhner 
sie  darstellt.  Der  Körper  ist  mit  langen,  weissen  Haaren 
besetzt,  die  aus  grünen  Wärzchen  entspringen.  Hier  ist  diese 
Raupe  auf  Waldhimbeeren  sehr  häufig  und  von  der  grünen 
Blattfläche  nur  bei  genauem  Hinsehen  zu  unterscheiden.  Die 
Blätter  erscheinen  durch  das  Abfressen  der  Epidermis,  be- 
sonders längs  der  Blattrippen,  weissgestreift. 

Gelechia  cauligenella  Schmd.  Die  angeschwollenen 
Internodien  der  Silene  nutans  entdeckte  ich  zuerst  am  23. 
Juni  lb70  auf  einem  HĂĽgel  bei  Ohra  und  dann  auch  im 
Königsthaler  Wäldchen.  Am  1.  August  erschien  die  Motte. 
Die  Raupe  wird  etwa  5  mm.  lang,  ist  grĂĽnlichgrau  mit 
schwarzbraunem  Kopfe  und  Nackenschilde;  dieses    hat   einen 


70 

weissen  Längßstrich  in  der  Mitte.  Jedes  Segment  hat  oben 
4  kleine,  schwarze  Punkte  und  jederseits  ĂĽber  den  kleinen 
Stigmen  noch  einen.  Die  3  ersten  und  2  letzten  Segmente 
haben  eine  Querreihe  solcher  Punkte.  Ausserdem  trägt  jedes 
Segment  einzelne  Härchen. 

Gelechia  sp.?  (vielleicht  rhombella.)  Am  14.  Juni 
1874  in  Oliva  an  Populus  pyramidalis  gefunden.  Die  Raupe 
spinnt  die  Blätter  am  Rande  zusammen  und  lebt  in  der  da- 
durch entstehenden  Höhlung.  Sie  ist  hellgrüngelb,  mit  abge- 
setzten Segmenten  und  langen  Borstenhärchen,  Rücken 
graulich,  Kopf  jederseits  mit  einem  schwarzen  Längsstriche 
und  einem  solchen  Punkte  vor  demselben.  Mandibeln  braun. 
Klauen  der  BrustlĂĽsse  schwarz. 

Gelechia?  Am  21.  Juni  1874  waren  in  Heiligenbrunn 
die  Blätter  und  Blüthen  des  Sarothamnus  scoparius  ganz 
zerfressen,  erstere  zusammengezogen,  weisswollig  und  da- 
zwischen die  Räupchen.  7  mm.  lang,  hellgelbgrün,  öfter  in's 
Röthliche  übergehend,  Kopf  und  Nackenschild  schwarz,  glän- 
zend ;  letzterer  mit  weissem  Mittelstriche.  BruvStfĂĽsse  schwarz, 
jedes  Segment  mit  etwa  6  feinen,  schwarzen  Punkten,  welche 
Längsreihen  bilden.  Afterklappe  glänzend,  hellrothbraun. 
Auf  jedem  Segmente  stehen  einzelne  Härchen.  Später  machten 
die  Räupchen  ein  langes,  lockeres  Gewebe,  theils  am  Stengel, 
theils  im  Sande.  Im  Juli  erschienen  die  Motten,  die  leider 
abgeflogen  waren,  als  ich  von  einem  Ferienausfluge  zurĂĽck- 
kehrte. Im  folgenden  Jahre  misslang  die  Zucht.  Da  aber 
bei  NĂĽrnberg  die  G.  mulinella  Z.  auch  aus  Raupen  an 
Sarothamnus  erzogen  M'orden  ist,  so  gab  ich  die  Beschreibung 
der  Raupe,  aus  der  sicft  vielleicht  ersehen  lässt,  ob  die 
Danziger  Gelechia  mit  der  NĂĽrnberger  identisch  ist. 

(Fortsetzung  folgt.) 


) 


71 


Ueber  liypogaeisclie  Ameisen, 

von 
Dr,  C  Emery  in  Neapel. 

Auszug  aus  Annali  del  Museo  Civico  di  Genova. 

Seitdem  die  Entomologen  begonnen  haben,  ihre  Aufmerk- 
samkeit nicht  mehr  ausschliesslich  den  an  der  freien  Luft 
lebenden  Insecten  zu  schenken,  sondern,  durch  die  Hoffnung 
einer  erwĂĽnschten  nova  species  angeregt,  nach  und  nach 
die  entlegensten  Schlupfwinkel  fleissig  zu  untersuchen,  hat 
sich  das  Gebiet  entomologischer  Forschung  ausserordentlich 
erweitert :  es  wurden  zunächst  die  Höhlen  sorgfältig  durch- 
mustert; dann  die  engen,  unter  schweren  Felsen  gebliebenen 
Spalten;  ja  sogar  aus  den  Poren  der  Erde  wurden  die  Thiere 
mit  grosser  MĂĽhe  herausgelockt,  und  so  gelang  es,  die  uner- 
wartetsten Typen  nach  einander  zum  Vorschein  zu  bringen. 
Ein  ganzes  Heer  neuer  Formen  hatten  wir  endlich  vor  uns; 
sonderbar  gestaltete,  meist  blinde  Zwerge,  etwa  ĂĽeberbleibsel 
erloschener  Gattungen,  welche  von  kräftigeren  Arten  ver- 
drängt, im  Schooss  der  Erde  ihre  Zuflucht  gefunden  hatten 
und  daselbst  durch  Anpassung  an  neue  Lebensverhältnisse 
sich  mannigfaltig  modificirten. 

Obsclion  die  meisten  bekannt  gewordenen  hypogseischen 
Insecten  den  Coleopteren  angehören,  fehlt  es  doch  nicht  an 
derart  lebenden  Arten  anderer  Ordnungen.  Unter  den  Hy- 
menopteren  vertreten  die  Ameisen  allein  die  unterirdische 
Fauna.*)     Die    gelben    Lasius    waren  schon  Linn6  bekannt; 


*)  In  Europa  sind    bis  jetzt    16   unterirdisch   lebende    Ameisen 
bekannt : 

Lasius  flavusL.,  umbratus  Nyl.,  mixtusNyl.,  affinis 

Schenk  und  incisus  Schenk. 
Ponera  ochracea  Mayr. 
Stigmatomma  denticulatum  Rog.  und  impressifrons 

Emery. 
Typlilopone  europeea  Rog.  und  oraniensis  Luc.  (nach 

Dours). 
Leptanilla  Revelierei  Emery. 
Solenopsis  fugax  Latr.  und  orbula  n.  sp, 
Strumigenys  membranifera  Emery. 
Epitritus  Argiolus  Emery  und  Baudueri  n.  sp. 
Andere  Ameisen,  wie  Ponera  contracta  u.  punctatissima, 
Myrraecina  Latreillei,  leben  zwar  unter  Steinen  und  faulem  Laub 
verboi'gen,  doch  gehören  sie  nicht  unter  die  echten  Hypogeeer. 


72 

es  wurden  dann  nach  und  nach  von  Latreille  und  Anderen 
Solenopsis  fugax  und  manche  blinde  Exoten  besehrieben; 
Roger  aber  lenkte  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  die  in 
Europa  verborgen  lebenden  Ameisen,  indem  er  Typhlopone 
europfea  und  die  neue  Gattung  Stigmatomma  beschrieb; 
ich  selbst  war  so  glĂĽcklich,  ein  zweites  Stigmatomma  zu 
finden  und  den  ersten  europäischen  Cryp toceriden  zu  ver- 
öffentlichen; es  wurden  mir  dann  später  von  verschiedenen 
Seiten  mehrere  Arten  zugeschickt,  wovon  hier  zwei  neu  be- 
schrieben werden,  und  andere  näher  bekannt  gemacht. 

Alle  hier  erwähnten  Ameisen  bleiben  fortwährend  in 
ihren  unterirdischen  Räumen  verborgen  und  erscheinen  ge- 
wöhnlich nicht  am  Tageslichte,  ausgenommen  wenn  sie  die 
geflĂĽgelten  ^  und  $  zum  Hochzeitsflug  hinausbegleiten;  ihre 
Lebensweise  ist  meist  durchaus  wenig  bekannt,  und  werde 
ich  das  wenige  festgestellte  kurz  erv^  ahnen. 

Die  gelben  Lasius  wurden  von  P.  Huber  studirt  und 
in  seinem  klassischen  Buche  geschildert;  Näheres  darüber 
schreibt  auch  A.  Forel  (Fourmis  de  la  Suisse;  von  der 
Schweizerischen  Naturforscher -Gesellschaft  gekrönte  Preis- 
schrift; ZĂĽrich  1874.) 

ĂĽeber  Solenopsis  fugax  liegen  uns  ausgezeichnete 
Beobachtungen  von  meinem  Freunde  A.  Forel  (Mittheilungen 
der  Schweizerischen  Entomologischen  Gesellschaft  III.  No.  3. 
1869)  vor  (vergl.  auch  Fourmis  de  la  Suisse):  diese  winzig 
kleine  Ameise  lebt  gewöhnlich  in  der  Nähe  des  Nestes  einer 
anderen  grösseren  Ameisen- Art;  ja  sie  gräbt  ihre  schmalen 
Gänge  in  der  Dicke  der  Wandungen,  welche  die  Gänge  und 
Kammern  des  Nestes  von  einander  trennen,  ungefähr  wie  die 
Mäuse  in  den  Mauern  unserer  Wohnungen  ihre  Löcher  gra- 
ben. Die  Solenopsis  cultivirt  äusserst  kleine  Aphiden  auf 
Graswurzeln;  doch  hält  es  Forel  für  wahrscheinlich,  dass 
dieselbe  in  die  Hohlräume  des  benachbarten  fremden  Nestes 
manchmal  penetrirt,  um  dort  Larven  und  Puppen  zu  ver- 
zehren. 

Ueber  andere  unterirdische  Myrmiciden  wissen  wir  gar 
Weniges:  Leptanilla  wurde  unter  grossen  Steinen  von  A. 
Reveliere  in  Corsica  getroffen;  die  Cryptoceriden  sind  bis  jetzt 
nur  einzeln  vorgekommen,  und  es  scheint,  dass  sie  schmale 
und  lange  Gänge  in  der  Erde  graben,  welche  sehr  schwer 
zu  finden  sind. 

Ebensowenig  kennen  wir  das  Leben  der  Poneriden.  Die 
echten  Ponera  scheinen  nicht  ausschliesslich  hypogseisch  zu 
leben;  P.  punctatissima  ist  selbst  an  sonnigen  Stellen  unter 
Steinen  zu  Hause;  P,  contracta  zieht  schattige  und  feuchte 
Wälder  vor;    nur    P.  ochracea    ist    wohl    eine   entschieden 


73 

unterirdische  Art.  Stigmatomma  traf  ich  einmal  in  Mehr- 
zahl unter  einem  grossen  Stein ;  die  Thiere  schlĂĽpften  sogleich 
in  ihre  Gänge  hinein  und  entzogen  sich  einer  weiteren  Beob- 
achtung; am  folgenden  Tage  war  kein  einziges  mehr  zu 
treffen. 

Ein  vollkommen  unterirdisches  Leben  sollen  die  Typhlo- 
pone- Arten,  den  Termiten  ähnlich  führen;  diese  Ameisen 
haben  aber  fĂĽr  uns  ein  weiteres  Interesse  wegen  der  noch 
ganz  unaufgelösten  Doryliden-Frage:  Welche  sind  die  (^  und 
$  von  Typhlopone  und  Anomma?  Welche  die  ^  und  $ 
von  Dorylus?  Was  ist  Dichthadia?  Ich  weise  den  Leser 
auf  den  bereits  in  dieser  Zeitschrift  erschienenen  Aufsatz  von 
Dr.  Gerstäcker,  welcher  die  Frage,  soweit  das  vorhandene 
Material  ausreicht,  erschöpfend  behandelt. 

Unter  den  Ameisen  giebt  es  aber  auch  blinde  Arten,  die 
keine  Hypogeeer  sind,  nämlich  die  afrikanischen  Anomma 
und  wahrscheinlich  Typhlatta,  sowie  die  blinden  Eciton 
(die  Eciton -Arten  scheinen  ĂĽberhaupt  sehr  unvollkommene 
und  wohl  wenig  brauchbare  Augen  zu  haben);  es  ist  also 
nicht  gerathen,  bei  den  Ameisen  von  der  Blindheit  sofort  auf 
eine  unterirdische  Lebensweise  zu  schliessen.  Das  mexica- 
nische  Eciton  hamatum,  welches  kaum  sichtbare  einfache 
Augen  besitzt,  lebt  (nach  Belt:  the  Naturalist  in  Nicaragua 
Lond.  1874)  ganz  in  der  Luft;  die  Arbeiter  hängen  sich  wie 
ein  Bienenschwarm  an  einem  Ast  auf,  und  in  dieser  lebenden 
Masse,  welche  inwendig  ausgehöhlt  ist,  erziehen  sie  die  Lar- 
ven und  Puppen. 

Unsere  Kenntnisse  über  die  Troglodyten -Völkchen  der 
unterirdischen  Ameisen  sind  also  noch  äusserst  mangelhaft; 
ja  wahrscheinlich  sind  uns  selbst  die  meisten  europäischen 
Arten  noch  ganz  unbekannt;  melirere  sind  bis  jetzt  nur  ein- 
zeln aufgefunden  worden,  und  da  es  gewöhnlich  beim  Suchen 
blinder  Käfer  geschah,  so  habe  ich  die  Arten,  die  ich  nicht 
selbst  fand,  grösstentheils  von  befreundeten  Coleopterologen 
bekommen.  Es  sei  mir  erlaubt,  hier  die  Bitte  an  die  Herren 
Collegen  zu  richten,  welche  südliche  Länder  entomologisch 
untersuchen  werden,  gelegentlich  auch  manche  Ameise  fĂĽr 
mich  aufzubewahren*),  und  besonders  die  unterirdisch  lebenden 
oft  seltsam  gestalteten  Species  zu  beachten. 


*)  Gegen  exotische  und  seltenere  europäische  Ameisen  biete  ich 
gerne  im  Tausch  andere  Ameisen  oder  gute  italienische  Coleopteren. 


74 


Beschreibung  neuer  oder  minder  bekannter 
unterirdischer  Ameisen. 


Stigmatomma  Rog. 

S.  denticulatum,  von  Roger  nach  einem  Exemplar 
beschrieben,  welchem  der  Hinterleib  fehlte,  ist  auch  bei  Neapel 
zu  Hause,  wo  mein  Bruder  drei  StĂĽck  sammelte 5  es  seien 
hier  die  wesentlichsten  Charaktere  erwähnt,  wodurch  sich 
diese  Art  von  meinem  S.  impressifrons  unterscheidet. 

S.  denticulatum  Rog.  (B.  E.  Z.  1859,  p.  251). 

(^.  Testaceum,  pedibus  pallidioribus,  nitidum,  parce  pilo- 
sum,  capite  opaco,  subtiliter  coriaceo,  postice  emarginato,  an- 
gulis  posticis  distinctis,  anticis  denticulo  parum 
conspicuo  instructis,  fronte  vix  obsolete  impressa,  clypeo 
denticulis  insequalibus,  3-4  mediis  minoribus,  approximatis, 
mandibulis  crassioribus,  thorace  crebre  subtiliter,  petiolo 
abdomineque  parcius  subtilissime  punctatis  nitidis.  Long. 
4 — 4.5  mm. 

S.  impressifrons  Emery  (Enumerazione  ec.  Annali  Accad. 
Aspirant,  Naturalisti  1869,  p.  13). 

^.  Fusco  testaceum  seu  fuecum,  abdomine  pedibusque 
pallidioribus  nitidis,  capite  obscuriore,  opaco,  minus  subtiliter 
coriaceo,  postice  leviter  emarginato,  angulis  posticis  ro- 
tundatis,  anticis  Spina  brevi  armatis,  fronte  distinctius 
longitudinaliter  impressa,  clypeo  denticulis  subsequalibus,  man- 
dibulis angustioribus,  thorace  fortius  punctato,  parum  nitido, 
abdomine  subtiliter  punctato,  nitido.     Long.  6.5 — 7  mm. 

Ein  Exemplar  aus  Sicilien  zeichnet  sich  aus  durch  seine 
bedeutendere  Grösse  (7.5  mm.),  breiteren  Kopf  und  weniger 
dicht  punktirten  Thorax. 

Leptanilla  Revelierei  Emery  (Bull.  Soc.  Ent.  Ital.  1870, 
p.  196). 

Durch  eine  genauere  Untersuchung  dieser  sonderbaren 
Ameise  habe  ich  mich  ĂĽberzeugt,  dass  dieselbe  nichr  unter 
die  Doryliden,  sondern  unter  die  Myrmiciden  im  System  ge- 
stellt werden  muss;  die  nächstverwandten  Gattungen  sind 
Stenamma  und  Liomyrmex. 

Solenopsis  orbula  n.  sp. 

^.  Pallide  flava,  nitida,  pilis  erectis  eubtilibus  conspersa, 
capite  elongato,  lateribus  subparallelo,  postice  leviter  emar- 
ginato, oculis  obsoletis,  vix  conspicuis,  simplicibus.  Long. 
1.3— 1.5  mm. 

S.  fugaci  simiilima,  at  capite  elongato  et  oculis  obsoletis 
distinguenda. 


75 

Unter  allen  So lenopsis- Arten  durch  den  schmalen, 
parallelen  Kopf  ausgezeichnet,  wodurch  sie  der  LeptaniUa 
Revelierei  ähnlich  aussieht;  die  Augen  sind  einfach,  mit 
einer  starken  Lupe  kaum  sichtbar. 

In  Corsica  vom  Arachnologen  E.  Simon  gesammelt  (Mu- 
seum von  Troyes);  ich  verdanke  diese  Art  Herrn  J.  Ray, 
Gustos  an  obigem  Museum. 

Epitritus  Emery. 

$.  Caput  subcordatum,  clypeus  postice  inter  antenna- 
rum  articulationes  productus;  mandibulse  figura  variabili; 
labrum  acuminatum,  convexum,  inter  mandibulas  rostri  instar 
porrectum  maxillas  et  linguam  obtegens;  palpi  maxillares  et 
labiales  uniarticulati;  fovese  antennales  ad  latera  capitis;  la- 
minse  frontales  flexuosse;  oculi  minuti  inferi;  antennse  quadri- 
articulatse,  scapo  brevi,  articulo  flagelli  ultimo  permagno; 
thorax  dorso  vix  impressus,  metanoto  bidentato;  abdomen 
basi  longitudinaliter  striatum;  pedes  posteriores  absque  calcari- 
bus;  unguiculi  simplices. 

$.  Operarise  similis  exceptis  notis  sexualibus;  thorax 
pronoto  magno,  antice  utrinque  in  humeros  obtusos  producto. 

Sehr  charakteristisch  fĂĽr  diese  Gattung  ist  die  Gestalt 
der  Oberlippe*},  bis  jetzt  unter  den  Ameisen  ohne  Analogon. 
Dieses  Organ  bildet  zwischen  den  Mandibeln  einen  Vorsprung, 
der  aber  in  eine  tiefer  gelegene  Ebene  zu  liegen  kommt, 
so  dass  es  bei  geschlossenen  Kiefern  von  deren  innerem  Rande 
bedeckt  wird.  Die  kleinen  und  weichen  Maxillen  und  Unter- 
lippe sammt  ihren  eingliedrigen  Tastern  liegen  unter  der 
Oberlippe,  von  diesen  bedeckt. 

E.  Argiolus  Emery  (Bull.  Ent.  Ital.  J.  1869,  p.  136). 

5.  Testaceus,  subopacus,  abdomine  nitido,  capite  subtiliter 
reticulato,  pilis  clavatis,  squamiformibus  tubercula  albida 
mentientibus  consperso,  mandibulis  angustis,  subrectis,  apice  de- 
flexis,  basi  distantibus,  margine  interno  denticulis  7 — 8  acutis 
insequalibus  armatis,  quorum  ante  apicem  unus  in  spinam  lon- 
giorum  productus,  thorace  subtilissime  reticulato,  metanoto 
bidentato;  labrum  et  antennee  desunt;  ne  petiolus  et  abdomen 
quidem  exactius  describi  potuerunt.     Long,  circiter  l.g  mm. 

Haliday  fand  bei  Lucca  ein  einziges  $,  worauf  er  die 
neue  Gattung  begrĂĽndete;    vor    zwei    Jahren    fand  ich  unter 


*)  In  meiner  ersten  Beschreibung  (Bull.  Ent.  Ital.  I.  1869  p.  136) 
wurde  irrthĂĽmlicher  Weise  der  zwibchen  den  Mandibeln  bemerkbare 
Vorsprung  den  Maxillen  zugeschrieben,  ein  wohl  zu  vergebender  Irr- 
thum,  wenn  man  bedenkt,  dass  mir  damals  nur  ein  einziges,  und 
zwar  fremdes  Exemplar  vorlag,  welches  ich  zur  Untersuchung  der 
Mundtheile  nicht  aufopfern  durfte. 


76 


einem  Stein  im  botanisclien  Garten  von  Neapel  einen  todten 
und  verstĂĽmmelten  5,  der  zum  Gegenstand  dieser  Beschrei- 
bung wurde. 

E.  Baudueri  n.  ep. 

$,  Testaceus,  opacus,  nodo  petioli  secundo  abdomineque 
nitidis.  Capite  subcordiformi,  antice  valde  producto,  con- 
fertim  subtiliter  reticulato,  pilis  erectis  filiformibus  et  aliis 
clavatis  consperso,  clypeo  magno,  mandibularum  basin  obte- 
gente,  subtilissime  reticulato  et  pilis  squamiformibus  densius 
consperso,  mandibulis  productis,  subcontiguis,  apicem  versus 
sensim  attenuatis,  margine  interno  subrecto,  apice  deflexo, 
acutissime  subtiliter  12 — 14  -  denticulato,  antennarum  scapo 
pilis  clavatis  arcuatis  instructo,  flagello  elongato,  articulo 
ultimo  prsecedente  circiter  sesqui  longiore,  preecedentibus 
duobus  subsequali.  Thorace  subopaco,  subtilissime  reticulato, 
postice  utrinque  marginato,  pilis  erectis  filiformibus  parce 
consperso,  metanoto  dentibus  acutis,  infra  in  carinas  membra- 
naceas  productis,  nodo  petioli  primo  infra,  secundo  infra  et 
postice  membrana  scariosa  subreticulata  instructo,  abdomine 
nitido,  basi  striis  longitudinalibus  sulcato,  pilis  erectis  con- 
sperso.    Long,  l.g  — 2  mm. 

Var,  Capite  »etulis  subtilioribus,  apice  vix  crassioribus 
consperso. 

Diese  ausgezeichnete  Art  ist  bei  Sos  in  SĂĽdfrankreich 
von  Herrn  Bauduer  entdeckt  worden,  dem  ich  dieselbe  dan- 
kend dedicire. 

Zur  leichteren  Unterscheidung  der  drei  bis  jetzt  bekannten 
europäischen  Cryptoceriden  genügt  ein  Blick  auf  die  folgenden 
Abbildungen: 

1  2  3 


Strumigenys 
membranifera. 


Epitritus"  Baud  ueri. 


Epitritus  argiolus. 


77 


Exotisches 

von 
€.  A.  Dolirii. 


(Fortsetzung  der  Liberiana  S.  451  des  vor.  Jahrgangs.) 


Lamellicornia. 

Ausser  dem  bereits  (Jahrg.  1875  S.  291)  besprochnen 
Cladognathus  quadridens  Hope  ist  bisher  kein  andrer 
Lucanide  gekommen. 

Ueber  die  eingegangnen  Copiophagen  hat  Freiherr 
V.  Harold  (ebenda  S.  452)  berichtet.  Nachträglich  ist  zu 
bemerken,  dass  mit  der  letzten  Sendung  ausser  2  kleinen, 
noch  unbestimmten  Arten  Onthophagus  und  einem  Bolboceras 
noch  ein  $  von  Copris  carmelita  F.,  und  was  jedenfalls  noch 
interessanter  ist,  ein  zweites  (leider  nicht  tadelfreies)  Exem- 
plar des  S.  454  ibid.  beschriebnen  Pinacotarsus  eintraf. 
Es  ist,  wie  billig,  in  den  Besitz  des  Herrn  Autors  der 
Species  ĂĽbergegangen. 

Meine  (Ă–.  :i94  ibid.)  verlautbarte  Hofifnung,  von  befreun- 
deten, mit  den  Lamellicornien  besser  als  ich  vertrauten  Col- 
legen  ĂĽber  die  mir  unbekannten  Monrovianer  Arten  aufge- 
klärt zu  werden,  ist  nur  zum  Theile  in  dankenswerthe  Er- 
fĂĽllung gegangen,  vielleicht  weil  die  Species  neu,  vielleicht 
weil  sie  nicht  erkennbar  genug  beschrieben  sind.  Ich  gebe 
nachstehend  das  bisherige  Resultat. 

Anachalcos  (Chalconotus)  cupreus  F. 

Mehrere  Arten  Trochalus  und  Serica;  nur  eine  davon 
als  S.  quadrilineata  F.  bestimmt. 

Apogonia  cupreicollis  Blauch. 

Schizonycha  cervina  Reiche  (vicina  Blanch.). 

Schizonycha,  von  einer  Seite  als  crenata  Gyll.,  von 
andrer  als  africana  Gast,  determinirt;  vielleicht  fallen  beide 
Arten  zusammen;  die  Species  muss  ziemlich  häufig  sein,  da 
sie  in  reicher  Zahl  gekommen  ist. 

Schizonycha  sp. 

Anomala  n.  sp.  secundum  Dr.  Ca nd^ze,  welcher  dazu 
bemerkt  „tr^s  voisine  de  vetula".  Das  halte  ich  zunächst 
fĂĽr  richtiger,  als  die  von  andrer  Seite  erfolgte  Bezeichnung 
An.  plebeja  Oliv.  =  mixta  F. 


78 

Von  letzterer  Art  besitze  ich  ein  StĂĽck  mit  Erichson^s 
handschriftlicher  Bezeichnung  „mixta  F."  vom  Senegal ;  ein 
ebenso  benanntes  StĂĽck  aus  Chartum  verdanke  ich  SufFrian; 
das  letztere  erreicht  vollkommen  die  Länge  und  Breite  mittel- 
grosser  ostindischer  An.  elata,  und  beide  StĂĽcke  passen 
durchaus  zu  Burmeister's  Beschreibung  Handb.  4.  I.  p.  234. 
Die  Anomala  aus  Monrovia  ist  aber  nicht  wie  plebeja  9—10, 
sondern  nur  ö^la— ^  l>n-  lang,  und  die  mir  vorliegenden  4 
Exemplare  haben  die  gleichmässig  deutlichste  Punktstreifung 
der  FlĂĽgeldecken,  wie  sie  plebeja  in  diesem  Maasse  auch 
nicht  besitzt;  der  Name  plebeja  ist  daher  entschieden  abzu- 
lehnen. 

Was  nun  An.  vetula  Wiedem.  anlangt,  so  möclite  ich 
zuerst  beiläufig  bemerken,  dass  sich  das  Synonymon  flavi- 
ceps  Illig.  im  MĂĽnchner  Cataloge  wahrscheinlich  auf  Bur- 
mei«ter  1.  c.  p.  238  stützt,  m'O  es  hinter  An.  nitens  Burm. 
steht,  die  zu  vetula  gezogen  wird.  Ich  vermuthe  aber,  dass 
sich  Burm.  im  Text  verschrieben  und  flavipes  gemeint  hat, 
wie  er  es  auch  im  alphab.  Register  angiebt.  Denn  ich  be- 
sitze die  fragliche  Art  aus  dem  Mus.  Halle  (wo  Burmeister 
die  Melolonthiden  selber  geordnet  hat)  mit  der  Benennung 
An.  flavipes  Illig. 

Wenn  aber  Dr.  Cand^ze  mit  seinem  „tres  voisine  de 
vetula"  Recht  hätte,  so  könnte  nitens  nicht  als  Synonym 
dazu  gehören,  denn  nitens  hat  einfache  Vorder-  und  Mittel- 
Krallen,  während  die  Monrovianer  Art  deutlich  die  stärkere 
äussere  Vorder-  und  Mittelkralie  gespalten  zeigt.  Ich  muss 
bemerken,  dass  der  Ausdruck  „stärkere"  sich  nur  auf  die 
andre  Kralle  derselben  Tarse  bezieht;  im  Vergleiche  gegen 
die  Krallen  von  An.  flavipes  (nitens)  sind  die  der  Monrovianer 
Art  um  das  Doppelte  kĂĽrzer  und  zierlicher. 

Vergleiche  ich  aber  mit  den  mir  vorliegenden  5  Exem- 
plaren von  An.  flavipes  (nitens)  vom  Cap  Wiedemann's  Be- 
schreibung von  Melolontha  vetula  (Germ.  Magaz.  IV.  S.  133), 
so  finde  ich  ausser  den  2  Innern  Makeln  am  Prothorax,  welche 
meinen  Exemplaren  fehlen,  während  die  2  äussern  wahr- 
nehmbar sind,  alle  ĂĽbrigen  Merkmale  so  zutrefl^end,  dass  ich 
gar  nicht  bezweifle,  Wiedemann's  Name  als  der  ältest  be- 
schriebne  müfse  eintreten.  Darin  hätte  also  der  Münchner 
Catalog  vollkommen  Recht.  Dann  aber  geht  D.  Cand^ze's 
„voisine  de  vetula"  ebenfalls  in  die  Brüche,  denn  die  Mon- 
rovia sp.  kann  mit  ihren  gespaltnen  Krallen  nicht  in  die 
Section  Hoplopus  (Anisonchus),  wo  alle  Anomala  einfache 
Krallen  haben.  Es  wird  demnach  nichts  ĂĽbrig  bleiben,  als 
sie  zu  diagnosiren. 


79 

Anomala  discordabilis.  Nigra,  nitida,  thoracis,  ely- 
trorum  striatoruQ)  et  pygidii  marginibus,  femoribus  et  pagina 
inferiore  pallide   flavis.     Long  14  — 15  mill.     Lat.    5 — 6  mill. 

Den  bereits  angegebnen  Merkmalen  habe  ich  noch  bei- 
zufĂĽgen, dass  der  Rand  des  halbkreisrunden,  fein  quergerun- 
zelten Clypeus  scharf  aufgeworfen  ist,  dass  die  Vorderseite 
des  Kopfes  etwas  stärkere  Punkte  zeigt,  die  Hinterseite  aber 
und  der  Thorax  schwächere.  Manche  der  Punkte,  welche 
die  Streifen  der  Elytra  bilden,  zeigen  sich  unter  der  Lupe 
geneigt,  links  und  rechts  feine  Querrunzeln  zu  bilden;  die 
helle  Umrandung  der  FlĂĽgeldecken  beginnt  erst  hinter  der 
schwarz  glänzenden  Schulterecke.  Da  meine  Exemplare 
Monate  lang  in  Spiritus  gelegen  haben,  so  bin  ich  nicht 
sicher,  ob  das  pallide  flavum  der  Diagnose  nicht  in  der  Natur 
ein  albidum  oder  weissgelb  gewesen  ist.  Der  braunschwarze 
Triangel  auf  dem  breit  hellbordirten  Pygidium  ist  zwar  auf 
allen  Exemplaren  deutlich,  aber  nirgend  scharf  limitirt. 

Das  grössere  und  massivere  der  vier  Exemplare  halte 
ich  wegen  des  aufgetriebnen  Abdomen  fĂĽr  $,  sehe  aber  sonst 
keine  Differenz  in  FĂĽhlern  oder  Beinen.  Doch  muss  ich  noch 
bemerken,  dass  im  Vergleich  zu  dem  nahe  dem  Apex  der 
Vorderschienen  stehenden  zweiten  Dorne  bei  An.  nitens 
(vetula)  hier  bei  An.  discordabilis  der  zweite  Dorn  deutlich 
höher  hinauf  gerückt  steht.  Darüber  ist  sogar  noch  ein, 
allerdings  äusserst  subtiler  Ansatz  zu  einem  dritten  ange- 
deutet. 

Anomala  circumcincta  Hope. 

Anomala  emortualis  Blancb. 

Anomala  einerseits  fĂĽr  pallida  F.  Burm.,  andrerseits  fĂĽr 
mutans  Blanch.  erklärt,  in  grösserer  Zahl  vorhanden.  Da 
Burmeister  den  Typus  von  pallida  in  der  Banks-Sammlung 
gesehen  hat,  so  finde  ich  seine  Beschreibung  (Handb.  4.  I. 
p.  235)  der  var.  b.  auf  die  vorliegenden  Exemplare  ganz 
zutreff"end.  Besonders  gut  passt  dazu  in  F.  Ent.  syst.  L  p,  163 
das:  Elytra  substriata,  pallidiora,  sutura  in  primis  ad  scu- 
tellum  nigra. 

Anomala  nigrosulcata  Cand. 

Popillia  lucidipennis  Cand.  Neben  etwa  100  grĂĽn' 
glänzend  gleichgefärbten  Exemplaren  ein  einziges  roth- 
kupfriges. 

Popillia  bitacta  Cand.  (ined). 

Popillia  n.  sp. 

F.  callipyga  Dhn.  Inter  majores,  magnitudine  Pop. 
rufipedis.  Pagina  superior  capitis,  thoracis  octanguli  et  ely- 
trorum   viridis,  modice  nitens;    pagina  inferior    obecure    rufe- 


80 

brunnea,  nitidior,  setis  pilisque  adpressis  albidoflavis  insignita, 
excepta  media  parte  abdominis  et  metasterni,  exceptis  tibiis 
tarsisque,  et  parte  dimidia  pygidii  et  femorum.  Antennarum 
et  palporum  articuli  basales  rufi,  cseteri  nigri. 

Long.  17—18  mill.     Lat.  9  mill. 

Als  Popillia  ein  auffallendes  und  interessantes  Thier: 
obschon  es  in  der  Grösse  und  Breite  mit  P.  rufipes  überein- 
stimmt, weicht  es  doch  habituell  von  dieser  Art  und  von 
allen  mir  de  visu  bekannten  ab  durch  die  Feinheit  der 
Punktirung  und  durch  das  Fehlen  von  Strieen;  man  kann 
nur  durch  die  Lupe  Ansätze  zu  Längsstreifen  wahrnehmen, 
und  von  Furchen,  wie  bei  fast  allen  Popillien,  ist  gar  nicht 
die  Rede.  Auch  hat  keine  mir  bekannte  Art  ein  so  markirt 
achtkantiges  Halsschild,  da  dessen  Seitenränder  zwischen 
Kopf  und  Schultern  in  deutliche  t]cken  ausgezogen  sind. 

Der  Kopf,  dessen  Clypeus  mit  kurzem  aufgeworfnem 
.  schwarzem  Rande,  und  die  Vorderecken  des  Thorax  mit 
feiner  aber  bestimmter  Punktirung:  sie  ist  undeutlicher  und 
schwächer  auf  dem  Reste  des  Thorax,  dem  verhältnissmässig 
grossen  herzförmigen  Schildchen,  und  dem  Discus  der  Flügel- 
decken, deren  Ränder  wieder  stärkere  Punkte  zeigen.  Thorax 
und  Elytra  sind  von  einem  feinen  schwarzen  Seitenrande 
umsäumt,  der  am  Apex  der  Decken  etwas  breiter  und  bräun- 
lich wird. 

Besonders  charakteristisch  zeichnet  sich  das  Pygidium 
dadurch  aus,  dass,  anstatt  der  bei  den  meisten  Popillien  vor- 
handnen  zwei  HaarbĂĽschel,  hier  quer  ĂĽber  die  ganze  obere 
Hälfte  eine  parallele  ununterbrochne  Binde  enganschliessender 
weissgelber  Börstchen  einen  Gürtel  bildet. 

P.  callipyga  gehört  zu  den  ächten  P.  mit  starkem  Me- 
sosternalfortsatz.  Wenn  Burraeister  (Handb.  4.  L  p.  303) 
darüber  zweifelhaft  ist,  ob  die  ö^  seiner  africanischen  Section 
^die  grössere  Kralle  der  Mittelfüsse  getheilt  haben?'-'  so  glaube 
ich  das  bejahen  zu  können.  Denn  von  den  beiden  mir  vor- 
liegenden Exemplaren  halte  ich  das  kleinere  mit  etwas  län- 
geren Fühlerblättchen  für  ein   (^. 

Von  EindrĂĽcken  neben  der  Spitze  des  Schildchens  (Burm. 
1.  c.  p.  296)  keine  Spur. 

Adoretus  n.  sp.     Dem  rugulosus  Burm.  nahe  verwandt. 

Heteronychuö  Claudius  Klug  und  eine  ihm  zunächst 
stehende,  etwas  kleinere  neue  Art,  deren  Beschreibung  vor- 
behalten bleibt. 

Oryctes  vergl.  Jahrg.  1875,  S.  295. 

Cyphonistes  n.  sp. 

C.  Burmeister i  Dhn.  Fusco-niger,  subnitidus,  pectore 
fulvo  hirto. 


81 

Mas,:    Cornu  capitis  lato,   furcato,   pronoti  cornu  co- 
nieo  apice  biĂźdo,  fovea  punctiformi  iuter  hoc 
cornu  et  scutellum,  elytris  leviter  striatis  sub- 
tilissime  punetatis.   Long.  25  mill.  Lat.  16  mill. 
Femina?  Verlice  binodoso,  pronoto  coDvexo  antice  ex- 
cavalo,    impressione    lineari,    duobus     munita 
tuberculis     exiguis      longitudinaliter      sulcato, 
eljtris  evidenter  striatis    et    sat    fortiter  pun- 
etatis.    Long.  21    mill.     Lat.   13  mill. 
Wenn  man  diese  Diagnosen  mit  denen  vergleicht,  welche 
uns  Meister  Burmeister,  dem  ich  die  vorliegende  Art  dedicire,' 
von   (^  ?  des  Cyph.  vallatus  Wiedem.  (Handbuch  V,  p.  213) 
gegeben  hat,  so  wird  man  leicht    eine    gewisse  Aehnlichkeit 
beider  Arten,    aber    auch    ihre    unzweifelhafte    Divergenz  er- 
kennen. 

An  den  ausserdem  noch  beschriebnen  C,  corniculatus 
ist  nicht  zu  denken,  dessen  (^  (?)  weder  auf  dem  Kopfe, 
noch  auf  dem  Halsschilde  bewaffnet  ist. 

Das  Kopfhorn  des  C.  Burmeisteri,  verglichen  mit  dem 
des  vallatus,  (von  welchem  ich  3  Pärchen  vor  mir  habe,  die 
ich  vor  Jahren  aus  einer  grössern  Zahl  direct  von  Natal 
erhaltner  heraussuchte),  ist,  wenn  auch  nicht  höher,  doch 
doppelt  so  massiv,  und  statt  des  zweizackigen  flachen  Höckers 
auf  dem  Thorax  des  vallatus  zeigt  Burmeisteri  ein  kegelför- 
miges Hörn  von  gedrungner  Form,  das  sich  nach  dem  Kopfe 
etwas  ĂĽberneigt  und  mit  gespaltner  Spitze  endet.  Ausser 
dem  in  der  Diagnose  angegebnen  starken  Punkt  oder  GrĂĽb- 
chen zwischen  diesem  Hörn  und  dem  Schildchen  bemerke 
ich  noch  etwas  mehr  nach  vorn  auf  jeder  Seite  des  Thorax 
einen  schwachen  Eindruck,  der  mir  aber  nicht  so  streng 
symmetrisch  dünkt,  dass  ich  ihn  für  beständig  halten  möchte. 
Bei  dem  Pronotum  habe  ich  noch  zu  bemerken,  dass  bei 
vallatus  (^  die  vordere  Hälfte  vom  Höcker  bis  nach  dem 
Kopfe  eine  breite  Vertiefung  zeigt,  die  bei  dem  (^  von  Bur- 
meisteri fehlt,  oder  doch  nur  schwach  merkbar  ist.  Nun 
findet  sich  aber  diese  Vertiefung  zwischen  den  beiden  Knöpf- 
chen der  eingedrĂĽckten  Mittellinie  und  dem  Kopfe  der  $ 
Burmeisteri,  während  sie  bei  der  $  von  vallatus  fehlt. 

Deshalb,  und  weil  im  Gegensatze  zu  dem  fast  glatten, 
unbedeutend  gestreiften  und  höchst  fein  punktirten  t^  von 
Burmeisteri  die  $  auf  den  FlĂĽgeldecken  deutliche  Streifen 
und  derbe  Punktirung  hat,  habe  ich  sie  nur  mit  ?  als  zu 
diesem  ^  gehörig  bezeichnet,  obwohl  ich  sie  vorläufig  dafür 
halte,  weil  sie  auf  jeden  Fall  nach  der  Analogie  der  $  von 
vallatus  zu  einem  Cyphonistes  gehört.  Wie  die  angegebnen 
Maas.^e  zeigen,  steht    sie    freilich    etwas    zurĂĽck    gegen    den 


82 

Recken  von  o,  aber  das  ist  bei  Dynasliden  nichts  Auf- 
fallendes, und  kann  individuell  sein.  Dies  diem  docebit.  Da 
der  Finder  noch  an  demselben  Platze  verweilt,  so  glĂĽckt  es 
ihm  vielleicht,  ausser  diesem  bisher  einzigen  Paare  noch  mehr 
Exemplare  zu  erbeuten. 

Archen  Centaurus  F.  in  Exemplaren  ausgebildelster 
Form  und  auch  in  verkĂĽmmerten,  bei  denen  das  Kopfhorn 
auf  eine  und  das  Halsschildhorn  auf  zwei  Linien  Länge  re- 
ducirt  ist.  Die  Weibchen  sind  in  ĂĽberwiegender  Mehrzahl 
gekommen,  es  finden  sich  darunter  jedoch  nur  zwei,  welche 
sich  durch  besondre  Kleinheit  auszeichnen,  aber  keine  Spur 
von  VerkĂĽmmerung  exhibiren. 

Phileurus  liberianus  Dhn.  (im  vor.  Jahrg.  S.  294). 

Ceratorhina  torquata  Drury,  eine  Femina,  denn  das 
Diminutiv  Weibchen  wĂĽrde  fĂĽr  diese  colossale  Virago  nicht 
sonderlich  passen. 

Gerat,  guttata  Oliv. 

Asthenorhina  Turner  i  Westw.  Ich  habe  verjähren 
ein  Exemplar  in  London  aus  unterrichteter  Hand  gekauft, 
und  da  dasselbe  mit  Beschreibung  und  Abbildung  in  Westw. 
Arcana  II,  p.  72  gut  harmonirt,  fĂĽr  das  <^  gehalten.  Nun 
liegt  mir  ein  Exemplar  aus  Monrovia  vor,  welches  allerdings 
in  der  Farbe  nicht  ganz  stimmt,  denn  der  Thorax  ist  eher 
braungrĂĽn,  und  die  Elytra  sind  gelbbraun  fast  ohne  grĂĽne 
Zeichnung  —  aber  das  kann  leicht  die  Wirkung  des  Trans- 
ports in  Spiritus  sein.  In  der  Form  bemerke  ich  nichts  Ab- 
weichendes, ausser  dass  der  Winkel  des  Thoraxrandes  bei 
dem  altern  Exemplar  (wie  in  der  Abbildung)  etwas  schärfer, 
in  dem  MonroviastĂĽck  etwas  abgerundeter  ist.  Dann  aber 
zeigt  das  letztere  an  der  Innenseite  der  Vorderschenkel 
(nicht  Schienen)  zwei  sehr  kleine,  jedoch  mit  blossem  Auge 
wahrnehmbare  Zälinchen,  und  diese  fehlen  bei  dem  London- 
Exemplar  wie  bei  der  Westwood'schen  Abbildung,  werden 
auch  in  seiner  Beschreibung  nicht  erwähnt.  Da  ich  mir  nun 
denke,  dass  diese  Zähnchen  vermuthlich  bei  der  Copula  zum 
Halt  dienen,  so  wĂĽrde  ich  daraus  folgern,  dass  Westwood 
nicht,  wie  er  glaubt,  das  Männchen,  sondern  das  Weib- 
chen beschrieben  hat.  Tibise  antiese  intus  inermes  wären 
demnach  beiden  Geschlechtern  gemeinsam,  aber  bei  dem 
Mas  mĂĽsste  es  heissen:  Femora  antica  crassiora  (sie  sind  um 
gut  i|3  dicker  als  die  des  Londoner  Exemplars)  apice  bi- 
dentata,  subtus  denticulis  duobus  munita.  Wenn  man  sich  den 
Schenkel  in  drei  Theile  denkt,  liegen  die  beiden  Zähnchen 
an  des  mittlem   Drittels  Anfang  und  Ende, 

T  m  e  f  0  )•  h  i  n  a   Iris  F. 


83 

Chordodera  pentachordia  Klug. 

Mir  liegt  von  dieser  Art  ein  Pärchen  vor,  und  das  nö- 
thigt  mich  zu  einigen  Bemerkungen.  Keine  Frage,  dass  Bur- 
meisler  Recht  hat,  wenn  er  (Handb.  III,  S.  203)  zu  der  Ab- 
bildung von  Klug's  Beschreibung  auf  Tafel  15,  fig.  9  (Erman 
Atlas)  anmerkt,  dass  die  Vorderschienen  statt  der  gezeich- 
neten zwei  Zähne  hätten  deren  drei  haben  sollen;  allerdings 
ist  der  dritte,  obere,  etwas  kleiner.*) 

Es  scheint,  dass  von  der  vorliegenden  Art  die  Männchen 
zu  den  grossen  Raritäten  gezählt  werden  müssen,  denn  Klug 
spricht  gar  nicht  ĂĽber  Ge&chlechtsverschiedenheit,  seine  Ab- 
bildung zeigt  aber  deutlich  ein  -?,  Burmeister  hat  (1.  c.) 
auch  nur  $  in  Hope's  Sammlung  (jetzt  im  Museum  zu  Oxford) 
gesehen. 

Das  mir  vorliegende  o  zeigt  nun  mancherlei  Abwei- 
chungen von  dem  mit  den  Beschreibungen  von  Klug  und 
Burmeister  fast  vollkommen  harmonirenden  $. 

Gegen  das  21  millim.  messende  Weibchen  ist  es  etwas 
kleiner,  19  millim.  Die  weissgelben  Linearzeichnungen  auf 
dem  Pronotum  scheinen  variabel,  vielleicht  durch  Regen  oder 
andre  EinflĂĽsse  verwischbar  zu  sein.  Weder  die  Klug'sche 
Fassung  der  Diagnose,  noch  die  Burmeister'sche  in  Beziehung 
auf  diesen  Punkt  erscheinen  mir  ausreichend  deutlich,  Ch, 
pentachordia  hat,  wie  Ch.  quinquelineata,  eine  Mittellinie  und 
zwei  ganze  Randlinien,  dazwischen  noch  2  ganze  Linien, 
welche  der  Mittellinie  etwas  näher  stehen.  Jede  Randlinie 
spaltet  sich  aber  in  eine  gleichfarbige  Schlinge,  welche  ziem- 
lich nahe  am  Apex  (1  millim.)  beginnt,  sich  gegen  die 
Zwischenlinie  ausbaucht,  und  in  die  Randlinie  wieder  (unge- 
fähr 2  millim.  vor  der  Basis)  einlenkt. 

Das  (^  zeigt  mitten  in  dieser  Schlinge  noch  eine  kurze 
Linie,  welche  auf  jeder  Randlinie  perpendicular  steht;  bei 
dem  ?  fehlt  sie. 

Die  gelbe  Mittellinie  des  Pronotum  setzt  sich  auf  dem 
Scutellum  des  $  (d.  h.  auf  dem  mir  vorliegenden  Exemplare 
—  Burmeister  erwähnt  niclits  davon)  bis  über  die  Hälfte 
desselben  fort.  Bei  dem  r^  ist  von  dieser  Linie  auf  dem 
Schildchen  nur  durch  die  Lupe  eine  schwache  Spur  wahr- 
nehmbar. 

Dagegen  haben  (^  und  $  zwischen  Randlinie  und  Zwi- 
schenlinie des  Thorax  eine  mit  der  Basis  des  letztern  parallele 
gelbe  Verbindungslinie;  von  dieser  sprechen    beide    genannte 


•')  Auch  die  Mittellinie  an  der  Basis  des  Schildchens,  deren  Klug 
in  der  Beschreibung  erwähnt,  hat  der  Zeichner  auf  der  Tafel  nicht 
angedeutet. 

6 


84 

Autoren  gar  nicht.     Offenbar  sind  das  unerhebliche  Zeiclinungs- 
varietäten. 

Was  aber  sehr  wesentlich  ins  Gewicht  fallen  dĂĽrfte,  ist 
die  Differenz  in  der  Kopfbewaffnung  zwischen  den  vorliegenden 
(S  und  $.  Denn  wenn  Burmeister  in  der  Charakteristik  der 
Gattung  Chordodera  1.  c.  sagt: 

Der  Kopf    ist    ganz    wie    bei    Coryphocera    gebildet, 
aber  der  vom  Scheitel  ausgehende  Stachel  ist  schmäler, 
spitziger,  kleiner.    Diese  Eigenschaften  kommen  bei- 
den Geschlechtern  zu  — 
so  muss  ich  dem  positiv  widersprechen,    d.    h.  was  Ch.  pen- 
tachordia  betrifft,  denn  von  Ch.   quinquelineata    F.    habe    ich 
kein   ö^,  während  Burmeister  1.  c.  angiebt,  er  habe  in  Sommer's 
Sammlung  ein   t^  gesehen. 

Das  mir  vorliegende  (^  aus  Monrovia  hat  erstens  den 
bei  dem  ?  nur  unerheblich  aufgebognen,  in  zwei  feine  Spitz- 
chen gespaltnen  Vorderrand  des  Ciypeus  in  einer  stärker, 
fast  eine  Linie  hoch  sich  erhebenden  Verlängerung,  deren  mit 
ihrer  Basis  fast  gleichbreiter  Apex  in  zwei  stumpfere  Ecken 
verläuft  (man  sieht  die  erhebliche  Differenz  zwischen  Beiden 
ganz  deutlich  von  vorn  und  unten)  —  zweitens  aber  zeigt 
sich  an  Stelle  des  „vom  Scheitel  ausgehenden,  schmalen, 
spitzigen,  kleinen  Stachels"  (notabene  bei  dem  ?)  bei  dem  'S' 
eine  schmale  Wulst,  welche  zwar  etwas  kĂĽrzer  ist,  aber 
nicht  wie  jener  Stachel  sich  verjĂĽngend  in  eine  Spitze  endigt, 
sondern  eher  nach  vorn  zu  sich  verbreitert.  Während  der 
Ciypeus  der  $  mattschwarz,  grob  punktirt  und  kaum  behaart 
ist,  zeigt  sich  die  gedachte  Wulst  des  ö^  polirt  schwarz,  und 
der  ganze  Rest  des  Ciypeus  ist  so  dicht  mit  gelben  Börstcheu 
besetzt,  dass  man  nur  aus  den  Rändern  auf  eine  grobe  Punk- 
tirung  vermulhen  kann. 

Noch  verdient  Erwähnung,  dass  der  Vorderrand  des 
Ciypeus,  von  vorn  und  unten  gesehen,  bei  dem  $  deutlich, 
wenn  auch  nicht  so  grob  wie  die  Oberseite,  punktirt  ist. 
Diese  Punktirung  fehlt  bei  dem  (^ ;  kaum  dass  die  Lupe  feine 
Nadelrisse  verräth. 

Aus  dem  Vorstehenden  ergiebt  sich,  dass  die  Kopfbildung 
von  Ch.  pentachordia  viel  Analoges  mit  der  von  Heterorh. 
flavomaculata  F.  hat,  nur  in  feineren  Proportionen. 

Heterorhina  africana  Drury, 

Gametis  sequinoctialis  Oliv. 
^  sanguinolenta  Oliv. 

Cetonia  (Pachnoda)  marginata  Drury,  scheint  unsrer 
Cet.    aurata    in    der    Gemeinheit    vollkommen 
ebenbĂĽrtig  zu  sein. 
y^         tridentata  Oliv. 


85 

Diplognatlia  gagates  F.,  sämmtliche  zahlreiche  Stücke 
kohlschwarz,  nicht  braun. 
„  metallica  Cand,  (ined). 

Platygenia  barbata  Afzelius. 

Myoderma  alutacea  Afz.  var.?  Das  einzige,  bisher 
eingelaufne  Exemplar  weicht  von  meinen  mit  Burmeister's 
Besclireibung  (Handb.  V,  S.  733)  vollkommen  stimmenden 
Stücken  durch  so  manche  Einzelnheiten  (schwarzglänzende 
Farbe,  schwache  Behaarung  u.  a.)  ab,  dass  ich  nicht  abge- 
neigt bin,  es  für  n.  sp.  zu  halten.  Vielleicht  bringt  die  nächste 
Sendung  mehr  davon. 


Aus  der  letzten  Zusendung  haben  sich  zu  den,  im  Jahr- 
gang 1875  S,  2l7  bis  221  aufgefĂĽhrten  Carabicinen  noch 
folgende  Nachträge  ergeben: 

Cicindela  cincta  F.  Bei  einem  Exemplare  fehlen  die 
gelben  Zeichnungen  auf  dem  Discus  der  Elytra  gänzlich. 

Acanthogenius  dispar  Lafert6. 

Brachinus  sp.  mir  unbekannt,  klein  wie  sclopeta,  mit 
je  einem  gelben  Fleckchen  gegen  den  Apex  der  Elytra. 

Calleida  ruficollis  F.  Zu  dieser  Art  gehört  auch 
die  S.  218  1.  c.  als  C.  angusticollis  Boh.  aufgefĂĽhrte,  deren 
Artberechtigung  mir  nicht  ĂĽber  allen  Zweifel  erhaben  scheint. 

Wenn  auch  der  schöne  Platjnodes  Westermanni  zu  mei- 
nem Bedauern  diesmal  ausgeblieben,  so  hat  sich  dafĂĽr  ein 
hochansehnlicher 

Ochyropus  sp.  (Aleides  m.)  eingefunden,  dem  0.  Her- 
cules Murr,  an  Grösse  gleich,  aber  in  manchen  Punkten  doch 
so  abweichend,  dass  ich  ihn  nicht  fĂĽr  bloss  alter  sexus  halten 
kann.  Da  ich  aber  die  andern  Ochyropus  ausser  Hercules 
und  gigas  nicht  kenne,  behalte  ich  mir  das   Weitere  vor. 

Ein  mir  unbekannter  Vertagus,  desgleichen  ein  Paar 
Arten  oder  Varietäten  aus  der  verzwickten  Gruppe  des 
Chlsenius  oculatus,  myops  —   — . 

Ein  Torso  von  Eccoptomenus  eximius  Dej.,  der  es 
sehr  wahrscheinlich  macht,  dass  Ecc.  obscuricollis  nichts  als 
Varietät  davon  ist. 

Offenbar  das  Erfreulichste  unter  den  Carabicinen  dieser 
dritten  Auflage  waren  ein  Paar  Glyptus  sculptilis,  ein  tröst- 
licher Ersatz  fĂĽr  die  leichtsinnig  verschleuderten  von  frĂĽher. 
Man  wird  sie  mit  RĂĽcksicht  behandeln  mĂĽssen,  da  sie  ĂĽber- 
zeugend nachgewiesen  liaben,  dass  sie  sich  nicht  „gemein" 
machen  wollen. 

Axinotoma  fallax  Dej. 


86 


Dioryche  (Platymetopus)  ep. 

Hypolithus  holosericeus  Dej. 

Acupalpus  scapularis  Dej.? 

Drimostoma  sp.  (gracile  m.}. 

Abacetus  gagates  Dej. 

Anchomenus  sp.,  dem  javanus  Chaud.  üiemlicli  ähnlich. 


Auch  zu  den  1.  c.  S.  448  besprochnen  Bupresiiden 
kann  als  Nachtrag  dienen,  dafis  der  Monrovianer  Jäger  den 
ihm  frĂĽher  ertheilten  Vorwurf,  als  ĂĽbersehe  oder  missachte 
er  die  Micra,  durch  Einsendung  einer  ziemlichen  Anzahl  von 
kleinen  Agrilus  widerlegt  hat.  Ich  bin  aber  mit  diesen  zier- 
lichen GrĂĽnspechten  auf  nichts  weniger  als  vertrautem  Fusse, 
und  deshalb  ausser  Stande  zu  sagen,  ob  die  auffallenden 
purpurschimmernden  Hinterschenkel  der  Majorität  davon  eine 
eigne  Art,  oder  nur  eine  Varietät,  oder  vielleicht  das  andre 
Geschlecht  zu  denen  mit  grĂĽnen  Hinterschenkeln  bedeuten. 


Rhinocles,  novum  genus  Calandridarum, 


von 
JIr.  C  A.  Dolirii. 


Eine  eigeuthĂĽmliche,  immerhin  dankenswerthe  Ironie  des 
Schicksals  legt  mir,  dem  grundsätzlichen  Gegner  der  Pseudo- 
Mononymie  —  denn  darauf  läuft  die  moderne  Gattungsfabri- 
cation  schliesslich  hinaus  —  die  Pflicht  auf,  die  bereits  un- 
übersehliche  und  unbehaltbare  Zahl  der  Käfergattungen  noch 
um  die  vorstehende  zu  vermehren.  Hoffentlich  wird  mir  der 
Nachweis  gelingen,  dass  ich  dazu  begrĂĽndeten    Anlass    habe. 

Die  vier  ziemlich  grossen  Spritflaschen,  in  welchen  die 
vorletzte  Monrovia-Sendung  von  Insecten  hergekommen  war, 
hatte  ich  bereits  geleert,  und  mit  unleugbarem  Bedauern 
constatirt,  dass  der  Sammler  vermuthlich  durch  den  empfind- 
lich schmerzhaften  Stich  eines  riesigen  Belostomiden  (Hydro- 
cyrius  herculeus  Still j  zu  einem  Vernichtungskriege  gegen 
diese  garstige  Wasserwanze  provocirt  worden  war;    sie  war 


87 

es,  welche  ein  unerfreuliches  ĂĽebergewicht  bei  FĂĽllung  der 
Todesbouteillen  behauptet  hatte.  Ohne  undankbares  Unter- 
schätzen der  mancherlei  bereits  laudirten  leckern  Käferbissen 
war  es  meinem  Sammler-Egoismus  doch  nicht  gar  so  sehr 
ĂĽbel  zu  deuten,  dass  es  mich  bekĂĽmmerte,  von  meinen  Lieb- 
lingen, den  Paussiden,  auch  nicht  einen  einzigen  erspäht  zu 
haben  ~  obwohl  nichts  positiver  ist,  als  dass  es  deren  in 
Monrovia  unfehlbar  mehrere  Arten  giebt  —  ferner,  dass  von 
den  ebenfalls  dort  conscriptionspflichtigen  Goliathiden  ausser 
Ceratorhina  guttata  Oliv,  nichts  erfolgte,  während  doch  die 
frĂĽhere  Sendung  ein  Exemplar  der  seltnen  Tmesorhina  Iris  F. 
aufzuweisen  gehabt,  ferner,  dass  von  Gljptus  sculptilis  der 
ersehnte  Nachschuss  ausgeblieben  war  —  —  kurz,  wer  wie 
ich  oft  in  der  Lage  war,  sogenannte  Rummelsendungen  von 
ungelahrten  Sammlern  aus  interessanten  Gegenden  zu  er- 
halten, kennt  die  bittersüsse  Laune  des  Empfängers,  wenn  er 
zwar  manches  Unerwartete  mit  Behagen  begrĂĽsst,  aber  ein- 
zelnes sehnsĂĽchtig  Erwartete  mit  Unbehagen  vermisst. 

Alma  mater  Isis  liatte  indessen  in  ihrer  unerschöpflichen 
Langmulh  beschlossen,  meine  Kleingläubigkeit  an  ihre  Gunst 
dadurch  humoristisch  zu  beschämen,  dass  sie  mich  mit  einer 
ganz  unerwarteten  „langen  Nase"  abziehen  Hess  —  und  das 
kam  so.  Mehrere  Tage  später,  nachdem  ich  bereits  ver- 
meinte, den  vorhandnen  Monrovia-Käfersegen  überschaut,  ge- 
wĂĽrdigt und  grossentheils  gespiesst  zu  haben,  ĂĽberraschte 
mich  mein  Sohn,  Dr.  Heinrich,  mit  einem  Käfer,  den  er  noch 
im  Spiritus  einer  BlechbĂĽchse  mit  Schlangen  gefunden  hatte, 
und  von  diesem  Posthumus  ist  jetzt  die  Rede.  Offenbar  wird 
er  dem  Monrovianer  erst  in  die  Hände  gefallen  sein,  als  die 
Käferflaschen  bereits  zur  Versendung  geschlossen  waren;  doch 
wage  ich  (nach  den  bereits  erwähnten  Erfahrungen)  nicht, 
l)ieraus  den  sanguinischen  Schluss  zu  ziehen,  eine  spätere 
Senduns  werde  vielleicht  dem  schönen  Unicum  noch  will- 
kommene  Dupla  gesellen. 

Dass  mir  eine  ächte  Calandra  sensu  Fabricii  vorliegt, 
dafür  habe  ich  ausser  dem  ganzen  Habitus  zunächst  das 
schlagende  Argumentum  a  posteriori,  das  beinah  wagerecht 
vorgestreckte,  massig  declive  Pygidium,  ferner  mehrere  we- 
sentliche UebereiĂĽitimmungen  mit  den  Rhjnchophoriden, 
z.  B.  die  Contiguität  der  Augen  nach  unten  hin,  die  autfallende 
Grösse  der  Episternen  und  Epiraeren  des  Mesothorax,  die 
Gestalt  der  Beine.  Die  eigenthĂĽmlichen  Abweichungen  von 
den  bisher  aufgestellten  Gattungen  werden  sich  aus  dem 
Folgenden  ergeben. 


88 

Rhino  des  n.  G. 

Curculio  gymnopygus. 
Oculi  obloDgi  infra  caput  contigui. 
Antenuse  in  ipsam  rostri    basin    infixse, 
scapo  capitis  longitudinem  valde  su- 
perante,  funiculi  articulo    primo    ob- 
conico    brevi;    secundo    longiore,  te- 
nuiore,  3 — 6  paullatim  decrescentibus; 
clava  duorum  ultimorum  longitudinem 
sequans,  conica,  compressa. 
Rostrum    longiasimum,    subcylindricum, 
modice  arcuatum,  versus   apicem  le- 
viter  attenuatum,    in  ipso  apice  sub- 
ampliatum,  sinuatum,  mandibulis  ap- 
parentibus. 
Scutellum  subtriangulare. 
Pedes  elongati,  femoribus    tibiisque    in- 
curvis  et  compressis,  bis   apice    mu- 
cronatis,    tarsis     gracilibus,     subtus 
spongiosis,  articulo  tertio  valde  dila- 
tato  triaugulari. 
Rhinocles  nasica.    Fulvus,  thoracis   disco    maculis    iatera- 

libus  et  margine    apicali,    elytrorum 
dimidia  parte  laterali  velutino-nigris; 
capite,  rostri  apice,  antennarum  scapo 
et  funiculi  articulorum  basibus  nitido- 
nigris.    Scutellum  subtriangulare,  im- 
pressum,     fuscum.      Elytra     striata, 
pygidium  fuscum,  impressione  spathi- 
formi  insignitum. 
LoDgit.    (sine    rostro)    36    mill.      Laut. 
12  mill.     Longit.  rostri  25  mill. 
Wenn  ich  zugeben  muss,  dass  es  bei  dem  einzigen    vor- 
liegenden   Exemplare    (das    mit    Ausnahme    des    zerbrochnen 
linken  Vorderbeins  vollkommen  wohlerhalten  geblieben)  nicht 
unbedenklich  ist,  zu  sondern,    was  der  Gattung  und  was  der 
Art  zukommt,  so  wird   man  doch  leicht  einräumen,  dass  das 
Thier  in  keiner  der  bestehenden  Gattungen    unterzubringen 
ist.     Als  Gründe  gelten  mir:  das  Verhältniss  des  Rüssels  zur 
Körperlänge;  bei  den  Antennen  die  Länge  des  Schaftes,    der 
durchaus  an  der  Basis  des  RĂĽssels  eingelenkt    ist;    die    ganz 
eigenthümliche  Form  des  letzten  Fühlergliedes  —    man  könnte 
es    einem    länglichen,    compressen     Meissel    vergleichen;    die 
/iemlicii  breite  Basis  des   fast   gleichseitigen    Schildchens,  das 
nicht  (wie  bei  den  meisten  der  hier   in  Betracht  kommenden 


89 

Verwandten)  nach  innen  gebogne  Schenkel  hat,  die  in  eine 
fein  ausgezogne  Spitze  auslaufen,  sondern  eher  nach  aussen 
gebogne,  überdies  ziemlich  abweichend  durch  seinen  herzför- 
migeu  Eindruck;  gerade  to  wie  sich  auch  das  Pygidium  vor 
den  sonst  ähnlich  geformten  durch  die  spateiförmige  Impression 
neben  dem  gewöhnlichen  Läugskiel  der  Mitte  auszeichnet. 

Von  diesen  Eigenschaften  finden  sich  natĂĽrlich  einzelne 
in  dieser  oder  jener  der  bestehenden  Galtungen,  aber  com- 
binirt  in  keiner  mir  bekannten.  Auch  Nachfragen  haben 
mir  keine  andre  Auskunft  gegeben,  als  dass  ein  ähnliches 
Thier  in  der  reichen  Berliner  Sammlung,  teste  Dr.  Gerstäcker, 
nicht  vorhanden,  und  dass  Dr.  Gemminger  bei  seiner  Durch- 
arbeitung des  ganzen  Materials  zu  Band  VIII  des  MĂĽnchner 
Catalogs  nichts  Analoges  in  der  descriptiven  Literatur  der 
Calandriden  gefunden  hat. 

Den  bereits  angegebnen  Kennzeichen  will  ich  nun  noch 
Folgendes  hinzufĂĽgen. 

Die  feineu  Schattirungen  der  beiden  Farben  des  ansehn- 
lichen Thieres,  Orange  und  Schwarz,  Hessen  sich  in  der 
Diagnose  ohne  unpassende  Weitläufigkeit  nicht  genauer  an- 
geben. So  z.  B.  ist  das  Gelb  des  Thorax  und  des  RĂĽssels 
etwas  mehr  roth,  als  das  der  Elytra,  mit  Ausnahme  der 
dunkleren  Strieen  derselben;  das  Schwarz  des  Hinterkopfes 
ist  etwas  polirter,  als  das  zwischen  den  glänzenden  Augen, 
welche  durch  einen  feinen  Einschnitt  mit  schwarzsammetnen 
Rändern  getheilt  sind.  Der  fein  und  zerstreut  punktirte 
Hinterkopf  wird  vom  Apex  des  Thorax  durch  eine  ganz 
schmale  rothgelbe  Bewimperung  desselben  geschieden,  Thorax 
und  Elytra  haben  bei  seitlicher  Betrachtung  einen  grauseidigen 
Glanz.  Ich  möchte  fast  als  gewiss  annehmen,  dass  die 
schönen  Sammetmakeln  auf  Halsschild  und  Decken  nicht  con- 
stante  Form  haben,  da  bei  fast  allen  mir  bekannten  afrika- 
nischen Käfern,  welche  schwarze  Zeichnung  auf  Orange  Grund 
haben,  diese  beiden  Farben  unstäten  Modificationen  unter- 
liegen. Auf  dem  vorliegenden  Exemplare  hat  der  Thorax 
ausser  dem  schwarz  geränderten  Apex  einen  breiten,  eiför- 
migen Mittelfleck,  auf  dem  eine  feine  Längslinie  angedeutet 
ist,  die  sich  auf  dem  Kopfe  bis  zu  dem  erwähnten  Einschnitte 
zwischen  den  Augen  fortsetzt.  Die  schwarzen  Seitenflecke 
des  Thorax  haben  eine  beilförmige  Gestalt.  Seine  Basis  ist 
in  der  Mitte  gegen  das  Schildchen  hin  leicht  vorgebogen  und 
hat  einen  feinen  schwarzen  Rand;  selbst  mit  der  Lupe  lassen 
sich  keine  Punkte  wahrnehmen.  Das  mattschwarze  Schildchen 
hat  in  der  Vertiefung  kleine  grauschimmernde  Fleckchen. 
Auf  den  FlĂĽgeldecken,  in  deren  deutlichen  Strieen  man  durch 
die  Lupe  eine  leichte  Punktirung  bemerkt,   nimmt  das  Roth- 


90 

gelb  gleich  hinter  einem  scharfen  schwarzen  Rande  der  Basis 
zwar  die  ganze  Breite  derselben  ein,  verengert  sich  aber 
schief  nach  innen  bis  auf  die  vierte  Striee  (jede  Decke  hat 
deren  8)  und  erweitert  sich  dann  wieder  gegen  den  Apex  hin 
bis  auf  die  fĂĽnfte;  dadurch  entsteht  eine  Xartige  Form  des 
Orange,  nur  dass  man  die  Mitte  sich  viel  weniger  comprimirt 
zu  denken  hat:  der  Rest  der  Elytra,  welche  sich  von  der  in 
der  Diagnose  angegebnen  Scliulterbreite  nach  hinten  zu  etwas 
verjĂĽngen,  ist  von  Sammetschwarz  bedeckt;  das  erste  Inter- 
stitium,  welches  gelb  am  Schildchen  neben  der  Sutur  beginnt, 
nimmt  auf  der  hinteren  Hälfte  eine  dunkle  fast  schwarze 
Färbung  an. 

Vermuthlich  ist  die  Unterseite  noch  eher  als  die  obere 
den  Schwankungen  zwisclien  Schwarz  und  Gelb  ausgesetzt, 
da  am  vorliegenden  Exemplare  die  drei  letzten  Segmente 
schwarz  sind,  das  dann  folgende  rothgelb,  das  nächste  in  der 
Mitte  schwarz,  auf  beiden  Seiten  gelb.  Sämmtliche  Epimeren, 
Episternen  sind  schwarz  umrändert;  das  ganze  Vorderbrustbein, 
alle  Trochanteren  sind  braunschwarz  mit  seidigem  Schimmer. 

An  den  Beinen  sind  sämmtliche  Schenkel  etwas  krumm, 
aber  die  an  dem  vordem  Fusspaare  nicht  gleich  den  beiden 
hinteren  nach  aussen,  sondern  nach  innen  gebogen.  Diese 
Abnormität  zeigt  sich  nicht  nur  an  dem  vollständig  erhaltnen 
rechten  Vorderbein,  sondern  ist  auch  noch  an  dem  halb  ab- 
gebrochnen  Schenkel  des  linken  ganz  deutlich  zu  erkennen. 
Dass  auch  die  Schiene  des  rechten  Vorderbeins  nach  innen 
gekrümmt  ist,  ergiebt  sich  als  natürliche  Consequenz,  während 
die  vier  hintern  Schienen  die  KrĂĽmmung  nach  aussen  haben. 
Auf  allen  bemerkt  man  auf  der  untern  Seite  kurze,  rölhliche 
Wimperhaare,  die  sich  von  der  Mitte  ab  in  zwei  Reihen 
theilen,  von  denen  die  eine  den  dunkeln  Mucro  des  Apex 
zum  Abschluss  hat,  während  die  andre  scheinbar  daneben 
einen  rothgelben  Mucro  nachäfft.  Bei  den  Tarsen  sämmtlicher 
Beine  ist  das  erste  Glied  an  Länge  den  beiden  folgenden  voll- 
kommen gleich,  eher  etwas  ĂĽberlegen;  alle  Tarsen  haben 
Bürsten.  Ihre  Klauenglieder  sind  sämmtlich  blankschwarz, 
bei  den  andern  Gliedern,  namentlich  dem  dritten,  drängt  sich 
die  gelbe  Grundfarbe  mehr  durch. 

Es  will  mir  doch  wunderbar  dĂĽnken,  dass  ein  so  grosses, 
seltsam  geformtes  und  auffallend  gefärbtes  Thier  den  vielen 
Sammlern  in  Senegambien,  Sierra  Leone  und  Guinea  bisher 
entgangen  ist.  Sollte  es  wirklich  eine  so  grosse  Seltenheit 
und  auf  einen  kleinsten  District  beschränkt  sein?  Das  möchte 
ich  doch  bezweifeln. 

GcBcbrieben  im  Sommer  i875. 


91 


Ueber  drei  im  hohen  Norden  vorkommende 

Arten  der  Schmetterlingsgattung  Cupido 

(Schrank), 

von 

o 

Dr«  Jacob  ISpanglier^, 


Während  einer  im  letzten  Sommer  in  der  Gesellschaft 
des  Herrn  Prof.  Lilljeborg  ausgefĂĽhrten  Reise  nach  Lappland, 
hatten  wir  die  Freude,  eine  neue  Art  der  Gattung  Cupido 
zu  entdecken.  Indem  ich  eine  Beschreibung  dieses  in  mancher 
Hinsicht  interessanten  Bläulings  liefere,  benutze  ich  die 
Gelegenheit,  auch  ein  Paar  andere  in  denselben  hoclmordischen 
Gegenden  vorkommende  Arten  zu  erwähnen,  weil  es  immer 
wichtig  ist,  die  geographische  Verbreitung  einer  Gattung 
kennen  zu  lernen. 

Cupido  fylgia  n.  sp. 

Cupido  supra  fuscus  ((?);  alse  posteriores  subtus,  vitta 
alba  carentes,  ocellis  albo  cinctie,  inter  lunulam  mediam 
et  maculas  rufas  positis,  inter  se  appropinquatis,  angulum 
rectum  vel  subrectum  formantibus  et  minoribus  quam  alarum 
anteriorum  ocelli.  Spatium  inter  maculas  rufas  limbales 
seriemque  ocellorum  colore  eodem  ac  tota  ala. 

Diese  Art  ist  oben  dunkelbraun  (r;J),  die  HintertlĂĽgel 
unten  ohne  weissen  Längsstreif;  die  schwarzen,  weiss  ge- 
säumten, zwischen  dem  Mittelfleck  und  den  rothgelben  Rand- 
flecken liegenden  Augen  sind  dicht  aneinander  gestellt,  bilden 
einen  rechten  oder  fast  rechten  Winkel  und  sind  kleiner  als 
die  der  Vorderfliigel.  Das  Feld  zwischen  den  rothgelben 
Randflecken  und  den  Augen  trägt  die  Grundfarbe  des  Flügels. 
Eine  ausfĂĽhrlichere  Beschreibung  ist  folgende: 

Der  Mann.*)  Die  FlĂĽgel  oben  dunkelbraun,  wurzel- 
wärts  etwas  dunkler,  die  vorderen  mit  einem  beinahe 
schwarzen,  strichförmigen  Mittelfleck;  die  Franzen  weiss,  auf 
der  inneren  Hälfte  graubraun.  Die  Unterseite  graubraun, 
wurzelwärts  grün  oder  blaugrün  bestäubt,  besonders  auf  den 
Hinterflügeln;  die  Franzen  weiss,  einwärts  durch  eine  dunkle 


â– ')  Das  Weib  habe  ich  nicht  gefunden. 


92 

Linie  scharf  begränzt.  Die  rothgelben  Randflecke  sind  viel 
deutlicher  auf  den  hinteren,  als  auf  den  vorderen  FlĂĽgeln 
und  einwärts  von  schwarzen,  dreieckigen  oder  halbmond- 
förmigen Flecken,  auswärts  von  schwarzen,  beinahe  runden 
Punkten  begränzt.  Der  Mitteltleck  auf  den  Hinterflügeln 
länglich,  schwarz,  mit  Weiss  umgeben,  auf  den  Vorderflügeln 
viel  grösser,  halbrund,  schwarz,  mit  sehr  wenig  Weiss  ein- 
gefasst.  Diesseits  des  Mittelflecks  liegen  auf  den  HinterflĂĽgeln 
vier  schwarze,  weiss  eingefasste  Wurzelaugen,  zu  einer  bei- 
nahe geraden  Linie  geordnet. 

Die  schwarzen,  weiss  umgebenen  Augen  auf  den  Vorder- 
flügeln, welche  den  rothgelben  Randflecken  am  nächsten 
liegen,  sind  zu  einem  gegen  den  Mittelfleck  concaven  Bogen 
geordnet;  zwischen  demselben  und  dem  Mittelfleck  befinden 
sich  drei  oder  vier  sehr  kleine  Augen.  Die  VorderflĂĽgel 
ohne  Wurzelaugen.  Die  Länge  zwischen  den  Flügelspitzen 
30  millim.     Die  Augen  sind  unbehaart. 

Wie  aus  der  Beschreibung  hervorgeht,  stimmt  diese  Art 
mit  Cup.  Chiron  (Rott.)  [eumedon  (Esp.)]  und  Cup.  alexis 
(Scop.)  [agestis  (W.  V.)]  in  der  braunen  Farbe  oben  bei  dem 
Manne  ĂĽberein,  unterscheidet  sich  aber  ohne  Schwierigkeit 
von  denselben  durch  den  Mangel  des  weissen  Längsstreifs 
auf  der  Unterseite  der  HinterflĂĽgel,  und  dadurch,  dass  die 
Augen  auf  den  Vorderflügeln  grösser  sind,  als  auf  den  Hinter- 
flügeln. Durch  diesen  Charakter,  wie  durch  die  regelmässige 
Anordnung  der  Augen  auf  den  HinterflĂĽgeln,  unterscheidet 
sich  Cupido  fylgia  auch  leicht  von  Cup.  icarius  (Esp.)  $  und 
admetus  (Esp,),  an  welche  er  auch  in  gewissen  Hinsichten 
erinnert. 

Das  Vaterland  ist  Ruskola  in  Ober-Torneä  in  „Norr- 
bottens  Län",  66*'  40'  nördl.  lat.,  wo  er  zuerst  von  Professor 
Lilljeborg  gefangen  wurde. 

Cupido  alexis  (Scop.).*J 

Syn.  1763.     Papilio  alexis   Scopoli,    Entom.    Carniol,,    pag. 

179. 
1853.     Lycsena  agestis  Gerhard,    Vers,  einer    Mon.  d. 

Lyc,  pl.  26,  f.  1. 
1859.     Polyommatus    alexis    Heinemann,    Die    Schm. 

Deutschi,  und    d.    Schweiz, 
Abth.  I,  pag.  82. 


*)  Dass  Scopoli's  alexis  ein  Gemisch  von  3  Arten  ist,  findet  sich 
Ent.  Ztg.  1855,  S.  238  angezeigt.  Kirby  (Cat.  p.  363),  Heinemann  und 
der  Verfasser  des  voriief^endcn  Aulsatzes  nehmen  also  mit  Unrecht 
den  Namen  fĂĽr  Medon  Hfn.  auf.    Red. 


93 

1872.     Cupido   alexis  Spängberg,  Om  de  sveoska  och 
Dorska  arterna  af  Dagfjärilslägtet 
Cupido  (Schrank),  pag.   12. 
non:  l??*^.     Papilio       ^      Syst,  Verzeiclin.  d.  Schm.  d.  Wien. 

Gey.,  pag.  184. 
Diese  Art,  von  der  man  bisher  annahm,  dass  sie  vor- 
zugsweise in  den  sĂĽdlichen  und  den  mittleren  Theilen  Schwe- 
dens vorkommt,  weil  sie  nördlich  von  Helsingland  nicht  be- 
kannt war,  fand  ich  den  vorigen  Sommer  im  Kirchspiele  von 
Tärna  in  ümeä  Lappmark  hier  und  da  nicht  nur  in  den 
Thälern,  sondern  sogar  hoch  auf  den  Gebirgen  in  der  Nähe 
der  Schneemassen,  und  dieses  Jalir  habe  ich  sie  nicht  selten 
in  Ober-Torneu  gefunden;  es  ist  mir  aber  nicht  gelungen,  ein 
einziges  Individuum  von  Cup.  icarus  (Rott.)  [alexis  (W.  V.)], 
weder  in  Umeä-,  noch  in  Torneä-Lappmark  zu  finden.  Da 
nun  die  Autoren  diese  letztere  Art  für  jene  nördlichen  Ge- 
genden anzeigen,  so  bin  ich  der  Meinung,  dass  ein  Fehler 
bei  der  Bestimmung  siĂźh  eingeschlichen  hat,  und  dass  Cup. 
alexis  (Scop.)  mit  icarus  (Rott.)  ?  verwechselt  worden  ist,  ein 
um  so  verzeihlicheres  Versehen,  als  die  Weiber  dieser  beiden 
Arten  einander  in  hohem  Grade  ähnlich  sind, 

Cupido  Chiron  (Rott.). 

Syn.   1775.     Papilio  chiron  Rottemburg,    Anmerk.    zu  den 

Hufnagel.  Tabellen  d.  Schm.    (Im 
Naturforscher  St.  VI,  pag,  27.) 
18.53.     Lycsena  eumedon  Gerhard,    Vers,    einer    Mon. 

d.  Lyc,  pl.  25,  f.  2. 
18  9.     PolyommatĂĽs    chiron    Heinemann,    Die    Schm. 

Deutschi,   und  d.  Schweiz, 
Abth,  I,  pag.  82. 
1872.     Cupido  chiron  Spängberg,  Om  de  svenska  och 
norska  arterna  af  Dagfjärilslägtet 
Cupido  (Schrank),  p.  9, 
Auch  diese  Art,  frĂĽher  im  Norden  von  Helsingland  nicht 
bekannt,  fand  ich  nicht  selten  in  Ober-Tornea 
Upsala,  den  29.  October  1875. 


94 


Lepidopterologische  Mittheilungdi  aus  dem 
nassauischen  Rheinthale, 


von 
Pfarrer  .%.  Fuchs  in  Bornich. 


I.     Aglaope  infausta  L. 

Obwohl  ich  von  dieser  Art  nach  und  nach  einige  hundert 
Exemplare  erzogen,  so  habe  ich  —  ein  Beweis,  wie  wenig 
sie  zur  Hervorbringung  von  Varietäten  geneigt  ist  —  doch 
erst  in  dieeem  Jahre  eine  weibliche  Abänderung  erhalten. 
Sie  unterscheidet  sich  von  der  gewöhnlichen  Form  dadurch, 
dass  die  Hiuterflügel  am  Innenrande  blass  rothbraun  gefärbt 
sind,  Roth  ist  der  Halskragen  und  fein  schmaler  Saum  an 
der    Wurzel  des  Innenrandes  der  VordertJĂĽgel. 

Heinemann  giebt  an,  dass  bei  Infausta  auch  die 
Vord  er  rand  -  Wurzel  der  VorderflĂĽgel  schmal  roth  sei. 
Ich  kann  aber  bei  keinem  meiner  Exemplare,  deren  doch 
eine  grosse  Zahl  ist,  an  dieser  Stelle  eine  B\mv  von  rother 
Färbung  entdecken. 

Infausta  ist  bei  uns  nicht  ĂĽber  das  eigentliche  Rlieinthal 
hinaus  verbreitet.  An  den  sonnigen  Abhängen,  welche  bis 
dicht  an  den  Fluss  herantreten,  findet  sich  die  Raupe  fast 
ĂĽberall,  wo  Schlehen  stehen,  Ende  Mai  in  solcher  Anzahl, 
dass  sie  ohne  grosse  MĂĽhe  zu  Hunderten  in  den  Schirm  ab- 
geklopft werden  kann.  Doch  entfernt  sich  der  Schmetterling 
nie  weit  vom  Rhein.  Auf  der  Höhe  des  Gebirges  kommt  er 
nicht  vor;  auch  in  den  zahlreichen  Schluchten,  von  denen 
das  rheinische  Schiefergebirge  durchbrochen  wiid,  steigt  er 
nur  eine  kurze  Strecke  auf.  Sobald  seine  Flugplätze  kaum 
eine  halbe  Stunde  vom  Rhein  entfernt  lagen,  traf  ich  ihn 
stets  einzeln,  während  er  in  der  Nähe  des  Flusses  selbst 
gemein  ist. 

Auffallend  war  mir  seinerzeit,  dass  ich  ihn  nicht  bei 
Geroldstein  im  Wisperthale  fand,  wo  doch  viele  Arten,  die 
sonst  nur  dem  Rheinthale  angehören,  heimisch  sind.  Doch 
misslang  der  Versuch,  ihn  dort  einzubürgern,  völlig.  Denn 
wiewohl  ich  an  einer  gĂĽnstig  gelegenen  Schlehenliecke  eine 
Anzahl  begatteter  Weiber  aussetzte,  so  konnte  im  nächsten 
Jahre  weder  Raupe,  noch  Schmetterling  gefunden  werden. 
Es  wĂĽrde  nach  allen  Beobachtungen  vergeblich  sein,  Infausta 
andersv\o,  als  im  eigentlichen   Rheinthale  zu  suchen. 


95 

Der  Schmetterling  entwickelt  sich  in  der  ersten  Hälfte 
des  Juli.  1875  traf  ich  im  Freien  das  erste  StĂĽck  den  2S. 
Juni.  1874  verliessen  die  ersten  Exemplare  am  -i.  Juli  ihre 
Puppen.  Am  13.  Juli  war  die  Entwickelung  auf  ihrem  Höhe- 
punkte angelangt:  sassen  doch,  als  ich  am  Morgen  dieses 
Tages  nachsah,  nicht  weniger  als  32  StĂĽck  in  dem  Topfe,  in 
welchem  ich  die  Raupen  gezogen  hatte!  Von  da  an  fiel  die 
Zahl  der  sich  täglich  entwickelnden  Schmetterlinge  rasch, 
bis  die  Erscheinungszeit  am  17.  Juli  mit  4  weiblichen  Nach- 
zĂĽglern ihr  Ende  erreicht  hatte.  In  der  Regel  findet  man 
gegen  8 — 9  Uhr  die  Schmetterlinge  bereits  ausgewachsen  vor; 
ja,  obwohl  das  Verlassen  der  Puppe  in  den  frĂĽhen  Morgen- 
stunden geschieht,  so  haben  sich  um  die  angegebene  Zeit 
doch  schon  einzelne  Paare  zusammengefunden.  Andere 
Schmetterlinge  kriechen  unruhig  umher,  und  es  geschieht  da- 
durch leicht,  dass  sich  die  FlĂĽgel  abschuppen.  Sonst  sind 
die  Thiere  träge.  Wenn  die  Zahl  der  ausgegangenen  Exem- 
plare nicht  zu  gross  ist,  so  lassen  sie  sich,  das  eine  nach 
dem  andern,  spiessen,  ohne  nur  einen  Versuch  zum  Entfliegen 
zu  machen.  Ja,  ich  beobachtete  sogar,  dass  Schmetterlinge, 
die  im  Umherkriechen  begriffen  waren,  sofort  stille  sassen, 
wenn  sie  mit  der  Nadel  berĂĽhrt  wurden. 

Im  Freien  wurde  der  Schmetterling,  wie  Ino  pruni  Schifi'., 
öfters  aus  Schlehenheckeu  aufgescheucht,  in  die  er  sich  bald 
wieder  niederliess.  Er  fJog  so  lebhaft  im  Sonnenscheine  um- 
her, dass  ich  Anfangs   MĂĽhe  hatte,  ihn  zu  erkennen. 

II.     Lithosia  unita  Hb. 

In  dem  Rössler''schen  „Ver zeichniss  der  Schmetter- 
linge Nassau'b''  v>ird  S.  35  nur  von  der  Stammart  Unita 
gesagt,  dass  sie  im  Rheinthale  vorkomme.  Die  Wirklichkeit 
ist  aber  die,  dass  die  grosse  Mehrzahl  der  Schmetterlinge  zur 
Form  Palleola  Hb.  gehöit,  und  da.^s  Unita  unter  ihr  nur  als 
einzelne  Seltenheit  vorkommt.  Unsere  rheinische  Palleola 
stimmt  mit  einem  ungarischen  Pärchen,  welches  ich  durch 
Staudinger'a  GĂĽte  erhielt,  ĂĽberein;  nur  sind  die  rheinischen 
Stücke  zum   Theile  grösser,  ihre  Vorderflügel  länger  gestreckt. 

1875  erzog  ich  den  Schmetterling  aus  der  Raupe,  die 
icli  nach  der  ĂĽeberwinterung  im  Mai  und  Juni  an  Moos  und 
Flechten,  sowohl  auf  der  Erde  wie  an  Felsen,  an  Mauer-  und. 
auch  einmal  an  Baumflechten  gefunden  hatte  und  erfolgreich 
mit  Salat  fĂĽtterte.  Wer  beschreibt  aber  mein  Erstaunen,  als 
ich  in  dem  ersten  StĂĽck,  welches  am  2U.  Juli  seine  Puppe 
verliess,  die  typische  Form  Arideola  Hering  erblickte,  wie 
ich    sie,    als    aus    Stettin    stammend,  von  Weynier  erhalten? 


96 

(Alis  anticis  grisei»,  margioe  antico  luteo,  cf.  Stgr.  Catal. 
p.  54.)  Es  wurde  nun  mit  Spannung  gewartet,  wieviel  Exem- 
plare dieser  Form  aus  den  zahlreichen  Puppen  pich  entwickeln 
würden;  doch  —  ich  erhielt  nur  noch  ab.  Palleola!  Auch 
im  Freien  fand  sich,  wiewohl  icli  dem  Schmetterling  eine 
besondere  Aufmerksamkeit  zuwandte,  nur  um  12.  August  ein 
geflogenes   2,  welches  zu  Arideola  gehörte. 

Unita  fliegt  an  sonnigen,  felsigen  Anhöhen  des  Rhein- 
thales  von  Ende  Juli  bis  Mitte  August,  1874  fand  ich  die 
Form  Palleola  Hb.  in  grosser  Zahl  auf  den  vertrockneten 
Bluten  von  Carlina  vulgaris,  wo  sich  die  Schmetterlinge  aus 
weitem  Umkreise  versammelt  hatten.  Doch  waren  die  meisten 
StĂĽcke  fĂĽr  die  Sammlung  unbrauchbar,  da  ihre  Farben  durch 
die  Wirkungen  des  Sonnenlichtes  gelitten  hatten.  Obwohl 
ich  nun  1875  an  denselben  Orten,  wo  ich  frĂĽher  den  Schmet- 
terling 80  zahlreich  gefunden,  wiederum  die  Carlina  unler- 
huchte,  so  fand  ich  ihre  BlĂĽten  doch  nur  ausnahmsweise  von 
einem  Falter  besetzt;  um  so  häutiger  besuchte  er  in  diesem 
Jahre  die  BlĂĽten  von  Eryngium  campestre.  Uebrigens  wird 
er  an  fehigen  Orten,  besonders  gegen  Abend,  auch  von  der 
Erde,  an  niederen  Pflanzen  und   aus    BĂĽschen    aufgescheucht. 

III.     L.  lutarella  L.  und  var.  pallifrons  Z. 

Unter  der  vorigen  Art  fand  ich  am  2.  August  1875  auf 
Erjngium  campestre  ein  frisches  c^  von  Lithosia  pallifrons, 
welches  ganz  dieselbe  Beschaifenheit  zeigt,  wie  ein  erzogenes 
Pärchen,  das  ich  von  Büttner  erhielt.  Bis  zum  17.  August 
gelang  es  mir,  im  Ganzen  9  StĂĽck  (2  rj,  7  $)  zu  sammeln. 
Pallifrons  fliegt  bei  uns  an  den  gleichen  Orten,  wie  Lithosia 
var.  palleola.  Ich  traf  die  Schmetterlinge  im  heissen  Sonnen- 
schein auf  den  BlĂĽten  von  Eryngium  campestre,  immer  an 
sterilen,  felsigen  Anhöhen,  wo  die  Raupen  an  Flechten  gelebt 
haben  konnten.  Da,  wo  die  genannte  Pflanze  fehlte,  wurde 
der  Falter  aus  niedrigen  BĂĽschen  aufgescheucht. 

Lutarella  kam  mir  bisher  im  Rheinthale  nicht  vor.  Ich 
möchte  daher  glauben,  dass  sie  bei  uns  durch  die  Form 
Pallifrons  vertreten  wird.  Ich  habe  die  Stammart  ĂĽberhaupt 
nnr  ein  einziges  Mal  gefangen:  1866  im  Frankfurter  Stadt- 
wald. Auch  Rössler  versicherte  mich,  dass  sie  ihm  seit  lan- 
gen Jahren  nicht  mehr  vorgekommen  sei;  in  dem  bekannten 
Mombacher  Walde,  wo  er  sie  früher  häufig  sammelte,  ist  sie 
seit   1857  verschwunden. 

Pallifrons  ist  neuerdings  in  einem  Exemplare  auch  bei 
Wiesbaden  gefunden  worden.  Da  hier,  wenigstens  frĂĽher, 
auch  die  Slammart  vertreten  war,  so  scheint  es,   als  komme 


97 

sie    in    der  Wiesbadener   Gegend    nur    als    eine    Abänderung 
(aberratio)  vor. 

In  dem  v.  Heinemann'schen  Werke  finde  ich  als  ein 
Unterscheidungsmerkmal  zwischen  Lutarella  und  Pallifrons 
unter  Anderem  angegeben,  dass  bei  letzterer  der  Vorderrand 
der  Hinterflügel  schmäler  grau  sei,  als  bei  ersterer.  In  Wirk- 
lichkeit weichen  in  diesem  StĂĽcke  die  einzelnen  Exemplare 
der  Pallifrons  sehr  von  einander  ab.  Ich  besitze  ein  cJ, 
welches  einen  grauen  Vorderrand  zeigt,  der  viel  breiter  ist, 
als  das  von  Büttner  erhaltene  c^;  dafür  lässt  ein  $  nur  eine 
schwache  Spur  eines  grau  angelegten  Vorderrandes  der 
Hinterflügel  erkennen."'^)  Immer  aber  ist  die  graue  Färbung, 
wie  ĂĽberhaupt  der  ganze  Schmetterling,  viel  bleicher,  als  bei 
der  Stammform  Lutarella. 

IV.     Agrotis  cuprea  Hb. 

Auf  einer  in  unsere  Rheinberge  eingezwängten  Wiese, 
wo  sie  im  Sonnenschein  verschiedene  BlĂĽten,  z.  B.  die  von 
Centaurea  jacea  besaugten,  fing  ich  am  21.  und  28.  August 
1875  von  dieser  schönen  Art  zwei  geflogene  cJcJ,  welche 
mit  6,  von  Zeller  aus  GraubĂĽndten  mitgebrachten  und  mir 
überlassenen  Stücken  völlig  stimmen.  Freund  Burkhardt  von 
Frankfurt  a.  M.,  der  mich  um  diese  Zeit  besuchte,  versicherte 
mich,  dass  er  ein  Exemplar  besitze,  welches  Dietze  am 
Brunhildisstein,  auf  der  höchsten  Kuppe  des  Feldbergs  (Taunus, 
2700')  gestochen.  Da  sie  nach  Rössler's  brieflicher  Mitthei- 
lung auch  in  der  Bergstrasse  gefunden  wurde,  so  ist  ihr 
Vorkommen  in  den  schlesischen  und  sächsischen  Gebirgen, 
welches  Staudinger  noch  bezweifelt  (Catalog  S.  84,  No.  1142), 
nicht  unwahrsclieinlich. 

V.     Agr.  forcipula  Hb. 

In  dem  Rössler'schen  Verzeichnisse  fehlt  diese  Art;  sie 
ist  aber,  wie  neuere  Beobachtungen  dargethan  haben,  im 
mittleren  Rheinthale  heimisch.  Ich  scheuchte  das  erste  StĂĽck 
den  1.  Juli  1874  aus  einer  Hecke  auf.  1875  wurde  Forcipula 
aus  der  Raupe,  die  ich  im  Mai,  gleichzeitig  mit  derjenigen 
von  Agr.  multangula  Hb.,  bei  RĂĽdesheim  unter  Galium  mol- 
lugo  auf  dem  Boden  versteckt  gefunden  hatte,  erzogen.  Der 
Schmetterling  verliess  seine  Puppe  in  der  Nacht  vom  9.  zum 


*)  Demselben  Wechsel  ist,  nur  nicht  in  so  hohem  Grade,  auch 
bei  unseren  rheinischen  StĂĽcken  von  ab.  Palleola  der  Vorderrand  dor 
TlinterflĂĽgel  unterworfen. 

1 


98 

10.  Juli.  Beide  Stücke  sind  dunkler  als  die  gewöliDliche 
Form,  wie  ich  sie  in  der  Sammlung  des  Herrn  Dr.  Rössler 
sah.  Ausserdem  zeigt  das  gefangene  StĂĽck  einen  sehr  deut- 
lichen äusseren  Querstreifen.  Speyer,  dem  es  zur  Ansicht 
mitgetheilt  wurde,  erwiderte,  das?  es  von  seinen  erdfarbig- 
braungrau  gefärbten  Exemplaren  durch  den  dunkleren,  blei- 
grauen Ton  verschieden  sei.  Jedenfalls  stimmt  die  Bezeich- 
nung „bräunlich-aschgrau'^,  die  auch  v.  Heinemann  für  die 
Grundfarbe  der  Forcipula  wählt,  nicht  zu  den  hiesigen 
StĂĽcken. 

VI.     Caradrina  superstes  Tr. 

Unter  einer  Anzahl  Eulenraupen,  welche  ich  im  Mai 
1875  unter  Galium  mollugo  sammelte  (s.  Nr.  V.),  befand  sich 
eine  nicht  weiter  beachtete,  aus  der  ich  am  18.  Juli  Cara- 
drina superstes  ^  erzog.  Eine  Vergleichung  mit  ungarischen 
Exemplaren,  welche  Rössler  von  Herrn  Dr.  Staudinger  bezog, 
ergab  vollste  Uebereinstimmuug.  Uebrigens  ist,  wie  das 
Rössler'sche  Verzeichniss  nachweist,  Superstes  schon  früher 
im  Nassauischen  gefunden  worden. 

VII.     Zanclognatha  Zelleralis  Wocke. 

Ein  Pärchen,  von  dem  mir  Zeller  schreibt,  dass  es  mit 
seinem  einzelnen,  von  Wocke  selbst  erhaltenen  Exemplare  in 
allem  Wesentlichen  stimme,  wurde  an  einem  Juliabend  1874 
bei  St.  Goarshausen  auf  blĂĽhenden  Brombeeren  gefangen. 

VIII.     Acidalia  contiguaria  Hb. 

Da  ich,  was  die  Zucht  aus  dem  Ei  betrifft,  bei  einer 
frĂĽheren  Besprechung  dieser  Art*)  von  einem  Mi&serfolg  be- 
richten mussle,  öo  ist  es-  mir  wohl  verstattet,  nun  auch  ein 
bessere»  Ergebniss  zu  registriren. 

Die  im  Sommer  1875  begonnene  Zucht  ■'"'•'j  ist  jetzt  been- 
digt; aus  28  Eiern  erzog  ich  im  Ganzen  26  Schmetterlinge, 
welche  an  Grösse  die  im  Freien  gefundenen  noch  überbieten. 

Die  Ueberwinterung  der  19  Räupchen  geschah  mit  bestem 
Erfolg  vor  einem  nach  Norden  gelegenen  Fenster.  Doch 
hatte  ich  aus  Vorsicht  den  Laden  geschlossen,  so  dass  das 
mit  Moos  gefüllte  Glas,  in  welchem  die  Räupchen  gezogen 
wurden,  zwischen  den  Laden  und  das  Fenster  zu  stehen  kam. 


")  Vgl.  Jahrgang  1874,  S.  83  dieser  Zeitschrift. 
''•')  Vgl.  Jahrgang  1875,  S.  227. 


99 

Auch  als  die  Ueberwinterung  beendet  war,  kounte  das  Glas 
an  dieser  Stelle  stehen  bleiben;  nur  wurde  jetzt  die  eine 
Hälfte  des  Ladens  geöflPnet,  um  den  Zutritt  der  Luft  zu  er- 
möglichen. Da  übrigens  der  Raupenbehälter  hinter  der 
noch  immer  geschlossenen  Hälfte  des  Ladens  stand,  so 
wurden  die  Thiere  durch  die  Wirkungen  der  Sonne  nicht 
weiter  belästigt.*)  Ich  habe  diese  Weise,  die  Arten  des 
Genus  Acidalia  zu  erziehen,  als  gut  erprobt.  Denn  nicht 
bloss  die  Contiguaria-Zucht  gelang  mir  völlig;  auch  die  sehr 
schwer  zu  ĂĽberwinternde  Raupe  von  A.  degeneraria  Hb., 
welche  selbst  einem  so  vorzüglichen  Züchter  wie  Dr.  Rössler 
in  der  Ueberwinterung  stets  zu  Grunde  ging,  wurde  auf  diese 
Weise  zum  Theile  gerettet. 

Vom  6.  bis  29.  Juni  verliessen  die  Contiguaria-Schmet- 
ferlinge  ihre  Puppen.  Wenn  auch  ihre  schwärzliche  Bestäu- 
bung nicht  bei  allen  Exemplaren  eine  gleich  dichte  war,  so 
gehörte  sie  doch  durchweg  zu  der  dunklen  Form,  var.  ob- 
scura.  Ein  $  ist  sogar  noch  stärker  schwarz  bestäubt,  als 
die  1874  erzogenen  StĂĽcke,  nach  welchen  ich  ursprĂĽnglich 
die  var.  obscura  beschrieb. 

Unter  dem  Namen  Trigeminata  Hw.  (Reversata  Tr.) 
sandte  mir  Herr  Major  von  Wacquant  ein  bei  Edenthal  im 
Harz  gefangenes  $  zur  Ansicht  zu,  welches  der  hellen  Con- 
tiguaria-Form  angehört  und  sich  durch  einen  starken  Mittel- 
punkt auf  allen  FlĂĽgeln  auszeichnet.  Bei  meiner  var.  obscura 
ist  der  Mittelpunkt  ein  feiner.  BĂĽttner  hat,  wie  er  mir 
schreibt,  die  helle  Form  auch  aus  Livland  erhalten. 

IX.    Eupithecia  pusillata  var.  (ab.)  laricis  Spr. 

Die  Mittheilungen,  die  Herr  Dr.  Speyer  ĂĽber  eine  an 
Lärchen  vorkommende  dunklere  Pusillata- Varietät  in  dieser 
Zeitschrift  veröffentlicht  hat  (1873,  S.  361),  veranlassten 
mich,  im  Mai  dieses  Jahres  einen  benachbarten  Lärchenwald 
zu  besuchen,  um  mich  zu  ĂĽberzeugen,  ob  Pusillata  auch  hier 
fliege  und  in  welcher  Form?  In  der  That  war  die  Stamm- 
art in  grosser  Zahl  vertreten;  obwohl  ich  aber  den  Wald 
vom  12.  bis  24.  Mai  fast  täglich  besuchte,  so  gelang  es  mir 
doch  nur  2  (5^,^  zu  sammeln,  welche  zu  der  Speyer'schen 
var.    laricis    gehören.     Ihre    Flügel    sind    russig    verdunkelt; 


*)  Die  frĂĽheren  Versuche,  den  Schmetterling  aus  dem  Ei  zu 
erziehen,  scheinen  missglückt  zu  sein,  well  ich  1.  die  Raupen  während 
des  Winters  in  einem  Keller  aufbewahrte,  und  2.  während  des  Sommers 
es  versäumte,  in  der  beschriebenen  Weise  die  Hälfte  des  Ladens  zu 
schliessen.  Die  Folge  war,  dass  die  heisse  Sonne  in  das  Glas  brannte 
lind  Raupe  sowohl  wie  Puppe  zu  Grunde  gingen. 

7'' 


100 

selbst  der  Körper  nimmt  eine  aschgraue  Färbung  an.  Alle 
Zeichnung  ist  verwaschen;  nur  der  grosse,  schwarze  Mittel- 
rand der  VorderflUgel  tritt  kräftig  liervor.  Die  Kränzen  sind 
minder  deutlich  gescheckt,  als  bei  der  gewöhnlichen  Pusillata. 
Doch  weichen  meine  Exemplare  in  einem  Punkte  von  der 
Speyer'schen  Beschreibung  ab:  die  verschwommene  Wellen- 
linie ist  nach  der  Wurzel  zu  dunkler  angelegt,  als  saum- 
wärts.  Da  indessen  alle  übrigen  Merkmale  stimmen,  so  halte 
ich  mich  berechtigt,  meine  Exemplare  zur  var.  laricis  zu 
ziehen.  Von  einem  $  der  gewöhnliclien  Form,  welches  ich 
von  Speyer  selbst  erhielt,  sind  sie  erheblich  verschieden. 

Ich  sammelte  nun  um  Lärchen  eine  andere  Pusillata- 
Form,  welche  sich  von  der  Stammart  dadurch  unterscheidet, 
dass  bei  ihr  die  kräftige  Zeichnung  reiner  schwarz  ist.  Die 
Wellenlinie  ist  beiderseits  in  gleicher  Stärke  russig-schwarz 
angelegt,  die  FlUgelspitze  nicht  oder  kaum  gelichtet.  Doch 
findet  sich  eine  lichtere  Stelle  saumwärts  um  die  Mitte  der 
Wellenlinie.  Da  diese  Form  eine  ebenso  helle  Grundfarbe 
hat  wie  die  typische  Pusillata,  so  erscheint  sie  auf  den  ersten 
Blick  viel  bunter. 

Uebrigens  gehörten  die  meisten  Pusillata,  die  ich  um 
Lärchen  fing,  ohne  Frage  zu  der  gewöhnlichen  P'orm.  Man 
wird  daher  fĂĽr  unsere  Gegend  sagen  mĂĽssen,  dass  allerdings 
ein  Theil  derjenigen  Pusillata-Schmetterlinge,  deren  Raupen 
sich  von  Lärchen  nährten,  die  Neigung  zeigt,  eine  russigere 
Färbung  anzunehmen;  dass  sich  aber  die  ausgeprägte  var. 
laricis  nur  selten  findet. 

Aus  der  hochgelegenen  Gegend  von  Dickschied  besitze 
ich  eine  Anzahl  von  Exemplaren  der  Pusillata,  deren  Grund- 
farbe eine  viel  dunklere,  grauere  ist,  als  die  der  gewöhn- 
lichen Form,  und  deren  Franzen  weniger  deutlich  gescheckt 
sind.  Die  kaum  angedeutete  Wellenlinie  ist  saumwärts  fast 
ebenso  dunkel  angelegt,  als  nach  der  Wurzel  zu.  Aber  die 
Zeichnung  ist  nicht  so  verwaschen  wie  bei  den  oben  be- 
schriebenen (^o  der  var.  laricis.  Nur  bei  einem  r^,  dessen 
Hinlerleib  auch  eine  Verdunkelung  zeigt,  ist  die  Wurzelhälfte 
der  Vorderflügel  mit  einem  dunkeln  Tone  so  gleichmässig 
übergössen,  dass  die  Zeichnung  zurücktritt.  Das  Mittelfeld 
dieses  StĂĽckes  zeigt  nur  hinter  dem  Mittelmonde  eine  etwas 
lichtere  Stelle.  Ich  möchte  auch  dieses  q^  zur  var.  laricis 
ziehen. 

Gefangen  sind  die  zuletzt  erwähnten  Stücke  am  Saume 
eines  Nadelholzwaldes,  wo  Lärchen  und  Rothtannen  unter- 
einander  wuchsen. 


101 


X.     Naturgeschichte  von  E.  indigata  Hb. 

Während  ich  am  7.  September  1874  in  einem  Kiefern- 
Hochwalde  nach  Cidaria  firmata  Hb.  suchte,  traf  ich  zufällig 
eine  mir  bisher  unbekannte  Eupithecia-Raupe,  welche  sich, 
ungefähr  3  Fuss  über  dem  Boden,  in  der  Nähe  eines  abge- 
brochenen Seitenastes  mit  dem  Vorderkörper  in  die  vermo- 
derten und  zerriebenen  Bestandtheiie  der  Rinde  hineingear- 
beitet hatte,  sich  von  diesen  nährend.  Nur  der  hintere  Theil 
des  Körpers  war  frei.  Trotz  eifrigen  Suchens  gelang  es 
weder  an  diesem,  noch  an  den  folgenden  Tagen  eine  zweite 
Raupe  zu  finden;  ich  hatte  es  wohl  nur  mit  einem  Spätlinge 
zu  thun.  Meine  Vermuthung,  dass  ich  die  im  Freien  bisher 
noch  Niemanden  vorgekommene  Raupe  der  Eupithecia  indi- 
gata Hb.  gefunden  haben  möge,  wurde  bestätigt,  als  in  der 
Nacht  vom  7,  zum  8.  Mai  1875  der  Schmetterling  (J'}  er- 
schien. 

Ich  lasse  hier  gleich  eine  Beschreibung  dieser  Raupe 
folgen,  obwohl  die  Notizen,  die  ich  mir  ĂĽber  sie  gemacht, 
weder  mit  der  Crewe'schen  Beschreibung  in  „The  Entomo- 
logist's  Annual  for  1863",  p.  124,  noch  auch  mit  derjenigen 
Raupenform  stimmen,  die  ich  selbst  1875  durch  die  Zucht 
aus  dem  Ei  kennen  lernte. 

Die  Raupe  ist  ziemlich  schlank,  der  Körper  nach  vorn 
verdünnt,  aucii  die  letzten  Segmente  schmäler  zulaufend. 
Grundfarbe  schmutzig  weissgrau.  Ueber  den  RĂĽcken  zieht 
sich  ein  breiter,  graubrauner  Längsstreifen,  welcher  in  Ueber- 
einstimmung  mit  dem  Körperbau  der  Raupe  auf  den  mittleren 
Segmenten  gleichbreit  ist,  auf  den  ersten  und  letzten  dagegen 
etwas  schmäler  zuläuft.  Die  Farbe  dieses  Streifens  ist  nicht 
scharf  abgegrenzt;  längs  der  Mitte  erscheint  er  am  dun- 
kelsten; nach  den  Seiten  zu  geht  er,  wenngleich  ziemlich 
rasch,  in  die  Grundfarbe  ĂĽber.  In  den  Gelenkeinschnitten 
ist  die  graubraune  Farbe  des  RĂĽckenstreifens  besonders  stark 
aufgetragen.  Subdorsalen  fein.  Am  deutlichsten  sind  sie  auf 
den  ersten  Segmenten.  Seitenkante  weisslich.  Unter  ihr 
zieht  sich  ein  breiter,  blass  graubrauner  Längsstreif  hin, 
welcher  beiderseits,  sowohl  gegen  den  Bauch,  wie  nach  der 
Seitenkante  zu,  ziemlich  scharf  abgegrenzt  ist.  ĂĽeber  die 
Mitte  ist  der  Bauch  hell  weissgrau.  Der  Kopf  der  Raupe 
ist  klein,  seine  Färbung  glänzend  nut^sbraun,  oben  stehen 
zwei  dunkle  Flecken.  Auf  dem  Nacken  ist  die  RĂĽckenlinie 
durch  einen  feinen,  hellen  Längsstrich  in  der  Mitte  getheilt; 
auf  jeder  Seite  steht  ein  länglicher,  nussbrauner  Fleck,  der 
sofort  in  die  Augen  fällt.     Die  vorderen  Füsse  nuss-braun,  die 


102 

hinteren  graubraun.  Afterklappe  schmutzig  gelbgrau.  Ge- 
lenkeinschnitte lein  gelblich.  —  Die  Raupe  war  in  ihren  Be- 
wegungen sehr  bedäclitig;  sie  kroch  wenig  und  langsam. 

Nach  dem  Vorgange  Crewe's,  der  die  Raupe  aus  dem 
Ei  erzogen  und,  soviel  ich  weiss,  die  erste  und  bis  jetzt  ein- 
zige Beschreibung  von  ihr  gegeben  hat,  versuchte  ich  1875 
die  Zucht  aus  dem  Ei,  und  zwar  mit  dem  besten  Erfolge. 
Die  Eier  wurden,  wie  Dietze  richtig  angiebt,*)  zwischen 
die  Nadeln  der  Kiefer  gelegt.  Zuweilen  sass  das  Ei  an  der 
Wurzel  des  Nadelpaares;  andere  waren  unregelmässig  zu  2 
und  3  bald  an  dem  oberen,  bald  an  dem  unteren  Theile  der 
Nadeln  festgeklebt,  aber  stets  auf  der  Innenseite.  Am  26.  Mai 
bemerkte  ich  zum  ersten  Male,  wie  die  jungen  Räupchen  an 
den  Nadeln  und  BlĂĽten  der  Kiefern  umherkrochen.  Ihr 
Körper  war  mit  dem  mehligen  Staube  der  Kiefernblüten  be- 
streut; von  einzelnen,  die  an  den  BlĂĽten  festsassen,  bemerkte 
ich,  wie  sie,  um  sich  zu  nähren,  den  Körper  in  jene  ein- 
tauchten. Ihre  Farbe  war  ein  schmutziges  Gelb,  der  Kopf 
glänzend  schwarzbraun.  Auf  dem  Nacken  trugen  sie  einen 
braunen  Fleck.  Der  Saum  zwischen  diesem  Fleck  und  dem 
glänzend  schwarzen  Kopfe,  welcher  die  Grundfarbe  durch- 
schimmern Hess,  sah  wie  ein  gelber  Querstrich  aus.  Die 
vorderen  FĂĽsse  waren  schwarz,  die  hinteren  zeigten  die 
Körperfarbe.  Als  ich  ihnen  am  andern  Tage  frisches  Futter 
gab,  war  ihre  Färbung  eine  dunklere  geworden:  ein  Zeichen, 
dass  sie  sich  inzwischen  genährt  hatten.  Der  grösste  Theil 
sass  an  den  BlĂĽten,  nur  einzelne  lang  ausgestreckt  an  den 
Nadeln  der  Futterpflanze. 

Die  jungen  Räupchen  gediehen  trefiflich,  ohne  dass  ich 
nöthig  gehabt  hätte,  auf  ihre  Zucht  eine  besondere  Mühe  zu 
verwenden.  Ich  zog  sie  vor  dem  Fenster  in  einem  Schoppen- 
glase; in  dasselbe  hatte  ich  ein  kleines  Gläschen  gestellt, 
welches,  mit  Wasser  gefüllt,  den  Räupchen-  einige  Zweige 
der  Nahrungspflanze  bot.  Ich  sorgte  dafĂĽr,  dass  sich  an  den 
Zweigen  sowohl  BlĂĽten,  als  junge  Nadeln  befanden,  auch 
wurde  später  ein  Aestchen  mit  2  unreifen  Zapfen  hinzugefügt. 
Anfangs  zogen  die  Räupchen  die  Blüten  vor;  später  wurden 
zahlreiche  Ueberreste  von  abgenagten  Nadeln  auf  dem  Boden 
des  Glases  vorgefunden.  In  einem  der  Zapfen  bemerkte  ich 
nur  ein  einziges  Mal  eine  kleine  Aushöhlung,  die  wohl  von 
einer   Raupe  hergerĂĽhrt  haben  mag. 

Am  14.  Juni  wurden  die  Raupen  zum  zweiten  Male  ge- 
fĂĽttert.    Wiewohl    sie    alle    von    einem    $  herstammten,  so 


»)  Jalirgany  1874,  S.  220  dieser  Zeitschrift. 


103 

zeigte  sich  dennoch  um  diese  Zeit  schon  ein  bedeutender 
Unterschied  in  ihrer  Grösse.  Einige  mochten  bereits  halb- 
wĂĽchsig sein;  andere  waren  in  ihrem  Wachsthum  zurĂĽckge- 
blieben. Viele  -  grosse  wie  kleine  —  waren  in  der  Häu- 
tung begriffen.  Die  Raupen  sa&sen  entweder  lang  ausge- 
streckt, oder  wie  ein  Aestchen  abstehend  an  den  Nadeln  der 
Kieferzweige. 

Als  ich  ihnen  am  J.  Juli  zum  3.  Male  frisches  Futter 
vorsetzen  wollte,  fand  ich  zu  meiner  Ueberraschung,  dass 
sich  bereits  eine  grössere  Zahl  —  9  Slück  —  ihre  Ge- 
spinnste,  in  denen  sie  sich  zu  verwandeln  im  Begriff  waren, 
zugerichtet  hatten.  Da  ich  im  Hinblick  auf  die  am  7.  Sep- 
tember 1874  erwachsen  gefundene  Raupe  eine  so  frĂĽhe  Ver- 
puppung nicht  vorausgesehen,  so  hatte  ich  es  bisher  unter- 
lassen, den  Boden  des  Glases  mit  einer  dichten  Lage  ge- 
trockneten Mooses  zu  bedecken.  Die  Raupen  waren  daher 
darauf  angewiesen,  sich  zu  verwandeln,  wo  es  gerade  ging: 
theils  hatten  sie  sich  in  den  vertrockneten  BlĂĽtenstand  ein- 
gebohrt, theils  waren  ihre  Gespinnste  an  der  Rinde  der 
Zweige  angebracht;  andere  hatten  die  Leinewand,  mit  der 
ich  das  Glas  zugebunden,  an  einer  Stelle  zusammengezogen 
und  sich  hier  ein  kleines  Gespinnst  zugerichtet. 

Ich  hielt  es  nun  an  der  Zeit,  nachzuforschen,  ob  es 
nicht  möglich  sei,  im  Freien  die  Raupe  zu  finden.  Daher 
besuchte  ich  am  7.  Juli  den  Ort,  wo  ich  den  Schmetterling 
im  Mai  besonders  zahlreich  gesammelt  hatte.  Es  war  dies 
der  Saum  eines  mittleren  Kiefernbestandes.  In  der  That  be- 
durfte es  nur  eines  kurzen  Versuche?,  um  aus  den  unteren 
Aesten  einige,  noch  nicht  halbwĂĽchsige  Indigata-Raupen  in 
den  Schirm  abzuklopfen.  Dass  die  Raupe  auch  im  Freien 
von  den  Nadeln  der  Kiefern  lebt,  ist  kein  Zweifel;  sie  scheint 
Ende  Juli  und  im  August  ihre  volle  Grösse  erreicht  zu  ha- 
ben. W^ohl  nur  selten  geschieht  es,  dass  eine  Raupe  bis  in 
den  September  lebt.  Fragt  man,  wie  jene  am  7.  September 
1874  gefundene  Raupe  dazu  kam,  sich  von  den  vermoderten 
Theilen  der  Kiefernrinde  zu  nähren,  so  möchte  ich  antworten, 
dass  sie  wohl  durch  einen  Sturm  vom  Baume  abgeschĂĽttelt 
wurde  und  beim  Hinaufkriechen  an  der  Stelle,  wo  ich  sie 
später  fand,  sitzen  blieb,  —  sich  hier  nährend,  eo  gut  es 
eben  gehen  wollte. 

Ich  gebe  nun  eine  Beschreibung  der  aus  dem  Ei  erzo- 
genen Raupen,  von  welchen  auch  die  im  Freien  gefundenen 
Exemplare  nicht  verschieden  waren.  Die  Raupe  bleibt  klein. 
Sie  ist  schlank,  gegen  den  Kopf  schmäler  zulaufend,  auch  die 


104 

letzten  Segmente  etwas  schmäler.  Grundfarbe  blass  'gelb- 
braun, die  Breite  des  RĂĽckens  (zwischen  den  Subdorsalen) 
dunkel  rothbraun,  längs  der  Mitte  am  dunkelsten.  Die 
letzten  Segmente  zeigen  eine  hellere  Färbung;  auf  ihnen  be- 
merkt man  deutlicii  eine  dunkelbraune  Mittellinie,  die  an 
einzelnen  Stellen  verstärkt,  an  andern  abgesetzt  ist.  Seiten- 
kante hellgelb,  etwas  weisslich.  Subdorsalen  gelb.  Der 
Raum  zwischen  ihnen  und  der  Seitenkante,  welcher  die  blasse 
Grundfarbe  zeigt,  wird  nochmals  von  einer  wenig  deut- 
lichen ,  gelblichen  Längslinie  durchzogen.  Der  Bauch  ist 
unterhalb  der  Seitenkante  dunkel  rothbraun,  ĂĽber  die  Mitte 
läuft  ein  breiter,  heller,  schmutzig  grauer  Längsstreif,  welcher 
gegen  die  dunkelbraune  Färbung  der  Seiten  ziemlich  scharf 
abgegrenzt  ist  und  in  der  Mitte  nochmals  von  einer  feinen, 
weisslichen  Längslinie  durchzogen  wird.  Doch  ist  die  letztere 
nur  durch  die  Lupe  zu  erkennen.  Der  Bauch  zeigt  gelbliche 
Segmenteinschnitte;  auf  dem  RĂĽcken  wurden  dieselben  nicht 
bemerkt.  Kopf  hell  rothbraun,  Afterklappe  gelb  gerandet. 
Alle  Füsse  hell  bräunlich.  Es  ist  dies  die  am  lebhaftesten 
gefärbte  Form  der  Raupe. 

Von  ihr  unterscheidet  sich  eine  andere  Form  dadurch, 
dass  die  gelben  Subdorsalen  verschwommener  sind.  Die 
Breite  des  RĂĽckens  ist  nicht  so  dunkel  rothbraun,  als  bei 
der  beschriebenen  Form.  Auf  allen  Segmenten  ist  eine 
Rückenlinie  sichtbar.  Dieselbe  entsteht  dadurch,  dass  längs 
der  Mitte  die  Färbung  des  Rückens  eine  dunklere  itt,  als 
nach  den  Seiten  hin.  Doch  ist  die  RĂĽckenlinie  nicht  scharf 
abgegrenzt.  Vielmehr  wird  die  Färbung  des  Rückens  nach 
den  Seiten  zu  immer  heller.  Der  Raum  zwischen  der  Seiten- 
kante  und  den  Subdorsalen  ist  von  einer  gelblichen  Längs- 
linie nicht  durchzogen. 

Eine  dritte  Form  der  Raupe  stimmt  mit  der  unter  No.  2 
beschriebenen  ĂĽberein;  nur  ist  die  Grundfarbe  blass  graubraun. 
Die  Subdorsalen  sind  wenig  deutlich;  ihre  Farbe  ist,  wie  die 
der  Seitenkante,  schmutzig  weissgelb.  Es  schien  mir,  als 
seien  die  Raupen,  welche  diese  Färbung  zeigten,  im  Begriff, 
sich  zu  verwandeln. 

Das  ĂĽberwinternde  PĂĽppchen'*)  ist  schlank,  kaum  etwas 
kräftiger,  als  dasjenige  von  E.  irriguata  Hb.,  welch  letzteres 


*)  In  einzelnen  Eupithecia-Puppen  bildet  sich,  obwohl  sie  den 
Winter  ĂĽber  liegen,  schon  im  Herbste  der  Schmetterling  aus.  So 
besass  ich  einst  2  Puppen  von  E.  satyrata  Hb.,  deren  eine  bereits  im 
Herbste  die  deutlich  ausgeprägte  Zeichnung  des  Schmetterlings  durch- 
schimmern Hess,  während  .sie  doch  beide  erst  im  nächsten  Früh- 
jahre fast  zu  gleiclier  Zeit  die  Schmetterlinge  ergaben. 


105 

das  schmächtigste  von  allen  mir  bekannten  Eupithecia- 
PĂĽppchen  ist.  Seine  FlĂĽgelscheiden  sind  gegeneinander  ge- 
neigt, seine  Färbung  ist  hell  rolhbraun.  Das  unbezeiehnete 
Brustschild  giebt  die  Grundfarbe  am  deutlichsten  wieder,  die 
RĂĽckensegmente  und  die  FlĂĽgelscheiden  zeigen  einen  dun- 
kleren Ton, 

Indigata  ist  ĂĽber  das  ganze  Taunusgebiige  verbreitet. 
Ich  fand  sie  bei  Oberursel,  häufiger  bei  Dickschied  und 
Bornicii.  Ihre  Flugzeit  beginnt  gleichzeitig  mit  derjenigen 
der  E.  pusillata  Fabr.,  doch  hält  sie  nicht  so  lange  an.  Der 
Schmetterling  kam  mir  ebenso  häufig  in  Kiefern-,  wie  in 
Kothtannenwaldungen  vor,  woraus  ich  schliesse,  dass  die 
Raupe  auch  auf  den  letzteren  lebt.  Um  Lärchen  fand  ich 
Indigata  nie,  wiewohl  der  Wald,  wo  ich  sie  im  Mai  1875 
häufig  fing,  zur  oberen  Hälfte  aus  Kiefern,  zur  unteren  aus 
Lärchen  besteht.  Sollte  die  Raupe  den  letzteren  Baum  ver- 
schmähen? 

XI.     Botys  trinalis  var.  Bornicensis  m. 

Zwei  (^o  dieser  schönen  Varietät  sammelte  ich  Ende 
Juni  1875  in  den  Bergen  des  Rheinthaies.  Die  Vergleichung 
mit  einem  Pärchen  der  Stammart,  welches  Herr  Dr.  Rössler 
aus  Wien  bezog,  ergab  wesentliche  Abweichungen,  unsere 
rheinischen  Stücke  sind  kleiner  als  die  österreichischen,  die 
Vorderflügel  mehr  in  die  Länge  gezogen,  der  Aussenrand 
schräger  und  dadurch  die  Spitze  der  Vorderflügel  schärfer. 
Während  bei  den  Wiener  Exemplaren  die  Grundfarbe  in's 
Schwefelgelbe  zieht,  ist  sie  bei  unseren  rheinischen  eine 
feurigere,  das  Gelb  ein  lebhafteres.  Da  die  braune  Färbung 
einen  breiteren  Raum  einnimmt,  so  erscheint  der  ganze 
Schmetterling  dunkler.  Die  Querlinien  dicker  als  bei  den 
österreichischen  Exemplaren;  der  Vorderrand  und  die  unter 
den  Makeln  herziehende  Querlinie  braun.  Der  Hauptunter- 
schied liegt  indessen  in  der  braunen  Färbung  des  Aussen- 
randes.  Diese  ist  bei  den  österreichischen  Exemplaren  wur- 
zelwärts  gegen  die  schwefelgelbe  Grundfarbe  scharf  abge- 
grenzt, während  sie  bei  unseren  rheinischen  Stücken  allmählich 
in  die  Grundfarbe  zerfliesst.  Die  HinterflĂĽgel  sind  dunkler 
als  bei  der  Stammart;  die  braune  Färbung  des  Aussenrandes 
reicht,  besonders  an  der  Spitze,  dicht  an  die  äussere  Quer- 
linie heran.  Auf  der  Unterseite  sind  alle  FlĂĽgel  mit  einem 
braunen  Tone  angeflogen. 

Die  HĂĽbner'sche  Abbildung,  welche  ich  verglichen,  weicht 
von  der  Stammart  dadurch  ab,  dass  die  Färbung  des  Aussen- 


106 

randes  eine  kalt  bleigraue,  statt  eine  brauue  ist.  Dennoch 
«timmt  sie  zu  den  österreichischen  Exemplaren  besser  als  zu 
unseren  rheinischen,  mit  welchen  sie  nicht  vereinigt  werden 
kann.*) 


Eine  neue  Art  der  Gattung  Aspila 
(Eurychoridse), 

von 
Dr.  Ci«  Ilaagr« 


Von  der  Gattung  Aspila  Fahr.  (Col.  Caflr.  p.  256),  weiche 
sich  durch  die  Flügeldeckenleisten,  das  gezähnte  Kopfschild 
und  die  spitzen,  vorstehenden  Zähnchen  an  der  Basis  des 
Halsschildes  auszeichnet,  war  mir  bis  jetzt  nur  die  eine  Art 
bicostata  Fähr,  aus  Caffrarien  bekannt.  Herr  Director  Dr. 
Dobrn  war  so  freundlich,  mir  eine  zweite  Art  dieser  inter- 
essanten Gattung  aus  dem  SĂĽden  von  Habesch  mitzutheilen, 
deren  Beschreibung  ich  hier  folgen  lasse. 

Aspila  Dohrni  n.  sp.  Ovata,  atra,  opaca,  epistomate  late 
emarginato,  bidenticulato;  thorace  transverso,  lateribus  ex- 
planatie,  foliaceis,  margine  crenulato,  anlice  profunde  emar- 
ginato, basi  medio  leviter  exciso,  angulis  posticis  in  dentem 
productis,  supra  granulatis;  eljtris  breviter  ovalibus,  margine 
duabusque  costis  crenulatis,  dorso  granulatis  pilisque  longis 
brunneis  sparsim  obsitis;  epipleuris  inflexis,  profunde  diffuse 
punctatis,  antice  linea  elevata  obliqua  tenui,  notatis. 

Long.  8  mill.  (capite  incl.),  lat.  4  mill. 


â– *)  FĂĽr  das  uassauische  Rheinthal  sind  folgende  Alicrolepidopteien 
neu:  Botys  flavalia  var.  lutealis  Dup.  (liäulig),  Crambus  saxonellus 
(4  Exp.  1875),  Conchylis  zephyrana  var.  dubrisana  Curt.  (häufig), 
Ateliotum  hungaricellura  Z.  (ĂĽberall  in  den  Rheinbergen  verbreitet, 
aber  nur  einzeln),  Tinea  nigripunctella  Hw.  (1875  unter  Tinea  parie- 
tariella  II -S.  nicht  selten,  nach  Sonnenuntergang  fliegend),  Ana- 
campsis  remissella  Z.  (1  Ex.),  Aplota  Kadeniella  H.-S.  (2  Exemplare, 
den  9.  und  14.  Juni  1875  gleichzeitig  und  an  denselben  Orten  mit 
Nigripunctella  und  Parietariella  nach  Sonnenuntergang  fliegend), 
Alucita  desmodactyla  Z. 

Von  Margarodes  unionalis  Hb.  ling  ich  ein  $  bei  Oberursel 
(Taunus)  im  August,  Abends,  an  HaideblĂĽte. 

Eine  ausfĂĽhrlichere  Besprechung  dieser  Arten  behalte  ich  mir 
für  spätere  Zeit  vor. 


107 

FĂĽhler  flach,  etwas  zusammengedrĂĽckt,  3.  Glied  fast 
etwas  grösser  als  4  und  5  zusammengenommen.  Clypeus 
vorne  weit  ausgeschnitten,  so  dass  die  Oberlippe  deutlich 
sichtbar  ist,  in  der  Mitte  des  Ausschnittes  mit  2  kleinen 
Zähnchen.  Der  obere  Theil  der  Augen  ist  klein,  länglich, 
und  liegt  in  einer  tiefen  Grube,  welche  sich  nach  dem  Cly- 
peus zu  zieht;  die  Augenkiele  sind  erhaben  und  nach  der 
Stirne  zu  gebogen,  wo  sie  sich  fast  mit  einer  Längsleiste, 
welche  über  den  Clypeus  läuft,  vereinigen;  die  ganze  Ober- 
fläche ist  fein  und  dicht  gekörnt.  Halsschild  sehr  quer,  fast 
dreimal  breiter  als  lang,  seitlich  stark  verbreitert  und  etwas 
aufgebogen,  vorne  tief,  rechtwinklig  ausgeschnitten,  Vorder- 
ecken weit  vorgezogen  und  abgerundet,  Seitenrand  crenulirt, 
weit  ausgebogen,  nach  hinten  bis  da,  wo  die  Schultern  mit 
der  Basis  zusammenstossen,  abgerundet  und  hier  mit  einem 
kleinen,  nach  rückwärts  gerichteten  Zähnchen  versehen; 
Basis  zwischen  den  Zähnchen  ausgeschnitten,  Oberfläche  durch 
einen  Quereindruck  ĂĽber  die  Mitte  etwas  uneben,  mit  spitzigen 
Granulationen  ziemlich  dicht  bedeckt.  FlĂĽgeldecken  etwas 
breiter  als  der  Thorax,  kurz  eirund,  nicht  ganz  doppelt  so 
lang  als  breit,  ohne  vorstehende  Schultern,  seitlich  ganz 
gleichmässig  gerundet,  auf  dem  Rücken  leicht  niedergedrückt, 
Rand  und  2  nach  aussen  geschwungene,  nach  hinten  etwas 
verkürzte  Rippen,  welche  übrigens  dem  Rande  zu  näher 
liegen  als  der  Naht,  scharf  erhaben  und  gezähnt;  Naht  leicht 
angeschwollen,  ungezähnt;  Oberseite  etwas  kräftiger,  aber 
weniger  spitzig  als  der  Thorax  granulirt  mit  zwischenge- 
streuten kleineren  Körnchen  und  einzelnen  langen  bräunlichen 
Haaren.  Epipleuren  grob,  zusammenfliessend  punktirt,  mit 
dem  fĂĽr  einige  Eurychoridengattungen  charakteristisch  feinen 
Querleistchen.  —  Vorderbrust  dicht  granulirt,  Segmente  leicht 
glänzend,  etwas  weitläufiger  mit  Granulation  bedeckt. 

Die  Art  unterscheidet  sich  von  bicostata  durch  ihre  mehr 
rundlichen  Flügeldecken  und  hauptsächlich  durch  die  Granu- 
lirung  der  Oberseite.  Sie  hat  das  Aussehen  einer  kleinen 
Pogonobasis  opatroides  mit  gerippten  FlĂĽgeln. 


108 


Zur  Synonymie, 

von 
Dr.  CĂĽ.  Haas. 


In  Betreff  des  Artikels  von  Prof.  H.  Burmeister  im  vo- 
rigen Jahrg.  S.  265  ĂĽber  argentinische  Melasomen  habe  ich 
Folgendes  zu  bemerken: 

i.  Cardiogenius  cicatricosus  Burm.  wĂĽrde  wegen  des 
von  Solier  (Ann.  de  la  soc.  ent.  1836,  p.  494)  beschriebnen, 
gleichnamigen  Card,  nicht  aufrecht  erhalten  werden  können, 
wenn  die  Burm.  Art  nicht  schon  von  Fairmaire  in  den  Ann. 
del  Mus.  civico  di  Genova  IV,  p.  2  als  Card,  granulatus 
(scabratus  Deyr.  in  lit.)  beschrieben  wäre. 

2.  Card,  hirsutus  Burm.  ist  identisch  mit  C.  crinifer 
Fairm.  1.  c.  und  mit  C.  capillatus  Deyr.  in  lit.  und  C.  cri- 
nitus  Chevr.  in  1. 

3.  Card,  subcostatus  Burm.  halte  ich  für  Varietät  von 
C.  cicatricosus  Sol.,  der  eben  so  häufig  als  veränderlich  ist, 
und  oft  die  beiden  Rippen  (utroque  bicostato)  zwischen  den 
unregelmässigen  Streifen  der  Eljtra  zeigt. 

Die  kurze  Beschreibung  Burmeister's  passt  vortrefflich 
auf  abgeriebne  Exemplare  des  cicatricosus  Sol.,  welche  die 
gewöhnlicheren  sind. 


Pieris  brassicse, 

die  Gewaltige,  von  welcher  ich  bereits  in  dieser  Zeitung 
(Jahrg.  1861,  S.  82)  als  Augenzeuge  berichten  konnte,  dass 
sie  vermag,  „einen  Bahnzug  in  voller  Fahrt  zu  bremsen*^, 
hat  wahrscheinlich  im  berechtigten  Aerger  ĂĽber  unser  vom 
tollen  Zweifelhunde  (cf.  Lateau,  Lourdes  etc.)  gebissenes 
Jahrhundert  denselben  Wundereffect,  oder  doch  einen  ganz 
ähnlichen  wiederholt. 

In  den  „Verhandlungen  des  Vereins  für  naturwissenschaft- 
liche Unterhaltung  zu  Hamburg  1871—1874'^,  welche  J875 
bei  L.  Friederichsen  &  Co.  in  Hamburg  vom  Geschäftsführer 
Schmeltz,  dem  verdienstlichen  Custos  des  berĂĽhmten  Godef- 
froj\'chen   Museums  veröffentlicht  sind,  findet  man  S.   17  die 


109 

Notiz,  dass  „kurz  vorher"  (die  Sitzung  fand  am  2,  Juni  1871 
statt)  „auf  der  Hamburg-Lübecker  Eisenbahn  zwischen  Ham- 
burg und  Wandsbeck  eine  Verkehrsstörung  stattfand.  Es 
wurden  hier  bei  einer  Wanderung  der  Raupen  von  Pieris 
brassiese  (von  einem  der  dort  befindlichen,  vollkommen  kahl 
gefre.ssnen  Kohlfelder  nach  einem  andern  jenseit  der  Schienen) 
Tausende  derselben  durch  die  Räder  zerquetscht,  und  dadurch 
die  ZĂĽge  in  ein  derartiges  Rutschen  auf  der  ohnehin  bergab- 
führenden Strecke  gebracht,  dass  der  Verkehr  während  meh- 
rerer Tage  nur  dadurch  zu  ermöglichen  war,  dass  die 
Schienen  mit  Sand  bestreut  wurden.^' 

Die  „mehreren  Tage^  lauten  allerdings  bedenklich,  da 
sie  kaum  eine  andre  Wahl  lassen,  als  entweder  an  eine 
schwerglaubliche  „mehrtägige  Procession  der  Raupen"  oder 
an  eine  „unglaublich  nachlässige  Revision  der  Schienen  resp. 
Reinigung  der  Bahnstrecke''  zu  denken.  Eher  Hesse  sich 
vermuthen,  dass  der  Wortlaut  nicht  exact  gefasst  ist.  FĂĽr 
mich  liegt  bei  diesen  Vorgängen  das  Interessanteste  in  der 
Frage:  warum  entschlossen  sich  die  Raupen  zu  der  Wande- 
rung in  Masse  erst,  als  das  ganze  Kohlfeld  abgefressen  war, 
und  nicht  (theilweise  wenigstens)  schon  frĂĽher?  Mit  der 
scheinbar  nahe  liegenden  Abfertigung:  „sie  frassen,  was  ihnen 
vor  der  Nase  lag  und  mussten  dann  weiter,  dahin,  wo  sie 
neuen  Kohl  rochen",  möchte  ich  mich  nicht  abweisen  lassen. 
Es  muss  doch  nothwendig  ein  Moment  gewesen  sein,  in 
welchem  ein  Leithammel  oder  eine  Leitraupe  den  bis  dahin 
verachteten  Weg  ĂĽber  die  Schienen  eingeschlagen  hat,  und 
wenn  dies^er  neue  Weg  ĂĽbereinstimmend  von  der  ganzen  un- 
geheuren Zahl  eingeschlagen  wird  —  wollte  da  Jemand  be- 
haupten, dass  diese  Hunderttausende  StĂĽck  fĂĽr  StĂĽck  sich 
durch  Bekriechen  des  ganzen  Kohlfeldes  erst  von  dessen 
KahJgefressenheit  überzeugt  hätten?  oder  dass  sie  so  feine 
Geruchsorgane  hätten,  um  dadurch  wissen  zu  können:  „auf 
dem  langen  Felde  A  diesseit  der  Schienen  stehen  nur  noch 
kahle  Strünke,  aber  auf  B  jenseit  sind  noch  Kohlblätter  zu 
haben?" 

In  gewissem  Zusammenhange  mit  dieser  Geruchfrage 
steht  folgende  Thatsache,  die  mir  vor  etwa  20  Jahren  in 
meinem  Garten  auffiel.  Ich  stand  neben  zwei  Loniceren- 
GebĂĽschen,  die  um  etwa  zwei  Schritt  auseinander  und  beide 
in  angehender  Blüte  standen.  Plötzlich  kam  ein  Schwärm 
Cantharis  vesicatoria  von  SĂĽdost  geflogen,  liess  sich  auf  einem 
dieser  Büsche  nieder  und  frass  gierig  an  den  Blättern.  An 
die  Stelle  der  nach  Nordwest  weiterfliegenden  sattgewordnen 
rückten  beständig  neue  Ersatzfresser  von  Südost,  und  es 
währte  nicht  eben  lange,  dass  sie  den  ganzen  Busch  ziemlich 


110 

kahl  gefressen  hatten.  Aber  nicht  einer  Cantharis  war  es 
eingefallen,  den  Nachbarbusch  derselben  Pflanze  zu  besuchen, 
und  als  der  erste  Busch  beinah  kahl  war,  floaten  sie  vorĂĽber, 
ohne  anzuhalten.  Hiebei  fiel  natĂĽrlich  das  Moment  eines 
^massgebenden  Leithammels"  vollständig  weg,  jede  einzelne 
Cantharis  agirte  selbständig;  und  doch  war  der  befressene 
Lonicerenbusch  noch  nicht  derart  entblättert,  dass  nur  noch 
Stiele  und  Holz  übrig  gewesen  —  sowie  wahrscheinlich  bei 
den  abgefrespnen  Wandsbecker  Kohlfeldern  noch  einzelne 
StrĂĽnke  mit  geniessbaren  Resten  vorhanden  waren,  als  sich 
die  Raupenlegion  zu  dem  verhängnissvollen  Flankenmarsch 
ĂĽber  die  Schienen  entschloss.  Welcher  Art  war  nun  aber 
das  Sensorium  commune?? 

C.  A,  »olirn. 


Intelligenz. 


FĂĽr  Neuropterologen. 

In  unserm  Verlage  erscheint: 

A    Monographie   Revision    and    Synopsis 

Ol'  the 

Trichoptera  of  the  European  Fauna 

by 

Robert  IHc^  Ijaclilan. 

Das  vollständige  W^erk  wird  einen  Band  in  gr.  8.  mit 
etwa  50  Kupfertafeln  bilden. 

Erschienen  Heft  1  und  2  mit  11  Kupfertafeln.  Preis 
14  M.  Gegen  Einsendung  des  Betrages  liefern  wir  diese 
Hefte  umgehend  franco,  so  wie  die  Fortsetzung  sofort  nach 
Erscheinen. 

Entomologische  Lager-Cataloge  auf  Verlangen  gratis  und 
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Kerl  in,  NW.,  Carlstrasse  11. 

R.  Friedländei*  <&*  Nf»lin. 


111 


Zum  Mitglieder -Verzeichniss 

sind  ausser  den  S.  26  dieses  Jahrgangs    bemerkten  Verände- 
rungen noch  folgende  inzwischen  bekannt  geworden: 
Gestorben  sind  die  Herren: 

Bach  mann  in  Insterburg. 
Damm  in  Magdeburg, 
Fraude  in  ZĂĽllchow. 
Gressner  in  Rochlitz. 
C.  J.  Milde  in  LĂĽbeck. 
MĂĽller  in  Neustadt-Eherswalde. 
Richter  in  Potsdam. 
Schreckenbach  in  Chemnitz. 
Völcker  in  Eiber feld. 
Baron  Welser  in  NĂĽrnberg. 
Zu  berichtigen  sind  die  frĂĽheren  Wohnorte   der   Herren : 
Eich  hoff,  jetzt  Kais.  Oberförster  in  Saarburg. 
Frey-Gessner,  jetzt  Gustos  am  entom.  Museum 

in  Gen4ve. 
Funke,  nach  Amerika  ausgewandert. 
Mangold,  Oberforstmeister  in  Danzig. 
Graf  Matuschka,  jetzt  Forstrath  a.  D.  in  Breslau. 
Albert  MĂĽller,    wohnt    nicht    mehr    in     England, 
sondern  in  Basel. 
Im   Verzeichnisse  war  irrthĂĽmlich  ausgelassen: 
Herr  Dr.  O^car  Struve  in  Leipzig. 


Es  wird  wiederholt  darum  gebeten,  Veränderungen, 
welche  sich  auf  den  Bestand  und  die  Wohnsitze  unserer 
Vereinsmitglieder  bezielieu,  freundlichst  uns  mittheilen  zu 
wollen,  damit  das  im  nächsten  Jahrgange  zu  gebende  Ver- 
zeicliniss  möglichst  correet  ausfalle. 

Red. 


112 


Bericiltigiiiig. 


Herr  M.  Korb  bittet,   den  Schreibfehler  der  Jahresz.ahl 
1872/ 73  (S.  32,  Z.  7)  in  1873|74  zu  berichtigen. 

Red. 


Iitlialt: 

Neujahrs-Note  zum  Reichs-Text  S.  3.  Rede  zur  Stiftungsfeier 
S.  f).  Mitglieder-Verzeichniss  S.  26.  Korb:  Insecten-Beobachtungen 
in  der  Libyschen  WĂĽste  S.  27.  MĂĽschler:  Exotisches  (Scudder's 
Synon.  List)  S.  32.  Ritsema:  Paussus  Woerdcni  S.  42.  Cornelius: 
Eine  neue  Insectenquelle  (Gasometer-Bassin)  S.  43.  Reitter:  Nach- 
trag zu  Lathridiidse  S.  50.  Wehncke:  Dytiscus  persicus  n  sp.  S.  52. 
Stein:  Neue  Tenthredoniden  S.  53,  Keferstein:  Lepidopterolo- 
gisches  S.  62.  Lichtenstein:  Zur  Systematik  von  Phylloxera  S.  64. 
ĂĽohrn:  Literatur  (Westwood's  Thesaurus  oxou.)  S.  65.  Koltzo: 
Englische  Notizen  S.  67.  Ăźrischke:  Lepidopt.  Notizen  S.  68. 
Emery:  Ueber  hypogäische  Ameisen  S.  71.  Dohrn:  Exotisches 
(Liberiana)  S.  77.  Dohrn:  Rhinocles,  nov,  Genus  Calandr.  S.  86. 
Spängberg:  Ueber  drei  hochnord.  Arten  Cupido  S.  91.  Fuchs: 
Lepidopt.  Mitth.  aus  d.  nassauischen  Rheinthale  8.  94  Haag:  Aspila 
Dohrni  n.  sp.  S.  106.  Haag:  Zur  Synonymie  d.  Melasomen  Bur- 
meiater's  8.  108.     Dohrn;  Pieris  brassicse  S.  108.     Intelligenz  S.  110. 


Au.sgegeben  Mitte  Deeember   1875. 


Entoiiiolos*i(iche  Zeitung 


herausgegeben 

von  dem 


eiitomologisclieĂĽ  Vereine  zu  Stettin. 

Redaction*  ^"^  Commission  bei  den  Buchhandl. 

C.  A.  Dohrn,  Vereins-Präsident,    v.  L  S.Mittlerin  Berlin  u.  Fr.Fleischer 
'  in  Leipzig. 

No.  4-6.  37.  Jahrgang.      April -Juiii  1876. 


Vereins- Angelegenheiten. 


In  der  Sitzung  am  9.  December  v.  .).  bestätigte  sich  die 
alte  Erfahrung,  dass  die  geehrten  Doniini  entomologi,  Mitglieder 
und  Nichtmitglieder  unsers  Vereins,  bei  einbi'eehendem  Winter 
die  ĂĽber  Ă–dinnier  eingetrocknete  Correspondenztinte  wieder 
frisch  nachgelullt  hatten  —  es  waren  seit  der  letzten  Sitzung 
ini  October  über  90  Bi-iefe  eingelaufen.  Zum  Theil  erklärt 
sich  das  ganz  natürlich  aus  dem  Umstände,  dass  der  „Som- 
merfang'''  bis  dahin  die  tVeie  MĂĽsse  ĂĽberwiegend  in  Anspruch 
genommen  hat,  und  dass  erst  nach  ĂĽbersichtlicher  Anordnung 
desselben  manche  Anlässe  hervoi-trcten,  die  Vermittlung  des 
Vereins  in  Anspruch  zu  nehmen.  Zum  Theil  aber  kommt  es 
augenscheinlich  daher,  dass  manche  der  geehrten  Collegeu 
(^namentlich  unter  tlenjenigen,  welche  auf  dem  Lande  oder  in 
kleinern,  von  dem  W^eltgetriebe  weniger  berührten  Städten 
wohnen),  sieh  keinen  deutlichen  Begriff  davon  machen,  w^e 
sich  in  grössern  Städten  in  den  Wochen  kurz  vor  Weihnachten 
und  um  die  Neujahrszeit  herum  (k^r  Poslverkehr  gestaltet. 
Abgesehen  von  der  unvermeidlichen  Misshandlung  der  Pakete 
( —  von  deren  Bezeichnung  mit  „Vorsichtig"^,  „Zerbrechlich"'', 
oder  Bemalung  mit  Flaschen  manche  naiv  Unei'fahrne  sich 
zarte  Rücksichten  versprechen  — )  leidet  selbst  die  Beförderung 
der  Briefe  und  Postkarten  um  diese  verhängnissvolle  Zeit  unter 
dem  Druck  der  üeberzahl  —  auch  ih'<'  Postbeamten  sind  nur 
sterbliche  Menschen  und  ultra  jxtsse  nemo  obligatur! 
Deshalb  wäre  zu  wünschen,  dass  die  y;eehrteu  Petenten  manche 


114 

im  Sommer  und  Herbst  bereits  deutlich  formulirbare  WĂĽnsche 
nicht  erst  auf  den  Winter  verschöben,  sowie  umgekehrt 
manches  Begehrenjnieht  darunter  leiden  wĂĽrde,  wenn  es  nicht 
im  December,  sondern  erst  in  der  zweiten  Hälfte  Januar's  an- 
gemeldet wĂĽrde,  wo  sich  die  Hochflut  der  Briefe  und  Pakete 
schon  wieder  auf  den  Durchschnitt  ermässigt  hat.  Das  be- 
kannte Sprüchwort:  „Gelehrten  ist  gut  predigen"  passt  hier 
ausnehmend  erbärmlich,  denn  sie  gerade  sind  vorzugsweise 
mit  dieser  harmlosen  Philippica  gemeint  —  die  Geschäftsleute 
lernten  längst  aus  der  Praxis,  dass  eine  umgehende  Antwort 
sich  leichter  und  viel  schneller  schreibt,  als  eine  verschleppte. 
Time  is  money. 

In  der  Sitzung  wurden  als  Mitglieder  vorgeschlagen    und 
in  den  Verein  aufgenommen  die  Herreu: 

Max  Bastelberge  r,  K.  bair.  Artillerie -Lieutenant  in 
MĂĽnchen, 

Dr.    Tycho    Tullberg,    Docent    an    der    Universität 
Upsala, 

Dr.  Jacob  Spängberg  ebenda, 

Friedr.  von  Half  er  n  in  Burtscheid  bei  Aachen. 
S.  Exe.  der  General -Gouverneur  von  Niederländisch- 
indien, van  Lansberge,  spricht  in  seinem  Briefe  (Buitenzorg, 
2.  Oct.)  den  Dank  fĂĽr  das  ihm  ĂĽbersendete  Ehrendiplom  auw 
und  bemerkt,  dass  nach  allen  bisherigen  Wahrnehmungen, 
(soweit  die  Central-Administration  von  25  Millionen  Mensehen 
ilim  dazu  die  begreitlich  beschränkte  Müsse  gelassen),  es  den 
Anschein  habe,  als  werde  je  länger  je  bedenklicher  die  auf- 
fallende Zunahme  der  Ameisen  allen  ĂĽbrigen  Land-Insecten, 
uamenthch  den  Käfern  (etwa  mit  Ausnahme  der  Buprestiden, 
Lamellicornien  und  Chrysonielinen)  verderblich  werden. 

Ur.  C  Mi,  Dohrn. 


115 


Exotisches 

von 


(Fortsetzung  der  Liberiana  S.  86.) 

Zunächst  wäre  über  eine  kleinere,  im  November  1875 
hier  in  Stettin  eingetrotlhe,  demnach  also  etwa  in  den  Mo- 
naten Juli  bis  September  in  Monrovia  erbeutete  Sendung  zu 
berichten,  dass  sie  verhältnissmässig  wenig  Neues  bot.  Doch 
wäre  es  undankbar,  über  den  vielen,  durch  das  lange  Liegen 
in  Spiritus  zu  stark  aufgeweichten  und  grossentheils  unbrauch- 
bar gewordnen  Anachalcos  cupreus  F.,  Nyctobates  sinuatus  F., 
Eupezus  longipes  F.  zu  ĂĽbersehen,  dass  ausser  einem  grossen 
Acanthophoriden,  von  M'^elchem  später  die  Rede  sein  wird, 
erstens  aus  der  interessanten  Ozeenidengruppe  der  einzige, 
bisher  auf  dem  alten  Continent  bekannt  gewordne  Repräsentant, 
Pachyteles  Intens  Hope  (Wjhei  Murr.)  diesmal  vertreten  war, 
zweitens  aber  ein  höchst  willkommnes  Exemplar  des  im  vo- 
rigen Jahrgange  S.  218  Iiesprochnen  Platynodes  Wester- 
manni  Westw.  Es  wäre  mir  allerdings  lieber  gewesen,  wenn 
der  neue  Ankömmling  ein  (^  und  nicht  ein  $  gewesen  wäre, 
aber  jedenfalls  bestätigen  die  augenfällig  unerweiterten  Vor 
dertarsen,  dass  die  von  mir  behauptete  Gesehlechtsdifferenz 
unter  die  Kriterien  dieser  Gattung  gehört. 

Ausserdem  waren  einige  Hectarthrum  (Passandriden)  mit- 
gekommen, eine  Gruppe,  welche  in  den  frĂĽheren  Sendungen 
unvertreten  gebheben  war. 

Wenn  ich  jetzt  zu  der  Aufzählung  der  bisher  aus  Mon- 
rovia eingetroffnen  Heteromeren  ĂĽbergehe,  so  werden  die  mit 
dieser  schwierigen  Familie,  (deren  Spaltung  in  zwei  Hälften 
unser  Veteran  Burmeister  mir  im  vor.  Jahro-.  S.  457  ganz 
plausibel  gemacht  hat),  etwas  genauer  Bekannten  sich  nicht 
darĂĽber  wundern,  dass  auch  die  erbetene  und  verbindlich  ge- 
währte Beihülfe  unsers  bewährtesten  Heteromerenkenners, 
meines  Freundes  Dr.  G.  Haag,  manches  Dunkel  unaufgeklärt 
gelassen  hat.  Bei  Verleihung  des  Namens  „Tenebrio'-'  hat 
Erzvater  Linnseus  otfenbar  durch  Inspiration  gewusst,  dass 
diese  schwarze  Gesellschaft  noch  auf  lange  hinaus  die  Coleop- 
teristen  nöthigen  werde,  in  tenebris  zu  tappen. 

8* 


116 

Opatiinus  semicribrosus  Murr. 

Opatrinus  sp.,  etwas  kleiner  als  die  vorige. 

Opatrum  sp. 

Ceropria  janthina  Thoms.,  eine  zierliche,  anscheinend 
nicht  seltne  Art,  deren  lockres  GefĂĽge  den  Transport  in  Spi- 
ritus so  wenig  verträgt,  dass  nur  wenige  Exemplare  leidlich 
brauchbar  verbheben. 

Toxicum  taurus  F.,  die  (^  mit  längeren  und  kürzeren, 
geraden  und  gebognen  Kopfliörnern,  die  anseheinend  zu  un- 
nöthigeu  Arten  Anlass  gegeben. 

Ny  ctobat  es  sinuatus  F.,  in  grosser  Zahl.     Beinah  ebenso 
stark  vertreten  ist 
„  punctatus  F. 

Ich  glaube  aus  der  ersten  Sendung  noch  eine  dritte  Art 
zu  besitzen,  welche  oberflächlich  dem  N.  sinuatus  sehr  ähnlich 
ist,  aber  durch  mancherlei  Abweichungen  differirt:  letztes 
Palpenglied  weniger  beilförmig,  Thorax  nur  mit  schmaler 
rother  Einfassung  des  Vorderrandes,  Elytra  mit  schmaler  aber 
deutlich  aufgeworfner  rother  Wulst  an  der  Basis.  Ich  habe 
aber  bisher  vergeblich  auf  ein  zweites  Exemplar  gewartet. 

Tenebrio  guineensis  Imhof. 

Heterotarsus  tenebrioides  Guer. 

Odontopus  cupreus  F.  Dies  ansehnliche,  anscheinend 
nicht  seltne  Thier  bietet  beeiferten  Speciesfabrikanten  will- 
kommene VerfĂĽhrung:  abgesehen  von  den  Farbenstufen  von 
fast  Schwarz  bis  zu  hell  Purpur  zeigt  der  Thorax  in  der  Form 
manches  schwankende,  sein  Rand  ist  meist  ziemlich  scharf 
gezähnt,  mitunter  aber  sehr  schwach,  kaum  bemerkbar,  und 
zeigt  unregelmässige,  bei  einem  der  Stücke  auch  symmeti-ische 
Gruben.  Die  unpunktirten  Längsgruben  der  Eh'tra  variiren 
sehr  in  der  Deutlichkeit. 

Odontopus  rugulosus  Murray  in  lit.  nmss  in  Monrovia 
sehr  selten  sein,  da  ich  nur  1  Exemplar  bisher  erhielt. 
Uebrigens  würde  diese  Art  vollständig  auf  Lacordaire's  Be- 
schreibung von  Metallonotus  dentlcollis  (Gen.  V,  p.  4Ăś2) 
passen,  wenn  der  Thorax  Randzähne  hätte. 

Calostega  purjmripennis  Westw.  zeigt  ebenfalls  allerlei 
unregelmässige  Eindrücke  auf  einzelnen  Halsschilden.  Lacor- 
daire's Angabe  (1.  c.  403),  man  könne  auf  den  Flügeldecken 
ausser  in  den  kaum  bemerkbaren  Strieen  auch  mit  scharfer 
Lupe  keine  Punktirung  bemerken,  kann  ich  nicht  ganz  be- 
stätigen; auch  ausserhalb  der  Streifen  stehen  einzelne  deuthche 
Punkte:  jedenfalls  ist  die  Art  allerdings  auflallend  glatt  im 
Vergleich  zu  ihren  Nachbarn. 


117 

Chiroscelis  digitata  F.  war  in  den  frĂĽheren  Sendungen 
nur  durch  einzelne  ,^  vertreten  gewesen;  diesmal  waren  auch 
einige  .?  mit  den  charakteristischen  2  Filzfleckchen  am  zweiten 
Bauchsegment  eingetroffen. 

Prioscelis  serrata  F.  scheint  gleichfalls  zu  den  ver- 
änderlichen Arten  zu  gehören,  da  ich  eine  grössere  Anzahl 
davon  vor  mir  habe,  die  in  einzelnen  Punkten,  namentlich  in 
dem  Umriss  des  Thorax,  nicht  unerheblich  differiren.  Doch 
fand  ich  nur  1  Exemplar  daneben,  welches  durch  einen  voll- 
kommen wie  bei  Fr.  Fabricii  Westw.  eingebognen  spitzen 
Schulterzahn  der  Elytra  unzweifelhaft  specifisch  abweicht. 
Da  das  Exemplar  nicht  blos  um  die  Hälfte  kleiner,  sondern 
auch  viel  stärker  striirt  ist  als  Fabricii,  so  halte  ich  es  vor- 
läufig für  eigne  Art  (humeridens  m.  in  coli.). 

Prioscehs  Raddoni  Westw. 

Pycnoeerus  sulcatus  F.  wiederum  mit  schwankenden 
Thoraxgriibchen.  Ich  bin  zweifelhaft,  ob  ich  Recht  gethan 
habe,  ein  kleineres  glänzend  grünes  Exemplar  (die  andern  sind 
dunkel  kupferfarbig)  unter  dem  Namen  impressicollis  m.  vor- 
läufig abzusondern;  es  hat  zwei  starke,  dreieckige  Gruben  in 
der  Mitte  des  Thorax,  und  neben  jeder  derselben  einen  kleinen 
Quereindruck,  alles  symmetrisch.  Das  geht  anscheinend  ĂĽber 
blos  zufällige  Sculpturlaunen  hinaus,  genügt  mir  indess  nicht, 
wenn  nicht  andre  Exemplare  meine  Vermuthung  bestätigen. 
Auch  bei 

Megacantha  dentata  F.  bin  ich  nicht  zweifelsfrei,  ob 
die  grossen  und  kleinen  Exemplare  alle  zu  einer  Art  gehören, 
da  die  grössern  ganz  entschieden  durch  den  im  Verhältniss 
massiveren  mehr  quadraten  Thorax  einen  andern  Habitus 
haben.  Einstweilen  mögen  sie  sich  unter  demselben  Etiketten- 
hut vertragen. 

Hoplonyx  (Oplocheirus)  sp. 

Eupezus  longipes  F.  Dies  schwarze  Langbein  muss 
recht  häufig  sein,  aber  ich  weiss  nicht,  ob  die  verschiedene 
Färbung,  blankschwarz  bei  den  einen,  matt  sammetschwarz 
bei  den  andern,  davon  abhängig  war,  ob  frisch  entwickelte 
oder  schon  ältere  abgeriebne  Exemplare  in  den  Spiritus  ge- 
worfen wurden. 

Mehrere  Arten  Strongylium,  von  denen  nur  eine  als 
viridulum  Maekhn  bestimmt  ist.     Von 

Praogena  calabarica  Maekl.  hat  der  Monrovianer  viele 
Exemplare  eingesandt,  von  denen  der  grösste  Theil  das  monate- 
lange Liegen  in  Spiritus  nicht  vertragen  konnte  und  die  Co- 
häsion  verloren  hatte.     Von  einer  schönen,  andern  Art  (nach 


118 

Dr.  Haag"s  Conjci'liir  ein  vollkommou  ausgefärble.s  Exemplar 
von  Pr.  Iiicidiilu  Mackl.)  ist  bisher  mir  ein  SlĂĽck  gekommen. 
FĂĽr  meluere  Arten  Lagria,  zwei  Arten  Lyila  und  eine 
schwarzgelbe  Mylabris  waren  bisher  die  Namen  nicht  sicher 
zu  ermitteln.  Die  letztere  muss  sehr  gemein  sein,  denn  sie 
kam  in  grosser  Zahl,  und  hat  vielleicht  mehr  als  einen  Na- 
men, da  ihre  Zeichnungen  (zwei  rothgelbe  Querl)inden  auf 
schwai'zem  Grunde)  ziemlich  stark  variiren,  und  die  Extreme 
(14  MilHm.  bis  30  Millim.  Länge,  die  schwarze  Mittelbinde 
bald  breit,  bald  verschwindend  klein)  zum  Artenmachen  ver- 
leiten könnten,   falls  die  Uebergänge  nicht    zugleich    vorlägen. 


Zwei  Longicornien  aus  Monrovia, 


von 
V.  A.  Dolirn. 


A.    Ein  seltsamer  Acanthophoride. 

Die  Doctorfrage:  ,,wa.s  ist  eine  Gattung,  und  was  reicht 
.  aus,  eine  neue  zu  begrihiden,  oder  von  einer  altbekannten 
abzuzweigen?*-'  ist  leichter  aufzuwerfen  als  zu  beantworten. 
Alle  (oder  doch  fast  alle)  ältere  Entomologen  werden  mit  mir 
in  dem  „Vorurtheil''  gegen  neue  Gattungen  sympathisiren, 
aber  ebenso  wird  mir  Jeder  Erfahrene  Recht  geben,  wenn  ich 
bei  diesem  Punkte  behaupte:  „tot  capita,  tot  sensus  —'■'■  und 
dass  schwerlich  auch  nur  Zwei  sich  linden  werden,  welche 
darĂĽber  in  Theorie  und  ])raktischer  Anwendung  vollkommen 
harmoniren. 

Das  ist  so  ausgemacht  wahr,  dass  ich  geradehin  be- 
fĂĽrchten mĂĽsste,  meine  perstinlich-freundlichen  Beziehungen  zu 
nicht  wenigen  ehrenwerthen  Gattungs-Errichtern  durch  Dy- 
namit in  die  Luft  zu  sprengen,  wenn  ich  mich  ohne  Noth  auf 
Specialien  einliesse. 

Zu  diesem  leidigen,  weil  vergeblichen  Seufzer  werde  ich 
durch  einen  Prioniden  versinlasst,  den  mir  die  letzte  Sendung 
aus   Monroviji  im  Noveml)er    (875  gebracht  hat. 

Ich  beziehe  midi  zunächst  auf  das,  was  ich  im  Jahrgang 
1874,  S.  424  dieser  Zeitung  bei  Gelegenheit  des  Acanthophoi-us 
Hahni  m.    gesagt    und    aus  Lacordaire    (Genera  d.  col.  Vlll., 


119 

p.  68)  excerpirt  habe.  Dort  habe  ich  gegen  die  Trennung 
der  Thomson'jschen  Gatliuig  Tilhoes  von  Acanthophorus  meine 
Bedenken  verlautbart;  heute  wäre  ich  zienüich  geneigt,  der 
White'schen  Gattung  Dorjcera  die  Existenz  zu  verkĂĽmmern. 
Der  mir  vorhegende  Prionide  ist  nämhch  nach  Grösse 
und  ĂĽberwiegend  nach  seinem  ganzen  Habitus  ein  Acantho- 
phorus (Tithoes),  aber  nach  den  von  White  angegebnen,  von 
Lacordaire  vervollständigten  Kriterien  eher  eine  Dorycera. 
Nach  der  Einbuchtung  des  letzten  Segments  ein  (J. 

Die  Gattungs-Diagnose  lautet  bei  White   (Cat.  Longicorn. 
p.    13): 

Der  Antennen  drittes  Glied  und  die  sieben  folgenden 
mit  einer  dornartigen  Verlängerung    an    der    äussern 
Spitze;    das    Endglied    dicht    vor  der  Spitze  gekerbt. 
Thorax  kurz  wie  bei  Derobrachus  mit  3  langen  Dornen 
jederseits.     Das  Schildchen  an  der  Spitze    leicht    ge- 
kerbt.    Die  Ränder  der  Beine  glatt. 
Dass  Wliite  der  Augen  und   ihrer    so    charakteristischen 
Contiguität  nicht  erwähnt,   kommt  offenbar  daher,  dass  er  die 
africanischc  Gattung  zwischen  die  americanischen  Derobrachus 
und  Aulacocerus    gestellt    hat,    deren    Augen    stark    genähert 
sind.     Dann  folgen  bei  ihm  noch  Hophderes    aus    Madagascar 
und  Enoplocerus  aus  Brasilien,  ehe  er  zu  Acanthophorus    ge- 
langt.    Man  kann  sich  darĂĽber  insofern  wundern,    als    er  sub 
nomine  Acanthophorus  megalops    eine    Art    aus    Fernando  Po 
l)eschreibt    (1.    c.    p.    15),    von    der    es    heisst    „ocuhs    subtus 
proximis,  supra  approximatis."      Freilich    vergisst    er   (sowohl 
in  der  Diagnose,  als  in  der  Beschreibung),  der  Bewaffnung  des 
Thorax  irgend  Erwähnung  zu  thun,  und   ich    würde    dem  A. 
megalops  unbedingt  einen  unbedornten  Thorax    zugeschrieben, 
und    ihn    schon    dadurch    fĂĽr  einen  der  Gattung  fremden  ge- 
halten haben,  wenn  nicht  Lacordaire  in  der  Note  (1.  c.   p.  71) 
bemerkte,  dass  A.  megalops   „deux  6pines  anterieures  longue- 
nient    soudees'"'    besitzt.     Doch   will  ihn  Lacordaire  weder  als 
Acanthophorus,  noch  als  Tithoes  gelten  lassen,  sondern  zu  einer 
Zwischengattung    erhoben    wissen,    was    Herr    Higgins    durch 
die  Gattung  Ommatomenus  bewerksteUigt  hat. 

Lacordaire's  viel  genauere,  20  Zeilen  lange  Charakteri- 
sirung  der  Gattung  Dorycera  findet  sich  1.  c.  p.  70.  Zunächst 
genügt  es  mir,  daraus  die  Punkte  zu  erwähnen:  „Mandibules 
et  labre  des  Acanthophorus  —  (antennes)  Systeme  porifere 
des  Acanthophorus  —  jambes  et  tarses  des  Acanthophorus.'-' 
Nun  AA  ill  ich  zunächst  meinen  Monrovianer  der  Abkürzung 
halber  mit  X  bezeichnen,  und    dann  nachweisen,    in    welcher 


120 

Woise  er  sich  hald  zur  Geltung  Tithf»es  (den  africanischen 
Acanthophonis)  bald  zu  Dorycera  bekennt. 

V(in  Doiyeera  spinieornis  F.  hal)e  ieh  ein  Exemplar  von 
o4  Millim.,  eins  von  38  Mill.  Länge,  das  grössere  ist  12  Mill. 
breit,  das  kleinere  7. 

X  niisst  65  Millim.  in  der  Länge,  25  Mill.  in  der  Breite. 
Da  ein  grosses  ,_J  von  Titlioes  confinis  70  Mill.  Länge,  28  Mill. 
Breite  hat,  so  ergiebt  sieh  hiemiis  allein  sehon  der  massive 
Habitus  von  X,  der  auch  darin  mit  dem  von  Tithoes  ĂĽberein- 
stimmt, dass  die  Elytra  an  den  Sehultern  etM'as  eomprimirt 
sind,  sieh  dann  bis  beinah  gegen  die  halbe  Länge  hin  sauft 
erweitern,  darauf  aber  gegen  den  Apex  sehmaler  M'erden. 
Bei  Dorycera  haben  sie  von  der  Schulter  bis  ziemUch  dicht 
vor  dem  Apex  parallele  Breite.  Tithoes  hat  den  Seitenrand 
des  Thorax  mit  drei  Zähnen  bewallhet,  deren  vordere  zAvei 
gleichsam  die  voi-ragenden  Zacken  eines  hornigen,  heraustre- 
tenden Plättchens  sind:  der  hinterste  dritte  steht  mit  diesem 
Plättchen  in  keiner  Verbindung,  befindet  sieh  aber  mehr  nach 
oben  und  ist  etwas  verticaler  gerichtet  als  jene. 

Die  Thoraxdornen  bei  X  haben  genau  diese  Conformation, 
während  sie  bei  Dorycera  zwar  im  Punkte  des  hintersten 
Dornes  dasselbe  Verhältniss  zeigen,  aber  von  dem  hornigen 
Plättchen  der  beiden  andern  keine  Andeutung  verrathen. 

Wenn  ich  zu  dem  Bilde  der  Oberseite  von  X  noch  den 
Zug  hinzugefĂĽgt  habe,  dass  X  und  Tithoes  die  Basis  der  Elytra 
rauh  und  gi-ob  punktirt  zeigen,  wogegen  die  sehwache  Punk- 
tirung  von  Dorycera  wegen  der  feinen  Behaarung  kaum  wahr- 
zunehmen ist,  so  scheint  X  ĂĽberwiegend  zu  Tithoes  zu  ge- 
hören. Aber  es  scheint  nui-  so,  jetzt  kommen  andre  Kriterien 
zur  Sprache. 

Bei  fünf  Tithoes  meiner  Sammlung  beträgt  der  Zwischen- 
raum zwischen  den  Augen,  da,  wo  sie  am  engsten  zusammen- 
treten, 

auf  der  Oberseite  von  3  bis  zu   5  MiUim., 
auf  der  Unterseite  von  3  }»is  zu   7  Millim. 

Bei  einem  sechsten  StĂĽcke,  einem  ganz  unzweifelhaften 
Tithoes,  von  dem  ich  nber  nicht  weiss,  ob  er  beschrieben  ist, 
nähern  sich  die  Augen  auf  der  Oberseite  bis  auf  weniger 
als  2  Millim.,  stehen  indess  auf  der  Unterseite  volle  2  MilHm. 
auseinander. 

Bei  Dorycera  bei  lägt  flas  Spalium  auf  der  Oberseite  noch 
nicht  1  Millim.  bei  dem  grössern  Exemplare:  bei  dem  kleinern 
kaum    ^u   m. 


121 

Bei  X  erreicht  der  Zwischenraum  auf  der  Oberseite  noch 
nicht   1   Mill. 

Auf  den  Unterseiten  von  Dorycera  (beide  Ex.)  und  von 
X  stossen  die  Augen  zusammen. 

Tithoes  hat  das  erste  Glied  der  Hinter tarsen  rundlich, 
dick,  und  kleiner  als  2  und  3  zusammengenommen.  Dorycera 
imd  X  haben  es  dünn  ausgezogen,  und  eiwns  länger  als  2 
mit  3  addirt. 

Die  Acanthophorus,  sowohl  der  asiatische  braune  serrati- 
cornis  Oliv.,  wie  der  afiicanische  schwarzbraune  Hahni  m. 
haben  glatte,  fast  glänzende  Elytra;  selbst  durch  die  haarigen 
Makeln  der  Tithoes  sieht  man  das  Dunkelbraun  der  Grundfarbe 
durchschimmern;  von  Längsrip})en  ist  nur  jeweileii  eine  schwache 
Andeutung  sichtbar.  Bei  Dorycera  ist  die  Färbung  der  zim- 
metbraiinen  Elytra  gleichmässig  matt  -durch  die  subtile,  aber 
dichte  Behaarung;  zwei  feine,  aber  dem  blossen  Auge  deutlich 
wahrnehmbare  Längsrippen  stehen  eine  auf  der  Mitte  jeder 
Decke,  die  andre  zwischen  dieser  und  der  Sutur. 

X  hat  genau  diese  beiden  feinen  Ri])peu,  aber  weder  die 
haarfreie  Textur  der  Acanthophorus,  noch  die  Haarmakeln  der 
Tithoes,  auch  nicht  die  matte  zimmetfarbne  Behaarung  der 
Dorycera,  wohl  aber  einen  bei  schief  auffallendem  Lichte 
glänzenden  braunen  Sammet-Ueberzug,  der  jedoch  erst  hinter 
der  rauhen  Punktirung  der  Basis  der  Elytra  beginnt. 

Und  nun  kommt  zu  allen  diesen  Controvers-Punkten  noch 
ein  ganz  eigenthĂĽmlicher  hinzu. 

Lacordaire  hat  (Genera  VHI.  p.  68)  folgendes  Schema 
aufgestellt: 

L     Yeux  assez  fortement  separes  en  dessus. 
Saillie  prosternale  droite,  arrondie 

au  bout Tithoes. 

Saillie    prosternale    arquee,    aigue 

au  bout Acanthophorus. 

U.     Yeux  tres-rapproches  en  dessus     .   .  Dorycera. 

Mir  ist  nicht  klar,  weshalb  Lacordaire  bei  L  nicht  vor- 
gezogen hat,  zu  sagen  „Augen,  unterhalb  getrennt",  woraus 
bei  IL  sich  ergeben  hätte  „Augen  unterhalb  zusammenstossend'-'. 
Ich  habe  vorher  berĂĽhrt,  dass  ich  einen  (sechsten)  Tithoes 
besitze,  bei  welchem  die  Augen  sich  oberhalb  bis  auf  weniger 
als  2  Mill.  nähern,  unterhalb  aber  eher  etwas  weiter  aus- 
einanderstehen. 

Die  Angabe  Lacordaire's  in  der  ausfĂĽhrlichen  Gattungs- 
Diagnose  für  Dorycera:  „Saillie  prostei-nale  fortement  arquee 
et    arrondie    posterieurement"-'    kann    ich    bei    meinen    beiden 


122 

p]xomj)Inren  nicht  sonderlich  zul reifend  finden.  Bei  dem  klei- 
neren E.\eni|)iare  Ireten  die  Vorderschenkel  so  nahe  zusammen, 
dass  der  Prosternalforlsatz  ĂĽberhau})t  sich  auf  ein  Minimum 
leducirt,  so  dass  von  „gebogen  und  nach  hinten  abgerundet'-' 
kaum  die  Rede  ist:  bei  dem  grösseren  ist  der  Apex  des 
Prostcrnalzapfens  mit  Haaren  überwachsen,  aber  ich  möchte 
ihn  (wenn  ich  mit  einer  Nadel  seinem  Umrisse  folge)  eher 
für  zugespitzt,  als  für  abgerundet  erklären,  namenthch  wenn 
ich  ihn  mit  den  haarfrei,  gross  und  breit  dem  Auge  vorlie- 
genden Prosternalzapfen  der  Tithoes  vergleiche,  die  alle  2  lin. 
lat.  messen. 

Was  zeigt  nun  X  bei  diesem  Punkte? 

Weder  das  unbedeutende,  wenig  bemerkbare  Zäpfchen 
von  Dorycera,  noch  den  breiten,  blanken,  ungerandeten,  ziemlich 
gerade  vorn  abgerundeten  Zapfen  von  Tithoes,  wohl  aber  einen 
liaarfreien,  anfangs  ein  wenig  sich  wölbenden,  dann  entschieden 
spitz,  nicht  rund,  verlaufenden  Zapfen  mit  etwas  aufgeworfnen 
Rändern,  dessen  Basis  eine  deutliche  Carina  hat,  wie  Acanth, 
Orientalis  und  Hahni. 

Hoffentlich  habe  ich  somit  meine  ursprĂĽngliche  Absicht 
erreicht,  den  Nachweis  zu  fĂĽhren,  dass  X  ein  muthwilliges 
Subject  ist,  dem  es  Freude  macht,  systematischen  Unfug  zu 
treiben.  Aber  das  darf  ich  leider  nicht  hoffen,  dass  es  ihm 
(resp.  mir)  gelungen  sein  wird,  zu  Gunsten  der,  fĂĽr  die  we- 
nigen Arten  vollkommen  ausreichenden  Gattung  Aeantho- 
phorus  die  sehr  entbehrliche  Tithoes  und  die  bedenklieh  er- 
schütterte Dorycera  zu  beseitigen  —  im  Gegentheil,  irgend 
ein  Dominus  Nominifex  wird  dem  Frevler  X  eine  neue  Gatr 
tungskappe  aufstĂĽlpen.  Deshalb  will  ich  ihn  ausdrĂĽcklich 
(soweit  dies  nicht  unwillkĂĽrlich  schon  geschehen)  nicht  weiter 
specifisch  beschreiben  —  schon  um  deswillen  nicht,  weil  er 
möglicherweise  nichts  anderes  ist,  als  Hope's  Aeantho})h. 
(Tithoes)  longij)ennis,  dessen  Beschreibung  in  den  Annais 
Nat.  Hist.  1843  gerade  oberflächhch  genug  ist,  um  ohne  An- 
sicht  des    Typus    den    lieben    Leser    im    Dunkeln    zu    lassen. 

Acanth.  Yolofus  Dalm.,  ebenfalls  aus  Sierra  Leone,  hat 
in  seiner  viel  gründlicher  gerathnen  Beschreibung  „oculi  magni, 
maximam  capitis  partem  occupantes"  —  aber  dass  von  den 
Antennffi  gesagt  wird  „versus  apicem  serratai",  passt  nicht: 
X  hat  schon  vom  dritten  Gliede  ab  bis  zum  zehnten  ein- 
schliesslich stärkere  und  längere  Endzähne,  als  irgend  ein 
andrer  Acanthophorus  oder  Tithoes,  aber  dennoch  sind  sie 
nicht  so  Habellenhaft  lang  wie  die  bei  Dorycera;  ĂĽberdies  ver- 
sichert Dalman    ausdrĂĽcklich,    auf   den    Elytris  seines  Yolofus 


123 

sei  von  costis,  striis,   iiigiilis  nichts  zu  spĂĽren,    nur    die  Mitte 
der  Basis  sei  runzlig-punktirt. 

Einstweilen  verbleibe  also  X  ein  ungetaufter  Heide. 


B.    Ein  Callichromide. 

Sehr  möglieh,  dass  ich  mich  irre,  aber  bei  dem  Durch- 
nehmen der  langen  und  mĂĽhsamen  Longieornien- Arbeit  Lacor- 
daire's  (Genera  Vlll.,  IX.)  habe  ich  mich  recht  oft  des  Ge- 
dankens nicht  erwehren  können,  dass  er  sich  durch  die  von 
ihm  bevorwortete  Aufnahme  des  Thomson'schen  Systema  Ce- 
rambycidarum  in  den  neunzehnten  Band  der  Memoires  de  la 
Soc.  Roy.  de  Liege  die  Hände  mehr  als  rathsam  im  Voraus 
gebunden  hatte.  Wenn  man  in  den  ersten  Bänden  der  Genera 
oft  genug  die  Energie  zu  rĂĽhmen  hat,  mit  welcher  Lacordaire 
die  Aftergattungs-Wasserschosse  links  und  rechts  abhaut,  findet 
man  in  den  erwähnten  letzten  Bänden  beinah  das  Gegentheil; 
aus  der  Note  auf  S.  5  des  Vol.  VIU.  lässt  sich  fast  eine 
Schutzrede  für  die  Mononymie  der  Bockkäfer  herauslesen. 

So  wenig  es  mir  ziemen  wĂĽrde,  meinem  verewigten,  um 
die  Coleopterographie  so  unvergesslich  verdienten  Freunde  aus 
diesem,  zum  Theile  auch  wohl  durch  seine  ihn  langsam  mor- 
dende Krankheit  erklärbaren  Verfahren  einen  Vorwurf  machen 
zu  wollen  —  ebenso  wenig  kann  ich  dies  System  der  unend- 
lichen Zersplitterung  (Lacordaire  spricht  von  der  Möglichkeit 
von  3600  Gattungen!!)  fĂĽr  ein  rationales  und  menschlich  er- 
laubtes halten.  Es  ist  ja  augenblicklich  schon  dahin  gekom- 
men, dass  man,  um  sich  einem  nicht  entomologischen  Zoologen 
verständlich  zu  machen,  sagen  müsste:  „ich  spreche  von  dem 
Coleopteron  longicorne  Otiartes,  einer  Gattimg  aus  der  Fabrik 
Thomsons  (des  Gallo-Americaners,  nicht  des  Schweden)  einer 
Prioniden-Galtung,  welche  nach  Lacordaire  nur  die  einzige  Art 
asiaticus  Fald.  (brachypterus  Karelin)  aufzuweisen  hat,  und 
von  welcher  er  selber  (1.  c.  p.  62)  sagt:  „le  genre  est  par 
consequent  tres  faiblement  caracterise  et  s'il  nest  pas  adopte, 
son  unique  espece  devra  rentrer  dans  la  section  des  Prionus." 

Der  MĂĽnchner  Katalog  hat  diesen  vorausgesehenen  Justiz- 
mord denn  auch  i-ite  ĂĽbernommen,  und  zugleich  durch  Reha- 
bilitation des  altern  Namens  brachypterus  Gebier  die  Priorität 
berichtigt. 

Nun  zu  unserni  Liberianer  Callichromiden,  (\vn  ich  Sphinx 
nennen  will. 


124 

Sieht  man  sich  die  analytische  Tabelle  der  Callichromiden 
im  Ijacnrdaiio  (Gen.  IX.,  p.  3)  an,  und  liest  man  in  der  vor- 
ausgehenden Anmerkung : 

„groupc  des  plus  difficiles  au  point  de   vue    systema- 
tique.      II   existe   dans  les  collections  un  assez  grand 
nombre    de    formes    exotiques    ambigues    et    qui    ne 
rentrent  bien  dans  aucun  des  genres  qui  suivent  — "■ 
so  möchte  man  gleich   von  vorn  herein  fragen:    „wäre  es  nicht 
verständiger,  jedenfalls  übersichtlicher,  wenn  man  die  Gattung 
Callichroma,    deren    Habitus    einem    leidlich  geĂĽbten  Auge 
h'icht  erkennbar  ist,  deren  re'che  Zahl  aber  ein  Paar  Sectionen 
zur  Erleichterung  der  Uebersicht  wünschen  lässt,  in  diese  we- 
nigen Sectionen  vertheilte?     Das  kann  man  natĂĽrlich  nur,  wenn 
man  einzelne  Divergenzen  nur  als  Species-Kriterien  und  nicht 
als    Gattungs-Fundamente    ansieht!     Aber    was    ist    denn    mit 
dieser  Masse  von  28   Gattungen  gewonnen,  bei  welchen  oben- 
drein in  den  Noten  noch  mehrere  Abweichungen   zugestanden 
werden  mĂĽssen? 

Soviel  darf  ich  als  feststehend  annehmen  —  das  mir  in 
zwei,  bis  auf  das  Pygidium  identischen  Exemplaren  vorliegende 
Callichroma,  ein  StĂĽck  aus  Monrovia  direct  eingesandt,  das 
andre  mit  der  Angabe  „von  der  Goldküste"  mir  zugekommen, 
passt  zu  keiner  der  28  Gattungen. 

Lacordaire  theilt  diese  in  zwei  grosse  Classen: 
I.    Cuisses  post^rieures  peu  'k  peu  en    massue,    parfois  tres 

greles,  mais  non  p6doncul6es  a  leur  base. 

n.    Cuisses  post6rieures  pedonculees  a  leur  base,  en  g6n6ral 

tr^s  longuement,  puis  brusquement  en  massue. 

Sphinx  hat  keine  pedunculirten  Hinterschenkel,  gehört 
folglich  unter  I. 

Diese  Classe  hat  zwei  Abtheilungen,  eine  vielgespaltne 
„Prothorax  tubercul6  lateralement"  —  da  Sphinx  einen  seitlich 
glatten  Thorax  hat,  gehört  sie  folglich  zu  der  andern,  klei- 
neren Abtheilung   „Prothorax  inerme  lateralement." 

Bis  hieher  ging  die  analytische  Procedur  glatt  und  be- 
friedigend, aber,  als  ich  nun  an  die  4  Gattungen  dieser  Ab- 
iheilung kam,  Nothopygus  Lac,  Litopus  Serv.,  Promeces  Serv., 
Anubis  Thoms.,  .<<ass  ich  fest. 

Von  dem  offenbaren  Protest,  welchen  der  MĂĽnchner  Ka- 
talog gegen  die  Lacordaire'sche  Distribution  dadurch  einlegt, 
dass  er  die  Gattung  Anubis  aus  Abtheilung    2    der   Classe    I. 


125 

mit  der  Gattung  Polyzonus  aus  Abtheilung  1  zusammenwirft,*) 
von  diesem  Protest  will  ich  schweigen,  da  Sphinx  weder  mit 
Polyzonus,  noch  mit  Anubis  etwas  zu  schafVen  hat. 

Gegen  Promeces  und  Litopus  wĂĽrde  C.  Sphiirx  mit  vollem 
Rechte  ausser  manchen  andern  Divergenzen  seinen  Kopf  ein- 
setzen, der  nach  einem  ganz  abweichenden  Typus   gebaut  ist. 

Es  blieb  also  nur  Nothopygus  Lac.  mit  der  einzigen  Art 
Mniszechi  Lac.  noch  ĂĽbrig.  Obendrein  stammt  das  (1.  c.  p.  22) 
beschriebne  Unicum  aus  Sierra  Leone,  und  ich  habe  schon 
mehrfach  verificiren  können,  dass  die  dortige  Fauna  mit  der 
von  Monrovia  sehr  homogen  ist. 

Der  Anfang  der  Gattungs  -  Diagnose  von  Nothopygus 
stimmte  ausgezeichnet.  „Aeusserer  Lobus  der  Maxillen  wenig 
vortretend:  Mandibeln  ziemlich  verlängert,  gerade,  am  Ende 
schroff  umgebogen  und  zugespitzt,  inwendig  unbewaffnet:  das 
WĂĽlstchen  zwischen  den  Antennen  vorragend,  etwas  concav, 
gefurcht:  die  Stirn  fast  vertical,  länger  als  breit,  das  Epistom 
eben  so  gross,  die  Wangen  in  die  Länge  gezogen.    — '•^ 

Soweit  passte  alles  ganz  vortrefflich,  und  wenn  die  nun 
folgende  Beschreibung  der  Antennen  nicht  mehr  recht  stimmte 
(etwas  länger  als  der  Körper,  während  die  von  Sphinx  etwas 
kĂĽrzer  sind),  .so  durfte  das  noch  auf  Geschlechtsdifferenz  ge- 
schoben werden.  Die  Angaben  ĂĽber  den  Thorax  konnten 
sogar  nicht  zutreffender  gefasst  sein: 

„Prothorax  subtransversal,  in  gleicher  Weise  vorn  und 
hinten  verengert,  dazwischen  subglobulos.'-^ 

Aber  leider  war  es  damit  auch  zu  Ende,  und  alle  ĂĽbrigen 
Data  stimmten  wenig  oder  gar  nicht  mehr,  höchstens  liess  sich 
uoch  eine  Analogie  mit  den  Specialien  ĂĽber  die  Abdominal- 
Segmente  ei-kennen,  welche  bei  Lacordaire  dahin  lauten: 


*)  Möglich,  dass  Dr.  Gemminger  zu  dieser  Contraction  sich  durch 
den  P.  fasciatus  F.  bewogen  fand,  der  auf  dem  langen  Wege  von 
Sibirien  und  China  (ich  besitze  ihn  aus  Hongkong)  bis  nach  Vorder- 
indien (Tranquebar)  sich  allmählich  als  P.  inermis  White  die  Dornen 
am  Thorax  abgeschliffen  hat,  mit  welchen  er  als  P.  fasciatus  F.  (bi- 
cinctus  Oliv.,  Sibiriens  Pallas)  bewaffnet  ist.  Da  inermis  und  fasciatus 
ausser  in  diesem  einzigen  Punkte  in  allen  ĂĽbrigen  vollkommen  mit 
einander  harmoniren,  und  da  es  immerhin  nach  andern  Analogieen 
denkbar  ist,  dass  ein  spitzer  Halsschilddorn  sich  in  einen  stumpfen 
abschwächt,  dieser  in  eine  Beule,  welclie  zuletzt  auch  scliwindet,  so 
kann  man  aus  diesem  Beispiele  schon  entnehmen,  wie  bedenklich  in 
der  analytischen  Tabelle  der  „Prothorax  lateralement  tubercule"  figu- 
rirt.  Natürlich  stehen  darin  die  Kriterien  „Prothorax  veloute"  — 
„non  veloute"  —  „elytres  sans  täches"  —  „el.  oruees  de  taches  ou  de 
bandes"  etc.  auf  noch  weit  schwächeren  Füssen. 


126 

„Abdomen  parallel,  nach  hinten  erweitert,  mit  fünf  Seg- 
menten.*"' (Bei  Spliinx  verschmälern  .sich  die  Segmente  sichtlich 
gegen  das  l'ygidium  zu,  welches  allerdings  eine  eigenthiindiche 
Form  hat,  von  welcher  nachher  die  Hede  sein  soll.)  „Seg- 
ment 2  —  5  gleich"  (passt  nicht),  „5  nach  hinten  abgeschnitten 
(tronque)''  (passt  allenfalls),  „das  Pygidium  bildet  einen  unter- 
halb unterbroehnen  Ring,  der  oben  ausgekehlt  (echancr6)  ist, 
mit  Seitenrändern,  welche  vorragen,  abgerundet,  nach  innen 
gebogen  und  dicht  bewimpelt  sind." 

Hiezu  habe  ich  zu  bemerken,  dass  das  Exemplar  von 
der  GoldkĂĽste  fĂĽnf  in  nichts  auflallende  Abdominal-Segmente 
zeigt,  die  allmählich  an  Länge  und  Breite  abnehmen,  und  dass 
aus  dem  fĂĽnften  ein  kleines  sechstes  als  Pygidium  in  einfach 
dreieckiger  Form  vorragt. 

Anders  freilieh,  und  der  Lacordaire'schen  Beschreibung 
anscheinend  sehr  nahe  kommend,  sieht  das  Pygidium  des 
Monrovianer  Exemplars  aus.  Auch  bei  ihm  verjĂĽngen  sich 
die  5  Abdominal-Segmente  allmählich,  aber  das  Pygidium  tritt 
aus  dem  fĂĽnften  mit  einer  fast  rechtwinkeligen  Biegung  nach 
unten  heraus,  und  steht  ziemlich  vertical,  sieh  gegen  den  Apex 
hin   verbi-eiternd,  so  dass  es  Tra])ezfbrm  hat. 

Das  ist  allerdhigs  eine  auflallende,  im  Schnitt  und  in  der 
rechtwinkligen  Stellung  eine  sonst  mir  nicht  vorgekommene 
Gestalt  eines  Käfer-Pygidiums.  Nur  scheint  es  Geschlechts-' 
EigenthĂĽinlichkeit  zu  sein,  da  ich  an  dem  einfachen  Pygidium 
des  GoldkĂĽsten-Exemplais  keine  Verletzung  bemerken  kann. 
Auch  hat  das  letztere  nur  FĂĽhler-Rudimente,  so  dass  ich  aus 
der  Länge  seiner  Antennen  nicht  etwa  auf  ein  ,^  vermuthen 
kann. 

In  Summa,  mein  C.  Sphinx  ist  kein  Nothopygus  (der 
unter  andern  kurze  FlĂĽgeldecken  wie  Colobus  hat),  und  zu 
andern  Callichromiden  passt  er  nicht:  auch  werde  ich  mich 
liiilcn,  den  unsichern  Gattungen  noch  eine  unnöthige  neue  an- 
zullicken,  vielmehr  begnĂĽge  ich  mich  mit  der  simpeln  Diagnose: 

Callichroma  SphiiLx  Dhn.  C.  viridi-auratum  nitidum, 
antcnnis  cyaneonigris,  longitudinem  coi-poris  non  attingentibus; 
capite,  thorace  scutelloque  splendide  aureis;  elytris  alutaceis 
obscure  viridibus,  sutura  lueente;  pedibus  coeruleis,  anteriorum 
et  mediorum  femoribus  abrupte  fortiter  clavatis,  posteriorum 
paullatim  incrassatis,  apice  abdomen  non  superantibus. 

$  ?  Segmentis  abdominis  (juinque  paullatim  attenuatis, 
sexto  angulate  dellexo.  vci-sus  a])iceni  dilatato,  infra  excavato, 
cilialo. 

Long.   20  — 3 U  Aülhm.     Lat.   humer.   4  —  5  mill. 


127 


Noch  wäre  als  Ergänzung  nachzutragen,  dass  bei  Sphinx 
wie  bei  Nothop.  Mniszechi,  das  erste  Tarsenglied  der  Hinter 
beine  ebenso  lang  ist,  als  die  folgenden  zusammengenommen; 
bei  Sphinx  ist  es,  genau  genommen,   noch  um  beinah    1    Mill. 

Geschrieben  im  Deeember   1875. 


länger 


Nothgedrungne  Ptiliomachie, 


von 
CA.  »olirn. 


Pistol:  What?  shall  wg  have  incision, 
sliall  \ve  imbrue? 
Was?  Einschnitt  soll  es  geben? 
blutge  Klinge*^ 

Im  vier  und  dreissigsten  Jahrgange  (1873)  dieser  Zeitung 
habe  ich  (S.   398)  eine  Anzeige  veröffentlicht  von 
Trieb opterygia  illustrata  et  descripta. 
A  monograph  of  the  Trieb,  by  the  Rev.  A.  Matthews. 
FĂĽr    die    Leser    dieser    Zeitung,    welche    den    gedachten 
Jahrgang  nicht  besitzen,  ziehe  ich  aus  meiner  Anzeige  wörtlich 
Folgendes  aus: 

S.  399.  Ich  kann  über  den  Inhalt  nur  referiren  — 
zum  recensiren  wäre  unter  den  jetzt  lebenden  Entomo- 
logen wohl  nur  derjenige  berufen,  der  gleich  dem  Ver- 
fasser jahrelange  Studien  und  MĂĽhen  gerade  auf  dies 
beschränkte  Feld  concentrirt  hätte. 

—  Jede  der  aufgestellten  Gattungen   ist   mit    exacter 
Diagnose  aller  äussern  Körpertheüe  inid    mit    einer,  die 
wesentlichsten    derselben    in     250facher    Vergrösserung 
darstellenden  lithographirten  Tafel  versehen. 
Am  SchlĂĽsse  heisst  es: 

S.  403.  Diese  verschiednen  kleinen  Monita  mögen 
dem  verehrten  Verfasser  beweisen,  dass  ich  sein  Opus 
operatum  mit  Aufmerksamkeit  durchgelesen  habe;  um 
so  eher  wird  er  meiner  Versicherung  Glauben  schenken, 
dass  ich  es  fĂĽr  ein  sehr  tĂĽchtiges  halte,  durch  welches 
er  sich  in  der  coleopterischen  Literatur  einen  ehren- 
vollen Namen  fĂĽr  immer  gesichert  hat. 


128 

Diese,  meines  Erachtens  ausreichend  deutliche  Anerken- 
nuuü;  seiner  i>n»s«en  Verdiensie  liat  nicht  ausoereicht,  dem 
Verlasser  den  uöthigen  Gleichmuth  gegenüber  den  ,,verseliied- 
nen  kleinen  Munilis^'-  zu  bewahren,  und  er  imt  in  der  Cistuhi 
Enlomok)gica  Pars  XIV.  Octob.  1875  (London,  E.  W.  Janson) 
auf  meine  Anzeige  von  5  Seilen  mit  einer  Antikritik  von  10 
Seiten  antiphonirt. 

R.  M.  (Fastor  Matthews)  verlallt  dann  meines  BedĂĽnkens 
in  eine  gewöhnliche  Untugend  vieler  seiner  Standesgenossen. 
Die  Herren  sind  durch  ihr  Kanzel-Privilegiuni  durchaus  nicht 
daran  gewöhnt,  dass  man  ihnen  widerspricht,  gerade  wie  die 
Schulmänner,  deren  von  Gott  und  Rechtswegeu  „letztes  Wort'"^ 
den  Schulkindern  gegenĂĽber,  sie  leicht  dazu  verfĂĽhrt,  auch 
dann  Rechthaberei  fĂĽr  geboten  zu  achten,  wenn  sie  mit 
NichtSchulkindern  ĂĽber  ii-gend  etwas  Wichtiges  oder  Un- 
wichtiges disputiren. 

Zwar  erwähnt  R.  M.  meines  Namens  erst  auf  S.  2,  aber 
schon  auf  S.  1  vertheidigt  er  seine  „Pseudo-Latinismen'-',  und 
da  er  dabei  von  mir  herausgehobne  Beispiele  anfĂĽhrt,  so  will 
ich  mit  diesem  Punkte  beginnen. 

Meine  Ausstellung  lautete  M^örtlieh  (1.   e.   S.   402): 

„Dass  ein  Oxforder  Magister  Artium  auf  Latinität  grossen 
Werth  legt,  versteht  sich;  es  wunderte  mich  nur,  neben  den 
beliebten  Pseudolatinisirungen  moderner  geographischer  Namen 
(z.  B.  hisula  Madiera  statt  Madeira  oder  Madera,  in  paludibus 
Comtis  Cantabridgiensbus  (sie),  was,  wie  ich  vermuthe,  die 
SĂĽmpfe  der  Grafschaft  Cambridge  bedeuten  soll),  auch  Pag. 
138  Tauriam  statt  Chersonesum  tauricam,  Pag.  85  Insula 
Hyeres  statt  Stoechades  und  in  Pag.  83  in  Gallia  ad  ripas 
lluvii  Seine  statt  Sequante  zu  lesen.'" 

R.  M.  gesteht  ein  (Cistula  I.  c.  p.  9),  dass  er  lateinisch 
geschrieben  ,.in  order  to  assist  per.sons  as  Ignorant  as 
myself,  those  wo  camiot  read  Ihe  languages  of  Germany, 
Sweden,  or  Russia.*"' 

Aber  nut  demselben  Recht,  wie  .^ignorantia  juris",  wird 
man  hier  .sagen  mü.ssen  „ignorantia  lingute  nocet."  Denn 
R.  M.  hat  meine  Note  olfenbar  missverstanden.  Schon  mein 
Au.sdruck  „Pseudolatinisirungen^-  hätte  ihn  bilhg  von  meiner 
seit  Jaiiren  in  mehrfachen  Artikeln  verfochtneu  Grundansicht 
überzeugen  können,  dass  die  starre  und  äusserste  Consequenz 
des  Latinisirens  zu  baarem  Unverstand  führt.  „Der  Lel)ende 
liat  Recht",  und  die  in  so  vieler  Hinsicht  (Unparteilichkeit, 
Concisiou,  Allgemein-Verständlichkcit  etc.)  un.schätzbare  latei- 
nische  Sprache   ist   und  bleibt   eine   lodle,     und  sollte   verstän- 


129 

diger  Weise  nicht  nutzlos  galvauisirt  werden,  um  halb  oder 
vierteis  vergessene  Namen  aus  dem  Moder  zu  ziehen  und 
schlecht  abzustäuben,  um  dadurch  lebende,  allgemein  gebräuch- 
liche und  verständliche  Namen  zu  ersetzen.  Ich  will  also 
nicht  Stoechades  und  Sequana  an  Stelle  der  geltenden  Hyeres 
und  Seine,  aber  ich  fragte  R.  M.,  weshalb  er  inconsequent 
gewesen?  Dass  ich  „Cantabridgiensbus'-'  mit  der  Parenthese 
(sie)  bezeichnete,  schien  mir  nothwendig,  um  den  offenbar 
vorliegenden  Druckfehler  zu  markiren;  R.  M.  irrt  folglich, 
wenn  er  (1.  c.  p.  9)  dazu  die  Parenthese  fĂĽgt  (triumphantly 
paraded  by  Dr.  Dohrn).  Er  ist  bei  dieser  Stelle  sogar 
ungenau,  um  nicht  einen  härtern  Ausdruck  zu  brauchen,  denn 
er  lässt  „in  paludibus  Comtis'")  Cantabridgiensibus^'  drucken. 
—  Da  sich  die  Bezeichnung  Madiera  nicht  nur  auf  S.  140 
der  Monographie  befindet,  sondern  gleich  auf  S.  141  wieder- 
holt, war  ich  wohl  berechtigt,  das  nicht  fĂĽr  einen  ĂĽbersehenen 
Druckfehler,  sondern  fĂĽr  eine  Pseudolatiiiisirung  zu  halten. 
Auch  S.  28  steht  „habitat  Ins.  Madieram.'-'' 

Es  wĂĽrde  mir  nicht  schwer  werden,  nachzuweisen,  wie 
ungenau  R.  M.  meine  Bemerkungen  ĂĽber  GiUmeister,  Dr. 
Schaum,  Motschulsky  verstanden  hat.  Aber  ich  kann  es  denen 
überlassen,  welche  Deutsch  verstehen,  (und  eingeständlich 
gehört  R.  M.  nicht  dazu),  zu  entscheiden,  wer  Recht  hat  — 
ich,  der  ich  behauptet  habe  (Ent.  Ztg.  1873,  S.  400),  Dr. 
Schaum  habe  Gillmeister"s  Werk  vortrefflich,  vollendet  und 
classisch  genannt  —  die  Belegstelle  dazu  ist  unmittelbar  vorher 
abgedruckt  —  oder  R.  M.,  der  ganz  naiv  versichert  (1.  c. 
p.  2)  „But  to  say  that  Dr.  Schaum  designated  GiUmeister "s 
work  as  „splendid,  perfect,  and  classical^'  is  to  affix  a  meaning 
to  the  learned  Doctor's  words  which  they  clearly  do  not 
possess;  the  terms  splendid  and  perfect  express  merely  Dr. 
Schaumes  opinion  of  the  descriptions  and  plates.'-' 

Ich  habe  an  der  betreffenden  Stehe  meine  GrĂĽnde  dar- 
gelegt, weshalb  es  mir  trotz  Matthews  „bedenklich"  erschiene, 
an  Motscliulsk3''s  Unfehlbarkeit  in  dieser  Mateiie  zu  glauben. 
Wenn  ich  dabei  den  Ausdruck  „Motschulsky's  99  Arten*-'  ge- 
braucht habe,  so  scheint  R.  M.  auch  diese  im  Deutschen  ge- 
bräuchhche  Wendung  missverstanden  zu  haben,  obwohl  er 
selber  registrirt,  dass  er  von  Motschulsky  "sehen  beschriebnen 
Arten  34,  von  unbeschriebnen  20  nicht  erkannt,  resp.  nicht 
gesehen  hat.     An  den  99    werden    also    wenige    fehlen.     Icli 


*)  Das  Wort  Comtis  ist  mir  und   meiaen    befragten    Freunden 
dunkel  geblieben. 

9 


130 

kann  R.  M.  mit  unzähligen  gedruckten  und  beschriebnen  Be- 
lägen der  anerkannt  tüchtigsten  Coleopterologen  beweisen,  dass 
seine  nahezu  fanatische  Idolatrie  des  talentvollen,  aber  auto- 
didactisch  ungeschulten  Polygraphen  von  Erichson,  Lacordaire 
und  andern  noch  lebenden,  berufenen  Kennern  des  Käfer- 
gebietes weder  getheilt  wurde,  noch  wird,  und  dass  fast  jeder 
Monograph  (den  der  Trichopterygier  ausgenommen)  sich  kreu- 
zigt und  segnet,  wenn  er  an  die  Motschulsky'schen  Grattungen 
und  Arten  kommt. 

Mithin  konnte  mein  Ausdruck  „bedenklich^'  wohl  schwer- 
Hch  ausreichen,  die  schneidige  Replik  R.  M/s  zu  provociren: 
„Dr.  Dohrn  asks  whether  J  expect  him  to  accept  Motschulsky's 
„99  species"  on  my  authority  —  —  Dr.  Dohrn  must  re- 
member  that  their  acceptation  will  not  wholly  depend  upon 
his  opinion.^'  Aber  der  R.  M.  ist  sehr  empfmdhch  und  duldet 
auch  nicht  den  bescheidensten  Zweifel. 

Besonders  evident  stellt  sich  das  heraus  bei  der  Frage 
ĂĽber  Trieb.  Dohrnii  Matth.  Der  Antikritikus  besteigt  p.  3  1.  c. 
„triumphantly"  den  Paradehengst  (bei  Gelegenheit  der  angeb- 
lichen SĂĽnden  Gillmeisters  durch  Nichtbeachtung  der  heder- 
lichen,  pour  prendre  date  in  die  Welt  geschleuderten  Namen 
Alhberfs)  mit  dem  erhabnen  Gemeinplatze:  „no  amount  of 
excellence  in  specific  descriptions  can  hoM'ever  in  any  way 
atone  for  a  reckless  disregard  of  the  commonest  rules  of 
uomenclature.'"' 

PrĂĽfen  wir,  ob  der  HochehrwĂĽrdige  sich  als  richtiger 
Führer  bewährt,  oder  bloss  als  Wegweiser,  der  den  rechten 
Weg  bezeichnet,  aber  nicht  selber  geht. 

Haldeman,  der  als  tüchtig  bewährte  americanische 
Coleopterograph,  beschreibt  im  J.  1848  in  dem  Journ.  Acad. 
Philadelph.'  1.,  pag.  108  eine  Trichopteryx  fuscipennis. 
Matthews  giebt  selber  diese  Beschreibung  S.  15  seiner  Mono- 
graphie. 

Existirt  vielleicht  ein  frĂĽher  als  fuscipennis  beschriebner 
Trichopterygier,  dem  zu  Liebe  Haldcman's  Name  nicht  ange- 
nommen werden  kann? 

Freilich,  sngt  R.  M.,  und  citirt  als  Beweis*  (1.  c.  p.  7) 
Giihneister's  bereits   1845  erschienene  Trichopterygia,    p.     48. 

Was  finden  wir  da? 

Nichts  mehr  und  nichts  weniger  als  eine  Note  Gill- 
meister's,  in  welcher  er  zu  Trichopteryx  atomaria  Deg.  be- 
merkt, dass  von  dieser  Art  grosse  und  kleine,  hell  und  dunkel 
gefärbte  vorkommen,  und  dass  er  davon  Stücke  des  Berliner 
Museums  aus  Penn.sylvanien   mit  dem   Namen  fuscipennis  in  lit. 


131 

und  aus  Puertorieo  mit  dem  Numen  picipemiis  in  lit.  gesehen. 
(R.  M.   hat  das   ,,Nobis^'   falsch  gedeutet.) 

R.  M.  wird  doch  nicht  behaupten  wollen,  dass  diese 
Note  den  durch  Beschreibung  fundirten  Namen  Haldeman  s  in 
die  Synonymie  relegirt  oder  irgend  unbrauchbai-  macht? 

Aber!  es  giebt  ja  noch  ein  Ptilium  fuscipenne  Foerster? 
man  kann  es  sogar  im  MĂĽnchner  Kataloge  S.  244  gross  und 
breit  gedruckt  finden!  Doch  wenn  es  auch  nicht  von  Ehrn- 
Matthews  selber  als  Synonym  zu  Trieb.  Speucei  AUib.  gezogen 
würde,  so  stammt  es  ja  erst  von  1849,  kann  also  unmöglich 
Haldemans  Namen  von  1848  präjudiciren. 

Wie  lauten  nun  die  GrĂĽnde  des  R.  M.  fĂĽr  Ersetzung  des 
letztern  dui-cli  Tr.  Dohrni?  Hört  es,  andächtige  Zuhörer^ 
und  staunt! 

„The  facts  which  Dr.  Dohrn   has  thus  cited''^   (■ —  un- 
gefähr das,  was  ich  vorher  angeführt  habe   — )    appear 
to  me  in  themselves  sufticient  to  quash  the  name   „fus- 
cipennis"   altogether.'^   ('??) 
Ja,  der  ehrwĂĽrdige  Seelenhirt  nimmt  es  so  ernsthaft  mit 
der  Gültigkeit  seiner   „bedenklichen''   Wiedertäuferei,    dass    er 
so  unbesonnen  ist,   fortzufahren: 

It  is  evident,  that  Professor   Förster's    Ptilium   fus- 
cipenne was  anterior  in  date  to  T.    fuscipennis  of 
Haldeman,  it  is  also  certain  that    the    same    name    had 
been  applied  to  another  species  by   Gihmeister,   and  re- 
corded  in  p.   48  of  his   „Trichopterygia." '•') 
Dabei  vergisst  R.  M.,  dass  er  selber  fĂĽr  den    Haldeman- 
Namen  1848,  für  den    Förster -Namen    1849    angegeben    hat, 
was   „kein  Druckfehler"   ist,   und  sich  im  Münchner    Kataloge 
als  richtig  bestätigt  findet. 

Ich  halte  es  in  diesem  speciellen  Falle  für  gewiss,  „that 
the  acceptation  of  Tr.  Dohrni  will  not  wholly  depend  upon 
Rev.  Matthews'  opinion.'-' 

Zuversichtlich  hoffe  ich  sogar,  die  wenigen  Besitzer  der 
Trieb,  fuscipennis  Hald.  werden  das  Opfer  meiner  Entsagung 
zu  wĂĽrdigen  wissen  und  diesen  vollgĂĽltigen  Namen  ungeschoren 
lassen. 

Der  wunderbare  Mischmasch,  welchen  R.  M.  S.  8  1.  c. 
durch  verschiednes  „let  us  suppose"  zusammenrührt,  um  sich 
(aber  schwerhch  Andern)  zu  beweisen,  dass  fuscipennis  total 


*)  Wie  vorher  gezeigt,  ist  das  „applied  by  GiUmeister"  für  das 
BerUner  in  lit.  aus  Spraehunkenntniss  R.  M.'s  oder  seines  Dolmetschers 
zu  erklären. 

9* 


132 

verworfen  werden  niuss,  spricht  allen  anerkannten  Regeln  der 
Priorität  dictalorischen  Hohn. 

Nun  will  ich  nur  noch  einen  Punkt  der  Antikritik  her- 
ausheben, um  zu  zeigen,  wie  reizbar  R.  M.  an  recht  ver- 
kehrter Stelle  ist.  Ich  hatte  ganz  harmlos  bemerkt,  dass 
manche  seiner  Angaben  in  der  Monographie,  z.  B. 

P.   139  bei  Trieb,  ceylonica 

Habitat  Asiani,  in  Insula  Ceylon    a    Do.    Motschulsky 
capta, 

P.   125  bei  Trieb.  Wenckeri 

Hab.  Amer.  australem,  exemplo  unico    in    Braziliis  a 
Dre  H.  Schaum  capto, 
ungenau    lauten,    da    meines  Wissens    weder    Motschulsky    in 
Ceylon,  noch  Dr.  Schaum  in  Brasihen  gewesen  ist. 

DarĂĽber  sagt  R.  M. : 

Dr.  D.  mentions  errors  in  my  account  of  the  capture  of 
certain  species,  errors  so  utterlj^  frivolous  that  the  very  notice 
of  them  serves  to  show  the  difticulty  of  finding  faults. 

Also  fĂĽr  R.  M.  ist  es  ganz  einerlei,  ob  ein  Entomolog 
ihm  sagt:  „ich  selber  habe  das  Thier  da  und  da  gefunden*-', 
oder  ob  er  es  ihm  mit  der,  vielleicht  von  dem  ersten  besten 
(in  diesem  Falle  unzuverlässigsten)  Insectenhändler  auf  gut 
GlĂĽck  verliehenen  Patria  schickt?  Motschulsky  und  Schaum 
wĂĽrden  es  sicher  abgelehnt  haben,  sich  durch  das  capta 
oder  lecta  als  BĂĽrgen  fĂĽr  die  geographische  Verbreitung 
resp.  Heimat  dieser  Arten  verantwortlich  machen  zu  lassen! 
Die  Differenz  zwischen  Tr.  discolor  (exempHs  5  in  Braziliis 
a  Dre  H.  Schaum  captis)  und  zwischen  der  gleich  darauf 
folgeu(kni  Tr.  Dohrni  (in  Provincia  „New-York*-" *)  exempHs 
nonnuUis  a  Dre  H.  Schaum  captis)  ist  einfach  die,  dass  die 
Heimat  der  letzteren  eine  verbĂĽrgte  ist,  der  ersteren  nicht. 
Dabei  ist  gar  nichts  „utterly  frivolous*-'  als  höchstens  die  An- 
wendung dieser  abschätzigen  Bezeichnung. 

Ich  will  es  K.  M.  gern  glauben,  dass  der  Ausfall  gegen 
die  Recensenten  auf  p.  10  seiner  Antikritik  nur  auf  solche 
geht,  die  an  seinem  Werke  nichts  zu  mäkeln  wussten  als 
„errors  in  the  letter-press  and  supposed  defects  in  the  plates", 
Druckfehler  und  vermeintliche  Mängel  in  den  Tafeln.  Aber 
ich  will  ihm  schlagend  beweisen,  dass  meine  Monita  in  der 
Anzeige  seines  Buches  absichthch  das  Gebiet  der  Kritik 
vermieden  hatten. 


*)  Bravo,    Reverendo,    J    like    this    much    better    than    Novum 
Eburacum! 


133 

Als  Kritiker  hätte  ich  in  erster  Linie  die  Behauptung 
aufgestellt,  dass  R.  M.  besser  gethan  hätte,  sein  Buch  in  zwei 
Ausgaben  erscheinen  zu  lassen,  einer  mit  Tafeln  und  einer 
ohne  dieselben.  Denn  die  Mehrzahl  der  englischen  Coleop- 
terologen  befindet  sich  genau  in  derselben  unbegĂĽterten  Lage, 
wie  die  continentalen  —  sie  sind  bei  "Weitem  nicht  reich  ge- 
nug, um  sich  für  die  beschränkte  Familie  der  Trichopterygier 

—  139  Arten  gegen  vielleicht  50,000  der    übrigen    Familien 

—  das  Geldopfer  von  25  sh.  =  25  Reichsmark  für  einen 
eleganten  Quartanten  aufzuerlegen.  Indessen  auch  angenom- 
men, R.  M.  könnte  nachweisen,  dass  diese  billige  Rücksicht 
auf  die  Finanzen  der  Haupt-Interessenten  aus  anderweiten,  mir 
unbekannten  Gründen  nicht  zulässig  gewesen,  dann  würde  ich 
in  zweiter  Linie  weiter  argumentiren,  dass  bei  einer  solchen 
Pracht-Ausstattung  es  doppelt  unangenehm  berĂĽhrt,  wenn  die 
Correctheit  so  unaufmerksam  behandelt  worden  ist.  Und  es 
handelt  sich  dabei  nicht  bloss  um  die  zum  Theil  recht  augen- 
fälligen Druckfehler  (deren  unintentional  carelessness  der 
Verfasser  durch  die  ĂĽbernommene  Selbstcorrectur  nur  massig 
entschuldigt,  da  er  ja  nicht  zum  ersten  Male  etwas  drucken 
lässt),  sondern  auch  um  mancherlei  Sprachfehler,  welche 
nicht  auf  die  Rechnung  des  Setzers  geschoben  werden  können, 
der  doch  gewiss  nicht  (S.  164)  „exemplo  unico  alae  defi- 
ciuntur"  und  den  häufigen  syntactischen  Missbrauch  von  „quod'' 
zu  verantworten  hat.  Dass  ^margo"  bei  den  Classikern  mas- 
cuHni  generis  ist,  und  nur  von  untergeordneten  Schriftstellern 
als  femininum  gebraucht  wird,  scheint  R.  M.  absichthch  zu 
ignoriren.  Ein  mir  befreundeter  Philolog  hat  aus  dem  Pracht- 
Quartanten  mit  Goldschnitt  eine  respectable  Zahl  (40 — 50) 
von  feinen  und  gröbern  Verstössen  gegen  die  übliche  Latinität 
excerpirt. 

Aber  weder  die  von  mir  frĂĽher  angedeuteten  Monita, 
deren  vermeintliche  Zurückweisung  mit  positiv  „unnecessary 
asperity^'  durch  R.  M.  mir  nicht  sonderlich  geglĂĽckt  erscheint, 
noch  die  jetzt  gemachten  Ausstellungen  ändern  meine  damals 
ernst  und  aufrichtig  ausgesprochne  Ueberzeugung,  dass  A. 
Matthews'  Monographie  der  Trichopterygier  ein  tĂĽchtiges 
Werk  ist,  dessen  Verfasser  sich  um  die  Coleopterographie  ein 
hohes  und  bleibendes  Verdienst  erworben  hat. 

Stettin,  im  December   1875. 


134 


Nordamerikanisclie  Noctuiden, 

von 
\.  Grote  in  Buffalo. 


Die  VeröfTentliehimg  meiner  ersten  Liste  der  Nordameri- 
kanischen Arten  der  Noctuiden  hat  den  Erfolg  gehabt,  dass 
von  verschiedenen  Seiten  her  neue  Arten  und  Beobachtungen 
bekannt  gemacht  wurden,  welche  zum  Theil  Berichtigungen 
der  Lisie  nöthig  machten.  Im  November  1874  habe  ich  eine 
Check  list'"*)  publicirt,  in  welcher  die  Arten  der  zwei  ersten 
Abtheilungen  der  Gruppe  (Bombj'^ciee  und  Noctuditte  non  fas- 
ciatffi)  aufgezählt  sind.  Die  Arbeiten  von  Harvey,  H.  R.  Mor- 
rison und  H}^  Edwards  bringen  die  Zahl  der  Arten  dieser 
Abtheilungen  auf  die  ansehnliche  Nummer  790,  und  dennoch 
sind  seitdem  wieder  mehrere  neue  Arten,  besonders  aus  Ca- 
lifornien,  bekannt  geworden.  Der  Zweck  des  A^orliegenden 
Aufsatzes  ist  daher,  die  von  mir  in  der  entomol.  Zeitung  be- 
sprochnen  Gattungen  noch  einmal  durchzugehen,  damit  die 
deutschen  Leser  erfahren,  welche  Kenntniss  bis  jetzt  gewonnen 
ist^  besonders  werden  die  IVIittheilungen  ĂĽber  die  in  Nord- 
amerika und  Europa  einheimischen  identischen  oder  verwandten 
Arten  von  biteresse  sein,  nachdem  sie  von  Dr.  Speyer  zuerst 
wissenschaftlich  grĂĽndlich  abgehandelt  worden  sind. 

Bombycia  Hbn.  Das  Vorkommen  dieser  Gattung  an  der 
Westküste  Nordamerika's  hat  sich  nun  bestätigt.  Ich  habe 
ein  Exemplar  der  Bombycia  improvisa  Hy.  Edw.  unter- 
sucht und  als  sicher  zu  Bombycia  gehörig  erkannt.  "Wegen 
der  Gattungseintheilung  dieser  Gruppe  verweise  ich  auf  Dr. 
Harvey's  Aufsatz  in  den  Bulletins  der  Buff.  Soc.  N.  S.  vol.  1, 
S.  276. 

Apatela  Hbn.  Meine  Check  list  nimmt  48  Arten  ah, 
nachdem  9  Walker'sche  und  3  Harris'sche,  als  unkenntlich 
beschrieben,  ausgeschlossen  sind.  Es  sind  jedoch  schon  wieder 
2.  davon  eine  aus  Californien,  bekannt  geworden. 

Agrotis.  Die  Check  hst  zählt  127  Arten  auf.  Als  Unter- 
abtheilungen gelten  Pachnobia,  Matuta,  Anicla  und  Eurois 
(Aplecta);  auch  Ammnconia   chortalis    Harvey    (No.     149) 


'')  Verlag  von   Reincko  und    Zosrli,  500    Maine    Street.    Burt'alo  ; 
28  .Seiten  mit  einer  photographischen  Tafel;  Preis  6  Mark. 


135 

sollte  mit  eingereiht  werden.  Seitdem  sind  ĂĽber  30  Arten, 
meistens  aus  Californien,  bekannt  geworden,  so  dass  wir  schon 
jetzt  gegen  160  N.-A.  Arten  rechnen  können.  Mit  Europa 
haben  wir  gemein:  conflua,  baja,  c-nigrum,  fennica, 
plecta,  carnea,  islandica,  ypsilon,  saucia,  prasina 
und  occulta.  Die  mir  frĂĽher  als  rubi  geltende  Art  habe 
ich  als  verschieden  erkannt  und  als  rubi f er a  Gr.  beschrieben. 
Die  einzige  N.-A.  Agrotis  mit  gelben  HinterflĂĽgeln  ist  der 
Sibirischen  Chardinyi  sehr  ähnhch;  sie  kommt  in  New- 
Hampshire  auf  den  White  Mountains,  in  Newfoundland  und  auf 
den  Anticosti-Inseln  (an  der  MĂĽndung  des  St.  Lawrence-Stroms) 
vor.  Morrison  und  Strecker  erklären  sie  mit  jener  für  iden- 
tisch; ich  habe  deshalb  meine  gilvipennis  als  synonym  zu 
Chardinyi  gezogen,  obgleich  ich  noch  keine  Sibirischen  Exem- 
plare zu  vergleichen  Gelegenheis  hatte,  und  ich  mich  nicht 
wundern  wĂĽrde,  wenn  sich  die  specifische  Verschiedenheit 
dennoch  erwiese.  Dagegen  ist  es  gewiss,  dass  islandica  auf 
den  White  Mountains  als  alpine  Art  lebt.  Exemplare  von 
dort,  die  Morrison  als  opipara  beschrieben  hat,  Hessen  sich 
nicht  als  verschieden  von  einem  islandica  $,  das  Herr  Möschler 
niir  schickte,  anerkennen.  Ich  verweise  auf  den  Aufsatz  on 
the  effects  of  the  Glacial  Epoch  on  the  distribution  of  Insects 
in  North  America,  den  ich  im  August  1875  vor  der  Detroit- 
Versammlung  des  Vereins  zur  Förderung  der  Wissenschaft 
vorgetragen  habe,  und  der  in  Silliman's  Journal  und  im  Ca- 
nadian  Entomologist  abgedruckt  ist. 

Mamestra  Ochsenh.  Hiervon  zähle  ich  jetzt  44  und  von 
Dianthoecia  17  Arten  auf.  Anderwärts  habe  ich  die  Ansicht 
ausgesprochen,  dass  man  die  Arten  mit  hervorragendem  Lege- 
stachel nicht  von  Mamestra  trennen  dĂĽrfe,  sondern  sie  ohne 
RĂĽcksicht  auf  dieses  Merkmal  unter  die  Mamestra-Arten  ver- 
theilen  mĂĽsse.  Geschieht  dies,  so  wĂĽrden  wir  in  Nord- Amerika 
schon  61  Hadeniden  mit  behaarten  Augen  besitzen;  sicher 
wächst  diese  Zahl  noch,  besonders  in  Californien.  Die  Mor- 
rison'schen  Arten  sind  mir  jedoch  zum  grössten  Theile  unbe- 
kannt. Morrison's  Mamestra  promulsa,  die  ich  vor  Kurzem 
aus  Colorado  erhalten  habe,  ist  keine  Mamestra,  sondern  eine 
sichere  Anarta. 

Hadena  enthält,  nachdem  ich  die  beiden  von  Morrison 
beschriebenen  Luceria- Arten,  weil  sie  keinen  generischen 
Unterschied  zeigen,  dazu  gezogen  habe,  jetzt  50  Arten,  weil 
auch  die  Untergattung  Oligia,  welche  aus  verhältnissmässig 
kleinen  Arten  mit  convexem,  unbeschopftem  Hinterleibe  be- 
.steht,  nicht  gesondert  erhalten  werden  kann.     Demas  diver- 


136 

sifolov  Morr.  habe  ich  untersucht;  ich  kann  aber  dem  von 
Morrison  Gesagten  nicht  beistimmen,  sondern  hahe  das  Thier 
für  eine  Hadena  (Apamea  Guenee),  die  in  der  Nähe  von 
modica  stehen  muss.  Daher  wird  Demas  noch  nicht  als 
N. -Amerikanische  Gattung  betrachtet  werden  können. 

Oncocnemis  Led.  enthält  6  Arten  von  Colorado,  von  denen 
eine  mir  in  natura  unbekannte  von  Morrison  aufgestellt  ist. 
Diese  Gattung  kann  nicht  mehr  als  Gebirgsbewohnerin  gelten. 
Denn  auf  Long  Island  und  in  der  Gegend  von  Buffalo  sind 
Exemplare  vorgekommen,  die  Morrison  als  Varietät  oder  frag- 
liche Art  riparia.  beschrieben  hat,  die  mir  aber,  da  ich  beide 
Geschlechter  dieser  riparia  mit  dem  $  der  Chandleri  aus 
Colorado  sorgfältig  verglichen  habe,  nicht  A^on  der  letztern 
specifisch  verschieden  scheinen.  Das  Chandleri  $  weicht  etwas 
von  meiner 'typischen  Chandleri  ab,  indem  die  HinterflĂĽgel 
keine  so  regelmässige  Binde  tragen,  sondern  das  Braune  un- 
gefähr wie  bei  riparia  aufgetragen  zeigen.  Dagegen  hat  Dr. 
Harvey  eine  bestimmt  neue  Art  aus  Texas,  Oncocn.  Au- 
gustus,  aufgestellt.  Er  behauptet  auch,  dass  seine  Homo- 
hadena  atricollaris  eine  Oncocnemis  sei;  ist  dies  richtig, 
so  wĂĽrde  Morrison's  Gattung  Copi hadena  wegfallen. 

Metalepsis  Grote,  welchen  Namen  ich  fĂĽr  cornuta  Grote 
und  rubricosa  W.-V.  vorgeschlagen  habe,  ist  mit  Pachnobia 
Heinemann  identisch;  allein  der  Name  Pachnobia  muss  fĂĽr  die 
typische  Art  carnea  reservirt  bleiben. 

Choephora  Grt.  &  Rob.  hat  alle  Schienen  bewehrt,  jedoch 
ganz  den  Habitus  von  Orthosia.  Ich  finde  jetzt,  dass  mit  ihr 
Pseudorthosia  zusammenfällt,  weil  kein  andrer  Unterschied 
ist,  als  dass  bei  Choephora  die  Fühler  gekämmt,  bei  Pseud- 
orthosia nur  weniger  stark  kammzähnig  sind.  Bei  beiden  sind 
die  Augen  nackt,  bewimpert,  die  Schienen  alle  bedornt,  und 
der  Hinterleib  ragt  ĂĽber  die  HinterflĂĽgel  hinaus. 

Lithophane  Hbn.  Davon  sind  15  Arten  bekannt,  da- 
gegen 6  Walker'sche,  zu  Xylina  gezogene,  ausgeschlossen  als 
zu  ungenĂĽgend  charakterisirt.  Seitdem  sind  zwei  neue  auf  der 
WestkĂĽste  entdeckt. 

Cleophana.  Die  Californische  Art  Cl.  eulepis  sieht 
einigen  Cucullien  ähnlich,  trägt  aber  an  den  Vorderschienen 
Krallen.  Occata  Grote  habe  ich  zu  Oncocnemis  gestellt,  weil 
bei  den  neuerlich  von  Beifrage  aus  Texas  erhaltenen  Exem- 
plaren der  Kragen  nicht  die  Spur  eines  Zusammenstossens  in 
der  Mitte  zeigt,  wie  es  bei  meinem  Typus,  offenbar  durch 
Zufall,  erfolgt  ist.  IMir  fehlen  noch  immer  europäische  Exem- 
plare von  Cleophana. 


137 

Telesilla  H.-S.  Die  Morrison'sche  T.  vesca,  die  ich  erst 
jetzt  in  natura  kennen  gelernt  habe,  ist  nichts  weiter  als  die 
ĂĽberall  verbreitete  Galgula  subpartita  Guen.  Herr  Mor- 
rison hat  auch  in  der  letzten  Zeit  die  allgemein  bekannte 
Hyppa  xylinoides  Guen.,  die  Stellvertreterin  der  euro- 
päischen rectihnea,  als  Hadena  ancocisconensis  beschrieben! 

Aunaphlla  Grote.  Die  Zahl  der  Arten  dieser  Cahfor- 
nischen  Gattung,  die  eine  gewisse  Aehnlichkeit  mit  Brephos 
zeigt,  sich  aber  durch  den  Besitz  von  Ocellen  unterscheidet, 
ist  nun  auf  1 1  gestiegen.  Viele  interessante  Arten  sind  in  der 
letzten  Zeit  durch  den  unermĂĽdlichen  Fleiss  des  bekannten 
Naturforschers  Hy.  Edwards  entdeckt  worden.  FĂĽnf  hat  er 
vor  Kurzem  mit  grosser  Sorgfalt  unterschieden  und  beschrieben. 

Acdophron  Led.  Die  erste  amerikanische  Art  dieser 
Gattung  hat  Professor  Snow  in  Kansas  aufgefunden.  Sie  ist 
hellgelblich,  auf  den  VorderflĂĽgeln  rosa  angeflogen,  auf  den 
Hinterflügeln  schwärzhch  mit  röthhchen  Schattirungen.  Das 
ziemhch  robuste  Thier  scheint  noch  eine  Seltenheit  zu  sein. 
Ich  habe  die  Art  zu  Ehren  des  fleissigen  Entdeckers  Aedophr. 
Snowi  benannt. 

Spragueia  Grote.  Durch  Abschuppen  der  FlĂĽgel  von 
leo  und  fasciatella  habe  ich  gefunden,  dass  unsere  Nord- 
amerikanischen Arten  dadurch  von  Agriphila  abweichen,  dass 
Ader  7  und  8  auf  den  VorderflĂĽgeln  getrennt  aus  der  Neben- 
zelle entspringen,  während  beide  Rippen  bei  Agr.  sulphu- 
ralis  eine  gestielte  Gabel  bilden.  Unsere  Arten  haben 
schmälere,  spitzwinkligere  A^orderflügel  und  eine  entschieden 
andere  Anlage  der  Zeichnungen. 

Der  Freundlichkeit  der  Herren  James  Behrens  in  San 
Francisco  und  0.  Meske  in  Albany  habe  ich  viele  interessante 
Arten  zu  verdanken;  ebenso  haben  mich  die  Herren  Dr.  Speyer 
und  Möschler  durch  viele  werthvolle  Mittheilungen  verpflichtet. 
Ich  erlaube  mir  hier,  ihnen  allen  meinen  herzlichen  Dank 
auszusprechen. 


138 


Beiträge 
zur  Lepidopteren- Fauna  Sicilien's, 

von 
Adolf  von  Kalclibers. 


Nach  einem  vierthalbjährigen  Aufenthalte  in  Sicilien  Ende 
des  Jahres  1874  nach  Oesterreich  zurĂĽckgekehrt,  war  es 
meine  Absicht,  so  rasch  als  möglich  eine  grössere  Arbeit  über 
die  Lepidopteren  der  interessanten  Insel  zu  veröffeijtlichen. 
*A.ndere  Geschäfte  haben  jedoch  dieses  mein  Vorhaben  derart 
verzögert,  dass  ich  auch  noch  in  nächster  Zeit  mit  meinen, 
in  mancher  Beziehung  vielleicht  interessanten  Beobachtungen 
nicht  werde  vor  die  Oeflentlichkeit  treten  können. 

Durch  die  besondere  Gefälligkeit  des  Herrn  Dr.  Otto 
Staudinger,  welchem  ich  hiemit  meinen  verbindhchsten  Dank 
sage,  bin  ich  jedoch  in  die  angenehme  Lage  versetzt,  vorläufig 
dreizehn  neue,  von  mir  in  Sicihen  aufgefundene  Arten  und 
eine  neue  Varietät  zu  pubhciren.  Beschrieben  sind  dieselben 
A'on  Herrn  Dr.  Staudinger,  und  es  befinden  sich  diese  StĂĽcke  in 
dessen  Sammlung;  ich  habe  seiner  Beschreibung  nur  meine 
Bemerkungen  ĂĽber  Fundort  und  Erscheinungszeit  beigefĂĽgt. 

Pararge  Maera  var.  Sicula,  Stgr. 

Diese  Localform  der  Par.  Maera  verdient  mindestens  mit 
demselben  Rechte  unter  eigenem  Namen  bezeichnet  zu  wer- 
den, wie  die  var.  Adrasta  oder  var.  Adrastoides.  In  der 
Grösse  kommen  die  Sicilianer  grossen  deutschen  Maera  gleich; 
das  Charakteristische  dieser  var.  Sicula  ist  ein  bunteres  Aus- 
sehen als  bei  den  übrigen  Maera -Varietäten ,  was  durch  die 
Aussenrandzeichnung  bedingt  wird.  Die  dunkle  Limballinie 
vor  den  helleren  Franzen  ist  in  der  Mitte  durch  eine  gelbe 
Linie  getheilt,  bei  den  $$  stets  sehr  auffallend,  den  ^^  we- 
niger, zuweilen  fast  gar  nicht.  Dies  findet  sich  sehr  selten 
bei  den  $$  der  var.   Adrasta. 

Besonders  auffallend  ist  aber  die  vor  dieser  Limballinie 
befindliche  gelbe  Aussenrandlinie,  M'elche  bei  den  $$  fast 
mondfleckenartig  auftritt,  während  sie  bei  den  ,^,^,  zumal  auf 
den    VorderflĂĽgelu,    zuweilen    fast    ganz    verschwindet.      Auch 


139 

diese  Zeichnung  findet  sich  meistens  bei  den  $$  der  var. 
Adrasta  mehr  oder  weniger  angedeutet. 

Der  Hauptunterschied  der  var.  Sicula  von  der  A'^ar.  Adrasta 
ist  aber  der,  dass  der  Diseus  der  VorderflĂĽgel  ganz  dunkel 
bleibt,  während  das  Braun-  oder  Gelbwerden  der  ganzen  Vor- 
derflĂĽgel ja  gerade  das  Charakteristische  der  var.  Adrasta  ist. 
Die  var.  Adrastoides,  die  auch  im  Discus  ganz  dunkel  bleibt, 
hat  nie  die  bunten  Randzeichnungen  und  besonders  eine  ganz 
dunkle  Unterseite,  weit  dunkler  als  bei  der  Stammart.  Die 
var.  Sicula  hat  eine  hellgraue  Unterseite  der  HinterflĂĽgel,  etwa 
wie  bei  der  var.  Adrasta,  weit  lichter  als  bei  der  Stammart. 
â–   Die  Unterseite  der  VorderflĂĽgel  ist  wie  bei  var.  Adrasta 
(Staudinger). 

Dieser  Varietät  hat  schon  Mann  in  der  Wien,  entom. 
Monatschrift,  Jahrgang  1859,  kurz  Erwähnung  gethan.  Er 
fing  dieselbe  im  Thale  Valle  corta  (bei  ihm  unrichtig  Palla 
gutta  genannt),  unweit  von  Monreale  bei  Palermo,  doch  scheint 
sie  dort  selten  zu  sein.  Auf  dem  Madonia-Gebirge  und  spe- 
ciell  bei  Castelbuono  ist  sie  es  viel  weniger.  Ich  fand  sie  auf 
den  steinigen  Wegen  in  der  Umgebung  des  genannten  Städt- 
chens, insbesondere  in  der  Region  zwischen  S.  Guglielmo  und 
Barracca,  wo  sie  den  Mai  hindurch  in  Mehrzahl  fliegt,  gegen 
Ende  des  Monats  jedoch  schon  stark  verflogen  ist ;  höher  im 
Gebirge  trifft  man  sie  in  guten  Exemplaren  noch  im  Juni. 
Sie  vertritt  in  Sicilien  die  Stammart. 

Hypenodes  Kalchbergi,  Stgr. 

Ob  die  vorliegende  Art  wirkhch  eine  ächte  Hypenodes 
ist,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden.  Die  Palpen  und  FĂĽhler 
sind  ebenso  gebildet  wie  die  der  bekannten  zwei  (euro- 
päischen) Arten,  dahingegen  sind  die  Flügel  etwas  kürzer  und 
breiter.  Es  liegen  mir  zehn  Exemplare  dieser  neuen  Art  aus 
Sicilien  vor,  lauter  ,^<^,  und  leider  fast  alle  mehr  oder  minder 
abgeflogen,  nur  zwei  bis  drei  StĂĽcke  sind  ganz  frisch,  wenn 
auch  etwas  defect. 

Flügelspannung  12 — 15  mm.  Die  Fühler  sind  fein,  aber 
ziemlich  lang  beM'impert;  die  Palpen  horizontal  vorstehend 
mit  langem,  behaartem  Mittelgliede,  aus  dem  das  kleine 
schwarze  Endglied,  an  der  Spitze  Aveiss,  nach  oben  hervorragt. 
Die  VorderflĂĽgel  sind  grauschwarz  mit  einer  sehr  undeutlichen 
lichten  Basallinie  und  einer  etwas  deutlicheren  Aussenlinie, 
die  dicht  hinter  der  Mittelzelle  vorbeigeht,  wo  sie  einen  ziem- 
lichen Bogen  nach  aussen  macht.     Am    Ende    der    Mittelzelle 


140 

steht  ein  weisslicher  Längsfleck  (Mittelmond).  Die  lichten 
Querlinien  sind  beide  nach  innen  von  einer  ziemlich  scharfen 
schwarzen  Linie  eingefasst.  Eine  dritte  sehr  undeuthche  ge- 
zackte lichte  Querlinie  steht  dicht  vor  dem  Aussenrande. 
Hinter  der  zweiten  Querlinie  stehen  hart  am  Vorderrand  vier 
lichte  Fleckchen;  ebenso  treten  solche  an  der  Basis  der  Franzen 
auf,  die  bei  einem  StĂĽck  fast  gescheckt  zu  nennen  sind. 

Die  HinterflĂĽgel  wie  die  Unterseite  aUer  FlĂĽgel  sind  ein- 
tönig grauschwarz.  Die  Beine  sind  nicht  so  lang  wie  bei  den 
andern  beiden  Hypenodes-Arten,  etwas  lichter,  und  die  Fuss- 
glieder  undeutlich  geringelt. 

Ich  besitze  noch  zwei  StĂĽcke  aus  Derbent  (von  Christoph) 
und  eines  aus  Macedonien  (von  KrĂĽper),  die  wohl  sicher  auch 
zu  Hypenodes  Kalchbergi  gehören.  Sie  sind  nur  etwas  kleiner 
und  anscheinend  auch  etwas  schmalflĂĽgeliger.  Die  Zeichnung 
stimmt  sonst  ĂĽberein,  soweit  dieselbe  bei  diesen  auch  nicht 
reinen  StĂĽcken  zu  erkennen  ist. 

Ich  erlaube  mir  diese  neue  Art  zu  Ehren  des  Herrn 
Ad.  von  Kalchberg  zu  benennen,  der  mit  grossem  Eifer  auf 
Sicilien  sammelte  und  diese  interessante  Insel  mit  einer  An- 
zahl dort  noch  nicht  gefundener  Lepidopteren  bereicherte. 
(Staudinger.) 

Die  Localität,  wo  ich  diese  neue  Art,  welche  nach  mir 
zu  benennen  Herr  Dr.  Staudinger  mir  die  Ehre  erwies,  ent- 
deckte, ist  ein  feuchter,  schattiger  Kastanienwald  oberhalb  der 
erwähnten  Kapelle  S.  Guglielmo  bei  Castelbuono,  mit  einer 
Quelle  und  Steinbank,  wohin  ich  mich  vor  den  glĂĽhenden 
Sonnenstrahlen  zeitweise  zu  flĂĽchten  pflegte,  wenn  ich  in  dieser 
Gegend  sammelte.  Die  Wege,  welche  durch  den  Wald  fĂĽhren, 
sind  von  dichten  Brombeer-  und  Waldrebenhecken  eingefasst, 
um  welche  Hypenodes  Kalchbergi  kurz  vor  und  nach  Sonnen- 
untergang schwärmt.  Ihre  Haupterscheinungszeit  fällt  in  das 
letzte  Drittel  des  Juni;  bei  Tage  gelang  es  mir  nur  einmal, 
ein  StĂĽck  aus  den  Hecken  zu  scheuchen,  und  zwar  am  22. 
des  genannten  Monats. 

AcidaHa  Mutilata,  Stgr. 

Obwohl  mir  von  dieser  Art  nur  drei  StĂĽcke  ohne  Leib 
vorliegen,  so  sind  doch  wenigstens  zwei  derselben  frisch  und 
franzenrein,  und  genĂĽgen  zur  Aufstellung  einer  neuen  Art. 

Dieselbe  steht  dicht  bei  Litigiosaria  B.  und  Ossiculata  Ld., 
also  in  der  Lederer'schen  Gruppe  A.  b.  1.  00,  wo  Rippe  6 
und  7  der  HinterflĂĽgel  gestielt  sind,  die  Hinterbeine  in  beiden 


141 

Geschlechtern  Endsporne  haben  und  die  FĂĽhler  der  ,^^  gleich - 
massig  kurz  bewimpert  sind. 

Zwei  der  vorliegenden  Stücke  sind  Männchen,  das  dritte 
ein  Weibchen.  Grösse  etwa  wie  bei  Litigiosaria,  22 — 25  mm. 
Stirne  schwarz,  Scheitel  licht  wie  bei  dieser  Art  und  Ossicu- 
lata.  Die  Grundfärbung  der  Flügel  ist  lichtgrau  mit  sehr  ge- 
ringem gelblichen  Anflug,  besonders  beim  $.  Die  dunklen 
Punkte  am  Ende  der  Mittelzellen  sind  oben  mindestens  ebenso 
stark,  unten  weit  schwächer  als  bei  Litigiosaria.  Die  schwar- 
zen Punkte  oder  Striche  in  der  Limballinie  sind  weit  stärker 
als  bei  Litigiosaria  oder  gar  Ossiculata.  Besonders  verschieden 
von  beiden  Arten  sind  die  Quer-  und  Wellenlinien.  Bei  der 
Ac.  Mutilata  tritt  die  erste  QuerHnie  hinter  der  Mittelzelle  weit 
schärfer  als  die  andern  hervor,  und  ist  dieselbe  auch  auf  den 
Hinterflügeln  stark  unregelmässig  gezackt.  Auch  vor  dem 
Mittelpunkt  der  VorderflĂĽgel  tritt  eine  Basalquerlinie  ziemlich 
deutlich  auf,  die  bei  den  genannten  andern  beiden  Arten  nicht 
zu  erkennen  ist.  Hinter  der  starken  Querzackenlinie  bemerkt 
man  bei  Mutilata  nur  noch  zwei  undeuthche  schwache  Quer- 
linien, ähnlich  wie  bei  Litigiosaria,  während  Ossiculata  hinter 
der  Mittelzelle  nicht  drei,  sondern  vier  dicht  nebeneinander 
parallel  herziehende  Wellenlinien  hat.  Die  Unterseite  der 
VorderflĂĽgel  ist  dunkel  augeflogen,  die  der  HinterflĂĽgel  hcht, 
wie  bei  den  beiden  ähnlichen  Arten.  Die  eine  starke,  ge- 
zackte Querlinie  unterscheidet  sie  aber  hinlänglich  von  beiden. 
(Staudinger.) 

Am  5.  October  1873  fing  ich  das  erste  StĂĽck  dieser 
neuen  Art,  ein  $,  an  einem  schönen,  windstillen  Abend  vor 
Aufgang  des  Mondes  bei  Licht  in  Valdesi  bei  Palermo;  es  ist 
dies  ein  von  grossen  Weingärten  umgebenes,  einsames  Gehöft 
an  der  sandigen  Bucht  von  Mondello,  einer  ausgezeichneten 
Localität,  wo  ich  mehrere  Monate  Avohnte.  Das  zweite  und 
dritte  Exemplar,  beide  (^(^,  kamen  ebendort  am  7.  und  15. 
October  zum  Licht  geflogen.  Später  erhielt  ich  keines  mehr, 
es  scheint  also  die  Erscheinungszeit  dieser  Acidalia-Art  nicht 
von  langer  Dauer,  oder  letztere  sehr  selten  zu  sein. 

Acidalia  Determinata,  Stgr. 

Von  dieser  ausgezeichneten  Art  liegt  mir  ein  Pärchen 
vor;  das  ,^  (24  mm.)  ist  sehr  frisch  und  schön,  das  $  (21  mm.) 
etwas  geflogen  und  mit  verstĂĽmmeltem  Leib.  Auch  diese  neue 
Art  gehört  in  dieselbe  kleine  Lederer-sche  Abtheilung  der 
Gattung  Acidalia  wie  die  vorige,  unterscheidet  sich  aber  sofort 
von  jeder  mir  bekannten  Acidalia. 


142 

Die  Grundfarbe  ist  schmutzig  gelb,  sehr  wenig  in  s  Röth- 
liche  spielend,  doch  weit  weniger  als  dies  bei  Ac.  Consangui- 
naria  Ld.  der  Fall  ist,  bei  welcher  Art  diese  neue  am  Besten 
eingereiht  wird.  Die  Grundfarbe  ist  oben  ĂĽberall  mit  grossen 
schwarzen  Schuppen  spärlich  bestreut.  Auf  den  Vorderflügeln 
steht  etwa  bei  ^j^  der  Länge  eine  sehr  schiefe  schwarze 
Querlinic,  die  nach  vorn  einen  starken  Winkel  nach  aussen 
macht.  Am  Schluss  der  Mittelzelle  steht  auf  allen  FlĂĽgeln 
ein  grosser  schwarzer  Punkt.  Hinter  der  Mittelzelle  verlaufen 
ganz  dicht  bei  einander  zwei  scharfe,  gezackte 
schwarze  Querlinien,  wie  sie  sonst  bei  keiner  andern 
Acidalia  sich  ähnlich  voriinden.  Die  innere  dieser  beiden 
Querlinien  erreicht  nicht  den  Vorderrand,  sondern  endet  bei 
der  Subcostalis.  Weit  getrennt  davon  nach  aussen  verläuft 
eine  dritte  dunkle  Querbinde,  und  eine  vierte  breitere  befindet 
sich  dicht  vor  den  Franzen.  In  der  lichten  Limballinie  stehen 
am  Ende  jeder  Rippe  sehr  starke  schwarze  Punkte.  Die 
Unterseite  ist  besonders  an  der  Basis  der  VorderflĂĽgel  dunkler 
bestäubt,  und  fehlt  hier  die  erste  dunkle  Querlinie,  während 
die  äusseren  dunklen  Querlinien  oder  Binden  hier  fast  noch 
schärfer  hervortreten.  In  der  dunklen  Randbinde  erscheinen 
die  Rippen  ganz  hell,  am  Ende  je  mit  dem  grossen  schwarzen 
LimbalpĂĽnkt  wie  oben.     (Staudinger.) 

Auch  Acidalia  Determinata  bewohnt  dieselbe  Locahtät 
wie  Ac.  Mutilata;  meiner  steten  Begleiterin,  der  Lampe,  welche 
auch  an  den  Abhängen  des  Madonia-Gebirges  die  besten  Dienste 
leistete,  verdanke  ich  die  Auffindung  dieser  ausgezeichneten 
Art.  Das  ,^  fing  ich  am  27.  September,  das  $  am  14.  Oc- 
tober   1873.         ^ 

Eupithecia  Luteostrigata,  Stgr. 

Obwohl  mir  nur  (^in  einziges  gut  erhaltenes  Weihchen 
dieser  Art  vorliegt,  so  ist  es  doch  vor  allen  mir  bekannten 
Eupithecia- Arten  so  ausgezeichnet,  dass  ich  keinen  Anstand 
nehme,  danach  eine  neue  Art  aufzustellen.  FlĂĽgelspannung 
15  mm.  Grundfarbe  weisslich  mit  lehmgelben  Querlinien  (oder 
Binden)  auf  allen  FlĂĽgeln,  und  einem  grossen  schwarzen 
Mittelpunkt  der  VorderllĂĽgel.  Am  besten  ist  diese  neue  Art 
hinter  Perfidata  Mn.  einzui-eihen.  Wie  hier  (und  auch  bei 
Linariata  und  Pulchellata)  tritt  eine  breite  gelbe  Basal-  und 
Aus.^enrandshinde  am  deutlicli.slen  auf;  weit  undeuthcher  sind 
die  beiden  Mittelbindcn,  zwischen  denen  am  Schluss  der  Mittel- 
zelle d(-r  grosse  schwarze  Mittelmond  steht.      Die  beiden  Mittel- 


143 

binden  sind  hart  am  Yorderrande  etwas  schwärzlich,  ebenso 
sitzt  unmittelbar  an  der  Basis  noch  ein  schwarzer  Strich  am 
Vorderrande.  Auf  den  HintertlĂĽgeln  fehlt  die  Basalbinde,  und 
der  Mittelmond  ist  hier  weit  schwächer.  Die  Unterseite  ist 
fast  eintönig  schmutzig-weiss,  nur  die  Mittelmonde  und  die 
Aussenrandbinden  scheinen  sehr  schwach  durch.  Diese  kleine 
hĂĽbsche  Art  ist  mit  keiner  andern  zu  verwechseln.  (Stau- 
dinger.) 

Von  dieser  Art,  unstreitig  einer  der  hĂĽbschesten  des 
Genus  Eupithecia,  wurde  mir  leider  nur  ein  einziges  StĂĽck  zii 
Theil,  welches  in  mein  Zimmer  zum  Licht  geflogen  kam;  es 
war  dies  am  25.  Mai  1872  in  der  Via  Malaspina  zu  Palermo. 
Ein  Fenster  der  Wohnung  hatte  die  Aussicht  in  einen  grossen, 
reich  mit  südlichen  Bäumen,  Sträuchern  und  Pflanzen  bewach- 
senen Garten,  wo  das  Exemplar  sich  entwickelt  haben  muss, 
da  es  ganz  frisch  war;  doch  gelang  es  mir  trotz  eifrigen 
Suchens  nicht,  dort  ein  zweites  zu  finden. 

Nephopteryx  Maculata,  Stgr. 

VorderflĂĽgel  bleigrau,  beim  ,^  lichter,  nut  einem  w^eiss- 
lichen  Fleck  auf  der  Mitte  der  Submediana.  FlĂĽgelspannung 
19  —  24  mm. 

Älir  liegen  von  dieser  neuen  Art  12  Exemplare  (3  r^  und 
9  $)  vor,  von  denen  jedoch  nur  1  ^  und  2  —  3  ^  frisch  und 
gut  erhalten  sind.  Neph.  Maculata  hat  etwa  die  FlĂĽgelgestalt 
und  Grösse  einer  mittleren  Rhenella,  ist  aber  durch  ihre  Zeich- 
nung von  allen  bekannten  Arten  verschieden,  und  wird  am 
besten  hinter  der  auch  sehr  eintönigen  Albicilla  eingereiht. 
Die  männlichen  Fühler  haben  einen  ziemlich  starken  Basal- 
Schuppenbusch,  und  sind  etwa  bis  zur  Hälfte  ziemlich  stark 
sägeförmig.  Der  Kopf  ist  licht  braungelb,  der  Leib  und  die 
Beine  mehr  graugelb.  Die  VorderflĂĽgel  scheinen  bei  den  $$ 
auf  den  ersten  Blick  fast  eintönig  bleigrau  mit  etwas  bräun- 
licher Beimischung  zu  sein,  bei  den  (^^  sind  sie  weit  lichter, 
schmutzig  graugelb.  Als  Zeichnung  fällt  nur  ein  gelblicher, 
in  der  Mitte  wei^s  gekernter,  verloschener  Fleck  auf,  der  etwa 
auf  der  Mitte  der  Submediana  sitzt,  also  hart  am  Innenrande. 
Genauer  besehen,  finden  sich  noch  einzelne  kleine  weisse 
Striche  vor,  die  auf  den  Rippen  sitzen,  von  denen  indessen  nur 
einer  auf  der  Mediana  deutlicher  auftritt.  Hinter  diesem  be- 
merkt man  zuweilen  noch  einen  kleinen  schwarzen  Punkt,  und 
einen  zweiten  am  Schluss  der  MittelzeUe.  Bei  den  lichteren 
(^,^  zeigt  sich  dei-  schwarze  Punkt  striehförmig   auf    der    Me- 


144 

diana.  Die  HinterflĂĽgel,  sowie  die  Unterseiten  aller  FlĂĽgel 
«ind  glänzend  graugelb.  Auf  den  Hinterflügeln  führen  die 
Franzen  eine  dunkle  Basallinie,  welche  durch  eine  feine  helle 
Linie  von  der  gleichfalls  dunklen  LinibalHnie  getrennt  ist.  Zu 
verwechseln  ist  diese  neue  Art  mit  keiner  mir  bekannten. 
(Staudinger.) 

Die  Art  ist  gar  nicht  selten.  Das  erste  StĂĽck  fing  ich 
bei  Licht  in  Valdesi  bei  Palermo,  am  18.  September  1873, 
die  ĂĽbrigen  auf  dieselbe  Weise  bis  gegen  die  Mitte  des  Oc- 
tober;  weniger  zahlreich  erhielt  ich  sie  am  gleichen  Orte  und 
zur  nämlichen  Zeit  im  Jahre  1874.  Die  Thiere  flogen  immer 
erst  kurz  vor  oder  nach  Mitternacht. 

Acrobasis  (?)  Singularis,  Stgr. 

VorderflĂĽgel  aschgrau  mit  einer  doppelten  schwarzen 
Basalquerlinie,  einer  solchen  Aussenlinie  und  Mittelmond.  FlĂĽ- 
gelspannung 18 — 21   mm. 

Es  liegen  mir  hievon  1 1  StĂĽck,  dabei  nur  ein  $,  vor, 
die  zwar  meist  etwas  defect,  aber  sonst  fjisch  und  franzen- 
reiu  sind.  Ob  die  Art  wirklich  eine  Acrobasis  ist,  wage  ich 
nicht  zu  entscheiden,  da  durch  die  zahlreichen  Entdeckungen 
der  Neuzeit  die  Genera  der  Phyciden  ziemlich  schwankend 
geworden  sind,  und  eine  grĂĽndliche  systematische  Bearbeitung 
derselben  sehr  nöthig  ist.  Acr.  Singularis  muss  gleich  hinter 
Obtusella  stehen,  hat  dieselbe  Grösse  und  wenigstens  ähnliclie 
Zeichnungsanlage  als  diese  weit  dunklere  Art.  Die  FĂĽhler 
der  Männchen  sind  schwach  sägeförmig  und  bis  zum  Ende  mit 
ziemHch  langen  Wimpern  versehen.  Das  erste  Glied  hat 
einen  nach  innen  gerichteten  starken  zahnartigen  Fortsatz  wie 
bei  Obtusella.  Die  Palpen  sind  nach  aufwärts  gerichtet  und 
länger  als  bei  Obtusella.  Der  Kopf  und  Thorax  sind  aschgrau 
mit  schwarzen  Atomen  gemischt.  Ebenso  ist  die  Färbung  der 
Vorderfiügel.  Dieselben  führen  etwa  bei  1/3  ihrer  Länge  eine 
fast  gerade  schwarze  Querlinie,  neben  welcher  nach  aussen 
von  der  Subcostalis  beginnend,  eine  zweite  dicht  parallel  in 
den  Innenrand  verläuft.  Der  schmale  Raum  zwischen  beiden 
ist  bräunlich  ausgefüllt  und  die  erste  (innere)  schwarze  Linie 
nach  Innen  weisslich  begrenzt. 

Vor  dem  Aussenrande  steht  eine  etM'as  gezackte  und  ge- 
bogene, scharfe,  schwarze  Querlinie,  die  nach  aussen  weisslich 
umrandet  ist.  Dicht  an  dieser  steht  hart  am  Vorderrand  ein 
schwarzer  Wisch,  der  kurz  vor  der  Spitze  ausläuft.  Am 
Schluss  der  Mittelzelle   befindet    sich    ein    scharfer    schwarzer 


145 

Mondsti-ich  mii  der  convexen  Seite  nach  innen,  ganz  ähnlieh 
wie  bei  Myel.  Legalella.  Unter  demwelben  steht  mei«t  noch 
ein  ähnlicher,  aber  nur  sehr  .schwach  angedeuteter  Mondstrich, 
der  aber  bei  einigen  StĂĽcken  ganz  fehlt.  Die  Saumlinie  vor 
den  grauen  Fi'anzen  ist  scharf  schwarz.  Die  Unterseite  ist 
dunkel  mit  lichterem  Glanz,  nur  die  obere  schwarze  Aussen- 
i'andlinie  scheint  sehr  matt  durch.  Die  HinterflĂĽgel  sind 
schmutzig  weiss,  nach  der  Spitze  hin  dunkler.  Die  Limbal- 
Jinie  ist  dunkel,  imd  in  der  Basis  der  Franzen  steht  gleichfalls 
eine  dunklere  Linie,  die  aber  nur  sein-  schwach  angedeutet 
ist.  Die  Beine  sind  grau,  die  FĂĽsse  lichter  geringelt,  die  mitt- 
leren Schienbeine  haben  einen,  die  hinteren  zwei  dunkle 
Flecke. 

Abgesehen  von  dem  verschiedenen  FĂĽhlerbau  unterscheidet 
sich  die  weit  lichtere  Acr.  Singularis  auch  durch  die  ver- 
schiedene Basalzeichnung  der  VorderdĂĽgel  etc.  sogleich  von 
Acr.   Obtusella.     (Staudinger.) 

Von  Ende  August  bis  Ende  September  1873  nicht  selten 
in  Valdesi  bei  Licht  gefangen. 

Lita  Singula,  Stgr. 

Vordertlügel  schwarzgrau  und  weiss  gemischt,  ganz  ähn- 
lich wie  bei  dei-  Lita  Strelitziella,  aber  ohne  eine  Spur  der 
braunen  Flecke.    FlĂĽgelspannung   14  mm. 

Lila  Singula  sieht  auf  den  ersten  Blick  der  Strelitziella 
sehr  ähnlich,  die  Zeichnung  der  Vorderflügel  ist  fast  genau 
dieselbe,  die  Färbung  aber  verschieden.  Zunächst  fehlt  ihr 
jede  Spur  der  braunen  Flecke,  die  bei  Strehtziella  die  vier 
schwarzen  Punkte  mehr  oder  minder  umgeben.  Dann  ist  das 
Weisse  hier  gelblich,  nicht  so  rein  weiss  wie  bei  Strelitziella. 
Die  Palpen  sind  slark  nach  oben  gekrümmt  und  Aveit  länger 
als  bei  Strelitziella,  auch  ist  das  zweite  Glied  glatter  beschuppt, 
gelbweiss,  nach  aussen  dunkler.  Das  lange  Endglied  ist 
dunkel  mit  lichter  Spitze.  Die  Stirn  ist  gelbhch,  dei-  Scheitel 
dunkel.  Die  FĂĽhler  sind  l)ei  Singula  entschieden  dicker,  an- 
scheinend auch  etwas  kĂĽrzer  als  l)ei  Strelitziella.  Die  lichten 
Beine  sind  an  den  Tarsen  dunkel  geringelt  und  an  den  hin- 
teren Schienbeinen  dunkel  gefleckt. 

Die  dunklen  VorderflĂĽgel  haben  einen  schwarzen  Basal- 
punkt,  zwei  senkrecht  ĂĽbereinander  stehende  schwarze  Punkte 
\'or  der  Mitte  und  einen  solchen  hinter  der  Mitte  des  FlĂĽgels. 
Hinter  letzterem  steht  die  weissliche  Aussenbinde,  wie  bei 
Strelitzielk).   ^^'ährell(l   Iiinter  den    beiden    mittleren    schwarzen 

10 


146 

Punkten  auch  weissliche  und  darĂĽber  ein  schwarzer  sich  be- 
findet. 

Mit  andern  mir  bekannten  Arten  ist  Litu  SinguJa  weder 
zu  verwechsehi,  nodi  /n  vergleichen.     (Ă–taudinger.) 

Valdesi,   Anfangs  Oetober    1873   bei  Licht  gefangen. 

Lila  (?)  Punctata,  Stgr. 

ĂĽelbHch,  auf  den  Voi-dertlĂĽgeJn  mit  6  (5)  schwarzen 
Punkten  und  dunklerer  FlĂĽgelspitze.      10  mm. 

Mir  liegen  drei  Mämichen  dieser  Art  vor,  von  denen  das 
eine  aber  ganz  abgerieben  ist.  Dr.  Wocke  [»estimmte  sie  mir 
als  eine  neue  Lila;  ich  möchte  sie  fast  für  eine  Teleia  halten. 
Als  Lita  steht  sie  vielleicht  am  besten  bei  Salinella.  Die 
Palpen  sind  länger,  schlanker  und  weit  mehr  nach  oben  ge- 
krĂĽmmt als  bei  Salinclla  oder  irgend  einer  andern  Lita-Art. 
Die  Grundfarbe  der  A'orderflĂĽgel  ist  gelblich,  bei  dem  einen 
Stück  mit  Withlichem  Anilug,  äusserst  gering  mit  schwarzen 
Atomen  bestreut.  Das  eine  StĂĽck  zeigt  hart  an  der  Basis 
oben  und  unten  zwei  schwarze  Punkte,  das  andere  nur  den 
unteren  dieser  beiden.  Dicht  dahinter,  in  der  Falte,  steht  ein 
anderer  schwarzer  Punkt;  hinter  diesem,  etwa  in  der  FlĂĽgel - 
mitte,  folgen  zwei  ganz  dicht  ĂĽbereinander  stehende.  Der 
letzte  steht  endlich  nach  aussen,  dicht  vor  der  etwas  dunkler 
bestäubten  Flügelspitze.  Die  Unterseite  der  Vordertlügel  ist 
wie  Beine,  Leib  und  Kopf  einfach  gell».  Die  Hiutertlügel  sind 
weissgrau.  Die  eintönig  gelben  Vorderilügel  mit  den  scharfen 
schwarzen  Punkten  unterscheiden  diese  Art  sofort  von  allen 
andern  mir  bekannten  Gelechiden.      (Staudinger.) 

Zu  Valdesi  in  der  zweiten  Hälfte  des  September  bei  Lieh 
gefangen. 

Teleia  Femoralis,  Stgr. 

Scliwärzlicli.  n)it  unbestimmt  dreieckigem  weisslicheu 
Mittelfeld   und  grauer  Endspitze.      9  —  10   mm. 

Mir  liegen  drei  ziemhch  gut  erhaltene  StĂĽcke  dieser 
kleinen  Art  vor.  Dieselbe  sttdit  der  Myricariella  Frey  am 
näehsten,  i.>st  auch  fast  oben  so  klein.  Von  bekannteren  Arten 
ähnelt  sie  der  Tel.  llumeralis  am  meisten,  die  aber  ziemlich 
viel  gnisser  ist.  Haipen  fast  genau  wie  bei  diesen  Arten, 
schwärzlich,  das  zweite  Ghed  am  Ende  hell  geringelt.  Vorder- 
tlügel vorwiegend  sehwärzlich,  be.sonders  die  Basis  ganz 
schwarz.     Durch  die  Mitte  der  FlĂĽgel    geht    eine  Art    weiss- 


.147 

lieher  Binde  (oder  Feld)  in  Form  eines  Dreiecks,  so  dass  die 
Spitze  an  den  Vorder-  und  die  Basis  an  den  Innenrand  stössl. 
Diese  Dreieeklbrm  ist  besonders  bei  dem  einen  StĂĽck  sehr 
deutlich.  In  diesem  weissen  Mitteltelde  stehen  nach  aussen, 
kurz  vor  dem  wieder  schwarz  werdenden  Theil,  einige  schwarze 
Längsstriche.  Die  Flügelspitze  ist  lichter,  doch  mehr  grau  als 
weiss.  Die  Hinterfliigel  sind  grau,  die  FĂĽsse  hell  und  dunkel 
geringelt. 

Der  Hauptunterschied  von  Tel.  Mvricariella,  Humeralis, 
Ă–equax  etc.  liegt  in  der  ganz  schwai-zen  Basis  der  Yorder- 
tlĂĽgel  dieser  neuen  Ai't.  Dieser  sclu^arze  Basaltheil  erweitert 
sich  hier  am  meisten  nach  dem  Yordei-rande  zu,  während  er 
bei  den  andern  Arten  gerade  am  Innenrande  am  breitesten 
auftritt,   ĂĽbrigens  niemals  so  scharf  schwarz  ist.      (Staudinger.) 

Im  October  in  Valdesi  )iei  Lichl   gefangen. 

Anacampsis  (?)  Basalis,  Stgr. 

Kopf  und  Thorax  lehmgelb;  VorderilĂĽgel  schwarz  mit 
lehmgelbem  Basaltheil  und  weissem  Vorderi-andstleck  gegen 
die   Spitze  hin.      15   mm. 

Mir  liegen  vier  StĂĽck  (Ueser  ausgezeichneten  neuen  Art 
vor,  von  denen  leider  nur  eines  gut,  eines  mittelmässig,  die 
andern  l)eiden  ganz  schlecht  sind.  Diese  Art  muss  höchsl 
wahrscheinlich  eine  neue  Gattung  bilden,  und  bringe  ich  sie 
nur  vorläutig  ))ci  Anacampsis  unter.  Die  (»estalt  und  Form 
passt  auch  ziemlich  zu  den  Arten  <heser  Gattung,  nur  die 
Palj)eu  sind  länger  und  mehr  nach  aufwärts  gebogen,  fast  wie 
bei  Stomopieryx,  der  sie  auch  an  Gestalt  der  HintertlĂĽgel  sehr 
nahe  kommt.  Die  Färbung  und  Zeichnungsanlage  ist  aber 
von  der  der  Stomopt.  Detersella  so  vei'schieden,  dass  ich  die 
Art  lieber  bei  Anacampsis  unterbringe. 

Der  Kopf  ist  lehmgelb,  die  Palpen  nach  aussen,  die 
FĂĽhler  ganz  schwarz.  Der  Thorax  ist  auch  lehmgelb,  die 
Beine  sind  etwas  heller,  die  Tarsen  dunkel  geringelt.  Die 
A^jrderflĂĽgel  sind  schwarz,  namentlich  gegen  das  p]nde  hin  mit 
wei.ssli<'hen  Schuppen  mehr  oder  minder  gemischt.  Am  \ov- 
derrand  gegen  die  Spitze  zu  beiludet  sich  ein  weisser  Fleck, 
gerade  so  wie  bei  An.  Anthvilidella  viv.  Es  steht  ihm  aber 
am  Innenwinkel  kein  eigentlicher  weisser  Fleck  gegenĂĽber, 
sinidern  nur  eine  lichtere  Stelle  in  den  Franzen.  Das  Auf- 
fallendste und  von  allen  Anacam])sis  und  ĂĽberhaupt  Gelecliideii- 
Arteu  abweichend  ist  die  lehmgelbe  (oder  bi'äunliche)  Färbung 
des  Basalt heils.      Dieselbe  zieht    sich   spitz  uuler  der  iVliltelzelle 

10* 


148 

in  den  FlĂĽgel  hinein;  iiin  Ende  der  Spitze  steht  ein  kaum 
hervor! lelender,  pclnvärzei'er  Punkt.  Auch  am  Vorderrand, 
der  «)n,st  dunkel  bleibt,  zieht  sich  ein  feiner,  lehmgelber  Strich 
zwischen  der  Costaiis  und  der  Subcostalis  hinein.  Die  Unter- 
seite der  Vorderflügel  wie  auch  die  Hinterflügel  sind  schwärz- 
lich; letztere  zeigen  eine  feine  gelbe  Basalbegrenzung  der 
Franzen.     (Staudinger.) 

Sänuntliche  Stücke  dieser  neuen  Art  tlng  ich  im  letzten 
Drittel  des  Juni  zu  Castelbuono  bei  Licht. 

Mesophleps  (?)  Acuminatus,  Stgr. 

Vorderflügel  stark  zugespitzt,  braungelb,  mit  vier  schwär 
zen  Punkten  und  dunklerem   Aussenrand.      12  mm. 

Obwohl  ich  imr  ein  ziemlich  gut  erhaltenes  StĂĽck  dieser 
Art  vnr  mir  habe,  glaube  ich  doch,  dass  es  zur  Aufstellung 
<>iner  neuen  Art  genĂĽgt.  Das  Thier  steht  jedenfalls  den  drei 
bekannten  Arten  der  Gattung  Mesophleps  (Pudicellus  Mn.,  von 
dem  ich  Originale  aus  Lederer's  Samndung  habe,  ist  weder 
ein  Mesophleps,  noch  überhaupt  Yj)solophide)  am  nächsten. 
Es  hat  etwa  die  Grösse  und  Gestalt  von  Trinotellus  H.-S.,  nur 
laufen  die  A^orderflĂĽgel  ganz  spitz  zu.  Die  HinterflĂĽgel  sind 
nicht  ganz  so  scharf  ausgezackt  wie  bei  Trinotellus,  aber  doch 
mehr  als  bei  den  andern  beiden  Arten,  wo  sie  auch  weit 
breiter  sind.  Die  Palpen  haben  ein  sehr  langes  und  ziemlich 
dickes  zweites  Glied,  ähnlich  ^ie  bei  Corsicellus,  also  weit 
länger  als  bei  Trinotellus  und  Silacellus,  fast  so  wie  bei  den 
ächten  Ypsolophus-Arten.  Das  dünne  Endglied  ist  weit  länger 
als  bei  Mesophlej)s,  auch  nicht  aus  dem  Ende,  sondern  etwa 
aus  der  Mitte  des  zweiten  Gliedes  hervorragend.  Es  ist  aber 
deiinocii  nicht  so  lang  wie  bei  den  eigentlichen  Ypsoiophus- 
Arlcu,  und  biklen  die  Palpen  dieser  neuen  Art  einen  directen 
Uebergang  dieser  beiden  Gattungen.  Ihre  Fai-be  ist  grau,  das 
spitze  Endglied  gelblich.  Die  gelbgraue  Behaarung  des  Kopfes 
ist  von  unten  nach  oben  gerichtet,  etwa  wie  bei  Yps.  Schmi- 
diciius.  der  eine  ganz  andere  Behaai-ung  hat,  als  z.  B.  Y])s. 
U.stiilelkis.  Die  V(M'derbeine  sind  ziemlich  lang;  die  Hinter- 
schienen haben  ausser  den  Mittelsporeu  nur  am  rechten  Beine 
einen  Ends])orn,  am  linken  keinen;  doch  können  hier  die 
Endspoi-en  abgebrochen  sein.  Die  Farbe  der  Beine  ist  hell- 
grau:  die  FĂĽsse   sind  kaum   geringelt. 

Die  gelbbraunen  \ Orderiliigel  zeigen  di'ei  in  horizontaler 
Lage,  etwa  in  di-r  Läng.smiMe  liegentle  schwarze  Punkte,  von 
denen  der  eiste  hinter  der  Basis  sehr  verloschen  ist;' der  an- 


149 

dere  liegt  etwa  in  der  Mitte  des  FlĂĽgels,  und  der  dritte  am 
Schluss  der  Mittelzelle.  Der  mittlere  hat  ganz  dicht  und  fast 
senkrecht  unter  sich  einen  vierten  scliwarzen  Punkt.  Der 
Aussenrand  ist  nur  wenig  sciiwarz  angetlogen,  der  Vorderrand 
fast  gar  nicht,  bei  Trinotellus  sehr  stark.  Die  HinterflĂĽgel 
sind  grauschwarz;  ebenso  die  Unterseite  aller  FlĂĽgel  mit  star- 
kem Glanz;  nur  die  Franzen  sind  hier  lichter,  gelblich. 

Mes.  Acuminatus  kann,  schon  der  Grösse  wegen,  höchstens 
mit  Trinotelhis  verglichen  werden,  hat  aber,  abgesehen  von 
der  anderen  Palpenbildung,  weit  hellere  VorderflĂĽgel  mit  an- 
derer Punktstellung.     (Staudinger.) 

Ich  fing  das  Thier  Ende  October  beim  Licht  zu  Valdesi 
bei  Palermo. 

Symmoca  (?)  Pallida,  Stgr. 

VorderflĂĽgel  schmutzig  Ijlassgelb,  mit  dunkleren  Atomen 
sehr  schwach  bestreut.     Flügelspannung   10 — 12  mm. 

Mir  liegen  sieben  gut  erhaltene  r^,^  dieser  kleinen  Art 
vor,  die  ich  nirgends  anders  als  bei  Symmoca  unterzubringen 
weiss.  Die  sehr  kurzen  Palpen  erlauben  es  nicht,  sie  als 
Oecophora  zu  bezeichnen,  avo  sie  auch  noch  fremdartiger  sich 
ausnehmen  wĂĽrde.  Die  kleineren  Arten  der  Gattung  Sjmmoca 
haben  ĂĽbrigens  meist  ganz  anders  gebildete  Palpen  (kurze) 
als  die  grösseren,  so  dass  auch  diese  Gattung  später  wohl 
noch  zerlegt  werden  muss.  Symmoca  Pallida  steht  der  Ce- 
destiella  Z.  am  nächsten,  ist  aber  kleiner,  zcichuungsloser  und 
gelb,  statt  grau.  Die  kleinen  Palpen  ragen  nur  wenig  ĂĽber 
den  Kopf  hervor,  sind  gerade  vorgestreckt,  meist  sogar  etwas 
nach  unten  und  aussen  gerichtet.  Das  ganze  Thier  hat  eine 
eintönige  schmutzig  blassgelbe  Färbung;  nur  die  Hüften  und 
Schenkel,  so  wie  die  Unterseite  der  VorderflĂĽgel  ist  dunkel. 
Auf  den  VorderflĂĽgeln  erkennt  man  kaum  eine  sehr  geringe 
dunklere  Bestäubung,  besonders  nach  aussen  hin,  und  es  ge- 
hört schon  Einbildungskraft  dazu,  um  bei  einigen  Stücken  am 
Schluss  der  Mittelzelle  ein  paar  dunklere  ĂĽber  einander  ste- 
hende Flecke,  ähnlich  wie  bei  Cedestiella,  erkennen  zu 
wollen.  Der  Schnitt  der  FlĂĽgel  ist  ganz  derselbe  wie  bei 
Cedestiella;  auch  die  Fühler  sind  ähnlich,  kurz  und  ziemhch 
dick.     (Staudinger.) 

Diese  neue  Art  fing  ich  im  Juli,  August  und  Anfang 
September  bei  Licht  sowohl  zu  Castelbuono,  als  auch  zu 
Valdesi. 


150 


Macroceras  Oecophila,  Stgr. 

Schmut/ifi  slioligelb;  Vordorfliigel  mit  drei  soiiwärzlichen 
Flecken  und  dnnUlerev  8])itze.     r^  10,  $   13  mm. 

Pls  liegt  mir  ein  ziemlich  gut  erhaltenes  Paar  dieser  Art 
v(ir:  das  $  mit  einem  Zettel  verseilen,  worauf  stellt  „29.  Juli, 
via  Lolli.  Zimmer".  Dies  StĂĽck  -wurde  also  von  Herrn  von 
Kalchherg  in  PaleniKt  in  seinem  Zimmer  gefangen.  \Yocke 
sehreibt  mir,  dass  ei'  dies  merkwĂĽrdige  Thier  eher  fĂĽr  eine 
Elaehistide,  als  (relechide  halte.  Jedenfalls  muss  dafĂĽr  eine 
neue  Gattung  aufgestellt  werden,  die  \'ielleicht  am  besten  hinter 
Rutalis  eingereiht  werden  mag. 

.^lacroceras  iiov.  geiuis  (Laiigliorn).  Pal]>en  mit  ziem- 
lich langem,  etwas  breit  gedrĂĽcktem  zweiten  Gliede,  das  etwas 
nach  unten  gerichtet  ist.  Das  nur  etwas  kĂĽrzere,  dĂĽnne  End- 
glied ist  nach  oben  gerichtet.  FĂĽhler  atdTallend  lang,  etwas 
langer  als  die  VordertlĂĽgel ;  beim  ,^  sehr  dick  und  schwach 
gezähnt,  merkMiirdigerweise  besonders  nach  der  Spitze  zu, 
beim  $  fadenlTumig,  aber  etwas  rauh.  Stirn  glatt,  mit  nach 
imten  gerichteten  Scliu]»|)en  bekleidet.  Scheitel  glatt,  die 
Schu{)pen  von  den  Seiten  nach  der  Mille  zu  gerichtet.  Beine 
ziemlich  lang,  besoiideis  die  vorderen,  die  mittleren  Schienen 
mit  Endsporueii.  so  wie  ziemlich  langer  Behaarung  versehen. 
FlĂĽgel  schmal,  die  vorderen  etwas  abgei-undet,  die  hinteren 
s|)itz  zulaidend.  ähnlich  wie  bei  Rutalis.  Hinterleib  des  $  auf- 
fallend lang  und  dick,  von  oben  nach  unten  etwas  breit  ge- 
drückt;  der  des   xorliegcnden  ,j    ist  leider  beschädigt. 

Die  .Vrl.  Mciclie  ich  Oecophila  (hausliebend)  nenne,  ist 
schmulzig  gelb,  das  J^  clwas  lichter  als  das  $.  Die  Palpen 
sind  nach  aussen  dunkel  angellogen.  Auf  den  VorderflĂĽgeln 
steht  gleich  liiiiler  der  Rasis  in  der  Falte  ein  schM'arzer  Fleck 
oder  Strich.  Seitwärts  darüber.  cIm  a  in  der  JVIitte  des  Flügels,- 
steht  ein  zweiter  schwarzer  Puiikl.  und  ein  dritter  dahinter 
nach  aussen.  Die  FlĂĽgelspilzc  isl  nur  sehr  undeutlich  dunkler 
angetlogen.  Die  lliiileriliigel,  so  wie  die  Unterseite  aller  FlĂĽgel 
fĂĽhren   einen  slark<.'u  Soidenglauz.      (Staudinger.) 

Den  .^  fing  ich  Ende  September  zu  Valdesi  bei  Licht: 
das  ^  sass.  Avie  erwähnl.  um  Morgen  des  29.  Juli  an  der 
Wand  meines  Zinnners  zn  Palermo,  in  welches  es  jedenfalls 
am   Abend   des    Ndrbergehendeii   Tages   geflogen  war. 

Steyr,   im   .laniiar    187(). 


151 


Hymenopterologische  Mittheilungen 


von 
H.  Buriueister. 


1.     Die  Xylocopa- Arten  des  La  Plata- Gebietes. 

Vor  3  Jahren  hat  Herr  Prof.  Gerstäcker  in  dieser  Zei- 
tung (1873,  S.  269  flgd.)  die  Europäischen  Xjlocopa- Arten 
besprochen  und  deren  Behandlung  einige  allgemeine  Bemer- 
kungen zumal  ĂĽber  die  Geschlechts-Charaktere  vorausgeschickt, 
wobei  er  besonderen  Werth  auf  die  Abwesenheit  des  einen 
(hinteren)  Sporns  an  den  Hinterschienen  der  Männchen  legt 
und  diese  Eigenschaft  als  allgemeines  Merkmal  des  männlichen 
Geschlechtes  aller  Arten  hervorhebt.  Es  ist  mir  aufgefallen, 
dass  der  jĂĽngste  Monograph  der  Gattung,  Herr  Fred.  Smith 
(Transact.  entom.  Soc.  1874,  pag.  247  seq.)  diese  Angaben 
Gerstäcker's  völlig  mit  Stillschweigen  übergeht,  obwohl  er 
die  Arbeit  seines  Vorgängers  kennt,  und  bei  den  Europäischen 
Arten  citirt;  es  machte  mich  stutzig,  eine  Eigenschaft  von 
solcher  Bedeutung  unberĂĽcksichtigt  gelassen  zu  sehen,  und  er- 
regte bei  mir  einigen  Zweifel  am  allgemeinen  Zutreffen  der- 
selben bei  allen  Arten,  weshalb  ich  die  von  mir  auf  meinen 
verschiedenen  Reisen  in  Brasilien  und  den  La  Plata-Staaten 
gesammelten  Species  darauf  durchmusterte,  und  dabei  neben 
der  Bestätigung  der  Angaben  Gerstäcker's  noch  auf  manche 
EigenthĂĽmlichkeiten  bei  einzelnen  Arten  stiess,  welche  es 
mir  passend  erscheinen  Hessen,  die  mir  zugänglichen  im 
Zusammenhange  zu  besprechen.  Ks  sind  das  leider  nur  zehn, 
aber  auch  diese  geringe  Anzahl  bietet  genug  Anhaltspunkte 
zu  einer  weiteren  Erörterung  des  berührten  Merkmals,  so  wie 
einige  andere  Momente  dar,  welche  noch  nicht  zur  Sprache 
gebracht  sind  und  deshalb  miti heilungswert h  erscheinen  dĂĽrften. 

Die  zehn  mir  vorliegenden  Amerikanischen  Arten  gehören 
sämmtlich  zu  der  Section  mit  nach  hinten  abgerundetem,  nicht 
scharfkantigem  Thorax,  eine  Eigenschaft,  die  schon  Smith  als 
fĂĽr  alle  Amerikaner  geltend  S.  283  sub  no.  81  hervorhebt. 
—  Sie  sondern  sich  ferner  in  zwei  natürliche  Abtheilungen, 
je  nachdem  die  Männchen  gelb  und  die  Weibchen  «chwarz 
gefärbt  sind,  oder  je  nachdem  beide  Geschlechter  die  gleiche, 
gewöhnlich  schwarze,  seltener  stahlblaue  Grundfarbe  besitzen. 


152 


I.   Miinurhcn  gelb,  Wcilx'hcn   vorwiegend   schwarz. 

liier  IViigi  es  sich  zunächst,  ob  es  ein  Mein^nmil  giebt, 
wdian  sich  die  Verschiedenheit  der  Grundfarbe  beider  Ge- 
schlechter, welche  übrigens  mit  nocli  anderen  augenfälligen 
Difl'ercnzen  des  Habitus  verbunden  ist,  auch  ohne  sie  neben 
cinnndei-  zu  liaben,  erkennen  lasse.  Es  ist  mir  aber  nicht 
gelungen,  ein  sicheres  Mwkmal  dafĂĽr  bei  Weibchen  aufzu- 
finden 5  man  kann  indessen  annehmen,  dass  die  gelben  Männ- 
chen relativ  breitere  Hintersehenkel  und  in  eine  scharfe  Ecke 
(hinten)  oder  Spitze  (voi-n)  ausgehende  Trociiantcren  besitzen 
iils  die  anderen,  den  Weibchen  gleichfarbigen  Männchen,  welche 
Eigenschaft  auch  für  die  Weibchen  sehr  kräftige  Schenkel 
und  Ti'ochanteren  bedingt.  In  Bezug  auf  die  Sporen  ist  der 
von  Gerstäcker  angegebene  Geschlechtsunterschied  zu- 
treffend; die  gelben  Männchen  haben  einen  einzelnen  kleinen 
S])orn  an  der  vorderen  Endecke  der  Hintersehienen,  welcher 
hier  kleiner  ist,  als  an  den  Mittelschienen,  und  zwischen  den 
langen  Haaren  der  Schienen  versteckt  steht,  nur  mit  der  Spitze 
etwas  hervorragend.  Ausserdem  besitzen  alle  Schienen  eine 
scliarfe,  dornartig  vortrel(!nde,  äussere  Endecke,  die  auch  den 
Weibchen  zusteht,  Ix'i  iluien  aber  nicht  so  lang  und  spitz  ist; 
und  die  hintersten  einen  I)()j)})elzahii  auf  der  Aussenseite  nahe 
(k'v  Mitte,  der  den  Männchen  in  iilmliclier  Weise,  aber  in  ge- 
ringerer Grösse,  elxiufalls  zukommt.  Beide  Eigenschaften 
werden  bei  allen  hier  besprochenen  Arten  angetrotfen;  sie 
sind  aber  bei  den  kleineren  mit  stahlblauer  Grundfarbe  viel 
schwächer  entwickelt. 

Ich  liabe  3  Arten  mit  gelben  Männchen  auf  meinen  Reisen 
gesammelt,  und  nlle  'A  habe  ich  in  ihren  Nestern  längere  Zeit 
beobachten  kĂĽnnen:  ihre  Lebensweise  stimmt  ganz  mit  ein- 
ander ĂĽberein.  Die  Weibchen  luilden  mit  ihren  scharfen 
Kiefern  Gänge  in  allem  Holz  aus,  und  lassen  darin  ihre  Brut 
zur  EnJwickehnig  gelangen,  wie  das  Lansdown  Guilding 
in  den  Trans.  Limi.  Soc.  XIV.  'MW  von  seiner  X.  teredo  be- 
sclirieben  und  tibgebiklel   bat. 

i.  X.  frontalis  Oliv.  Enc.  meth.  IV.  64.  —  Fabr. 
Syst.  Piez.  :]1().   -    Smith  1.  I.  284.  82. 

Diese  Ar(,  die  grös.xle  aller  mir  vorgekommenen,  beob- 
achtete ich  (ifters  bei  Rio  de  .lanein»  in  alten  Stümpfen  ab- 
gehauener Bäume:  .mi  Mamentlich  auf  der  Cluicra  meines 
Freuiules  Ijallemanl,  wo  ich  Gelegenheit  nahm,  aus  den  von 
mir  geöH'nelen  Gängen  des  Irockrien  llo|/,os  beide  (iesehleehier 


153 

nach  einander  hervorgehen  zu  lassen.  Smith  hat  sie  kurz, 
aber  kenntlich  beschrieben;  er  vermuthet  AA'ohl  mit  Grund, 
dass  das  Männchen  als  X.  fasciata  von  Lepelletier  de  St.  Far- 
geau  (Hym.  II.  202)  beschrieben  sei. 

2.  X.  Brasilianorum  aut.  Smith,  I.  1.  283.  81. 

X.  teredo  L.  Guild.  1.  1. 

Diese  Art  ist  beträchtlich  kleiner  als  die  vorige,  nur  10 
{.^)  bis  12  ($)  Linien  lang  und  V('»llig  einfar[)ig,  das  Männchen 
blassgelb,  das  Weibchen  schwarz;  letzterem  fehlt  die  scharfe 
in  der  Mitte  winkelige  Querkantc  vor  den  Punktaugen,  welche 
die  vorige  Art  besitzt;  ihre  Punktaugen  stehen  etwas  vertieft 
und  das  vordere  ist  von  einer  schwachen,  Vförmigen  Kante 
umgeben,  vor  welcher  sich  zwischen  den  FĂĽhlern  die  Stirn 
zu  einem  Höcker  erhebt.  Die  Species  habe  ich  nur  bei  Men- 
doza  gesammelt,  wo  sie  häufig  war  und  in  dem  Stabholz 
meines  Weingartens,  das  die  Reben  trug,  ihre  Wohmmgcn 
aushöhlte.  Das  Männchen  ist  sehr  blassgelb,  mit  etwas  dunk- 
leren Rändern  der  Hinterleibsringe;  die  vier  Hinterhüften, 
Trochanteren  und  Schenkel,  bis  ĂĽber  die  Mitte  hinab,  sind 
schwarzbraun,  wie  bei  der  vorigen  Art;  es  flogen  viele  in  den 
Kronen  der  Pappeln,  welche  den  Weingarten  umgaben,  und 
manche  standen  stundenlang  an  derselben  Stelle,  mit  hörbarem 
Summen  in  der  Schwebe  sich  haltend.  Die  Weibchen  lassen 
ein  viel  stärkeres  Gesumme  beim  Fluge  hören  und  führen 
bei  den  Einheimischen  den  Namen  Mangangaz,  unter  welcher 
Benennung  das  Thierchen  allgemeine  Furcht  anregt  wegen 
seines  heftig  schmerzenden  Stiches.  Vergl.  meine  Reise, 
I.  Bd.,  S.  316. 

3.  X.  Augusti.  St.  Farg.  Hym.  ü.  187.  —  Smith 
1.  1.  286.  88. 

Das  Männchen  ist  etwas  voller,  mehr  röthlichgelb  gefärbt 
und  hat  dieselben  Stellen,  nebst  der  Brust  mit  den  Vorder- 
schenkeln und  der  oberen  Hälfte  der  Trochanteren  schwarz, 
aber  das  Haarkleid  derselben  gelb,  wie  die  beiden  vorigen  Arten; 
es  unterscheidet  sich  sonst  nicht  von  jenen;  auch  die  Haai-e 
des  VorderrĂĽckens  stehen  bei  allen  dreien  von  aussen  nach 
innen  gegen  die  glatte  Mitte  gekehrt,  sind  aber  bei  den  beiden 
zunächst  erwähnten  Species  länger  und  dichter  gestellt  auf 
dem  ganzen  Körper,  als  beim  Männchen  der  erstgenannten  Art. 


154 

Das  ganz  schwarze  Weibchen  hat  an  den  Seiten  des 
Hinterleibes  eine  lange,  orangenfarbne  Behaarung.  Die  Zeieh- 
nung  der  Stirn  ist  dieselbe  wie  bei  X.  Brasilianoriim. 

Die  Art  wurde  von  Aug.  St.  Hilaire  im  Innern  Brasiliens 
gesammelt  und  ist  gemein  bei  Parana  wie  bei  Buenos-Aires. 
Sie  hat  ihr  Nest  ebenfalls  im  Stabholz  der  Weinreben  und 
findet  sich  selbst  auf  den  Höfen  in  der  Stadt.  Ich  erhielt  beide 
Geschlechter  daraus  und  gleichzeitig  mit  den  Bienen  auch 
Horia  maculata,  die  Guilding  ebenfalls  als  Schmarotzer  bei  der 
vorigen  Art  fand. 

Anmerkung.  Herr  Smith  hebt  unter  den  Merkmalen 
fĂĽr  das  Weibchen  der  X.  Brasilianorum  die  Breite  des  Kopfes 
hervor,  welcher  dem  Thorax  darin  gleichkomme;  allein  dieser 
Charakter  ist  schwankend,  sowohl  bei  jener,  als  bei  der  hier 
beschriebenen  Art.  indem  es  Weibchen  mit  verschieden  grossen 
Köpfen  giebt.  Unter  einer  beträchtlichen  Anzahl  von  Exem- 
plaren finden  sich  nicht  bloss  solche  mit  breitem  Kopfe,  vom 
Querdurchmesser  des  Thorax,  sondern  neben  allen  Zwischen- 
stufen auch  kleinköpfige,  welche  darin  das  männliche,  stets  in 
dieser  Gruppe  mit  viel  kleinerem  Kopf  versehene  Geschlecht 
nur  wenig  ĂĽbertreffen.  Ich  finde  indessen  diese  Verschieden- 
heit in  der  Gi-össe  des  weiblichen  Kopfes  bei  X.  Brasilianorum 
noch  beträchtlicher,  als  bei  X.  Augusti,  und  bemerkte  ausser- 
dem,  dass  die  kleinköpfigen  purpurfarben  schillernde  Flügel, 
die  grossköpfigen  mit  stahlblauem  Reflex  versehene  besitzen, 
was  mit  Smith's  Angabe,  der  allen  purpurschillernde  FlĂĽgel 
nach  Westwood's  Vorgange  zuspricht,  im  Widerspruch  steht. 
Der  Ausdruck  von  Fabricius:  aus  cyaneis,  kann  also  sehr 
wohl  auf  das  Weibchen  (]vr  X.  Brasilianorum  angewendet 
werden,  was  dafür  spräche,  in  ihm  die  wahre  X.  morio  des 
Fabricius  anzuerkennen.  Die  Art,  welche  Hr.  Smith  dafĂĽr 
hält  (pag.  2ft.5,  no.  84),  kenne  ich  nicht;  keine  meiner  ganz 
schwarzen  Xy/ocopa;  hat  eine  „elevation  in  front  of  each  of 
the  jtosterior  ocelli'".  sondern  nur  einen  schwielenartig  gewölbten 
Rand  \or  dem  Piinktaugc,  der  irach  hinten  gegen  den  Scheitel 
zu  verschwindet.  Das  ist  aber  ein  allgemeiner  Charakter  fĂĽr 
alle,  welcher  am  stärksten  bei  X.  frontalis  sich  ausgebildet 
hat,  indem  l»ci  ihr  die  schwache  Schwiele  zur  scharfen  Kante 
wird.  Dagegen  fehlt  eben  dieser  Art  der  kleine  spitze  Höcker 
>-wischen  den  FĂĽhlern,  welchen  die  Weibchen  der  anderen 
beiden  Species  bcsilzeu.  D'w  Männchen  aller  drei  Arten  haben 
davon  keine  Spur:  doch  ist  j)ci  dem  der  ersten  Art  die  Stirn 
zwischen  den  FĂĽhlern  mehr  schwielenartig  erhaben,  als  bei 
den  andern  beiden. 


155 


n.    Grundfarbe  beider  Geschlechter  schwarz 
oder  stahlblau. 

In  dieser  Gruppe  ist  der  Geschlechtsunterschied  viel  ge- 
ringer und  nicht  bloss  die  Grundfarbe  des  Körpers  beider  Ge- 
schlechter die  gleiche,  sondern  auch  die  Grösse  des  »Kopfes 
fast  gleich,  während  in  der  voi-igcn  Abtheilung  die  Männehen 
einen  viel  kleineren  Kopf  haben.  Der  Unterschied  rĂĽhrt  haupt 
sächlich  von  der  Grösse  der  Augen  her,  welche  in  dieser 
zweiten  Gruppe  beim  männlichen  Geschlecht  viel  beträchtlicher 
ist,  als  beim  weiblichen.  Da  indessen  die  Männchen  im  Gan- 
zen etwas  kleiner,  zumal  schmächtiger  sind,  als  die  Weibchen, 
so  ist  ihr  Kopf  auch  nicht  völlig  so  gross,  als  der  des  anderen 
Geschlechtes.  —  Trotz  der  gleichen  Grundfarbe  sind  übrigens 
auch  in  dieser  Gruppe  die  Männchen  an  ihrem  helleren  Haar- 
kleide und  der  häufig  weissen  Stirn  von  den  Weibchen  etwas 
verschieden  im  Ansehen,  namentlich  auch  in  der  Farbe  der 
FlĂĽgel,  obgleich  gerade  in  diesem  Punkt  der  Unterschied  nicht 
durchgreifend  ist. 

Die  zu  dieser  Abtheilung  gehörigen  Arten  zerfallen,  nach 
der  Beschaffenheit  der  hintersten  Schienen  des  Männchens 
an  ihrem  unteren  Ende,  in  zwei  Unterabtheilungen.  Beide 
besitzen  nur  einen  Sporn  an  der  vorderen  Endecke,  aber  die 
Einen  eine  stumpfe  hintere  oder  innere  Endecke,  wie  die 
vorigen  Arten,  die  Anderen  eine  scharfe,  dornartig  vortre- 
tende hintere  Endecke.  Gers  tack  er  hat  diesen  Unterschied 
sehr  richtig  erkannt  und  bestimmt  ungegeben,  indem  er  (S. 
271)  sagt,  dass  diese  hintere,  oder  nach  seiner  Auffassung 
innere  Endecke  bei  manchen  ausländischen  Arten  dornartig 
ausgezogen  sei,  während  sie  bei  der  Europäischen  X.  violacea 
eine  lappenförmige  Verlängerung  mit  abgerundeter  Spitze  dar- 
stellt. Nach  meiner  Untersuchung  findet  sich  eine  solche  bei 
den  Amerikanern  nicht,  wohl  aber  die  dornartige,  spitze  Ver- 
längerung der  hinteren  Endecke  bei  allen  mit  stahlblauer 
Grundfarbe  und  auch  bei  ganz  schwarzen  mit  gleichgefärbten 
FlĂĽgeln.  Hiernach  bilde  ich  zwei  Unterabtheilungen  in  dieser 
zweiten  Abtheilung. 

A.     Arten  mit  stum})fer  innerer  Endecke  der  HinI er- 
schienen im  männlichen  Geschlecht. 

An  der  Spitze  dieser  Gruppe  steht  die  Nord-Amerikanische 
bekannte  Art  mit  hellfarbiger  Behaarung  des  Tliorax,  welche 
ich  hier  aufführe,  weil  sie  diese  Gruppe  repräsentirt. 


156 

4.  X.  virginica  aiit.  Smith  1.  1.  295.   112. 
Ma8. :   C'enlris  caroliiia  Fabr.   S.  Piez.   357. 

Wir  hesilzon  ein  schiines  Pärchen  in  der  Sammlung,  was 
aus  Sikl-Ciirolina  stammt.  Da  die  Art  allgemein  bekannt  ist, 
so  lieschreibe  ich  sie  nicht  weiter. 

Mehrere  ähnliehe  Arten  aus  Süd-Amerika  schliessen  sich 
ihr  an^  da  ich  aber  von  ihnen  nur  die  Weibchen  kenne,  so 
kann  ich  nicht  mit  Sicherlieit  behaupten,  dass  sie  zu  dieser 
Unterabtheilung,   wie  ich  vermnthe,  gehören;  es  sind: 

5.  X.  grisescens  St.  Farg.  Hym.  II.  178.  —  Smith, 
1.  1.   286.  86. 

Grosse,  ganz  schwarze  Art,  mit  oben  weissgrau  behaartem 
Thorax  und  stahlblau  schillernden  FlĂĽgeln;  16  Linien  lang. 
Ich  ting  diese  Species  öfters  in  Lagoa  Santa,  im  Garten  des 
Herrn  Dw  Lund,  wo  sie  auf  verschiedenen  Blumen  fast  täglich 
sich  einfand. 

6.  X.  aurulenia  St.  Farg.  Hym.  II.  192.  —  Smith, 
1.  ].   286.  87. 

Rombus  aurulentus  Fabi-.   S.   Piez.   351. 

Von  mir  einige  Male  bei  Tucuman  gefangen;  der  vorigen 
Species  ähnlich,  aber  kleiner,  und  die  Behaarung  des  Thorax 
blass  orange  gefärbt. 

B.      Arten    mit    spitzer,    dornf(>rmiger,    innerer   End- 
ecke der  Hinterschienen  im    männlichen  Geschlecht. 

An  die  Spitze  dieser  Unterabtheilung  stelle  ich  eine  sehr 
eigenthümliche  ganz  schwarze  Art,  welche  ich  öfters  in  beiden 
Geschlechtern  bei  Rio  Janeiro  (Laranjeiras,  im  Garten  meines 
Freundes  Lallemant)  fing,  aber  nicht  bei  Smith  beschrieben 
linde,  daher  als  neu  beschreibe. 

7.  X.  serripes  Nobis:  aterrima,  ahs  concoloribus,  pur- 
])ureo-violaceoque  micantibus.     Long.    10 — 12  lin. 

Mas.:    thoracis  disco  nudo  pihfä  albidis  sparsis  circum- 
dato;  al)dominis  segmento  tertio  utrinque  lobulo 
elevato,   sericeo-maculato. 
Femina:   major,  spinula  obtusa  inter  antennas;  tibiis 
posticis  sevrato-dentatis. 
Beide  Geschlechter  tief  schwarz,   ziemlieh  stark  j)unktirt, 
die  Mitte  des  Rückens  glatter;  beim  Männchen  von  einem  Kranz 
spärlicher,  weisser  Haare   umfasst;    alle  übrigen,  besonders  an 
der  Stirn,  den  Seilen    (lex    Thorax    und    der    Ilinterleibsringe, 
nebst  den  Beinen,   lange  und    dichte    Haare    schwarz.     FlĂĽgel 
dimkelbraun,   mit   lebhaftem   Veilchenschiller,    die    Rippen  und 
ihre  Säume  stahlblau. 


157 

Das  Männchen  hat  keinen  deuÜichen  Höcker  auf  der 
Stirn  zwisclien  den  FĂĽldern,  aber  vor  dem  mittleren  Pimkt- 
auge  einen  tiefen,  Vfönnigen  Eindruck;  .seine  Augen  sind  kaum 
grösser  als  die  der  Weibchen,  und  der  ganze  Kopf  ist  etwas 
kleiner.  Die  Schienen  tragen  am  äusseren  Endrande  einen 
spitzen  Dorn,  der  an  den  hintersten  in  2  stumpfere  Ecken 
getheilt  ist;  ausserdem  ebendiese  auf  der  Mitte  nach  aussen 
zwei  scharfe  Zähne  und  eine  lange  Spitze,  dem  Sporn  gegen- 
ĂĽber, nach  innen.  Ganz  besonders  aber  zeichnet  es  sich  durch 
einen  kleinen,  frei  abstehenden  Lappen  jederseits  am  dritten 
Hinterleibsringe  aus,  der  einen  ovalen,  sammetarligen  Fleck 
trägt  und  ziemlich  nahe  der  Basis  sitzt.  Der  Bauch  ist  eben, 
aber  wie  der  vorletzte  RĂĽckenring  und  die  Beine  ziemlich 
dicht  behaart. 

Das  Weibchen  hat  einen  deutlichen,  aber  nicht  spitzen 
Höcker  zwischen  den  Fühlern,  einen  vertieften  Ring  um  das 
vordere  Punktauge,  und  eine  stumpfe  Schwiele  neben  jedem 
hinteren  nach  innen;  die  Geissei  der  FĂĽhler  ist,  wie  auch 
beim  Männchen,  unten  matt  braungi-au,  oben  glatt,  gleichwie 
der  Stiel.  Dem  RĂĽcken  fehlen  die  weisshchen  Haare,  und 
dem  Hinterleibe  die  beiden  abstehenden  Läppchen  am  dritten 
Ringe;  doch  bemerkt  man  an  deren  Stelle  eine  glattere  Partie 
der  Obertläche.  Der  Bauch  ist  eben,  am  Rande  jedes  Ringes 
stark  behaart  und  am  letzten  Ringe  mit  einem  scharfen  Längs- 
kiel versehen.  Die  Beine  sind  wie  beim  Männchen  beschaffen, 
aber  die  Hinterschienen  tragen  auf  der  Aussenkante  eine 
doppelte  Reihe  scharfer  Sägezähne,  von  denen  jede  mit  einem 
grösseren  Zahn  etwas  vor  der  Spitze  endet.  Der  vordere 
Sporn  ist  klein  und  schwach,  der  hintere  lang  und  stark. 

Anm.  Es  ist  möghch,  dass  X.  ordinaria  Smith,  1.  1. 
292.  104  das  Weibchen  dieser  Art  vorstellt;  da  aber  Ver- 
fasser nichts  von  der  Zahnung  der  Schienen  sagt,  so  habe  ich 
Anstand  genommen,  seine  Species  mit    meiner    zu    verbinden. 

8.  X.  barbata  Fabr.  S-  Piez.  141.  —  Smith,  1.  1. 
282.  80. 

Mas.:    X.   macrops  St.  Fargeau  Hvm.   IL   209.     — 
Smith,  1.  1.  287.  92. 

Eine  weit  verbreitete,  wahrscheinlich  im  ganzen  SĂĽd- 
Amerika  heimische  Art,  die  ich  bei  Lagoa  Santa  in  Brasilien, 
und  bei  Paranä  in  Enlrerios  tlng.  —  Meine  Exemplare  haben 
einen  schwachen,  stahlblauen  Schiller.  Die  Männchen  besitzen 
sehr  grosse  Augen,  die  auf  dem  Seheitel  nahe  aneinander 
rĂĽcken,  und  sind  grauweiss  behaart  an  der  Stirn,  den  Baeken, 
dem  VorderrĂĽcken,  den  Brustseiten,    dem    ersten    Hinterleibs- 


158 

rino-e,  iler  Ausscnseite  der  Seliieiipii  und  den  Seiten  der  Bauch- 
rinii;e,  welche  letzlere  jederseils  einen  dreieckigen,  gelben 
HautllecU  einscidiessen;  ausserdem  sind  Lii)i)e,  Koplschild,  Stirn 
und  FĂĽhlerstiel  vorn  weisslieh  gelarht.  Die  Weibchen  haben 
nur  schwarze  Beliaarung,  mit  Ausnahme  der  2  —  3  letzten 
Hauchringe,  die  weisse  HaarbĂĽschel  an  den  Seiten  tragen;  ihre 
Stirn  zeigt  eine  scharte  Ecke  zwischen  den  FĂĽhlern,  und  in 
der  Naht  mit  dem  Kojtfschilde  ein  GrĂĽbchen.  Die  FlĂĽgel  sind 
dunkelbraun,  mit  violettem  Schiller  in  den  Zellen,  stahlblauen 
Adern  und  erzihrbenem  Endsaum;  die  der  Männchen  am  Grunde 
wasserklar,  an  der  Endhälfte  die  vorderen  gebräunt.  Seine 
llinterschiencn  haben  den  äusseren  vorderen  Endsporn  deutlich, 
und  statt  des  hintei'cn  inneren  einen  langen,  geraden  Dorn, 
mit  2  Zähnen  daneben  um   Grunde. 

9.     X.  eiliata  Nobis. 

X.  atra,  nigro-hirta,  densius  pmictata  et  pilosa ;  alis  luseis, 
violaseentibus,  marium  clarioribus.     Long.   7  —  8  lin. 

Mas.:    Fronte  albu.    trunco    tibiisrjue    extus    cinereo- 
hirlis. 

Die  Art  steht  der  vorigen  ausseist  nahe;  sie  ist  aber 
etwas  kleiner  und  ohne  den  stahlblauen  Schiller  der  Gi'und 
tläche,  vielmehr  rein  schwarz.  Das  Männchen  hat  beträchtlich 
kleinere  Augen,  die  auf  dem  Scheitel  weiter  getrennt  bleiben: 
sonst  die  weisse  Stirn,  Kojjl'schild,  Oberlipj)e  und  vorn  weissen 
FĂĽhlerstiel  der  vorigen,  aber  schwarze  Behaarung  an  den 
Backen.  Der  'i'horax  ist  besonders  vorn  uml  an  den  Seiten 
grau  behaart,  aber  nach  hinten  nicht  grau,  sondern  schwarz- 
braun: der  erste  Hinlerleibsring  hat  eine  greise  Behaarung, 
und  eine  ebensolche  die  Bauchringe,  denen  die  gelben,  häu- 
tigen Seilenllecke  fehlen.  Die  Beine  sind  viel  schlanker  und 
kĂĽrzer  behaart,  aber  die  Schienen  und  ersten  Fussglieder  nach 
aussen  ebenlalls  mit  vielen  weisslichen  Haaren  gemischt.  Die 
Flügel  sind  gleichmässig  braun,  doch  etwas  heller  als  die  der 
Weibchen.  —  Letztere  haben  einen  spitzen  Höcker  an  der 
Stirn  zwischen  den  FĂĽhlern,  und  anstatt  des  GrĂĽbchens  in  der 
Naht  neben  <lem  Glyj)eus  eine  leichte  Vertiel'ung,  ĂĽbrigen.s 
aber  ĂĽberall  ein  rein  schwarzes  Haarkleid  und  dunkler  ge- 
tUrbte  Flügel.  Ihre  Hintersehieuen  zeigen  vier  sehärlere  Zähne, 
zwei  am  Ende  und  zwei  etwas  grössere  dicht  davor,  weit 
unter  der  Älitte.  Beim  Mämichen  sind  nur  die  2  untersten 
deutlich,  und  statt  des  liiiii>en  Enddorns  der  vorigen  Art  hat 
diese   nur  eine   kurze,   konische   innere  Endecke. 

In    der    Bandu     Orientid     bei     Biienos-Aires     und     Parauä 
häufig. 


159 

Anm.  E.S  ist  möglieli,  diiss  das  Männchen  dieser  Art 
öfters  zur  vorigen  gezogen  wird,  zu  der  es  aber  gewiss  nicht 
gehört,  sondern  zu  dieser  l)ei  Buenos-Aires  nicht  seUenen 
Species. 

10.  X.  spien di du la  St.  Farg.  Hym.  II.  190.  —  Smith, 
1.  1.  288.  94. 

X.  nigro-chalybsea,  ahs  utriusque  sexus  sublijalinis,  apiee 
infuscatis.     Long.   6  —  7  hn. 

Mas.:    fronte    alba,    thorace    abdominisque    segmento 

primo  cinereo-hirtis;  antennis  subtus  albidis. 
Femina:   nigro-liirta,  anteiiuarum  llagello  subtus  fusco- 
testaceo. 

Die  gemeinste  Art  von  allen  mir  vorgekommenen  Species, 
sowohl  in  Brasilien,  als  auch  im  La  Plata-Gebiet,  wo  ich  sie 
ĂĽberall  gesammeh   habe. 

Beide  Geschlechter  dunkel  stahlblau,  lebhaft  glänzend, 
massig  fein  punktirt,  die  Mitte  des  RĂĽckens  glatt;  FlĂĽgel  gleich 
wasserklar  beim  Männchen  und  Weibchen,  mit  schwarzen 
Adern,  und  nach  der  Spitze  zu  gebräunt.  Männchen  mit 
ziemlich  grossen,  zwar  auf  dem  Scheitel  mehr  genäherten 
Augen,  als  die  der  vorigen  Art,  aber  doch  weiter  getrennten, 
als  bei  X.  barbata;  ebenso  eine  weisse  Oberlippe,  Kopfschild, 
Stirn  und  Vorderseite  der  FĂĽhlerglieder;  Weibchen  nur  an  den 
(jreisselglledein  bräunlich.  Letzteres  mit  tieier  Furche  um  das 
vordere  Punktauge  und  scharl'em  Höcker  zwischen  den  Fühlern, 
auch  tiefem  OrĂĽbchen  in  der  Mitte  der  Naht  zwischen  Stirn 
und  Clypeus.  Männchen  greis  behaart  am  Thorax,  ersten 
Hinterleibsringe  und  Bauch,  zumal  gegen  die  Spitze  hin. 
Hinterschienen  mit  breitem  Zahn  am  Ende  und  kleiner  Ecke 
daneben  nach  innen;  die  mittleren  Zähne  beim  Weibchen 
deutlich,  über  die  Mitte  nach  oben  hinsufgerückt;  beim  Männ- 
chen verloschen.  Letzteies  mit  spitzem  Dorn  an  der  inneren 
Endecke  statt  des  l)raunen   Sporns  der  äusseren. 

2.     Die  Argentinischen  Centris- Arten. 

In  der  Gattung  Centris.  deren  Charakteristik  wir  haupt- 
sächlich Latreille  verdanken  (Gen.  Crust.  &,  Insect.  IV.  177), 
tinden  sich  ebenfalls  Geschlechtsunterschiede  an  den  FĂĽssen, 
welche  bishei*  noch  nicht  bekannt  gemacht  sind,  und  darum 
eine  kurze  Besprechung,  wie  ich  sie  an  den  mir  zugänglichen 
Arten  wahrnehme,  verdienen.  Im  Allgemeinen  haben  die  etwas 
dickeren  Weibchen,  deren  Kopf  etwas  breiter  i.-^t,  als  der  der 
Männchen,   obgleich    die   Augen    der    Männchen    grösser    sind, 


160 

kleinere  Krallen,  die  Iheils  an  allen  FĂĽssen,  Iheils  nur  an  den 
liinlerslen.  nicht  die  liefe  Spaltung  der  nvännliehen  Krallen  in 
zwei  ungleiche  Spitzen  zeigen,  sondern  entweder  ganz  einl'aeh 
erseheinen,  oder  nur  einen  kleinen,  selnvaehen  Zahn  an  der 
Unterseite  haben.  Dagegen  sind  die  Hintersehienen  bei  beiden 
Gesehleehtern  mit  zwei  gleichen,  theils  gekämmten,  theils 
einfachen  Sporen  versehen,  von  denen  der  innere  der  kĂĽrzere 
i.st.  Hierzu  kommt  ein  aullallender  Unterschied  am  ersten 
Gliede  der  vier  vorderen  FĂĽsse;  dasselbe  hat  beim  Weibchen 
einen  bi-eiten,  hornigen,  fein  gekämmten  Rand  nach  aussen, 
der  heim  Männchen  nur  von  einem  Saum  steifer  Haare  ver- 
treten ist.*)  Ausserdem  sind  die  Schienen  nnd  das  erste  Fuss- 
glied  der  Männchen  zwar  etwas  schmäler,  aber  dicker  und 
meistens  ebensolang  behaart,  wie  die  der  Weibchen;  auch 
übrigens  das  dichte  Haarkleid  des  K(">r})ers  beim  Männchen 
nicht  schwächei-,  als  beim  Weibchen,  und  im  Ganzen  der 
Geschlechtsunterschied  im  Ansehen  geringer,  als  bei  Xyloeopa. 
Ich  habe  von  dieser  Gattung  ĂĽber  20  Arten  auf  meinen 
Reisen  in  Brasilien  und  dem  La  Plata-Gebiet  gesammelt,  wo- 
von mir  al)er  dernnilen  nur  noch  die  Hälfte  zu  Gebote  stehen; 
davon  sind  5  Brasilianer,  die  anderen  6  im  La  Plata-Gebiet 
zu  Hause.  Um  die  Creschlechtsunterschiede  dieser  1 1  Arten 
anzudeuten,  werde  ich  sie  sämmthch  kurz  besprechen. 

1.  C.  denudans  Lep.  St.  Farg.  Hvm.  U.    150.    1. 
Von  dieser  Art  besitze  ich    nur    ein    Männchen;    es    hat 

einen  entschieden  kleineren  Koi)f  als  die  Alibildung  in  St. 
Fargeau's  Atlas,  pl.  20,  iig.  1,  dessen  Augen  auf  dem  Scheite 
kaum  2  mm.  auseinander  stehen,  während  deren  Abstand  im 
angeführten  Bilde  4  mm.  beträgt.  Die  nackte  Stelle  des 
MittelrĂĽckens  fehlt  meinem  Exemplare,  aber  die  beiden  des 
Schildchens  sind  da  und  als  natĂĽrliche  Na-ektheiten  gut  zu  er- 
kennen. Der  erste  llinterleibsiing  besitzt  einen  bräunlichen 
Ton;  auch  die  Beine  sind  mehr  braun  als  sehwarz,  und  die 
Füsse  haben  lange,  gespaltene  Krallen.  Der  äussere  S})orn 
der  Hintersehienen  ist  fein  gekämmt  an  der  hmenseite.  Das 
Koi)fschild  nnd  di(>  ()berlii)pe  sind  gelb.  —  Das  Wt-ibchen  hat 
ein  schwarzes  Kopfschild  und  Gberlippe,  nebst  kĂĽrzeren,  ein- 
fachen   Krallen   (nach   der   AbbilduiiĂĽ)  an  allen  FĂĽssen. 

2.  C.   collaris  Lep.  St.  Farg.  Hym.  IL    162.   24. 

Das  a.   a.   0.     beschriebene  Weibchen    kenne     ich    nicht; 
es  stinnnt   aber  die    Besehreibunu,-    uul     mit     einem     Männchen 


*)  Dic-jclbou  (icsi'lilcriilsinifcr.sc-lnedc  lial    ;nicli   die  Gatluiig  Epi- 
tliaris.  woidio  mit   CV'iitris  nahe  vorwandt  int. 


161 

überein,  welches  ich  bei  Lagoa  Santa  fing,  und  dessen  Grösse 
12  — 13  Linien  beträgt.  Es  hat  genau  die  Kopfbildung  des 
vorigen  Männchens,  ist  aber  im  Ganzen  ein  wenig  grösser, 
besonders  dicker;  der  Abstand  der  Augen  auf  dem  Scheitel 
beträgt  2.5  mm.  Der  dicke  Thorax  ist  schwarz  behaart,  hat 
aber  einen  breiten,  röthlichgelben  Ring  am  Vorderrande,  der 
sich  ĂĽber  die  Seiten  und  die  Mittelbrust  ausdehnt,  hier  aber 
blasser  und  reiner  gelb  wird.  Das  Schildehen  ist  mit  zwei 
nackten  Flecken  versehen  und  hat  unter  dem  Rande  einen 
Kranz  gelblicher  Haare;  auch  der  erste  Hinterleibsring  hat  einen 
solchen  Rand,  und  der  zweite  jederseits  einen  gelben  Haar- 
busch; alles  Uebrige  ist  schwarz,  doch  hat  das  Kopfschild  zwei 
schwache,  bi-aungelbe  Punkte;  auch  die  Mitte  der  Oberlippe 
und  die  Spitze  der  Mandibelu  ist  von  derselben  Farbe.  Alle 
Fusskrallen  sind  tief  gespalten,  sehr  lang,  stark  gekrĂĽmmt; 
äusserer  Sporn  der  Hinterschienen  innen  fein  gekämmt. 

3.  C.  pulverata  St.  Farg.  Hym.  II.    161.   22. 

Zu  dem  von  St.  Fargeau  beschriebenen  Weibchen  glaube 
ich  ein  Männchen  bringen  zu  können,  welches  zur  Beschrei- 
bung a.  a.  0.  passt,  doch  darin  abweicht,  dass  der  Hinterleib 
dicht  mit  feinen,  grĂĽnlichgrauen,  kurzen  Haaren  bekleidet  ist, 
mit  Ausnahme  des  ersten  Ringes,  der  Basis  des  zweiten  und 
eines  schmalen  Randsaums  am  dritten  und  vierten,  die  schwarz- 
haarig  sind,  während  die  Aftergegend  mehr  den  blassröthlich 
gelben  Ton  der  Haare  der  Hinterschienen  und  ihres  ersten 
Fussgliedes  besitzt.  Der  rothbraune  Sporn  ist  fein  gekämmt; 
die  Flügel  sind  braun,  mit  Veilchenschiller;  das  hoch  gewölbte, 
aber  schwarze  Kopfschild  hat  oben  3  kleine  Höcker.  Von 
Lagoa  Santa. 

4.  C.  pectoralis  Nobis. 

C.  atra,  pihs  brevibus  concoloribus  vestita,  pedibus  posti- 
cis  longius  villosis;  thoracis  lateribus  macula  pilosa  pallida, 
abdominis  segmentis  2  et  3  margine,  reliquis  totis  cinereis ; 
ano  rufescente.     Femina.     Long.    12  hn. 

In  der  Provinz  Corrientes,  am  Rio  Guaiquirarö  gefangen. 
—  Grösse  und  Gestalt  der  vorigen  Art;  auch  ihr  sonst  ähn- 
lich; Grundfarbe  rein  schwarz;  der  ganze  RĂĽcken  kurz  sam- 
metartig  behaai  t,  nur  die  Brustseiten  mit  einem  grossen  Fleck 
längerer,  blassgelber  Haare,  und  ein  ähnlicher  kleinerer  hinter 
den  FlĂĽgeln  neben  dem  Schildchen.  Hinterleib  mit  grauem 
Rande  am  zweiten  und  dritten  Ringe,  welche  Farbe  auch  dem 
Grunde  zukommt;  der  Rand  des  zweiten  Ringes  durchbrochen, 
der  vierte  und  fĂĽnfte  Ring  ganz  grau,  der  sechste  schwarz; 
dieser    und    der    A^orhergehende    rostgelb    bewimpert.       Beine 

11 


im 

schwarz,  SclĂĽenen  und  erstes  Fussglied  sehr  dick,  die  hintersten 
sehr  langhaarige  alle  Krallen  einfach,  mit  schwachem  Zahn 
am  Grunde;  innerer  Sporn  der  Hinterschienen  lang,  am  Rande 
gekämmt.  Kopfschild  hoch  gewölbt,  mit  der  Andeutung  von 
3  Höekerchen  am  Grunde.  Oberhppe  dicht  behaart;  Spitze 
der  Oberkiefer  gelblich. 

5.     C.  muralis  Nobis. 

C.  nigra,  densissime  albo-griseo-hirsuta;  ahs  utriusque  sexus 
limpidis.     Long.  8  —  9  hn. 

Mas:    parum  gracilior,  pedibus  posticis    albido    hirsu- 

tissimis. 
Femina:  robustior  abdomine  pedibusque  posticis  ater- 
rime  hirsutis. 

Habitat  Mendozee  et  in  Patagonia  ad  tlumen  nigrum. 

Männchen  und  "Weibchen  sind  von  gleicher  Grösse,  auch 
einander  sehr  ähnlich  im  Ansehen;  doch  hat  das  Männchen 
einen  etwas  kleineren  Kopf  mit  schmälerer  Stirn  und  Seheitel, 
aber  grösseren  Augen.  Die  Grundfarbe  der  Körperbedeckungen 
ist  schwarz,  ohne  alle  weissen  Zeichnungen;  aber  der  ganze 
Leib  und  die  Beine,  selbst  die  Oberkiefer,  sind  mit  feinen, 
weisslich  bleigrauen  Haaren  dicht  bekleidet,  die  an  der  Aussen- 
fläche  der  Beine  sich  zu  langem  Wimpernbesatz  ausbilden. 
Die  FĂĽsse  sind  unten  mit  dichtem,  kurzhaarigem  Filz  besetzt 
und  bräunlich  in  der  Grundfarbe,  die  Krallen  schwarz  und 
glatt.  Der  daran  sichtbare  Geschlechtsunterschied  ist  bereits 
mehrmals  angegeben;  die  der  Männchen  sind  tief  gespalten 
und  viel  grösser  als  die  einfachen  der  Weibchen. 

Das  Thierchen  lebt  in  den  aus  gestampfter  Erde  aufge- 
führten Mauern  der  Landhäuser  und  freistehenden  Wänden, 
höhlt  darin  horizontale  Gänge  aus  und  entwickelt  in  ihnen 
seine  Brut.  Das  mit  schwarzem  Hinterleibe  und  schwarzen 
Hinterbeinen  verseliene  Weibchen  hat  einen  etwas  plumperen 
Körper  und  etwas  breitere,  dreieckiger  geformte  Hinterschienen, 
nebst  sehr  grossem,  oblongem  ersten  Fussgliede;  beide,  Schienen 
und  Fussglied,  dicht  mit  langen,  schwarzen  Haaren  bekleidet. 
Auch  die  4  vordem  FĂĽsse  eben  dieses  Geschlechtes  sind  etwas 
dicker  und  unten  schwarz  behaart.  Die  FlĂĽgel  rein  wasser- 
klar, mit  schwarzbraunen  Adern.  —  Es  ist  an  den  genannten 
Orten  sehr  gemein,  in  einzelnen  Mauern  zu  Hunderten  bei 
einander  wohnend,  und  wahrscheinlich  im  ganzen  Pampas- 
gebiet, sĂĽdlich  vom  350,  ^u  Hause,  bis  Patagonien  hin,  wo 
Hr.  Dr.  Berg  es  am  Rio  Negro  ebenso  in  den  Erdmauern 
nistend  fand. 


163 

Anm.  Ich  hielt  die  Art  anfangs  naoii  dem  äusseren  An- 
sehen für  eine  Xylocopa,  und  erwähnte  sie  als  solche  in  meiner 
Reise,  I.  Bd.,  S.  317,  ihre  sonderbare  Lebensweise  daselbst 
besprechend. 

6.  C.  lanipes  Fabr.-  S.  Piez.  360.  90.  -  St.  Farg. 
Hym.  n.   165.  29. 

Hemisia  lanipes  Klug,  lilig.   Mag.  VI.   227. 
C.  nigra,  vertice  thoraceque  cinereo-hirtis,  abdomine  fer- 
rugineo,  ano  pedibusque  nigro-hirsutis;    alis   infuscatis  subhya- 
linis.     Long.   7  lin. 

Mas.:  clypeo- labroque  pallidis;    thorace  toto  cinereo- 

hirto. 
Femina:  el3^peo  labroque  nigris.  nitidis;  thoracis  dor.so 
colo  cinereo-hirto. 
Im  östlichen    Gebiet    der    Argentinischen    Republik    nicht 
selten;  bei  Buenos  Aires,  in  Entrerio.s    und    bei    Cordova    ge- 
sammelt.   —   Die  Fusskrallen    sind    bei    beiden    Geschlechtern 
gleichbesehati'en,   die    der    vier    vorderen    FĂĽsse    deutlich    ge- 
spalten, die  der  hintersten  mit  einem  kleinen  Zahn  neben  der 
Mitte  versehen;  beide  Sporen  der  Hinterschienen  gekämmt. 

7.  C.  bimaculata  St.  Farg.  Hym.  11.    168.   36. 

C.    fusca,     abdomine    pedil)usque    ferrugineis,     femoribus 
subtus  fuscis;  facie  flava,  punctis  duobus  clypei  nigris;  capite, 
thorace  pedibusque  rufo-hirtis.     Long.   7  iin. 
Mas.:  unguibus  longioribus  tissis. 
Femina:   unguibus  brevioribus  simplicibus. 

Im  Innern  Brasiliens,  bei  Congonhas  und  Lagoa  Santa 
gesammelt.  —  Beide  Geschlechter  von  gleicher  Färbung,  der 
Grund  braun;  der  Hinterleib,  die  Oberseite  der  Sehenkel,  die 
Schienen  und  Füsse  rostroth ;  P'lügel  etwas  gebräunt,  mit 
schwachem  Veilchenschiller.  Kopf,  Thorax,  erster  Hinter- 
leibsring, Aftergegend  und  Beine  laug,  fuchsroth  behaart; 
Stirn,  Mundgegend  und  erstes  FĂĽhlei'glied  v(n-n  gelb;  auf  dem 
Kopfschilde  2  schwarze  Punkte;  FĂĽhlei-geis.sel  unten  rostfarben. 
Krallen  der  Männchen  länger,  au  der  Spitze  gespalten;  der 
Weibchen  kĂĽrzer,  feiner,  mit  einfacher  Spitze  und  kleinem 
Zahn  in  dei-  Mitte,  der  an  den  hintersten  sehr  schwach  ent- 
wickelt ist. 

8.  C.   nigj-esceus  St.  Farg.  Hym.   II.    166.   32. 

C.  fusca,  cinereo-rufoque  hirsuta,  facie  nuda,  flava,  nigro- 
maculata;  abdomine  testaceo,  segmentis  dorsalibus  basi  late 
nigris.     Long.   7  lin. 

Mas.:   longiiis  hirtus,   j)edibiis  qnatuor    auticis    nuditis- 
culis,   uiigin'lnis   tissis. 

11* 


164 

Fe  Uli  na:  bievius  hirta,  segmentis  abdominalibus  latius 
nigris;  unguibus  dente  medio  acuto  armatis. 
Im  Innern  Brasiliens,  bei  Lagoa  Santa  gesammelt.  — 
Beide  Geschlechter  von  gleicher  Grösse  und  Ansehen,  aber 
etwas  verschieden  in  Farbe  und  Zeichnung;  die  Behaarung 
des  Männchens  voller,  röthlicher;  die  des  Weibchens  kürzer 
und  bUisser.  Gesicht  kurz  behaart,  z.  Th.  ganz  nackt,  gelb; 
Kopfschild  mit  2  scharten,  schiefen  Streifen  beim  Männchen, 
aber  2  grossen,  schwarzen  Flecken  am  oberen  Rande  und 
schwarzem  Saum  am  unteren.  Oberlippe  ganz  gelb;  Mandi- 
beln  gelb  mit  schwarzer  Spitze;  erstes  FĂĽhlerglied  vorn  gelb, 
die  Geissei  unten  braun.  Hinterleib  gelb,  die  RĂĽckensegmente 
am  Grunde  schwarz,  welche  Farbe  beim  Weibchen  ĂĽber  das 
ganze  Segment  sich  ausdehnt,  beim  Männchen  nur  eine  Quer- 
binde vor  dem  Rande  bildet;  Aftergegend  länger  behaart. 
Beine  schwarz,  glänzend,  kurzhaarig  beim  Männchen;  roth- 
braun, mit  schwarzer  Basis  und  langhaarig  beim  Weibchen; 
die  Haare  beider  Geschlechter  blass  röthlich-gelb.  Fusskrallen 
der  Männchen  gespalten,  der  Weibehen  mit  einem  kleinen 
Zahn  in  der  Mitte,  bei  beiden  gelb  mit  schw^arzer  Spitze. 
9.     C.  vulpecula  Nobis. 

C.  fusca,  abdomine  ferrugineo;  fronte  utriusque  sexus 
pallida,  clj^pei  basi  nigra;  capite  thoraceque  flavo-cinereo- 
hirtis;  pedibus  nunc  nigris  nunc  rufis,  hirsutis.  Long.  5  lin, 
(^  et  $. 

Mas.:  cljpei  basi  sola  nigra;  pedibus  plerumque  fuseis 
vel  nigris;    femoribus    tibiisque    posticorum    in- 
crassatis;  unguibus  fissis. 
Femina:  clypei  linea  longitudinah    media,    basi    api- 
ceque  dilatata  nigra;    pedibus    plerumque  rufis, 
femoribus  tibiisque  posticis  compressis;  unguibus 
dente  medio  armatis,  posticis  simpHcibus. 
Im  ganzen  Gebiet  der  Argentinischeu  Republik:  bei  Men- 
doza,  Parana,   um   Uruguay    und    selbst    bei    Lagoa  Santa  ge- 
sammelt.   —  Beträchtlich  kleiner  als  die  vorigen  Arten,    aber 
nicht  lebhafter  gefärbt;  die  Flügel   ganz    wasserklar.     Grund- 
farbe des  Kopfes  und  Thorax  schwarzbraun;    des  Hinterleibes 
und  der  Beine  hell  rostroth;   Kopf  und  Thorax   gelbgrau  oder 
selbst  gi-ĂĽnlichgi-au  lang  Ijehaart,   ebenso  der   erste  Hinterleibs- 
ring;   die    folgenden    kurzhaai-ig,    die    Aftergegend    buschiger. 
Beine  auswärts  mit  langen,  rostgelben    Haaren   bekleidet;    die 
vordersten  Füsse  lichter,  weissgelb;  die  Krallen  der  Männchen 
gespalten,  der  Weibchen  mit  einem  Zahn,    die  hintersten  ein- 
fach.    Mitunter  die   hinteren    Hinterleibsringe    mehr    gebräunt 


165 

und  dann  auch  die  Beine  braun.  —  Kopf  beider  Geschlechter 
gleich  gezeichnet,  mit  weissgelbem  Streif  neben  den  Augen, 
ebensolchem  Kopfschilde,  das  aber  gewöhnlich  einen  schwarzen 
Längsstreif  hat,  der  an  beiden  Enden  sich  seitwärts  ausdehiit^ 
und  hellgelber  Oberhppe  nebst  ebensolchen  Mandibeln.  — 
Hinterschenkel  und  Schienen  der  Männchen  verdickt,  schwächer 
behaart.  Sporen  der  Hinterschienen  beim  Weibchen  gekämmt, 
beim  Männchen  kleiner,  und,  wie  es  scheint,  ohne  Kamm, 
FĂĽhlergeissel  auf  der  Unterseite  braungelb. 

10.  C.  nigriventris  Nobis. 

C.  nigra,  thorace  abdominisque  primo  segmento  viridi- 
cinereo-hirtis ;  reliquis  cum  pedibus  aterrimis;  alis  hyalinis. 
Long.   5  hn.     (J  et  $. 

Mas.:  colore  clariori,  fronte  palhda,  ano  albo. 

Femina:  colore  obscuriori,  clypei  nigri  punctis  duo-' 
bus  testaceis. 
Bei  Mendoza  und  Buenos-Aires.  —  Vom  Ansehen  der 
vorigen  Art,  ihr  ähnlich  im  Habitus  und  der  Behaarung,  aber 
die  Grundfarbe  rein  kohlschwarz,  die  Behaarung  am  Brust' 
kästen  und  ersten  Hinterleibsringe  grünhchgrau,  die  Backen 
weiss  behaart.  Kopfschild,  Oberhppe  und  Basis  der  Mandibeln 
gelb  beim  Männchen;  beim  Weibchen  schwarz,  mit  zwei  gelb- 
braunen Punkten  auf  dem  Kopfschilde.  Hinterschenkel  und 
Schienen  der  Männchen  dick,  der  Weibchen  zusammengedrückt, 
bei  beiden  mit  langen,  kohlschwarzen  Haaren  bekleidet.  Die 
Krallen  der  Männchen  lang,  tief  gespalten,  der  Weibchen  an 
den  Vorder-  und  MittelfĂĽssen  mit  einem  Zahn,  an  den  hinr 
tersten  einfach. 

11.  C.  nudipes  Nobis. 

C.  fusco-nigra;  capite  thoraceque  cinereo-hirtis;  pedibus 
4  anticis  subnudis;  posticis  feminae  hirsutis,  maris  incras- 
satis.     Long.   A^j^  lin. 

Bei  Paranä  in  Entrerios  von  mir  gesammelt.  —  Eine 
eigenthĂĽmliche  Art,  die  kleinste  der  Gattung,  von  allen  frĂĽ- 
heren durch  das  dichte  Haarkleid  des  ganzen  Kopfes  abwei; 
chend;  besonders  dicht,  aber  kĂĽrzer,  das  Kopfschild  und  die 
Oberlippe  behaart;  Stirn,  Scheitel,  Thorax  und  erster  Hinter- 
leibsring länger,  gelbgrauhaarig.  Hinterleib  kohlschwarz, 
kurzhaarig,  die  beiden  letzten  Ringe  mit  weissem  Haarsaum 
beim  Männchen.  Beine  eigenthümlich  beschaffen;  die  vier 
vorderen  bei  beiden  Geschlechtern  kurz  anliegend  behaart, 
schwarzbraun,  die  FĂĽsse  gelbbraun;  hinterste  Schenkel  und 
Schienen  der  Männchen  verdickt,  jene  am  Grunde  nach  oben 
mit  winkeligem  Rande,  nicht  länger  behaart  als  die  vorderen; 


166 

beim  Weibchen  mit  langen,  scliwarzeii  Haaren  nach  aussen 
bekleidet,  aber  schmäler  im  Gliedei-bau;  Krallen  der  Männchen 
gespalten,  der  Weibchen  mit  einem  Zahn  in  der  Mitte.  — 
MerkwĂĽrdig  sind  auch  die  ĂĽnterkiefertaster  wegen  ihre? 
langen  Wimpernbesatzes  auf  der  Aussenseite. 

3.     lieber  einige  Myzine-Plesia-Arten. 

Die  Myzine-Arten,  zu  denen  die  Plesite  Jurines  als 
Weibchen  gehören,  welche  ich  auf  meinen  Reisen  in  Brasilien 
und  im  La  Plata-Gebiet  gesammelt  habe,  bieten  mancherlei 
Verschiedenheiten  unter  sieh  dar,  welche  besonders  im  weib- 
lichen Geschlecht  sehr  autlallend  sind,  während  die  Männchen 
fast  aller  Arten  einander  sehr  äiiiilicli  sehen  und  nur  schwer 
sich  sicher  unterscheiden  lassen.  Da  das  von  mir  gesammelte 
Material  ziemlich  beträchtlich  ist,  so  hielt  ich  es  für  passend, 
dasselbe  einer  genaueren  Untersuchung  zu  unterwerfen,  deren 
Resultate  ich  hier  mtitheile,  weil  einiges  Neue  darin  enthalten 
.«^ein  dürfte. 

Zuvörderst  leidet  es,  nach  meinen  Wahrnehmungen,  keinen 
Zweifel,  dass  die  schlanken  Männchen  mit  den  langen  Fühlern, 
welche  Fabricius  z.  Th.  zu  Elis  gebracht  hat,  als  anderes 
Geschlecht  zu  den  breiten,  gedrungenen  Weibchen  mit  kurzen 
FĂĽhlern,  wie  in  der  Gatt.  Tiphia  gehCtren;  denn  ich  habe  Ge- 
legenheit gehabt,  mich  direct  davon  zu  ĂĽberzeugen.  Ich  fing 
m  Garten  meines  Freundes  Lalle m an t,  der  an  ein  schattiges 
Gehölz  stiess,  eine  solche  weibliche  Plesia.  spiesste  sie  an  die 
Nadel  und  steckte  sie  auf  die  Platte  eines  nahen  Garten- 
tisches, um  sie  später  mit  anderen  Insecten  in  meine  Schachtel 
zu  thun.  Nach  kurzer  Zeit  kam  ein  schlankes  Männchen 
herbeigeflogen,  packte  das  Weibchen  und  suchte  sich  mit  ihm 
zu  begatten,  aber  ehe  es  dazu  kam,  ward  es  von  mir  ge- 
hascht. Bald  darauf  kam  ein  zweites  Männchen  und  später 
noch  ein  drittes  zu  demselben  Weibchen,  das  ich  dann  in 
mehreren  Exemplaren  sammeUe  und  damit  mein  Experiment 
auf  gleiche  Weise  wiederholte.  Auch  bei  Paraiia,  wo  eine 
andere  Species  häufig  war,  gelang  mir  dieselbe  Procedur  mit 
der  dort  einheimischen  Art,  Es  steht  also  sicher  fest,  dass 
Plesia  und  Mjzine  zu  einer  und    derselben    Guttung    gehören. 

Hierüber  hat  sich  auch  Prof.  Gerstäcker  in  dieser  Zei- 
tung (1872,  S.  250)  ausgesprochen  und  zugleich  bemerkt,  dass 
die  Männchen  der  Gattungen  Plesia  und  Meria  einander  völlig 
gleichen,  so  dass  es  nicht   möglich  ist.    ohne  andei-Aveitige  Bc- 


167 

obachtungen,  nach  dem  blossen  Ansehen  sie  zu  unterscheiden. 
Ich  kann  mich  darĂĽber  nicht  auslassen,  weil  Meria-Arten  mir 
nicht  vorliegen  und  ĂĽberhaupt  in  SĂĽd-Amerika  nicht  vorkom- 
men. Meine  männlichen  Plesiee  sind  indessen  geeignet,  das 
von  Gerstäcker  berührte  (S.  251),  von  Erichson  ver- 
muthete  Unterscheidungsmerkmal  nach  der  EinmĂĽndung  des 
rĂĽcklaufenden  Nerven  in  die  Cubitalzellen,  als  nicht  zutreffend 
darzuthun,  denn  keine  andere  von  ihnen  besitzt  den  Charakter, 
worauf  es  ankommt:  die  EinmĂĽndung  des  letzten  rĂĽcklaufenden 
Nerven  in  die  Grenzader  zwischen  der  zweiten  und  dritten 
Cubitalzelle,  als  nur  eine  einzige,  welche  ich  nach  diesem 
Merkmal  für  die  ächte  M.  6-cincta  halte,  obgleich  sie  nicht 
aus  Nord-Amerika  herstammt,  sondern  eben  die  bei  Rio  de 
Janeiro  von  mir  gesammelte  Art  ist.  Bei  den  übrigen  Männ- 
chen, welche  ich  sammelte,  mĂĽndet  der  zweite  rĂĽcklaufende 
Nerv  nicht  genau  in  die  Grenzader  zwischen  der  zweiten  und 
dritten  Cubitalzelle,  sondern  bald  etwas  davor  in  die  Ecke  der 
zweiten,  oder  bald  dahinter,  in  die  Ecke  der  dritten;  welche 
Verschiedenheit  die  Weibchen  nicht  zeigen,  sondern  stets  die- 
selbe Verbindung  mit  der  dritten  Cubitalzelle,  aber  bald  etwas 
vor,  bald  in  die  Mitte  ihres  hinteren  Randes.  Mit  dieser  Ver- 
schiedenheit ist  also  systematisch  nichts  anzufangen,  man  kann 
die  Arten  nicht  darnach  gruppiren,  weil  beide  Geschlechter 
darin  nicht  ĂĽbereinstimmen. 

Dasselbe  gilt  von  einem  anderen  Merkmal,  welches  sich 
auf  die  Radialzelle  bezieht.  Dieselbe  berührt  nämlich  nicht 
immer  den  vorderen  Rand  des  Flügels,  sondern  lässt  vor  ihrer 
Randader  noch  einen  freien  Hautsaum  am  FlĂĽgel  erkennen. 
Dass  von  den  Arten  mit  diesem  freien  Saume  Jurine  seinen 
Gattungscharakter  fĂĽr  Plesia  abgeleitet  hat,  ist  wohl  nur  ein 
Zufall,  der  uns  nicht  abhalten  könnte,  auch  die  anderen,  ohne 
freien  Saum  vor  der  Radialader,  damit  zu  verbinden,  wenn 
sie  übrigens  dieselben  Eigenschaften  besässen;  aber  dem  ist 
nicht  so,  sie  sondern  sich  vielmehr  durch  ihre  gesammte  Or- 
ganisation mehr  von  den  Arten  mit  freiem  Hautsaum  im  weib- 
lichen Geschlecht  ab,  und  wenngleich  die  Männchen  beider 
Gruppen  darin  miteinander  ĂĽbereinkommen,  dass  sie  keinen 
freien  Saum  voi-  der  Radialader  besitzen,  so  giebt  es  doch 
andere  Merkmale  bei  ihnen,  welche  sie  von  den  Männchen, 
die  zu  den  letztgenannten  Weibchen  gehören,  trennen.  Ein 
Gleiches  gilt  von  dem  hornigen  FlĂĽgelmal  vor  der  Radialzelle, 
das  alle  Männchen  besitzen,  aber  den  Weibchen  mit  Randsaum 
vor  der  Radialzelle  fehlt,  also  auch  kein  brauchbares  Merk- 
mal zur  Gruppirung  darbietet. 


168 

Aus  diesen  CTi-iinden  ziehe  ich  es  vor,  die  Gruppirung 
der  Arten  nur  auf  die  Verschiedenheiten  des  einen  (weib- 
lichen) Geschlechtes,  als  des  mannigfaltiger  gebildeten,  zu 
stützen  und  das  Männchen  einer  jeden  Art,  soweit  ich  dasselbe 
mit  Sicherheit  zu  dem  ihm  angehörigen  Weibchen  bringen 
kann,  daneben  zu  beschreiben,  die  Charakteristik  der  Männchen 
fĂĽr  sich  behandelnd.  Hiernach  glaube  ich  folgende  Gruppen 
der  Arten  annehmen  zu  können. 

1.    Die  Radialzelle  der  OberflĂĽgel  berĂĽhrt  den  Rand  des  FlĂĽgels 

bei    beiden    Geschlechtern;    Augen    der    Männchen     einfach. 

Myzine  Nobis. 

Diese  Gruppe  hat  viel  Eigenes;  die  Arten  sind  glatter 
auf  der  Oberfläclie,  d.  h.  weniger  stark  punktirt,  besonders 
ist  der  Rücken  ganz  glatt  und  der  Körperbau  der  Weibchen 
etwas  gedrungener,  der  Hinterleib  nach  Verhältniss  grösser, 
die  Augen  kleiner,  und  auch  beim  Männchen  ohne  Ausschnitt. 
Sie  zeigen  bei  beiden  Geschlechtern,  soweit  ich  Männchen 
kenne,  ein  grosses  FlĂĽgelrandmal,  das  in  die  Basis  der  Ra- 
dialzelle eingreift,  und  eine  mehr  gleichförmige  Anordnung  des 
Flügelgeäders,  indem  auch  beim  Männchen  der  letzte  rück- 
laufende Nerv  nahe  der  Mitte,  d.  h.  etwas  vor  ihr,  in  die 
dritte  Cubitalzelle  einmĂĽndet,  wie  das  bei  den  Weibchen  ĂĽberall 
Regel  ist.  Beim  Weibchen  ist  die  zweite  Cubitalzelle  kĂĽrzer, 
als  in  der  folgenden  Gruppe,  nur  wenig  nach  der  Basis  hin 
verlängert,  aber  hier  an  der  Spitze  nicht  ganz  geschlossen, 
wie  ebenfalls  bei  allen  ĂĽbrigen  mir  bekannten  Amerikanern, 
was  Gerstäcker  bereits  hervorhebt  (1.  1.   S.   252). 

Anm.  Die  Gruppe  eignet  sich  zu  einer  besondei*en 
Gattung,  auf  welche  man  den  Namen  Myzine  beschränken 
könnte,  den  Namen  Plesia  den  übrigen  Arten  mit  vom  Rande 
abstehender  Radialzelle  belassend. 

Zu  dieser  Gruppe  gehören: 

1.  M.  bipunctata  Smith.  Cat.  Br.  Mus.  UI.  76.  Tiphia 
2-punct.  Perty,  Del.  etc.   139.   16.  27,  fig.   12. 

Diese  Brasilianische  Art  besitze  ich  nicht,  wohl  aber  die 
folgende  ihr  höchst  ähnliche. 

2.  M.  carbonaria  Nobis. 

M.  atra  nitida,  alis  concoloribus  fuscis;  cor})f)re  sparsim 
cinereo-setoso,    calcaribus  albis.     Long.   9  lin.     Femina. 

Bei  Neu-Freiburg  gesammelt;  ganz  schwarz,  stark  glän- 
zend; Kopf  und  VorderrĂĽcken  massig  punktirt,  der  ĂĽbrige 
Körper  fast  glatl.  Stirn  weniger  gewölbt, 'die  Ecken,  woran 
die  FĂĽhler  sitzen,  kurz.     Ueberall  zerstreute,  sparsame,  weiss- 


169 

graue  Borstenhaare,  besonders  an  den   Beinen,    deren    Sporen 
rein  weiss  sind. 

3.     M.   erythropyga  Nobis. 

M.  atra  nitida,  thorace  abdominisque  lateribus  maculis 
albis;  ano  rufo-hirto.     Long.   5  —  6  lin. 

Mas.:  elypei  basi,  pronoti  margine,  mesonoti  macula 
media,  scutello,  punctis  duobus  utrinque  pectoris 
albis;  pedibus  rufis,  tibiis  pallidioribus.  Abdo- 
minis  apice  integro. 

Femina:  capite  coneolori  nigro;  punctis  thoracis 
iisdem  sed  majoribus  albis;  pedibus  nigris,  cine- 
reo-setosis,  calcaribus  albis. 

Beide  Geschlechter  bei  Cordova  gefangen.  —  Gestalt  der 
vorigen  Art,  aber  kleiner,  ebenso  schwach  punktirt,  glänzend 
schwarz,  die  FlĂĽgel  russbraun.  Die  Geschlechter  ziemlich 
gleichgezeichnet,  aber  in  der  Statur  sehr  verschieden;  das 
Männchen  schlank,  cyhndrisch,  das  Weibchen  breit  .und  dick; 
seine  Stirn  etwas  mehr  gewölbt,  als  bei  M.  carbonaria,  und 
die  Höcker,  welche  die  Fühler  tragen,  höher;  aber  nicht 
scharfkantig,  wie  in  der  folgenden  Gruppe.  Flügel  der  Männ- 
chen klar,  der  Weibchen  schwach  rauchbraun;  bei  beiden 
Geschlechtern  mit  langem,  braunem  Randmal.  Die  weisse 
Zeichnung  rein  gefärbt,  beim  Männchen  ein  Punkt  auf  der 
Basis  des  Kopfschildes,  der  dem  Weibchen  fehlt;  VorderrĂĽcken 
mit  weissem  Rande,  der  beim  Weibchen  in  der  Mitte  unter- 
brochen ist,  und  bei  ihm  ausserdem  ein  weisser  Punkt  vor 
dem  Rande  auf  den  Schidterecken.  Mittelbrustkasten  mit  einem 
Fleck  auf  dem  RĂĽcken,  einem  weissen  Mond  auf  dem  Schild- 
chen, und  einem  solchen  Punkt  unter  den  FlĂĽgeln.  Hinter- 
brustkasten mit  feinem  Streif  auf  dem  Postscutellum  und 
grossem  Fleck  an  den  abgerundeten  Hinterecken.  Hinterleib 
mit  weissen  Randpunkten  auf  den  fĂĽnf  ersten  Hinterleibsringen, 
von  denen  die  des  zweiten  und  fünften  beim  Männchen  sehr 
klein  sind;  die  der  Weibchen  überall  grösser,  dreieckig.  After- 
ring rostroth  behaart;  beim  Männchen  schwächer  und  heller, 
greishanrig,  ohne  die  Spaltung  in  eine  doppelte  Spitze  und 
ohne  den  vorragenden  Endhaken,  welche  den  Männchen  der 
folgenden  Untergattung  eigen  sind.  Beine  der  Männchen  roth, 
die  Schenkel  am  Grunde  schwarz,  die  Schienen  weisslich, 
die  FĂĽsse  blasser;  der  Weibchen  schwarz,  grau-boistig,  die 
Sporen  rein  weiss. 


170 


n.    Die    Radialzelle    der    weiblichen    Flügel    lässt    vor    ihrem 

Rande  einen  freien,  nach  der    Spitze    hin    breiter    werdenden 

Saum.     Plesia  Nobis. 

Der  angegebene  Charakter  beschränkt  sich  auf  das  weib- 
liche Geschlecht  und  ist  mit  dem  Mangel  eines  grösseren  hor- 
nigen Randmals  bei  ebendemselben  Geschlecht  verbunden;  statt 
dessen  findet  sich  nur  ein  kleiner  horniger  Fleck  vor  der 
Basis  der  Radialzelle,  der  durch  die  Vereinigung  der  Costa 
und  des  Radius  entsteht.  Bei  den  Männchen  aller  Arten, 
welche  sich  leicht  durch  grössere,  oben  an  der  Innenseite  mit 
einem  Ausschnitt  versehene  Augen  von  denen  der  vorigen 
Gruppe  unterscheiden,  ist  ein  grosses,  langgezogenes  horniges 
Randmal  stets  vorhanden,  allein  es  reicht  nicht  soweit  ĂĽber 
die  Basis  der  Radialzelle  hinaus,  wie  bei  den  Männchen  und 
Weibchen  der  voi'igen  Gruppe.  Diese  Radialzelle  berĂĽhrt  den 
Rand  des  Flügels  beim  Männchen  immer!  Die  zweite  rück- 
laufende Ader  mĂĽndet  beim  Weibchen  ebenfaUs,  wie  in  der 
vorigen  Abtheilung,  in  die  dritte  Cubitalzelle  nahe  der  Mitte, 
aber  beim  Männchen  niemals  ebenda,  sondern  gewöhnlich  neben 
der  Grenzader  der  zweiten  Cubitalzelle,  bald  genau  in  dieselbe, 
bald  etwas  davor  in  die  Ecke  der  zweiten  Zelle,  bald  dahinter 
in  die  Ecke  der  dritten.  Im  Uebrigen  unterscheiden  sich  die 
Weibchen  dieser  Gruppe  von  denen  der  vorigen  durch  stär- 
kere Punktirung,  leicht  gewölbte,  deutlicher  abgesonderte 
Bauchringe  und  entweder  ganz  klare,  oder  bloss  am  Vorder- 
rande gebräunte  Flügel.  Auch  sind  ihre  Hinterschienen  mit 
Reihen  feinei-er  Stacheln  besetzt  und  weder  so  breit,  noch  so 
grob  gezähnt,  wie  in  der  vorigen  Abtheilung. 

Die  hierher  gehörigen  Arten  sehen  einander  so  ähnlich, 
zumal  die  Männchen,  dass  es  schwer  hält,  sie  von  einander 
scharf  mit  wenigen  Worten  zu  unterscheiden;  die  Unterschiede 
sind  alle  mehr  oder  weniger  relativ  und  darum  nicht  leicht 
auszudrĂĽcken.  Ich  will  versuchen,  die  mir  vorliegenden  Species 
festzustellen. 

A.    Weibchen  mit  dunklem,    schwarzbraunem    Randstreif 

der  OberflĂĽgel,  welcher  besonders  in  der   Radialzelle 

und  deren  Umgebung  sehr    dunkel    ist;    ihre    Adern 

schAvarzbraun,  .seltner  rothbraun. 

a)  Weibchen  mit  gelbem  Fleck  auf  der  Mitte  des  Me- 

sonotums. 

4.     M.   6-cincta. 

Ehs  6'cincla  Fabr.   Svst.   Piez.   248. 

Plesia  6-cincta  Sl.  Farg.  Hym.  IL   584.    12. 


171 

Die  von  mir  bei  Rio  de  Janeiro  gesammelten  Männchen 
unterscheiden  vsich  von  der  Besehreibung  St.  Fargeau's,  die 
sich  auf  Exemplare  der  Bosc'schen  Sammlung,  von  Fabri- 
cius  selbst  bestimmt  stĂĽtzt,  nicht,  und  muss  ich  sie  fĂĽr  diese 
Art  halten,  weil  auch  die  EinmĂĽndung  der  zweiten  rĂĽcklau- 
fenden Ader  genau  auf  die  Clrenzader  zwischen  der  zweiten 
und  dritten  Cubitalzelle  trifft,  was,  nach  Gerstäcker  (a.  a. 
0.  S.  251),  fĂĽr  M.  6-cincta  charakteristisch  ist.  Das  Weibchen 
hat  einen  sehr  dunklen  Kandstreif  am  Oberilügel,  röthliche 
Augenränder,  Fühlerhöcker  und  Oberkiefer;  einen  gelben  Fleck 
mitten  auf  dem  Mesothorax,  nebst  zwei  kleineren  daneben; 
einen  unter  den  FlĂĽgeln  und  noch  einen  auf  dem  Hinter-' 
schildchen.  Der  Hinterleib  besitzt  eine  gelbe  Binde  auf  dem 
dritten  Ringe,  welche  die  Ecken  des  zweiten  in  sich  auf- 
nimmt; schmale  gelbe  Randstreifen  an  den  Seiten  der  drei 
folgenden  Ringe,  und  eine  Bogenbinde  auf  dem  ersten.  Die 
Beine  des  Weibchens  sind  schwarz,  die  vier  vorderen  des  Männ- 
chens haben  gelbe  Kniee,   Schienen  und  FĂĽsse. 

Anm.  Es  ist  möglich,  dass  die  hier  beschriebene  Art 
nicht  genau  mit  der  Nord  -  Amerikanischen  ĂĽbereinstimmt, 
worĂĽber  nur  der  Vergleich  authentischer  Exemplare  entscheiden 
kann.  Leidei-  fehlt  mir  dazu  Gelegenheit,  indem  mir  kein 
Exemplar  von  dort  zu  Gebote  steht. 

5.     M.  paranensis. 

Bei  Parana  in  Entrerios,  beide  Geschlechter  neben  ein- 
ander. —  Die  Art  steht  der  vorigen  sehr  nahe  und  unter- 
scheidet sich  von  ihr  in  der  Zeichnung  kaum;  sie  ist  aber 
etwas  kleiner,  nur  6  Lin.  Das  Weibchen  7  Lin.  lang;  jene 
dagegen  7  —  8  Linien  in  beiden  Geschlechtern.  Die  gelben 
Zeichnungen,  obgleich  ganz  ebenso  vertheilt,  sind  etwas  breiter, 
also  auch  lebhafter  bei  M.  paranensis.  Das  Männchen  hat 
ganz  klare  FlĂĽgel,  die  nur  an  der  Spitze  der  oberen  etwas 
gebräunt  erscheinen,  aber  viel  schwächer,  als  bei  der  votigen 
Art,  und  deren  rĂĽcklaufender  Nerv  hinter  der  Querader 
zwischen  der  zweiten  und  dritten  Cubitalzelle  in  die  Ecke  der 
dritten  mĂĽndet.  Seine  Beine  sind  alle  gelb,  mit  Ausnahme 
der  schwarzen  Basis  der  Schenkel;  auch  die  HĂĽften  haben 
einen  gelben  Fleck.  Das  Weibchen  gleicht  ganz  dem  der 
vorigen  Art,  ist  aber  etwas  kleiner;  die  Binde  des  ersten 
Hinterleibsringes  hat  nach  vorn  2  P]inschnitte,  und  ist  nach 
hinten  ausgebuchtet;  der  Bauch  ganz  schwarz,  sehr  glänzend, 
zerstreut  grob  punktirt.  Der  Vorderi-ĂĽeken  und  das  Schildchen 
sehr  dicht  punktirt,  weniger  dicht  der  Scheitel.  Auch  hinter 
(\en   Augen  hat   dei-  Kopf  einen   rothgelben   Randstreif,   ebenso 


172 

davor  und  an  der  Stirn.  Der  HinterrĂĽcken  vom  Grunde  aus 
radial  bogig  fein  gestreift,  am  Rande  gekerbt.  Die  Beine 
schwarz,  die  hintersten  HĂĽften  mit  gelbem  Fleck;  die  Schienen 
aussen  braun;  sie  und  die  FĂĽsse  mit  grauen  Borsten  besetzt; 
die  Sporen  weiss. 

Das  Weibchen  variirt  mit  einfarbig  schwarzem  Vorder- 
rĂĽcken, und  mit  2  gelben  Flecken  darauf  an  den  Schulter- 
ecken nach  vorn. 

Anm.  Ich  sandte  Exemplare  dieser  Art  nach  Berlin  und 
erhielt  sie  von  Hrn.  Prof.  Gerstäcker  unter  obigem  Namen 
zurĂĽck. 

6.     M.  duplicata  Nobis. 

M.  nigra,  nitida;  vertice,  pronoto  mesonotoque  punctatis; 
fronte,  orbitis,  macuhs  thoracis,  abdominisque  cingulis  dupli- 
catis  segmenti  tertii,  quarti  quintique  flavis.  Long.  7  lin. 
Femina. 

Im  Süden  der  Provinz  Corrientes.  —  Grösse  und  An- 
sehen von  M.  paranensis,  aber  die  FlĂĽgel  lichter,  nur  roth- 
braun, und  die  Zeichnung  eine  andere.  Stirn  mit  den  FĂĽhler- 
höckern und  beiden  Augenrändern  gelb;  Kopfschild,  Oberlippe 
und  FĂĽhler  schwaiz;  Mandibeln  rothbraun,  mit  schwarzer 
Spitze.  Scheitel  und  Rücken  glänzend,  bis  zum  Hinterrücken 
massig  stark  punktirt,  aber  nicht  so  dicht  wie  bei  der  ge- 
nannten Art.  Auf  dem  Pronotum  jederseits  ein  gelber  Quer- 
strich neben  der  scharfen  Schulterecke,  der  Rand  schwarz. 
Mesonotum  mit  gelbem  Mittelfleck,  einem  kleinen  gelben  Streif 
neben  der  FlĂĽgelbasis  und  einem  Fleck  auf  dem  Schildchen 
gelb;  das  Hinterschildchen  ganz  gelb.  Metanotum  matt,  fein 
grau  behaart,  leicht  radial  gestreift,  die  Seitenränder  gerundet 
und  gekerbt  quer  gestreift,  die  Mitte  hinter  dem  Schildchen 
buckelartig  erhaben,  mit  einem  Eindruck  im  Gipfel.  Brust- 
seiten mit  gelbem  Streif  unter  den  FlĂĽgeln;  die  FlĂĽgelschuppen 
gelbbraun.  Hinterleib  glänzend,  nur  fein  punktirt;  der  erste 
Ring  mit  schmaler,  an  beiden  Enden  erweiterter  gelber  QĂĽer- 
binde;  der  zweite  blass  mit  gelben  Endecken;  der  dritte, 
vierte  und  fĂĽnfte  mit  je  2  gelben  Binden,  die  vordere  breit, 
die  hintere  Kandbinde  schmal,  in  der  Mitte  mehr  oder  M'eniger 
z.  Th.  unterbrochen;  der  Afterring  mit  2  gelben  Punkten, 
die  Bauchvinge  2.  3  und  4  mit  gelber  in  der  Mitte,  besonders 
am  zweiten,  unterbrochener  Querbinde.  Beine  schwarz,  die 
vier  vorderen  Sfhenkel  mit  gelbem  Streif  auf  der  Unterseite, 
vor  dem  Kniegelenk:  die  Sporen  aller  Schienen  weiss:  nur 
wenige  kurze  graue  Borstenhaare  au  den  Beinen  und  am  Kopf, 
Brustkasten,  ersten  Hinterleibsringe  und  den  Bauchringen.     — 


173 

FlĂĽgel  gelbbraun,  der  Randsaum  der  vorderen  etwas  dunkler 
braun,  die  Adern  licht  rothbraun;  der  letzte  rĂĽcklaufende  Nerv 
mĂĽndet,  wie  bei  allen  Weibchen,  etwas  vor  der  Mitte  in  die 
dritte  Cubitalzelle. 

Anm.  Ich  habe  nur  ein  Exemplar  dieser  Art  vor  mir, 
das  zugleich  mit  anderen  Arten  am  Rio  Guaiquirarö  gesammelt 
wurde.  Das  zugehörige  Männchen  ist  mir  nicht  bekannt. 
Die  doppelten  Querbinden  auf  den  mittleren  Hinterleibsringen 
zeichnen  die  Art  besonders  aus,  kommen  aber  auch  einer 
Species  der  folgenden  Section  (M.  gemellata)  zu,  welche  sich 
mit  dieser,  wegen  der  ganz  verschiedenen  Punktirung  und  des 
mangelnden  gelben  Rückenflecks,  nicht  verbinden  lässt. 

7.     M.   maculatissima  Nobis. 

M.  nigra,  nitida,  dorso  thoracis  passim  punctato;  toto  cor- 
pore macuhs  magnis  flavis,  pedibus  testaceis,  femoribus  basi 
nigris.     Long.   6^/2  hn. 

Mas.:      punctis     duobus    metanoti     sub    postscutello, 
aliisque    duobus    segmenti    abdominalis    septimi 
flavis. 
Fem i na:    vertice   pronotoque    toto    flavis,    abdominis 
cingulis  flavis  antice  utrinque  repandis. 

Beide  Geschlechter  von  Cordova  erhalten.  —  Von  allen 
mir  bekannten  Arten  dieser  Section  hat  diese  die  vollsten 
und  meisten  gelben  Zeichnungen,  was  fĂĽr  beide  Geschlechter 
gilt,  daher  ich  sie  zu  einer  und  derselben  Species  bringe, 
obgleich  ich  dafĂĽr  kein  anderes  Motiv  angeben  kann,  als  die 
gleiche  Heimath  beider,  d.  h.  die  Umgegend  Cordova's. 

Das  Männchen  ist  nicht  völhg  so  schlank  gebaut,  wie  das 
von  M.  6-cincta  und  M.  paranensis;  namentlich  sein  Hinterleib 
in  der  Mitte  etwas  dicker.  Es  hat  klare,  nach  der  Spitze  zu 
nur  v/enig  gebräunte  Oberflügel,  deren  letzter  rücklaufender 
Nerv  in  die  Ecke  der  dritten  Cnbitalzelle,  dicht  hinter  der 
Querader  mit  der  zweiten,  einmĂĽndet.  Seine  gelben  Zeich- 
nungen sind  die  gewöhnhchen  aller  anderen  Männchen,  wobei 
nur  zu  erwähnen  bliebe,  dass  der  gelbe  Vorderrand  des  Pro- 
notums  auch  bei  ihm,  wie  in  der  Regel,  unterbrochen  ist, 
aber  der  HinterrĂĽcken,  unter  dem  Hinterschildchen,  zwei 
runde,  gelbe,  grosse  Punkte  besitzt,  die  von  den  gelben  Flecken 
der  Hinterecken  getrennt  sind  und  diese  Art  vor  allen  anderen 
auszeichnen.  Auch  der  letzte  (siebente)  Hinterleibsring  hat  an 
jeder  Seite  einen  grossen  gelben  Fleck.  Die  Beine  sind  gelb, 
die  HĂĽften  und  die  Basis  der  Schenkel  schwarz,  aber  die 
Coxen  der  vier  hinteren  Beine  haben  einen  gelben  Fleck. 


174 

Das  Weibchen  zeichnet  sich  vor  dem  aller  andern  Arten 
durch  eine  sehr  lebhafte  Politur  aus.  weil  die  Punktirung- 
sparsam  ist;  der  Kopl'  hat  nur  auf  der  Stirn  einige  Punkte, 
und  am  Brustkasten  ist  bloss  die  vordere  Hälfte  sparsam 
punktirt.  Der  Kopf  zeigt  quer  ĂĽber  die  Stirn  eine  gelbe 
Binde,  die  sich  vor  den  Augen  etwas  erweitert,  und  die 
Fühlerhöcker  einsehliesst;  der  Scheitel  eine  ähnliche,  gebogene 
Querbinde;  alles  ĂĽbrige  ist  schwarz,  nur  die  Mandibeln  sind 
rothgelb,  doch,  wie  gewöhnlich,  mit  schwarzer  Spitze.  Der 
Vorderrücken  trägt  eine  breite,  gelbe  Binde  auf  seiner  ganzen 
Oberfläche,  die  sich  an  beiden  Enden  nach  vorn  in  eine  Spitze 
ausdehnt;  darin  sieht  mau  zerstreute,  Borsten  tragende  Punkte. 
Der  MittelrĂĽcken  ist  vorn  glatt,  nach  hinten  punktirt;  er  hat 
den  gewöhnlichen  gelben  MittelHeck  und  einen  kleinen  blass- 
gelben Streif  auf  den  Seiten,  neben  den  FlĂĽgeln;  auch  da.s 
Schildchen  und  Hinterschildchen  haben  einen  gelben  Bogen- 
strich; selbst  noch  auf  dem  HinterrĂĽcken,  dessen  Mitte  leicht 
vertieft  erscheint,  ist  ein  kleines  dreieckiges  Fleckchen  in  der 
Vertiefung  sichtbar,  Ulirigens  aber  seine  Oberfläche  matt  von 
Ansehen,  und  durch  eine  feine,  aber  deutliche  Leiste  von  dei- 
abfallenden  Hinterwand  gesondert;  die  Seiteneeken  sind  völlig 
abgerundet,  sehr  schwach  gekerbt  quergestreift,  und  mit  einem 
grossen  gelben  Fleck  versehen.  Der  Hinterleib  hat  auf  dem 
ersten  Ringe  eine  breite,  volle,  gelbe  Querbinde;  der  zweite 
Ring  ist  am  Rande  gelb,  mit  2  Buchten  nach  innen,  von  denen 
sich  die  gelbe  Fäi-bung  über  die  Seilen  bis  last  zur  Basis  hin 
ausdehnt;  der  dritte,  vierte  und  fĂĽnfte  Ring  haben  eine  eben- 
solche Randbinde,  aber  ohne  die  Erweiterung  nach  voin  an 
den  Seiten;  der  letzte  Afterring  ist  einfarbig  schwarz,  am 
Rande  gebräunt,  auf  der  Oberfläche  stark  längsgesti-eift.  Am 
Bauch  lehlen  gelbe  Zeichnungen,  vielmehr  tragen  die  Ringe 
lange,  graue  Borsten,  wie  der  Nacken  und  der  Prothorax. 
Die  Beine  sind  rothgelb,  die  Schenkel  oberhalb  gelbUch,  am 
Grunde  schwarz.  Die  hintersten  haben  einen  gelben  Fleck; 
ebenso  die  Brustseiten.  Die  FlĂĽgel  klar  russbraun,  der  Saum 
der  vorderen  dunkelbraun,  die  Adern  rothbraun;  der  letzte 
rücklaufende  Nerv  mündet  nälier  der  vorderen  Ecke,  als  der 
Mitte,  in  die  dritte  Cubitalzelle. 

b)  Weibchen  ohne    gelben    Fleck    auf    der    Mitte    des 
Mesonotums. 

Ich  besitze  aus  dieser  Gruppe  noch  vier  Arten  des  La 
Plala-Gebietes.  die  ich  aber  nicht  selbst,  gesammelt  Labe,  son- 
dern die   mir    durch    Orlssammler  milgethoilt   v  urden.     Zwei 


175 

davon  kenne  ich  in  beiden  Geschlechtern,  zwei  nur  in  dem 
einen  weibhchen  Geschlecht,  besitze  aber  noch  verschiedene 
Männchen,  die  ich  zu  den  Weibchen  nicht  mit  Sicherheit 
bringen  kann,  weil  sie  nicht  aus  derselben  Gegend  stammen. 
Alle  Männchen  sind  einander  so  ähnhch,  dass  es  kaum  mögHch 
scheint,  sie  scharf  zu  unterscheiden;  ich  leite  darum  die  Unter- 
schiede zunächst  nur  von  dem  weiblichen  Geschlechte  her  und 
führe  bei  jedem  das  zugehörige  Männchen  an,  soweit  ich  das 
mit  ausreichendem  Grunde  thun  zu  können  im  Stande  bin, 
die  ĂĽbrigen  am  Schluss  gesondert  behandelnd. 

Drei  der  hierher  gehörigen  Arten  haben  ganz  schwarze 
Beine  im  weiblichen  Geschlecht  und  auch  am  Brustkasten  nur 
wenig  gelb;  die  vierte  ist  mit  rostrothen  Beinen  geziert. 

8.     M.  robusta  Nobis. 

M.  atra,  nitida,  foi'titer  punctata;  capite  thoraceque  line- 
olis  angustis  flavis;  abdominis  Iffivis  segmentorum  basi  fascia 
flava,  utrinque  dilatata.     Long.  8 — 9  lin.     Femina. 

In  der  Banda  Oriental,  bei  Mercedes  am  Rio  Negro  von 
mir  gesammelt.  —  Die  grösste  Art  unter  den  hiesigen,  ganz 
schwarz;  Kopf  und  Thorax  dicht  grob  punktirt,  die  abschĂĽssige 
Hinterfläche  des  letzteren  fein  radial  gestreift,  die  Ränder 
schärfer  gekerbt  gestreift.  Hinterleib  ganz  glatt,  die  Seiten 
und  die  Hinterränder  der  Bauchringe  mit  Punkten,  die  lange, 
greise  Haare  führen.  Am  Kopf  bloss  die  Fühlerhöcker  und 
vorderen  Augenränder  fein  gelb  gerandet.  Oberkiefer  schwarz 
mit  brauner  Spitze.  VorderrĂĽcken  mit  feinem,  gelbem  Punkt 
neben  den  Schulterecken  und  gelbem  Hinterrande.  Hinter- 
schfldchen  gelb,  ebenso  der  Rand  der  FlĂĽgelschuppen.  Hinter- 
ieibsringe  1 — 5  mit  schmaler  gelber  Binde  am  Grunde,  die 
sich  jederseits  zu  einem  dreieckigen  Fleck  erweitert;  die  Binde 
des  zweiten  Ringes  unterbrochen,  nur  durch  die  zwei  Dreiecke 
angedeutet;  Bauch  und  Beine  einfarbig  schwarz,  mit  greisen 
Haaren  besetzt;  die  Sporen  weiss. 

Anm.  Ich  habe  früher  eine  sehr  ähnliche,  aber  noch 
etwas  grössere  Art,  die  sich,  wie  diese,  durch  ihre  stark  vor- 
gequollenen Mittelbrustseiten  auszeichnete,  von  Zimmermann 
aus  SĂĽd-Carolina  erhalten,  deren  schlankes,  gegen  1  Zoll 
langes  Männchen  zwar  einen  kleinen  gelben  Fleck  auf  der 
Mitte  des  Mesonotums  hat,  aber  ĂĽbrigens  durch  sehr  schmale 
gelbe  Zeichnungen  sich  auszeichnet;  ich  vermuthe  fast,  dass 
die  hier  beschriebene  Art  damit  übereinstimmen  könnte,  weil 
viele  andere  Insecten-Arten  denen  Nord-Amerika's  in  ähn- 
licher Weise  nahe  stehen.     Namentlich  unter   den  Schmetter- 


176 

lingeu  zeigt  sich  sehr  grosse  Aehnlichkeit  vieler  Species,  selbst 
der  grösöteii  NachtfaUer. 

9.     M.  gemellata  Nobis. 

M.  nigra,  parum  nitida;  capite  thoraceque  deusissime 
punctatis,  parte  postica  decHvi  pubescente;  abdomine  nitidiori, 
segmentis  3  —  5  gemellato-fiavo  cinctis.     Long.  7  lin.     Femina, 

Aus  der  Provinz  Corrientes;  —  ein  einzehies  Weibchen, 
das  sich  durch  seine  dichte  Punktirung  und  das  dadurch  be- 
wirkte matte  Ansehen  an  das  Weibchen  von  M.  paranensis 
unschliesst,  aber  dasselbe  in  den  genannten  Eigenschaften  noch 
ĂĽbertrifi't.  Sclnvarz,  dicht  aber  nicht  grob  punktirt,  besonders 
am  Kopf  und  dem  Thorax  bis  zum  Metathorax,  der  noch  feiner 
chagriniit  punktirt  ist  und  ein  kurzes  Haarkleid,  wie  filzig, 
trägt;  auch  der  erste  Hinterleibsring  hat  eine  ähnliche  Be- 
haarung. Die  gelben  Zeichnungen  bilden  am  Kopf  eine  Binde 
quer  über  die  Stirn,  welche  die  Fühlerhöcker  einschliesst  und 
vor  den  Augen  zu  einem  feinen  Rande  sich  ausdehnt;  auch 
die  hinteren  Augenränder  sind  gelb;  alles  andere  ist  schwarz; 
auch  die  (schwach  rothbraunen)  Mandibeln,  der  Thorax  und  die 
Beine.  An  jenem  zeigt  sich  ein  ganz  kleiner  gelbhcher  Punkt 
auf  der  Schulterecke  des  Pronotums,  ein  zweiter,  etwas 
grösserer,  unter  den  Flügeln  und  ein  gelber  Streif  auf  dem 
Hinterschildchen.  Der  erste  Hinterleibsring  hat  jederseits  einen 
kleinen  gelben  Punkt,  und  der  zweite  ebenda  einen  gelben 
Randsti-eif;  der  dritte,  vierte  und  fĂĽnfte  Ring  tragen  eine  dop- 
pelte gelbe  Querbinde,  die  beide  an  den  Seiten  gebogen  in 
einander  ĂĽbergehen;  der  Raum,  den  sie  einschliessen,  ist 
deutlich,  aber  fein,  punktirt;  der  Analring  hat  einen  grossen 
rothgelben  Fleck.  Am  Bauch  sind  nur  der  dritte  und  vierte 
Ring  mit  einem  gelben,  in  der  Mitte  unterbrochenen  Querstreif 
versehen;  dahinter  stehen  we^^sgraue  Borsten,  wie  an  allen 
Ringen  und  den  Beinen;  auch  deren  Sporen  sind  weiss.  Die 
ziemlich  klaren,  gelbbraunen  FlĂĽgel  haben  einen  dunkleren 
Ton  am  Vorderrande. 

Ich  ziehe  zu  dieser  Art  ein  Männchen,  das  ich  mit  ihr  in 
mehreren  Exemplaren  erhielt,  und  das  die  gewöhnhchen  gelben 
Zeichnungen  aller  besitzt,  auch  den  Mittellleck  des  Mesonotums, 
aber  durch  eine  ziemlich  lange,  doch  nicht  dichte,  greise  Be- 
haaiung  am  Brustkasten  und  dem  ersten  Hinterleibe  sich  aus- 
zeichnet. Seine  Flügel  sind  schwach  gebräunt,  ohne  dunk- 
leren Schatten  an  der  Spitze,  und  seine  Hinterbrust  hat  ĂĽber 
der  Endecke  jederseits  einen  mondförmigen  gelben  Fleck,  der 
oben  spitz,  unten  breit  endet.  Der  rĂĽcklaufende  Nerv  mĂĽndet 
in  die  dritte  Cubitalzelle,   bald  mehr,    bald    weniger    von    der 


177 

Ecke  entfernt,  die  sie  mit  der  zweiten  Querader  bildet.  Der 
Hinterleib  hat  sieben  gelbe,  in  der  Mitte  ausgeschweifte  Bin- 
den, also  auch  eine  am  letzten  Ringe,  die  bald  ganz  ist,  bald 
in  der  Mitte  unterbrochen,  mitunter  auch  bis  auf  einen 
schmalen  Streif  am  Seitenrande  verschwindet. 

10.     M.  frontalis  Nobis. 

M.  nigra,  nitida,  fortiter  sed  non  dense  punctata;  fronte 
verticeque  flavis,  macula  media  flava;  abdomine  cingulis  quinque 
flavis  in  margine  segmentorum.     Long.   7  Hn.     Femina. 

Vom  Rio  Guaiquirarö,  im  Süden  der  Provinz  Corrientes. 
—  Sehr  ähnlich  der  vorigen  Art,  aber  bestimmt  verschieden 
durch  Sculptur  und  Zeichnung.  Vorwiegend  schwarz,  selbst 
die  Basis  und  der  Rand  der  VorderflĂĽgel  sehr  dunkel.  Stirn 
und  Scheitel  glatt,  VorderrĂĽcken  dicht,  aber  nicht  fein  punktirt; 
MittelrĂĽcken  zerstreuter;  HinterrĂĽcken  punktfrei,  aber  nicht 
glatt,  sondern  matt  von  Ansehen,  mit  scharfem  Höcker  hinter 
dem  Postscutellum  und  hinter  ihm  eine  seichte  Längsfurche; 
die  abschüssige  Fläche  stark  radial  gestreift,  die  abgerundeten 
Seiten  noch  stärker  gekerbt  gestreift.  Hinterleib  glatt,  nur 
das  letzte  Glied  fein  parallel  längsgestreift.  Bauch  und  Beine 
sehr  sparsam  mit  greisen  Haaren  besetzt.  —  Kopf  von  den 
Fühlerhöckern  bis  zum  hinteren  Rande  des  Scheitels  gelb,  über 
den  FĂĽhlern ,  mitten  auf  der  Stirn ,  ein  grosser  schwarzer 
Fleck;  die  Mandibeln  braun,  wie  die  ĂĽbrigen  Mundlheile,  alles 
andere  schwarz.  Thorax  und  Beine  ganz  schwarz,  ohne  alle 
gelben  Zeichnungen;  nur  die  FlĂĽgelschuppen  am  Rande  etwas 
gebräunt.  Hinterleib  mit  5  breiten  gelben  Querbinden  am 
hinteren  Rande  der  Ringe,  welche  am  zweiten  bis  fĂĽnften  in 
der  Mitte  nach  vorn  leicht  ausgebuchtet  sind;  der  Afterring 
mit  bräunlichem  Rande,  sonst  schwarz,  Bauchseite  einfarbig- 
schwarz,  sehr  glänzend,  vor  dem  Rande  die  Ringe  punktirt, 
die  Rückenringe  mit  äusserst  feinen  Punkten  vor  den  gelben 
Binden.  —  Sporen  der  Schienen  weiss.  —  Flügel  russbraun, 
die  hinteren  und  die  Innenhälfte  der  vorderen  ziemlich  klar, 
die  rĂĽcklaufende  Ader  etwa  auf  ^j^  des  Randes  (genau  etwas 
weniger)  in  die  dritte  Cubitalzelle  mĂĽndend. 

Anm.  Obgleich  ich  viele  Männchen  zugleich  mit  den 
hier  beschriebenen  2  Weibchen  aus  derselben  Gegend  erhielt, 
so  ist  doch  kein  Männchen  darunter,  welches  ich  zu  dieser 
Art  stellen  könnte;  es  muss  dem  Sammler  entgangen  sein, 
wird  aber  wohl  dem  der  vorigen  Art  sehr  ähnlich  sehen;  die 
6  Exemplare  der  Männchen,  welche  ich  davon  vor  mir  habe, 
sehen  einander  so  ähnlieh,  dass  ich  sie  nicht  zu  trennen  wage, 
obgleich  sie  in  der  Grösse  merklich,  zwischen  5 1|.2 — 7  Linien 

12 


178 

difleriren    und  auch  in  der  Farbe  der  letzten  Hinterleibsringe, 
der  bald  ganz   schwarz   ist,    bald    eine    deutliche   gelbe  Binde 
hat,  oder   wenigstens   einen  gelben  Fleck  vor  dem  Ausschnitt 
der  zweitheiligen  Spitze,  welche  allen  Männchen  eigen  ist. 
11.     M.  elegans  Nobis. 

M.  atra  nitida,  parum  punctata,  flavo  signata,  frontis 
tuberculis  orbitisque  flavis;  pedibus  rufis,  coxis  nigris;  alis  fer- 
ruginosis,  costa  anterioruni  fusca.  Long.  6^/2  li^i-  Femina. 
Mas.:  reliquis  gracilior;  signaturis  pedibusque  rufo- 
testaceis;  ahs  hmpidis,  venis  rufescentibus. 
Long.  7  lin. 
Bei  Cordova  von  Dr.  Berg  gesammelt.  —  Eine  eigen- 
thĂĽmliche  Art,  die  der  M.  serena  und  M.  namea  nahe  zu 
stehen  scheint,  aber  davon  verschieden  sein  muss,  weil  bei 
meiner  die  FĂĽhler  ganz  schwarz  sind  und  nur  die  Geissei 
unten  etwas  gebräunt.  Kopf  und  Brustkasten  massig  punktirt, 
glänzend;  das  Metanotum  matt,  die  gerundeten  Seiten  des- 
selben quer  gestreift  bis  zur  Basis  hinab.  Fühlerhöcker  und 
Augenränder  vorn  wie  hinten  schmal  gelb.  Pronotum  mit 
gelbem  Schulterfleck  und  solcher  Randbinde;  Mesothorax  nur 
mit  gelbem  Fleck  unter  den  FlĂĽgeln;  Metathorax  mit  gelbem 
Postsc utellum.  Hinterleib  glatt,  die  Bauchringe  am  Rande  mit 
langen  weissgrauen  Borsten  in  Punkten,  auch  die  Basis  des 
ersten  RĂĽckenrings  so  behaart;  dieser  und  die  folgenden  vier 
mit  dreieckigen  gelben  Randflecken,  die  am  dritten  Ringe 
vorn  durch  eine  Binde  in  der  Mitte  zusammenhängen.  After- 
rand ruthlich,  Bauch  ungefleckt.  Die  Beine  rothgelb,  die 
HĂĽften  und  die  Vorderschenkel  schwarz,  die  HinterhĂĽften  mit 
gelbem  Fleck.     Sporen  und  Fussborsten  weiss. 

Männchen  sehr  schlank  gebaut,  sehr  glänzend,  die  gewöhn- 
lichen Zeichnungen  nicht  gelb,  sondern  orange;  auch  das  erste 
FĂĽhlerglied  unten  gelbroth  sowie  2  kleine  Streifen  auf  dem 
HinterrĂĽcken,  der  stark  weissgrau  behaart  ist.  FlĂĽgel  sehr 
blassgelb,  die  Adern  rothgelb;  der  rĂĽcklaufende  Nerv  mĂĽndet 
in  die  Hinterecke  der  zweiten  CubitalzeUe.  Letzter  (siebenter) 
Hinterleibsring  mit  gelbrothem  Seitenrande.  Beine  rothgelb, 
die  Trochanteren  und  HĂĽften  schwarz,  die  hintersten  an  der 
Spitze  rothgelb.  Augenränder  nicht  gefärbt,  wohl  aber  die 
Fühlerhöcker. 

B.    Weibchen    mit    ganz    klaren,    oder   am   Vorderrande 

nur    wenig    voller    gefärbten    Flügeln,    deren    Adern 

blassgelb  oder  hellrostroth  gefärbt  sind. 

Keine    von    den   vier  zu   dieser  Gruppe  gehörigen  Arten 

aus  dem  La  Plata-Gebiet  hat  einen  gelben  Fleck  auf  der  Mitte 


179 

des  RĂĽckens  im  weiblichen  Geschlecht,  wohl  aber  alle  im 
männlichen.  Letztere  sind  einander  eben  so  ähnlich,  wie  in 
den  frĂĽheren  Sectionen. 

a)     Weibchen  mit  schwarzen  Beinen. 
12.     M.  albosignata  Nobis. 

M.  nigra,  nitida;  capite  thoraceque  punctatis,  his  sig- 
naturis  albis;  abdomine  flavo-fasciato :  fasciis  ad  latera  latioribus, 
anticis  et  posiicis   interruptis.     Long.   6i|o  lin.     Femiua. 

Mas.:  gracilis,  punctis  duobus  flavis  metathoracis, 
alisque  hmpidis,  nervum  recurrentem  in  apicem 
cellulae  cubitalis  secundae  recipientibus.  Long. 
6  hn. 
Von  Cordova  bezogen.  —  Eine  eigenthümliche  Art,  deren 
Weibchen  sich  durch  ihre  schmalen  rein  weissen  Zeichnungen 
am  Kopf  und  dem  Brustkasten  auszeichnet.  Beide  sind  in  der 
Grundfarbe  schwarz,  wie  auch  der  Hinterleib  und  die  Beine, 
und  jene  beiden  Theile  deuthch,  aber  nicht  sehr  grob  und 
nicht  sehr  dicht  punktirt,  der  Metathorax  matt  von  Ansehen, 
der  HinterrĂĽcken  schwach  radial  gestreift,  die  Seiten  wenig 
gekerbt,  mehr  gerundet;  der  Hinterleib  sparsam  fein  punktirt, 
nach  der  Spitze  hin  dichter  und  etwas  gröber,  die  Afterdecke, 
wie  gewöhnlich,  fein  gestreift;  Bauch  und  Beine  mit  weiss- 
lichen  Borstenhaaren  besetzt.  —  Die  weissen  Zeichnungen  des 
Kopfes  sind  zwei  schmale,  aber  scharfe  Linien  vor  und  hinter 
jedem  Auge  und  zwei  Punkte  auf  den  Fühlerhöckern,  auch 
ein  kleiner  Punkt  mitten  auf  dem  Seheitel.  Der  Brustkasten 
hat  auf  dem  VorderrĂĽcken  zwei  weisse  langgezogene  Punkte 
an  den  Schulterecken  und  einige  kleinere  am  Hinterrande,  die 
vielleicht  bei  anderen  Exemplaren  eine  Randbinde  bilden 
mögen;  auf  dem  Mittelrücken  ist  jederseits  ein  weisser  Punkt 
neben  der  FlĂĽgelbasis  und  am  HinterrĂĽcken  des  Postscutellum, 
und  die  Ecken  mit  einem  zweitheiligen  grossen  Fleck  von 
derselben  Farbe.  Auch  die  Mittelbrust  hat  einen  weissen 
Fleck  unter  den  FlĂĽgeln  und  einen  zweiten  ĂĽber  den  Mittel- 
hĂĽften. An  den  Beinen  ist  nur  ein  Fleck  neben  den  Knieen 
der  vordersten  M^nss.  Der  Hinterleib  hat  an  den  ersten  fĂĽnf 
Ringen  grosse,  blassgelbe  Seitenflecke,  welche  am  dritten  und 
vierten  durch  eine  schmale  Binde  nach  vorn,  nahe  der  Basis 
der  Ringe,  verbunden  sind  und  nach  hinten  eine  vorspringende 
Ecke  haben.  Der  Bauch  zeigt  am  zweiten  und  dritten  Ringe 
kleine  weissgelbe  Seitenflecke.  Die  Afterdecke  ist  ganz  schwarz, 
vorn  stark  punktirt,  dann  fein  gestreift.  An  den  Beinen  sind 
besonders  die  FĂĽsse  mit  langen  weisslichen  Haaren  besetzt 
und  die  Sporen  ebenfalls  weiss. 

12* 


180 

Das  Männchen,  welches  ich  zugleich  mit  diesem  Weib- 
chen erhalten  habe,  zeichnet  sich  durch  grosse  Schlankheit 
aus^  es  hat  die  gewöhnlichen  gelben  Zeichnungen,  aber  ausser- 
dem auf  dem  abgerundeten,  fein  punktirten,  mit  einer  Längs- 
furche versehenen  HinterrĂĽcken  an  den  Seiten  ĂĽber  den  HĂĽften 
zwei  runde  gelbe  Flecken  und  ein  ziemlich  langes,  aber  nicht 
gerade  dichtes  weissliches  Haarkleid,  das  auch  auf  den  ersten 
Hinterleibsring  ĂĽbergeht.  Die  sechs  gelben  Hinterleibsringe 
sind  in  der  Mitte  vorwärts  etwas  ausgebuchtet  und  gehen  auch 
auf  die  Seiten  des  Bauches  ĂĽber;  der  Afterring  ist  ganz 
schwarz.  Bezeichnend  sind  auch  die  völlig  klaren,  nur  an 
der  äussersten  Spitze  der  vorderen  schwach  gebräunten  Flügel, 
deren  rĂĽcklaufender  Nerv  vor  der  Querader  zwischen  der 
zweiten  und  dritten  Cubitalzelle  in  die  Ecke  der  zweiten,  aber 
ganz  dicht  neben  der  Trennungsader,  einmĂĽndet.  Die  gelben 
Beine  haben  die  Basis  der  Schenkel  und  der  HĂĽften  schwarz 
und  an  den  hintersten  sind  auch  die  Schienen  auf  der  Hinter- 
seite gebräunt. 

13.     M.  pallidipennis  Nobis. 

M.  atra,  nitida,  llavo  signata;  alis  tenerrimis,  limpidis, 
venis  pallidis. 

Mas.:  Metanoto  usque  ad  postseutellum  utrinque  tlavo, 

albido-hirto.     Long.   5  —  7  hn. 
Femina:  abdominis  cingulis  5  flavis,  in  medio  abrupte 
angustioribus.     Long.   6  lin. 

Am  Rio  Guaiquirarö,  im  Süden  der  Provinz  Corrientes, 
durch  Dr.  A.  Döring  gesammelt.  —  Das  Weibclien  nach 
Verkältniss  kleiner,  als  bei  den  früheren  Arten  und  von  allen 
anderen  durch  seine  kurzen,  ganz  glashellen  FlĂĽgel  mit  schal- 
gelben Adern  verschieden.  Kopf  schwarz,  die  Fühlerhöcker 
und  die  vorderen  Augenränder  schmal  gelb,  doch  nach  unten, 
ĂĽber  den  Mandibeln,  in  einen  breiten  Fleck  ausgedehnt;  auch 
hinter  den  Augen  mitunter  ein  gelber  Punkt.  Scheitel  und 
Thorax  ziemlich  dicht,  aber  nicht  gerade  grob  punktirt;  Hin- 
terrĂĽcken matt,  die  gerundeten  Seiten  fein  quer  gestreift.  Auf 
dem  Pionotum  2  gelbe  Schulterflecken  und  eine  gelbe  Rand- 
binde; am  Mcsolhorax  nur  ein  gelber  Fleck  unter  den  FlĂĽ- 
geln; am  Metathorax  das  Postseutellum  und  ein  grosser  Fleck 
an  den  Seiten  über  den  Hüften,  der  oberwärts  in  2  Spitzen 
ausgeht,  von  derselben  Farbe.  Hinterleib  glatt,  mit  5  gelben 
Binden,  die  erste  mit  einem  schwarzen  Fleck  auf  der  Mitte, 
die  folgenden  nach  vorn  tief  ausgebuchtet,  die  beiden  letzten 
schmäler,  schwächer  in  der  Mitte  ausgeschweift;  mittlere 
Bauchringe  mit  gelbem  Fleck  an  den  Hinterecken,  alle  weiss- 


181 

borstig  vor  dem  punktirten  Rande.  Afterdecke  fein  gestreift. 
Beine  schwarz,  weissborstig;  vorderste  Schenkel  und  Schienen 
mit  weissem  Streif;  Sporen  weiss. 

Das  Männchen  ist  vor  allen  Arten  durch  die  stärksten 
gelben  Zeichnungen  kenntlich;  an  ihm  fliesst  der  gewöhnhch 
in  der  Mitte  unterbrochene  gelbe  Voi'derrand,  der  bei  dieser 
Art  ganz  gelb  ist,  mit  dem  breiteren  Saum  des  Hinterrandes 
in  eine  grosse  ganz  gelbe  RĂĽckenseite  zusammen,  und  der 
Metathorax  hat  einen  sehr  grossen  hinteren  Flecken  zu  jeder 
Seite,  welcher  mit  einem  kleineren  jederseits  hinter  dem 
Postscutellum  zusammenhängt.  Die  sechs  Binden  des  Hinter- 
leibes sind  in  der  Mitte  etwas  verschmälert  und  die  erste 
jederseits  nach  vorn  in  einen  Zapfen  verlängert;  der  siebente 
Ring  hat  keine  gelben  Zeichnungen,  wohl  aber  die  Bauch- 
ringe an  jeder  Seite  einen  gelben  Randfleek.  Alle  Beine  gelb, 
nur  die  4  hinteren  Schenkel  und  deren  HĂĽften  am  Grunde 
schwarz.  Flügel  völhg  wasserklar,  mit  hellgelben  Adern;  der 
rĂĽcklaufende  Nerv  mĂĽndet  hinter  der  Querader  zwischen  der 
zweiten  und  dritten  Gubitalzelle  in  die  Ecke  der  letzteren  ein, 
doch  nicht  ganz  dicht  neben  der  Querader. 

14.     M.  cuyana  Nobis. 

M.  nigra,  flavo-maeulata ,  abdomine  cinguhs  flavis,  extus 
latioribus;  alis  pallidis,  venis  ferrugineis;  cellula  radialis  apice 
parum  infuscata.     Long.   8  lin. 

Mas.:  corpore  hirsuto,   metanoto  bifasciculato,  lunulis 

duabus  flavis. 
Femin aj  ignota. 

Von  mir  bei  Mendoza  gesammelt.  —  Eine  ausgezeichnete 
Art,  die  zwar  den  Männchen  der  vorigen  ähnelt,  aber  grösser 
und  kräftiger  gebaut  ist  und  von  allen  anderen  sich  durch  die 
dichte,  ziemlich  lange,  abstehende,  grauweisse  Behaarung, 
selbst  des  Hinterleibes,  auszeichnet.  —  Leider  kenne  ich  das 
Weibchen  nicht,  es  wird  aber  wahrscheinlich  dem  der  vorigen 
Art  ähneln,  also  in  ebendiese  Gruppe  gehören.  —  Die  gelben 
Zeichnungen  des  Männchens  sind  hell  gefärbt  und  so  breit, 
wie  bei  der  vorigen  Art,  doch  fliesst  der  in  der  Mitte  unter- 
brochne  vordere  gelbe  Halsring  nicht  immer,  jedoch  gewöhn- 
lich, mit  der  hinteren  Randbinde  des  Pronotums  zusammen. 
Die  FĂĽhler  sind  schwarz,  das  erste  Glied  vorn  und  die  FĂĽhler- 
höcker gelb.  Brustkasten  mit  den  üblichen  gelben  Flecken, 
auf  dem  HinterrĂĽcken  zwei  kleine  gelbe  Mondstriche  an  den 
unteren  Ecken,  die  von  den  dichten  langen,  aber  weichen, 
greisen  Haaren  fast  ganz  verdeckt  werden.  Alle  Hinterleibs- 
i'inge  mit   abstehenden,    etwas    kĂĽrzeren    weissgrauen  Haaren 


182 

besetzt  und  die  6  vorderen  mit  breiter  gelber,  in  der  Mitte 
schmälerer  Randbinde.  Beine  gelb,  Schenkel  am  Grunde  und 
die  HĂĽften  schwarz,  die  hintersten  mit  gelbem  Rande.  FlĂĽgel 
klar,  die  Adern  rothgelb,  die  äusseren  vor  der  Spitze  etwas 
dunkler;  die  Radialzelle  mit  bräunlichem  Schatten  an  der 
Spitze;  der  rĂĽcklaufende  Nerv  mĂĽndet  hinter  der  Querader 
zwischen  der  zweiten  und  dritten  Cubitalzelle  in  die  vordere  Ecke 
der  dritten,  etwas  näher  der  Querader  als  bei  der  vorigen  Art. 
b)  Weibchen     mit     rothgelben    Beinen,     auch    die    der 

Männchen  etwas  röthlich. 
15.     M.  bonaerensis  Nobis. 

M.  nigra,  nitida,  flavo-variegata,  abdomine  cingulis  flavis, 
extus  parum  latioribus;  alis  testaceis,  in  margine  antico  supe- 
riorum  parum  saturatioribus;  pedibus  rufescentibus.  Long.  6  lin. 

Mas.:  thorace  hirsutiusculo,  abdomine  paene  nudo; 
nervo  alarum  recurrente  cum  angulo  cellulae 
cubitalis  secundae  conjuncto. 

Femina:  fasciis  segmenti  primi  et  secundi  abdominis 
interruptis;  vertice  laevi,  vix  punctato;  anten- 
nis  rufis. 
Eine  ausgezeichnete  Art,  die  einzige  von  allen  hier 
beschriebenen,  welche  sich  bei  Buenos  Aires  findet,  aber 
auch  bei  Parana  von  mir  gesammelt  wurde.  —  Das  Weibchen 
unterscheidet  sich  von  allen  anderen  durch  die  ganz  rostrothen 
FĂĽhler  und  hat  ebenfalls  rostrothe  Mandibeln  mit  schM^arzer 
Spitze;  aber  der  Kopf  ist  schwarz,  ohne  hebte  Zeichnungen, 
die  Stirn  punktirt,  der  Scheitel  glatt;  beid%,  gleich  M'ie  der 
ganze  Körper,  massig  dicht  mit  weisslichen  Haaren  besetzt. 
Der  Thorax  hat  gelbe  Schulterflecke  am  Pronotum  und  einen 
gelben  Rand;  der  Mcsothorax  ist,  bis  auf  einen  kleinen  gelben 
Fleck  unter  den  FlĂĽgeln,  sclm^arz;  der  Metathorax  hat  immer 
ein  gelbes  Postscutellum,  aber  nicht  immer  zwei  feine  gelbe 
Linien  neben  den  abgerundeten,  quergestreiften  Seiteurändern; 
er  ist  nicht  matt,  sondern  glänzend  und  obenauf  deutlich 
punktirt.  Der  Hinterleib  hat  die  5  gelben  Binden,  von  denen 
tlie  des  ersten  und  zweiten  Ringes  in  der  Mitte  eine  LĂĽcke 
lassen  und  nur  als  dreieckige  Randflecken  auftreten;  die  drei 
folgenden  sind  ohne  Lücke,  liegen  der  Basis  der  Ringe  näher 
als  dem  Rande,  und  haben  eine  Ausbuchtung  nach  hinten, 
welche  mitunter  am  letzten  und  vorletzten  zur  LĂĽcke  wird; 
der  Bauch  ist  ungelleckt.  Die  rostgelbrothen  Beine  haben 
schwarze  HĂĽften,  weisse  Sporen  und  weissliche  Fussborsten. 
Die  klaren  FlĂĽgel  spielen  ins  rostgelbe  imd  haljcn  hintei-  der 
Radial/eile  am  Vorderrande  einen  leichten  Schatten. 


183 

Das  Männchen  ist  etwas  gedrungener  gebaut  als  bei  den 
vorigen  Arten  und  seine  gelben  Zeichnungen  spielen  etwas 
ins  Röthliche.  Sein  ganzer  Körper  ist  mit  weissgrauen  Haaren 
besetzt,  die  am  Kopf  und  Brustkasten  dicht  stehen,  aber  lange 
nicht  so  dicht  wie  bei  M.  cuyana.  Der  gelbe  unterbrochene 
Halsring  und  der  ganz  gelbe  Hinterrand  des  Pronotums  sind 
stets  getrennt;  die  Brustseiten  haben,  ausser  dem  Fleck  unter 
den  FlĂĽgeln,  noch  einen  zweiten  dahinter  ĂĽber  den  Mittel- 
hüften; der  Metathorax  trägt  einen  grossen,  gebogenen  Fleck 
an  den  Hinterecken;  am  Hinterleibe  ist  der  siebente  Ring  mit 
3  gelben,  bald  getrennten,  bald  verbundenen  Flecken  versehen; 
die  gelben  Beine  haben  schwarze  Basis  der  Schenkel,  schwarze 
Hüften  mit  gelbem  Fleck  und  etwas  röthliche  Schienen.  Die 
FlĂĽgel  sind  klar,  mit  rostgelben  Adern,  deren  rĂĽcklaufender 
Nerv  vor  der  Querader  in  die  zweite  Cubitalzelle  einmĂĽndet. 
Die  Bauchringe  sind  mit  grossen  gelben  Seitenflecken  geziert. 
Anm.  Ausser  diesen  hier  beschriebenen  15  Arten  sind 
mir  keine  anderen  Species,  weder  aus  Nord- Amerika,  noch 
von  der  östlichen  Halbkugel,  zur  Hand.  Die  grosse  Menge 
derselben  aus  dem  La  Plata-Gebiet  scheint  mir  darzuthun, 
wenn  ich  dagegen  bedenke,  dass  ich  in  Brasilien  nur  eine 
einzige  Art  gesammelt  habe,  dass  die  Gattung  Plesia  mehr 
der  gemässigten  als  der  tropischen  Zone  angehört,  und  eben 
darum  sowohl  in  den  vereinigten  Staaten,  als  auch  im  La 
Plata-Gebiet  ihr  Maximum  an  Artenzahl  erreichen  dĂĽrfte. 
Hinsichtlich  der  Artunterschiede  ist  es  ĂĽberraschend,  wahrzu- 
nehmen, wie  sehr  einander  die  Männchen  der  verschiedenen 
Arten  ähneln,  während  die  Weibchen  viel  grössere,  mehr  in 
die  Augen  fallende  Artunterschiede  in  Zeichnung  und  Colorit 
darbieten.  Dagegen  verhalten  sie  sich  im  Flügelgeäder  unter 
einander  ganz  gleich,  wogegen  die  Männchen  darin  beträcht- 
liche Verschiedenheiten  an  den  Tag  legen.  Nach  demselben 
lassen  sich  3  Gruppen  des  männlichen  ArttypuF  aufstellen, 
welche  sind:  ' 

1")  der  rĂĽcklaufende  Nerv   mĂĽndet  genau   auf  c/  a  Querader 

zwischen    der    zweiten    und  dritten  Cubitalzelle.     Dahin 

gehört  nur  die  brasilianische  Art:  no.   4. 

2)  Der  rĂĽcklaufende  Nerv  mĂĽndet  in  die  zweite  Cubitalzelle, 
vor  der  Querader  zwischen  ihr  und  der  dritten.  Diesen 
Bau  zeigen:  no.    11,  no.    12  und  no.    15. 

3)  Der  rĂĽcklaufende  Nerv  mĂĽndet  in  die  dritte  Cubitalzelle, 
hinter  der  Querader  zwischen  ihr  und  der  zweiten.  So 
findet  es  sich  bei:  no.  5,  no.  7,  no.  9,  no.  13  und  no.  14. 

Buenos-Aires,    den  25.   Oct.    1875. 


184 


Ein  Ausflug  nach  dem  Rotliensteiner 
Felsen, 

von 
O»  Scliiuledefclieclit,^  Lehrer  am  Institut  Gumperda  bei  Kahla. 


Mancher  Leser    hat    wohl    in    seiner  Jugend    das  schöne 
Lied  mitgesungen: 

Die  Hussiten  zogen  vor  Naumburg 
Ueber  Jena  her  und  Camburg ; 
Auf  der  ganzen  Vogelwies' 
Sah  man  nichts  als  Schwert  und  Spiess, 
An  die  hunderttausend. 

Ob  er  aber  auch  einmal  selbst  diese  Strasse  gezogen  ist, 
weniger  mit  Schwert  und  Spiess  als  mit  Schmetterlingsnetz, 
Kötscher  und  was  Alles  die  entomologische  Rüstkammer  in's 
Feld  stellt,  das  möchte  zu  bezweifeln  sein.  Einen  besseren 
Weg  hätte  wohl  der  selige  Procop  seinen  wackeren  Kämpen 
nicht  aussuchen  können.  Wie  lange  die  Hussiten  damals 
brauchten ,  ehe  sie  auf  der  Vogelwiese  bei  Naumburg  ankamen, 
meldet  leider  das  Lied  nicht;  jedenfalls  länger  als  jetzt,  denn 
seit  zwei  Jahren  durcheilt,  wie  man  sich  gewöhnlich  poetisch 
ausdrĂĽckt,  das  Dampfross  das  Seethal,  und  fast  zu  schnell  ver- 
schwinden „auf  den  Bergen  die  Burgen";  nur  „die  Saale  im 
Thale"  begleitet  den  Reisenden  von  Anfang  bis  zu  Ende. 
Tausende  strömen  jetzt  alljährlich  durch  dies  lachende  Thor 
Thüringens  herein  in  unsere  schönen  Berge,  über  Camburg 
mit  seinem  grauen  Thurm,  dem  alten  Bollwerk  gegen  die 
Slawen,  über  Dornburg  mit  seinen  Schlössern,  Gärten  und 
Rosen,  ĂĽber  Jena,  und  immer  weiter  und  weiter  in  das  Herz 
ThĂĽringens  hinein.  Warum  sollte  sich  unter  den  vielen  Luft- 
schnappern nicht  auch  einmal  ein  Entomologe  hierher  verirren? 
Aus  diesem  Grunde  habe  ich  es  gewagt,  eine  Excursion,  die 
ich  Ende  Juh  vergangenen  Jahres  nach  einer  mir  geeignet 
erscheinenden  Lokalität  unternahm,  zu  veröffentlichen.  Ist  es 
doch  auch  schön,  sich  an  den  heissen  Julitag  und  das  bunte 
Insektenvölkchen  zu  erinnern,  jetzt,  wo  die  Sonne  kaum  über 
des  Nachbars  Dach  herĂĽberschaut  und  nur  noch  zwei  ein- 
same Stubenfliegen  in  meinem  Zimmer  der  Kälte  getrotzt 
haben. 


185 

Zwischen  Kahla  und  Jena  erhebt  sich  der  Buntsandstein, 
der  die  Thalsohle  bildet,  zu  fast  gleicher  Höhe  mit  den  meist 
kahlen  Muschelkalkbergen,  wie  sie  besonders  aus  Jena's  Um- 
gebung bekannt  sind.  Dicht  neben  dem  Dorfe  Rothenstein, 
das  davon  den  Namen  trägt,  bildet  der  Sandstein  eine  mäch- 
tige, steile  Felswand,  von  deren  Gipfel  einer  der  schönsten 
Blicke  in's  Seethal  lohnt  und  von  deren  jäher  Höhe  einst,  wie 
die  Sage  berichtet,  im  30jährigen  Kriege  ein  schwedischer 
Trompeter,  von  Kroaten  verfolgt,  den  kĂĽhnen  Sprung  in's 
Thal  wagte  und  unversehrt  davon  kam,  bis  ihn  noch  ĂĽber 
der  Saale  drüben  eine  feindhche  Kugel  erreichte.  —  Diesem 
prächtigen  Punkte  galt  mein  Besuch.  Namenthch  an  Hyme- 
nopteren  versprach  ich  mir  an  diesen  glĂĽhend  heissen  Sand- 
wänden reiche  Ausbeute.  Es  war  ein  Sonntag,  Windstille  und 
ein  wolkenreiner  Himmel,  gut  fĂĽr  die  Saalbahnactien ,  fĂĽr  den 
Fang  und  besonders  fĂĽr  einen  gesunden  Schweiss.  In  Kahla 
steige  ich  ein,  und  kaum  habe  ich  die  Reisetasche  abgelegt, 
da  ruft  auch  schon  der  Schaffner:  „Rothenstein,  3  Minuten 
Aufenthalt".  Da  wäre  ich!  Gott  sei  Dank,  dass  ich  aus  dem 
Bahnwagen  heraus  bin!  Lieber  30  Grad  in  der  Sonne  als  40 
im  Schatten!  Das  Dorf  Rothenstein  liegt  etwa  10  Minuten 
oberhalb  des  Bahnhofs.  Am  Eisenbahndamme,  dem  entlang 
der  Weg  hinläuft,  blühten  all  die  bekannten  Sommerunkräuter 
in  ĂĽppiger  FĂĽlle:  Senecio  Jacobaea,  Pastinaca  sativa,  Erigeron 
canadensis  u.  s.  w.  bildeten  ganze  Wälder,  und  das  schwärmte 
und  summte,  besonders  von  Dipteren  und  anderem  Völkchen. 
Aber  das  wurde  nur  flĂĽchtig  angeschaut,  um  den  Hauptzweck 
nicht  zu  vernachlässigen.  —  Der  Bauer  in  Thüringen  ist  am 
Sonntag  Vormittag  sehr  häuslich.  In  Rothenstein  war  es,  wie 
man  bei  uns  zu  Lande  sagt,  wie  ausgekehrt.  Sogar  die  liebe 
Dorfjugend  unterstĂĽtzte  mich  nicht  beim  Suchen  nach  dem 
Gasthaus,  denn  das  war,  zu  meiner  Schande  gesagt,  mein 
erstes  Ziel.  Doch  halt,  da  oben  steht  eine  Pferdekrippe, 
erstes  Glied  in  einem  regelrechten  SchlĂĽsse,  und  da  ragt  auch 
der  liebe  lange  Arm  heraus  mit  dem  grĂĽnen  Kranz  und  dem 
rothen  Bierseidel.  „Solche  Zeichen  furcht'  ich  nicht''',  sagt 
Schiller  an  einer  Stelle,  ich  denke,  im  Wallenstein.  Die 
30  Grad  Reaumur  hatten  mir  auch  schreckliche  Courage 
gemacht.  Die  sauber  geputzten  Holzkännchen  erlaubten  aber- 
mals einen  sicheren  Schluss,  nämlich  auf  das  berühmte  Lichten- 
hainer  Bier,  das  Seidel  zu  10  Reichspfennigen.  Die  3  dicken 
NickelmĂĽnzen,  die  ich  beim  Abschied  zu  bezahlen  hatte,  habe 
ich  gern  hingegeben. 

Zur  Dorfkirche    empor    windet    sich   der  Pfad  nach  dem 


18H 

Felsen,  und  die  moosige  Kirchhofsmauer  im  Schatten  der  Kirche 
bietet  ein  feines  Plätzchen  zum  Ausruhen.  Der  Hochsommer 
mit  seiner  Blumenpracht  hatte  den  kleinen  Friedhof  in  einen 
Grarten  verwandelt.  Da  hab  ich  denn  ein  Weilchen  gesessen 
und  „hab  den  Immlein  zugeschaut",  wie  es  im  Schweizer 
Lied  heisst.  Es  waren  meist  richtige  Immlein,  Apis  melhfica, 
unverfälschte  Race,  noch  keine  hgustica  darunter,  jedenfalls 
aus  des  Herrn  Pfarrers  oder  Schulmeisters  Bienenstöcken,  die 
hier  auf  den  Gräbern  ihren  Honig  holten.  Ich  musste  unwill- 
kĂĽrlich an  den  ewigen  Kreislauf  der  Dinge  denken;  der  gol- 
dene Schmetterling  auf  weissem  Stein,  die  unenträthselte 
Species,  half  auch  mit.  —  Doch  nun  an  das  Werk  und  weiter 
zum  Felsen  hinauf!  Den  Rock  ausgezogen,  die  Schachteln 
auf,  das  Netz  aufgesteckt  und  den  Kork  im  Aetherfläschchen 
gelockert!  Das  bei  weitem  grösste  Contingent  stellten,  wie 
erwartet,  die  Hymenopteren,  unter  denen  ich  besonders  auf 
Grab-  und  Wegwespen  fahndete.  Zunächst  wurde  das  grosse 
Pubhkum  davon  etwas  inspicirt.  Die  stattliche  Psammophila 
hirsuta  Kirb.  war  ziemlich  häufig  zu  treffen,  seltener  affinis 
Kirb.,  fast  gemein  Ammophila  sabulosa  Dlb.  Auf  allen  Dolden 
war  Thyreopus  cribrarius  L.  vorwiegend  in  (J  zu  finden,  meist 
in  Gesellschaft  von  zahlreichen  Individuen  der  trägen  Tiphia 
femorata  F.;  weit  seltener  war  Thyreopus  patellatus  v.  d.  L. 
Philanthus  triangulum  F.  kam  in  wahren  Prachtexemplaren 
vor.  Einzeln  war  Solenius  cephalotes  Shuck. ,  besonders  auf 
blühendem  Heracleum  Sphondylium  auf  der  Höhe  des  Felsens, 
meist  blos  $.  Dieselben  BlĂĽtlien  waren  besucht  von  Solenius 
lapidarius  Pz.,  Hoplisus  quinquecinctus  F.,  Hopl.  punctuosus 
Eversm.,  *)  Mimesa  bicolor  Shuck.,  Cerceris  labiata  F.  und 
variabilis  Schrk.  Am  häufigsten  davon  war  Cerceris  labiata. 
Ectemnius  vagus  L.  fing  ich  in  einigen  Exemplaren,  Astata 
Stigma  Pz.  blos  in  einem  einzigen  ^,  das  dicht  ĂĽber  dem 
Boden  flog.  Etwas  häufiger  war  Astata  affinis  v.  d.  L.; 
Gorytes  campestris  L.  erlangte  ich  blos  in  einem  StĂĽck.  Der 
zierliche  Dinetus  pictus  Pz.  kam  an  einer  Stelle  ziemlich  häufig 
auf  Erigeron  canadensis  vor,  darunter  blos  ein  $.  Von  Cera- 
tocolus  vexillatus  Pz.  traf  ich  nur  einige  Weibchen.  Sehr 
spärlich  war  Oxybelus  uniglumis  Dlb.  und  Nysson  maculatus  F. 


*)  Zuerst  von  Eversmann  in  den  Vorbergen  des  Ural  entdeckt, 
flaiin  von  Prof.  Kirschbanm  bei  Monibach  am  Rhein  aufgelnnden,  und 
in  einer  der  Moskauer  naturi".  Gesellschaft  zur  Säcularfeier  gewidmeten 
Abhandlung  (Wiesbaden  1855)  als  Hoplisus  punctatus  ausiĂĽhrlich 
beschrieben.  —  Das  von  mir  gefangene  Exemplar  ist  ein  9  und  eine 
Varietät  mit  4  statt  5  LJiudcn. 


187 

Unter  den  Pompiliden  that  sich  besonders  Pompilus  trivialis 
Kl.  durch  seine  Menge  hervor,  neglectus  Wesm.  luid  pectini- 
pes  V.  d.  L.  fing  ich  je  in  einem  Exemplare.  Eine  Art  mit 
rothen  Schenkeln  und  Schienen  wurde  mir  von  kundiger  Hand 
nls  Var.  von  P.  cinctellus  v.  d.  L.  gedeutet.  Priocnemis  fus- 
cus  F.  war  häufig,  selten  exaltatus  Pz.;  variegatu.s  F.,  nicht 
selten  bei  Gumperda,  schien  zu  fehlen.  Die  schöne  Scolia 
quadripunctata  F.  fand  sich  einzeln;  in  Menge  kommt  sie 
jenseits  der  Saale  vor.  Von  Mutilla  ephippium  Ltr.  fing  ich 
ein  Pärchen.  Die  (^  -von  Myrmosa  melanoeephala  F.  waren 
einzeln  auf  Heracleum. 

Von  Bienen  liog  Anthidium  manicatum  L.  sehr  spärlich 
an  Sandwänden,  von  A.  punctatum  Latr.  fing  ich  ein  Weib- 
chen. Die  $  von  Hvlaeus  sexcinctus  F.  waren  sehr  häufig 
an  Sandwänden,  während  die  t^  ebenso  zahlreich  auf  Blüthen 
zu  finden  waren.  Von  kleineren  Arten  war  besonders  Hylaeus 
Smeathmanellus  K.  und  cyhndricus  F.  häufig.  Einzeln  flog 
Saropoda  rotundata  Pz.,  ebenso  Megachile  maritima  K.  und 
Nomada  fucata  Pz.  In  grosser  Menge  zeigte  sich  Sphecodes 
gibbus  L.  Die  dort  vorkommende  Coelioxys-Art  halte  ich  fĂĽr 
punctata  Lep.  Von  Trachusa  Serratulae  Pz.  und  Dasypoda 
hirtipes  F.  (wie  es  scheint  in  ThĂĽringen  nicht  allzu  selten) 
fing  ich  je  ein  ^. 

In  erstaunlicher  Menge  flogen  Chrysiden  an  manchen 
Stellen,  avo  die  Sandwände  ganz  durchlöchert  waren,  besonders 
Chrj'-sis  ignita  L.,  selten  fulgida  L.,  von  bidentata  L.  blos  ein 
Exemplar.  Hedychrum  lucidulum  Dlb.  Avar  besonders  auf 
blĂĽhendem  Daucus  zu  finden.  Auf  denselben  BlĂĽthen  und  noch 
mehr  auf  denen  von  Pastinaca  und  Heracleum  zeigten  sich 
die  bekannten  Blattwespen:  Hylotoma  enodis  L.,  ustulata  L. 
und  coerulescens  F.  Als  Seltenheit  fing  ich  ein  Exemplar 
von   Athalia  lugens  Klug. 

Von  Faltenwespen  hatte  sich  Polistes  gallica  F.  ziemlich 
häufig  an  Sandwänden  angebaut.  Eumenes  pomiformis  Spin. 
fing  ich  in  einem  Exemplar  auf  EichengebĂĽsch.  Symmorphus 
crassicornis  Pz.  flog  einzeln  an  Wänden,  die  r^  von  Hoplopus 
spinipes  H. -Seh.  waren  ziemlich  häufig  auf  Dolden  zu  finden. 
An  manchen  Stehen  waren  die  Trichter  von  Myrmeleon-Larven 
zu  Hunderten  anzutreff'en.  Das  vollkommene  Insekt  bemerkte 
ich  nicht.  Von  Neuropteren  erwähne  ich  sonst  noch  Chrysopa 
l'ormosa  Brauer  und  phyllochroma  Wesm.  Beide  Avaren  sehr 
spärlich  an  blumigen  Abhängen  anzutreffen. 

Die  Dipteren,  die  ich  nur  flĂĽclitig  anschauen  konnie, 
wĂĽrden  sicherhch  grosse  Ausbeute  gehefert  haben.    Besonders 


188 

fielen  die  prächtigen  Phasien  auf.  Spärlich  zeigten  sich  Echi- 
nomyia  grossa  L.,  Volucella  inanis  L.  und  Stratiomjs  chamae- 
leon  L.  Von  seltenem  Sachen  erlangte  ich  Spilomyia  saltuum 
F.  in  2  Exemplaren  auf  Heracleum,  ferner  1  Exemplar  von 
Anthrax  fenestrata  Fallen  auf  heissen  Sandblössen. 

Von  Lepidopteren  kamen  mir  einige  Seltenheiten  vor. 
Die  seltene  Gnophos  furvata  V.  flog  in  mehreren  Exemplaren 
in  feuchtem,  schattigem  Gebüsch  und  setzte  sich  regelmässig 
auf  den  Boden.  Ich  iing  den  stattlichen  Spanner  in  3  Exem- 
plaren. (Derselbe  kommt  auch  bei  Gumperda  vor.)  Auf  der 
Höhe  des  Felsens  am  Saume  von  Kieferngehölz  flog  Naclia 
ancilla  L.  im  Sonnenschein,  nur  in  wenigen  Exemplaren.  (In 
Thüringen,  wie  es  scheint,  selten.)  An  gleicher  Lokahtät  flog 
Ino  pruni  L. 

Auf  heissen  Holzschlägen  hinter  dem  Felsen  war  ich 
erstaunt,  Cicindela  sylvatica  L.  in  grosser  Menge  anzutreffen, 
um  so  mehr,  da  mir  der  Käfer  bis  jetzt  in  der  nächsten 
Umgebung  noch  nicht  vorgekommen  war.  In  kurzer  Zeit 
hatte  ich   12  Exemplare  eingefangen. 

Soweit  der  entomologische  Theil!  Das  Capitel  von  der 
Heimreise  erspare  ich  den  geehrten  Lesern.  Jeder  hat  wohl 
schon  selbst  erfahren ,  wie  zufrieden  man  nach .  Hause  pilgert, 
falls  die  Schachteln  gefĂĽllt  sind,  wenn  auch  die  leidige  Arbeit 
des-  Aufspannens  und  Präparirens  desto  länger  dauert. 

Sollte  aber  einer  von  den  Herren  Entomologen  sich  ein- 
mal nach  ThĂĽringen,  speciell  in  meine  Gegend  verirren, 
vielleicht  zur  schönen  Pfingstenzeit,  dann  lade  ich  ihn  freund- 
lich ein,  mich  als  Wegweiser  zu  benutzen.  Manch  lauschiges 
Plätzchen  wollte  ich  ihm  zeigen,  wo  er  alles  fangen  könnte, 
nur  nicht  Grillen.  Manche  Seltenheit  wĂĽrde  er  mit  heim- 
nehmen in  seine  Sammlung,  eine  Erinnerung  an  ThĂĽringen, 
meine  schöne  Heimath. 


189 


Vereins-Angelegenlieiten. 


In  der  Sitzung  am  30.  Januar  wurde  der  Versammlung, 
welcher  auch  unser  Mitglied  Herr  J.  Faust  aus  Wiborg  bei- 
wohnte, die  bedauerliche  Nachricht  von  dem  am  5.  Januar  in 
Cassel  erfolgten  Hinscheiden  des  Rechnungsraths  Riehl  mit- 
getheilt.  In  den  letzten  Jahren  seines  hohen  Alters  (er  ist 
81  Jahre  alt  geworden)  versagten  ihm  die  Augen  ihren  Dienst 
insoweit,  dass  er  die  von  ihm  an  das  Universität-Museum  in 
Marburg  verkaufte,  aber  ihm  auf  Lebenszeit  belassene  Käfer- 
sammlung bereits  vor  2  Jahren  nach  Marburg  abgeben  musste. 
Dem  Unterzeichneten,  wie  vielen  andern  Vereins-CoUegen, 
welche  sich  mit  Coleopteren  beschäftigen,  hat  der  Verstorbene 
bei  jeder  Gelegenheit  durch  Liberalität  und  aufopfernde  Gefäl- 
ligkeit treue  und  unvergessliche  Dienste  geleistet,  wobei  ihm 
nicht  nur  seine  vieljährige  geschickte  Exploration  der  Casseler 
Umgegend,  sondern  auch  seine  einträghchen  Verbindungen  mit 
Nordamerika,  Chile  und  Cuba  mit  reichem  Materiale  zu  HĂĽlfe 
kamen.  Der  Jahrgang  1845  unserer  Zeitung  brachte  von  ihm 
(anonym)  einen  Artikel  „Methode  zum  Fangen  kleiner  Käfer"; 
der  einzige,  von  ihm  beschriebene  Käfer  Anisotoma  tarsalis 
ist  als  Sj^nonym  zu  Hydnobius  punctatissimus  Steph.  gezogen 
worden.  Ausserdem  hat  er  1838  (anonym)  bei  Hotop  in 
Cassel  ein  Verzeichniss  der  Coleoptera,  die  in  einem  Umfange 
von  3  Meilen  bei  Cassel  vorkommen,  und  (in  einer  Casseler 
Gymnasialschrift  1851)  eine  „geographische  Naturkunde  von 
Kurhessen'^   verfasst.  • 

Als    neue  Mitglieder    wurden    aufgenommen    die  Herren: 

Fr.  von  Voigtländer  in  Braunschweig. 

G.  Künow,  Conservator  am  Kön.   zool.  Museum  der 
Universität  Königsberg. 

Dr.     Richard    Stein,     Gewerksarzt    in    Chodau    bei 
Carlsbad. 
Herr  Forstmeister  Tischbein,    bisher  in  Birkenfeld,    ist 
als  Oberforstmeister  nach  Eutin  versetzt. 

Der  vom  Vereins  RechnungsfĂĽhrer  Herrn  Gillet  de  Mont- 
more  vorgelegte  Abschluss  ĂĽber  das  Jahr  1875  wurde  geprĂĽft 
und  genehmigt. 


190 

In  der  Sitzung  vom  24.  Februar  wurde  den  versammelten 
Mitgliedern  zunächst  die  Trauerkunde  eröffnet,  dass  unser 
Verein  und  unsre  Wissenschaft  einen  herben  Verlust  durch 
den  am  8.  Febr.  erfolgten  Tod  des  Regierungsrath  Dr.  Ludwig 
Redte nbac her  erlitten  haben.  Seine  langjährige  Stellung 
am  K.  zoologischen  Hof-Cabinet  in  Wien,  seine  allen  deutschen 
Coleopterophilen  rĂĽhmlichst  bekannte  Fauna  austriaca,  seine 
entomologischen  Beiträge  zu  den  Reisen  von  Hügel  in  Kasch- 
mir und  Kotschy  in  Syrien  sichern  ihm  ein  dauernd  eliren- 
voUes  Andenken.  â– "') 

Dem  Unterzeichneten  hat  vor  bereits  Jahr  und  Tag 
irgend  Jemand  die  anscheinend  glaubwĂĽrdige  Mittheilung  ge- 
macht, unser  Mitglied,  der  hochwĂĽrdige  Prof.  Dominik  Bilimek 
sei  bereits  vor  Jahren  gestorben.  Demzufolge  wurde  sein  Name 
in  dem  Mitglieder-Verzeichniss  des  Jahrganges  1875  der  Zei- 
tung nicht  mehr  aufgeführt.  Es  hat  sich  aber  jetzt  —  und 
auf  das  Unwiderleglichste  durch  ein  Autograph  neuesten 
Datums  —  herausgestellt,  dass  Herr  Bilimek  als  Director 
des  Museums  in  Miramar  bei  Triest  sich  noch  guter  Gesund- 
heit erfreut,  und  wir  hoffen,  dass  nach  dem  bekannten  SprĂĽch- 
worte die  unrichtige  Todesnachricht  dem  hochverdienten  Natur- 
forscher noch  ein  langes  Leben  bedeute. 

Als  neue  Mitglieder  wurden  in  den  Verein  aufgenommen 
die  Herren: 

Kammerrath  Aagard       )  .     t.--)    i 
Fabrikant  S.  Dohlmann)  "^     ^^ 
Oscar  Wolschke  in  Altenburg. 

Aus  mehrfachen  Correspondenzen  der  letzten  Zeit  ergiebt 
sich  die  höchst  erfreuliche  Thatsache,  dass  an  verscliiedenen 
Orten  in  und  ausser  Deutschland  die  im  Verhältniss  zu  Schmet- 
terlingen und  Käfern  ungebührlich  vernachlässigten  Hymenoptera 
allmählich  mehi-  Freunde  zu  gewinnen  scheinen.  Es  ist  als 
ein  entschiednes  Verdienst  anzuerkennen,  dass  die  Redaction 
der  „Entomologischen  Nachrichten",  Monatshefte  herausgegeben 
von  Dr.  Katter  in  Putbus,  durch  die  gediegnen  Artikel  von 
Dr.  Kriech  baumer  in  MĂĽnchen  dieser  Richtung  achtungs- 
werthen  Vorschub  zu  leisten  bestrebt  ist. 


Dr.  C.  A.  Dohrn. 


*)  Einigf»    näliorc    biologische    Data    werden    später    mitgctlieilt 
werden.  lled. 


191 


Gassen -Abschluss  pro  1875. 


Einnahme. 

An  Cassen-Bestand  v.  v.  J.  15  Thlr.  22  Sgv.  10  Pf.  = 

47  M.  28  Pf. 

„    Einnahme  für  Zeitmigen  etc 1089  „  60    „ 

„    Prämien-Dividende  von  der  Gothaer  Bank       20  „  —     „ 
„    Zahlung  der  Pomm.  Prov.-Zuckersiederei 

a  Conto  des  Guthabens 1785  „  —     „ 


Summa  2941  M.   88  Pf. 


Ausgabe. 

Per  Honorar  an  den  Secre- 
tair,  Porti,  Feuer-Vers. - 
Prämie  für  die  Bibhothek, 
Buchb. -Rechnung,  Boten- 
Dienste 1287  M.   14  Pf. 

An  Grassmann  f.  Druck  d. 

Zeitung 1016    „    40    „ 

„  Dietze  &  Thomas  f.  Zeich- 
nungen         16    „    —     „ 

„  Grawitter  für  2  neue  Re- 
positorien ,  3  Schrank- 
Aufsätze  etc 201     „    75    ,, 

„  Miethe  f.  d.  Vereins-Lokal     300    „    —     „ 


Summa 2821   M.   29  Pf. 

Kassen-Bestand 120  M.   59  Pf. 


Stettin,  den  31.  December   1875. 


192 


Beobachtungen  ĂĽber  Entwickelung  ĂĽber- 
winternder Schmetterlingspuppen  bei  der 
Zimmerzucht, 


von 
H.  Backhaus  in  Leipzig. 


Das  oft  unerklärliche  Absterben  von  Schmetterlingspuppen 
bei  der  Ueberwinterung  im  Zimmer,  veranlasste  mich,  nähere 
Beobachtungen  damit  vorzunehmen,  um  den  Grund  der  groesen 
Sterblichkeit  festzustellen.  Die  Zahl  der  Puppen,  welche  ich 
zu  diesem  Zwecke  im  Herbste  1872  sammelte,  betrug  mehrere 
Hundert  und  umfasste  ziemlich  alle  Gattungen  von  Macroptern. 
Ich  brachte  dieselben,  auf  Moos  gelagert ,  in  grossen  Behältern 
ins  Zimmer  und  nahm  eine  zeitweilige  Befeuchtung  derselben 
vor.  Auf  diese  Weise  behandelt,  heferte  jedoch  nur  die  Hälfte 
der  Gesammtmasse  vollkommene  Falter,  während  die  andere 
Hälfte  erkrankte,  wodurch  sich  die  Hinterleibsringc  allmählich 
zusammenzogen,  bis  jede  Bewegung  der  Puppe  unmöglich 
wurde,  was  ihren  Tod  herbeifĂĽhrte.  Auch  bei  einigen  anderen 
Arten  wie  Smer.  Ocellata  hatten  sich,  in  Folge  zu  geringer 
Befeuchtung,  die  Puppenschalen  so  gehärtet,  dass  der  Schmet- 
terling nicht  durchbrechen  konnte  und  als  vollständig  ent- 
wickeltes Insekt  in  der  Puppe  starb.  —  NaÄ  diesen  Resultaten 
sah  ich  wohl  ein,  dass  die  Puppen  bei  der  Zimmerzucht  feuchter 
gehalten  werden  mĂĽssen,  und  machte  im  darauffolgenden  Jahre 
einen  erneuten  Versuch  mit  der  gleichen  Anzahl  wie  im  Vor- 
jahre. Ende  December  brachte  ich  dieselben  aus  dem  kalten 
ins  warme  Zimmer  und  besprengte  sie  täglich  mit  Wasser, 
worauf  sieh  Pap.  Machaon  u.  A. ,  welche  nur  kurze  Zeit  zur 
vollständigen  Entwickelung  brauchen,  zum  baldigen  Ausschlüpfen 
veranlasst  fühlten,  während  ein  grosser  Theil  der  Bombyciden 
eine  Abneigung  gegen  die  direkte  BerĂĽhrung  mit  Wasser 
zeigte,  wie  die  vollständig  negativen  Resultate  bei  dieser 
Familie  bewiesen. 

Hingegen  äusserten  die  Sphingiden  beim  Besprengen  mit 
Wasser  eine  grosse  Lebhaftigkeit  und  liessen  mich  daher  die 
besten  Erfolge  ei'warten.  Ich  setzte  die  Befeuchtung  fort; 
jedoch  nach  6  Wochen  verloren  die  meisten  ihre  Munterkeit, 


193 


uiiH  es  entwickelten  sich  nur  zwei  Drittel  zum  Falter.  Als 
ich  die  niclit  ausgegangenen  Pu]>j)en  untersuchte,  fand  ich 
dieselben  mit  einer  dĂĽnnen  Kalkschicht  ĂĽberzogen  (in  Folge 
des  fortgesetzten  Besprengens  mit  Wasser),  im  Inneren  das 
Insekt  ziemlich  ausgebildet,  doch  todt.  Die  Kalkbildung  an 
der  Puppenschale  hatte  den  Thieren  die  Luft  benommen  und 
ihren  Tod  veranlasst. 

Aus  obigen  Erfahrungen  geht  nun  hervor,  dass  die  Schmet- 
terlingspuppen bei  der  Ueberwinterung  im  Zimmer  1)  eine 
fortwährende  Feuchtigkeit  brauchen,  um  gesunde  Falter  zu 
liefern;  2)  dass  die  den  Puppen  zugefĂĽhrte  Feuchtigkeit  die- 
selben nicht  direkt  berĂĽhren  darf,  wie  ja  auch  in  der  freien 
Natur  sich  viele  Thiere  durch  Gespinn.ste,  ausgeleimte  Erd- 
höhlen u.  s.  w.  dagegen  zu  schützen  wissen. 

Diese  beiden  That- 
sachen  brachten  mich 
auf  den  Gedanken,  ne- 
benstehend abgebilde- 
ten Apparat  zu  con- 
struiren,  welcher  sich 
in  der  That  so  praktisch 
erwiesen  hat,  dass  selbst 
schwer  zu  ziehende,  da- 
rin gehaltene  Arten,  wie 
Doritis  Apollo  u.  A. 
sich  zu  den  schönsten 
Faltern  entwickelten. 
Auch  hatte  ich  die 
Freude,  dass  mir  nun- 
mehr keine  Puppe  an 
den  frĂĽher  angegebenen 
Uebeln  verloren  ging. 

Ich  glaube,  manchem 
ZĂĽchter  durch  Beschrei- 
bung dieses  von  mir 
construirten  Apparates 
einen  Di  nist  zu  leisten, 
zumal  da  c"  sich  durch 
seine  Einfachheit  ĂĽber- 
all leicht  herstellen lässt, 
\iud  ich  den  praktischen 
Werth  desselben  nicht 
genug  empfehlen  kann, 
13 


194 

Beschreibung  des  Apparates. 

Das  Untergestell  bestellt  aus  einer  runden  Scheibe  von 
slarkein  l^lecii,  M'elche  mit  zwei  1  Zoll  hohen  Rändern  a  und 
h  versehen  ist;  diese  müssen  wasserdicht  aufgelöthet  werden 
und  I  Zoll  von  einander  abstehen.  Der  innere  Rand  h  wird 
hart  um  Hoden  ringsum  mit  kleinen  Löchern  versehen.  Den 
mittleren,  j'reibleibenden  Raum  fĂĽllt  man  mit  feinem  Sande 
aus,  und  auf  diesen  legt  man  alsdann  die  Puppen.  Den  leer 
gebliebenen  Raum,  zwischen  Rand  a  und  h  fidlt  man  mit 
Wasser,  welches  sich  durch  die  im  Rande  b  befindlichen 
kleinen  Löcher  dem  Sande  im  Mittelraum  mittheilt  und  ihm 
die  erforderliche  Feuchtigkeit  gibt.  Darauf  bedeckt  man  das 
Untergestelle  mit.  der  Di-ahtglocke  f,  welche  genau  auf  die 
Aussenseite  des  Randes  b  passen  muss.  In  diesem  Behälter 
lässt  man  die  Puppen  unberührt  liegen  und  nimmt  eine  erneute 
Beleuchtung  auf  oben  angegebene  Weise  je  nach  der  Aus- 
trocknung des  Sandes  vor. 


Neue  Dytisciden, 

besclmeben 
von  E.  IVeluicke. 


Hydaticus  insignis. 

Ovatus  depvessiusculus;  thorace  luteo,  antice  posticeque 
transversim  nigro;  elytris  nigris,  margine  angusto  et  Septem 
m'aculis  inae(jualibus  luteo-testaceis,  tribus  ad  basin,  duabus 
in  medio  Iransversim  dispositis,  una  lere  ante  apicem,  septima 
in   apice;    corpore   subtus    ferrugineo.     Long.   13  mm. 

Von  ovaler  Form,  ein  wenig  gewölbt,  und  dem  in  Austra- 
lien  vorkommenden  H.   Bakewelli  Clark  ähnlich. 

Der  Kopf  ist  äusserst  fein  punktirt,  gelbroth,  der  Hinter- 
rand und  ZAvei  hornförmig  gebogene  Flecken  auf  der  Stirn 
schwarz. 

Halsschild  gelbroth  mit  breitem  schwarzen  Vorder-  und 
Hinterrande. 

FlĂĽgeldecken  sehwarz,  der  Seitenrand  und  sieben  Flecken, 
drei   an   der  Basis,   zwei   grössere   vor  der   Mitte   und  zwei   vor 


195 

•der  Spitze,  gelbroth.  Die  Fleeken  neben  dem  Seitenrande 
hängen  mit  diesem  zusammen,  derjenige  an  der  Schulter  recht- 
winklig durch  einen  schmalen  Streifen,  wodurch  auf  der 
Schulterbeule  ein  von  drei  Seiten  eingeschlossener  schwarzer 
Fleck  gebildet  wird;  der  Fleck  in  der  Spitze  ist  gleichfalls 
durch  einen  feinen  Streifen  mit  dem  vorhergehenden  verbunden. 
Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  pechbraun,  die  Vorderbeine 
sind  gelbroth. 

Insel  Luzon. 

Hydaticus  Daemeli. 

Oblongo - ovalis ,  convexus,  nitidus,  subtus  nigro-piceua, 
feupra  niger,  thorace  elytrisque  late  luteo-testaceo  marginatis. 
Long.   14  mm. 

Dem  H.  seminiger  Degeer  sehr  ähnlich,  durch  das  nur 
an  den  Seiten  gelbe  Halsschild  unterschieden. 

Länglichrund,  gewölbt,  stai'k  glänzend,  äusserst  fein  aber 
sehr  dicht  punktirt. 

Kopf  schwarz,  der  Vordertheil  sowie  zwei  Flecken  auf 
der  Stirn  rostroth. 

Halsschild  und  Flügeldecken  schwarz,  breit  gelb  gesäumt, 
das  Halsschild  ist  beim  Weibchen  fein  längsgestrichelt. 

Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  pechbrauu,  die  Vorder- 
beine röthlichbraun. 

Nord- Australien  Cap  York. 

Von  Dämel  gesammelt,  nach  welchem  ausgezeichneten 
Sammler  ich  diese  Art  benenne. 

—  Hydaticus  Riehli. 

Elongato-ovalis,  thorace  rufo-luteo,  in  medio  nigro-macu- 
lato;  elytris  rufo-teslaceis  crebre  nigro-irroratis.  Long.  15i|2  mm. 

Dem  H.  capicola  Aube  sehr  ähnlich,  jedoch  beträchtlich 
grösser,  durch  das  kurze  Halsschild  unterschieden,  auch  sind 
die  schwarzen  Sprenkeln  auf  den  FlĂĽgeldecken  feiner  und 
stehen  weitläufiger,  wodurch  das  Tliier  eine  hellere  Far]>e 
bekommt. 

Kopf  äusserst  fein  })unktirt,  schwarz,  der  Mund  und  drei 
im  Dreieck  stehende  Flecke  auf  der  Stirn  rothgelb. 

Halsschild  sehr  kurz,  kaum  ein  FĂĽnftel  so  lang  als  die 
Flügeldecken,  auch  etwas  schmäler  als  diese,  glatt,  mit  einer 
Reihe  grösserer  Punkte  am  Vorderi-ande ,  rftthgell»,  ein  schma- 
ler Streifen  am  Hinlerrande  und  ein  länglicher  Quevtlcck  auf 
der  Mitte  schNvar/.      Schildchen  ganz  sclnviirz. 

lä* 


196 

FlĂĽgeldecken  rotligelb  mit  feinen  schwarzen  Sprenkeln, 
die  den  Aussenrand  frei  lassen,  ziemlich  dicht  besetzt. 

Die  Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  schwarz,  die  Vorder- 
beine gelb,  die  Schenkel  der  Mittelbeine  in  der  Mitte  und  die 
Schienen  dunkel. 

Cuba. 

Nach  Herrn  Rechnungsrath  Riehl,  dem  ich  diese  schöne 
Art  verdanke,  benannt. 

Hydaticus  bipunctatus. 

Oblongo-ovalis,  nitidulus,  thorace  nigro  lateribus  late  luteo; 
elytris  nigris,  in  bis  vitta  iongitudinali  versus  margiuem  late- 
ralem paullulum  incurvata  et  punctis  duobus  ad  apicem  luteis; 
corpore  subtus  brunneo-ferrugineo.     Long.   13  mm. 

Dem  H.  exclamatiouis  Aube  verwandt,  von  schmälerer 
Form  und  durch  die  nur  bis  zur  Mitte  reichende  Längsbinde 
unterschieden. 

Kopf    schwarz    mit  gelbem  Vordertheil,    einzeln  und  sehr 
fein  punktirt. 

Halsschild  schwarz  mit  breitem  gelben  Seitenrande,  einzeln 
und  fein  punktirt,  am  Vorderrande  mit  einer  Reihe  grösserer 
Punkte  versehen. 

Flügeldecken  scliwarz  glänzend,  eine  schmale  neben  dem 
Seitenrande  laufende  und  ĂĽber  die  Mitte  nicht  hinausreichende 
Längsbinde  sowie  zwei  Flecke  an  der  Spitze  gelb.  Unterseite 
pechbraun,  die  Vorder-  und  Mittelbeine  gelb. 

Philippinen. 

Hydaticus  maculatus. 

Oblongus,  supra  niger,  thoracis  Hmbo  laterah,  elytris 
margine  maculisque  luteis,  subtus  piceus,  pedibus  4  anticis 
luteis.     Long.   IT^j^   mm. 

Eine  ausgezeichnete  Art,  die  mit  keiner  mir  bekannten 
Arten  Aehnlichkeit  hat. 

Kopf  schwarz,  der  Vorderrand,  ein  dachförmiger  schmaler 
Streifen  nebsl   drei  Flecken  auf  der  Stirn  gelbroth. 

Halsschild  schwarz  mit  breitem  gelben  Seitenrande,  fein 
punktirt  und  längsgestrichelt,  die  Seiten  mit  einigen  grösseren 
Punkten  besetzt. 

Flügeldecken  schwarz,  der  Seitenrand,  eine  längliche  mit 
dem  Seitenrande  zusammenhängende  Makel  an  der  Schulter, 
gewöhnlich  drei  Flecke  an  der  Basis,  zwei  bis  drei  hinter  der 
Mute    quei'steliend,    sowie    zwei   an  der  Spitze  rothgelb.      Die 


197 

Flecke  variiren  sehr,  die  an  der  Basis  werden  zuweilen  sehr 
undeutlich  und  verschwinden  auch  einzeln  ganz. 

Die  Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  pechbraun,  die  Vor- 
der- und  Mittelbeine  gelb. 

Slam. 

Einige  Exemplare  dieser  schönen  Art  wurden  mir  von 
Herrn  Obergärtner  Schmidt  in  Flottbeck  mitgetheilt. 

Hydaticus  philippensis. 

Ovalis,  convexus,  thorace  nigro,  lateribus  late  luteo, 
elytris  nigris,  vittis  duabus  fasciaque  pone  basin  testaeeis  subtus 
nigro -ferrugineus,    pedibus  anticis  flavis.     Long.   14  — 15  mm. 

Diese  Art  steht  dem  H.  Bowringi  Clark  aus  Japan  am 
nächsten,  durch  das  dunklere  Halsschild  und  die  gelbe  Quer- 
binde an  der  Basis  der  FlĂĽgeldecken  unterschieden. 

Der  Kopf  ist  schwarz,  der  Vordertheil  gelb,  Halsschild 
schwarz  mit  breitem  gelben  Seitenrande. 

FlĂĽgeldecken  schwarz,  ein  Querstreifen  an  der  Basis, 
und  zwei  Längsstreifen  auf  jeder  Seite  gelb.  Der  Querstreifen 
hängt  mit  dem  Innern  Längsstreifen  zusammen  und  ist  an  der 
Nath  unterbrochen,  die  Längsstreifen  vereinigen  sich  hinten 
an  der  Spitze.  Die  Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  pech- 
schwarz, die  Vorderbeine  ganz  gelb,  die  Schienen  der  Mittel- 
beine bräunlich. 

Philippinen. 


08 


Check  List  of  the  Noctuidae  of  America, 
North  of  Mexiko, 

A.  R.  »rote,  A.  M. 


I.  Bombyciae  and  Noctuelitae  (Nonfasciatae). 

Biiflab,  NY.   1875. 

Angezeigt  von  Dr.  A.  S  p  e  y  e  r. 

Mit.  welchem  Eifer  und  Erfolg  unsere  transatlantischen. 
CoUegen,  und  in  erster  Linie  Grote  selbst,  gegenwärtig  dem, 
Studium  der  Noctuinen  ihres  weiten  Faunengebiets  obliegen, 
davon  liefert  das  vorliegende  Heftchen  einen  erfreulichen. 
Beweis.  Nicht  minder  legt  es  Zeugniss  ab  von  dem  Reichthum 
an  Gattungen  und  Arten  dieser  Familie,  mit  welcher  Nord- 
amerika gesegnet  ist.  Die  Check  List  ist  nur  eine  kurze 
Spanne  Zeit,  I1/2  Jahr,  jĂĽnger  als  das  ausfĂĽhrlichere  Ver- 
zeichniss,  welches  Grote  unter  dem  Titeh  List  of  the  NoctuidtW}; 
of  North  America  im  Jahre  1874  veröflentlichte,  und  welches 
im  Jahrgang  1874  der  Entomologischen  Zeitung,  S.  313,  und; 
1875,  S.  98,  bereits  besprochen  worden  ist.  Letzteres  enthält 
(nach  Möschler's  Zählung)  812  Arten  überhaupt,  von  denen 
581  (wenn  ich  recht  gezählt  habe)  auf  die  in  der  Check  List 
verzeichneten  ersten  Gruppen  der  Noctuen  fallen.  Daraus 
ergiebt  sich  also,  da  die  Check  List  790  Arten  aufluhrt,  ein 
Zuwachs  von  mehr  als  200  Species  innerhalb  dieses  kurzen 
Zeitraums.  Auch  wenn  die  Gruppen  der  Nonfasciatae,  Del- 
toides  und  Noctuo-Phalaenidi  nicht  in  gleichem  Verhältniss 
angewachsen  sein  sollten,  lässt  sich  doch  schon  jetzt  erkennen, 
dass  Grote  im  zweiten  Hefte  seines  Verzeichnisses  mit  einer 
höhern  Zahl  abschlicsscn  wird,  als  Staudinge/s  Catalog  von 
1871  sie  fĂĽr  die  entsprechenden  Abtheilungen  aus  dem  Ge- 
sammlgebiete  der  europäischen  Fauna  angiebt:  1040  Arten. 
Grote  spricht  (S.  22)  sogar  von  „etwa  1200'-'  Species,  und 
dass  diese  Zahl  bald  erreicht  sein  wird,  unterliegt  keinem 
Zweifel.  Da  indess  in  dieser  Summe  noch  immer  eine  sehr 
ansehnliche  Anzahl  v(m  Arten  miteinbegrilfen  ist,  die  durch 
einen  —  als  solche  bezeichnet  sind,  welche  nicht  in  natura 
vorgelegen  haben    (im  Genus  Leucania  z-   B.    is(    diess  bei   15 


1U9 

unter  27  überhaupt  aufgezählten  der  Fall),  so  wird  es  der 
Vorsicht  angemessen  sein,  vorläutig  hei  einer  etwas  besehe j- 
denern  Zahl  stehen  zu  bleiben.  Sicher  ist  aber,  dass  Nord- 
amerika, auch  mit  Ausschluss  der  tropischen  Gegenden,  einen 
grössern  Reichthum  an  Noctuinen  beherbergt  als  das  euro- 
päische Faunengebiet. 

Den  Inhalt  dieses  ersten  Theils  der  Check  List  bilden 
ausser  dem  20  Seiten  umfassenden  systematischen  Verzeich- 
nisse der  dem  Verfasser  bekannten  nordamerikanischen  Arten 
aus  den  Gruppen  der  Bombyciae  (Cymatophoridae)  und  Noct. 
Nonfasciatae  (welche  nebst  den  Trifidae  auch  einen  Theil  der 
Quadrifidae  Guenee's  umfassen),  eine  kurze  Auseinandersetzung 
über  die  Struetur  der  Körpertheile,  welche  für  die  Systematik 
benutzt  sind,  einige  Bemerkungen  ĂĽber  die  geographische  Ver- 
breitung der  Noctuinen,  die  Beschreibung  von  8  neuen  Arten 
und  3  Gattungen,  endlich  ein  Register  der  Gattungsnamen.  Eine 
vortrefflich  ausgefĂĽhrte  photographische  Tafel  gibt  die  Bilder 
von  zehn  Arten  in  der  nur  auf  diesem  Wege  zu  erreichenden 
objectiven  Treue,  die  eine  Detail-Untersuchung  fast  wie  bei 
den  Originalen  gestattet.  So  kann  man  sich  durch  die  Loupe 
ĂĽberzeugen,  dass  Cucullia  serraticornis  Lintn.,  Fig.  10,  die 
dem  unbewaffneten  Auge  unsichtbaren  scharfen  Zähnchen  ;  an 
ihrem  einzigen  FĂĽhler  (dessen  Spitze  ebenfalls  verloren  gegan- 
gen ist)  wirklich  besitzt  —  nicht  minder  freilich  auch^  dass 
der  Hinterleib  des  Originals  verölt  war.  Das  Licht  zeichnet 
anders  als  der  Maler  und  giebt  auch  die  unliebsamen  Eigen- 
heiten der  Originale,  Beschädigungen,  schlechte  Präparation 
u.   s.  w.   mit  unbarmherziger  Spiegeltreue  wieder. 

Den  Gattungen  und  Arten  ist  der  Name  des  Autors, 
letztern  auch  die  Synonymie  beigesetzt,  und  diejenigen  derselben, 
welche  der  Verfasser  nicht  in  natura  vergleichen  konnte,  sind 
durch  ein  Zeichen  kenntlich  gemacht.  Solche  Namen,  ĂĽber 
welche  jede  genĂĽgende  Auskunft  mangelte,  meist  den  Wal- 
ker'schen  Catalogen  angehörig,  werden  in  Anmerkungen  er- 
wähnt und  natürlich  (die  Arten  sind  durchlaufend  numerirt) 
nicht  mitgezählt.  Dass  nur  der  Autor,  nicht  aber  der  Ort, 
wo  er  die  betreffende  Art  bekannt  gemacht  hat,  angegeben 
ist,  lässt  sich  in  Betreff  der  altern,  schon  im  frühern  Ver- 
zeichnisse aufgefĂĽhrten,  allenfalls  verschmerzen,  du.  hier  Aus- 
kunft zu  finden  ist.  Sehr  erwĂĽnscht  wĂĽrde  es  aber,  zumal 
dem  nicht  amerikanischen  Leser,  gewesen  sein,  wenn  ihm 
wenigstens  bei  den  zahlreichen  neuen  Arten  durch  ein  Citat 
die  Mühe  eispart  worden  wäre,  den  Beschreibungen  derselben 
in    den    verschiedenen    Zeitschriften,    wo    sie    publicirt    sind. 


200 

nachzuspilren,    wenn    er    sich  Belehrung    ĂĽber    dieselben  ver- 
pohaften  will. 

Seinen  Grundsätzen  über  die  Nomenclatur  ist  der  Ver- 
fasser auch  hier  treu  gebheben,  ebenso  im  Wesenthchen  der 
in  der  List  befolgten  systematischen  Anordnung.  Dass  die 
Einfügung  so  vieler  neuen  Arten  manche  Veränderungen  nöthig 
machte,  ist  selbstverständlich;  aber  auch  al)gesehen  davon, 
sind  die  Gattungen  von  Neuem  gesichtet  und  nach  Inhalt  imd 
Stellung  verbessert  worden,  wo  Anlass  dazu  vorhanden  war. 
Einzelnes  wird  auch  hier  noch  zu  corrigiren  bleiben,  am 
meisten  in  Betreff  jener  Arten,  welche  nur  nach  Beschreibun- 
gen und  Abbildungen  beurtheilt  werden  konnten.  Dass  eine 
beträchtliche  Vermehrung  der  Genera  stattfinden  werde,  war 
vorauszusehn:  ihre  Zahl  ist  von  142  auf  175  gewachsen, 
obgleich  einige  der  frĂĽhern  jetzt  als  Unterabtheihmgen  mit 
andern  vereinigt  sind  (4  mit  dem  genus  Agrotis). 

Das  Werkchen  wird  Jedem  eine  willkommene  Gabe  sein, 
der  sich  ĂĽber  die  nordamerikanische  Noctuinenfauna  orientiren 
will.  Auf  eine  Kritik  des  Einzelnen  gehe  ich  weiter  nicht 
ein.  Nur  einige  Arten  aus  der  europäisch -amerikanischen 
Verwandtschaft  will  ich  zum  Schluss  dieser  Anzeige  noch 
näher  besprechen,  um  das  früher  in  dieser  Zeitschrift  über 
denselben  Gegenstand  Mitgetheilte  (Jahrg.  1875,  S.  97,  131 
und  345)  zu  berichtigen  und  zu  ergänzen. 

Acronycta  funeralis  Gr.  und  Acr.  alni  L. 

Die  Zweifel,  ob  die  amerikanische  Repräsentantin  unserer 
Alni  ĂĽberhaupt  als  besondere  Art  von  derselben  getrennt  wer- 
den könne  (S.  darüber  Ent.  Zeit.  1875,  S.  111)  werden  durch 
die  erste  Figur  der  oben  erwähnten  photographischen  Tafel, 
welche  ein  männliches  Exemplar  von  Funeralis  darstellt,  gelöst, 
und  zwar  zu  Gunsten  ihrer  Artrechte. 

Was  zuerst  an  der  Figur  auffällt,  ist  ihre  weit  hinter 
der  von  Alni  zurückbleibende  Grösse.  Das  Männchen  der 
Letztern  hat  eine  FlĂĽgelspannung  von  39  Millimetern,  wie 
eine  gut  entwickelte  Psi  oder  die  amerikanische  Occidentahs 
Gr.;  erstere  ei-reicht  nur  29  mm.,  wie  unsere  Strigosa.  Auf 
diesen  Unterschied  allein  möchte  ich  indess  nicht  allzuviel 
Gewicht  legen,  da  einestheils  die  Stubenzucht  (welche  die 
tadellose  Beschaffenheit  des  Exemplars  vermuthen  lässt),  andern- 
theils  vielleichj  auch  die  photographische  Wiedergabe  selbst 
die  Grösse  reducii-t  haben  kann.  Der  Text  giebt  über  diese 
Punkte  keine  Auskunft.  Entscheidend  sind  abei-  die  Differenzen 
in  der  Zeichnung  der  VorderllĂĽgel.   Der  brandschwarze  Schal- 


201 

ten,  welcher  bei  Alni  einen  grossen  Theil  derselben  verfinstert, 
ist  bei  Fiineralis  von  viel  geringerer  Ausdehnung.  Er  bedeckt 
die  Innenrandhälfte  der  Vorderflügel  nur  bis  zum  hintern 
Querstreif,  fliesst  nicht  breit  in  die  Mitte  des  Vorderrands 
aus,  sondern  bleibt  weit  von  demselben,  welcher  bei  Funeralis 
nur  einen  isolirten  schwarzen  Fleck  über  der  Ringmakel  trägt, 
entfernt.  In  der  FlĂĽgelmitte,  unter  der  Ringmakel,  zeigt  sein 
oberer  Rand  eine  tiefe,  gerundete  und  gegen  den  Innenrand 
scharf  begränzte,  nach  der  Ringmakel  hin  verbreiterte  und 
verfliessende,  weiss  ausgefĂĽllte  Ausbuchtung,  die  lichteste  Stelle 
des  ganzen  Flügels.  Diese  scharf  begränzte  weisse  Makel  fehlt 
bei  Alni  und  ist  das  am  meisten  charakteristische  Kennzeichen 
der  amerikanischen  Art.  Letzterer  fehlt  dagegen  der  schwarze 
JPfeilstrich  im  obern  Drittel  des  Saumfeldes,  welchen  Alni, 
doch  nicht  immer  gleich  deutlich,  besitzt.  Der  Pfeilstrich  ĂĽber 
dem  Innenwinkel  ist  bei  Funeralis  sehr  dick,  aber  viel  weniger 
schwarzbraun  beschattet,  als  bei  Alni.  Flügelschnitt,  Körper 
und  HinterflĂĽgel  zeigen  keine  Verschiedenheit. 

Wenn  also  nicht  etwa  andere  Exemplare  von  Funeralis 
sich  der  Alni  mehr  nähern  als  das  hier  abgebildete,  so  bietet 
die  Unterscheidung  der  Imagines  beider  Verwandten  keine 
Schwierigkeit.  Anders  scheint  es  bei  den  Raupen  zu  sein, 
während  sonst  in  dieser  Gattung  der  entgegengesetzte  Fall 
Regel  ist.  Unterschiede  werden  aber  sehr  M'^ahrscheinlich  auch 
bei  den  Raupen  nicht  ganz  fehlen  und  wĂĽrden  sich  am  sicher- 
sten durch  den  Vergleich  gut  ausgeblasener  Exemplare  ermit- 
teln lassen. 

Agrotis  augur  F.  var.    grandis  (haruspica  Gr.). 

Grote  trennt  jetzt  die  von  mir  als  Var.  grandis  (Ent.  Ztg. 
1875,  S.  122)  beschriebene  amerikanische  Ausgabe  von  Augur 
als  eigene  Art  unter  dem  Namen  Haruspica  *)  von  der  euro- 
päischen. Ein  in  Meske's  letzter  Sendung  enthaltenes,  als 
Haruspica  (vermuthlich  von  Grote  selbst)  bezeichnetes,  ameri- 
kanisches Männchen  macht  es  aber  noch  schwieriger,  bestimmte 
Unterscheidungszeichen  zwischen  beiden  Formen  anzugeben, 
als  das  schon  vorher  der  Fall  war.  Es  ist  nämlich  kleiner 
als  die  übrigen  Exemplare,  nicht  grösser  als  manche  deutsche 
Männchen,    und    auch    im  Flügelschnitt  nicht  von  diesen  ver- 


*)  Den  ihr  schon  frĂĽher  von  Morrison  gegebenen  Namen  Unima- 
cula  glaubt  Grote  wegen  Collision  mit  Agr.  unimacula  Staudinger's 
nicht  aufnehmen  zu  dĂĽrfen. 


^102 

schieden.  Damit  einweisen  sich  also  gerade  die  wesenĂĽichsten 
Eigeniieiten  der  ameriiianischen  Au2,iu-  als  unbeständig-,  und 
die  Dirterenzen  in  der  Zeichnung  sind  so  unerheblich  und 
schwankend,  dass  ich  ihnen  kein  genĂĽgendes  Unterscheidungs- 
nfierkmal  zu  entnehmen  weiss.  Die  ersten  Stände  ihrer  Form 
scheinen  den  i^merikanern  noch  nicht  bekannt  geworden 
zu  sein. 

Mamestra  trifolii  Rott.  und  M.  albifusa  Wlk. 

Grote  hält  (Check  List.  p.  8)  meine  amerikanische  Trifolii 
(Chenopodii  WV.),  welche  ich  1.  c.  vS.  138  als  Var.  b.  cha- 
rakterisirt  habe,  für  eine  von  Trifolii  verschiedene  Art,  näm- 
lich fĂĽr  seine  Albifusa  Wik.  Ein  New-Yorker  Exemplar, 
welches  ihm  vorliege  und  die  Eigenheiten  der  letztern  nicht' 
besitze,  hält  er  für  die  wahre  Trifolii,  die  also  ebenfalls  in 
Amerika  vorkomme.  Diesen  Schlussatz  kann  ich  bestätigen, 
und  zwar  durch  ein  ebenfalls  im  Staate  New-York  von  Meske 
gefangenes  Männchen,  welches  völlig  mit  der  europäischen 
Trifolii  ĂĽbereinstimmt.  Einen  constanten  Unterschied  zwischen 
dieser  und  meiner  Varietät  b  vermag  ich  aber  weder  in  der 
Grösse,  noch  in  Farbe  und  Zeichnung  entdecken.  Es  finden' 
sich  unter  den  9  amerikanischen  Exemplaren,  die  ich  vor  mir 
habe,  so  viele  Verschiedenheiten  in  allen  diesen  Beziehungen, 
selbst  in  der  Form  der  Ringmakel,  dass  sich  eine  feste  Gränze 
gegen  die,  auch  beträchtlichem  Wechsel  unterworfene,  euro- 
päische Form  nicht  ziehen  lässt.  Ich  möchte  hiernach  in 
Albifusa,  wenn  sie  wirklich  mit  meiner  Var.  b  identisch  ist, 
nur  die  in  Amerika  gewöhnlichere  Varietät  von  Trifolii  sehen, 
die  aber  den  Typus,  d.  h.  den  europäischen,  dort  noch  nicht 
ganz  verdrängt  hat. 

Helotrophu  reniformis  Gr.   und  Hei.   fibrosa   H. 

Hei.  reniformis,  die  mir  Meske  in  3  guten  Exemplaren 
(1  rj,  2$)  zusandte,  kommt  der  Var.  fibrosa  von  Leucostigma  H. 
so  nahe,  dass  die  Frage  entsteht,  ob  sie  ĂĽberhaupt  specifisch 
von  derselben  zu  trennen  ist.  Die  Unterschiede,  welche  ich 
finden  kann,  beschränken  sich  auf  Folgendes:  Die  Grundfarbe 
des  Thorax  und  der  VorderllĂĽgel  ist  dunkler,  mehr  schwarz- 
braun als  rothbraun,  die  Zeichnung  schärfer  ausgedrückt,  als 
bei  meinen  p]xemplaren  von  Fibrosa.  Die  Querstreifen  sind 
vollständig  licht  und-  auch  der  hintere  derselben  ist 
saumwärts  von  einer  feinen  schwärzlichen  Linie  ein- 


.203 

gefasst,  welche  meiner  Fibrosa  fehlt  oder  doch  nur  unter- 
brochen und  undeuthch  ausgedrĂĽckt  ist.  In  Zelle  I  b  bildet 
dieser  Querstreif  einen  schwachen,  saumwärts  convexen 
Bogen,  während  er  bei  Fibrosa  hier  geradhnig  ist.  Die 
Wellenlinie  ist  etwas  schärfer  gezähnt,  besonders  in  der  Mitte, 
wo  sie  ein  seichtes  W-Zeichen  bildet.  Die  Nierenmakel- 
zeichnung  ist  schneeweiss  und  gitterförmig,  und  der  zweite 
und  dritte  Ast  der  Mediana  bilden  an  ihrer  Basis  eine  bis 
zum  hintern  Querstreif  reichende  Gabel,  wie  das  aber  auch 
bei  Fibrosa  vorkommt.  Weitere  Unterschiede  kann  ich  nicht 
finden,  und  ob  die  wenig  erheblichen  angefĂĽhrten  standhaft 
sind,  muss  der  Vergleich  einer  grössern  Anzahl  von  Exem- 
plaren beider  Arten  (auch  von  der  europäischen  besitze  ich 
nur  6  StĂĽcke)  ergeben.  Die  Verdunklung  der  Grundfarbe 
entspricht  ganz  der  von  mir  I.  c.  S.  102  aufgestellten  Regel. 
Meine  Reniformis  sind  aus  dem  Staate  New -York.  Die 
europäische  Form  ist  von  Westeuropa  bis  zum  östlichen  Sibirien 
verbreitet. 

Xylina   (Lithophane  Gr.)   thaxteri   Gr.  und 
Xyl.  lambda  Fabr. 

Nach  der  Abbildung,  Fig.  3,  wĂĽrde  ich  unbedenklich 
Thaxteri  für  die  amerikanische  Varietät  von  Lambda  erklären, 
als  etwa  in  der  Mitte  stehend  zwischen  Zinckenii  Tr.  und 
Rufescens  Men.  In  Form  und  Zeichnung  sehe  ich  nicht  den 
geringsten  Unterschied,  auch  die  Beschreibung  (Bull.  Butt'alo 
Soc.  Nat.  Sc.  II  p.  196,  1875)  enthält  nichts  Widersprechen 
des;  aber  Grote  bemerkt  dazu:  „The  dorsal  abdominal  tufts 
are  very  inconspicuous,  but  J  think  are  present^'.  Lambda 
hat  einen  schopflosen  Hinterleib;  dieser  Punkt  bedarf  also  noch 
(hv  Aufklärung. 

Das  Grote^sche  Exemplar  wurde  in  Massachusetts  am 
10.  Mai  1874  gefangen,  war  also  ohne  Zweifel  ein  ĂĽber- 
wintertes.  Die  Abbildung  lässt  erkennen,  dass  es  den  grössten 
Theil  der  Fransen  durch  längern  Flug  eingebüsst  hat. 

Pyrrhia  exprimens  Wlk.,  Pyrrh.   angulata  Gr. 

Die  Art,  welche  ich  bisher  fĂĽr  Exprimens  Wlk.  gehalten 
und  (1.  c.  S.  156  und  350)  beschrieben  habe,  ist  Grote's  neu 
aufgestellte  P.  angulata  (Trans.  Amer.  Ent.  Soc.  Sept.  1874), 
welche  er  von  Exprimens  besonders  durch  ihren  winkhgen 
(angulated)  un(\  dcul liehen  (distinct)  Mittelseliatten,  sowie  durch 


204 

ihre  blassgelben  HinterflĂĽgel  unterscheidet.  Was  ich  also  a.  a. 
0.  über  das  Verhältniss  von  P.  nmbra  Hfn.  zu  ihrer  amerika- 
nischen Verwandten  gesagt  habe,  bezieht  sich  auf  diese 
Grote"sche  Angulata,  bei  welcher  übrigens,  wie  dort  erwähnt, 
der  Lauf  des  Mittelschattens  erheblich  variirt.  Grote's  Expri- 
mens  kenne  ich  nur  aus  der  im  Bull.  Butfalo  Soc.  Nat.  Sc.  11. 
1875,  Tab.  Kl,  Fig.  5  (Angulata  Fig.  6)  gegebenen  Abbildung 
und  muss  mich  desshalb  eines  Urtheils  ĂĽber  dieselbe  enthalten. 

Das  amerikanische  BĂĽrgerrecht  von  Aplecta  occultaL. 
und  Xanthia  togata  Esp.  (silago  H.)  kann  ich  jetzt  bestäti- 
gen. Ein  Weibchen  der  erstevn  (Wisconsin,  Meske)  gleicht 
vollständig  manchen  deutschen  Occulta -Exemplaren,  und  eben- 
sowenig kann  ich  an  einem  von  Grote  erhaltenen  Männchen 
von  Togata  etwas  von  hiesigen  Togata  Abweichendes  bemerken. 
Diese  beiden  Arten  vervollständigen  also  die  kurze  Liste  der 
sicher  identischen  Noctuinen   beider  Welttheile  (1.  c.   S.    104). 

Drei  andere  von  den  ib.  (S.  105  und  106)  erwähnten 
Arten  mĂĽssen  dagegen  gestrichen  Averden  (ausser  den  bereits 
S.  345  erwähnten),  nämlich  Agrotis  rubi  View.,  Agr.  lyca- 
rum  H.  S.  und  Hadena  gemina  H.  Ein  weibliches  Exemplar 
der  fĂĽr  Agr.  rubi  gehaltenen  amerikanischen  Art  sandte  mir 
Gi'ote  zur  Begutachtung  zu.  Es  ist  in  sehr  ĂĽbler  Verfassung, 
lässt  aber  doch  den  Unterschied  von  Rubi,  besonders  in  der 
ganz  abweichenden  Zeichnung  des  Saumfeldes,  unzweifelhaft 
erkennen.     Grote  nennt  die  Art  jetzt  Agr.  rubifera. 

Den  Namen  Agr.  Ijcarum  zieht  Grote  (Check  List  p.  6) 
selbst  als  irrthĂĽmlich  ein.  Die  dafĂĽr  angesehene  Art  ist  Agr. 
messoria  Harr,  (repentis  Gr.   et  R.). 

Die  von  meinen  amerikanischen  Freunden  frĂĽher  fĂĽr 
Hadena  gemina  v.  remissa  gehaltene  Art  endhch  ist  nicht 
diese,  sondern  Had.  sectilis  Grote,  die  in  Europa  nicht 
vorkommt. 

1.  Febr.   1876. 


205 


f  Redtenbacher.  f 


Von  befreundeter  Hand  sind  uns  ĂĽber  den  Lebenslauf 
unseres  verewigten,  hochverdienten  Mitgliedes  inzwischen  fol- 
gende Nachrichten  zugegangen: 

Ludwig  Redtenbacher  wurde  am  10.  JuH  1814  zu 
Kirchdorf  (bei  Wels)  in  Oberösterreich  geboren.  Nachdem  er 
die  Klassen  des  Gymnasiums  zu  KremsmĂĽnster  durchgemacht 
hatte,  besuchte  er  als  Studiosus  Medicinae  die  Universität 
Wien  und  wurde  im  Jahre  1843  zum  Dr.  Medicinae  promo- 
virt.  Seine  Doctordissertation  ist  das  (von  Hagen  mit  irriger 
Jahreszahl  1844)  verzeichnete  Tentamen  dispositionis  Coleopt. 
pseudotrim.  *)  Schon  als  Arzt  arbeitete  er  unter  Schreibers' 
Leitung  fleissig  am  kaiserl.  zoologischen  Hofkabinet  und  ver- 
kehrte viel  mit  Heeger,  Ziegler  und  andern  bekannten 
Coleopterologen.  Mit  seinem  am  8.  Oct.  1870  verstorbenen 
Bruder  Wilhelm  hatte  er  schon  als  Student  die  Sammlung  der 
Coleoptera  austriaca  gegründet,  die  später  das  Hauptmaterial 
zu  seiner  in  drei  Auflagen  erschienenen  Fauna  austriaca  lie- 
ferte und  jetzt  Eigenthum  des  kais.  Museums  ist. 

Nachdem  er  bis  zu  Anfang  der  50er  Jahre  als  Praktikant 
am  Museum  gedient  liatte,  wurde  er  als  Professor  der  Zoolo- 
gie an  die  Universität  Prag  berufen.  Er  blieb  jedoch  kaum 
ein  Jahr  in  dieser  Stellung,  indem  er  als  erster  Custos  adjunc- 
tus  unter  Kollar's  Direction  an  das  kais.  Museum  zurĂĽckkehrte. 
Nach  Kollar's  Tode  im  Sommer  1860  wurde  er  selbst  zum 
Director  des  Hofkabinets  mit  dem  Titel  Regierungsrath  ernannt. 
Seine  körperliche  Rüstigkeit,  die  ihn  in  jüngeren  Jahren  zu 
eriem  eifrigen  Betriebe  des  edlen  Waidwerks  befähigt  und 
ai  gespornt  hatte  —  es  giebt  von  ihm  eine  ansprechende  Pho- 
tographie im  Gemsjägerkleid  —  verlor  sich  leider  in  den 
letzten  Jahren,  wo  ihn  eine  bedauerhche  Schwerhörigkeit 
heimsuchte.  Am  8.  Februar  1876  entschhef  er  nach  längerer 
Krankheit  im  Alter  von  62  Jahren. 


*)  Noch  mag  erwähnt  werden,  dass  die  in  Hagen's  Bibiiotheca 
ent.  11,  S.  65  unter  Nu.  1  und  2  aufgefĂĽhrten  Werke  ein  und  das- 
selbe sind  und  sich  nur  durch  den  Titel  unterscheiden. 


\ 

206 


Ueber  Camptodes  vittatus  Er. 


Herr  Dr.  Dohrn  war  so  IVeundlich,  mir  sein  schönes 
Material  dieser  Art  aus  Cordova  (in  der  La  Plata-Republik  — 
Südamerika)  einzusenden,  wodurch  es  mir  möglich  war,  die 
äusserst    grt)sse  Variutionsfähigkoit    derselben    zu    konstatiren. 

Meine  Vermuthung,  dass  C.  phaleratus  Er.  eine  Varietät 
dieser  Art  sei,  welche  ich  in  meiner  Syst.  Einth.  d.  Nitidu- 
lidae,  pag.    101   aussprach,  hat  sich  als  richtig  bewährt. 

Als  Stammform  des  C.  vittatus  will  ich  diejenige  ansehen, 
welche  Erichson  bei  der  Beschreibung  dieser  Art  vorgelegen 
hat.     Diese  ist: 

C.  vittatus  Er.,  schwarz  glänzend,  ein  breiter,  die  Schultern 
ganz  occupirender,  schräg  gegen  die  Naht  gerichteter 
Längsstreif  und  der  den  Schultern  nächste  Theil  des 
Seitenrandes  gelbroth  oder  roth.  FĂĽhler  mit  Ausnahme 
der  dunklen  Keule  braun.  Klauen  kräftig  gezähnt.  Die 
Piinktirung  der  FlĂĽgeldecken  bildet  mehr  oder  minder 
deutliche  Reihen. 

Die  nächsten  Varietäten,  welche  geringere  Abweichun- 
gen darbieten,  sind: 

1.  Die  Punktirung  auf  dem  Halsschilde  ist  fast  er- 
loschen; 

2.  die  Punktreihen  der  Flügeldecken  sind  gedrängter; 

3.  dieselben  sind  spärlicher  vorhanden; 

4.  dieselben  sind  äusserst  kräftig,   oder 

5.  nur  sehr  subtil  eingestochen; 

6.  die  Klauen  sind  stark,  oder  sie  sind  nur 

7.  sehr  schwach  gezähnt; 

8.  die  Oberseite  ist  sehr  glänzend.  In  diesem  Falle 
ist  die  Punktirung  (k^s  Käfers  in  der  Hegel  kräf- 
tiger ; 

9.  die  Oberseite  ist  fast  matt.  Die  Punktirung  der 
Oberseite  ist  dann  gewöhnlich  sehr  subtil; 

10.  es  sind    kaum    angedeutete  Reihen    von    ki-äftigen 
oder  subtilen  Punkten  vorhanden; 

11.  die  FĂĽiiler  bis  auf  die  dunkle  Keule  sowie  die  vor- 
deren Heine  sind  l)raun; 

12.  die  ganzen  FĂĽhler    und    die    vorderen  Beine    sind 
"clljbraun.   die  hinter.slen   etwas  dunkler: 


2m 

13.  die  Schulterbeiile  ist  im  gelben  oder  rothen  Felde 
schwarz. 

Auffälligere  Variationen,  welche  jedoch  in  Bezug  der 
hier  angefĂĽhrten  13  Punkte  wieder  mehr  oder  minder 
abändern,  sind: 
V.  phaleratus  Er.  Dem  vittatus  ähnhch,  der  Schrägstreifen 
auf  den  Decken  ist  länger,  der  Seitenrand  tiefer  gelbroth; 
die  Schulterbeule  (wie  bei  Nr.  13)  schwarz.  Ausserdem 
ist  gewöhnlich  die  Punktirung  feiner  und  die  Oberseite 
weniger  glänzend. 

V.  humer osus:  Ebenfalls  der  Stammform  des  vittatus  nahe- 
stehend, aber  an  den  Schultern  befindet  sich  nur  eine 
quadratische  gelbrothe  Makel,  in  welcher  die  Schulterbeule 
als  schwarzer  Punkt  gekennzeichnet  ist,  oder  es  durch- 
zieht sie  ein  schwarzer  Längsstreif,  welcher  zwar  den 
unteren,  nicht  aber  auch  den  oberen  Rand  der  rothen 
Makel  erreicht.     Cordova. 

V.  rufo-angulus:  Der  Stammform  des  vittatus  sehr  ähnlich, 
aber  die  Vorderwinkel  des  Halsschildes  ziemlich  weit 
roth  gefärbt.  Ebenso  sind  die  Fühler  und  die  Vorder- 
brust braunroth;  Beine  pechbraun.  In  meiner  Sammlung. 
Cordova.      Von  Herrn  Dr.  Dohrn  freundlichst  mitgetheilt. 

V.  flavo-angulus:-  Oberseite  ganz  schwarz,  nur  die  Vorder- 
winkel des  Halsschildes  in  ziemlicher  Ausdehnung  gelb- 
roth  gefärbt.  Die  Unterseite  ist  wie  bei  V.  rufo-angu- 
lus.   —   Cordova. 

V.  lugubris:  Ganz  schwarz,  nur  die  Beine  und  Vorderbrust 
pechbraun,  die  FĂĽhler  etwas  heller.  Klauen  sehr  schwach 
gezähnt.  Unterscheidet  sich  von  den  andern  schwarzen 
Camptoden  leicht  durch  die  eigeuthümliche  Körperform 
und  die  in  Reihen  gestellte  Punktirung  der  FlĂĽgeldecken. 
Der  Nahtstreif  ist^  natĂĽrlich  vorhanden. 

V.  ruficollis:  Ganz  mit  V.  humerosus  ĂĽbereinstimmend,  das 
Halsschild  ist  jedoch  bis  auf  einen  sehr  schmalen  schwar- 
zen Saum  an  der  Basis  gelbroth.     Cordova. 

V.  lituratus:  Gelbroth,  das  Pygidium,  der  Bauch  (seltener 
die  Hinterbrust  und  die  hintersten  Beine  braun),  der 
Kopf  (manchmal  mit  gelbem  Scheitel),  ein  sehr  schmaler 
Saum  an  der  Basis  des  Halsschildes,  ein  breiter  Streifen 
ĂĽber  die  Naht  der  FlĂĽgeldecken  sammt  dem  Schildchen 
(letzteres     manchmal    mit    gelber    Scheibe),    der    hintere 


\ 

208 

Theil  des  FlĂĽgeldeckenseitenrandes,  welcher  sich  mit  der 
dunklen  Naht  verbindet,  und  ein  Punkt  auf  der  Schulter- 
beulc  schwarz.     Cordova. 

V.  variegatus:  Bmunschwarz ,  der  Seitenrand  des  Hals- 
schildes um  den  Schulterwinkel,  ein  Punkt  neben  der 
Schulterbeule  und  mehrere  grössere  in  einander  ver- 
schwommene Makeln  jederseits  auf  dem  Halsschilde  gelb- 
roth.  Die  Unterseite  und  Beine  schwarzbraun,  Vorder- 
brust, FĂĽhler  und  Vorderbeine  gelbbraun.  Cordova. 
(Mus.  Dr.  Dohrn.) 

Alle  hier  aufgezählten  Varietäten  stimmen  in  Bezug  der 
Körperform  überein;  die  eigenthümliche  in  Reihen  gestellte 
Punktirung  zeichnet  sie  vor  allen  andern  Camptoden  aus,  und 
ist  ihre  Bestimmung,  namentlich  aus  letzterm  Grunde,  nicht 
schwierig.  Camp,  plagiatus  Er.  wĂĽrde  ich  unbedenklich  eben- 
falls hieher  ziehen,  wenn  ich  annehmen  könnte,  dass  die 
Angabe  Erichson''s,  dass  der  vertiefte  Nahtstreifen  dieser  Art 
fehlt,  auf  einer  Täuschung  beruht.  Dagegen  möchte  ich  meinen 
C.  rubrovittatus,  der  wahrscheinlich  mit  C.  M.-rubrum  Blanch.. 
aus  Bolivia,  zusammenfällt,  obzwar  er  der  Zeichnung  nach 
dem  C.  vittatus  ebenfalls  sehr  nalie  steht,  als  eigene  Art  an- 
sprechen. Die  Körperform  ist  constant  grösser,  gestreckter 
und  paralleler,  die  Punktirung  namentlich  auf  den  FlĂĽgeldecken 
viel  dichter  und  tiefer,  wie  in  Reihen  geordnet,  die  Unter- 
seite, FĂĽhler  und  Beine  tief  schwarz.  An  den  zahlreichen 
mir  vorgelegenen  Stücken  liabe  ich  keine  Uebergänge  zu 
vittatus  bemei-kt.  Form,  Punktirung  und  Färbung  blieben 
constant,  nur  die  letztere  änderte  auf  den  Flügeldecken  in  so 
weit  ab,  dass  entweder  die  rothe  oder  .schwarze  Farbe  sich 
als  vorherrschend  erwies. 


E.  Reitter  in  Paskau,  Mähren. 


209 


Einige  Tineen  aus  Texas, 

beschrieben  von 
II.  Frey,  Professor  in  ZĂĽrich,  und  J,  Bull  in  Dallas.  Upper  Texas. 


Wir  evlaubeu  uns,  trotz  Herrn  Chambers,  die  nachfol- 
gende unbedeutende  Arbeit  der  wohlwollenden  Beurtheilung 
wi.ssensehal'tlicher  Entomologen  voi-zulegen.  Die  zahlreichen 
Mängel  des  Aufsatzes  kennen  die  beiden  Verfasser  wohl  am 
besten.  â– 'â– ) 

Argyresthia. 

1.  A.   Quadi-ist  rigella  Z. 

Wurde  während  des  Mäi-z  1874  in  Wäldern  bei  Dallas 
aus  Jiniiperus  virginiuna  durch  Klopfen  erhalten.        - — 

Gracilaria. 

2.  G.   Obscuripennella  nov.   spec. 

In  der  Grösse  der  G.  S  perbifrontella  Frey  &  Boll;  zwi-, 
scheu  den  Europäerinnen  G.  Kutipennella  Hbr.  und  G.  Fideila 
Reutti  in  der  Mitte  stehend. 

Das  zierhche  Thierchen  fĂĽhrt  ein  dunkles,  mit  violettem 
Schimmer  ĂĽbergossenes  Kastanienbraun.  Seine  Beschuppung 
ist  eine  glatte,  schimmernde  oder  schwach  glänzende. 

Fühler  dunkelgi'au,  schwärzlich  geringelt  5  Kopf  dunkel- 
braun;   Stirne  schneeweiss;    Kiefer-  und  Lippentasler    ebenso; 

*)  Als  Herr  Uoll  im  Frühlinge  lö75  bei  mir  in  Zürich  zu  nächtigem 
Besuche  weilte,  inucliten  wir  gemeinschaftlich  die  nachfolgenden  lle- 
schreibnngen.  Soweit  ich  Material  zurĂĽckbehielt,  habe  ich  die  Notizen 
nochmals  revidirt.  FĂĽr  Alles,  namentlich  die  mĂĽndlichen  Angaben 
meines  Freundes  hinsichtlich  der  Lebensweise,  kann  ich  natĂĽrlich  nicht 
volle  Garantie  ĂĽbernehmen.  Der  Zauber  der  amerikanisclien  Micros 
hatte  mich  einmal  wieder  befangen,  wie  es  auch  Freund  Zeller  (siehe' 
dessen  treffliche  Arbeiten  in  den  Vei'handlungen  der  zool.-bot.  Gesell- 
schaft in  Wien  1872—75)  ergangen  ist. 

Auf  die  Entwirrung  amerikanischer  övnonyme  habe  ich  noch 
weniger  Fleiss  als  frĂĽher  verwendet.  Meine  IlauptquelhV  blieb :  The 
Tiueina  of  North-Amcrica  by  Hrackcnriilge-Clcniciis  by  11.  T.  Stain- 
ton.    London  1872.* 

ZĂĽrich,  ai.  DĂĽzciubcr  1875.  H.   Frey. 

14 


210 

das  MilU'l-  und  Endglied  der  ersieven  mit  zwei  kleinen  schwar- 
zen Fleckchen;  das  Endglied  der  Labialpalpen  an  der  Spitze 
schwärzlich;  Beine  schwarzbraun;  Schiene  und  Tarsus  des 
ersten  und  zweiten  Paares  weiss;  beim  dritten  Paare  weiss, 
oberwärts  gebräunt.     Leib  braungrau. 

Die  "S^trderflĂĽgel  zeigen  gleich  dem  Thorax  das  schon 
erwähnte  gesättigte  Kastanienbraun,  welches  die  dunkelste 
Beschafl'enheit  in  der  FlĂĽgelspitze  gewinnt.  Der  Costalrand 
der  Vordertlügel  ist  von  einem  bis  vier  Fünftel  ihrer  Länge 
schmal  strohfarbig,  jedoch  verloschen,  angelaufen.  In  der  Mitte 
dieser  strohgelben  Stelle,  unmittelbar  am  Vorderrande,  bemerkt 
man  eine  kleine  pünktchenförmige  Verdunklung.  Die  Franzen 
zeigen  an  der  FlĂĽgelspilze  eine  kastanienbraune,  nach  dem 
Aftei'winkel  hin  aber  eine  hellere  graue  Färbung. 

Hinterflügel  dunkelgrau  mit  etwas  lichtei-er,  bräunlicii 
a  ngetlogeuer  Befranzung. 

Die  Unterseite  unserer  Gracilaria  ist  tief  dunkelgrau; 
der  Costaliand  des  vorderen  FlĂĽgelpaares  erscheint  hier  ganz 
lang  und  schmal  weisslich  gefärbt,  am  breitesten  nach  der 
Spitze  zu.     Leib  unten  weissgrau. 

Das  schöne  vollkommen  frische  'l'hierchen  wurde  am 
8.  Juni  1874  zu  Dallas  von  Boll  gefangen.  Die  Art  scheint  dort 
nicht  o-erade  eine  Seltenheit  zu  sein. 


3.  0.   Consimilella   nov.    spec. 

Der  europäischen  Gr.  Stigmatella  Fab.  recht  nahe  kom- 
mend: dunkel  kupferbraun,  und  zAvar  beträchtlich  dunkler  als 
die  europäische  Ver-wandte.  Das  Costaldreieck  des  Vorder- 
flĂĽgels bleibt  kleiner. 

FĂĽhler  grau,  dunkler  geringelt;  Kopf,  Stirn,  Taster 
dunkelbraun;  Beine  dunkelbraun;  ihre  Endglieder,  Schiene  und 
Tarsus,  weissgrau,  dunkler  gelleckt;  Leib  grau,  unten  heller, 
weisslich  grau. 

Die  VorderllĂĽgel  gleich  dem  Thorax  tief  und  dĂĽster 
kupferbraun  ohne  jeglichoi  Glanz,  trĂĽbe;  die  P'ranzen  erschei- 
nen gegen  den  Afterwinkel  hin  heller. 

llinlerllĂĽgel  massig  dunkelgrau;  Franzen  etwas  heller, 
biäuidicli  angel logen. 

Die  Unterseite  zeigt  sich  lief  grau;  die  N'orderilĂĽgel  blei- 
ben  zeichnungslos. 

Gefano-en  zu   Dallas   im    März    1  b7  i   in   Gebüschen. 


211 

4.  6.  Aui'it'erella  nov.  spee. 

Ein  prächtiges  kleines  Geschöpf,  mul  dabei  unserer 
deutschen  G.  Onustella  Hbr.  so  nahe  kommend,  dass  man  sie 
mit  letzterer  verwechseln  könnte.  Die  Grundfarbe  der  Vorder- 
tlĂĽgel  erscheint  bei  der  Amerikanerin  etwas  dunkler,  das 
Messingfeld  etwas  heller,  ebenso  das  Abdomen  lichter  als  bei 
der  erwähnten  europäischen  Gracilarie. 

FĂĽhler  hellgrau,  dunkler  geringelt;  Kopf  metallisch  kupfer- 
glänzend; Stirn  schneeweiss;  Taster  ebenso;  das  labiale  Paar 
mit  brauner  Spitze;  die  beiden  ersten  Beinpaare  zeigen  weisse 
Endglieder;  am  letzten  Paare  fĂĽhrt  das  weisse  Femur  nach 
innen  und  unten  einen  braunen  Fleck;  Leib  oberwärts  weiss- 
lich  grau,  auf  der  Untertläche  noch  heller. 

Thorax  und  VordertlĂĽgel  kupferbraun;  das  Costalfeld  der 
letzteren  ist  ein  helles  glattes  Messing,  aber  kaum  noch  glän- 
zend zu  nennen.    Franzen  kupferbraun,  im  Afterwinkel  heller. 

HinterflĂĽgel  massig  dunkelgrau;  Franzen  lichter.  Auf  der 
Unterfläche    schimmert  das  Costaldreieck  verloschen  hindurch. 

Erzogen  von  Rhus  typhina  zu  Anfang  des  Juni.  Es 
kommen  sicher  zwei  Generationen,  vielleicht  auch  noch  mehrere 
im  Jahre  vor.     Aus  den  Umgebungen  von  Dallas. 

5.  G.  Interpositella  nov.  spec. 

Ein  wunderhübsches  Thierchen,  zwischen  den  europäischen 
x\rten  G.  Simploniella  F.  R.  und  Scalariella  Z.  in  der  Mitte 
befindlich;  in  der  FlĂĽgelspannung  einem  ansehnlichen  Exem- 
plare der  letzteren  wenigstens  gleichkommend;  im  FlĂĽgel- 
schnitt ersterer  Art  nahe  kommend. 

,  Kopf  und  Stirn  schneeweiss;  Fühler  bräunlich  weiss, 
dun  der  geringelt;  Taster  einfach  weiss;  Thorax  schneeweiss. 
Die  drei  Beinpaare  weiss,  reichlich  dunkelbraun  gefleckt  und 
geringelt;  Leib  grau,  unten  weiss;  seine  Ringe  seitlich  hell- 
braun, dann  mit  dunkelbraunen  Quei  gürtein  au  der  Basal  fläche. 
Die  Grundfarbe  der  VorderflĂĽgel  ergiebt  ein  helles  Gold- 
braun wie  bei  Pavoniella.  Die  weissen  Zeichnungen  sind  fein, 
schwarz  eingefasst.  Bei  diesen  fällt  vor  allen  Dingen,  an  der 
Wurzel  des  Dorsalrandes  beginnend,  ein  ansehnliches  unregel- 
mässig geformtes  Dreieck  auf,  ausgezeichnet  durch  breite 
(dorsale)  Basis  und  eine  umgebogene  Spitze,  welche,  nach 
der  FlĂĽgelwurzel  gerichtet,  den  Yoi'derrand  erreicht.  Ein 
zweiter  dreieckiger  Dorsalileek,  bis  o-es;en  den  Afterwinkel 
sich  erstreckend,  ist  kleiner,  und  >;eine  stumjtfe  Spitze  endigt 
schon   in   der  Fuhc. 

14* 


212 

Gehen  wir  nun  zum  Coslalvande  des  VorderflĂĽgels  ĂĽber, 
so  begegnen  wir  hier  fh'ei  weissen  Costaltleckchen.  Das  erste, 
ein  sehief  gestelltes  Häkchen,  lindel  sich  vor  der  halben  Flü- 
geJlänge;  das  zweite,  ein  kleines  und  schmales  ähnhches  Ding, 
ei'seheint  bei  vier  FĂĽnl'theilen,  und  das  letzte,  ein  halbkreis- 
förmiger Fleck  mit  breit  schwarz  umzogener  Convexität,  nimmt 
die  FlĂĽgelspitze  ein.  Eine  zarte  wellige  dunkle  Linie,  vor 
den  Franzen  hinlaufend,  vei-bindet  ihn  mit  der  Grundtläche 
des  hinteren  dorsalen  Dreiecks.  Die  Franzen  zeigen  in  der 
FlĂĽgelspitze  die  goldbraune  Grundfarbe,  werden  gegen  den 
Afterwinkel  hin  heller,  und  besitzen  unter  der  Spitze  einen 
weisslichen  Strahl. 

HinterHĂĽgel  massig  dunkelgrau;  Franzen  lichter.  Unten 
grau;  der  Apical-  und  der  hinlerste  Dorsaltleck  schimmern 
verloschen  hindurch. 

Das  Thierchen  wurde  in  der  Mitte  April  von  Blättern 
der  Eiche,  Quercus  obtusifolia  (Post-oak),  bei  Dallas  geklopft. 
Eine  zMeite  Generation  kommt  zweifelsohne  vor.  Interessant 
ist  die  Thatsache,  dass  G.  Simploniella,  die  nächste  Ver- 
wandte, bei  Frankfurt  a.  M.  ebenfalls  im  Eichwalde  gefangen 
wurde.  —  Man  veröl,  im  Uebrigen  Llnnaea  entomologica. 
Bd.  2,  S.  345. 

G.   G.  Desmodifoliella  Br. -Cl. 

Brackenridge- Clemens,  der  tĂĽchtige  Forscher,  beschreibt 
(S.  93  und  289  in  der  von  Stainlon  besorgten  Ausgabe)  diese» 
kleine  Ding.  Es  erinnert  in  Grösse  an  die  europäische  G. 
Limosella  F.  R.  Das  Colorit  blass,  matt,  weit  heller  als  man 
es  nach  obiger  Beschreibung  erwarten  sollte.  Der  verstorbene 
amerikanische  Entomologe  hatte  oH'enbar  ein  fĂĽr  Farbenunter- 
scheidung wenig  entAvickeltes  Sehwerkzeug. 

Boli  traf  in  nichreren  Exemplai'en  G.  Desmodilbliella  in 
den  Umgebungen  von  Dallas.  Seine  Exemplare  bestimmte 
(meiner  Meinunu-  nach  richtig)  Professor  P.  C.  Zellcr  im 
FrĂĽhling  1874.  " 

Coriscium. 

7.   G.   Paradoxum   Frey  &  Boll. 

Die  merkwĂĽrdige,  von  uns  fiĂĽlier  beschriebene  Art  geht 
\'un  Massachusetls  bis  'Jexas.  Boll  brachte  ein  paar  in  Ă–fen 
Umgebungen  von  Dallas  Mährend  des  Jahres  1874  gesammelte 
schöne  Stücke   nach  Eurojta. 


213 

8.  C.  Rhombiferellum  nov.   spec. 

Eine  ausgezeichnete  merkwĂĽrdige  Art.  Wir  beschreiben 
allerdings  nur  nach  einem  männlichen  Exemplar.  Dasselbe  ist 
indessen  so  vortrefTlich  erhalten,  dass  die  höchst  charakteri- 
stische Species  sicher  zu  erkennen  sein  wird. 

Ein  ziemlich  kleines,  an  die  europäische  Ct.  Kollarieila 
Z.  flüchtig  mahnendes  Thierchen.  Seine  Grösse  erinnert  an 
das  Ausmaass  der  Lithoc.  Hagenii  Frey  &  Boll.  Die  Vorder- 
flĂĽgel sind  recht  schmal,  Costal-  und  Dorsalrand  aber  so  ge- 
rade, wie  bei  keiner  Verwandten.  Dazu  kommt  noch  ein 
Franz  en  Schwänzchen. 

Fühler  grau,  schwärzlich  geringelt;  Kopf,  Stirn  und 
RĂĽckenschild  weiss;  Taster  weiss;  der  Haarbusch  des  Palpus 
labialis  weissgrau;  das  EndgHed  des  letzteren  mit  bräunlichen 
Flecken.  Beine  weisshch  grau,  braun  gefleckt,  mit  dunkel 
geringelten  Endgliedern;  Leib  oberwärts  dunkel-,  unterwärts 
weissgrau. 

Die  Grundfarbe  der  VorderflĂĽgel  des  interessanten  Thier- 
chens  ist  ein  tiefes  Schwarzbraun,  am  Costalrande  wurzel- 
wärts  heller,  gegen  den  Spitzentheil  hin  am  dunkelsten. 

Auf  dem  Flügel  —  man  erkennt  unser  Thier  augenblick- 
lich daran,  dass  der  Costalrand  über  2|g  seiner  Länge  und 
auch  in  beträchtlicher  Breite,  d.  h.  bis  zur  Flügelfalte  schnee- 
weiss  bleibt  —  erscheinen  sechs  schwarze  Pünktchen.  Die 
ĂĽbrigen  Zeichnungen  sind  fein,  zart,  weiss.  In  einem  Drittel 
des  Costalrandes  begegnet  man  einem  ganz  schief  gestellten 
schmalen  Strichelchen.  Darauf  folgt  ein  sehr  langer  gerader 
Strich;  er  verbindet  sich  mitten  auf  dem  FlĂĽgel  mit  einem 
ähnlichen  Streifen,  welcher  vom  Dorsalrande  kommt.  Es  ent- 
s  eht  so  eine  spitzwinklige,  schwarz  begrenzte,  ungemein 
charakteristische  Zeichnung.  —  Nach  der  Flügelspitze  zu  er- 
scheinen noch  drei  weisse  Schiefstriche.  Die  beiden  hintersten 
setzen  sich  ĂĽber  den  FlĂĽgel,  grau  verdunkelt  und  in  welligem 
Verlaufe,  bis  zum  Afterwinkel  fort. 

Die  FlĂĽgelspitze  bietet  ferner  eine  nicht  minder  bezeich- 
nende Beschaffenheit  dar.  —  Hier  liegt  (zu  einem  erheblichen 
Theile  auf  die  Franzen  fällend),  \'on  weissen  und  schwarz 
eingefassten  Strichen  hergestellt,  eine  unregelmässig  recht- 
eckige Figur,  welche  an  einer  kleinen  Stelle  nach  einwärts 
offen  bleibt.  Die  Franzen  sind  weisslich,  abgesehen  A''on  der 
eben  geschilderten  rhombischen  Zeichnung;  das  Franzen- 
schwänzchen  dunkelgrau;  im  Afterwinkel  wird  <lie  Befranzung 
dunkler. 


214 


Hint('illiiü,el    und    Fraiizon    /iomlioh    tief    (bläulich)   grau. 

Die  Unlcrscito  der  Vorderlliigel  bietet  ein  Grau  dar;  ein 
helleres  Franzendreieek  unter  dem  Sehwän/chen  der  Flügel- 
spitze. 

Erzogen  in  Dallaf<  auf^  unbeobachteter  Larve  am  2.  Juli  1874. 


Cosmopteryx. 

0.   C.   Clemensella  Sta. 

Mein  Londoner  Freund  (in  der  erwähnten  Wiederheraus- 
gahe  der  Arbeiten  des  verdienten  amerikanischen  Mikrole- 
pidoi)terologen,  S.  100)  hat  diese  Art  aufgestellt.  Boll  brachte 
sie  in  einigen  Exemplaren  nach  Europa  herĂĽber.  Eines  blieb 
in  ZĂĽrich.     Es  wurde  am    15.  Mai   1874  bei  Dallas  gefangen. 

10.  C.   Gemmiferella  Br.-Cl. 

Clemens  gab  eine  genĂĽgende  Beschreibung  dieser  Art. 
Eine  bessere  zu  liefern,  erlaubt  unser  knappes  Material  nicht. 
Indessen  wir  haben  erzogene  Exemplare  dieser  reizenden 
Art,  welcher  an  eleganter  Schönheit  keine  Europäerin  gleich- 
kommt. Ihre  nächste  Verwandle  ist  C.  Scribai'ella  Hejden. 
Die  Naturgeschichte  dei-  letzteren  entdeckten  Boll  &  Fre}'  im 
Herbste  1876  bei  Bremgarten.  Die  Larve  minirt  die  Blätter 
von  Arundo  phragmites,  und  verpuppt  sich  innerhalb  der  Mine. 
Die  Amerikanerin  minirt  im  April  und  Juli  Zizania 
miliacea.  So  reiht  sich  eines  an  das  andere,  das  europäische 
oft  frĂĽher  erworbene  Material  an  das  meist  neuere  amerika- 
nische, was  wir  Herrn  Chambers  zu  seiner  weiteren,  sehr 
nöthigen  entomologischen  Ausbildung  dringend  an  das  Herz 
legen  möchten. 

Chrysocorys. 

11.   Ch.   Erythriella  Br.-Cl.  (?) 

Wir  glauben,  ein  Texaner  Exemi)lar,  vollkommen  rein 
und  unversehrt,  mit  der  Art  des  Amerikaners  (p.  132)  ver- 
einigen zu  dĂĽrfen.  Indessen  wir  geben  eine  kurze  Beschrei- 
bung des  vortreiriich  erhaltenen  einzigen  Exemplares. 

Klein,  elAva  in  dem  Ausmaass  der  Lithoc.  Roboris  Z. 
Die  Grundiarbe  is(  ein  tiefes  Braun.  In  unseren-  deutschen 
Bezeichnung  wĂĽrde  man  es  am  besten  ein  dunkles  Leberbraun 
nennen.     Stirne  heller';  Taster  in  den  untern  Partieen  gelblich 


215 

braun,  ihr  Endglied  dunkler.  Alle?  glänzt  schwach  metallifsch. 
Auch  die  Färbung  der  Flügel  ist  eine  ähnliche. 

Wir  wĂĽrden  unbedenklich  vereinigt  haben,  wenn  nicht 
der  Entdecker  Vorder-  und  Hinterflügel  „reddish  fuscous"  ge- 
nannt und  die  Grösse,  wie  immer,  anzugeben  vergessen  hätte. 
Stainton  bezeichnet  das  Ding  als  ,.Clo8ely  allied  to  our  C. 
Festaliella'^ .  Aus  letzterem  Beisatz  ist  nichts,  weder  pro  noch 
contra,  zu  entnehmen. 

Von  Dallas. 

Elachista. 

Minen  in  Gräsern  hatte  der  Eine  von  uns  (Boll)  bald  in 
Amerika  angetroffen. '"')  Wir  geben  die  Beschreibung  zweier 
Species,  wo  wenigstens  die  eine  sicher  hierher  zählt,  während 
die  andere,  in  abweichendem  Gepräge,  einer  genaueren  Unter- 
suchung bedĂĽrfte,  welche  wir  aus  Mangel  an  Material  bisher 
noch  nicht  vornehmen  konnten. 

12.  E.  Pusilla  nov.  spec. 

Ein  schwärzliches  Thierchen,  von  äusserster",  wir  möchten 
sagen  charakteristischer  Kleinheit,  und  am  meisten  an  E. 
Exactella  H.-S.  erinnernd. 

Ausmaass  eines  kleinsten  Exemplares  der  eben  genannten 
europäischen  Art,  aber  plumper  und  breitflügliger  gebaut. 

Kopf  dunkel  schwarzgrau;  Stirne  heller,  bleigrau  und 
erzartig  erglänzend  gleich  den  ähnlich  gefärbten  Palpen;  Beine 
hell,  weisslieh  grau;  die  Tibien  und  Tarsen  des  Metathoracal- 
beinpaares  schwärzlich  gefleckt  und  geringelt. 

Brust,  Leib  und  VorderflĂĽgel  von  der  dunklen  schwarz- 
grauen Grundfärbung;  das  Abdomen  im  Uebrigen  unterwärts 
heller. 

Gedenken  wir  also  des  vorderen  FlĂĽgelpaares.  Hier  steht 
in  drei  Siebenteln  der  Flügellänge  ein  aus  zwei  (mit  nach 
hinten  gerichteter  Convexität  geformtes)  doppelt  halbmond- 
förmiges weisses  Querband.  In  drei  Viertheilen  der  Flügel- 
länge erhalten  wir  eine  abermalige  ganz  gleiche,  aber  nur 
massig  breite  Querbinde.  Gegen  die  FlĂĽgelspitze  hin  sind 
dunklere  schwarze  SchĂĽppchen  zu  einem  verloschenen  Fleck 
zusammengedrängt.  Franzen  dunkelgrau;  auch  an  der  Spitze 
nicht  merklich  anders. 


*)  Wir  liabeii  drei  minirte  Grashahne  aus  Dallas,  gesammelt  im 
P'ebruar  und  Juni  1874.  Eines  der  Gräser  ist  Panicum  scoparium; 
die  anderen  kennen  wir  zur  Zeit  nicht. 


'216 

Die  lliiilcifliiücl  und  ihre  Franken  zcipjon  das  j;ewöhnlioliP 
Griui  einopiii.scher  diiiiklci-cr  Elachisten. 

Eine  nahe  Veruandtsclial'f  mit  einer  unserer  Arten  ver- 
moehten  wir  nicht   zu  erkennen. 

13.  E.  Texaniea  nov.   spee. 

Wir  sehiJdern  hier  ein  zweites,  ähnlieh  kleines  'J'hierehen, 
dessen  generisehe  Rechte  freilich  einer  genaueren  Untersuchung 
bedĂĽrfen.  Indessen  wir  wollten  keines  der  beiden  trefflich 
erhaltenen  StĂĽcke  zu  einer  Erforschung  des  Aderverlaufes 
oj)fern.  '') 

Unsere  Art  isl  ein  ])lumpes  kleines  Geschöj)f  mit  einge- 
zogenem Kopfe,  aber  sonst,  auch  in  der  Beschatfenheit  der 
Taster,  eine  Elachiste.  Ihre  Farbe  ist  ein  dunkles  glanzloses 
Braun. 

Kopf,  Brust  und  Leib  zeigen  die  ebengenannte  Farbe. 
Stirne  und  Taster  ergeben  sich  heller  und  glänzender  grau. 
Die  FĂĽhler  grau,  eine  dunklere  Ringelung  zeigend.  Beine  dun- 
kel glänzend  graubraun,  weiss  gefleckt  und  in  den  Tarsen 
weiss  geringelt. 

Die  VorderHügel  —  und  darin  liegt  etwas  sehr  Bezeich- 
nendes —  besitzen  bei  der  schon  erwähnten  Grundfarbe,  welche 
hier  und  da  durch  einzelne  lichtere  gelbe  SchĂĽppchen  auf- 
gehellt wird,  eine  ganz  eigenthĂĽmliche  Zeichnung,  so  dass 
man  an  eine  Gelechie  erimiert  werden  könnte. 

An  der  Wurzelpartie  des  Dorsalrandes  bemerkt  man  einen 
plan-convexen  Oi-angefleck.  Ein  zweiter,  gross  und  verloschen, 
nimmt  den  Spitzentheil  des  FlĂĽgels  ein.  Seine  Wurzel  beginnt 
am  Costalraude  schon  bei  einem  Drittheil  der  Flügellänge. 
Franzen  hellgrau,    um  die  Spitze  mit  doppelter  dunkler  Linie. 

Ilinterflügel  und  Franzen  bräunlich  grau,  nicht  besonders 
dunkel. 

Zwei  Exemi)lare  im  Jahre    1871   bei  Dallas  gefangen. 

Opostega. 

14.  0.   Accessoriella   nov.   spec.  ?  O.  Albooaleriella 
Br.-Cl. 

Das  Thierchen  kommt  der  europäischen  0.  Aurilella  Hbn. 
äusserst   nahe,   bleibt   aber  etwas  kleiner,   kurzHügliger  und  im 

*;  FĂĽr  llcrni  Cliiuiibors  Lomcrkeii  wir,  dass  auch  fĂĽi-  mis  ein 
Flügel.tjeäder  existirt.  mid  dass  der  oiiio  der  ■N'erl'asser  ein  Mikm- 
skopiker  von  auch  in  Amerika  bekanntem  Namen  ist,  welcher  die.  Unter- 
suchung des  FlĂĽgelgeiiders  als  ein  Kinderspiel  in  technischer  Hinsicht 
betrachtet   und  manchem  Derartige  aucli  schon  Iriihcr  veröil'entlicht  hat. 


217 

hinteren  Fliigelpaare  heller.  Die  Beschreibung,  welche  Bracken- 
ridge-Clemens  gab,  ist  leider  wieder  einmal  zu  kurz,  um  eine 
sichere  Entscheidung  zu  gestatten. 

0.  Accessoriella  hat  denselben  braunen  Dorsalfleck  wie 
die  europäische  Species;  er  zieht  sich  aber  in  den  Flügel  mehr 
zugespitzt  aus.  —  Da  Clemens  dieses  Fleckes  mit  keinem 
Worte  Erwähnung  thut,  glauben  wir  an  eine  besondere  Art.  — 
Die  Zeichnung  der  FlUgelspitze  erinnert  an  0.  Crepusculella  Z. 
Wir  treflen  hier  ein  sehr  kleines  schwarzes  PĂĽnktchen;  vor 
ihm  zieht  ĂĽber  die  Franzenwurzel  eine  ganz  eigenthĂĽmlich 
gebogene  braune  Querlinie,  welche  allmählich  in  den  Hinter- 
rand ausläuft,  und  hier  in  den  Spitzen  der  weissen  Franzen 
verschwindet.  Nach  einwärts  bemerkt  man  noch  eine  stumpf- 
winklige braune  Linie.  Das  Mikroskop  zeigt  ĂĽber  die  FlĂĽgel- 
fläche zerstreute  gelbliche  Schüj)pchen. 

HinterflĂĽgel  und  Franzen  bieten  nichts  Aullallendes. 

In  einigen  wenigen  StĂĽcken  von  Dallas. 

Phyllocnistis. 

15.   Ph.   Insignis  nov.   spec. 

Wir  glauben  ĂĽber  die  generisehe  Stehung  des  reizenden 
Thierchens  uns  nicht  zu  täuschen.  Es  wurde  am  10.  Juni  1874 
aus  7  Tage  vorher  gefundenen  Minen  an  den  Wurzelblättern 
einer  Senecio-Art  erzogen.  Letztere  wuchs  an  beschatteten 
Waldstellen  bei  Dallas.  Die  Mine  ist  der  bekannte  Phyllocnistis- 
Gang,  Avie  wir  ihn  an  Pappeln  und  Weiden  in  Europa  trefVen. 
Er  durchläuft  stark  geschlängelt  die  Oberfläche  des  kleinen 
Blattes.  Nach  aufwärts  entwickelte  sich  schliesshch  auch  das 
PĂĽppchen. 

Fühler  defect;  Kopf  und  Brust  glänzend  silbergrau,  ähn- 
lich wie  bei  der  europäischen  Cemiostoma  Scitella  Z.,  welche 
letztere  freihch  neben  dem  schnialflĂĽgligen  winzigen  Thierchen 
(Grösse  einer  C.  Lustratella  von  Heyd.)  allerdings  gross,  plump 
und  kräftig  erscheint. 

Auch  die  VorderflĂĽgel  unserer  Ph.  Insignis  besitzen  das 
gleiche  metallisch  erglänzende  Silbergrau  der  Wurzelhälfte, 
während  dei-  interessante  Spitzentheil  ein  Orangeroth  darbietet. 

Die  Zeichnung  ei'scheint  im  Uebrigen  ziemlich  verwickelt. 

Vom  Dorstilrande  zui-  Costa  ist  über  die  Wurzelhälfte 
der  VorderflĂĽgel  eine  silbergraue,  gegen  den  Vorderrand  con- 
vex  gekrĂĽmmte  graue  Stelle  vorhanden.  Den  Afterwinkel 
nimmt  ein  ansehnliches  silbergraues  Dreick  ein.  Die  orange- 
farbene Zeichnung    beginnt    am    Costalrand    der    FlĂĽgelwurzel 


als  ein  schmaler  bogenartiger  Streifen;  er  entfernt  sich  all- 
mählich mehr  und  mehr  vom  Costalrande,  an  welchem  alsdann 
die  silhergrauc  Grundfarbe  zu  erscheinen  beginnt.  Vor  der 
iialben  Flügellänge  ist  unser  orangefarbener  Streifen  dreieckig 
verbreitert;  er  hat  sich  hierbei  so  weit  vom  Costalrande  ent- 
fernt, dass  seine  Basis  an  den  Innenrand  des  silbergrauen 
Dreiecks  angelagert  erscheint.  Ueber  die  Spitze  des  letzteren 
Di-ciecks  setzt  sich  das  Orange  noch  als  grosser  unregelmäs- 
siger Fleck  in  die  Flügelspitze  fort.  Vor  der  Hälfte  zeigt  der 
Costalrand  ein  schief  gestelltes,  silberweiss  glänzendes  Häkchen. 
Dann  wird  er  weiss,  von  fĂĽnf  schwarzen  Schuppenstrichen 
durchzogen.  Auch  die  ĂĽbrigen  Franzen  bleiben  weissgrau. 
Unter  der  FlĂĽgelspitze  bemerken  wir  endlich  einen  ansehnlichen 
schwarzen  Pimkt.  Vor  ihm  entspringen  unter  einem  Winkel 
von  etwa  30^  ausstrahlend  zwei  kleine  schwarzbraune  Franzen- 
linien. 

HinterflĂĽgel  und  Franzen  massig  hellgrau,  im  Farbenton 
des  vorderen  FlĂĽgelpaares. 

Bncculatrix. 

Ort.  B.   Angustata  nov.  spec. 

Aus  der  Verwandtschaft  der  europäischen  B.  Ratisbonen- 
sis  Sta.,  auffallend  schmal  HĂĽglig ,  dabei  ein  sehr  hĂĽbsches 
Thierchen. 

Kopf  bräunlich  weiss,  der  Stirnbusch  mit  braunem  Mittel- 
strahle, Fühler  bräunlich  weiss,  Augendeckel  hellgrau,  Thorax 
lederbraun;  Leib  oberwärts  dunkelgrau;  Beine  bräurdich  grau. 

Als  Grundfarbe  der  VorderflĂĽgel  kann  man  ein  Leder- 
braun ansehen.  Der  Costalrand  ist  etwas  verdunkelt.  Vor 
der  Falte  zieht  ein  gerader  schmaler  weisser  Streif,  welcher 
drei  FĂĽnftheile  der  FlĂĽgellinie  einnimmt,  und  gegen  das  Ende 
hin  dunkelbi-aune  Beschuppung  darbietet.  Am  Costalrand  er- 
kennt man  zwei  schmale  Schiefstriche.  Der  erste,  welcher 
ganz  schi-äge  nach  hinten  verläuft,  steht  bei  der  Hälfte,  der 
zweite,  viel  weniger  schief  gerichtete,  bei  zwei  Dritteln  der 
Flügellänge.  An  seinem  Ende  im  Flügelfelde  gewahrt  man 
ein  schwarzes  l'ĂĽuktchcn.  In  der  FIĂĽgelsi)itze  zeigt  sich  noch 
ein  weisser  Coslalslrahl,  welchem  ein  zweiter  ähnlicher  vom 
Afterwinkel  aus  cMtgogenkoniml.  Die  FlĂĽgelspitze  besitzt  end- 
lich noch  ein  schwarzes  PĂĽnktchen.  Franzen  hellbraun,  um 
die  Spitze  mit  dunkler  Wurzellinie.  Hinter  dem  Afterwinkel 
ein  schiefer  verflossener  heller  Franzenstrahl. 


219 

HinterflĂĽgel  und  Franzen  braungran,  an  der  Fliigelspitzc 
mit  weisslichen  Endtheilen. 

Das  Thierchen  wurde  1874  zu  Dallas  nicht  selten  Nachts 
am  erleuchteten  Fenster  gefangen,  namentlich  im  JuH  und 
August,  überhaupt  mit  ungewöhnlich  langer  Flugzeit.  Es  lebt 
sicherlich  an  einer  niederen  Pflanze,  möglicherweise  an  einer 
Ambrosia. 

17.  Ăź.  Rileyi  iiov.  spec. 

Eine  prächtige,  höchst  charakteristische  Art,  keiner  be- 
kannten Europäerin  aus  unserem  Genus   näher  A'erwandt. 

Stirnschopf'  weissgrau,  mit  bi-aunen  medialen  Haaren; 
Stirne  in  der  Mitte  weisslich.  FĂĽhler  braun  mit  hellerem  Augen- 
deckel; Hinterleib  tief  dunkelgrau  mit  bräunlicher  Afterspitze; 
Beine  bräunhch  grau,  Fussglieder  dunkler  geringelt. 

Die  Grundfarbe  von  Brust  und  VorderflĂĽgeln  erscheint 
fĂĽr  das  unbewaffnete  Auge  kaffeebraun,  d.  h.  genau  in  jenem 
Farbenton,  welchen  ein  starker  Kaffeeaufguss  beim  Zusatz 
von  etwa  einem  Drittheil  Milch  annimmt.  Das  Mikroskop  zeigt 
jedoch  ĂĽber  den  FlĂĽgel  einen  Wechsel  weisslicher,  hellbrauner 
und  dunkelbrauner  SchĂĽppchen.  Die  Zeichnungen  jenes  beste- 
hen in  Folgendem:  Der  Costalrand  ist  dunkelbraun  im  ersten 
Wurzeldrittel;  die  FlĂĽgelfalte  eine  kurze  Strecke  weisslich, 
nach  dem  Innenrande  hin  angelagerte  schwarze  SchĂĽppchen 
zeigend.  Eine  kleine  schwarze  Stelle  besitzt  der  Dorsalrand 
nahe  an  der  Wurzel.  Ferner,  etwas  hinter  halber  FlĂĽgel- 
länge, zeigt  jener  einen  schwarzen  bogenartigen  Fleck,  dessen 
Convexität  nach  der  Costa  hin  weisse  Schüppchen  führt.  Die 
FlĂĽgelspitze  verdunkelt  sich  wieder.  Man  kann  hier  in  drei 
Fünftheilen  der  Flügellänge  ein  schief  gestelltes  schmales  helles 
Costalhäkchen  erkennen;  doch  ist  es  sehr  verloschen.  In  der 
FlĂĽgelspitze  ein  schwarzes  PĂĽnktchen,  vor  welchem  ein  weis- 
ser Schiefstrich  nach  dem  Afterwinkel  hin  zieht.  Franzen 
hell  kaffeebraun,  in  der  Flügelspitze  schwärzlich  umzogen. 

HinterflĂĽgel  massig  grau;  ihre  Franzen  etwas  heller, 
bräunlich. 

Das  einzige  Exemplar,  ein  trefHich  conservirtes  Männ- 
chen, ist  zu  Dallas  am  Abend  des  B.November  1874  gefangen 
worden.  Seine  bezeichnende  Beschaffenheit  muss  diese  Be- 
sehreibung entschuldigen. 

Tischeria. 

18.  T.   Zellerella  Frey  &  Bofl. 
Auch  von  Dallas  durch  Zucht  ei-halten. 


220 

10.    T.  QueroitollH   Rr.-Cl. 
Eliciifalls  aus  Texas. 

20.  T.   Aenea  Frey  &  Boll. 

Von  Dallas.     Die  Raupe   in  Rubus-Arten    dort    minirend. 

Die  drei  Species   sind   also  in  der  Union  weit  verbreitet; 

sie  gehen  von  Massaehusetts  bis  Texas  —  und  wohl  noch  weiter. 

21.  T.  Noickenii. 

Wir  kennen  in  Europa  bekanntlich  Tischerien,  welche  in 
Sträiichern  und  niederen  Pflan/,en  leben.  Der  eine  der  beiden 
Verfasser  (Boll)  traf  in  Texas  an  Ambrosia-Arten  minirte 
Blätter,  wo  die  Raupenwolniung  neben  der  Mittel rippe  angelegt 
war.  Die  Verpuppung  des  wohl  nicht  seltenen,  auch  im 
Freien  dort    gelungenen    Insekts    erfolgte    innerhalb  der  Mine. 

In  der  Grösse  der  europäischen  T.  Dodonaea  Heyden, 
aber  zarter,  sowie  weniger  breitflĂĽglig. 

Die  Crrundfarbe  von  Kopf,  Brust  und  VorderflĂĽgeln  ist 
ein  unreines  Gflb,  eine  Mittelfarbe  zwischen  Schwefel-  und 
Ockergelb. 

Fühler  gelbbräunlich,  dunkler  braun  geringelt;  der  Haar- 
schopf blass  schwefelgelb,  nach  aussen  einige  schwarzbraune 
Härchen  darbietend;  Leib  oberhalb  grau,  gegen  die  After- 
spitze hin  gelblich  werdend;  Beine  nach  aufwärts  hellgrau; 
die  Tarsen  verloschen  dunkler  gefleckt.  Die  ganze  untere 
Seite  (um  sie  gleich  abzufertigen)  gelbgrau,  die  VorderflUgel 
hier  am  dunkelsten. 

Wenden  uns  zur  Oberfläche  des  vorderen  Flügelpaares 
zurück,  so  erscheint  diese  höchst  bezeichnend,  namentlich  bei 
mikroskopischer  Untersuchung.  Man  sieht  schwefelgelbe  und 
hellere  blassere  SchĂĽppchen  miteinander  abwechseln;  dazu 
kommen  als  drittes  Element  vereinzelte  braime  Schuppen. 
Sie  nehmen,  von  der  Wurzel  an,  den  Costal-  und  Dorsalrand 
bis  zu  zwei  Dritltheilen  der  Flügellänge  ein,  und  ergeben 
sich  zweimal  durch  rpier-  und  schief  verlaufende  gleichfarbige 
Schu])peuzĂĽge  verbunden.  Vereinzelte  braune  SchĂĽppchen  treten 
dann  gegen  den  Hinterrand  auf.  Franzen  des  VorderflĂĽgels 
von  der  gelben  (Truiidfarbe. 

Hinteres  FlĂĽgel})aar  snmmt   seinen  Franzen  hellgrau.  *) 


*)  Nähurc  Aiitiiiln-u  über  ],ob»Mis\vfiso.  Flugzeit  eto.  Iiat  Boll  mir 
nicht  hinterlassen. 

Frey, 


221 

Lithocolletis. 

Wir  beschreiben  abermals  eine  Reihe  von  Arten  des 
reizenden  Tineen-Genus.  Was  in  Amerilia  darĂĽber  geschrieben 
wurde,  vermochten  wir  nur  zum  geringsten  Theil  zu  entzitlern, 
—  und  auf  Conjectural-Entomologie  lassen  wir  uns  aus  guten 
GrĂĽnden  nicht  ein. 

22.    L.  Ambrosieeella  Chamb. 

Die  Raupe  dieser  Lithocolletis  lebt  bei  Dallas  von  Mitte 
Juni  au  in  einer  Ambrosia  spec.  an  schattigen  Waldstellen. 
Ueber  die  Generationen  blieben  wir  unsicher,  da  Boll  bis  in  den 
October  hinein  Minen  fand,  aus  welchen  die  zierlichen 
kleiiicü  Geschöpfe  sich  überraschend  schnell  entwickelten.  Die 
Raupenwohnung  ist  sehr  klein  und  schmal,  unterseitig  angelegt. 
Die  Hjpodermis  zeigt  sich  in  Längsfalten  angeordnet,  so  dass 
man  an  die  uns  bekannte,  allerdings  weit  ansehnlichere  Mine 
der  L.  Quinquenotella  H.  S.  in  den  Blättern  der  Genista  Sagit- 
talis  lebhaft  erinnert   wird. 

Der  Schmettei'ling  selbst,  eine  sehr  zarte,  wunderschöne 
kleinere  Lithocolletis  (im  Ausmaasse  der  L.  Ă–chreberella  Fab., 
aber  zarter,  schmaltlĂĽglige]',  kuiz  gesagt  eleganter)  bietet  mit 
keiner  europäischen  Art  eine  nähere  Verwandtschaft  dar^  er 
ist  eine  sj)eciflsch  amerikanische  Gestalt,  allerdings  der 
hĂĽbschesten  eine.  Ihn  kennzeichnet  eine  tiefe  Safraniarbe, 
jedoch  mit  so  eigenthĂĽmlicher  Nuance,  dass  ich  keinen  euro- 
päischen Vergleich  linden  kann  (Frey). 

Fühler  hellgrau,  schwärzlich  geringelt;  Stirnbusch  tief 
safranfarbig,  an  den  Seiten  weisslichei-;  Stirne  glänzend  silber- 
grau; Taster  ebenso. 

Die  Brust  zeigt  gleich  den  VorderllĂĽgeln  eine  tiefe,  mas- 
sig erglänzende  Safranfarbe.  Der  Thorax  bleibt  im  Uebrigeu 
zeichnungslos.  Beine  silbergrau,  die  Fussgheder  weisslich, 
dunkler  geringelt.  Der  Unterschenkel  des  letzten  Beinpaares 
mit  ansehnlichem  braunem  Flecke  versehen;  Hinterleib  ober- 
wärts  tief  dunkelgrau. 

Die  VorderflĂĽgel  unseres  Thierchens  besitzen  eine  ganz 
eigenthĂĽmliche  Zeichnung.  Der  FlĂĽgelwurzel  nahe,  und  zwar 
dorsalwärts,  liegt  ein  unregelmässiges  silberglänzendes  Längs- 
fleckchen, schief  gestellt  und  ohne  jegliche  dunklere  Rand- 
begrenzung. In  einem  Viertheile  der  Flügellänge  begegnen 
wir  dem  ersten  Costalhäkchen.  Es  ist  ebenfalls  unbestimmt 
gebildet,  aber  weniger  schief  gestellt,  und  nach  dem  Hinter- 
raude    zu    schwarz    eingefasst.      Vor    der    halben    Flügellänge 


222 

erkennen  wir  eine  vollsländige  schmale  silberne  Querbinde, 
nach  der  FlĂĽgelwiirzel  zu  eoncav,  nach  dem  Hinlerrande  hin 
convex  gestaltet ,  und  hier  schwarz  begrenzt.  Bei  drei  Vier- 
theilen der  Flügellänge  erscheinen  zwei  Gegenhäkchen  von 
mehr  dreieckiger  (resliilt,  nach  hinterwärts  schwarz  gerandet. 
Vor  der  Flügelspitze  tritt  noch  ein  letztes  Häkchenpaar  auf, 
von  welchem  aber  das  dorsale  sehr  klein  und  ganz  verloschen 
ist.  Beide  stossen  im  Uebrigen  mit  den  Spitzen  fast  zusam- 
men, und  nur  am  costalen  gewahrt  man  eine  schwarze  Be- 
grenzung. Franzen  hell  bräunlich  grau.  Hintei-Hügel  und  Franzen 
massig  hellgrau. 

Auf  der  Unterseite  der  VorderflĂĽgel  schimmern  die  Quer- 
binde und  die  beiden  Costalhäkchen  verloschen  hindurch. 

23.    L.  Affinis  nov.  spec. 

Der  L.  Consimilella  Frey  &  Boll  von  Boston  nahe  ver- 
wandt; etwas  kleiner,  im  Ausmaasse  der  europäischen  L.  Stet- 
tinensis  Nie,  unserer  Ansicht  nach  aus  der  Gi-uppe  der  L. 
Trist rigella  Haw. 

Das  Colorit,  welches  Kopf,  Brust  und  VorderflĂĽgel  gleich- 
massig  darbieten,  ist  ein  dunkles,  röthliches  Safran. 

Stirn  und  Taster  glänzend  weiss.  Beine  weissgrau.  Die 
Fussglieder  des  ersten  Paares  mit  deutlichen  schwärzlichen 
Bingen  versehen.  Das  zweite  Beinpaar  zeigt  sich  schwärzlich 
gefleckt,  das  letzte  endlich  ist  heller,  braunschwarz  gezeichnet. 
Der  Hinterleib  bietet  an  der  Kückentläche  ein  dunkelgraues,  an 
der  ventralen  Seite  ein  weissliches  Colorit  dar. 

Die  schwach  glänzenden  Vorderflügel  gewähren  drei  Quer- 
binden bei  einem  Drittheil,  bei  der  Hälfte  und  drei  Viertheilen 
der  Länge.  Sämmtliche  Binden  ergeben  sich  w^ui'zelwärts  zart 
und  schwach  schwärzlich  gerandet;  die  erste  gerade,  die  zweite 
leicht  eoncav,  die  dritte  schwach  winklig.  Vor  der  FlĂĽgel- 
spitze endlich  zeigt  .'^ich  noch  ein  weisses  CostallĂĽikchen  ohne 
jede  dunklere  Einfassung.  Die  Franzen  besitzen  die  FlĂĽgel- 
farbe. 

HinterflĂĽgel  massig  dunkelgrau;  ihre  Franzen  heller, 
bräunlich. 

Die  Mine  tindcl  man  uulerseitig  im  Juni  in  lichten  Ge- 
bĂĽschen an  einer  Lonicera  mit  rothen  FrĂĽchten. 

Unser  Thiei',  trotz  kleinerer  und  zarterer  Gestalt,  ver- 
läugnet,  wenn  wii-  uns  so  ausdrücken  dürfen,  den  Lonicera- 
Ursprung  nicht  völlig.  Ein  gemässigter  Darwinianer  m  ihde 
sie  von  der  verwandten  L.  Emberizaepeimella  IJduclie  augen- 
blicklich  ableiten:     ein     fanatischer    ein   solches    „überflüssiges'- 


,  223 

BemĂĽhen  von  oben  hevab  verlachen.     FĂĽr  den  sind  natĂĽrlich 
alle  Lithocolletiden  einerlei   Descendenz!  Habeat  .sibi! 

24.    L.   Solidagini^!  nov.  spec. 

Ein  zartes  kleines  Ding,  schlank  und  schmal,  im  Aus- 
maass  der  vorigen  Art  ungefähr  gleichkommend,  mit  keiner 
europäischen  Species,  sowie  mit  keinem  der  von  Boston-Cam- 
bridge herstammenden  und  durch  uns  erzogenen  Thierchen 
irgendwie  näher  verwandt:  eine  spezifische  Nordamerikanerin, 
wie  wir  annehmen. 

Die  Raupe  minirt  unterseitig  die  schmalen  lanzettförmigen 
Blätter  einer  Sohdago-Art.  Die  Mine  ist  sehr  lang  und  schmal, 
ähnlich  der  europäischen  L.  Salictella  Z.  an  schmalblättrigen 
Weiden.  Sie  findet  sich  bei  Dallas  im  September,  und  die 
Schabe  kroch  im  October  aus. 

FĂĽhler  hellgrau,  dunkler  geringelt,  unterhalb  der  Spitze 
mit  einer  fast  weisslichen  Stelle.  Stirnbusch  weisshch,  mit 
braunem  Strahl  in  der  Milte.  Stirne  bräunlich  grau;  Taster 
ebenso;  Thorax  hell  safranfarbig  mit  zwei  weisslichen  Längs- 
striemen versehen;  Hinterleib  grau,  Afterbusch  bräunlich;  die 
Untertläche  des  Abdomen  weisslich;  ebenso  die  Beine  nach 
abwärts,  während  die  Rückenseite  der  letzteren  dunkel  silber- 
grau mit  schwärzlich  gefleckten  Fussgliedern  erscheint. 

Es  ist  schwer,  die  hell  safranfarbigen  VorderflĂĽgel  mit 
ihren  verloschenen  weisslichen  Zeichnungen  und  den  zerstreu- 
ten schwärzlich  braunen  Schüppchen  zu  schildern,  selbst  unter 
dem  Mikroskop. 

An  der  FlĂĽgelwurzel,  dem  Innenrande  sehr  nahe,  zeigt 
sich  ein  kurzer,  ganz  feiner,  verloschener,  schlecht  ausge- 
sprochener Längsstreifen.  Er  besteht  unter  dem  Mikroskop 
nur  aus  acht  bis  neun  SchĂĽppchen.  Der  Innenrand  fĂĽhrt  eine 
zerstreute  weissliche  Bestäubung.  In  einem  Drittheil  der  Flügel- 
länge steht  das  erste  schiefe  schmale  Vorderrandshäkchen. 
Breiter  erscheint  ein  zweites  in  halber  Flügellänge.  Beide  sind 
hinterwärts  mit  vereinzelten  schwarzen  Schüppchen  eingefasst. 
Unter  dem  zweiten  costalen  Häkchen  bemerkt  man,  abermals 
in  schiefer  Stellung  und  zart  schwärzlich  eingegrenzt,  ein 
schlankes  Dorsalhäkchen. 

Wenden  wir  uns  zur  Costa  zurĂĽck,  so  erscheint  bei  zwei 
Drittheilen  der  Flügellänge  mit  schwacher  schwärzlicher  Ein- 
fassung und  in  mehr  senkrechter  Stellung  das  dritte  Dorsal- 
häkchen. Ein  viertes  endlich,  dicht  vor  der  Spitze,  kehrt 
seine  Spitze  nach  einwärts.  Nach  auswärts  ist  es  durch  einen 
Fleck  schwarzer  Schüppchen  stärker  verdunkelt.    Als  Antago- 


224 

nisten  des  dritten  Costalhäkehens  erkennen  wir  die  Spur  einer 
/weilen  (k»i\salen  Marke.  Die  Franzeii  von  dei'  Farbe  des 
Vorderlliiiiels. 

Hintcrlliiücl  und  Fnui/eu  hlas.s  liellgrau  mit  bräunlichem 
Anfluti. 

2;i.    L.  Mode  st  a  nov.  spec. 

Eine  massig  kleine,  der  L.  Intermedia  Frey  &  Boll  ver- 
wandle Arl,  doch  von  geringerem  Ausmanss.  zarter,  glanzlos 
und  auflallend  schmalÜüglig. 

Slirne  weiss;  Sehopf  weiss  mit  ganz  spärliehen  braunen 
Härchen;  Fühler  weisslich,  ihr  Öpitzentheil  verloschen  bräun- 
lich geringelt;  Beine  gelblich  weiss  mit  fast  ungefleckten 
Tarsen.  Indessen  das  ersle  und  /weite  Beinpaar  /eigen  das 
letzte  Tarsalglied  verdunkelt. 

Die  Giundltirbe  von  Thorax  und  VordertlĂĽgeln  entspricht 
derjenigen  eines  helleren  Exemplares  der  europäischen  L. 
Betulae  Z.  Die  Brust  ist  im  Uebrigen  noch  durch  einen  auf- 
lallend breiten  medialen  Längsstreifen  von  weisslicher  Färbung 
markirt. 

Die  Zeichnungen  unbestimmt  und  verschwommen.  Man 
entdeckt  drei  verloschene,  kleine  und  schmale,  schief  gestellte 
weissliche  Costalhäkchen.  Uni  er  dem  dritten,  in  der  Gegend 
des  Afterwinkel.s,  erscheint  ein  entsprechendes  dorsales.  Zwi- 
schen den  Spitzen  des  zweiten  und  dritten  Costalhäkehens  eine 
schwache  schwärzliche  Beschup})ung.  Ein  ausgedehnteres  Feld 
derartiger  Schupj)en  erscheint  unter  der  Spitze  gegen  den 
Afterwinkel  hin. 

Sehr  autVallend  ergiebt  sich  endlich  der  Dorsalrand.  Der- 
selbe ist  von  der  Wurzel  bis  zu  drei  FĂĽnftheilen  der  FlĂĽgel- 
länge schmal  weiss  cingefasst.  Die  Franzen  der  FlügeJspitze 
zeigen  einen  hell  safranfarbcnen  Orundtheil  und  eine  licht 
gelblich  graue  Aussenpartie.  Die  des  Afterwinkels  einlarbig 
gelbgrau.     Eben.so  die  Hinterfliigel   und  ihre  Befranzung. 

Die  Larve  niinirt  mit  ilaciier  Wohnung  oberscitig  die 
Blätter  von  Ulmus  fulva.  Das  vollendete  Insekt  wurde  Ende 
April  zu  Dallas  erzogen. 

2().    L.   Occitauica   nov.   spec. 

Eine  ziendieli  kleine  und  zarte,  nicht  besonders  breite 
Hüglige  Art,  ohne  nähere  europäische  Verwandle.  Sie  bewohnt 
mit  ante rseit ige r,  ziemlich  gewölbtei-  Mine  abermals  Ulmus  fulva. 

Ihr  Ausmaass  ist  demjenigen  einer  kleinsten  L.  Roboris  Z. 
nleichkomniend. 


•>>7 


Stinie  und  Palpen  weiss;  Stirnbusch  weiss  mit  einzelnen 
bräunlichen  Härchen;  Fühler  weisslich,  verloschen  gelbbräun- 
lich geringelt;  Beine  weisslich,  braun  gefleckt,  Tarsen  braun 
geringelt.     Leib  grau. 

Der  Thorax  (^mit  weiss  gesäumten  Schulterdecken)  und 
die  Vorderllügel  führen  ein  gesättigtes  Safran  nach  Art  unserer 
L.  Eniberizaepennella;  sie  bleiben  glanzlos,  und  ihre  Zeichnun- 
gen rein  weiss. 

An  der  FlĂĽgelwurzel,  in  der  Falte,  bemerkt  man  ein 
ganz  kurzes  weisses  Strichelchen.  Dann  nach  einem  FĂĽnftel 
der  Flügellänge  beginnt  am  Dorsalrande,  und  zwar  hier  ver- 
breitert, ein  nach  hinterAvärts  gebogener,  schief  laufender 
(^uerstreif,  welcher  mit  seinem  zugespitzten  Ende  jedoch  den 
Costalrand  nicht  erreicht.  In  der  halben  Flügellänge  kommt 
es  zu  einer  schmalen,  schwach  hufeisenförmig  gebogenen  voll- 
ständigen Querbinde,  welche  nach  einwärts  eine  zarte  dunkle 
Randbegrenzung  darbietet.  Ein  drittes  ähnlich  geformtes  Quer- 
band erscheint  bei  drei  Viertheilen  des  FlĂĽgelausmaasses.  Jenes 
verloschen,  namentlich  in  seiner  costalen  Hälfte,  sowie  in  der 
Mitte  durch  einen  Haufen  brauner  SchĂĽppchen  verdunkelt  oder 
unterbrochen.  In  dem  Spitzentheil  des  FlĂĽgels  begegnet  man  noch 
zerstreuten  bräunlichen  Schüppchen.  Die  Befranzung  endlich  er- 
scheint um  die  FlĂĽgelspitze  safrangrau,  um  den  Afterwinkel  ganz 
hell  gelbgrau.     HinterflĂĽgel  sammt  ihren  Franzen  weisslich. 

27.    L.  Tenuistrigata  nov.  spec. 

Der  L.  Mannii  verwandt,  und  auch  in  Quercus  obtusifolia 
(Post-oak)  im  Frühling,  namentlich  dem  März  gefangen  in 
Gemeinschaft  mit  L.  Quercetorum. 

Stirne  und  Stirnbusch  weiss;  letzterer  mit  bräunlichen 
Haaren  untermischt;  FĂĽhler  gelbhch  weiss,  sehr  verloschen 
bräunlich  geringelt;  Beine  weisslich,  Hintertarsen  sehr  ver- 
loschen hellbraun  geringelt. 

Thorax  hell  safran  mit  weiss  eingefassten  Schulterdecken. 
Die  VorderflĂĽgel,  von  mittlerem  Lithocolletiden-Ausmaasse, 
zeigen  eine  helle  Safranfarbe,  etwa  mit  derjenigen  einer  ge- 
wöhnlichen weiblichen  L.  Faginella  Z.  übereinstimmend. 

Sie  führen  eine  weisse,  ziemlich  gerade  Längsstrieme  in 
der  Längsfalte,  vor  einem  Drittel  der  Flügellänge  zugespitzt 
aufhörend  und  ohne  jegliche  dunklere  Schuppenbegrenzung. 
Das  erste  Costalhäkchen  schmal,  sehr  schief  gestellt,  ohne 
dunklere  Randeinfassung.  Ein  zweites  Häkchen,  ähnlich  ge- 
stellt, aber  grösser,  ist  einwärts  von  schwärzUchen  Schuppen 
eingegrenzt.    Es  folgen  dann  spitzenwärts  noch  drei  gekrümmte 

15 


2'2A 

Costalliäkclien  von  mehr  senkrechter  Stellung,  wobei  das  dritte 
und  vierte  noch  zart  schwarz  nach  einwärts  eingefasst  sind, 
nicht  mehr  aber  das  letzte  fĂĽnfte.  Dann  erhalten  wir  ein 
erstes  grosses  Dorsalhäkclien  in  ganz  schiefer  Stellung,  so 
dass  es  mit  seiner  nach  einwärts  schwärzlich  umzogenen  Spitze 
die  Spitze  des  zweiten  Costalhäkchens  fast  berührt.  Ein  zwei- 
tes Dorsalhäkchen  steht  dicht  vor  dem  Afterwinkel  als  ein 
gleichschenkliges  Dreieck  mit  verbreiterter  Basis;  das  letzte 
erscheint  ĂĽber  dem  After winkel;  es  ist  schmal,  ohne  jede 
dunklere  Begrenzung.  Franzen  weisslich,  um  die  Spitze  mit 
dunklerer  feiner  Basallinie. 

HinterHĂĽgel  und  ihre  Franzen  so  hell,  dass  sie  den  Namen 
weisslich  verdienen. 

Die  Mine  ist  unterseitig,  kurz,  am  Ăźlattrande.  Sie  erin- 
nert an  diejenige  unserer  europäischen  L.  Heegeriella  Z.  der 
Eiche. 

28.    L.  l'uijiUifoliella  nov.   .spee. 

Ein  kleines  Thierchen,  höchst  bezeichnend  und  vom  Aus- 
maasse  der  L.  Heegeriella.  Zart  und  schmalflĂĽglig,  mit  keiner 
europäischen  Art  verwandt.  Ein  ganz  reines  Exemplar  (rj), 
gefangen  Mitte  April  1874  zu  Dallas,  liegt  unserer  Beschrei- 
bung zu  Grunde. 

Stirne  und  Taster  hell  und  glänzend  weiss;  Schopf  weiss 
mit  reichlichen  biaunen  Härchen  in  der  Mitte;  Fühler  weiss- 
lich, mit  bräunlicher  Kingelung.  Thorax  hell  safranfarbig  mit 
weissen  Sciiulterdecken  und,  wie  es  scheint,  einer  medialen 
weissen  Längslinie;  '"')  Leib  hellgrau;  Afterbusch  gelblich  weiss; 
Beine  weisslich,  braun  gefleckt. 

Die  VorderflĂĽgel  haben  ein  mattes  glanzloses  Safran- 
Colorit  und  zeigen  eine  schmale,  leicht  gebogene  weisse  Basal- 
strieme  ohne  dunklere  Einfassung.  Letztere  endigt  schon  nach 
einem  Drittel  der  FlUgellänge  mit  leichter,  ganz  stumpfwinkli- 
ger Biegung. 

In  der  Spilzenhäll'te  des  Vorderflügels  gewahren  wir  fer- 
ner zersi reute  weissliche  und  schwärzliche  Schüppchen;  ebenso 
in  halber  Länge  des  Flügels  die  Andeutung  einer  weissen, 
schmalen,  spitzwinkligen  Binde,  welche  nach  einwärts  von 
zerstreuten  bräunlichen  Schüppchen  eingegrenzt  wird. 

Vor  der  FlĂĽgclspitze  zeigt  sich  noch  ein  weisser  schiefer 
Strahl.      Unter    jener     Spitze    sammeln     sich     zum     Häufchen 


â– ')  Hier  bohitzl   iiuyer  Oiigiiial  oiueii  klehien  Mangel. 

Frey. 


•il7 

schwai'ze  SchĂĽ|jpcheu  an.  Andere  lialten  den  Dorsahand  ein. 
Franzen  ĂĽber  der  FlĂĽgelspitze  n)att  safran;  liier  mit  einzelnen 
dunkleren  SchĂĽppchen  belegt;  gegen  lien  Afte^\^'inkel  hin  hell 
gelbgrau. 

Hintertliigei   und  Franzen  hell  gelbgrau. 

•?<).    L.    Desmndiella   Hr.-Ci. 

Ausserordentlich  klein  (etwa  im  Ausniaa.-^se  dei'  Nept. 
Ijratiosella  .Sta.)  und  nicht  minder  prächtig.  Sehr  leiclii  keimt- 
iich  an  den  Kchinalen  VorderllĂĽgeln,  deren  Costalraad  nach 
mehr  als  zwei  Drittheilen  der  Flügellänge  eine  concave  Ein- 
buchtung zeigt,  so  dass  der  Spitzeutheil  vorspringt.  Es  isi 
dieses  ein  Flügelschnitl ,  ganz  unerhört  bei  unseren  europäischen 
Lithocolletiden. 

Kopf  dunkel  eizgläuzead  mit  lebhail  violettem  Schimmer; 
Stirn  tnid  Taster  eisengrau,  „graphitartig'"  :  die  Fühler  schwarz- 
braun mii  weisser  Spitze:  Beine  grau;  d^s  letzte  Paar  mit 
weissen  Dornen;   Hinierleib  dunkelgrau. 

Die  Farbe  von  Thorax  und  Vorderllügeln  ist  ein  präeh- 
tiges,  tiefes  dunkles  Safi-anbraun.  bei  manchen  Beleuchtungen 
röthlich  schimmernd.  Die  Zeichnungen  sind  ein  in  hoheiu 
Grade  leuchtendes  violett  tingirles  Silber.  Eine  gerade  Binde 
bei  einem  Yiertheil  der  Länge,  eine  zweite  ähidiehe  in  der 
Hälfte,  dann  in  drei  Viertheilen  zwei  derartige  Gegen lleckchen. 
In  der  Flügelspitze,  welche  durch  die  in  ihrer  Wurzelhälfte 
schwarzen  Franzen  ungemein  A'erdunkelt  ist.  liegen  ni^ch  einige 
SilberschĂĽppehen  als  zwei  kleine  Ansiinimlungen.  Franzen- 
••spitzen  hier  weiss.    Am  Afterwinkel  ^^■il•d  die  Befranzung  grau. 

HinterilĂĽgel  und  Franzen  dunkelgntu. 

Von  BoU  wurde  das  wunderschöne  Thierchen  bei  Dallas 
mehrfach  erzogen.  Nach  Brackenridge-Clemens  lebt  das  liäup- 
chen  im  Juli  und  zu  Beginn  des  Augustes  in  dem  Blatte  von 
Desmodium    viridillorum.      Von  Dallas,  häulia. 

;5(l.     L.    llnbiniclla    Br.-Ol. 

Ein  Exemplar  des  riiierchens  aus  Texas.  [Joch  köiuntc 
('S  auch  L.  Texanella  Z.  sein.  Leider,  da  Boll  das  Exemplar 
mitnahm,  kann  ich  die  Frage  nicht  imjhr  (Uitscheideii.  Im 
Uebrigen  lernte  ich  durch  Zeller's  GĂĽte  Jene  Robiniella,  eine 
ehrliche  Lithocollelis,  in  zwei  Burgess'schen  Exemplaren,  .-ichon 
frĂĽher  kennen. 

15* 


228 

Nepticula. 

31.    N.  Dallasiana  uov.  spec. 

In  der  Grösse  einer  grösseren  N.  Prunetorum  Sta.  Fühler 
schwarz  mit  weisser  Spitze,  Stirnsehopf  orangegelb,  Aiigen- 
deckel  gelblieh;  Thorax  glänzend  schwarzbraun  mit  einigen 
melallischen  Schüppchen^  Hinterleib  oberwärts  schwarzgrau, 
nach  unten  heller;  Beine  dunkelgrau;  die  Aussentheile  der 
letzteren  hellei-,  bleiartig  erglänzend.  Die  Vorderflügel  zeigen 
das  Colorit  der  europäischen  N.  Aurella  Haw.,  und  besitzen 
nach  drei  FünTlheilen  ihrer  Länge  eine  ziemlich  breite,  gerade, 
blassgoldene  Querbinde.  Die  FiĂĽgelspitze  ist  dunkel  violett- 
braun. Hier  liegen  einzelne  zerstreute  goldglänzende  Schüpp- 
chen, welche  der  viel  grösseren  europäischen  Aurella  mangeln. 
Franzen  dunkelgrau. 

Heller  grau  fallen  die  HinterflĂĽgel  mit  ihrer  Befran- 
zung  aus. 

Die  Mine  ist  ein  kleiner  Schlangengang,  welcher  am 
Blattrande  einer  kleinen  Rubus-Art  hinzieht.  Die  Kothlinie 
massig  breit;  doch  an  beiden  Seiten  hell  begrenzt.  Ausgangs- 
öflnung    etwa    von    doppelter  Breite.      Räupchen  gelbgrünlich. 

Die  Entwicklung  erfolgte  am  23.   März   1874- 

Von  Dallas  in  einem  Exemplare. 


229 


Synonymische  Miscellaneen, 

von 
Dr.  E.  Suffrian. 


XLn. 


Bei  ausgedehnteren  entomoldgischen  Arbeiten,  welche 
meist  ein  aussereuropäisches  Material  behandeln,  und  für 
welche  dieses  durch  BeihĂĽlfe  befreundeter  Fachgenossen  zu- 
sammengebracht werden  muss,  lassen  sich  IrrthĂĽmer  und 
Missverständnisse  besonders  bei  Angabe  der  Heimat  in  manchen 
Fällen  gar  nicht  vermeiden.  Und  wenn  schon  Männer  der 
Wissenschaft  von  Linne  und  Fabricius  herab  bis  auf  Schön- 
herr und  Sturm  diesem  Missgeschicke  nicht  haben  entgehen 
können,  so  dürfen  wir  Jüngeren  uns  nicht  darüber  beklagen, 
wenn  wir  manchmal  einem  gleichen  Schicksal  anheimfallen. 
Aber  nicht  immer  lassen  sich  solche  IrrthĂĽmer  so  leicht  be- 
richtigen, wie  es  mir  mit  dem  angeblich  südfranzösischen,  in 
der  That  aber  dem  nördlichen  Gebiete  der  nordamerikanischen 
Freistaaten  angehörigen  Crypt.  4signatus  Dej.  (E.  Z.  1868, 
S.  170),  und  mit  dem  vermeintlich  brasilianischen,  in  der  That 
aber  auf  der  Insel  Madagascar  lebenden  Crypt.  praeustus 
(Linn.   Bd.  XVI.,  S.    18)  geglĂĽckt  ist. 

In  manchen  Fällen  wird  man  auch  bei  augenscheinlich 
irrigen  Angaben  an  deren  Stelle  nur  Vermuthungen  setzen 
können,  deren  WahrscheinUchkeit  zu  beurtheilen  dem  subjec- 
tiven  Belieben  des  Lesers  anheimgestellt  bleibt.  Ich  habe  mir 
aus  meinen  früheren  Publicationen  einige  Fälle  der  Art  notirt, 
welche  ich  hier  mittheile. 

1.  Monachus  peregrinus  m.  aus  Nord-Sibirien  ist  voil 
mir  aus  Graf  Mannerheim's  Sammlung  in  der  Linnaea,  Bd.  VII, 
als  asiatischer  Käfer  (von  Jakutzk)  angeführt  und  beschrieben 
worden.  Der  Käfer  hat  sich  aber  nirgends  wieder  auffinden 
lassen.  Weder  in  Nordasien,  noch  in  den  gegenĂĽber  liegenden 
Landschaften  des  westlichen  Nordamerika  (dem  Faunengebietc" 
zwischen  dem  Felsengebirge  und  dem  Ost-Ocean)  kommt 
irgend  eine  Monachus- Art  vor,  und  es  liegt  daher  die  Ver- 
muthung  nahe,  dass  durch  eine  Verwechslung  hier  ein  frem- 
des Element  sich  in  die  Mannerheim'sche  Sammlung  verloren 
habe.  -    Am  meisten  gleicht  der  Käfer  nach  seiner  Grösse  und 


Färbung  dem  brasilianischen  IM.  hicolor  Fabr..  den  ich  auf- 
Fabricins"  cianci'  Sammlung  kenne  und  verglichen  habe,  und 
ich  veirnutlH'.  dass  (-in  Exemplar  dieser  Art  mit  irriger  Vater- 
landt^be/eichnung  in  Graf  MannerheimV  Sammlung  gerieth. 
Auch  C'hapuis  in  den  (lenera  8.  175  hält  dat-  Vorkommen 
eines  Mctnachus  in  Nordasien   fĂĽr  zweifelhaft. 

'2.  Cry  ptucephalus  sanguinolentus  Oliv,  aus  Guinea 
ist  von  mir  in  der  Liniraea  X.  als  asiatischer  Käfer  aufgeführt 
und  beschrieben  worden  nach  eineu)  ostiiidischen  StĂĽcke  im 
Berliner  Museum,  welches  so  noch  vom  Grafen  Hoffmanns- 
egg  benannt  w^n-den  war;  ich  setzte  dabei  voraus,  dass  sich 
der  Käfer  von  West-Afrika  aus  bis  nach  Ostindien  verbreiten 
könnte,  wesshalb  ich  ihn  in  der  Linnaea  XI.  auch  noch  als 
afrikanischen  Käfer  aufgeführt  habe.  Jetzt  aber  halle  ich  diese 
Ansicht  und  die  darauf  bezĂĽgliche  Note  S.  115  fĂĽr  irrig,  und 
die  Form  des  afrikanischen  Cr.  Lowii  mit  fast  schwarzen 
Deckschilden  für  den  echten  Olivierschen  Käfer,  zumal  ich 
in  der  Sammlung  des  verstorbenen  Achille  Deyrolle  ihn  unter 
diesem  Namen  vorgefunden  habe,  und  daraus  auf  eine  Pariser 
Tradition  folgern  kann,  aus  welcher  auf  die  Richtigkeit  dieser 
Benennung  zu  schliessen  ist.  Aus  dem  Verzeichniss  der  afri- 
kanischen Käfer  ist  daher  der  Crypt.  Lowii  wegzustreichen 
und  dieser  Name  in  Crypt.  sanguinolentus  Olivier  umzuändern; 
mein  bisheriger  oslindischer  Crypt.  sanguinolentus  muss  aber 
einen  neuen  Namen  ei-halten;  in  meiner  Sammlung  habe  ich 
ihn  als  Crypt.  lugens  bezeichnet.  Im  Museum  Deyrolle  fand 
ich^  von  ihm  auch  eine  Form  mit  ganz  schwarzen  Deckschilden. 

3.  Crypt.  Biliar dierii,  welchen  Fabricius  von  La  Bil- 
lardiere  selbst  erhalten  und  Olivier  aus  Bs.  Sammlung  beschrie- 
ben und  abgebildet  hat,  wird  von  beiden  ĂĽbereinstimmend  als 
australischer  Käfer  aufgeführt,  vi>n  Fabricius  speciell  als  in 
Neu-SĂĽd-Waics  einheimisch.  Beide  haben  diese  vVngabe  gewiss 
von  B.  selbst  erhalten,  und  ich  habe  sie  desshalb  auch  in 
meiner  Aibeit  ĂĽber  die  Australischen  Crypt.  in  der  Linnaea  XUI. 
mit  aufg-enommen;  aber  die  Cryptocephalus-Form,  w-elcher  diese 
Art  angelwirt.  isl  jenem  Erdtheil  durchaus  fremd,  auch  ist  der 
Käfer  in  den  zahlreichen  australischen  Insectensendungen  der 
letzten  Jahrzehnte,  welche  grossentheils  duix-h  meine  Hände 
gegangen  sind,  nie  wieder,  soviel  ich  weiss,  zum  Vorschein 
gekommen.  Wahrscheinlich  ist  durch  eine  Verwechslung  La 
Billardiere"s  die  an  verschiedenen  Orten  seiner  Reisen  ge- 
machte Ausheute  theilweise  vermengt  wcu-den,  und  dadurch 
diese  sonst  nur  auf  den  Sunda-Inseln  lebende  Art  unter  seine 
australischen  lnse<'ten  gerathen. 


231 


Weitere  Beiträge  zur  Gescliiclite  der 
Phylloxera. 


Unsere  neuem  Beobachtungen  ĂĽber  clie  Biologie  der  Gat- 
tung Phylloxera  bringen  uns  auf  so  sonderbare  SchlĂĽsse,  dass 
wir  sie  den  Lesern  der  Stett.  Zeitung  sogleich  mittheilen 
wollen,  damit  die  deutschen  Entomologen  zugleich  mit  den 
Franzosen  unsere  Ideen  vertheidigen    oder  bekämpfen  können. 

"Wir  haben  die  Ei  eben -Phylloxera  (Quercus,  cocci- 
nea,  corticalis)  als  Blattläuse  wandernd  von  einer  Eichenart 
zur  andern  dargestellt,  und  fanden  in  ihrer  Biologie  die  Stamm- 
mutter, dann  geflügelte  parthenogenetische  Töchter,  darauf 
ungeflügelte  parthenogenetische  Töchter,  und  wiederum  geflü- 
gelte Androphoren  und  Gynaecophoren  mit  sexuirten  Puppen  — 
alsdann  Männchen  und  Weibchen,  die  sich  begatteten  und  das 
grosse  Winter-Ei  hinterliessen.     Vergl.  Jahrg.    1875,    S.   358. 

Das  wäre  die  Biologie  der  Gattung  Phylloxera  oder  Eichen- 
Blattlaus  (Vaccuna  Hey  den).  —  Es  fehlen  uns  deutsche 
Beobachtungen  ĂĽber  die  LebensAveise  dieser  sonderbaren  Thiere. 

Ziemlich  verschieden  scheint  die  Geschichte  der  Reblaus 
zu  sein,  und  wir  möchten  gern  eine  neue  Gattung  daraus 
bilden,  und  zwar  „Rhizaphis",  wie  sie  Planchon  zuerst 
nannte. 

Die  zwei  runden  Narben  an  den  Fühlhörnern,  während 
Phylloxera  eine  runde  und  eine  längliche  Narbe  darbietet, 
könnten  einstweilen  als  Trennungs-Charakter  gelten. 

Biologie  ganz  verschieden  —  die  Stammmutter  existirt  auch, 
aber  parthenogenetische  geflĂĽgelte  Thiere  sind  nicht  vor- 
handen, dagegen  ungeflügelte  unterirdische  Läuse,  die  sich 
ewig  fortpflanzen  können,  wenn  ihnen  Wärme  und  Nahrung 
nicht  fehlt.  Aber  diese  unterirdische  ewige  Colonie  kann  auch 
wie  eine  Pflanze  blĂĽhen.  Die  Nymphe  ist  die  Blumenknospe, 
das  geflĂĽgelte  Thier  ist  die  Blume  selbst. 

Es  ist  nicht  wie  die  gewöhnlichen  Insecten  mit,  männlichen 
oder  weibhchen  Geschlechtsorganen  versehen,  aber  es  enthält, 
wie  eine  wahre  Blume,  eine  Samenkapsel  in  der  Form  einer 
grossen  weiblichen  Puppe,  und  dabei  eine  oder  zwei  kleinere 
männliche  Puppen,  die  die  Staul)fäden  der  Blume  ersetzen 
sollen  in  dem   Befruchtungs-Akt. 


'232 

Man  hat  diese  eiförmigen  Körper,  die  ich  Puppe  nenne, 
Eier  nennen  wollen.  Wer  hat  aber  je  Eier  gesehen,  die  unter 
einander  nicht  gleich  sind?  und  die  weibliche  Pup})e  ist  um 
^4  grösser  als  die  männliche.  Es  sind  mehrere  Puppen,  und 
diese  Verschiedenheit  in  der  Grösse  z,eigt  sich  sehr  oft  in  allen 
Insecten-Ordnungen. 

Nach  der  Begattung  legt  das  Weibchen  ein  einziges  grosses 
Ei  und  das  ist  das  wahre  Ei.  Es  giebt  nur  eins  in  jedem 
Insecten-Leben.  —  Die  kleineren  parthenogenetisclien  Sommer- 
Eier  sind  Zwiebeln  oder  Knollen  und  sind  dem  ächten  Eie 
was  die  KartofTeln  zu  den  Kartoffel-Samen  sind. 

Es  ist  zwar  nicht  sehr  erfreulich  fĂĽr  unsere  Weinbauer, 
es  scheint  mir  aber,  dass  die  unterirdischen  Legionen  der 
Rebläuse  unsterblich  sind  und  sich  beständig  fortpflanzen  wer- 
den, da  wo  der  Winter  sie  nicht  ganz  und  gar  vertilgen  wird. 
Bei  uns  (in  MontpeUier)  schlafen  sie  bloss  sanft  während 
4  oder  5  Monate,  erwachen  aber  sobald  die  Witterung  wär- 
mer wird,  und  sind  nach  einer  Häutung  wieder  ebenso  frisch 
und  munter  wie  im  vorigen  Jahre  und  legen  eben  so  viele 
])ai'thenogenetische  Eier   im  August  als  im  April. 

Es  ist  wahrhaftig  sehr  traurig,  es  scheint  mir  aber  so  zu 
sein.  Uebrigens  wissen  wir,  dass  in  den  Aphiden  eine  mehr- 
jährige parthenogenetische  Fortpflanzung  stattfinden  kann.  — 
Dasselbe  gilt  fĂĽr  die  Reblaus. 

Paris,  Anfang  März   1876. 

J.  Lichtenstein. 


233 


Beschreibung  einer  neuen  Enneamera 
(Chrysomelidae,  Sect.  Halticinae), 


von 
E.  V.  Harold. 


Unter  einer  Anzahl  Chrysomeliden  aus  Suinatra,  die  mii' 
Herr  C.  A.  Dohrn  kĂĽrzlich  zur  Ansicht  mittheilte,  hat  sich 
auch  eine  neue  Art  der  Gattung  Enneamera  (Nonarthra  "'•') 
Baly)  vorgefunden.  Bekanntlieh  ist  dieses  Genus  durch  die 
9-gliedrigen  Fühler  höchst  ausgezeichnet,  während  alle  übrigen 
lialticinen  ein  1 1 -gliedriges  FĂĽhlhorn  besitzen,  mit  alleiniger 
Ausnahme  von  Psylliodes,  wo  sich  nur  10  Glieder  linden. 
Es  ist  mein  Zweck,  durch  die  Beschreibung  der  gegenwärtigen 
Art  die  Aufmerksamkeit  auf  diese  scheinbar  unansehnlichen, 
durch  den  FĂĽhlerbau  aber  auch  noch  anderweitig  aberranten 
Thiere  hinzulenken,  von  denen  sich  wahrscheinlich  in  den 
Sammlungen  noch  mehrere  unbeschriebene  Species  betinden 
mögen. 

Enneamera  sumatrensis  (n.  sp.). 

Late  ovalis,  leviter  convexa,  nitida,  eoeruleo-nigra,  cljtris 
vage  punctulatis  violaceo-nigris ,  subtus  cum  pedibus  nigra, 
antennis  nigris,  articulis  tribus  basalibus  testaceis,  reliquis 
sensim  valde  dilatatis  et  depressis.    —  Long.   41/3  mill. 

Von  etwas  breit  eiförmiger  Gestalt,  nur  massig  gewölbt, 
glänzend,  schwarz,  Kopf  und  Halsschild  mit  starkem  bräunlich- 
grĂĽnen, die  FlĂĽgeldecken  mit  schwachem  violetten  Scheine. 
Der  Kopf  glatt,  der  Raum  zwischen  den  FĂĽhlern  nicht  gekielt, 
auch  fehlen  oberhalb  desselben  die  gewöhnlichen  Scheitel- 
beulchen,  dagegen  finden  sich  hier  drei  schwache  EindrĂĽcke : 
ein  länglicher  in  der  Mitte,  und  jederseits  daneben,  gerade 
oberhalb  der  Fühlerwurzel,  ein  punktförmiger.  Das  Halsschild 
sehr  klein  und  kurz,  nach  vorn  verschmälert,  glatt,  der  Hin- 
terrand bogig  gerundet.  Die  FlĂĽgeldecken  an  der  Basis  be- 
trächtlich breiter  als  das  Halsschild,  die  Schulterbeulen  massig 


*)  Den    Baly'schen   Gattungsnamen    Nonarthra    habe    ich   Col. 
Ilel't  XIII.  p.  185  abgeändert,  da  er  ala  vox  hybrida  nnziüässig  ist. 


234 

gewölbt,  sehr  fein  und  ziemlich  dicht  verworren  punktirt, 
der  Grund  ausserdem  höchst  fein  runzlig.  Die  Epipleuren 
vorn  breit,  aber  höchstens  bis  zur  Mitie  reichen r/.  Die  Unter- 
seite sammt  den  Beinen  schwarz,  dtiv  Hinterleib  und  die  stark 
aufgetriebenen  Hinterschenkei  etwas  bläulich  seheinend.  Die 
hinteren  Tarsen  etwas  oberhalb  des  Schienenendes  eingelenkt, 
dieses  am  unteren  Rande  mit  einem  Borstensaume.  Die  FĂĽhler 
kurz,  mir  wenig  ĂĽber  die  Schulterbeulen  hinausragend,  die 
drei  Wur/elglicder  gelb,  die  ĂĽbrigen  sechs  schwarz,  flach- 
gedrückt und  eine  starke  Keule  bildend,  GHed  4  —  5  breit 
dreieckig,  6  —  8  quer,  das  letzte  wieder  etwas  schmäler  und 
gerundel. 

Vaterland:   Sumatra  (Mus.    Dohrn). 

Die  beiden  anderen  bis  jetzt  bekannten  Arten  dieser 
Gattung  sind  von  Baly  im  Journ.  of  Ent.,  J.  1862,  p.  456, 
beschrieben  und  jedenfalls  durch  das  minder  verdickte  FĂĽhl- 
horn und  die  Färbung  wesentlich  verschieden.  Der  Vollstän- 
digkeit halber,  und  weil  das  genannte  englische  Werk  doch 
nur  Wenigen  zur  Hand  sein  dĂĽrfte,  theile  ich  auch  hier  die 
Diagnosen  derselben  nach   ihrem  Worilaute  mit. 

1.  E.  (Nonarthra)  variabilis:  Rotundato-ovata ,  modice 
convexa,  nitida;  pedibus  (femorum  posticorum  apice  excepto) 
flavo-albis;  supra  tlavo-alba;  antennis  extrorsum  fuscis,  verticis 
maculis  duabus,  scutello,  elytrorumque  fascia  lata  transversa 
baseos  extrorsum  abbreviata,  altera  vix  pone  medium  integra, 
sutura  postice  maculaque  apicali  nigris;  elytris  minutissime 
punctulatis.    —   Long   1 2/g  lin.     Northern  India. 

2.  E.  (Nonarthra)  ornata:  Rotnndato-ovata,  modice  con- 
vexa, nitida,  subtus  cum  antennis  (harum  basi  flava  excepta) 
nigra,  capite  thoraceque  testaceis,  pedibus  elytrisque  flavis, 
his  fascia  lata  basali  extrorsum  abbreviata  fasciaque  vix  pone 
medium  utrinque  abbreviata  nigris,  scutello  nigro,  tibiis  posti- 
cis  nigro-pectinatis.    —   Long,    l^/g  lin.     Penang. 


2:^.5 


Ueber  Cupido  Fylgia  Spängenberg. 

Seite  91  im  diesjährige»  Jahrgang  <lie^^er  Zeitung  be- 
f^chreibt  Herr  Dr.  Jacob  Spängenlierg  eint-  neue  Lyeaena  imtei' 
obigem  Namen.  Es  ist  dies  aiter  keine  neue  Lyeaena.  deren 
es  ĂĽberhaupt  in  Europa  wahrselieinhch  gar  keine  zu  entdecken 
giebt,  sondern  eine.  Aberration  der  Lyeaena  Chiron  Hufn.,  ohne 
weissen  Längsstrich  auf  der  Unterseite  der  HintertUigel,  welche 
ĂĽberall  vorzukommen  scheint,  wo  die  Stammart  [liegt.  Bei 
Berlin  fing  ich  sie  frĂĽher  gar  nicht  so  selten  und  von  den 
wenigen  L.  Chiron,  die  ich  im  vorigen  Jahre  bei  Amasia 
(Kleinasien)  ting,  zeigen  nur  ein  paar  StĂĽcke  diesen  weissen 
Längsstrich  deutlich.  Was  die  Augenflecke  anbetrifft,  die  auf 
den  Vorderflügeln  grösser  sein  sollen  als  auf  den  Hinterflügeln. 
so  ist  das  gar  kein  standhaftes  Merkmal  und  variirt  bei  den 
Lycaenen  ausserordentlich.  Ich  habe  einzelne  Lyc.  Chiron 
ohne  alle  Augenflecke  der  Unterseite,  nur  mit  dem  weissen 
Längsstrich  der  Hinterflügel.  Unter  manchen  andern  Aber- 
rationen von  L.  Chiron  habe  ich  auch  ein  StĂĽck,  das  auf  den 
VorderflĂĽgeln  ganz  augenlos  ist,  auf  den  HinterflĂĽgeln  dagegen 
sind  die  Augenflecke  in  lange,  dicke  schwarze  Striche  aus- 
gezogen, was  ja  auch  bei  andern  Lycaeniden  vork(»mmt. 
Jedenfalls  mag  man  den  Namen  Fylgia  als  Bezeichnung  dieser 
Aberration  beibehalten. 

Blasewitz-Dresden,   im  Februar   187fi. 

Dr.   (>.   Staudinger. 


Notiz. 

Herr  Friedr.  Stein  hat  in  der  Stettiner  Eni.  Ztg.,  Bd.  37, 
(1876)  Seite  54,  das  Weibchen  einer  Blattvii'espe  aus  Rumelien 
als  Amasis  concinna,  Mus.  Bei-ol,  beschrieben.  Dieselbe  Blatt- 
wespe habe  ich  bereits  im  Jahre  1852  in  derselben  Zeitung, 
Jahrg.  13,  S.  i(^6^  unter  den  Namen  Abi;i  mutabilis,  in  beiden 
Geschlechtern,  mit  6  Varietäten,  bekannt   gemacht. 

Wer  viele  Cimbiciden  untersucht  hat ,  dem  ist  es  bekannt, 
dass  Leach's  Eintheilung  nach  den  FĂĽhlerkolben  nicht  auf  ganz 
festen  FĂĽssen  steht,  da  die  Theilung  der  Kolbe  nicht  constant 
ist,  und  das  war  der  Grund,  wes.shalb  ich  bei  dem  umfas.sen- 
dern  Genus  Abia  stehen  blieb. 

Eutin,  den  22.  Februar   1876, 

Tischbein. 


236 


Sphinx  Atropos,  ein  europäischer 
Schmetterling, 

V(_(ll 

Gei-iclitsrath  JHieferstein. 


Als  in  Deutschland  resp.  Europa  heimisch  mĂĽssen  die- 
jenigen Schmetterlinge  angesehen  werden,  welche  in  der 
Freiheit  entweder  als  Ei,  Raupe,  Puppe  oder  vollkommenes 
Insekt  überwintern,  sich  im  nächsten  Frühjahr  oder  Sommer 
begatten  und  die  Art  fortpflanzen.  Zu  diesen  gehört  auch 
Sphinx  Atropos,  der  sogenannte  Todtenkopf,  der  als  Puppe 
theils  in  demselben  Herbste  den  Schmetterling  liefert,  theils 
überwintert,  wo  dann  im  nächsten  Frühjahr  das  vollkommene 
Insekt  erscheint. 

Herr  Landershauser  in  Schlotheim  hat  mir  die  Beobach- 
tung mitgetheilt,  dass  die  im  Herbst  ausschlĂĽpfenden  Falter 
keinen  Trieb  zur  Begattung  zeigen,  ja  dass  die  Weibchen 
keinen  Eierstock  und  die  Männchen  meistentheils  verkrüppelte 
Genitalien  besitzen,  so  dass  nur  die  ĂĽberwinternden  Puppen 
fortptlanzungsfähige  Schmetterlinge  liefern  können.  Die  aus- 
fĂĽhrlichsten Beobachtungen  ĂĽber  die  Lebensweise  dieses  Thieres 
hat  Borkhausen  angestellt;  er  constatirt  drei  Raupenvarietä- 
ten, hebt  hervor,  dass  die  Kartoffel  (Solanum  tuberosum)  deren 
liebste  Nahrung  abgebe,  so  dass  sie  sich  dieser  Pflanze  vor- 
zugsweise zuwenden,  und  bemerkt,  dass  nachdem  sie  sich  im 
Herbst  in  einer  Erdhöhle  verpu})pt,  der  Falter  entweder  noch 
in  demselben  Jahre,  drei  oder  vier  Wochen  nach  der  Ver- 
puppung, oder  im  nächsten  Frühjahre  erscheine. 

Scopoli  (Fauna  Carniolica,  i)ag.  185)  berichtet,  dass  eine 
Raupe  sich  schon  am.  21.  September  liehufs  Verwandlung  in 
die  Erde  gegraben  und  der  Falter  sich  am  10.  Juni  des  fol- 
genden Jahres  entwickelt  habe.  Herr  Dr.  KĂĽhn  (Naturforscher 
Stück  93  und  94)  erhielt  eine  Raupe  im  Spätherbst,  die  sich 
verpuppte  und  in  der  ersten  Maiwoche  des  folgenden  Jahres 
den  Schmetterling  lieferte.  Nach  Esper  bauet  sich  die  Raupe 
im  Herbst  ein  (lewölbe  unter  der  Erde,  verpuppt  sich  darin 
und  entwickelt  den  Schmetterling  entweder  nach  etwa  vier 
Wochen  im  August  oder  September,  oder  erst  im  nächsten 
FrĂĽhjahr. 


237 

Nach  Ochsenheimer  lebt  die  Raupe  von  Mitte  Juli  bis 
Ende  September  auf  Kaitoffeln,  Jasmin,  dem  gemeinen  Stech- 
apfel, Spindelbaum,  Bocksdorn,  gelben  Rüben,  Färberröthe  u.  s.  w., 
und  wird  in  einer  ausgewölbten  Erdhöhle  zu  einer  dunkelbrau- 
nen Puppe.  Daraus  entwickelt  sich  der  Schmetterling  entw^eder 
nach  drei  oder  vier  Wochen  oder  erst  im  Juni  des  folgenden 
Jahres;  auch  lag  bei  ihm  einst  eine  Puppe  eilf  und  einen  hal- 
ben Monat,  bevor  der  Schmetterling  auskroch.  Godart  endlich 
(histoire  naturelle  des  Lepidopteres  ou  Papillons  crepusculaires 
des  environs  de  Paris  1820,  pag.  21)  versichert,  dass  die 
Raupe  gegen  Ende  Juli  oder  Anfang  August  sich  behufs  der 
Verwandlung  in  die  Erde  grabe  und  den  Schmetterling  ent- 
weder Ende  September,  im  October  oder  im  Mai  des  folgenden 
Jahres  liefere. 

EigenthĂĽmlich  ist  es,  dass  bei  mir  keine  einzige  Puppe 
ĂĽberwintert  ist;  aus  allen  entwickelte  sich  noch  in  demselben 
Herbst  der  Schmetterling,  und  dasselbe  Resultat  haben  alle 
Lepidopterologen,  die  ich  mĂĽndlich  oder  schriftlich  desshalb 
befragte,  erzielt.  Es  scheint  daher,  dass  die  Art  und  Weise 
der  Behandlung  der  Puppe,  sowie  Witterung  und  climatische 
Verhältnisse  einen  wesentlichen  Einfluss  auf  die  Verwandlung 
ausüben.  Eine  Aufklärung  darüber  dürfte  ein  Brief  des 
Lepidopterensammlers  Herrn  Joh.  Pech  zu  Ofen,  I,  Mond- 
scheingasse Nr.  844  (den  ich  wegen  billiger  Preise  empfehlen 
kann)  herbeifĂĽhren.  Derselbe  schreibt  mir  unterm  11.  Februar 
1876:  „von  Atropos  habe  ich  etwa  30  Puppen  liegen,  jedoch 
„schlüpfen  dieselben  nie  im  Herbst,  sondern  nur  im  Sommer 
„bei  mir  aus.  Die  Raupe  ist  auf  Lycium  barbarum  und 
„Solanum  tuberosum  L.  gemein,  jedoch  erfordert  die  Zucht 
„grosse  Sorgfalt.  Noch  muss  ich  aber  des  Umstandes  er- 
„wähnen,  dass  die  im  Spätherbst,  d.  h.  im  October  gefundenen 
„Raupen  mir  noch  nie  einen  Falter  gaben.  Die  Ursache  mag 
„wohl  darin  liegen,  dass  die  Nächte  in  diesem  Monat  oft 
„schon  sehr  kalt  sind,  wesshalb  die  Raupen  kränkeln  und 
„gewöhnlich  noch  A'or  der  Verpui)pung  vertrocknen. '•• 

Aus  obiger  Zusammenstellung  lässt  sieh  wohl  der  un- 
zweifelhafte Sehluss  ziehen,  dass  dem  Sphinx  Atropos  das 
europäische  Bürgerrecht  nicht  abgesprochen  werden  kann. 
Auffällig  ist  es  daher,  wenn  eine  entomologische  Autorität, 
Herr  Dr.  Boisduval  zu  Paris,  in  seiner  Species  general  des 
le})idopteres  heteroceres  tome  I  Sphingides,  Sesiides,  Castniides 
Paris  1874  dem  Sphinx  Atropos  solches  abspricht.  Er  sagt 
pag.  6:  „Dieser  Sphinx  ist,  obwohl  man  es  allgemein  annimmt, 
„keines>\egs   in  Europa   heimisch.     In   heissen  Jahren  bringen 


„Süd-  und  Südwestwinde  denselben  zu  uns.  [n  unserm  Clima 
„begattet,  er  i?ich  und  giebt  Eine  Genoialion  im  Herbst, 
„während  er  in  Afrika  und  Asien  ohne  Unterbrechung  (das 
„ganze  Jahr  hindurcli)  (Msclicint.  Die  Puppen  bei  uns  ver- 
„Iroekneii  im  Winl»M'  luid  liei'ern  nie  einen  Sehmetter- 
„ling." 

OHenbar  hat  Herr  lioi.sihival  die  l)ei  »Spli.  Nerii  und  Celerio 
gen)aehtea  Beobaehtungen  und  Erfahrungen  aueh  auf  Hphinx 
Atropo«  bezogen,  indenj  die  Puppen  der  gedaeliten  Schwärmer 
in  Euro|)a  nie  ĂĽberwiuteiii.  Herr  Boisdaval  hat  e.s  nicht  der 
MĂĽiie  werth  erachtet,  die  Erfahrungen  deutscher  Entomologen 
zu  berĂĽcksichtigen,  Wddurch  t;r  iu  den  angezeigten  Irrthum 
verfallen  ist. 


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F.  Hauck,  Triest,  via  Rossetti  N.'  229. 


Nordamerikanische  Käfer, 

1870  in  ilvn  VVäMcni  Mis.souris  gesammelt,  tadellos  ui\d  be- 
stimmt, sind  fĂĽr  lleehnung  des  Sammlers,  bei  Einsendung  von 
.â– ;{  Thalern  pro  Centurie  von  30  bis  40  Arten,  abzugeben  durch 
den  IJntei'zeiidnieten.  Audi  einige  Hemipteren  zu  demselben 
Preise,  doch  unl)estimmt. 

Wernsdnrf  pi-r  Thanui    in  Ostpreus.sen,    im  Januar   1876. 

A.    Kuwert. 


?:;9 

Der  Unterzeichnete  hat  eine  Anzahl  Photographieen  des 
verewigten  Dr.  A.  W.  Herrich-öchaeffe  r  (Visitenkarten- 
Format)  anfertigen  lassen,  welche  er  den  Freunden  und  Ver- 
ehrern desselben  gern  im  Tauseh  gegen  die  ihrige  zur  Ver- 
tĂĽffuns;  stellt,  um  auf  diese  Weise  seinem  Album  auch  die 
Photographieen  solcher  Entomologen  zuzufĂĽhi-en,  mit  denen  er 
nicht  correspondirt.  Die  Photographieen  können  unter  Kreuz- 
band (3  Pf.)  gesendet  und  auf  demselben  Name  und  Adresse 
des  Absenders  angegeben  werden.  Oegensendung  erfolgt  Ende 
September.  Gegen  zwei  Photogr.  wird  auch  die  des  Unter- 
zeichneten eingesendet  und  die  zweite  dem  Entomologen-Album 
des  Berliner  entomologischen  Vereins  einverleibt. 

Dr.   G.   Kraatz,  Link-Str.   28.   Berlin. 


Coleopteren-Verkauf. 

Meine  sehr  werthvoUen  und  ausserordentlich  zahlreichen 
Doubletten  europäischer  Käfer,  wie  solche  sonst  wohl  Niemand 
besitzt,  wĂĽnsche  ich  im  Ganzen  zu  verkaufen.  Dieselben 
wurden  im  Verlauf  von  40  Jahren  theils  durch  mich  selbst 
gesammelt,  theils  von  vielen  anerkannten  Entomologen  ein- 
getauscht, sind  richtig  bestimmt,  rein  gehalten  und  frei  von 
Schimmel  und  Raubinsekten.  Sie  stammen  aus  fast  allen  Län- 
dern Europa\s,  namentlich  aus  Deutschland,  Oesterreich, 
Ungarn,  Russland,  Griechenland,  Italien,  Sardinien,  Corsica, 
Frankreich,  Spanien  und  Portugal.  Es  mag  deren  Zahl  sich 
auf  mehr  als  ^j^  Million  belaufen,  wovon  sicher  der  dritte 
Theil  zu  sehr  begehrten  Arten  gehört,  und  sind  dieselben  in 
72  grossen  Doppelkästen  von  Holz  enthalten.  Audi  2  Kästen 
mit  exotischen  Arten  sollen  dazu  gegeben  werden. 

Genannte  Doubletten  könnten  nach  meiner  Ansicht  auf 
dreierlei  Weise  gut  verwerthet  werden,  und  zwar  L,  wenn 
einige  Naturforscher,  obgleich  schon  im  Besitze  von  nicht 
unbedeutenden  Sammlungen,  dadurch  diese  vergrössei'ten  und 
verbesserten  und  den  Rest  zum  Tausch  verwendeten;  fl.  wenn 
Jemand  sie  in  Loose  vertheilte  und  auf  diese  Weise  verkaufte, 
und  ni.,  wenn  ein  Mann  sie  als  sichere  Rente  erwerben 
wollte,  um  davon  zu  verkaufen  und  mit  den  zahlreichen 
Doubletten  einzelner  Arten  zu  tauschen. 

Einen  Katalog  darĂĽber  herzustellen,  bin  ich  nicht  in  der 
Lage.    Kautlustige  müssten  die  Sammlung  persönlich  einsehen. 

Erlangen,  im  Februar   1876. 

Dr.  Willi.  Rosenhauer,  Universitäts-Professor, 


240 

In  Folge  bevorstehenden  Stellungswechsels  des  Besitzers, 
eines  der  ältesten  Entomologen  Wien"s,  sind  zu  verkaufen: 

Eine  Coleopteren-Sammlung.  circa  6000  Arten,  darunter 
3  —  400  Arten  Exoten,  in  einem  soliden,  auch  innen  pohrten 
Sammlungsschrank  mit  54  korkgefĂĽtterten,  mit  Glastafeln  ver- 
sehenen Kasten. 

Eine  Hemipteren-  und  eine  Homopteren-Lokal-Sammlung 
des  Wiener  Beckens,  —  erstere  in  5  netten  hölzernen  Dop])el- 
schachteln,  letztere  in  2  grossen  hĂĽbschen  einfachen  Schachteln. 

Preis  der  drei,  viele  tv})ische  Exemplare  enthaltenden 
Sammlungen  (san)mt  Schrank,  der  mindestens  150  tl.  "svertlO 
GOO  iL  i\.  W. 

Dann  circa  3500  Arten  Coleopteren-dupla  (dĂĽrften  mehr 
als  20.000  StĂĽcke  sein,  darunter  bei  200  StĂĽcke  Exoten) 
nach  dem  Systeme  geordnet  in  einem  älteren,  aber  gut  erhal- 
tenen Sammlungsschrank  mit  36  Laden,    —   und 

Hemipteren-,  sowie  Homopteren-Doubletten,  circa  3000 
bis  4000  StĂĽcke,  geordnet  in  7  grossen  Schachteln. 

Preis  sämmtlicher  Doubletten,  sammt  Kasten,  250  il.  ü.  W. 

Adresse :  Anton  von  Hoff  m  a  n  n  ,  Wien,  Wieden, 
Hauptstrasse  Nr.  7  (Hoftrakt  des  Hotel  zum  Lamm),  1.  Stiege, 
3.   Stock,  ThĂĽr  Nr.   8. 


Tnlialt: 

Vereins- Angelegenlieiton  S.  113.  Dohrn:  Exotisches  (Liberiana) 
S.  115.  Zwei  Longicornieu  S.  119.  Ptiliomachie  S.  127.  Grote: 
Nordamer.  Noctuiden  S.  134.  v.  Kalchbcrg:  Sicil.  Lepidoptcren  S.  138. 
lUirnieistcv:  Hymciiopt.  Mittheilungen  S.  151.  Schmiedekneclit: 
Ein  Ausllug.  S.  184.  ^'el•ci^s-Allgd.  S.  189.  Kassen-Absclüuss  8.  191. 
Uackliaiis:  Piippoiizuchl-Apparat  S.  192.  Welinckc:  Neue  Dytisci- 
dcii  S.  194.  Speyer:  Anzeige  von  Grotc's  Cliecli  List  S.  198.  IJiolog. 
Notiz  ĂĽber  L.  Redte nb acher  S.  205.  Keitter:  Camptodes  vittatus 
Er.  S.  2ĂśG.  Frey  u.  Boll:  Tineen  aus  Texas  S.  209.  Suffrian: 
Synonymische  Miscellanecn  ö.  229.  Lichtenstein:  über  Pliylloxera 
S.  231.  Y.  Harold:  Beschreibung  einer  neuen  Enneamera  S.  233.  Stau- 
dinger: Ueber  Cupido  Fylgia  S.  235.  Tischbein:  Notiz  S.  235. 
Keferstein:   Sphinx  Atropos    S.  23ĂĽ.     Intelligenz    S.  238. 


Ausgegeben  Anfangs  April. 


Eiitoiuolo^l^ehe  Keiliiiig; 


herausgegeben 

von  dem 


entomologischen  Vereioe  zu  Stettin. 

Redaction*  ^"^  Commission  bei  den  Buchhandl. 

C.  A.  Dohrn,  Vereins-Präsident,    v. E.S.Mittlerin BerUru.. Fr. Fleischer 

No.  7-  9.  37.  Jahrgang.  Juli- September  1876. 


Die  Argentinisclien  Arten  der  Gattung 
Trox  Fabr., 


von 
II.  Bui'iiieister. 


Ais  ich  vor  nunmehr  30  Jahren  mich  damit  l^eschäftigte, 
das  Material  fĂĽr  meine  Bearbeitung  der  Lamellicornien  zu- 
sammenzubringen, erhielt  ich  darunter  auch  eine  grosse  Anzahl 
von  Trox- Arten,  theils  direkt  von  Sammlern,  wie  den  Herren 
Drege,  Eckion,  Zimmermann  undPreiss,  theils  von  den 
Pariser  Händlern,  die  mich  nach  und  nach  mit  allen  Eingän- 
gen ihrer  grossen  Niederlagen  versahen.  —  Obgleich  meine 
speciellen  Studien  zunächst  den  Blumen-  und  Blätterfreunden 
dieser  grossen  Käferfamihe  zugewendet  waren,  so  nahm  ich 
doch  von  Zeit  zu. Zeit  auch  die  ĂĽbrigen  Gruppen  zur  Hand; 
besonders  wenn  frische  Sendungen  eintiafen  und  mich  ncUhig- 
ten,  das  empfangene  neue  Material  dem  frĂĽheren  beizuordnen, 
um  die  Uebersicht  des  Ganzen  nicht  aus  dem  Auge  zu  ver- 
heren. 

Von  Trox  hatte  ich  etwa  40  Arten  beisammen,  und  indem 
ich  dieselben  duix-hmusterte,  fiel  mir  die  grosse  Gleichförmig- 
keit ihres  Baues  und  die  Schwierigkeit  einer  scharfen  Grup- 
pirung  der  Arten  alsbald  auf,  -wobei  ich  die  Wahrnelnnung 
zu  machen  glaubte,  dass  es  zwar  nicht  scliwer  iialten  werde, 
die  einzelnen  Arten  scharf  von  einander  zu  unterscheiden, 
wohl    aber    eine    desto  schwiei'igere   Aufgal)e   bleiben   möchte, 

lĂĽ 


242 

sie  in  gut   uiiterscheidbare    und   sicher  festzustellende  Gruppen 
zu  bringen. 

Da  erschien  1847,  wie  ich  eben  den  5.  Band  meines 
Handbuches  der  Entomologie  abschloss,  Wiegmann's  Archiv, 
13.  Jahrg.,  I.  Bd.,  mit  dem  Aufsatz  von  Erichson  ĂĽber  die 
Käfer  Peru's,  und  darin  die  neue,  von  Trox  abgesonderte 
Gattung  Omorgus  (S.  111),  Avohin,  zu  meiner  nicht  geringen 
Ueberraschung,  ausser  dem  mir  wohlbekannten  Tr.  suberosus, 
eine  zweite  neue  Art  mit  abweichendem,  nicht  lanzenspitzen- 
förmigem.  Sehildchen  gebracht  AA'ird,  die  einigen  mir  vorliegen- 
den Arten  aus  Chili  und  dem  Argentiuer  Lande  sehr  nahe  zu 
kommen  schien;  ich  ging  alsbald  daian,  meine  Arten  genauer 
auf  die  angegebenen  Merkmale  zu  untersuchen,  und  kam 
schon  damals  zu  dem  Resultat,  dass  Avohl  relative  Verschieden- 
heiten an  den  zur  Charakteristik  der  Gattung  Omorgus  benutz- 
ten Organen,  dem  Unterkiefer  und  der  Unterlippe,  sich  nach- 
weisen lassen,  aber  eine  scharfe  Grenze  damit  zwischen  Trox 
und  Omorgus  zu  ziehen  nicht  möglich  sei.  Zwar  ist  die  Zunge 
etwas  mehr  vom  Kinn  abgesetzt,  bei  vielen  Ameiikanern,  als 
bei  den  Eui-opäern,  und  desshalb  weiter  vortretend  und  mehr 
hornig,  womit  auch  die  davon  abhängige  Länge  des  ersten 
Lippentastergliedes  hai-monirt;  aber  ich  fand  das  zweite  Haupt- 
merkmal, die  Beschatrenheit  des  KaustĂĽcks  der  Lhiterkiefer, 
nicht  anders  als  bei  gleich  grossen  Arten  aus  SĂĽd-Afrika, 
z.  B.  Tr.  horridus,  der  im  Gegentheil  die  Trennung  in  zw^ei 
Hauptzähne  und  die  Spaltung  des  oberen  in  zwei  Spitzen  deut- 
licher besitzt  als  Tr.  suberosus  oder  irgend  eine  andere  SĂĽd- 
amerikanische Art.  Besser  schien  mir  das  lanzenspitzenförmige 
Schildchen  als  Gruj)penmerkmal  sich  anwenden  zu  lassen,  aber 
auch  darin,  und  in  der  damit  zusammenfallenden  Absetzung 
der  Schildchenecke  des  Vorderrückens,  schien  mir  keine  völ- 
lige Uebereinstimmung  sich  herauszustellen.  Ich  fand  vielmehr 
bei  keiner  anderen  amerikanischen  Art,  als  nur  bei  Tr.  sube- 
rosus, beide  Eigenschaften  in  gleichem  Grade  der  Entwicklung 
wiedej",  sondern  vielmehr  eine  so  variable  Form  des  Schild- 
chens und  der  Schildchenecke  des  VorderrĂĽckens,  dass  ich 
davon  abstehen  musste,  einen  anderen  Werth,  als  nur  fĂĽr  die 
spezilische  Trennung  brauchbar,  auf  beide  zu  legen.  Selbst 
die  Neuholländer  und  Ostindier,  welche  dem  Tr.  suberosus 
in  diesem  Bau  am  näch.sten  kommen,  verhalten  sich  darin 
nicht  ganz  gleichÜirmig;  bald  ist  das  Schildchen  länger  als 
breit,  bald  eben  so  lang  wie  breit;  bald  der  Schildchenlappen 
des  Pronotums  gross  und  deutlich,  bald  undeutlich.  Am  ähn- 
lichsten  fand    ich,    alles    zu    allem    uerechnet.    Ti'.   costatus 


243 

Wiedem.  dem  Tr.  suberosus  in  dieser  Bildung;  eine  aui" 
den  ersten  Blick  ihm  sehr  fremde,  aber  bei  sorgfältiger  Ver- 
gleiehung  von  allen  übrigen  ihm  ähnhcliste  Art  der  ganzen 
Grruppe. 

Nachdem  ich  dies  Resultat  damals  gewonnen  hatte,  stand 
ich  von  der  weiteren  Verfolgung  der  Untersuchung  ab,  und 
bin  erst  Jetzl,  durch  die  A^or  3  Jahren  (1-872)  erschienene 
Arbeit  des  Herrn  Baron  v.  Harold  veianlasst  Avorden,  den 
Gegenstand,  behufs  der  genaueren  Beslimmung  der  Arten  des 
La  Plata-Gebietes,  wieder  aufzunehmen.  Icli  erwartete  in 
dieser  auf  ein  sehr  reiches  Material  gegrĂĽndeten  und  scheinbar 
den  gesammten  Stoff'  vollständig  bewältigenden  Monographie 
zuvörderst  eine  endgültige  Entscheidung  über  die  von  Erich- 
son  verursachte  Trennung  der  Gruppe  in  mehrere  Gattungen, 
und  wenn  die  nicht  stichhaltig  befunden  war,  was  die  gleiche 
Benennung  aller  Arten  als  Trox  mir  anzudeuten  schien,  wenig- 
stens eine  ĂĽbersichtliche  Gruppirung  der  Arten  in  passende 
Abtheilungen  nach  ihren  gemeinsamen  Merkmalen  und  Eigen- 
schaften. Aber  weder  das  Eine  noch  das  Andere  habe  ieli 
darin  gefunden.  —  Ich  hatte  es  mir,  bei  meinen  eutomolo- 
gisehen  Studien,  stets  als  Aufgabe  des  wissenschafthchen  Mono- 
graphen  vorgestellt,  dass,  nachdem  er  ihren  ersten  Theil,  d.  h. 
die  Unterscheidung  der  Species,  fĂĽr  sich  zu  Stande  gebracht 
habe,  nun  auch  der  zweite  Theil,  ihre  ĂĽbersichtliche  Grup- 
pirung in  Ahtheilungen,  vorzunehmen  sei,  um  durch  die 
glĂĽckhche  und  geschickte  AusfĂĽhrung  dieses  zM^eiten  Theils 
seine  Arbeit  leicht  verständlich,  übersichtlich  und  völlig  zu- 
gänglich für  Andere  zu  machen.  Aber  ich  hab^  nur  bei 
wenigen  meiner  Herren  CoUegen  Verständniss  für  diesen  zwei- 
ten Theil  ihrer  Aufgabe  gefunden,  indem  die  meisten  es  dem 
Leser  ĂĽberlassen,  sich  nach  mĂĽhsamem  Durcharbeiten  durch 
den  massenhaften  Inhalt  eine  solche  Uebersicht  selbst  zu  ver- 
schaffen. Wer  kann  heutzutage  noch  einen  Curculioniden 
schnell  und  sicher  bestimmen?  —  wer  überhaupt  eine  Species 
von  jedem  Genus,  dessen  Menge  an  die  Hunderte  und  darĂĽber 
hinausgeht? 

Indessen  hat  jeder  einzelne  Forscher  mehr  oder  weniger 
seine  eigene  Art,  und  ich -weiss  sehr  wohl,  dass  es  verschie- 
dene Wege  giebt,  die  zum  Ziele  fĂĽhren,  will  also  mit  Anderen 
nicht  um  ihre  Wege  rechten,  obgleich  ich  sie  zum  Theil  fĂĽr 
Umwege  halten  muss;  ich  bescheide  mich  gern,  den  Fleiss 
anzuerkennen,  der  in  jeder  mit  Sorgfalt  ausgefĂĽhrten  Mono- 
graphie sich  ausspricht,  weini  ich  auch  manchmal  yelie,  dass 
solcher  Fleiss    mehr    auf  Nebendinge,    als  auf  die  Hauptsache 


244 

verweinlct  -wurde.  So  f^clicinl  mir  /.  B.  der  kurze  Satz;  am 
Schluss  von  S.  4,  der  ĂĽber  Erielisou's  Gattung  Omorgus  den 
Stab  bricht,  nicht  gehörig  inotivirt;  der  Herr  Verfasser  hätte 
sich  weiter  ĂĽber  diesen  Gegenstand  auslassen,  alle  ihm  selber 
gehörigen,  in  mehreren  Stücken  vorliegenden  Arten  auf  die 
beregten  Charaktere  ])rĂĽfen  und  dem  Leser  seine  Resultate 
mittlieilen  mĂĽssen.  Es  genĂĽgt  nicht,  diese  Untersuchung  mit 
dem  S.  6  oben  angefĂĽhrten  Vergleich  der  Beschreibung  der 
Unterkiefer  von  Latreille,  Mulsant,  Erichson  und  Red- 
te nb  ach  er  abzuweisen;  denn  die  3  erstgenannten  Entomologen 
sasen  ziemlich  dasselbe,  und  nur  der  vierte  etwas  anderes 
aber  Falsches. 

Dass  Herr  Baron  v.  Harold  die  Beschreibungen  der 
anderen  drei  für  widersprechend  hält,  rührt  nur  daher,  weil 
er  sie  nicht  gehörig  sich  ausgelegt  hat;  bringt  man  sie  unter 
die  gleiche  Terminologie,  so  lauten  sie  auch  gleich.  Ich  will 
das  darthun,  um  daran  nachzuweisen,  wie  grossen  Werth  eine 
scharfe  und  sichere  Bezeichnung  der  Theile  an  sich  hat,  muss 
aber  leider  zu  dem  Zweck  w^eit  ausholen. 

Der  Unterkiefer  aller  Käfer  ist  aus  sechs  verschiedenen 
StĂĽcken  zusammengesetzt,  die  ich: 

1.  Angel,  cardo, 

2.  Stiel  oder  Träger,  stipes, 

3.  KaustĂĽck,  mando, 

4.  Tasterschuppe,  squama  palpifera, 

5.  Helm,  galea,  und 

6.  Taster,  palpus, 

nenne  und  namentlich  in  den  Abbildungen  zu  meinen  Genera 
quaed.  Insect.  scharf  bezeichnet  und  vorgelegt  habe. 

In  den  gewöhnhchen,  meistens  zu  kleinen  Abbildungen, 
pflegt  die  Angel,  womit  der  Kiefer  an  die  Kehlbedeckungen 
gelenkt,  zu  fehlen,  weil  sie  abbrach  beim  Herausholen.  Stiel, 
Tasterschupj)e  und  KaustĂĽck  werden  nur  selten  untej-schie- 
den,  weil  sie  innig  mit  einander  verwachsen  sind;  jener,  der 
meist  dreieckige  Stiel,  liegt  frei  nach  aussen,  die  Tasterschuppe 
nach  oben,  gegen  die  Oberkiefer  zu  und  trägt  den  Taster  am 
äussersten  vorderen  Ende;  das  Kaustück  nach  unten  gegen  die 
Unterlippe  gewendet,  sich  an  dieselbe  anlehnend.  Sein  oberes 
Ende  ist  sehr  verschiedeii  gestaltet,  geht  aber  bei  den  Insek- 
ten mit  harten,  hornigen  Zähnen  gewöhnlich  in  diese  Zähne 
aus,  und  heisst  desshalb,  da  dieselben  zum  Kauen,  wenigstens 
AusdrĂĽcken     oder     Zer(|uetschen     iler     Nahrung     dienen,     das 


245 

KaustĂĽck  (mando).  ""')  Bei  Trox  nun  ist  dies  obere  Ende 
stets  in  zwei  deutlich  getrennte  hakige  Zähne  getheilt,  von 
denen  der  untere  kleinere  einfach  zu  sein  pflegt,  der  obere 
längere  gespalten.  Das  fünfte  Stück,  der  sogenannte  Helm, 
erhielt  diesen  Namen  von  Fabricius,  der  es  so  bei  den 
Orthopteren  benannte,  weil  es  als  Kappe  helmformig  auf  die 
Zähne  des  Kaustücks  sich  legt;  es  kommt  bei  den  Käfern 
unter  sehr  verschiedener  Form  vor,  besteht  aber  in  der  Regel 
aus  zwei  Gliedern,  die  bald  breitlappig,  weich  und  häutig, 
mit  Haaren  bekleidet  sind,  bald  hornig  oder  als  fadenförmiger 
Taster,  wie  bei  den  Carabicinen ,  auftreten.  Diese  Fadenform 
ist  die  ursprĂĽngliche  und  einfachere,  wie  der  Vergleich  mit 
den  äussern  Kiefern  der  Crustaceen  lehrt,  und  daher  heisst 
dieser  Theil  auch  innerer  Taster  (palpus  internus"),  zum  Un- 
terschiede von  dem  äusseren,  der  an  der  Tasterschuppe  sitzt. 
Latreille  gebraucht  dafĂĽr  keinen  besonderen  Namen;  Erich- 
son,  der  stets  sich  bemĂĽhte,  meiner  Auffassung  entgegenzu- 
treten, nennt  beide  Theile,  d.  h.  galea  und  mando,  mit  dem- 
selben Wort,  und  unterscheidet  das  KaustĂĽck  als  innere 
Lade,  den  Helm  als  äussere;  Mulsant  macht  es  ebenso,  beide 
Theile  nennt  er  lobes,  sie  als  superieur  und  inferieur  unter- 
scheidend; auch  Redtenbacher  bezeichnet  sie  als  Lappen. 
Latreille's  Beschreibung  des  Unterkiefers  von  Trox  lautet: 
Les  mächoires  sont  terminees  par  une  portion  coriacee  ou 
presque  membraneuse  (unsere  galea);  elles  ont  ici  et  au  cöte 
interne  (unsei-  mando)  un  crochet  ecailleux.  Darin  befindet 
sich  ein  Beobachtungsfehler,  denn  die  portion  coriacee  hat 
keinen  hornigen  Zahn,  sondern  die  cote  interne  deren  zwei. 
Dies  hat  Mulsant  richtig  gesehen  und  angegeben,  indem  er 
von  dem  lobe  inferieur  sagt,  dass  er  zwei  hornige  Zähne 
habe.  Erich  so n  spricht  genau  dasselbe  aus,  wenn  er  die 
innere  Lade  in  der  Mitte  mit  einem  einfachen,  an  der  Spitze 
gewöhnlich  mit  einem  dreizackigen  '"')  Haken  bewaffnet  sein 
lässt;  —  Redtenbacher  aber  hat  ganz  falsch  beobachtet, 
und  den  Bau  vöHig  verkehrt  angegeben,  wenn  er  sagt,  dass 
der  äussere  Lappen  an  der  Spitze  mit  einem  Zahn  versehen 
sei;    denn  dieser  äussere  grössere  Lappen  (die  galea)  hat  gar 


*)  Bei  vielen  Lamellicornien ,  z.  B.  Goliathiden ,  Dynastiden,  Mc- 
lolonthiden ,  ist  aucli  die  galea  hornig  und  gezähnt;  übrigens  aber  in 
der  Regel  zahnlos. 

*'')  Dreizackig  liabc  ich  den  oberen  Zahn  des  KanstĂĽcks  nirgenrls 
gesellen,  sondern  nni'  zweizackig;  es  scheint  jene  Angabe  ein  Schreib- 
fehler zu  sein. 


24H 

keinen  Z.ilm,  sondern  trägt  bloss  Haare,  und  der  innere  klei- 
neie  LajtpL'n  ist  mit  zwei  grossen  Zähnen  versehen,  die  von 
langen  Haaren   umgeben  und  zum  Theil  versteckt  sind. 

So  viel  Worte  gehciren  dazu,  um  die  Angaben  von  vier 
Beobachtei-n  vergleichend  darzustellen  und  die  dabei  vorge- 
kommenen IrrthĂĽmer  des  einen  oder  anderen  klar  und  ver- 
sliindlich  nachzuweisen.  Ich  will  es  dabei  bewenden  lassen 
und  nicht  mehr  von  meinen  Vorgängern  reden,  sondern  meine 
eigenen  Resultate  vortragen,  indem  ich  genugsam  durch  Mie- 
derholte Erlahrungen  mich  ĂĽberzeugt  habe,  dass  der  Geist 
des  Widerspruchs  mehr  Anhänger  und  Freunde  hat,  als  der 
des  Bestrebens,  sich  zu  verständigen  und  auf  fremde  Ansichten 
liebevoll  einzugehen;  zumal  wenn  es  sich  um  die  Reduction 
isolirter  Erscheinungen  handelt,  Mas  natĂĽrlich  weitere  Blicke, 
als  auf  die  blosse  Formbetrachtung  gerichtete,   verlangt. 

In  Herrn  Baron  v.  Harold's  Monographie  erscheinen  unter 
den  93  Arten,  die  er  beschreibt,  12  aus  dem  La  Plata-Gebiet, 
das .  sich  dadurch  als  ein  reich  mit  Trox  gesegnetes  Land 
hci-ausstellt.  Mittel-Europa  beherbergt,  nach  Erichson's  Kä- 
Icrn  Deutschland"s,  nur  6  Arten,  und  seine  Mediterranfauna 
iiinzugercchnet  kommen  nur  10  heraus;  die  Ostseite  des  Mit- 
Iclmeers,  M'ie  Aegjpten,  Sj-rien,  Klein- Asien,  wozu  auch 
Arabien  als  Theil  gebracht  werden  muss,  ist  auch  nur  durch 
6  eigenlhĂĽmliche  Arten  vertreten;  Mittelasien  (Tartarei  und 
Mongolei)  gar  nur  durch  3;  SĂĽdostasien  (China,  Bengalen, 
Ceylon  luid  die  Sunda-Inseln)  Aveist  8  Arten  auf.  Die  reichsten 
Welttheile  an  Trox-Arten  sind  Afrika,  Amerika  und  Austra- 
lien. Jener  Welttheil  beherbergt,  sĂĽdlich  von  der  Sahara,  im 
Ti-opengebiet  8  Arten,  und  sĂĽdlich  von  den  Tropen  noch  13 
Species.  Amerika  M'eist  im  Ganzen  36  Arten  nach,  wovon 
12  dem  Norden  ausserhalb  der  Tropen,  16  dem  SĂĽden  der- 
selben Zone,  die  ĂĽbrigen  auf  das  Tropengebiet  Brasilien's, 
Peru's  und  die  westlichen  Gegenden  bis  Mexico  hinauf  ver- 
t heilt  sind.  Australien  endlich  bewohnen  etwa  1  Dutzend  sehr 
eigenlhĂĽmlicher  Arten.  Hiernach  ist  also  das  La  Plata-Gebiet, 
mit  Einschhiss  der  Nachbarländer  von  Chili  und  Patagonien, 
die  j-eichste  Fundstätte  für  Trox-Arten;  12  der  bekannten  16 
Arten  leben  davon  auf  der  Ostseite  der  Cordilleren,  und  nur 
4  auf  der  Westseite. 

Die  12  Arten,  welche  Herr  v.  Harold  aus  den  Pampas 
und  aus  Palagonien  aufluhrt,  liegen  mir  fast  sämmtUch  vor; 
ich  hatte  die  meisten  auf  meinen  Reisen,  lange  bevor  mein 
Freund  Strobel  ir.ich  Buenos  Aires  kam,  zusammengebracht, 
aller  bei  iiiciiicr  Abneigung  gegen  Speciesmacherei  und  Prendre- 


247 

date-Literatiir,  ■')  nicht  besprechen  mögen,  es  mir  vorbehaltend, 
mein  entomologisches  Material  im  Zusammenhange  zu  bear- 
beiten. Andere  Studien  haben  mich  bisher  nicht  dazu  kommen 
lassen;  erst  jetzt,  wo  die  Entomologia  Argentina  allmälig  als 
BedĂĽrfniss  an  mich  herantritt,  habe  ich  angefangen,  einzelne 
Familien  abzuhandeln,  unter  den  Käfern  mit  den  Lamellicor- 
nien  auch  diesmal  den  Anfang  machend.  Davon  lege  ich ,  als 
Fortsetzung,  die  hiesigen  Trox-Arten  in  meiner  Darstellungs- 
weise jetzt  vor  und  bespreche  schliesslich  auch  die  anderen 
mir  zugänglichen  Arten. 

Unter  den  12  Arten  des  La  Plata-Gebietes,  die  sämmt- 
lich  zur  Gattung  Omorgus  nach  Erichson,  gehören,  sondern 
sich  zuvörderst  Tr.  suberosus  (no.  55)  und  Tr.  ciliatus 
(no.  50)  durch  die  Form  des  Schildchens  und  des  Basal- 
Lappens  am  Pronotum  vor  demselben  von  den  ĂĽbrigen  etAvas 
bestimmter  ab;  keine  andere  Species  hat  genau  dieselbe  Be- 
schaifenheit  beider  Körpertheile,  obgleich  sie  unter  sich  darin 
nicht  völlig  übereinstimmen. 

Am  nächsten  kommt  dem  Tr.  suberosus  der  Tr.  pilu- 
larius  Germar's  (no.  66),  dessen  Schildchen  indessen  mehr 
herzförmig  als  spiessförmig  sich  ausnimmt,  und  dessen  Schild- 
chenecke am  Pronotum  kĂĽrzer  und  weniger  deutlich  abgesetzt 
ist.  Mit  ihm  harmonirt  ziemlich  genau  Tr.  aeger  Guer. 
(no.  61)  (Tr.  leprosus  Blanch.);  —  etwas  weiter  entfernt 
sich  der  Tr.  gemmifer  Blanch.  (no.  71)  davon,  kann  aber 
fĂĽglich  nur  in  dieselbe  Gruppe  mit  Tr.  pilularius  und  Tr. 
aeger  gebracht  werden. 

Eine  andere  Reihe  von  Arten,  als  deren  ausgebildetste 
Form  der  Tr.  pastillarius  Har.  (no.  14)  anzusehen  i.st,  hat 
ein  viel  kleineres,  kĂĽrzeres,  fast  dreieckiges  Schildchen,  und 
statt  des  mittleren,  besonders  abgesetzten  Lappens  am  Rande 
des  Pronotums,  vor  dem  Schildchen,  einen  ĂĽbei-  den  ganzen 
Hinterrand  desselben  gleichförmig  ausgedehnten,  bogenförmigen 
Saum,  der  freilich  in  der  Mitte,  gerade  vor  dem  Schildchen, 
am  breitesten  ist,  aber  nicht  mit  einer  besonderen  Ecke 
lappenförmig  hervortritt.  Dahin  gehört  ferner:  Tr.  patago- 
nicus  Blanch.,  den  Herr  v.  Harold  nicht  gekannt  hat; 
dessen  Tr.  pedestris  (no.  59)  und  dessen  Tv.  argentinus 
(no.   68),  der  dem  vorigen  am  nächsten  kommt. 


*)  Zur  Rechtfertigung  fĂĽhre  ich  Ciivier's  Worte  hier  an:  Pour 
moi  je  n'irai  pas  augmenter  le  nombre  de  ces  nomenclateurs.  qui 
ressemblent  ä  des  pilotes  vogiiant  en  pleine  raer  saus  boussole  et  sana 
etoile. 


248 

Am  meisten  isolirt  von  allen  anderen  steht  Tr.  eil  latus 
Blanch.  (no.  50),  obgleich  die  Art  das  spiessförmige  Schild- 
chen und  die  Schikichenkappe  am  Pronotum  von  Tr.  subero- 
sus  sehr  deutlich  besitzt  und  selbst  in  der  Anlage  der  FlĂĽgel- 
decken-Sculptur  sich  ihm  nähert. 

Endlich  den  Tr.  Bor r ei  (no.  34)  desselben  Verfassers, 
von  Montevideo,  kenne  ich  nicht;  er  kommt  im  Argentiner 
Lande  nicht  vor  und  mag  nordwärts  über  Rio  Grande  nach 
Brasilien  hinein  sich  verbreiten. 

Von  allen  diesen  Arten  habe  ich  die  Mundtheile  unter- 
sucht und  Folgendes  daran  wahrgenommen: 

Die  Ober-  und  Unterkiefer  zeigen  keine  Verschieden- 
heiten bei  den  untersuchten  Arten;  erstere  sind  kurz,  dick, 
mit  einem  scharfen  schneidenden  Rande  A^or  der  etwas  ein- 
gebogenen Spitze  versehen;  an  der  Basis  haben  sie,  unter 
diesem  Rande,  einen  schmalen  häutigen  Saum,  und  dahinter 
einen  breiten,  ziemlich  runden,  etwas  vertieften,  glatten 
Mahlzahn. 

Die  Unterkiefer  bestehen  sehr  deutlich  aus  den  sechs 
früher  angegebenen  Stücken,  von  denen  der  völlig  abgeson- 
derie,  nach  aussen  gerundete,  nach  innen  in  einen  spitzigen 
Winkel  endende  Helm  aus  2  Gliedern  besteht,  deren  erstes 
klein  und  fast  naptförmig  gestaltet  ist.  Der  Aussenrand  des 
zweiten  Gliedes  ist  mit  langen,  steifen,  hakig  einwärts  gebo- 
genen Boi'sten  besetzt,  die  so  dicht  mit  den  Spitzen  aneinander 
slossen,  dass  sie  einem  soliden  Zahn  ähneln  und  erst  bei 
scharfer  Vergrösserung  als  gesonderte  Borsten  sich  zu  erken- 
nen geben.  Das  Kaustück  geht  in  zwei  scharfe,  hakenförmig 
nach  innen  gebogene  Zähne  aus,  von  denen  der  obere  ge- 
spalten ist  und  bald  sehr  scharfe  gleichlange  Spitzen  hat  (l)ei 
Tr.  suberosus),  bald  ungleich  lange,  etwas  stumpfere  (bei 
Tr.  i)atagonicus).  Lange  aber  feine  Borsten  umgeben  die 
Zähne  auf  der  Oberseite,  aus  denen  aber  die  Spitzen  frei  her- 
von-agen.  Das  erste  Glied  der  Kiefertaster  ist  klein;  das  zweite 
kaum  etwas  länger  als  das  dritte,  abei-  dicker;  das  vierte 
ziemlich  lang,   etwas  spindelförmig. 

Die  Unterlippe  besteht  aus  einer  ziemlich  quadratischen, 
nach  der  Basis  zu  schmäleren,  am  Endrande  ausgebuchteten, 
an  den  Seitenrändern  etwas  auswärts  gebogenen,  auf  der  Mitte 
nach  unten  leicht  vei'tieften  und  mit  langen  Borsten  besetzten 
Kinnj)]atte.  woi-an  nach  innen  die  lederharte,  leicht  zweilappige 
Zunge  sitzt,  deren  Milte  mehr  oder  weniger  hornig  zu  sein 
))llegt.  Daran  haften  die  3-gliedrigen  Taster,  dei-en  erstes 
Glied  allerdings    beträchtlich    länger    ist ,    als  das  selir  kleine 


249 

zweite.  Die  Zunge  ist  nur  lose  mit  dem  Kinn  verwachsen 
und  ĂĽberragt  dessen  Endrand  etwas,  bald  mehr,  bald  weniger, 
ohne  bestimmte  Regel. 

Hiernach  ist  die  Unterscheidung  von  Omorgus  und  Trox 
kaum  haltbar;  denn  obgleich  Erichson  angiebt,  dass  der  obere 
Zahn  des  Kaustückes  bei  Trox  gewöhnlich  drei  Endzähne 
habe,  so  fĂĽhrt  er  doch  selbst  (Nat.  d.  Ins.  Deutschi.,  III., 
S.  926,  in  der  Note)  an,  dass  der  afrikanische  Tr.  luridus 
deren  nur  zwei  besitze,  und  nicht  mehr  sehe  ich  auch  bei 
Tr.  horridus  und  anderen  Arten  desselben  Gebietes.  Völhg 
relativ  ist  das  Vortreten  der  Zunge  ĂĽber  das  Kinn,  denn  das 
erstreckt  sich  nur  auf  ein  Minimum  und  ist  ĂĽberhaupt  zu 
unbedeutend,  um  darauf  eine  Gattung  zu  grĂĽnden. 

Nicht  anders  verhält  es  sich  mit  den  accessorischen  Gat- 
tungsmerkmalen, welche  er  in  der  Naturg.  d.  Ins.  Deutschi, 
(in.,  S.  925,  Note  1)  auffĂĽhrt;  dass  das  Halsschild,  wie  er 
sagt  (nach  meiner  Terminologie :  der  VorderrĂĽcken),  ohne  Bor- 
stenwimpern bei  Omorgus  sei,  ist  unrichtig;  Tr.  suberosus, 
den  er  als  Art  dahin  zieht,  hat  einen  sehr  deuthchen,  bei 
frischen  StĂĽcken  sogar  dichten  Wimpernsaum  an  den  Seiten 
bis  zum  Ausschnitt  an  der  Hinterecke;  und  eine  andere  dahin 
gehörige  Art,  welche  er  freilich  nicht  gekannt  hat,  Tr.  cilia- 
tus  Blch.,  besitzt  den  längsten  und  dichtesten  Wimpernsaum 
von  allen.  Ebenso  verhält  es  sich  mit  den  angeblich  ausge- 
buchteten Schulterecken;  so  deutlich,  wie  bei  Tr.  suberosus, 
findet  sich  ein  solcher  Ausschnitt  neben  der  Schulterecke  bei 
keiner  zweiten  Species  und  den  meisten  fehlt  er.  Erichson 
hat  wahrscheinlich  damit  andeuten  wollen,  dass  die  Schulter- 
ecken des  VorderrĂĽckens  bei  Omorgus  nicht  an  die  der  FlĂĽgel- 
decken stossen,  wie  bei  den  ächten  Trox- Arten  (Tr.  suberosus 
und  Verwandte),  sondern  davon  weit  abstehen.  Wenn  er  das 
angeben  wollte,  so  musste  er  sich  klarer  ausdrĂĽcken.  Aber 
selbst  in  dem  Fall  wĂĽrde  er  nichts  besonderes  fĂĽr  seine  Gat- 
tung Trox  damit  gesagt  haben,  denn  Tr.  horridus,  welchen 
er  dahin  rechnet,  zeigt  die  Absetzung  der  Schulterecken  des 
Pronotums  von  denen  der  FlĂĽgeldecken  deutlicher  als  irgend 
eine  Art  Amerika's  oder  Neu-Hollands.  —  Endlich  der  Unter- 
schied in  der  Glätte  der  Augen  bedeutet  gar  nichts,  weil  er 
völlig  relativ  ist. 

Da  in  den  Schriften  der  Herren  Erichson  und  v.  Harold 
der  übrige  gesammte  Körperbau  von  Trox  zur  Genüge  ge- 
schildert ist,  so  will  ich  darauf  nicht  weiter  eingehen,  sondern 
nunmehr  die  hiesigen  Arten  unmittelbar  folgen  lassen.  Zu 
den  12,   welche  Hr.   v.  Harold  auffĂĽhrt,  kann  ich  noch  einige 


250 

neue  hinzufĂĽgen,  muss  aber  eingestehen,  dass  mir  2  der  dort 
beschriebenen  nicht  vorliegen,  die  ich  daher  als  zweifelhafte 
zwar  mit  autluhren,  aber  nicht  weiter  besprechen  werde. 

Zuvörderst  bringe  ich  die  argentinischen  Arten,  nach  der 
Form  des  Hinterrandes  am  Pronotum,  in  zwei  Hauptgruppen, 
je  nachdem  derselbe  einfach  gebogen,  oder  in  der  Mitte, 
vor  dem  Schildchen,  winkelig  geknickt  ist. 

1.  Hinterer  Rand  des  Pronotums  abgerundet,  einfach 
gebogen,  ohne  Spur  eines  Winkels  vor  dem  Schild- 
chen. FlĂĽgeldecken  verwachsen;  keine  FlĂĽgel  darunter. 

In  dieser  Gruppe  ist  das  Schildchen  sehr  klein,  an  der 
Basis  ebenso  breit  wie  lang  und  an  den  Seiten  ziemlich  ge- 
rade, fast  dreieckig  geformt;  nel)en  ihm  stehen  zwei  kleine 
Höcker,  als  Anfänge  der  Nathhöckerreihe,  und  andere  an  der 
Basis  nach  aussen,  den  ĂĽbrigen  Reihen  hoher  glatter  Warzen 
entsprechend,  welche  dieser  Gruppe  eigen  sind.  Der  Hinter- 
rand des  Pronotums  setzt  sieh  von  der  Fläche  vor  ihm  nicht 
lappenartig  ab,  sondern  bildet  einen  fortlaufenden  Bogen,  mit 
hoher,  dicker  Randkante,  ohne  sich  an  die  FlĂĽgeldecken  so 
innig  anzuschliessen,  wie  in  der  folgenden  Abtheilung. 

A.  Mittlere  erhabene  Längskanten  des  Pronotums  fast 
geradlinig,  einander  sehr  nahe  gerĂĽckt;  Schulterrand 
der  FlĂĽgeldecken  eingezogen,  weniger  scharf  als  der 
Seitenrand. 

1.  Tr.  pastillarius  Blanch. 

D"Orbignv,  voy.  d.  l'Amer.  merid.  tom  VI.,  jit.  2.  pag. 
187,  no.  577.  —  v.  Harold,  coleopt.  Hefte  IX  et  X. 
S.   50,  no.    14. 

Tr.  valde  convexus,  pronoto  posticb  constricto;  eh'tris 
brevibus,  subgiobosis,  distincte  crenato-costatis;  serie  tuber- 
culorum  3  —  5  majorum  in  quoque  intervallo,  cum  aliis  mino- 
ribus  in  tinibus  serierum.    Long.   6  —  8  Lin.  (12  —  18  mm.) 

Nur  im  Westen  der  Republik  einheimisch,  aber  von 
Catamarca  bis  nach  Patagonien  hinab  zu  linden.;  von  mir  bei 
Copacavana,  Cordova,  Mendoza,  in  der  Pampa  von  S.  Luis 
tmd  von  Dr.  Berg  am  Rio  Negro  und  weiter  sĂĽdlich  in  Pata- 
gonien gesammelt.  —  Eine  höchst  eigenthümliche  Art,  vor 
allen  anderen  durch  die  hohe  Wölbung,  die  völlige  Abschnü- 
rung des  Prothoi-ax    und    die    kurze  fast  kugelige  Gestalt  des 


251 

von  den  Flügeldecken  umschlossenen  Körpertheils  sich  aus- 
zeichnend, darin  zumeist  an  Tr.  horridus  Fabr.  sich  an- 
schliessend. 

Kopf  mit  zwei  kleinen,  scharfen,  runden  Höckern  auf  der 
Mitte,  der  Vorderrand  scharf,  hochaufgeworfen,  mit  einer 
schwachen  Einbiegung  an  der  Ecke  des  Clypeus,  deren  Rand 
etwas  dicker  und  glatter  ist.  Behaarung  des  FĂĽhlerstiels  und 
Vorderschenkel  rein  schwarz;  Fühlerfächer  von  derselben 
Farbe.  VorderrĂĽcken  breit  und  kurz,  die  Ecken  gerundet, 
die  hintern  weit  vom  eingezogenen  Rande  der  Basis  abgesetzt, 
mit  kurzen  Wimpern  weitläufig  gesäumt,  die  durch  Abreibung 
verloren  gehen;  die  Oberfläche  stark  gewäilbt,  fein  granulirt, 
dicht  mit  kleinen  Höckerchen  bekleidet,  an  denen  «uf  der 
Spitze  jedes  Höckers  ein  steifes  braunes  Börstchen  steht.  Da- 
zwischen erheben  sich  neben  der  Mittelhnie  zwei  scharfe,  sehr 
genäherte,  fast  gerade  oder  leicht  nach  aussen  gebogene  Kiele 
oder  Leisten,  welche  durch  Einschnitte  leicht  gekerbt  sind. 
Neben  den  Leisten  erscheinen  auf  der  Seite  5  kleine  aber 
scharfe  runde,  ganz  isolirte  Höcker,  die  unter  sich  zwei  Rei- 
hen bilden;  in  der  inneren  Reihe  neben  den  Leisten  stehen 
3  Höcker,  in  der  äusseren,  vor  dem  breiten,  flachen  Rand- 
saum nur  zwei.  Die  beiden  Leisten  sind  vorn  durch  einen 
ebenso  scharfen  Bogen,  ĂĽber  dem  Vorderrande,  verbunden, 
welcher  Bogen  eine  Art  Kappe  ĂĽber  dem  Kopf  bildet  und 
seitwärts  neben  dem  ersten  Höcker  der  Innenreihe  scharfeckig 
endet;  nach  hinten  enden  die  Leisten  vor  dem  saumartig  ver- 
tieften Schulterrande  ebenfalls  scharf  neben  den  hintersten 
Höckern  der  Innenreihe.  —  Das  Schildchen  ist  sehr  klein,  hat 
dicke  abfallende  Ränder,  die  an  der  Basis  eine  kurze  Strecke 
parallel  laufen  und  dann  schnell  sich  zuspitzen;  aber  spiess- 
förmig  und  vertieft,  wie  Hr.  v.  Harold  es  beschreibt,  möchte 
ich  es  nicht  nennen.  —  Die  hochgewölbten,  kurz  ovalen, 
nahezu  halbkugeligen  FlĂĽgeldecken  sind  an  der  Basis  stark 
verengt,  und  in  der  Nath  fest  geschlossen;  sie  haben  auf  der 
Schulterhöhe  einen  nur  sehr  schwachen,  kaum  abgesetzten 
Rand,  der  zwar  bald  darunter  etwas  höher  wird,  aber  auch 
dann  nur  wenig  hervortritt,  und  mit  feinen  Körnchen  der 
Reihe  nach  besetzt  ist.  Zwischen  ihm  und  dem  ähnlichen 
Nathrande  laufen  fĂĽnf  erhabene,  aber  nicht  sehr  hohe,  gleich- 
falls gekörnte  Leisten  oder  Rippen  der  Länge  nach  über  jede 
FlĂĽgeldecke,  und  zwischen  diesen  Rippen  stehen  grosse,  glatte 
ovale  Höcker,  von  vielen  kleinen  Granulationen  und  Grübchen 
umgeben,  die  in  jedem  Interstitium  zwei  Reihen  bilden,  und 
deren  Intervalle    sich    ebenfalls  zu  Höckerchen  erheben.     Die 


252 

grossen  glatten  Höcker  sind  sehr  ungleich,  doch  sieht  man  in 
der  innersten  Reihe,  neben  der  Nath,  wenigstens  5  oder  gar 
6,  und  in  den  folgenden  Reihen  nacli  aussen  zu  immer  einen 
weniger;  so  dass  in  der  vierten  Reihe  nur  drei  grosse  Höcker, 
in  der  fünften  nur  noch  kleinere  Höcker  gesehen  werden,  wie 
solche  auch  in  den  anderen  Reihen  auf  die  grossen  folgen.  — 
Die  scharfkantigen  Beine  haben  ebenlalls  Höcker  auf  den 
Kanten,  und  die  vier  hinteren  Schienen  kurze  steife,  sparsame, 
Borsten  an  der  Innenseite.  Die  Vorderschienen  sind  mit  gros- 
sen Randzähnen  versehen,  die  von  unten  nach  oben  kleiner 
werden;  der  unterste  grösste  ist  sehr  breit  und  in  zwei  stumpfe 
Ecken  getheilt;  die  ziemlich  dicken,  kurzen  FĂĽsse  sind  ohne 
Borsten. 

Die  ganze  Oberseite  des  Körpers  ist  gewöhnhch  mit  einer 
weisslichen  oder  röthlich  grauen  Masse  bedeckt,  aus  der  nur 
die  Kanten  und  Höcker  als  glatte  Leisten  oder  Flecken  her- 
vorragen. In  dieser  Gestalt  bilden  die  grossen  glatten  Höcker 
der  FlĂĽgeldecken  mehrere  schiefe  Reihen,  unter  denen  drei 
mittlere  sich  besonders  hervorheben.  Die  nähere  Untersuchung 
ergiebt,  dass  die  aufgetragene  Substanz  feine  Kalk-  oder  Thon- 
Erde  ist,  welche  durch  längeres  Waschen  oder  Behandeln  mit 
Schwefelsäure  zum  Theil  gelöst  wird  und  verschwindet.  Dann 
erst  treten  die  Höckerchen  mit  ihren  kurzen  Borsten  auf  der 
Oberfläche  des  Vorderrückens  hervor  und  bewirken  durch 
ihre  regelmässige  Stellung  auf  den  kleinen  Höckern  ein  gitter- 
förmiges  Ansehen  der  Fläche. 

Die  Art  variirt  stark  in  der  Grösse,  mein  kleinstes 
Exemplar  aus  der  Cordovaer  Gegend  ist  kaum  6  Lin.  (12  mm.) 
lang,  mein  gnisstes  von  Copacavana  8  Lin.  (17  mm.).  Auch 
in  der  Sculptur  giebt  es  Verschiedenheiten;  bald  stehen  die 
beiden  Längsleisten  des  Vorderrückens  einander  sehr  nahe  und 
verlaufen  völlig  grade;  bald  biegen  sie  sich  nach  der  Mitte  zu, 
etwas  auswärts,  und  stehen  hier  weiter  von  einander  ab.  Sehr 
gewöhnlicli  befindet  sieh  vor  dem  Ende  jeder  Flügeldecke  ein 
grösserer  glatter  Fleck,  der  aus  dem  Zusammenlaufen  der 
zweiten  bis  vierten  Längsleiste  und  ihrer  InterA^alle  entsteht, 
aber  auch  fehlen  kann,  doch  in  der  Regel  vorhanden  ist.  — 
FlĂĽgel  hat  das  Thier  nicht,  seine  FlĂĽgeldecken  sind  fest  ver- 
wachsen und  lassen  sich  nicht  öffnen.  Es  lebt  in  trocknen, 
sandig  staubigen  Gegenden  und  kriecht  auch  bei  Tage  einzeln 
an  nackten  Stellen  auf  dem  harten  Boden  herum.  —  Ich  habe 
viele  Exemplare  gesammelt,  indem  die  Art  durch  ihren  be- 
sondcrn  Habitus  bald  die  Aufmerksamkeit  auf  sich  zieht,  und 


253 

nicht  gerade  .selten,    aber    auch  nicht  häufig  ist.     Stücke  von 
10  mm.  Länge  habe  ich  nicht  gefunden. 

Anm.  Mit  dieser  Art  steht  in  naher  Beziehung:  Tr. 
bullatus  Curtis,  Linn.  Tr.  XIX.  444.  —  Harold,  1.  1. 
54.  17.,  der  ebenfalls  ungellĂĽgelt  ist  und  durch  vier  kleine 
Höcker  auf  dem  Kopf,  minder  gedrungenen  Körperumriss 
und  hinten  nicht  so  stark  vom  ĂĽbrigen  Rumpfe  gesonderten 
Thoi-ax,  dessen  Ränder  nicht  gekerbt  sind,  sich  unterscheidet. 
Die  Art  ist  häufig  in  ChiH,  wo  sie  von  Valparaiso  bis  Co- 
quimbo  an  ähnlichen  Stellen  gefunden  wird. 

B.  Die  mittleren  Längskanten  des  Pronotums  sind  win- 
kelig geknickt.  Der  Schulterrand  der  FlĂĽgeldecken 
scharf,  höher  als  der  Seitenrand. 

a)  Mittlere    und    hintere    Schienen     mit    doppelter 
Reihe  langer  Wimpernhaare. 

2.  Ti'.   hemisphaericus  Nobis. 

Tr.  sub-circularis ,  sat  convexus,  paene  hemisphaericus; 
pronoto  antice  elevato,  earinis  duabus  mediis  augulatis,  cum 
margine  antico  vix  conjunctis;  elytris  singulis  seriebus  tubercu- 
lorum  laevium  quatuor;  tibiis  intus  longe  ciliatis.  Long.  7  Liu. 
(17  mm.). 

Am  Rio  Sa  Cruz  im  sĂĽdlichen  Patagonien  von  Herrn  Dr. 
Berg  entdeckt.  —  Ebenfalls  von  höchst  eigenthümlichem  An- 
sehn, breit  gebaut,  massig  gewölbt,  fast  halbkugelig  gestaltet. 
Kopf  kurz,  der  Rand  stark  erhaben,  vorn  gerundet,  mit  deut- 
lich abgesetztem,  kurz  dreieckigem,  abwärts  gewendetem  Clj- 
peus-Rande.  Behaarung  des  Fühlerstiels  kuiz,  wie  der  Fächer 
dunkelbraun;  der  Haaifleck  an  den  Sclienkeln  rothbrauu. 
VorderrĂĽcken  kurz ,  aber  breit;  der  Rand  ĂĽber  dem  Kopf  hoch, 
dick  aufgeworfen,  scharfkantig,  aber  ohne  Einbiegung  der 
Kante  nach  hinten,  wie  bei  der  vorigen  Art;  die  Seitensäume 
massig  breit,  stark  nach  hinten  gerichtet,  mit  deutUcher, 
spitzer  Schulterecke,  vor  welcher  eine  schwache  Biegung  im 
Rande  sich  zeigt.  Auf  der  Mitte  zwei  winkelige  kurze  Kanten, 
die  nach  innen  einen  vorwärts  gerichteten  Ast  abgeben,  der 
ein  flaches  GrĂĽbchen  einschliesst;  diese  Leisten  vor  dem  ver- 
dickten vorderen  Rande  endend,  ohne  sich  ĂĽber  ihn  deutlich 
fortzusetzen.  Neben  den  Leisten  an  der  Seite  nach  aussen 
zwei  spitze  Höcker  und  eine  stumpfe  Schwiele  dahinter  am 
Hinterrande.  Schildchen  dreieckig,  stark  vertieft.  FlĂĽgeldecken 
an  den  Schultern  grĂĽndet,    minder    weit  vom  VorderrĂĽcken- 


254 

säum  abstehend,  hier  und  am  ganzen  Umfange  scharf  geran- 
det,  die  Kandkaute  fein  gekeimt,  mit  kurzen  Borsten  unter 
den  Kürnelien;  die  Oberfläche  leicht  gmbig  vertieft,  mit  klei- 
nen Höckern  zwischen  den  Grübchen,  von  denen  jeder  eine 
kurze  schwarzbraune  Borste  trägt;  ausserdem  vier  Reihen 
grosser,  glatter  Höcker,  die  aber  denen  der  vorigen  Art  an 
Grösse  nachstehen.  Auch  hier  die  mittleren  Höcker  jeder 
Reihe  grösser  als  die  Endhöcker,  besonders  in  dei  Reihe  zu- 
nächst der  Nath.  Letztere  mit  einer  Reihe  von  Höckern  an 
jeder  Seite,  welche  die  kleinen  Höcker  des  Grundes  etwas  au 
Grösse  übertreffen.  Vorderschienen  mit  stumpfem  Endzahn 
und  einer  Reihe  kleiner  Zähnchen  über  der  Mitte  aufwärts; 
Mittel-  und  Hinterschienen  aussen  gezähnt,  innen  mit  doppel- 
ten Reihen  langer  Wimpern.  Fussglieder  mit  einem  Kranz 
kurzer  Borsten. 

Auch  diese  Art  ist  gewöhnlich,  gleich  den  folgenden,  mit 
einer  grauen  oder  rothbraunen,  aber  dĂĽnneren  Erdschicht 
bedeckt,  aus  der  nur,  wenn  unversehrt,  die  Borsten  der  klei- 
nen Höcker  und  die  glatten  Flächen  der  grossen  hervorragen. 
Kopf  und  Vorderrücken  sind  auf  der  ganzen  Oberfläche  mit 
einem  feinen  Netzwerk  erhabener  Leisten,  wie  feines  TĂĽll- 
gewebe,  versehen,  deren  Maschen  kurze  Börstchen  einschlies- 
sen,  an  und  zwischen  welchen  die  feinen  Staubpartikelchen, 
innig  verkittet,  hängen  bleiben  und  zu  einer  homogenen  Erd- 
schicht  verkleben,  aus  der  die  Borsten  hervorragen. 

b)  Mittlere  und  hintere  Schienen  entweder  ganz 
glatt,  oder  mit  kurzen,  sperriger  gestellten  Bor- 
sten in  Reihen  besetzt. 

3.    Tr.  patagonicus  Blanch.  1.  1.  18G.  576.  —  Harold, 
I.   1.    188.   C. 

Tr.  aterrimus,  subnitidus,  oblongo-ovalis;  pronoti  carinis 
mediis  valde  angulatis;  elytris  parum  convexis,  basi  argute 
marginatis,  contractis,  granulatis;  singuhs  seriebus  quatuor 
tuberculorum  laeviuni,  oblongorum.  Long  9 — ^10  Lin.   (22  mm.). 

Eine  ausgezeichnete,  seltene  Art.  die  grösste  des  La 
Plata-Gebietes,  welche  ich  zuerst  im  April  1858  mitten  ni 
der  Pampa,  zwischen  Aehiras  und  Rio  Quarto  fing,  und  spä- 
ter aus  der  Banda  Oriental  von  Montevideo  erhielt.  Neuer- 
dings brachte  sie  Herr  Dr.  B  e  r  g  auch  aus  Patagonien, 
von  El  Carmen  am  Rio  Negro,  wo  D'Orbignj  sie  ent- 
deckte. 


2,55 

Kopf  ziemlich  kurz,  hoch  erhaben  gerandet,  die  Spitze 
ĂĽber  dem  Clj^peus  leicht  ausgeschnitten,  mit  herabgebogener, 
dreiseitiger  Vorderecke.  FĂĽhlerstiel  und  Oberkiefer  schwarz- 
haarig, Fühlerfächer  seidenartig  grau;  auch  die  Haare  der 
Vorderschenkel  schwarz.  Mitten  auf  dem  Kopf  zwei  kleine 
genäherte,  ziemlich  scharfe  Querhöcker.  Mittelleisten  des 
VorderrĂĽckens  stark  winkelig  nach  aussen  geknickt,  mit 
schwacher  Längskante  im  Winkel,  der  ein  flaches  Grübchen 
abschliessl;  das  Vorderende  jeder  Leiste  mit  dem  hohen,  aber 
nicht  sehr  scharfen  Vorderrande  ĂĽber  dem  Kopfe  verflossen, 
das  hintere  neben  den  beiden  Höckern  am  Hinterrande  nach 
innen  ver fliessend;  ausser  diesen  beiden  Höckern  noch  zwei 
ähnliche  längliche  Höcker  an  jeder  Seite,  zwischen  Längs- 
leisten und  Saum,  von  denen  der  vordere  durch  einen  schwä- 
cher erhabenen  Bogen  mit  der  Ecke  des  Winkels  in  jeder 
Leiste  verbunden  ist,  und  auch  gegen  den  Seitenrand  hin  sich 
als  Schwiele  ausdehnt;  die  Erhabenheiten  glatt,  fein  punktirt, 
die  Vertiefungen  mit  schwarzbrauner  erdiger  Masse  ausgefĂĽllt, 
woraus  steife  kurze  Borsten,  die  in  dem  grob  punktirten 
Grunde  sitzen,  hervorragen.  Seitensaum  schmal;  der  Rand 
sanft  gebogen,  nicht  gekerbt,  aber  mit  kurzen  Borsten  besetzt; 
die  Ecken  beide  gerundet,  die  hintere  vom  FlĂĽgeldeckenrande, 
der  stark  einwärts  gebogen  ist,  weit  abstehend.  Schildchen 
klein,  dreiseitig,  die  Ränder  nicht  verstrichen.  Flügeldecken 
länglich  oval,  massig  gew()lbt,  scharf  nach  aussen  erhaben 
gerandet,  die  Basis  zusammengezogen,  hier  der  Rand  am 
höchsten;  die  Randkante  fein  gekörnt,  borstig;  die  Nath  fest 
geschlossen,  mit  einer  Reihe  ovaler,  länglicher  Höcker  dane- 
ben, von  denen  die  ersten  neben  dem  Schildchen  und  die 
hinteren  viel  kleiner  sind;  die  Fläche  unregelmässig  gekörnt, 
mit  vier  Reihen  grösserer  glatter  Höcker,  von  denen  die  mitt- 
leren jeder  Reihe  die  grössten,  länglich  oval  gestalteten  sind; 
olle  Höcker  glatt. 

Beine  ziemlich  lang,  besonders  die  dĂĽnnen,  vierkantigen, 
auf  den  Rändern  fein  sägeartig  gezähnten  und  mit  Borsten 
besetzten  Schienen;  Vorderschienen  nach  unten  breiter,  hier 
auswärts  mit  stumpfem  Do])pelzahu  und  darüber  zwei  kleine- 
ren spitzen.  FĂĽsse  ziemlich  lang,  unten  steifborstig,  oben  sehr 
feinborstig ;  alle  Borsten  rein  schwarz  gefärbt.  —  Flügel  fehlend. 

4.  Tr.  pampeanus  Nobis. 

Tr.  niger,  parum  nitidus,  oblongo-ovalis,  pronoti  carinis 
mediis  obtusioribus,  angulatis,  anticum  versus  distantibus,  paral- 
lelis;    eljtris    parum     convexis,     granulatis;     singulis     seriebus 


256 

(juatuor  tuberculorum  circulariuni,  laevium.    Long.  8Lin.  (16  — 
17   mm.). 

Im  ganzen  Pampas-Gebiet;  von  mir  bei  Tueumau,  Cata- 
marca  und  Rio  Quarto  gei^ammell:  von  Dr.  Berg  bei  El  Car- 
men in  Patagonien. 

Der  vorigen  Art  sehr  ähnlich,  völlig  ebeaso  gestaltet  mul 
ebenso  massig  gewölltt,  aber  constant  verschieden  durch  nach 
stehende  Eigenschaften:  Kopf  mit  zwei  kleineren,  rundlichen 
Höckern;  Vorderrücken  überall  gröber  punktirt,  auch  die 
Leisten  und  Höcker;  erstere  breiter,  in  der  vorderen  Hälfte 
parallel  und  weiter  von  einander  abstehend,  im  Winkel  ohne 
Nebonast  und  Grübchen,  am  Hinter rande  stärker  genähert, 
plötzlich  abgebrochen;  die  drei  Höcker,  1  dahinter,  2  daneben 
nach  aussen,  schwächer,  mehr  buckeiförmig,  die  vordersten 
weder  mit  d^n  Leisten,  noch  mit  dem  Seitenrande  verbunden. 
FlĂĽgeldeckenrand  stark  am  Grunde  eingebogen,  fein  auf  beiden 
Seiten  granulirt;  die  Nath  geschlossen,  mit  relativ  grösseren 
Randtuberkeln;  die  Fläche  stärker  runzelig,  mit  nicht  ganz 
so  dichter  Granulation  und  je  vier  Reihen  grosser,  runder, 
nicht  länglicher  Höcker,  die  nicht  so  dicht  stehen,  und  von 
denen  die  mittleren  ebenfalls  viel  grösser  sind,  als  die  an  bei- 
den Enden  der  Reihen.  Beine  relativ  etwas  kräftiger,  die 
Schienen  minder  scharf,  aber  gröber  gezähnt,  an  den  äusseren 
Kanten  ohne  Borsten,  an  den  inneren  mit  kĂĽrzeren.  Vorder- 
schienen wie  bei  jener  Art,  doch  etwas  breiter.  Fussglieder 
unten  und  oben  mit  Borstenbesatz,  doch  die  oberen  Borsten 
feiner;  alle  i-ein  schwaiz  gefärbt.     Flügel  fehlend. 

Anm.  1.  Die  gelbliche  Substanz,  welche  zumal  den 
Vorderrücken  zu  bedecken  pflegt,  lässt  sich  ebenfalls  abwa- 
schen, und  besteht  bloss  aus  erdiger,  verklebter  Masse,  die 
besonders  der  Granulation  der  Grundfläche  anklebt,  ganz  wie 
bei  den  vorhergehenden  Ai-teu  sich  verhaltend. 

2.  Ich  war  lange  Zeit  geneigt,  diese  Art  fĂĽr  Tr.  Ar- 
gentinus  Har.  1.  1.  143.  68.  zu  halten,  finde  aber  doch 
in  der  Beschreibung  so  viel  Abweichendes,  dass  ich  es  vor- 
ziehe, sie  als  neu  zu  beschreiben.  Herrn  B.  v.  Harold's 
Species  kenne  ich  nicht;  sie  scheint  zu  dieser  Gruppe  zu  ge- 
hören. 

5.    Tr.    pedestris    Harold.  1.  1.     128.     ')9.     Tr.   denti- 
culatus  Blanch.  1.  I.   189.   582. 

Tr.  piccus,  margine  laterali  interdum  rufescente,  oblon- 
gus,  rufo-ciliatus;  pronoti  carinis  mediis  angulatis,  foveolam 
includentibus:   i-lyti-is   ruguloso-punctatis,    parum   granulatis,   sed 


257 

seriebus   tuberculorum  majorum,  tomentosorum ;    pedibus  elon- 
gatis  gracilibus.     Long.   6  —  G^j^  Lin.  (14  mm.). 

Eine  mir  unbekannte  Art,  die  ich  daher  nicht  weiter 
beschreiben  kann;  ihre  auf  der  Höhe  filzig  behaarten  Höcker 
unterscheiden  sie  genugsam  von  den  vorigen.  —  Von  D'Orbigny 
in  der  Estancia  des  Andres  Paz  beim  Dorfe  El  Carmen  in 
Patagonien  gesammelt,  auch  bei  Cordova  und  Chilecito  im 
Westen  der  Pampas,  d.  h.  westlich  von  der  Sierra  de  Cor- 
dova, im  Gebiet  der  Provinz  von  La  Riqja,  wo  ich  nicht 
gewesen  bin. 

Anm.  Der  von  Herrn  B.  v.  Harold  neben  dieser  Art 
beschriebene  Tr.  tenebrosus  (1.  1.  130.  60.)  ist  mir  eben- 
falls ganz  unbekannt;  das  hinten  gerundete  „HalsschiW  und 
die   „tomentirten  Höcker*^   zeigen  hierher. 

II.  Hinterer  Rand  des  Pronotums  in  einen  stumpfen  Win- 
kel ausgedehnt,  welcher  einen  mehr  oder  weniger 
deutlich  abgesetzten  Lappen  vor  dem  Sehildchen  um- 
schreibt. 

A.  Schildchen  spiessförmig,  d.  h.  au  der  Basis 
enger  als  in  der  nach  beiden  Seiten  winkelig  vor- 
tretenden Mitte.  Nath  der  leicht  gestreiften,  mit 
schwachen  Rippen  verseheneu  P'lĂĽgeldecken  offen;  die 
FlĂĽgel  vorhanden. 

6.  Tr.  suberosus  Fabr.  S.  El.  L  111.  —  Harold 
1.  1.   119.   55. 

Tr.  ovalis,  tegumento  cinereo  s.  testaceo  indutus;  pronoto 
tenuiter  granulato,  ciliato,  margine  laterali  ante  apicem  exciso 
denteque  valido  armato;  elytris  seriatim  foveolatis,  obtuse 
costatis,  maculis  plerumque  nigris,  laevibus,  denudatis  costa- 
rum  ornatis;  tibiis  4  posticis  extus  edentatis,  intus  ciliatis. 
Long.   6  —  8  Lin.   (13  — 17  mm.). 

Die  gemeinste  Art  des  Landes,  im  ganzen  Gebiet  von 
mir  gesammelt;  ĂĽbrigens  auch  ĂĽberall  durch  SĂĽdamerika,  bis 
nach  Cuba  und  Mexiko  verbreitet. 

Die  von  mir  in  Brasilien  gesammelten  Exemplare  sind 
grösser  als  die  hiesigen,  8  Linien  lang,  während  unsere  nur 
6  —  6^1 2  Linien  messen,  und  unterscheiden  sieh  durch  eine 
dichtere,  heller  und  bestimmter  gefärbte  Bedeckung  von  denen 
des  Argentiner  Landes.  Ganz  frische  StĂĽcke  haben  keine 
glatten,    glänzenden  Flecken,    weder    auf   dem  Vorderrücken, 

17 


258 

noch  auf  den  Flügeldecken;  dieselben  entstehen  erst  später  beim 
Abreiben,  kcinnen  aber  auch  ganz  fehlen,  was  promiscue  bei 
einzelnen  Exemplaren  aus  allen  Gegenden  vorkommt.  Dann 
pflegen  die  sonst  erhabenen  und  glatten  Stellen  als  kleinere, 
schwarrce,  etwas  vertiefte  Flecken  angedeutet  zu  sein.  —  Der 
hellforbige  Ueberzug  dieser  Art  ist  ĂĽbrigens  keine  fremde 
erdige  Substanz,  sondern  eine  natĂĽrliche  Bedeckung,  die  der 
Oberlläche  selbst  angehört  und  sich  durch  Waschen  nicht  ent- 
fernen lässt. 

7.  Tr.  ciliatus  Blanch,  1.  1.  190.  584.  —  Harold 
1.  1.112.  50.  —  Var.  minor:  Tr.  Candezei  Harold 
ibid.    113.   51. 

Tr.  ovalis.  nudus,  subnitidus,  fusconiger;  margine  externe 
tibiisque  longe  fulvo-ciliatis ;  i)ronoto  gibboso,  eljtris  substriatis, 
obtuse  costatis,  punctatis;  punctis  setigeris;  tibiis  omnibus  latis, 
posticis  edentatis.     Long.   5  —  6  Lin.  (11  — 13  mm.). 

Eine  ausgezeichnete,  sehr  eigenthĂĽmliche  Art,  die  sich 
indessen  durch  mehrere  ĂĽbereinstimmende  Eigenschaften  der 
vorhergehenden  am  meisten  nähert.  Sie  tritt  zuerst  im  Süden 
der  Provinz  von  Buenos  Aires,  aber  nicht  nördlich  vom  Rio 
Salado  auf  und  verbreitet  sieh  bis  nach  Patagonien  hinab, 
von  wo  sie  Herr  Dr.  Berg  dem  Museo  Publico  gebracht  hat. 

Der  Körper  ist  etwas  gedrungener  gebaut,  d.  h.  kürzer 
und  breiter,  ĂĽbrigens  aber  von  ovalem  Umriss  und  massig 
gewölbt;  seine  Farbe  ist  schwarzbraun,  aber  alle  langen  und 
kurzen  Haare,  die  er  trägt,  sind  goldgelb.  Die  Oberfläche  ist 
fein  ])unktirt,  in  jedem  Punkt  mit  einem  ganz  kurzen  Härchen 
besetzt;  der  Aussenrand  dagegen  rundherum,  die  Mundgegend, 
der  FĂĽhlerstiel,  die  Schienen  innen  und  die  FĂĽsse  mit  sehr 
langen  Haaren  besetzt.  Kopf  vorn  hoch  erhaben  umrandet, 
mitten  auf  der  Fläche  zwei  scharfe,  dicht  aneinander  gerückte 
Querhöcker.  Vorderrücken  kurz,  nach  vorn  sehr  verschmälert, 
die  Mitte  hoch  gewölbt,  die  breiten  Seitenlappen  schief  abfal- 
lend, der  Hinterrand  einen  deutlichen,  tiefer  gelegenen,  stumpf- 
winkeligen Lap})en  bildend;  längs  der  Mitte  eine  schwache 
Furche,  aber  weiter  keine  Leisten  und  Höcker;  die  Oberfläche 
dicht  netzfiirmig,  aber  nicht  grob  punktirt.  Schildchen  deut- 
lich spiessförmig,  glatt,  am  Rande  verstrichen.  Flügeldecken 
mit  acht  leicht  erhöhten  Rippen  zwischen  der  hohen  Rand- 
kante und  dei-  leicht  erhöhten  Nath;  die  von  der  Schulter 
ausgehende  achte  Rippe  die  höchste  und  scharfkantig,  viel 
weiter  vom  Rande  abstehend  als  die  anderen  unter  sich;  jede 


259 

Rippe  auf  der  Firste  schwach  graniĂĽirt,  die  Interstitiell  mit 
1 — 2  Reihen  feinerer  Granulationen,  hinter  jedem  Höcker  ein 
kurzes  BĂĽrslchen.  Beine  nur  kurz,  aber  breit,  besonders  die 
ungezähnten  Schienen,  welche  innen  lange,  aussen  kurze 
Wimpern  tragen.  Vorderschienen  mit  breitem,  zweizackigem 
Endzahn,  dessen  obere  Ecke  breit  und  abgerundet  ist,  darĂĽber 
ein  dritter  scharfer  Zahn  nahe  der  Mitte.  FĂĽsse  unten  lang- 
behaart.  Metast ei'ualplatte  eigenthĂĽmlich  vertieft,  nach  vorn 
hoch  umrandet,  eine  rautenförmige  Grube  einschliessend. 
Fühlerfächer  rostroth,  grau  bereift.  —  Ich  habe  auch  die 
Mundtheile  untersucht  und  daran,  wie  bei  allen  anderen  Arten, 
nichts  EigenthĂĽmliches  gefunden.  Die  Oberkiefer  enden  mit 
schärferer  Spitze  als  gewöhnlich,  das  Kaustück  mit  den  bei- 
den Zähnen,  von  denen  der  obere  gespalten  ist. 

Anm.  Herrn  Baron  v.  Harold's  Trox  Candezei  ist 
nicht  von  der  Hauptform  wesentlich  verschieden,  und  kann 
nach  meinem  Dafürhalten  höchstens  nur  als  individuelle  Varie- 
tät betrachtet  werden,  wie  dergleichen  bei  allen  Arten  der 
Gruppe  auftreten. 

B.  Sehildchen  nicht  spiessförmig,  vielmehr  länglich  oval, 
mit  graden  verstrichenen  Seiten  und  einfacher  oder 
abgerundeter  Spitze.  FlĂĽgel  stets  vorhanden,  die  Nath 
daher  nicht  geschlossen;  die  FlĂĽgeldecken  mit  Reihen 
grosser  Tuberkeln. 

8.  Tr.  aeger  Guerin,  Icon.  d.  r.  a.  pl.  22,  Fig.  9, 
texte  pag.  85.  —  Harold,  1.  1.  132.  61.  — 
Tr.  leprosus  Dej.  Blanch,  1.  1.    188.   580. 

Tr.  niger,  parum  nitidus,  materia  cinei'ca  tectus;  ovalis, 
pronoti  carinis  mediis  valde  nngulatis,  elytris  fortiter  punctatis, 
granosis  tubercuUsque  laevibus  quadruplici  serie  singulorum. 
Long.   5 — 7  Lin.  (12  — 16  mm.l 

Im  östlichen  Gebiet  der  Fampas  zu  Hause,  von  mir  bei 
Montevideo,  Buenos  Aires,  Rosario,  Parana,  Cordova,  und 
von  Dr.  Berg  in  Patagonien  gesammelt,  auch  überall  häutig. 

Den  länglich  ovalen,  nach  hinten  etwas  breiteren  Körper 
hat  diese  Art  mit  den  folgenden  gemein  5  sie  unterscheidet 
sich  aber  durch  ihre  Kopffläche  mit  zwei  dicken  runden 
Schwielen  und  stark  vertieften  Seiten  vor  dem  hohen  Rande, 
und  durch  die  scharfkantigen,  stark  winkeligen  Mittelleisten 
des  VorderrĂĽckens,    die    vorn    mit    dessen    crhabeuem    Rande 

17* 


260 

zusammenhängen,  hinten  aber  abgekürzt  sind  und  in  der  Mitte 
nach  vorn  einen  Ast  abgeben,  der  ein  grosses  flaches  GrĂĽb- 
chen umschliesst.  Dadurch  besonders  entfernt  sie  sich  von 
dem  sehr  ähnlichen,  chilenischen  Tr.  brevicollis  (^Harold, 
1.  1.  144.  69),  dessen  Mittelleisten  stumpfer,  breiter,  schwielig 
gestaltet  sind  und  ein  sehr  kleines  GrĂĽbchen  einschliessen. 
Dasselbe  gilt  von  den  drei  anderen  Höckern  an  den  gew^öhn- 
lichen  Stellen,  1  hinter  den  Leisten,  2  daneben,  die  auch  bei 
Tr.  aeger  scharf,  bei  Tr.  brevicollis  stumpf  sind,  wozu 
bei  jenem  noch  ein  vierter  kleinerer  Höcker  neben  dem  vor- 
dersten seithchen  nach  aussen  kommt,  der  dem  Tr.  brevi- 
collis fehlt.  Im  Uebrigen  haben  beide  Arten  einen  kleinen 
Höcker  auf  dem  Winkellappen  vor  dem  Schildchen,  der  sonst 
nur  noch  bei  Tr.  pillularius  unter  den  hiesigen  Arten  sich 
findet.  Das  Schildchen  ist  sehr  längHch  oval,  die  Flügeldecken 
sind  niedrig  gerandet,  besonders  an  der  Schulter,  deren 
Buckel  nach  aussen  scharfkantig  ist;  sie  haben  tief  eingesto- 
chene grobe  Punkte  und  dazwischen  einige  Granulation;  ausser- 
dem hat  jede  Hälfte  vier  Reihen  grösserer  glatter  Warzen,  von 
denen  die  mittleren  der  beiden  inneren  Reihen  die  grössten 
sind;  die  ersten  der  innersten  Reihe  bilden  eine  Längsschwiele 
und  neben  der  Nath  ist  noch  eine  Reihe  kleinerer  länglicher 
Höcker  vorhanden.  Die  Beine  sind  mit  kurzen  Borsten  in 
Reihen  besetzt,  die  vier  hinteren  Schienen  mit  stumpfen  Zäh- 
nen in  der  Mitte,  die  vordersten  nach  unten  sehr  breit,  stumpf 
zweizaekig  und  darĂĽber  mit  einem  spitzen  Zahn  versehen. 
Fühlerfächer  und  Mundborsten  braun,  ersterer  grau  bereift. 
Hinterbrust  erhaben,  abgeplattet  nach  hinten,  vor  den  HĂĽften 
abgerundet,  mit  V-förmigem  Eindruck;  Prosternalzapfen  klein, 
niedrig  gerundet, 

Die  Art  variirt  stark  in  der  Grösse,  von  5  —  7  Linien; 
doch  sind  mir  die  kleinsten  Individuen  von  5  Linien  Länge 
nur  aus  Patagonien  bekannt.  Bei  so  kleinen  Exemplaren  ver- 
schwindet das  Knötchen  auf  dem  Schildchenlappen  am  Prono- 
tum  gänzlich. 

Anm.  Trox  brevicollis  unterscheidet  sich,  ausser  den 
angegebenen  Verschiedenheiten,  auch  darin  von  dieser  Art, 
dass  die  glatten  Warzen  der  FlĂĽgeldecken  kleiner  sind  und 
nicht  so  dicht  stehen  in  ihren  Reihen.  Beide  Species  sind  ge- 
wöhnhch  mit  grauer  Erde  bedeckt,  die  sich  aber  leicht  abwa- 
schen lässt.  Dann  erscheint  der  Grund  zwischen  den  Tuberkeln 
matt  und  ebenso  der  zwischen  den  Höckern  des  Vorderrücken» 
mit  etwas  feinerer  Punktirung  als  die  FlĂĽgeldecken. 


261 

9.  Tr.  gemmifer  Blanch.  1.  1.  187.  578  und  ibid.  188. 
579.  —  Harold,  1.  1.  148.  71.  -  Var.  Tr.  gutti- 
fer,  Harold,  ibid.   146.  70. 

Tr.  oblongus,  niger,  tegumento  cinereo  s.  fusco,  terroso 
plus  minusve  obtectus;  carinis  pronoti  nunc  angustis,  nunc 
latis,  callosis,  nitidis;  elytrorum  tuberculis  majoribuss,  seriatim 
ordinatis,  juxta  suturam  in  vittam  longitudinalem  conjunctis. 
Long.  6  —  7  Lin.  (13  —  15  mm.). 

Bei  Mendoza  in  Menge  von  mir  gesammelt,  ausserdem 
häufig  aus  Patagonien  bezogen,  von  wo  besonders  Herr  Dr. 
Berg  die  Art  gebracht  hat. 

Gestalt  der  vorigen  Art,  d.  h.  länghch  oval,  aber  die 
ganze  Oberfläche  in  der  Regel  dicht  mit  hellgrauem  oder 
bräunhehem  Erdüberzuge  bedeckt,  aus  dem  nur  die  erhabenen 
glatten  Stellen  hervorragen;  ausserdem  aber  auch  die  kurzen 
Borsten,  welche  in  den  Tiefen  der  groben  Punkte  der  Sculptur 
des  Grundes  sitzen. 

Die  erhabenen  Stellen  bilden  bald  breitere  schwielenför- 
mige,  bald  schmälere  leistenförmige  Erhebungen,,  die  in  beiden 
Fällen  geglättet  und  glänzend  sind.  Auf  dem  Kopf  stellen  sie 
4  Höcker  in  einer  Querreihe  dar,  von  denen  die  beiden  äus- 
seren kleiner  und  niedriger  sind.  Der  VorderrĂĽcken  hat  die 
übhchen  Längskanten,  die  sich  zu  einem  Winkel  in  der  Mitte 
erweitern  und  eine  Grube  umschliessen.  Sind  diese  Kanten 
schmal,  so  ist  die  Grube  gross  und  nach  aussen  offen;  sind 
es  breite  dicke  Schwielen,  so  wird  die  Grube  klein  und 
auswärts  geschlossen.  Hinter  den  Kanten  steht,  neben  dem 
Rande,  ein  im  ersteren  Falle  enger,  querer,  im  zweiten 
dicker  runder  Höcker,  und  auf  den  Seitentheilen  ein  anderer 
in  der  Mitte,  welcher  sich  ebenfalls  bis  zum  Hinterrande 
schwielenartig  fortsetzt.  Der  Seitenrand  ist  nicht  gekerbt,  aber 
mit  kurzen  Borsten  sparsam  besetzt.  —  Das  Schildchen  ist 
vorn  etwas  vertieft,  hinten  in  eine  scharfe  Spitze  ausgezogen. 
Die  FlĂĽgeldecken  haben  einen  ungekerbten,  niedrigen  Rand, 
eine  schwachrunzelige,  mit  Punktreihen  gemischte  Sculptur  in 
der  Tiefe,  worin  kurze  Borsten  sitzen,  und  dazwischen  glatte 
Granulationen,  unter  denen  sich  auf  jeder  Hälfte  vier  Reihen 
grösserer  Warzen  auszeichnen,  die  bald  regelmässig,  bald 
lĂĽckenhaft  sind,  indem  einzelne  Warzen  da  und  dort  fehlen. 
Immer  stehen  die  grösseren  Warzen  in  der  Mitte  der  beiden 
inneren  Reihen.  Ausserdem  bildet  sich  neben  der  Nath  eine 
Reihe  kleinerer  thränenförmiger  Warzen,  die  bald  unter  sich 
zu  einem  ebenen,  auswärts  stumpfzackigen  Streifen  zusammen- 


262 

fliessen  (Tr.  guHifer,  Haiold),  bald  die  isolirten  thränen- 
f(M-niigeii  Höcker  mehr  hei-vortreten  lassen  (Tr.  gemmifer 
Htirold),  während  gleichzeitig  die  grossen  Warzen  regel- 
mässiger geordnet  und  gleichicirmiger  erseheinen.  Die  Beine 
sind  an  den  hinteren  Schienen  aussen  gezähnt,  innen  deutlieh 
braun  gewimpert;  die  massig  breiten  Vorderschienen  haben 
stumpfe  Randzähne,  die  nach  unten  grösser  werden,  bis  die 
zwei  untersten  an  der  Spitze  zusammenwachsen.  Die  FĂĽhler 
und  Mundborsten  sind  schwarz,  ebenso  der  graubereifte 
Fächer. 

Anm.  Unter  den  mehr  als  50  Exemplaren,  welche  ich 
vor  mir  habe,  finde  ich  alle  möglichen  Uebergänge  der  beiden 
von  Herrn  Baron  v.  Harold  getrennten  Formen,  so  dass  es 
mir  nicht  gestattet  zu  sein  scheint,  sie  als  gute  Species  fest- 
zuhalten. Das  mag  auch  Blanchard's  Meinung  gewesen  sein, 
als  er  dieselben  zwar  doppelt  beschrieb,  aber  ihnen  dieselbe 
Benennung  beilegte.  Auf  jeden  Fall  sind  die  Unterschiede  nur 
variable,  die  promiscue  an  StĂĽcken  derselben  Heimat  sich 
finden. 

10.  Tr.    pillularius     Germ.     spec.     nov.    I.     113.     — 
Harold  1.  1.   139.   66. 

Tr.  ater  opacus;  statura  oblonga  praecedentium;  pronoti 
earinis  parum  nitidis;  elytris  rugulosis,  seriebus  tuberculorum 
majorum,  in  apice  postieo  punctatorum  et  setigerorum.  Long. 
5-6  Lin.   (11  —  13  mm.). 

Ueberall  durch  die  ganze  östliche  Hälfte  des  La  Plata- 
Gebietes  verbreitet;  bei  Montevideo,  Buenos  Aires,  Rosario, 
Paranä  und  Cordova  von  mir  gesammelt;  auch  aus  Paraguay 
und  von  Bahia  Bianca  bezogen.  Fhegt  viel  am  Tage  im  Son- 
nenschein umher  und  fällt  rasch  nieder,  wenn  man  ihm  nach- 
stellt, was  die  andern  Arten  nicht  thun. 

Tief  schwarz,  ohne  erdigen  Ueberzug,  aber  dennoch  ohne 
Glanz;  nur  die  Kanten  auf  dem  Vorderrücken  etwas  glänzend. 
Letztere  hoch  und  scharf,  die  mittleren  mit  grosser  deutlicher 
Grube  im  Winkel,  der  Schildchenlappen  mit  einem  kleinen 
Höcker  vor  der  Spitze,  das  Schildchen  länglich  oval,  ziemhch 
spitz,  stark  ausgehöhlt.  Die  Flügeldecken  im  Grunde  runzelig 
uneben,  dazwischen  4  Reihen  grosser  ovaler  Tuberkeln  auf 
jeder,  die  nicht  glänzen,  sondern  sogar  matter  sind  als  die 
übrige  Oberlläche,  weil  dicht  punktirt  nach  hinten  und  mit 
kleinen  Borsten  in  den  Punkten  besetzt;  zwischen  den  grossen 
Höckern  noch  hie  und  da  kleinere,    auch    neben  dem  Seiten- 


263 

rande  und  der  Nath  eine  Reihe  ziemlieli  sperrig  gestellter. 
Hintere  Schienen  aussen  gezähnt,  innen  mit  zwei  Reihen  kur- 
zer Borsten;  die  A^ordersten  ziemlich  schmal,  mit  scharf  ab- 
stehendem Zahn  am  Ende  und  einem  geraden  an  der  Spitze, 
auch  ein  dritter  kleinerer  vor  der  Mitte.  Vier  Höcker  auf  dem 
Kopf,  die  mittleren  höher  und  grösser. 


Andere  als  die  zehn  hier  beschriebenen  Arten  kenne  ich 
nicht  aus  dem  La  Plata-Gebiet.  Herr  Baron  v.  Harold  fĂĽhrt 
zwar  noch  seinen  Tr.  torpidus  (1.  1.  58  no.  19)  als  von 
Buenos- Aires  herstammend  auf,  meint  aber  selber,  dass  diese 
Angabe  wohl  irrig  sein  werde.  Ich  kann  versichern,  dass 
dem  so  ist;  die  Art  findet  sich  nicht  bei  Buenos  Aires  und 
scheint  mir  eher  aus  Mittel-Amerika  herzustammen.  Ich  kenne 
sie  ĂĽbrigens  nicht  und  ebensowenig  den  Trox  Borrei  (1.  1. 
84.  34)  von  Montevideo,  den  ich  nicht  von  dort  erhalten  habe; 
wohl  aber  den  Trox  scaber  (1.  1.  183.  92),  welche  gemeine 
europäische  Art  auch  dort  nicht  selten  ist,  aber  hier  bei 
Buenos  Aires  noch  nicht  gefunden  wurde.  Sie  scheint  sich 
allmälig  über  die  ganze  bewohnte  Erdoberfläche  verbreiten  zu 
wollen. 

Da  ich  nun  2  von  Herrn  v.  Harold's  Arten:  Tr.  Can- 
dezei  und  Tr.  guttifer  einziehen  musste,  dafĂĽr  aber  zwei 
neue,  ihm  unbekannt  gebliebene  beschreibe,  so  beläuft  sich 
die  Zahl  aller  uns  beiden  bekannten  Species  auf  die  gleiche, 
wovon  aber  3  Species  (Tr.  pedestris,  Tr.  argentinus  und  Tr. 
Borrei)  mir  nicht  vorliegen,  während  Herr  v.  Harold  eben- 
falls 3  andere  (Tr.  patagonicus,  Tr.  pampeanus  und  Tr.  hemi- 
sphaericus)  nicht  gesehen  hat.  Rechne  ich  noch  den  Tr.  scaber 
hinzu,  so  ist  die  Menge  aller  bisher  im  La  Plata-Gebiet  nach- 
gewiesenen Species  vierzehn. 

Obgleich  ich  nicht  alle  diese  14  Arten  vollständig  ge- 
schildert habe,  sondern  die  mir  unbekannten  ĂĽbergehen  musste, 
so  glaube  ich  doch  annehmen  zu  können,  dass  meine  Dar- 
stellung zum  Erkennen  aller  ausreicht.  Ich  setze  daher  diese 
Beschreibungen  nicht  weiter  fort,  sondern  schliesse  mit  einigen 
Betrachtungen  ĂĽber  die  natĂĽrhche  Gruppirung  der  mir  bekann- 
ten Species,  so  weit  ich  dieselben  selbst  untersuchen  kann. 
Das  Material  ist  nicht  klein,  denn  wir  besitzen  beinahe  60 
Species  in  der  hiesigen  Sammlung. 

Ich  habe  Typen  aller  Gruppen  und  die  Hauptrepräsentan- 
ten der  verschiedenen  Heimathsgebiete  genau  auf  die  Mund- 
theile  untersucht,  beiläufig  22  Arten,  und  dabei  keine  anderen 
Unterschiede    wahrgenommen,    als    die    in  der  Einleitung  be- 


264 

sprochenen;  ich  muss  sonach  von  der  Trennung  in  2  Grattungen: 
Trox  und  Omorgus  absehen  und  Herrn  v.  Harold  beistimmen, 
der  alle  Arten  unter  Trox  vereinigt  gelassen  hat. 

Als  brauchbarstes  Merkmal  zur  Gruppirung  der  Arten 
stellt  sich  mir  die  Beschaffenheit  des  hinteren  Randes  am 
Vorderrücken  dar,  weil  damit  der  ganze  übrige  Körperbau 
in  innigster  Beziehung  steht.  Ich  stelle  darnach  diese  Ver- 
schiedenheit   als    Haupteintheilungsmoment    der    Gattung    auf. 

I.    Margine    pronoti    postico    arcuato,     angulo    scutellari 
nuUo. 

Alle  hierher  gehörigen  Arten,  soweit  ich  sie  untersuchen 
kann,  haben  in  der  Nath  geschlossene,  verwachsene  FlĂĽgel- 
decken, während  ihnen  gleichzeitig  die  Flügel  fehlen.  Ausser- 
dem setzt  sich  der  stark  erweiterte  Saum  der  Seiten  des 
VorderrĂĽckens  nach  hinten  weit  von  den  FlĂĽgeldecken  ab, 
weil  letztere  an  der  Schulter  mehr  abgerundet  und  eingezogen 
sind.  Die  Gesammtform  ist  eigenthĂĽmlich ,  besonders  der  von 
den  Flügeldecken  umhüllte  Körper  kürzer  und  der  Halbkugel- 
form ähnlicher,  als  in  der  folgenden  Abtheilung. 

A.  Tibiis  anticis  angustis,  parum  dentatis;  quatuor  posticis 
edentatis,  spinoso-ciliatis  (Phoberus  M.  Leay). 

Hierher  gehört  nur  1.  Tr.  hovridus  Fabr.,  die  übrigen 
von  Erichson  (Naturg.  etc.  IH.  927)  und  v.  Harold  (1.  1.  35) 
damit  zusammengebrachten  Arten  haben  einen  ganz  anderen 
Körperbau  und  gehören  nicht  mit  genannter  Art  in  dieselbe 
Gruppe. 

B.  Tibiis  anticis  fortius  dentatis,  saepe  latioribus;  posticis 
quatuor  extus  denticulatis. 

a)  Tibiis  posticis  nudis,  haud  ciliatis;  pronoti  cari- 
nis  mediis  subrectis  (Chesas  Nobis.) 

Diese  Gruppe  wird  lediglich  von  2.  Tr.  pastillarius 
vertreten,  der  sich  in  ähnlicher  Weise  von  allen  anderen 
Arten  absondert,  wie  Tr.  horridus  von  den  ĂĽbrigen  seiner 
Hei  mal  h. 

b)  Tibiis  posticis  nunc  nudis,  nunc  ciliatis;  pronoti 
carinis  mediis  angulatis  (Polynoncus    Nobis). 

Hierher  gehören:  Tr.  pedestris  Har.,  4.  Tr.  pam- 
peanus    Nobis,    5.  Tr.  patagonicus   Bl.,    6.    Tr.    hemi- 


265 

sphaericus  Nobis  und  wahrscheinlich  auch  7.  Tr.  tenebro- 
sus  Har.  —  vielleicht  auch  8.  dessen  Tr.  Argentinut? 
(no.  68),  von  dem  aber  nicht  angegeben  ist,  dass  er  ein 
hinten  einfach  gerundetes  Pronotum  besitze,  daher  die  Art, 
wegen  ihrer  Stellung  zwischen  Tr.  peruanus  und  Tr.  bre- 
vicollis  (no.  67  und  no.  69)  wohl  richtiger  in  deren  Nähe 
gebracht  werden  muss. 

n.    Margine  pronoti  postico  angulato,   lobulum  depressum 
triangulärem  ante  scutellum  formante. 

Die  zahlreichen  Arten  dieser  zweiten  Hauptabtheilung 
scheinen  grösstentheils,  wenn  nicht  alle,  geflügelt  zu  sein; 
sie  haben  einen  länglich  ovalen  Körper,  dessen  hintere  grös- 
sere, von  den  Flügeldecken  umhüllte  Hälfte  nie  so  deutlich 
vom  VorderrĂĽcken  abgesetzt  ist,  sondern  bald  mehr,  bald 
weniger  innig  an  ihn  sich  anschliesst. 

A.    Scutello  evidenter  hastato. 

Die  Trox-Arten  mit  spiessförmigem  Schildchen  besitzen 
den  dreieckigen  Schildchenlappen  am  VorderrĂĽcken  sehr  deut- 
lich, deutlicher  als  die  der  anderen  Abtheilung  mit  ovalem 
oder  herzförmigem,  selbst  dreieckigem  Schildchen.  Man  könnte 
fĂĽr  sie  den  Namen  Omorgus  festhalten,  wenn  man  sie,  was 
doch  einmal  geschehen  wird,  als  Gattung  abtrennt.  Sie  zer- 
fallen in  zwei  natĂĽrliche  Unterabtheilungen,  welche  sich  wie 
folgt  imterscheiden  und  als  Gattungen  aufstellen  lassen. 

a)  Tibiis  latis,  compressis,  longissime  ciliatis,  eden- 
tatis.     Lagopelus  Nobis. 

9.  Tr.   ciliatus  Blanch. 

Ich  habe  die  EigenthĂĽmlichkeiten  dieser  Art  zur  GenĂĽge 
besprochen,  und  verweise  auf  die  vorhergehende  Schilderung. 

b)  Tibiis  angustis,  posticis  quatuor  quadrangularibus, 
intus  parcius  setosis,  plerumque  edentatis.  Omor- 
gus Nobis.  ,  â–  ' 

aa)  Species  Americanae. 

10.  Tr.  suberosus  autor.  (no.   55.) 

11.  Tr.  punctatus  Germ.  (no.   56.) 

12.  Tr.  monachus  Herbst,  (no.   53.) 

13.  Tr.  asper,  Leconte.  (no.   54.) 

bb)  Species  Africanae. 

14.  Tr.  procerus  Har.  (no.   58.) 

15.  Tr.  squalidus  Oliv.  (no.  48.) 


266 

16.  Tr.   varicosus  Erichs,  (no.    16.) 

17.  Tr.   desertorum  Har.  (no.   29.) 

18.  Tr.   radula  Erichs,  (no.   24.) 

19.  Tr.  gemmatup  Oliv.  (no.   23.) 

cc)  Species  Australasiae. 

20.  Tr.  Crotchi  Har.  (no.   41.) 

21.  Tr.  fenestratus  Har.  (no.   42.) 

22.  Tr.  subcarinatiis  Mo  Leay.  (no.   40.) 

23.  Tr.  litigosus  Har.  (no.  36.) 

24.  Tr.  alternans  Mc  Leay.  (no.   35.) 

25.  Tr.  Brucki  Har.  (no.   39.) 

dd"^  Species  Indiae  orientahs. 

26.  Tr.  granulatus  Herbst,  (no.   21.) 

27.  Tr.  costatus  Wied.  (no.   52.) 

Ich  kann  hier  die  Bemerkung  nicht  unterdrĂĽcken,  dass 
die  vorstehend  aufgefĂĽhrten  beiden  Arten,  obgleich  in  Herrn 
Baron  v.  Harold's  Aufzählung  weit  von  einander  getrennt, 
doch  sehr  nahe  mit  einander  A^erwandt  sind;  die  ganze  allge- 
meine Form  ist  dieselbe,  besonders  auch  die  «des  Vorder- 
rĂĽckens, dessen  Sculptur  nur  relativ  abv^^eicht,  indem  die 
Mittelleisten  bei  Tr.  costatus  nicht  mit  der  Winkelleiste 
nach  aussen  daneben  sich  berĂĽhren,  vi'as  sie  bei  Tr.  granu- 
latus thun,  daher  diese  Art  die  beiden  GrĂĽbchen  in  der 
Winkelleiste  zeigt,  welche  der  anderen  fehlen.  In  der  eigen- 
thĂĽmlichen  Bedeckung  stimmt  Tr.  costatus  am  meisten  mit 
Tr.  s  ĂĽb  er  OS  US  ĂĽberein. 

B.    Scutello    haud    hastato,     seu   elliptico,     seu    cordato- 
triangulari. 

Die  hierher  gehörigen  Arten  bilden  die  eigentliche  Gat- 
tung Trox,  welche  sich  auch  äusserlich  von  der  Gruppe  A. 
dadurch  absondert,  dass  die  Seitenlappen  des  VorderrĂĽckens 
inniger  an  die  Schulter  der  FlĂĽgeldecken  sich  anlehnen  und 
ausserdem  der  Rand  des  VorderrĂĽckens  der  meisten  Arten 
dicht  und  deuthch  gewimpert  oder  selbst  gefranzt  zu  sein 
pflegt.     Hierher  gehören  die  Europäer. 

a)  Elytris  plus  minusve  tuberculatis,    pronoti    mar- 
gine  vix  vel  parcius  ciliato. 

aa)  Species  Americanae. 

28.  Tr.  aeger  Guer.  (no.   61.) 

29.  Tr.  gemmifer  Bianch.  (no.   70  u.   71.) 


267 


30.  Tr.  pillularius  Germ.   (no.   66.) 

31.  Tr.  brevicollis  Eschsch.  (no.   69.) 

32.  Tr.  peruanus  Erichs,  (no.   67.) 


bildet  den  Uebergang  zu  Omorgus.     Sic  kann  als  besondere 


Diese  Gruppe    isolirt    sich    mehr   von  den  folgenden  und 
t  den  Uebergang  zu  C 
Gattung  aufgestellt  werden. 

bb)  Species  Africanae. 

33.  Tr.   rhyparoides  Har.   (no.    1.) 

Eine  sehr  eigenthĂĽmliche  Art,  die  sich  von  allen  ab- 
sondert; auch  durch  die  Form  des  kreisrunden  Schildchens 
sich  sehr  auszeichnet    und  eine  selbständige  Gattung  darstellt. 

cc)  Species  Europae. 

34.  Tr.  cribrum  Gene.  (no.   79.) 

35.  Tr.  per  latus  Goeze.  (no.  80.) 

b)  Elytris  seriatim  granulatis,    granulis    pronotique 
marginibus  fimbriatis. 

aa)  Species  Africanae. 

36.  Tr.   sulcatus  Thunb.   (no.    10.) 

37.  Tr.  caffer  Har.  (no.   7.) 

38.  Tr.  luridus  Fabr.   (no.   6.) 

39.  Tr.  fascicularis  Wied.  (no.   5.) 

bb)  Species  Americanae. 

40.  Tr.  tuberculatus  Degeer.  (no.  76.) 

41.  Tr.  Lecontei  Har.  (no.   77.) 

42.  Tr.  capillaris  Saj.  (no.   84.) 

43.  Tr.  unistriatus  Beauv.   (no.   86.) 

44.  Tr.  sordidus  Leconte.  (no.   88.) 

45.  Tr.  terrestris  Say.  (no.   89.) 

46.  Tr.  Erinaceus  Leconte.  (no.   90.) 

47.  Tr.  foveicollis  Har.  (no.  91.) 

cc)  Species  Europaeo-Asiaticae. 

48.  Tr.  morticinii  Fall.   (no.   72.) 

49.  Tr.  cadaverinus  Illig.  (no.   85.) 


268 

50.  Tr.   sabulosus  Linn.  (no.   87.) 

51.  Tr.  hispidus  Pontopp.  (no.  81.) 

52.  Tr.  transversus  Reich,  (no.  78.) 

53.  Tr.  seaber  Linn.  (no.  92.) 

Mit  dieser  Aufzählung  der  mir  vorliegenden  Arten  glaube 
ich  einen  Fingerzeig  ihrer  natĂĽrlichen  Verwandtschaft  unter 
einander  gegeben  zu  haben,  wonach  es  nicht  schwer  halten 
wird,  die  ĂĽbrigen,  mir  nicht  aus  eigener  Ansicht  bekannten 
gehörigen  Orts  unterzuordnen.  Die  geographischen  Gruppen 
weiter  zu  charakterisiren  schien  mir  unnöthig,  einmal  weil  es 
ziemlich  schwierig  wird,  manche  derselben  mit  wenigen  Wor- 
ten sicher  zu  begrenzen,  theils  aber  auch  weil  die  Heimats- 
Angabe,  welclie  ĂĽberhaupt  bei  entomologischen  Unterscheidun- 
gen nicht  mehr  entbehrt  werden  kann,  sie  genugsam  von 
einander  absondert.  Es  wäre  nicht  schwer  gewesen,  die  Zahl 
der  aufgeführten  Species  durch  Erwähnung  einzelner  nah 
verwandter  zu  vermehren;  ich  habe  es  aber  absichtlich  unter- 
lassen, um  keine  Missgriffe  zu  thun,  was  beim  Mangel  von 
Exemplaren  doch  möghch  blieb. 

Buenos  Aires,  den  7.  November  1875. 


Naturgeschichte  der  Rogenhofera  grandis, 

einer  Fliege   aus  der  Familie  der  Oestriden. 

Von 
Prof.  Carl  Ber«. 


Am  1 1 .  December  v.  J.  erhielt  das  hiesige  öffentliche 
Museum  eine  mit  Oestriden-Larven  behaftete  Maus,  welche 
durch  Mr.  Henry  Dumford  einige  Meilen  sĂĽdlich  von  Buenos 
Aires  gefangen  und  getödtet  worden  war. 

Die  Maus,  ein  trächtiges  Weibchen,  gehörte  zu  der  von 
Waterhouse  aufgestellten  Art,  Mus  flavescens,*)  und  die 
zwei  sichtbaren  Larven,  welche  in  grossen  FolUkeln  im  Unter- 
hautzellgewebe,   am    oberen    Hintertheil    des    Thieres    derart 


*)  Conf.  Proceedings  of  the  Zool.  Society  of  London.  1837,  p.  19 
u.  The  Zoology  of  the  Voyagc  of  II.  M.  S.  Beagle.  Part  IL,  p.  46. 
pl.  Xlll.  -  London,  1839. 


269 

schmarotzten,  dass  die  Stigmenplatten  unbedeutend  hervor- 
ragten, schienen  dem  flĂĽchtigen  Eindrucke  nach,  einer  Cute- 
r  e  b  r  a  -  Species  eigen  zu  sein. 

Herr  Prof.  Burmeister  ĂĽbergab  mir  die  Zucht  dieser 
interessanten  Thiere,  gleichzeitig  deren  Beschreibung  und  Ver- 
öflTentlichung  freundlichst  anheimstellend. 

Nach  24  Stunden  hatte  schon  die  eine  der  Larven  sich 
aus  ihrer  "Wohnhöhle  herausgearbeitet;  ihr  folgte  am  andern 
Tage  die  zvs^eite.  Am  dritten  Tage,  als  die  Maus  schon  stark 
in  Verwesung  ĂĽberging,  fanden  sich  noch  2  kleinere,  wenn 
auch  schon  im  dritten  Stadium  befmdhche,  so  doch  noch  nicht 
erwachsene  Larven  ein,  welche  vorher  nicht  bemerkt  worden 
waren. 

Bei  genauer  Untersuchung  der  Larven  glaubte  ich  nicht 
zweifeln  zu  dürfen,  dass  sie  zu  Cuterebra  gehörten,  und 
wohl  zu  derselben  Art,  die  Bauer  in  seiner  Monographie 
der  Oestriden,  Seite  224,*)  beschreibt;  sie  stimmten  mit 
derselben  recht  gut  ĂĽberein. 

Zur  Verwandlung  gab  ich  der  einen  erwachsenen  Larve 
Erde,  der  andern  Sägespäne;  in  letztere  setzte  ich  auch  die 
zwei  unerwachsenen.  Alle  arbeiteten  sich  schnell  hinein,  und 
ich  trug  Sorge,  dass  das  betreffende  Material  ziemlich  gleich- 
massig  feucht  erhalten  und  in  einem  dunklen  Raum  aufbewahrt 
wurde. 

Auf  diese  Weise  hatte  ich  die  Freude,  ein  Pärchen  zu 
erziehen.  Das  (^  entwickelte  sich  den  25.  Januar,  das  $  den 
26.  Die  zwei  unerwachsenen  Larven  aber  waren  zu  Grunde 
gegangen. 

Bei  der  Bestimmung,  bei  der  ich  Prof.  Burmeister  zu 
Rathe  zog,  ergab  es  sich,  dass  die  vorliegende  Art  die  Cephe- 
nomyia  grandis  Guerins  ist,  welche  dieser  Autor  als  aus 
Patagonien  stammend  angiebt,  und  die,  wie  Bauer  richtig  ver- 
m.uthet,  nicht  in  die  genannte  Gattung,  sondern  in  das  von 
ihm  fĂĽr  eine  aus  Brasilien  stammende  Art  errichtete  Genus 
Rogenhofe ra  gehört. 

Im  Nachfolgenden  gebe  ich  eine  ausfĂĽhrliehe  Beschieibung 
des  vollkommenen  Insekts,  das  Guerin  mit  vier  Zeilen  abge- 
than  hat,  gleichzeitig  dabei,  soweit  es  erforderlich  erscheint, 
die  sonst  fĂĽr  die  Charakterisirung  von  Gattungen  angewandten 
Merkmale  benutzend,  da  Herrn  Bauer  zur  BegrĂĽndung  seines 


*)  Larven  aus  Sciurus  aestuans  L.  und  Didelphys  philan- 
der L.  aus  Brasilien.  Gesammelt  von  Joh.  Natterer  in  Ypanema,  am 
25.  AprĂĽ  1820  und  14.  August  1821. 


270 

Genus  nur  ein  Individuum  (($?)  vorlag.  Ebenso  folgt  eine 
Beschreibung  der  Larve.  —  Die  der  andern  Art  eben  dieser 
Gattung  (H.  Irigonopbora  Bauer)  ist  unbekannt. 

Rogenhofera  grandis. 

Cephenomjia  grandis  Guerin.  Iconographie  du  Regne 
Animal  etc.  p.  548  —  Paris,  1829  —  1844.  —  Bauer,  Mono- 
graphie der  Oestriden.  p.  213.   —  Wien,   1863. 

Diagnose:  (J  <fe  $.  R.  atra,  breviter  et  dense  pilosa; 
thorace  scutelloque  flavido-pilosis ,  abdomine  ultimis  segmentis 
praecipue  ad  latera  pilis  fulvis;  pedibus  atro-pilosis,  pilorum 
apice  parum  fusco;  alis  nigro-fuscis  violaceo-micantibus.  — 
Long.   18  —  20  mm. 

Eine  kurz  und  dicht  behaarte  schwarze  Art,  mit  hell- 
gelbem Thorax  und  Schildchen,  und  gelbbraunen  Haaren  auf 
den  letzten  Segmenten,    besonders    den  Seiten  des  Abdomens. 

Scheitelweite  bei  dem  ,^  gegen  2  mm.,  bei  dem  $  3  mm. 

Augen  in  ihrer  Wölbung  wenig  über  den  Scheitel  her- 
vorragend; ihre  Färbung  tief  dunkelbraun,  bei  dem  eintrock- 
nenden (^  in  Gelbbraun  ĂĽbergehend. 

Die  Oberseite  des  Kopfes  fĂĽzig,  schwarz,  mit  zahlreichen 
seidenartigen  hellgelben  Härchen,  die  in  der  Mitte  des  Schei- 
tels, ĂĽber  dem  dreieckigen  nackten  Mittelfelde  ein  kleines 
Schöpfchen  bilden.  Der  übrige  Kopf  schwarz,  glänzend,  dünn- 
borstig behaart;  die  Behaarung  am  stärksten  unten  seitwärts 
an  der  FĂĽhlergrube.  Diese  selbst  dagegen  ohne  Haar  und 
stark  glänzend;  ihre  Trennungsleiste  stark  entwickelt,  im 
grössten  mittleren  Verlauf  kielförmig  vorspringend,  bei  dem  (^ 
bis  zur  Stirn  hinaufreichend  und  A^on  derselben  nur  durch  die 
Nath  getrennt,  während  sie  bei  dem  $  unter  der  weit  und 
stumpfwinklig  voi-tretenden  Stirn  zu  stehen  kommt.  Daselbst 
ist  sie  beiderseits  von  weisslicher  Färbung.  Der  untere  Theil 
plattet  sich,  besonders  bei  dem  ^,  ĂĽber  der  Mundspalte  ab, 
um  diese  letztere  oberhalb  zu  begrenzen. 

Oben  die  FĂĽhlergrube  bei  dem  $  tiefer  hirieinsinkend  als 
bei  dem  q. 

FĂĽhler  schwarz,  das  dritte  Glied  am  Aussenrande  braun. 
Die  Borste  gelbbraun. 

Mundtheile  schwarz,  Taster  keine  vorhanden. 

Thorax  und  Schildchen  mit  kurzen  mehr  oder  weniger 
strohfarbenen  Haaren  dicht  bekleidet.  Die  Seiten  und  die 
Unterbrust  schwarz. 

Beine  dicht   behaart;    die  Haare    schwarz,    an  der  Spitze 


271 

—  vorherrschend  die  der  Mittel-  und  Hinterschieuen  —  bräunr 
höh.     Tarsen    und  Klauen  schwarz.     Haftlappen  gelblich  grau. 

FlĂĽgel  schwarzbraun,  schwach  violett  schimmernd,  gegen 
den  Innenrand  und  die  Basis  unbedeutend  dunkler,  dagegen 
an  der  Spitze,  hinter  der  Quernder,  gelblich  braun,  welcher 
Charakter  wohl  allen  Arten  dieser  Gattung  zukommt.  Im 
Uebrigen  die  FlĂĽgel  wie  bei  R.  trigonophora.  Af'terlappen 
von  der  allgemeinen  Flügelfärbung.  Schüppchen  dunkelbraun 
mit  schwärzlicher  Randrippe.  Schwinger  schwarzbraun,  an 
der  Basis  gelblichbraun. 

Hinterleib  schwarz,  zwischen  den  dichten  Haaren  bläulich- 
metallisch durchschimmernd.  4.  und  5.  Segment,  hauptsäch- 
lich an  den  Seiten,  mit  längeren  gelbbraunen,  seidenglänzenden 
Haaren.  6.  Segment  mit  spärlichen  dunkelbraunen  Haaren. 
Unterseite  des  Abdomens  dicht  behaart,  schwarz. 

Ko})fbreite  6  —  7  mm. 

Körperlänge   18  —  20  mm. 

Flügellänge  14  — 15  mm. 

Vaterland:  die  Argentinische  Republik  und  Brasilien. 

Larve. 

Sie  stimmt  im  Ganzen  recht  gut  mit  der  oben  erwähnten, 
von  Bauer  in  seiner  Monographie  der  Oestriden,  Seite  224, 
unter  Cuterebra  beschriebenen  Art  ĂĽberein,  und  ist  ohne 
Zweifel  mit  derselben  identisch. 

Farbe  schwarzbraun,  am  Kopf  und  Hinterende  rothbraun. 

Körper  gedrungen,  nach  dem  Kopfe  zu  schwach  abschüs- 
sig, in  der  Form  mehr  oder  weniger  ei-  oder  birnförmig. 
Rückenseite  convex.  Bauchseite  sanft  gewölbt,  gegen  die  Seiten- 
wulst hin  etwas  eingesunken.  Beide  vom  2.  —  9.  Ring,  sowie 
die  drei  SeitenwĂĽlste  deutlich  unterscheidbar.  Am  10.  Seg- 
ment die  WĂĽlste  undeuthch  und  keine  neun  erkennbar,  wie 
bei  der  Beschreibung  von  Bauer.  (Sie  werden  dort  beim 
Eintrocknen  der  Larve  sich  formirt  haben.) 

Die  Vorder-  und  Hinterstigmen  wie  bei  der  Beschreibung 
des  genannten  Autors.  Ebenso  die  Beschuppung,  welche  nur 
das  Kopfsegment  um  den  Mund,  die  FĂĽhler  und  den  letzten 
(elften)  Ring  nackt  lässt. 

Die  dunkelbraunen  fettglänzenden  Schuppen  (mikroskopisch 
hohle  Gebilde)  sind  halbkreisförmig,  spatenartig,  stumpf  oder 
spitz  dreieckig;  ihr  freier  Rand  ist  gekerbt,  gezackt  oder 
seltener  auch  ganz.  Mehr  Kerbzähnc  oder  Zacken,  6—10, 
haben  die  tiefer  gelegenen;    weniger    die    auf   den  erhabenen 


272  ^ 

Stellen  befindlichen,  ja  zuweilen  keine.  So  beschaffen  sind 
besonders  viele  der  der  SeitenwĂĽlste. 

Diese  Schuppengebilde  verlaufen  derart,  dass  sie  vom 
Einschnitt  an  divergirend  zum  Segmentskamm  hinaufziehen  und 
also  daselbst  die  des  Vorder-  und  Hintersegments  sich  begeg- 
nend zusammenstossen.  In  Bezug  auf  ihre  Grösse  lässt  sich 
nicht  bestimmt  sagen,  dass  sie  nach  der  einen  oder  andern 
Richtung  hin  ab-  oder  zunähmen;  sie  sind  darin  ebenso  varia- 
bel untereinander,  wie  in  der  Form. 

Die  Deckelfurche  umkreist  die  vier  ersten  Segmente,  ist 
jedoch  durch  die  dichtstehenden  Schuppen  fast  gar  nicht 
sichtbar. 

Vorderstigmen  ĂĽber,  Mundtheile  und  FĂĽhler  unter  der 
Deckelfurche. 

Fühler  länglichrund,    mit   zwei  ocellenartigen  Pünktchen. 

Mundhaken  ziemlich  stark  entwickelt,  gebogen,  schwarz. 

Körperlänge  der  erwachsenen  Larve  20  —  22  mm. 

Breite  derselben  am  siebenten  Ring   10  — 11   mm. 

Wohnthiere:  Mus  flavescens  Waterh.  (Sciurus 
aestuans  L.    und  Didelphys    philander  L.    nach  Bauer.) 

Die  Tonne  ist  annähernd  birn-  oder  eiförmig.  Das 
Vorderende  wird  vom  5.  Segment  an  concav-abschĂĽssig;  das 
hintere  ist  dick  und  stumpf,  mit  etwas  ausgestĂĽlptem  10.  Ringe 
und  ganz  eingezogener  Stigmenplatte. 

Die  Rückenseite  ist  gleichmässig  abgerundet,  die  Segmente 
hervorragend  und  hinten  steiler  abschĂĽssig  als  vorn. 

SeitenwĂĽlste  deutlich  unterscheidbar. 

Die  Bauchseite  ist  wenig  convex;  ihre  Segmente  ähnlich 
den  oberen. 

Die  Vorderstigmen  bilden  einen  runden  Knopf,  der  aus 
ockergelben,  kurzen,  schwammigen,  am  Ende  schwach  kolbig 
verdickten  Haargebilden  besteht  und  in  der  Mitte  eine  längliche 
Oeffnung  zeigt. 

Länge  der  Tonne   18 — 19  mm. 

Breite  derselben  am  siebenten  Segment  8-9  mm. 

Tonnenruhe:   43  Tage. 

Buenos  Aires,  Ende  Februar    1876. 


27  :i 


Zusätze  und  Bemerkungen  zu  der  Ueber- 

siclit  der  europäisclien  Arten  des  Genus 

Ichneumon, 

vide  Entomolog.  Zeit.  (1873)  XXXIA^.    Ă–.  345, 


Oberforstraeister  Tlsclibein  iti  EuUii. 


Nachdem  ich  vor  2  Jahren  in  der  Entomol.  Zeitung  eine 
Uebersicht  der  Arten  des  Genu.s  Ichneumon  begonnen  habe, 
bin  ich  durch  fortgesetzte  Forschungen  und  Mittheilungen  von 
anderer  Seite  veranlasst,  jetzt  schon  mancherlei  Zusätze  und 
Bemerkungen  folgen  zu  lassen. 

Genus  Ichneumon  L. 

Sect.   I.  Hol  mg.   Tischb.   (=  Divis.   1.  W.   zum   Theil). 

1.    lehn.  Bohemani.  .^  Tischb. 

Schwarz  mit  weissen  Zeichnungen.  Palpen,  Basis  der 
Mandibeln,  Oberlippe,  Kopfschild,  Augenrand  im  Gesicht  und 
an  den  Wangen,  sowie  ein  Punkt  am  Scheitel,  2  Punkte  unter 
den  FĂĽhlern,  Unterseite  des  Grundgliedes  der  FĂĽhler,  Hals- 
kragen, eine  Linie  vor  den  FlĂĽgeln  und  ein  Punkt  unter  den 
FlĂĽgeln,  FlĂĽgelschuppe,  Scutellum,  Flecke  an  den  Hinter- 
ecken der  Segmente  1  bis  4,  Vorderseite  der  Vorder-  und 
MittelhĂĽften,  der  Vorder-  und  Mittelsehenkel  und  der  Vorder- 
und  Mitteltibien  weiss;  die  Vorderseiten  der  Hinterschenkel  sind 
hell  kastanienbraun.    18  mm. 

Kopf,  Thorax  und  Scutellum  ziemlich  stark  und  diciit 
punktirt,  Metathorax  runzelig,  ar.  merid.  halbmondförmig, 
Theilungslinie  zwischen  dem  oberen  Aussenfeide  und  dem 
zahntragenden  Felde  deutlich;  Mittelfeld  des  Pof^tpetiolus  run- 
zelig nadelrissig;  Gastrocälen  tief  grubenförmig,  zwischeu- 
liegender  Raum  so  breit  als  das  Mittelfeld  des  Postpetiolus, 
runzelig  nadelrissig. 

Dieser  am  1.  Juli  im  Hochwalde  bei  Birkenfeld  gefangene 
Ichneumon    hat    die    grösste   Aehnliclikeil   luiL   lehn.   Boliemani 


274 

$  H.,    so    da.s.s    ich    nicht    zu  irren  s^laube,   wenn  ich   ihn  als 
Männchen  /.n  dieser  Art  stelle. 

'1.     lehn.   j)ercussor.   $  Tisch h. 

Sdnvai-z  mit  rothgelben  Beinen.  Ein  Fleck  am  Scheitel, 
weit  nach  hinten  stehend,  und  Sattel  der  FĂĽhler  weiss;  Spitze 
der  Mandil)eln.  Schenkel,  Tibien  und  Tarsen  hellroth;  Rand- 
ader schwarz,  der  FlĂĽgelrand  vor  derselben,  sowie  FlĂĽgel- 
mal rothgelb.'     l'-i  mm. 

Fühler  borstenförmig,  oberhalb  der  Mitte  stark  und  platt 
gedrĂĽckt;  Kopfscliild  stark  punktirt,  Stirn  nadelrissig  punktirt, 
Scheitel  und  Wangen  schwächer,  aber  dicht  punktirt;  Meso- 
notum  dicht  j)Mnktirt;  Scutellum  glänzend  glatt  mit  einzelnen 
groben  Punkten;  Metanotum  punktirt,  wenig  runzelig,  ar. 
superom.  mit  schwachen  Leisten  begrenzt,  bienenkorbförmig, 
hinten  mit  einspringendem  Winkel,  nadelrissig;  Postpetiolus 
nadelrissig  mit  wenigen  eingestochenen  Punkten;  Grastrocälen 
tief  grubenförmig,  runzelig,  der  zwischenliegende  Raum  so 
breit  als  das  Mittelteld  des  Postpetiolus  mit  Fortsetzung .  def 
Nadelstriche  desselben;  HinterhĂĽften  dicht  und  ziemlich  stark 
punktirt,  behaait,  aber  ohne  eigentliche  Bürste;  die  Legeröhre 
steht.  1mm.  aus  dem  Hinterleibe  hervor. 

Ein  Weibchen  am    i.  Juli  bei  Birkenfeld  gefangen. 

var.  1.  $  An  den  Hinterbeinen  sind  die  Knie,  die  Spitzen 
der  Tibien  und  die  Tai-sen  schwarz. 

Ein  Weibchen  am    10.   August    bei  Birkenfeld    gefangen. 

Von  lehn,  lineator,  ferreus  und  bilineatus  durch  die 
Sculptur,  Färbung  des  Körpers  und  Flügelmales  unterschieden. 

ii.   lehn,   explorator.  .^  Tischb. 

Schwarz  mit  gell)rothen  Beinen.  Palpen  grauschwarz; 
Mandibeln  mit  rother  S})itze,  abei-  schwarzen  Zähnen;  Kopf- 
.schild  mit  einem  kleinen  weissen  Punkt  in  den  unteren  Seiten- 
ecken; Augenrand  ĂĽberall  schwarz;  FlĂĽgelmal  und  Radius 
ganz  schwarz,  FlĂĽgelrand  vor  dem  Radius  nach  der  Wurzel 
zu  röthlich:  Beine  gelbroth  mit  schwarzen  Hüften,  Schenkel- 
ringen und  Hintertarsoii  von  der  Mitte  des  ersten  Gliedes  an. 
iL   mm. 

Die  FĂĽhler  sind  kurz  und  stark;  Kopf  und  Thorax  dicht 
und  ziemUch  grob  punktirt;  das  Scutellum  ist  gewölbt  und 
dicht  punktirt;  der  Metathorax  ist  runzelig-punktirt,  die  ar. 
superom.  fast  halbmondförmig,  hinten  durch  eine  winkelig 
eingekuicktt;  Linie  geschlossen  und  ziemlich  glänzend  mit  feinen 


275 

Runzeln  ohne  Punkte;  Pöstpetiolus  nadelrissig;  Grästrocälen  tief 
grubenförmig  mit  Runzeln;  der  zwischenliegende  Raum  breiter 
als  das  Mittelfeld  des  Pöstpetiolus,  stark  nadelrissig. 

Ein  Männchen  von  Wien  erhalten. 

Es  passt  dieser  Ichneumon  so  recht  weder  in  die  erste 
Section,  da  ihm  der  weisse  Fleck  am  Augenrande  des  Schei- 
tels fehlt,  noch  in  die  zweite,  da  die  FĂĽhler  nicht  so  schlank 
sind,  wie  sie  bei  den  Männchen  dieser  Section  sein  sollen. 
Ich  stelle  diese  Art  einstweilen  in  die  erste  Section,  zu  bili- 
neatus. 

4.  lehn,  dubius.  $  Tischl). 

Schwarz.  Palpen  grauschwarz;  Mandibeln  in  der  Mitte 
und  an  der  Spitze,  sowie  Kopfschild  in  den  Ecken  roth; 
Augenrand  an  der  Stirn  weiss,  am  Scheitel  mit  weissem  Fleck; 
FĂĽhler  mit  weissem  Sattel;  FlĂĽgelmal  und  Radius  schwarz; 
Vorderbeine  mit  bräunlichen  Knieen  und  Vorderseiten  der  Ti- 
bien,  Mittel-  und  Hinterbeine  schwarz,  sämmtliche  Tibien  mit 
weissem  Ring.      14  — 15  mm. 

Fühler  borstenförmig,  ziemlich  schlank  und  in  der  oberen 
Hälfte  abgeplattet;  Kopf  und  Thorax  dicht  punktirt;  Schild - 
chen  flach  gewölbt  und  dicht  punktirt;  Metathorax  punktirt, 
sehr  wenig  runzelig,  die  ar.  superom.  breit  halbmondförmig, 
schwach  runzelig,  fast  glatt;  Pöstpetiolus  nadebissig,  am  Ende 
mit  eingestochenen  Punkten,  an  den  Seiten  glatt  und  punktirt; 
Gastrocälen  quer  grubenförmig,  fast  grabenförmig,  mit  schwa- 
chen Runzeln,  der  in  der  Mitte  liegende  Raum  nadelrissig  und 
kaum  so  breit  als  das  Mittelfeld  des  Pöstpetiolus;  Hinterhüften 
grob  punktirt  und  ohne  BĂĽrste. 

Ein  Exemplar  aus  Oesterreich. 

var.  1.  $.  Der  weisse  Fleck  am  Scheitel  fehlt,  der 
weisse  Augenraiid  an  der  Stirn  nur  schwach  vorhanden. 

Ein  Exemplar    bei    Birkenfeld    am   10.  August  gefangen. 

Vielleicht  gehört  dieses  Weibchen  zu  meinem  lehn,  falcatus 
,^,  vid.  Ent.  Zeit.  XXXIV.  p.  3.53.  neben  den  es  vorläufig  zu 
stellen  ist. 

5.  lehn,   funebris.  Holmg. 

Ein  Männchen  dieser  Art,  dem  aber  die  weissen  Flecke 
vor  und  unter  den  FlĂĽgeln  fehlen,  fing  ich  am  10.  October 
bei  Birkenfeld. 

Eine  Gruppirung  der  zur  Sect.  I.  gehörigen  Arten,  durch 
welche  zugleich  das  Auffinden  erleichtert  wird,  giebt  folgende 
Tabelle. 

18* 


:>7H 

A.  Die  ersten  oder  alle  Hinterleibssegmente  zu  beiden  Seiten 
mit  weissen  Flecken  (bei  lehn,  cretatus  ,^  nur  der  Hinter- 
rand   des   Segmentes   1   weiss,    $   ohne    weisse   Flecke).  *) 

a)  Mittel-   u.   HiuterrĂĽcken 

mit  weissen  Flecken   .  centummaculatiis.  $  Christ.  ,^ 

15  —  17   mm.     ^ 

b)  Mittel-    u.  HinterrĂĽckeu 
ohne  weisse  Flecke. 

1.  Scutellum  weiss  (aus- 
nahmsweise nur  am 
Hinterrande  weiss  oder 

gaiiz  schwarz)  ....  Bohemani  $  H.  ,^  Tischb. 

16  —  24  mm. 
Hugillatorius.  $  L.  q   Zett. 

12  —  16  mm. 
cyaniventris.  ,^  $  W. 

12  mm. 
niulticinctus.  ,^  Gr.  $  W. 

10 — 11   mm.    wohl    besser 

zu  »Sect.  II. 

2.  Scutellum  an  d.  Seiten- 
rändern weiss  (aus- 
nahmsweise schwarz)  cretatus.  (^  $  Gr.   12  —  13mm. 

B.  Ohne  weisse  Flecke  auf  den  Seiten  der  Hinterleibssegmente. 
A.  Vor  dem  Scutellum  mit  2  weissen  Strichen. 

1.  Hinterleib  schwarz.   .  hneator.  ,;J  $  Gr.    12— 18  mm. 

ferreus  ,^  Or.  $  W. 

12-18  mm. 
albicillus. 
impressor.  $  Zett.  0^  W.) 

12  mm. 
restaurator   (lineator.   var. '?) 

2.  Hinterleib  schwarz  und 

roth ruficauda.  ,_J  $  W.    14  mm. 

serenus. 

rufinus.  $  Gr.  rj  W.    10  mm. 
microstictus. 
leucomius. 
anthracinus.(5*$H.  12 — 18mm. 

*)  Audi  lehn,  liuealor  hat  mitunter  um  die  Hiutcrecken  des 
Segmentod  1  \vei.sse  Flocke ,  gehört  aber  nicht  zu  der  Gruppe  A  und 
IĂźt  leicht  durch  die  weissen  Striclie  vor  dem  Scutellum  zu  unler- 
^^cheiden. 


277 
B.  Vor  dem  Scutellum  ohne  weisse  Striche. 

i.  Hinterleib  roth  und  schwarz. 

a)  Scutellum  ganz  weiss  pisorius.  $  L.  ,^  Rossi. 

22  —  25  mm. 
«imilatorius,  ,^  F.  $. 

18-20  mm. 
Coqueberti  ,^  $  W. 

18-20  mm. 
imperiosus. 
ruben.«*. 

b)  Scutellum  schwarz  od. 
(bei  den  ,5^)  am  Hinter- 
rande  mit  2  weissen 

Punkten castaniventris.  $  Gr.  ,j*  W. 

11-17  mm. 

c)  Scutellum  bei  dem  ^ 
an    der  Spitze  weiss, 

bei   dem  $  schwarz  haesiator. 

quadrimaculatus. 

2.  Hinterleib  schwarz. 

a)  Scutellum  ganz  oder 
nur    am    Hinterrande 

weiss. 

a)  Hinterschenkel  roth    Majri.  $  Tischb.    16  mm. 
multicolor. 
rudis. 
aa)  Hintersch.  schwarz. 

b)  Hintertibien     weiss 
geringelt   oder  mit 

weissem  Strich  .   .  fuscipes.  ,5^  Gml.  $  W. 
12-18  mm. 
desultorius. 
nobilis. 
bb)  Hintertibien   nicht 

weiss  geringelt .   .  leucocerus.  $  Gr.  .^  W. 
15  —  18  mm. 
sinister.  ^^IV.    15— 18mm. 
falsificus.  ^$  W.  16— 18  mm. 


278 

Ăź)  Scntellum  schwarz. 

a)  Hinterschenkel  roth  .  bilineatus.  $  Gr.  ^  W. 

12-17  mm. 

consimilis. 

inquilinus.  ,^  H.   12 — 14  mm. 

percussor.  $  Tischb.    14  mm. 

explorator.  ,^  Tischb.    1 1    mm. 
aa)  Hintersch.  schwarz. 

b)  Hintertibien  bei  ,^  u. 

$  weiss  geringelt  .  falcatus.  (J  Tischb.    16  mm. 
dubius.  $  Tischb.   14—15  mm. 
periscelis.  $  W.  ^  H. 
12-18  mm. 
bb)  Hintertibien  bei  dem 
,^  weiss  geringelt,  bei 

dem  $  schwarz .   .   .  comitator.  $  L.  r^  W. 
12-17  mm. 
bbb)  Hintertibien  bei  den 
,^  und  $  nicht  weiss 
geringelt.   .....  derasus.  ,^  $  W.   12  mm. 

funebris.  rj  $  H.   12  — 16  mm. 
eburnifrons. 

Sect.  n.  Holmg.  Tischb.  (=  Divis.  1  und  5  W.  zum  Th eil). 

Dieser  Sect.  muss  ich  lehn,  discriminator  $  W.  einfĂĽgen, 
obgleich  diese  Art  hierher  nicht  so  recht  zu  passen  scheint, 
in  einer  anderen  Sect.  aber  noch  viel  weniger  untergebracht 
werden  kann.  Zur  Sect.  I.  kann  dieser  Ichneumon  nicht  ge- 
stellt werden,  da  ihm  der  weisse  Fleck  an  den  Augenrändern 
des  Scheitels  fehlt,  zur  Sect.  IV.  (bisher  Sect.  HI.)  desshalb 
nicht,  weil  die  Endsegmente  des  Hinterleibes  ganz  schwarz 
ohne  weisse  Flecke  sind.  Sonst  sieht  diese  Art  ganz  so  aus, 
als  gehörte  sie  in  die  letztgenannte  Section,  und  hat  Aehnlich- 
keit  in  Grösse,  Sculptur  und  Farben  mit  lehn,  stramentarius  $  Gr. 

6.  lehn,   discriminator.  $  W. 

Wesmael,  Remarques  critiques   p.   51. 
Ich.  luctatoriup.    Gr.  Ichneumonologia    Europaea.     Pars    I. 
pg.   411. 

Da  das  vou  mir  aufgefundene  Exemplar  mit  der  von 
Wesmael  gegebenen  Beschreibung  nicht  so  ganz  ĂĽbereinstimmt. 


279 

doch  aber  zur  selben  Art  gehört,  wie  eine  Vergleichung  mit 
dem  in  der  zoologischen  Sammlung  in  MĂĽnchen  befindlichen 
Exemplare,  welches  durch  Wesmael  bestimmt  wurde,  ergeben 
hat,  so  gebe  ich  hier  die  genaue  Beschreibung  meines  Exem- 
plares. 

Schwarz  und  gelb.  Am  Kopfe  sind  die  Palpen ,  die  Augen- 
ränder bis  zum  Scheitel,  und  Flecken  in  den  Winkeln  des  Cljpeus 
gelb,  die  Mandibeln  haben  braune  Spitzen;  das  Grundglied  der 
FĂĽhler  hat  an  der  Basis  vorne  einen  braunen  Fleck,  .  die 
Peitsche  ist  weiss  geringelt  von  Glied  9  bis  14;  der  Halsring  ist 
oben  etwas  gelbhch-braun,  am  Thorax  sind  gelb  ein  langer 
Strich  vor  und  ein  kurzer  unter  den  FlĂĽgeln,  sowie  das 
Scutellum;  die  FlĂĽgel  sind  etwas  getrĂĽbt,  die  Randader  ist 
schwarz,  der  davor  liegende  Raum  und  das  Mal  sind  gelblich- 
braun, die  FlĂĽgelschuppe  ist  braun  mit  gelbem  Vorderrand; 
die  Vorder-  und  MittelhĂĽften  sind  gelb,  am  Grunde  braun,  die 
HinterhĂĽften  sind  schwarz  mit  gelbem  Fleck  an  der  Spitze  auf 
der  Oberseite,  die  Apophysen  der  Vorder-  und  Mittelbeine 
sind  braun  und  gelb,  die  der  Hinterbeine  braun,  die  Schenkel 
sind  schwarz,  an  den  Vorder-  und  Mittelbeinen  mit  gelber 
Vorderseite,  Tibien  und  Tarsen  gelb,  die  hinteren  Tibien.mit 
schwarzer  Basis  und  Spitze;  am  Hinterleibe  ist  am  Segmente  1 
der  Stiel  schwarz,  der  Hinterrand  aber  ist  gelb  und  schwarz; 
Segment  2  ist  gelb  mit  rostrothem  Hinterrand,  welche  Farbe 
sich  in  der  Mitte  bis  unter  die  Hälfte  des  Segmentes  ausdehnt; 
Segment  3  ist  ebenfalls  gelb  mit  rostrothem  Vorder-  und  Hih- 
terrand  und  schwarzem  dreieckigen  Fleck  am  Hinterrand;  die 
Segmente  4  —  7  sind  ganz  schwarz.      16  mm. 

Fühler  borstenförmig;  Kopf  und  Thorax  stark  und  dicht 
punktirt,  Metathorax  runzelig  punktirt,  Scutellum  sehr  erhoben, 
dachförmig,  nach  vorn  und  hinten  schräge  abfallend,  mit  ein- 
zelnen Punkten;  Feld  des  Metathorax  von  starken  Leisten  be- 
grenzt, ar.  superom.  vorne  gerade,  an  den  Seiten  ausgebuch- 
tet und  hinten  eingebuchtet  umleistet,  breiter  als  lang  und 
wie  die  ĂĽbrigen  Felder  stark  runzelig  punktirt;  Postpetiolus 
nadelrissig,  hinten  und  an  den  Seiten  punktirt;  Gastrocälen 
tief  grubenförmig  mit  einigen  Falten,  der  dazwischenliegende 
Raum  nadelrissig,  in  der  Mitte  etwas  schmäler  als  das  Mittel- 
feld des  Postpetiolus;  HinterhĂĽften  ohne  BĂĽrste. 

Ein  .$  am  1.  März  im  Buchenwalde  bei  Birkenfeld 
unter  der  Moosdecke  eines  Felsblockes,  im  Winterquartier, 
gefunden. 

Nachstehende  Tabelle  giebt  eine  Uebersicht  der  zur  Sect, 
U.  gehörenden  Arten. 


280 

I.  Scutellum  an  den  Seitenrändern 

weis? trilineatus.  (^  $  Gr. 

J2-16  mm. 
scutellator. 
moestus. 
tenator. 

II.  Scutellum  weiss  oder  gelblich. 

1.  Hinterleib  schwarz  od.  blau- 
schwarz. 

a")  Hintertibien  weiss   gerin- 
gelt   pistorius.  ,^  $   Gr. 

15  —  21  mm. 
atrocoeruleus.  $  Tischb. 

14  mm. 
bicoloripes.  ,^  Tischb.   16  mm. 
aa)  Hintertibien   nicht  weiss 

geringelt seticornis.  ,^  Tischb.    13  mm. 

2.  Hinterleib  schwarz.    Segm. 

2  und  3  braun  gerandet  .  perspicuus. 

3.  Hinterleib  schwarz,  die  Seg- 
mente 2  und  3  (4)  roth  .  Ephippium.  $  H.   20  mm.      •  • 

4.  Hinterleib  schwarz,  die  Seg- 
mente (1)  2  u.   3  gelb  .  .  discriminator.  $  W.     16  mm. 

in.  Scutellum  schwarz   .....  culpator.  $  Schrank.  ,^  W. 

14-20  mm. 

Sect.  m.  Tischb.   (=  Divis.    1.   W.    —   Sect.   4  Holmg.) 

Holmgren  hat  in  d.  Entomologia  Suecica  zuerst  eine  eigne 
Section  fĂĽr  lehn,  gemellus  errichtet,  und  zwar  mit  Recht,  da 
Männchen  und  Weibchen  zusammen  in  keine  der  von  Wesmael 
aufgestellten  Abtheilungen  passen.  Das  Männchen  hat  die 
Kennzeichen  der  Divis.  1.  W.  und  das  Weibchen  die  Kenn- 
zeichen der  Divis.  2.  W.  Eben  desshalb  muss  diese  Art  auch 
zwischen  diese  beiden  Abtheilungen  gestellt  werden,  und  nach- 
dem eine  Sect.  2.  von  der  Sect.  1  abgetrennt  wurde,  zwischen 
Sect.  2  und  diejenige  Section,  in  welcher  die  Verwandten 
des  Weibchens  stehen. 

Sect.  IV.  Tischb.  (Divis.   2  W.    —   Sect.   3  Holmg.) 

In  dieser  Sect.  ist  es  ganz  besonders  schwierig,  die  Zu- 
sammengehörigkeit der  Männchen  und  Weibchen  zu  constatiren. 


281 

Wesmael  hat  die8e.s  in  sehr  vielen  Fällen  gethan  und  meistens 
sicher  getroffen.  Nur  in  wenigen  Fällen  ist  Holmgren  nicht 
mit  Wesmael  einverstanden.  Die  nordischen  Naturforseher 
können  diese  Frage  leichter  und  sicherer  entscheiden,  da  bei 
ihnen  weniger  Arten  vorkommen.  In  manchen  Fällen  hat 
Wesmael  sich  selbst  corrigirt,  wie  dies  ja  weitere  Forschungen 
mit  sieh  bringen. 

7.   lehn,   vivacior.  $  Tischb. 

Als  ich  diesen  Ichneumon  in  der  Entomologischen  Zeitung, 
XXXIV.  424,  beschrieb,  kannte  ich  nur  wenig  Exemplare, 
welche  ich  im  Sommer  gefangen  hatte.  Im  Winter  1873 
habe  ich  von  dieser  Art  nun  eine  grössere  Menge  von  Exem- 
plaren, in  Gesellschaft  von  lehn,  gracilentus  .9  W.  —  lehn, 
inquinatus  $  W.  —  und  lehn,  computatorius  $  Müller,  im 
Buchenwalde  unter  Moos  gesammelt  und  war  dann  im  Sommer 
60  glücklich  an  denselben  Stellen  13  Männchen  zu  fangen, 
welche  meines  Erachtens  unzweifelhaft  hierher  gehören. 

lehn,  vivacior.  ^   Tischb. 

9  vid.  Ent.  Zeitung  XXXIV.  424. 

Schwarz  und  gelb.  Mund,  Gesicht  und  Augenrand  der 
Stirn,  Grundglied  der  FĂĽhler,  Halskragen,  2  Punkte  an  der 
Basis  der  VorderflĂĽgel,  FlĂĽgelschuppen,  Scutellum,  Segment  1 
am  Hinterrande,  Segment  2  —  4  ganz,  vordere  Schenkel  zum 
Theil,  Tibien  und  Tarsen  gelb,  die  hintersten  Tibien  mit 
schwarzer  Spitze;  Flügelmal  und  Randader  hell  braun.  8  — 
13  mm. 

Kopf  und  Thorax  ziemlich  stark  punktirt;  Scutellum  mas- 
sig gerundet,  dicht  punktirt;  Metathorax  lunzelig,  die  Leisten 
der  Felder  stark,  das  obere  Mittelfeld  breiter  als  lang;  Post- 
petiolus  ziemlich  stark  nadelrissig;  Gastrocälen  tief  gruben- 
förmig  und  runzelig;  Hinterleibssegment  3    so  lang   wie  breit, 

(^  var.  1.  Der  Vorderrand  der  Segmente  2.  3  und  4 
rostroth, 

(^  var.   2.     Der  gelbe  Fleck  unter  dem  FlĂĽgel  fehlt. 

(^  var.   3.     Segment  5  mit  schmalem  gelben  Hinterrand. 

,^  var.   4.     Segment  4  braungelb,   am  Hinterr.   schwarz. 

Von  lehn,  gracilentus.  ,^  W.  leicht  zu  unterscheiden  durch 
die  schwarze  Unterseite  der  FĂĽhlerpeitsche  und  die  ar.  supe- 
rom.,  welche  bei  lehn,   vivacior.  bi-eiter  als  lang  ist. 

Im  August  und  September  im  Buchenwalde  bei  Birken- 
feld schwärmend. 


282 

Von  dem  Weibchen  habe  ich  nachverzeichnete  Varietäten 
eingesammelt : 

$  var.    1.  Augenrand  nicht  roth. 

$  var.  2.  Gesicht,  Kopfschild  und  Oberlippe  rothbraun. 

$  var.  3.  Stiel  des  Segmentes   1   schwarz. 

$  var.  4.  Segment  3  am  Vorderrande  mit  2  schwarzen 
Flecken. 

$  var.   T).  Segment  5  trägt  einen  weissen  Flecken. 

8.    lehn,  caedator.    $  Gr. 

Wesmael  sagt  von  dieser  Art,  die  er  nur  aus  Graven- 
horet's  Sammlung  kennt,  in  den  Remarques  critiques,  pag.  34, 
Les  antennes  sont  un  peu  courtes,  contourn6es  et  amincies 
vers  Textremite.  Es  ist  das  allerdings  richtig,  die  FĂĽhler  sind 
nach  der  Spitze  verdĂĽnnt,  aber  in  so  geringem  Grade,  dass 
man  dieselben  nicht  borstenförmig  nennen  kann,  sie  vielmehr 
als  fadenförmig  ansehen  muss.  Die  Art  muss  demnach  aus 
der  Subdiv.  1  ausscheiden  und  in  die  Subdiv.  2  eingereiht 
werden,  woselbst  sie  neben  lehn,  proletarius.  W.  zu  stellen  ist. 

Die  Farben  sind  bei  dem  Weibchen  sehr  variabel.  Mit- 
unter ist  das  ganze  Gesicht  roth,  es  fehlen  die  weissen  Flecken 
vor  und  unter  den  FlĂĽgeln,  oder  es  fehlt  der  schwarze  Strich 
an  der  Basis  des  Segmentes  3,  auch  sind  mitunter  die  Hinter- 
schenkel ganz  roth. 

Das  Männchen  dieser  Art  war  bisher  unbekannt;  ich  be- 
sitze zwei  Exemplare,  die  mir  mit  einer  grossen  Anzahl 
Weibchen  aus  Wien  zugekommen  sind. 

lehn,  caedator.  ,^  Tischb. 

Schwarz  und  röthlich.  Der  Mund,  das  Gesicht,  die  Vor- 
derseite der  Grundglieder  der  FĂĽhler,  Halskragen,  ein  Punkt 
vor  und  ein  Strich  unter  den  FlĂĽgeln,  sowie  FlĂĽgelschuppe 
und  Scutellum  gelblich-weiss;  Flügelmal  und  ßandader  röthlich. 
FĂĽhlerpeitsche  auf  der  ganzen  Unterseite  und  auf  der  Ober- 
seite von  der  Mitte  bis  zur  Spitze  roth,  von  der  Mitte  bis 
zum  Grunde  etwas  .sehwäi-zlich.  Am  Hinterleibe  sind  die  Seg- 
mente 2  und  3  gelbroth,  Segment  4—7  schwarz,  Segment  6 
und  7  mit  ausgedehnten  weissen  Flecken.  HĂĽften  und  Tro- 
chanter  schwarz;  Apophysen  roth;  Schenkel,  Tibien  und 
Tarsen  der  Vorder-  und  Mittelbeine  röthhch;  Hinterschenkel 
schwarz  mit  rother  Basis ,  Hintei'tibien  röthlich  gelb  mit  schwar- 
zer Spitze,  Hintertarseii  röthlich.    11    mm. 


28? 

Die  FĂĽhler  sind  unten  und  in  der  Mitte  etwas  verdickt; 
das  Scutellum  ist  glatt;  Kopf  und  Thorax  sind  dicht  punktirt; 
der  Metathorax  ist  runzelig-punktirt ;  das  obere  Mittelfeld  ist 
etwas  länger  als  breit,  vorne  etwas  gerundet  und  hinten  mit 
einspringendem  Winkel;  Postpetiolus  nadel rissig;  Gastrocälen 
grubenförmig ,  ziemlich  tief  und  runzelig;  Segment  3  wenig 
breiter  als  lang. 

^  var.  1.  Segment  3  mit  abgekĂĽrztem  Strich  am  Vor- 
derrande, Segment  5  —  7  mit  weissem  Fleck. 

^  var.   2.     Segment  4  mit  verwaschenem   rothen  Fleck. 

lehn,  decipiens.  Holmg.  —  Ichneumonologia  Suecica.  p.  69 
—  scheint  mir  zu  lehn,  caedator  Gr.  zu  gehören.  Holmgren 
stellt  diese  Art  freilich  in  seine  Abtheilung:  Margo  genarum 
infra  basin  mandibularum ,  in  feminis  saltem,  plus  minusve 
dilatatus  et  reflexus  und  war  hiezu  auch  wohl  berechtigt,  da 
er  von  den  Weibchen  nur  kleine  Exemplare  gehabt  zu  haben 
scheint  und  bei  diesen  der  untere  Theil  der  Wangen  etwas 
angeschwollen  ist. 

9.  lehn,  strangulator.  ,^  Tischb. 

Schwarz  und  gelb.  Mund,  Gesicht,  Vorderseite  der 
Grundglieder  der  FĂĽhler,  Halskragen,  ein  langer  Strich  vor 
den  FlĂĽgeln  und  ein  ebenfalls  langer  Strich  unter  den  FlĂĽgeln, 
FlĂĽgelschuppe,  Scutellum,  Flecke  an  den  HĂĽften,  Apophysen, 
Vorderseite  und  Knie  der  Vorderschenkel,  Knie  an  den  Mittel- 
beinen, sämmtliche  Tibien  und  Tarsen  hellgelb,  die  hinteren 
Tarsen  mit  schwarzer  Spitze.  Am  Hinterleibe  sind  die  Seg- 
mente 2  bis  4,  sowie  die  Hinterecken  des  Segmentes  1  gelb, 
Gastrocälen  und  Einschnitte  der  Segmente  1  bis  4  rostfarben, 
am  Hinterrande  des  Segmentes  4  steht  ein  abgekĂĽrzter  schwar- 
zer Strich,  und  Segment  5  hat  unbestimmte  gelbe  Flecken,  so 
dass  dieses  Segment  auch  wohl  mehr  oder  weniger  gelbe  Farbe 
zeigen  könnte.      20  mm. 

Kopf  und  Thorax  dicht  und  massig  stark  punktirt;  Scu- 
tellum gewölbt;  Metathorax  rauh  punktirt  aber  wenig  runzelig, 
die  Leisten  stark,  das  obere  Mittelfeld  viel  breiter  als  lang, 
hinten  mit  einspringendem  Winkel  geschlossen,  die  oberen 
Seitenfelder  nicht  getheilt;  Postpetiolus  dicht  nadelrissig;  Gastro- 
cälen grubenförmig,  tief  und  runzelig;  Segment  3  viel  breiter 
als  lang. 

Dem  lehn,  horridator  ,^  Ziegler  in  Grösse  und  Färbung 
ähnlich,    aber    durch    die    angegebenen   Merkmale,    besonders 


284 

durch  die  andere  vSeulptur  des  HinterrĂĽckens.   leicht  zu  unter- 
scheiden. 

Im  Juli  im  Buchen-  und  Eiehenwalde  bei  Birkenfeld  ge- 
fangen. 

JO.    lehn,   eoniger.  $  Tischb. 

Schwarz.  Scutellum,  Ring  der  Antennen  und  Flecken 
auf  dem  RĂĽcken  der  Segmente  6  und  7  weiss;  Beine  roth 
mit  schwarzen  HĂĽften.  Spitzen  der  Hintertibien  und  ganz 
.'schwarzen  Hintertarsen.      17  — 18  mm. 

Die  FĂĽhler  sind  stark,  jedocli  nach  den  Enden  zu  zuge- 
spitzt, Kopf  und  Thorax  dicht  punktirt,  Metathorax  runzelig 
punktirt,  oberes  jVIittelfeld  etwas  länger  als  breit,  vorne  fast 
gerade,  an  den  Seiten  etwas  gerundet  und  hinten  winkelig 
begrenzt;  Postpeliolus  nadelrissig;  Gastrocälen  tief,  vorne  run- 
zelig uud  hinten  grabenförmig,  der  zwischenliegende  Raum  ist 
etwa  so  breit  als  das  Mittelfeld  des  Postpetiolus ;  die  Hinter- 
hĂĽften  tragen  einen  kurzen  behaarten  Zahn. 

$  var.  1.  Unter  den  FlĂĽgeln  ein  weisser  Fleck,  erstes 
Tarsenglied  der  Hinterbeine  roth. 

Ich  habe  diese  Art,  welche  zu  lehn,  tuberculipes.  W.  zu 
stellen  ist,  bei  Birkenfeld  im  Sommer  gefangen,  die  Varietät 
aber  aus  Wien  erhalten. 


11.    lehn,  euneatus.    $  Tischb 

Schwarz.  Scutellum,  ein  Sattel  der  Fühler.  Ghed  9  — 14 
der  Peitsche,  Flecke  auf  den  Segmenten  6  und  7  weiss;  die 
Beine  sind  schwarz,  und  nui-  die  vorderen  und  mittleren  Ti- 
bien  an  der  Vorderseite  dunkel  rothbraun.      12  mm. 

Fühler  fadenförmig;  Kopf  und  Thorax  stark  punktirt; 
Schildchen  wenig  gewölbt;  Metathorax  runzelig,  ar.  superom. 
gross  und  etwas  breiter  als  lang;  Postpetiolus  nadelrissig; 
Giastrocälen  gross,  grubenförmig  und  vorne  runzelig;  der 
zwischenliegende  Raum  schmäler  als  das  Mittelfeld  des  Post- 
petiolus; die  HinterhĂĽften  tragen  eine  Tuberkel. 

Ein  Weibchen  im  Winterquartiere  unter  Moos  im  Buchen- 
walde bei  Birkenfeld  gefunden. 

Diese  Art  gehört  wegen  der  fadenförmigen  Fühler  und 
des  Zapfens  an  den  HinterhĂĽften  zur  Subdiv.  1.  I.  A.. 
steht  hier  aber  wegen  der  schwarzen  Hintertibien  ganz 
allein. 


â– 285 

12.  lehn,   retractus.  $  Tischb. 

Als  ich  diese  Art  in  der  Entomol.  Zeit.,  Bd.  34,  S.  419, 
besehrieb,  hatte  ich  nur  2  Exemplare;  im  verflossenen  Winter 
habe  ich  dei-en  aber  mehrere  eingesammelt,  und  besitze  nun 
nach  verzeichnete  Varietäten : 

:^  var.    1.     Halskragen  oben  roth. 

$  var.   2.     Die  Seiten  des  Segmentes  4  roti». 

$  var.   8.     Halskragen  oben  und  Augenrand  der  Stirn  roth. 

$  var.   4.     Tarsen  der  Hinterbeine  an  den  Enden  schwarz. 

$  var.   5.     Auch  Segment  5  mit  weissem  Fleck. 

$  var.   6.     Augenrand  an  der  Stirn  weissgelb. 

13.  lehn,  glaucus.   $  Tisehb. 

Schwarz  und  roth.  Scutelluni  und  Sattel  der  FĂĽhler 
weiss,  Segment  2  und  ?>  dunkelroth,  Segment  5  bis  7  auf 
dem  Rücken  mit  l)läulich-weissen  Flecken,  Hüften  und  Schen- 
kel schwarz.  Tibien  und  Tarsen  dunkelroth.  die  hintersten 
Tibien  mit  schwarzer  Spitze.      12  mm. 

Fühler  fadenförmig;  Kopf  mit  verdickten  Wangen;  Kopf 
und  Thorax  dicht  und  fein  punktirt,  Metathorax  punktirt  und 
fein  runzelig,  ar.  superom.  wenig  länger  als  breit,  vorne  und 
an  den  Seiten  gerundet,  hinten  durch  eine  Linie  mit  einsprin- 
gendem Winkel  geschlossen;  Postpetiolus  fein  nadelrissig,  am 
Ende  mit  eingestochenen  Punkten;  Gastrocälen  schwach,  der 
zwischenliegende  Raum  etwa  so  breit  als  das  Mittelfeld  des 
Postpetiolus. 

Ein  Weibchen  bei  Birkenfeld  gefangen. 

Zu  lehn,  bucculentus.  W.  tmd  lehn,  gracilentus.  W.  zu 
stellen. 

14.  lehn,   immisericors.  $  Tischb. 

Schwarz  und  roth.  Palpen  und  Spitze  der  Mandibeln 
schwarzbraun;  Kopf  schwarz;  FĂĽhler  mit  weissem  Ringel, 
Glied  7  bis  13  der  Peitsche;  Thorax  schwarz  mit  weissem 
Scutellum;  Hinterleibssegmente  2  ganz,  3  an  den  Seiten  roth, 
6  und  7  mit  weissem  Fleck;  FlĂĽgel  getrĂĽbt,  Schuppe  und 
Randader  schwarz,  Rand  vor  derselben  und  Randmal  hellbraun; 
Vorder-  und  Mittelbeine  mit  röthlichen  Knien,  Tibien  und  Tar- 
sen, an  den  Hinterbeinen  sind  die  Tibien  roth  mit  schwarzer 
Spitze,  die  Tarsen  schwarz,  und  nur  die  erste  Tarse  hat 
röthliche  Ba.sis.      16  mm. 


286 

Fühler  borstenförmig,  jedoch  nicht  besonders  schlank; 
Kopf  und  'i'iiorax  dicht  punktirt,  Metathorax  punktirt  runzelig, 
ar.  superom.  etwas  länger  als  breit,  nach  hinten  schmäler 
werdend,  vorne  bogenförmig,  hinten  mit  einspringendem  Win- 
kel geschlossen;  Postpetiolus  nadelrissig,  an  den  Seiten  nadel- 
rissig und  punktirt;  Gastrocälen  grubenförmig,  runzelig,  aber 
nicht  besonders  tief;  der  zwischeuliegende  Raum  so  breit  als 
das  Mittelfeld  des  Postpetiolus  und  nicht  nadelrissig.  Hinter- 
hiiften  ohne  BĂĽrste. 

Ein  Weibchen  von  Wien  erhalten. 

15.  lehn,   venustus.  ,j   Tischb. 

Schwarz  und  gelb.  Kopf  schwarz,  Palpen  grau,  Mandi- 
beln  an  der  Spitze  i-oth,  Augenrand  im  Gesicht  bis  ĂĽber  die 
FĂĽhler  gelb;  FĂĽhler  schwarz,  mit  gelber  Vorderseite  des 
Grundgliedes  und  braunei-  Spitze  der  Peitsche;  Thorax  schwarz 
mit  weissem  Schildchen  und  kleinem  gelben  Fleck  vor  den 
FlĂĽgeln;  FlĂĽgel  mit  schwarzer  Schuppe  und  Randader,  Mal, 
Wurzel  und  Raum  vor  der  Randader  gelb;  Hinterleib  schwarz, 
Segmente  2  und  o  gelb  mit  rostrothen  Hinterrändern  und 
einem  schwarzen  Fleck  am  Hinterrande  des  Segmentes  3, 
Segment  7  mit  weissem  Fleck;  HĂĽften  schwarz,  Schenkel, 
Tibien  und  Tarsen  röthlich  gelb,  Tibien  mit  weisser  Basis, 
die  hinteren  Tibien  an  der  Spitze,  sowie  die  hinteren  Tarsen 
schwarz,      i  1  —  1 2  mm. 

Fühler  lang ;  Kopf  und  Thorax  dicht ,  Scutellum  weitläutig 
punktirt;  ar.  superom.  bei  dem  einen  Exemplare  so  lang  wie 
breit,  bei  dem  andern  etwas  breiter  als  lang,  vorne  bogen- 
förmig, hinten  schwach  bogenförmig  geschlossen;  Postpetiolus 
nadelrissig;  Gastrocälen  schwach,  grubenförmig,  der  zwischen- 
liegende Raum  breiter  als  das  Mittelfeld  des  Postpetiolus. 

,^  var.  I.  Augenrand  im  Gesicht,  Vorderseite  des  Grund- 
gliedes der  FĂĽhler  und  Flecken  vor  und  unter  den  FlĂĽgeln 
gelbweiss,;  die  Segmente  2  und  3  sind  nicht  am  Hinterrande, 
sondern  in  der  Mitte  rostroth,  auf  vSegment  2  steht  in  der 
Mitte  ein  schwarzer  Fleck,  wogegen  der  schwarze  F''leck  am 
Hinterrande   des  Segmentes  3  fehlt. 

Im  Juli  und  September  bei  Birkenfeld  im  Buchenwalde 
schwärmend. 

16.  lehn,   vafer.  ,^  Tischb, 

Schwarz.  Palpen,  Mandibeln  bis  auf  die  schwarze  Spitze 
und  Lefze  grauweiss;   Augenrand  im  Gesichte  breit  und  Flecke 


287 

in  den  Winkeln  des  Kopfschildes  weisslich;  FlĂĽgelmal,  Wur- 
zel und  Vordenand  des  FlĂĽgels  rothgelb,  Randader  nach  dem 
Male  zu  schwarz;  HĂĽften  und  Trochanter  schwarz,  Vorder- 
und  Mittelschenkel  rothgelb,  erstere  mit  schwarzem  Fleck  am 
Grunde  der  Hinterseite,  Mittelschenkel  mit  schwarzer  Basis, 
Hinterschenkel  schwarz,  Tibien  rothgelb,  die  hinteren  mit 
schwarzen  Spitzen,  Tarsen  rothgelb,  an  den  Hinterbeinen  das 
Klauenglied  schwarz.      13  mm. 

Kopf  und  Thorax  dicht  und  stark  punktirt,  Schildchen 
gewölbt  und  ebenfalls  dicht  punktirt;  oberes  Mittelfeld  des 
Metathorax  fast  doppelt  so  breit  wie  lang  und  hinten  mit  stark 
einspringendem  Winkel;  Postpetiolus  nadelrissig;  Gastrocälen 
tief  und  runzelig,  der  zwischenliegende  Raum  etwas  breiter 
als  das  Mittelfeld  des  Postpetiolus   und  nadelrissig. 

Ein  Männchen  aus  Ungarn. 

17.  lehn,  insidiator.  ,^  Tischb. 

Schwarz  und  roth.  Am  Kopfe  sind  die  Palpen,  Mandi- 
beln,  Augenränder  vom  Munde  bis  zum  Scheitel,  Ecken  des 
Clypeus  und  zwei  Flecke  unter  den  FĂĽhlern  gelb;  das  Grund- 
ghed  der  FĂĽhler  hat  an  der  Vorderseite  einen  gelben  Fleck, 
und  die  Peitsche  ist  auf  der  Vorderseite  braun;  am  Thorax 
sind  2  Flecke  vor  und  unter  den  FlĂĽgeln  gelb,  das  Scutellum 
ist  gelblich -weiss ;  am  FlĂĽgel  sind  Mal,  Randader  und  Wurzel 
gelb,  die  Radialader  ist  an  der  Wurzel  gelb,  nach  dem  Male 
hin  schwarz,  die  FlĂĽgelschuppe  ist  gelbbraun;  am  Hinterleibe 
sind  die  Segmente  2  und  3,  sowie  der  Vorderrand  des  Seg- 
mentes 4  hell  braunroth;  die  Beine  sind  ebenfalls  hell  braun- 
roth  mit  schwarzen  HĂĽften,  Trochanteren  und  den  Spitzen  der 
hintersten  Tibien  und  Tarsen.      1 1   mm. 

Kopf  und  Thorax  stark  und  dicht  punktirt,  Scutellum 
etwas  gewölbt,  glänzend  glatt  und  wenig  punktii't;  ar.  superom. 
vorne  und  hinten,  sowie  an  den  Seiten  durch  bogenförmige 
Leisten  begrenzt,  fast  glatt;  Postpetiolus  fein  nadelrissig; 
Gastrocälen  flach,  der  zwischenliegende  Raum  breiter  als  das 
Mittelfeld  des  Postpetiolus;  Hinterleibssegment  kaum  etwas 
breiter  wie  lang. 

Ein  Männchen  von  Danzig. 

Dem  lehn,   venustus  r^  nahe  verwandt. 

18.  lehn,   flavipetiolatus.  ^^  Tischb. 

Bei  der  Beschreibung  dieses  Ichneumon,  Eutom.  Zeitung, 
Band  34,  Seite  436,  habe  ich  anzugeben  vergessen,  dass  das 


288 

Scutellum  dachförmig  erhoben,  nach  vorne  und  hinten  schräge 
abfallend  ist.  r<^h  hahc-  je(/t  ein  zweites  Exemplar  aus  Oester- 
reich  erhalten. 

19.    lehn.  auxilVr.  ^  Tischb. 

Schwär/,  und  roth.  Der  Kopf  ist  ganz  schwarz,  jedoch 
schimmern  die  Palpen  und  Mandibeln  etwas  röthlich;  die  Fühler 
haben  schwarze  Grundglieder,  die  Peitsche  ist  vom  ersten  bis 
zum  sechsten  Gliede  an  der  Oberseite  schwarz  und  an  der 
Unterseite  gelblich-weiss,  die  Glieder  7  bis  16  sind  ganz  weiss 
und  von  da  bis  zur  Spitze  sind  die  FĂĽhler  schwarz;  Thorax 
mit  dem  Scutellum  ganz  schwarz;  Hinterleib  schwarz,  Segment 
2  und  3  braunroth,  der  Vorderrand  und  die  Seiten  des  Seg- 
mentes i  aber  schwarz;  FlĂĽgelschuppe  und  Radialader  schwarz, 
FlĂĽgehnal,  Rand  und  Wurzel  braungelb;  HĂĽfte  und  Trochanter 
schwarz.  Apophysen  roth,  Vorderschenkel.  Tibien  und  Tarsen 
gelbroth,  die  Mittelbeine  ebenso,  jedoch  die  Schenkel  mit 
schwarzem  Fleck  auf  der  Hinterseite,  Hinterschenkel  schwarz 
mit  rother  Basis,  Hintertibien  und  Tarsen  rothgelb  mit  schwar- 
zen Spitzen.      14  mm. 

Kopf  und  Tkorax  stark  und  dicht  punktirt;  Schildclieu 
etwas  gewölbt:  Metathorax  runzelig  punktirt,  ar.  superom. 
vorne  durch  eine  stark  bogenförmige  Leiste  geschlossen,  hin- 
ten aber,  da  die  Querleiste  fehlt,  mit  der  ar.  posteromedia 
verbunden,  und  da  auch  dieser  die  Leisten  fehlen,  welche  sie 
von  den  hinteren  Miitelzellen  trennen,  so  bilden  diese  zusam- 
men ein  grosses  Feld,  zu  welchem  auch  noch  die  hinteren 
äusseren  Felder  kommen,  da  auch  hier  die  Leisten  fehlen; 
die  oberen  Aussenfelder  sind  ebenfalls  mit  den  zahntragenden 
Feldern  verbunden;  Postpetiolus  stark  nadelrissig;  Gastrocälen 
grubenförmig,  tief  und  runzelig,  der  zwischenliegende  Raum 
jn  der  Mitte  zwischen  den  Gastrocälen  schmäler  als  das  Mittel- 
feld des  Postpetiolus  und  slark  nadelrissig;  Hinterleibssegment  3 
breiter  als  lang. 

Ein  Männchen  von  Crefeld. 

1^  var.  1.  FĂĽhler  schwarz,  nur  das  erste  Ghed  der 
Peitsche  an  der  unteren  Seite  gelbbraun  und  an  den  Gliedern, 
welche  bei  der  Slammart  den  weissen  Ringel  tragen,  ist  an 
der  Aussenseite  ein  heller  Schimmer  zu  bemerken;  Segment  2 
an  den  Seiten  und  am  Hinterrande  braunroth,  sonst  der  ganze 
Hinterleib  schwarz;  Beine  wie  bei  der  Stammart;  die  bei  die- 
ser am  Metathorax  fehlenden  Leisten  sind  bei  der  Varietät 
vorhanden,    jedoch   nur  sehr  .schwach  angedeutet,    es  ist  aber 


289 

die  Foi-m  der  ar.  superoin.,   welche  vorn  sehr  stark  bogenförmig 
und  breiter  als  lang  ist,  deutlich  zu  erkennen. 

Ein  Männchen  am  I T).  Juni  auf  SchirmptJanzen  bei  Bir- 
kenfeld gefangen. 

20.  lehn,   rugosus.  ,^  Tischb. 

Diese  neue  Art  habe  ich  in  der  Stettiner  Entom.  Zeitung, 
Band  34,  Seite  435,  beschrieben  und  bemerke  hier,  nachdem 
ich  im  vorigen  und  diesen  Sommer  mehrere  Exemplare  dieser 
Art  gefangen  habe,  dass  die  Farben  des  Kopfes  an  den  mei- 
sten Exemplaren  mehr  gelb  als  weiss  sind.  Ferner  bemerke 
ich,  dass  der  Satz:  ,,Gastrocälen  klein  und  schwarz  runzelig*"" 
einen  Sinn  entstellenden  Druckfehler  enthält,  es  soll  heissen: 
,,Gastrocälen  fast  gross  und  schwach  runzelig^'. 

An  Varietäten  habe  ich  weiter  gefunden: 

var  2.  Wie  var.  J ,  doch  auch  vur  den  FlĂĽgeln  ein 
gelber  Fleck   und   die   voi'dere  Hälfte  der  Flügelschuppe  gelb. 

var.  3.  Wie  var.  1 ,  Jedoch  fehlen  die  Flecken  vur 
und  unter  den  FlĂĽgeln. 

var.  4.  Die  hintere  HĂĽfte  des  Segmentes  1  und  Seg- 
ment 2  und  3  röthlich. 

var.   5.     Segment  7  mit  oblongem  weissen  Fleck. 

var.  6.  Flügelschuppe  ganz  gelb,  hintere  Hälfte  des 
Segmentes  1,  Vorderrand  des  Segmentes  2,  Vorder-  und 
Hinterraud  des  Segmentes  3  rostroth.  Segment  7  mit  weissent 
Fleck. 

21.  lehn,   bisignatus.  ^  Gr. 

Zu  den  in  der  Entomol.  Zeitung,  Band  34,  Seite  432, 
l)eschriebenen  beiden  Varietäten  habe  ich  eine  dritte  gefunden, 
die  ich  hier  beschreibe. 

var.  3.  Grundglied  der  Antennen  schwarz,  das  Seg 
ment  2  ist  schwarz  bis  auf  die  Vorderecken,  welche  bis 
hinter  die  Gastrocälen  gelb  sind,  das  Segment  3  ist  gelb  mit 
dreieckigem  schwarzen  Fleck  am  Vorderrande  und  verschwom- 
menem schwarzen  Fleck  in  der  Mitte;  Segment  4  ist  schwarz 
mit  gelben  Seiten  und  Hinterrand. 

Am  10.  August  I  Exemplai-  im  Buclienwalde  bei  Birkeu- 
feld  gefangen. 

22.  lehn,   halteatus.   $  W. 

Die  FĂĽhler  der  kleineren  Exempkire  sind  mitunter  nach 
dem  Ende  so  wenig  zugespitzt,  da^s  man  sie  für  fadenförmig 
halten  könnte. 

19 


290 

23.  lehn,  luteipes.  $  W. 

Diesen  seltenen  Ichneumon  erhielt  Wesmael  vom  Profes- 
sor Kriechbaumer,  der  ihn  bei  Chur  gefangen  hatte.  Ich  habe 
diese  Art  auch  bei  Birkenfeld  im  Buchenwalde,  unter  Moos 
im  Winterquartier,  Anfangs  März,  gefunden.  Ausserdem  be- 
sitze ich  sie  aus  dem  sĂĽdlichen  Frankreich. 

24.  lehn,  diversor.  $  W. 

Diese  seltene  Art  war  bisher  nur  aus  Schweden  bekannt. 
Ich  habe  sie  jetzt  auch  von  Elberfeld  erhalten,  woselbst  sie 
durch  Oberlehrer  Cornelius  gefangen  Mairde.  Da  sie  eine 
rothe  Hinterleibsspitze  mit  weissen  Flecken  hat,  so  passt  sie 
nicht  so  ganz  in  die  Sect.  IV.  T.,  deren  Weibchen  eine 
schwarze  Hinterleibsspitze  mit  weissen  Flecken  besitzen. 

25.  lehn,  xanthoriur. 

Es  ist  Kriechbaumer's  Verdienst,  zuerst  darauf  hingewie- 
sen zu  haben,  dass  lehn,  xanthorius.  r^,  Grav.  lehn.  Europ. 
P.  I.  pag.  361  —  Wesmael  Tent.  pag.  61,  nicht  zu  lehn, 
xanthorius.  $  Forst.  Gr.  W.  gehört,  sondern  zu  lehn,  sexcinc- 
tus.  $  Gr.  Pars  I.  pag.   454." 

Das  Männchen  zu  lehn,  xanthorius  $  Forster  ist  lehn, 
quadrifasciatus  r^  Gr.  und  lehn,  flavoniger  r^  Gr.  und  wie  folgt 
zu  beschreiben: 

lehn,  xanthorius.  ,^. 

lehn,   quadrifasciatus.  ,^  Gr.  I.   402. 

lehn,   flavoniger.  ,^  Gr.  I.   403. 

Sch-warz  und  gelb.  Kopf  schwarz  mit  gelben  Palpen, 
Mandibeln,  Gesicht  nebst  Kopfschild  und  Oberlippe;  FĂĽhler 
schwarz  mit  gelber  "\^)rderseite  des  Grundgliedes;  am  Thorax 
sind  gelb:  der  Halskragen,  ein  Fleck  vor  und  ein  anderer  unler 
den  FlĂĽgeln,  das  Schildchen  und  2  Flecke  am  Metathorax; 
die  Flügel  sind  angeräuchert  mit  gelber  Schuppe,  gelbbraunem 
Male  und  solcher  Riindader;  die  Beine  mit  den  HĂĽften  und 
Trochunteren  sind  gelb  und  schwarz;  am  Hinterleibe  sind  die 
Segmente  1  bis  4  entweder  schwarz  mit  gelben  Hinterräudern 
oder  gelb  mit  sciimäleren  oder  breiteren  Vorderrändeni. 
10  —  19  mm. 

Kopf,  Tiiorax  und  Seiiteihnn  stark  iiiid  dielit  punktlrt, 
-Metathorax  nnr/.elig  inid  stark  punktirt,  die  Leisten  .seharf, 
ar.  supentm.    n.eistens  längei-  als  breit,   selten  quadratiscli,   naeh 


291 

hinten  etwas  verengt,  hintere  Leiste  mit  einwärts  stehendem 
schwachem  Winkel;  Postpetiolus  schwach  nadelrissig;  Gastro- 
eälen  grubenförmig ,  gross  und  runzelig,  der  zM'ischenliegende 
Raum  etwa  so  breit  wie  das  Mittelfeld  des  Postpetiolus,  und 
stärker  als  dieses'  nadelrissig. 

In  meiner  Sammlung  habe  ich  folgende  Vai'ietäten  auf- 
gestellt: 

var.    1.     lehn,   (^uadrifasciatus.  q    Gr. 

Hinterleibssegmente  1 — 4  schwarz  mit  gelbem  Hinterrand. 

var.  la.  Ganz  mit  Gravenhorst's  Beschreibung  ĂĽberein- 
stimmend.    Montpellier. 

var.  Ib,  Wie  var.  la.,  aber  Segment  6  mit  schmalem 
gelben  Hinterrand  und  Segment  7  mit  gelbem  Fleck.  Mont- 
pelher. 

var.  Ic.  Wie  var.  la.,  jedoch  Segment  4  nur  an  den 
Hinterecken  gelb.     Montpellier. 

var.  2.     lehn,  flavoniger.  ,^  Gr. 

Hinterleibssegmente  1  bis  3  gelb,  an  der  Basis  schwarz, 
4  ganz  sclnvarz  oder  gelb  oder  schwarz  und  zum  Theil  gelb. 

var.   2a.     Segment  4  ganz  gelb.     Dalmatien. 

var.  2b.  Segment  4  schwarz  mit  gelbem  Hinterrand. 
Birkenfeld,  Wien. 

var.  2c.  Segment  4  gelb  mit  schwarzem  Yorderraud. 
Dalmatien,    Wien. 

26.    lehn.  Lieh  teilst  eini.  ,^  Tischb. 

Schwarz  und  gelb.  Am  schwarzen  Kopfe  sind  gelb:  die 
Palpen,  Mandibeln,  das  ganze  Gesicht  oder  nur  der  Augeu- 
rand  des  Gesichtes;  FĂĽhler  schwarz  mit  gelber  Vorderseile 
des  Grundgliedes;  am  Thorax  sind  gelb:  Halskragen,  ein  Punkt 
vor  und  ein  Punkt  unter  den  FlĂĽgeln,  Scutellum  und  Post- 
scutellum,  am  Mesothorax  stehen  3  gelbbraune  Flecken,  die 
mitunter  aber  auch  fehlen;  Flügel  gelbgrau  angeräuchert.  Mal, 
Randader  und  Rand  der  FlĂĽgelschuppe  gelb;  an  den  Beinen 
sind  die  Coxen  und  Trochanter  schwarz,  die  Apophysen,  Schen- 
kel, Schienbeine  und  Tarsen  gelb;  am  Hinterleibe  sind  die 
Segmente  1  bis  4  gelb,  der  Stiel  und  Yorderrand  des  Seg- 
mentes 2  sind  rostroth,  die  Segmente  3  und  4  haben  eben- 
falls rostrothen  Yorderrand,  in  dessen  Mitte  aber  eine  abge- 
kĂĽrzte schwarze  Linie  steht.      14  mm. 

Kopf  und  Thorax  dicht  und  stark  punktirt,  Metathorax 
runzelig  punktirt.  ar.  superom.  breiter  als  lang,  halbmond- 
förmig; Postj)etioliis  schwach  nadelrissig;    Gastrocälen  gruben- 

19* 


29'^ 

förmig,    runzelig,    aber  nicht   giü,-?«,    zwischenliegeuder  Raum 
breiter  und  stärker  nadelrissig  als  das  Mittelfeld  des  Postpetiolus. 

var.    1.     Metathorax  mit  3  gelbbraunen  Flecken. 

Von  Lichtenstein  bei  Montpellier  gefangen. 

27.    lehn,   nemoralis.  ,^  Tischb.  *) 

Schwarz  und  gelb.  Am  schwarzen  Kopfe  sind  die  Pal- 
pen, Mandibeln  und  mehr  oder  weniger  das  Gesieht  und  die 
Oberlippe  gelb;  die  Vorderseite  des  Grundgliedes  der  FĂĽhler 
ist  gelb;  am  Thorax  sind  gelb:  ein  langer  Strich  vor  und  ein 
Strich  unter  den  FlĂĽgeln,  das  Scutelhim  und  zwei  Striche  vor 
demselben  an  der  Aussenseite  der  Leisten,  sowie  2  Flecke  am 
Metathorax;  die  FlĂĽgel  sind  getrĂĽbt  mit  gelbrothem  Malie  und 
solcher  Randader,  die  FlĂĽgelschuppe  ist  gelb;  die  HĂĽften  sind 
schwarz,  die  mittleren  und  hinteren  mit  gelbem  Fleck,  die 
Trochanteren  schwarz,  die  Apophysen  seliAvarz  oder  gelb,  die 
vorderen  Schenkel  sind  gelb  mit  schwarzer  Hinterseite,  die 
mittleren  Schenkel  schwarz  bis  zur  Hälfte,  dann  gelb,  die 
hinteren  Schenkel  sind  schwarz  mit  gelben  Knien,  die  Tibien 
und  Tarsen  sind  gelb;  Hinterleibssegmente  i  bis  4  gelb,  1  mit 
schwarzem  Stiel,  2,  3  und  4  mit  rostrothem  Vorderrand;  Bauch 
der  Segmente  2  bis  4  gelb,   5  bis  7  gelbbraun.    13  — 18  mm. 

Kopf  und  Thorax  dicht  punktirt,  Scutellum  erhaben,  dicht 
punktirt;  Metathorax  rauh  punktirt,  ai-.  superom.  länger  als 
breit,  vorne  und  hinten  bogenförmig,  an  den  Seiten  gerade 
oder  last  gerade  begrenzt;  Postpetiolus  schwach  nadelrissig; 
Gastrocälen  grubenförmig,  mittehnässig  gross  und  tief,  runzelig, 
der  zwischenliegende  Raum  so  breit  als  das  Mittelfeld  des 
Postpetiolus  und  nadelrissig;  Segment  3  breiter  als  lang. 

Bei  Birkenfeld  am   10.  August  im  Buchenwalde  gefangen. 

var.  1.  Segment  4  mit  abgekĂĽrzter  schwarzer  Linie  am 
Vorderrande,  Segment  5  mit  gelben  Seiten  und  gelbem  Hinter- 
rande.    Wien. 

var.  2.  Die  gelbe  Zeichnung  vor  dem  Scutellum  nur 
durch  einen  Punkt  angedeutet,  Segment  2  an  den  Seiten  von 
ilen  Vorderecken  bis  zur  Mitte,  Segment  3  am  Vorderrande 
und  an  den  Seiten  )»is  zur  Hälfte  schwarz,  Segment  i  am 
Vorderrande  mit  abgekĂĽrzter  schwarzer  Linie. 

Bei  Birkenfeld  am  16.  August  im  Buchenwalde  gefangen. 

(Schhiss  folgt.) 


^)  lehn,  noniuralis.  l-'ourcroy  i.^L  oiii  lU-solcptuti ;  und  ilesylialb  der 
^Na^au  bei  Ichiieuiaou  wold  v^'ieder  zu  vcrvvendoii. 


293 


Exotisches 

von 
H.  B.  novellier  in  Kronförstchen  bei  Bautzen. 


(Fortsetzung.) 

Die  nun  folgenden  Bombjcidae  bespreche  ich  nach  dem 
Verzeichniss  der  Verfasser  von  1868.  Eine  neuere  Arbeit 
Grote's  ĂĽber  einige  Familien  der  Spinner,  vom  November  1874, 
welche  mir  dui'ch  die  GĂĽte  des  Verfassers  in  einem  Separat- 
abdruck vorliegt,  werde  ich  an  den  betreffenden  Stellen  an- 
führen. Auffallend  ist  es,  dass  in  dem  älteren  Verzeichniss 
die  Gattung  Nola  Leach  ganz  fehlt,  sie  scheint  von  den  Ver- 
fassern nicht  zu  den  Spinnern  gezählt  worden  zu  sein. 

Zeller  in  seiner  Arbeit  „Beiträge  zur  Kenntniss  der  nord- 
amerikanischen Nachtfalter"  in  den  Verhandlungen  der  zool.- 
bot.  Gesellschaft  in  Wien,  März  1872,  beschreibt  5  Arten, 
nämlich:  Malana  Fitch,  Nigrofasciata  Zell.,  Minuscula 
Zell.,  Melanopa  Zell.,  Strictalis  Zell.  Zu  diesen  Arten 
tritt  noch  Zelleri  Grt.,  welche  mit  der  von  Zeller  beschrie- 
benen Malana  Fitch  identisch  ist;  Zeller  hatte  diese  Art  ver- 
kannt und  fĂĽr  Malana  angesehen.  Mir  ist  bloss  diese  Art  in 
Natur  bekannt.  Von  Nigrofasciata,  Melanopa  und  Stric- 
talis giebt  Zeller  auf  tab.  11.,  f.  1,  2  u.  3,  Abbildungen  der 
VorderflĂĽgel. 

Bei  den  Verfassern  beginnen  die  Spinner  mit  den  Litho- 
siinae,    welche    10  Gattungen   in   folgender  Reihe  enthalten: 

Hypoprepia  Hb.  mit  Fucosa  Hb.  =  Atolmis  tricolor  Fitch 
und  als  mögliche  Varietät  Miniata  Kb.  (Ijithos.)  =  Gnophria 
vittata  Harr. 

Cisthene  Wlk.  Subjecta  Wlk.  =  Hypoprepia  Packardii 
Grt..  und  als  mögliche  Varietät  Unifascia  Grt.  &  Rbs. 

Stretch  bildet  noch  zwei  Arten  ab,  nämlich  Faustinula  Bdv. 
und  Nexa  Bdv.;  beide  sind  von  Boisduval  in  seinen  Lepidopt. 
de  la  Californie  als  zur  Gattung  Lithosia  gehörend,  beschrieben. 

Lithosia  Argillacea  Pack.  =  Bicolor  Grt.  und  Cephalica 
Grt.   &  Rbs.    Letztere  Art  ist  erst  später  —  1870  —  publicirt. 

Crambidia  Pack.  Pallida  Pack. 

Eustixis  Hb.  Pupula  Hb.  =  Laeta  Hb. -Geyer.  =  Mieza 
Igninix  Wlk.      Subfervens  Wlk    (Mieza)  spec.   distinct? 


294 

ricmcnsia  Pack.  Albata  Pitck.  =  Repa  Cana  Wlk.  und? 
IJxia  Alhida  Wlk.  Diese  Gatlung  sielil  Nola  sehr  nahe,  Rippe  5 
der  HinferfUigel  entspringt  wie  bei  Roeseha  aus  der  JVĂĽtte  der 
Mittelzelle.  Der  Mann  fĂĽhrt  auf  der  Unterseite  der  Vorder- 
fitigel in  Zelle  1  nahe  der  Wurzel  einen  starken  Haarbusch, 
den  Pack,   unerwähnt  lässt. 

Euphanessa  Pack.  Mendica  Wlk.  (Nudaria)  =a  Endule 
Biseriata  H.  Seh.  exot.  Die  Gattung  steht  Nudaria  sehr  nahe, 
unterscheidet  sich  aber  schon  durch  die  grosse  Anhangzelle 
der  VorderflĂĽgel. 

Als  zu  dieser  Art  gehörend  wurde  mir  eine  Raupe  in 
Abbildung  zugesandt,  welche  einer  Spannerraupe  vollkommen 
gleicht.  Liegt  hier  keine  Verwechslung  zu  Grunde,  so  wäre 
dies  ein  sehr  interessantes  Factum.  Der  Schmetterling  unter- 
scheidet sich  von  den  Spannern  durch  die  nicht  wurzelwärts 
gegabelte  Dorsalrippe  der  VorderflĂĽgel,  das  Fehlen  der  Haft- 
borste und  der  OceUen. 

Das  Weib  dieser  Art  scheint  selten  zu  sein,  ich  erhielt 
stets  nur  Männer.  Ueber  die  Raupe  könnten  amerikanische 
Entomologen  gewiss  leicht  Klarheit  bringen. 

Dysauxes  Hb.  Mediastina  Hb. 

Crocota  Hb.  mit  8  Arten:  Rubicundaria  Hb.  Brevicornis 
Wlk.  var.  Rubicundaria  Wlk.  =  ?  Eubaphe  Aurantiaca  Hb. 
Quinaria  Grt.  =  Choroina  Reakirt,  Nigricans  Reak.  Immaculata 
Reak.  var.  trimaculosa  Reak.  Ferruginosa  Wlk.  Opella  Grt.  ? 
Laeta  Bdv.  (Lithos.)  =  Treatii  Grt. 

Utetheisa  Hb.  =  Deiopeia  Steph.  mit  Ornatrix  L.  (Noct.) 
Bella  L.  (Tin.)  Speciosa  Wlk.  (Deiop.)  Stretch  bildet  noch 
eine  vierte  Art  ab,  in  welcher  ich  nur  Lotrix  Cr.  109  f.  E.  F. 
erkennen  kann. 

Will  man  als  Unterschied  zwischen  den  Lithosidae  und 
Arctiidae  das  Vorhandensein  oder  Fehlen  der  Nebenaugen 
gelten  lassen,  und  es  ist  wohl  das  einzige  Trennungsmerkmal, 
so  gehört  diese  Gattung  in  Folge  ihrer  deutlichen  Nebenaugen 
nicht  hierher,  sondern  in  die  nächste  Famihe.  Herr.-Schät!'. 
bezweifelt,  dass  man  Deiopeia  und  CaUimorpha  ĂĽberhaupt  ge- 
nerisch  trennen  kann.  Ob  der  Gattungsnam.e  Utetheisa  Hb. 
vor  Deiopeia  Steph.  Berechtigung  hat,  kann  ich  nicht  ent- 
scheiden. 

Die  nun  folgenden  Arctiinae  zerfallen  in  19  Gattungen 
imd  sind  die  Verfasser,  hier  wie  ĂĽberhaupt  bei  den  Spinnern, 
in  der  Hauptsache  Packard's  System  gefolgt.  Da  ich  von  den 
hierhergestellten  Gattungen  die  meisten  —  15  in  Natur  vor 
mir  habe,  so  wifl  ich  dieselben  etwas  eingehender  besprechen. 


295 

Stretch  fĂĽhrt  in  seinem  Werke  noch  zwei  weitere  Gattungen, 
Leptarctia  Stretch  und  Kodiosonia  Stretch  auf,  von  welchen 
ich  nur  die  erstere  in  Natur  kenne. 

Callimorpha  Ltr.  mit  drei  Arten:  Clymene  Esp.  = 
Carolina  Harr.  Dass  die  Verfasser  „Hypercompa"  Clymene 
Esp.  citiren,  beruht  wohl  auf  einem  Irrthum.  Esper,  welcher 
diese  Art  als  europäisch  beschrieb  und  abbildete,  hat,  soviel 
mir  bekannt,  dieselbe  wie  die  übrigen  Arctien  mit  ungekämm- 
ten FĂĽhlern  als  Noctua  aufgefĂĽhrt. 

Interrupto-marginata  Beauvais  (Bomb.)  =3  Hypercompa 
Comma  Wlk.  u.  Lecontei  Bdv.  =  Militaris  Harr.  Leucomelas 
H.  Seh.  mit  den  Varietäten  Confinis  Wlk.  (Hypercompa"^  Con- 
tigua  Wlk.  (Hyperc.)  Fulvicosta  Clem.  (Hyperc.)  ==  Tanada 
Conscita  Wlk.  Lecontei  variirt  in  der  Zeichnung  der  Vorder- 
flĂĽgel ausserordenthch. 

Epicallia  Hb.  mit  Virginalis  Bdv.  —  Chelon.  —  and  deren 
Varietät  Guttata  Bdv.  —  Agarista  —  Guttata,  welche  auch 
H.  Seh.  Exot.  464  als  Pleretes  abbildet,  unterscheidet  sich 
dadurch  von  der  Stammart,  dass  die  HinterflĂĽgel,  welche  bei 
Letzterer  gelb  mit  schwarzen  Flecken  sind,  hier  schwarz  mit 
einzelnen  gelben  Flecken  erscheinen. 

Ob  die  Gattung  erhalten  bleiben  kann,  wage  ich  nicht 
zu  entscheiden,  von  Pleretes  und  Callimorpha  trennt  sie  mĂĽ- 
der hornige  Stachel  an  der  Innenseite  der  Vorderschienen. 

Platarctia  Pack,  mit  Parthenos  Harr.  =  Arctia  Boreahs 
Möschl.  Hyperborea  Curt.  Scudderii  Pack.  Modesta  Pack.  Mir 
ist  nur  die  erste  Art  in  Natur  bekannt. 

Von  Pleretes  trennen  diese  Gattung  die  deutlich  kamm- 
zähnigen  Fühler  des  Mannes,  von  Arctia  die  anliegende  Be- 
schuppung des  Körpers,  sowie  die  nicht  aus  gleichem  Punkt 
entspringende  Rippe  4  und  5  der  HinterflĂĽgel. 

Die  Gattung  stellt  gewissermassen  ein  Bindeglied  zwischen 
Pleretes  und  Arctia  dar. 

Callarctia  Pack,  mit  Ornata  Pack,   mir  fremd. 

Euprepia  Germ,  mit  Americana  Harr. 

Die  Verfasser  trennen  diese  Gattung  von  den  ĂĽbrigen 
Arten  der  Gattung  Arctia  aus  mir  unbekannten  GrĂĽnden. 

Wie  ich  frĂĽher  bereits  dargelegt,  ist  E.  Americana  nur 
Lokallbrm  unserer  Caja  L.  Bei  einem  meiner  fĂĽnf  Exemplare 
flieser  Art  aus  Labrador  ist  der  Halskragen  vorn  nur  an  den 
Ecken  weissgesäumt. 

Arctia  Schk.  mit  Virgo  L.  Saundersii  Grt.  =  Virguncula 
Ă–aund.  Achaia  G.  &  R.  Blackei  Gt.  Phyllira  Dr.  Figurata  Dr. 
=  Celia  vai-,  Saund.     Nais  Dr.  =  r^  Phaleiata   Harr.    Deco- 


296 

rata  Saund.  =  ,j  Apantesip  rarlian?  Wlk.  nberr.  ii.  $  Alna 
coJorala  Wlk.  Nevadensi?  G.  &  R.  Anna  Grt.  Complicata  "Wlk. 
Persephone  Grt.  =  Virguncula  Wlk.  Virguncula  Kb.  =  Nais 
Saund.  Daluirica  Bdv.  Spcciosa  Möschl.  Quenselii  Payk.  — 
Oelida  Müschl.  ist,  wie  ich  früher  erwähnte,  die  im  Weib  aller- 
dings sehr  abweichende  Labradorform  von  Quenselii,  kann  aber 
ihren  Namen  als  Varietät  recht  wohl  behalten.  Arge  Dr.  =3 
Diene  Abb.  Placentia  Abb.  Pallida  Pack.  Hierzu  treten  als 
neue,  von  Stretch  seitdem  theil weise  abgebildete  Arten:  Behrii 
Str.    WiUiamsi.    Bolanderi  Str.    Aiitholea  Bdv.    Edwardsii  Str. 

Von  diesen  Arten,  soweit  ich  dieselben  in  Natur  unter- 
suchen kann,  fĂĽhren  Nais,  PhjUira  und  Virgo  eine  deutliche 
Kralle  der  Vorderschienen,  bei  Quenselii,  Speciosa,  Arge,  Achaia 
fehlt  dieselbe,  ob  die  ĂĽbrigen  Arten  eine  Kralle  fĂĽhren,  weiss 
ich  nicht. 

Virgo,  Nais,  Speciosa,  Quensehi  fĂĽhren  keine  Anhang- 
zelle der  VorderflĂĽgel.  Quenselii  soll  sie  zwar  nach  Heine- 
mann haben,  ich  finde  sie  aber  bei  einem  soi^fältig  abge- 
schuppten Exemplar  von  Labrador  nicht. 

Von  den  mir  in  Natur  vorliegenden  Arten  haben  gekämmte 
männhche  Fühler  Virgo,  Nais,  Autholea,  Quenselii,  Speciosa, 
Arge  Dr.,  Phyllira  Harr.,  Achaia  Gr.  (&  Rb.,  nach  den  Ab- 
bildungen bei  Stretch  auch  Behrii,  Autholea,  Bolanderi,  ferner 
Dahurica,  die  ĂĽbrigen  Arten  kenne  ich  nicht.  Von  Nais  be- 
sitze ich  neben  mehreren  Männern  auch  zwei  Exemplare, 
welche  ich  nach  dem  Hinterleib  unbedingt  fĂĽr  Weiber  ansehen 
muss,  aber  auch  sie  haben  gekämmte  Fühler;  ob  diese  Art 
eine  solche  Ausnahme  von  den  Verwandten  macht,  weiss  ich 
nicht. 

Durch  das  Vorhandensein  einer  Vorderschienenkralle  nähern 
sich  die  betreffenden  Arten  sehr  der  Gattung  Euprepia  — 
Pudica  Esp.  —  Diese  trennen  die  ungekämmten  Fühler  des 
Mannes  allein,  denn  eine  Anhaiigzelle  fĂĽhren  auch  Arten  von 
Arctia,  wie  wir  diese  Gattung  zu  begrenzen  pflegen. 

Nemeophila  Steph.  mit  Caespitis  G.  &  R.  Cichorii 
G.  &  R.    Petrosa  Wlk.    Californiae  Wlk.    Rufula  Bdv. 

In  Natur  sind  mir  alle  fremd,  aber  Caespitis  &  Cichorii 
möchte  ich  nach  den  vorliegenden  Abbildungen  nur  für  Varie- 
täten unserer  Plantaginis  L.   halten. 

Zu  Petrosa  soll  auch  die  von  den  Verfassern  frĂĽher  unter 
den  Zjgaeninae  aufgeführte  Eupsychoma  Geometroides  gehören. 

Seirarctia  Pack,  mit  Echo  Abb.  u.  Clio  Pack,  kenne 
ich  nicht  in  Natur,  ebenso  ist  mir  Ectopia  Clem.,  Bivittata 
Clem.   fremd. 


297 

Pyrrharctia  Pack,  mit  Isabella  Abb.  &  Californica  Pack. 

Isabella  besitze  ich,  sie  unterscheidet  sieh  von  Arctia 
durch  die  nicht  kammzähnigen,  sondern  nur  kurz  und  dünn 
bewimperten  männhchen  Fühler;,  wie  bei  jener  Gattung  ent- 
springt Rippe  10  der  VorderflĂĽgel  aus  der  vordem  Mittelrippe, 
Rippe  4  und   5  der  HinterflĂĽgel  aus  gleichem  Punkt. 

Das  Weib  von  Isabella  zeigt  eine  gewisse  Aehnlichkeit 
mit  Flavida  Brem.    —   Metelkana    Led. 

Bemerkt  mag  hier  sein,  dass  wenn  Heinemann  in  seinem 
Werk  bei  Arctia  Rippe  4  und  5  der  HinterflĂĽgel  als  aus 
gleichem  Punkt  entspringend  angiebt,  die  von  ihm  zu  dieser 
(rattung  gestellten  Arten  Russula  und  Plantaginis  nicht  zu 
derselben  gehören,  denn  bei  beiden  entspringt  5  weit  von  4 
getrennt,  ebenso  bei  Flavida,  und  die  Stellung  dieser  Arten 
bei  Nemeophila  erscheint  dadurch  begrĂĽndet. 

Phragmatobia  öteph.  mit  vier  Arten:  Rubrieosa  Harr., 
Vagans  Bdv.,  Dubia  Wlk.  und  Assimilans  Wlk.  Letztere  ist  mit 
?  als  nordamerikanisch  aufgefĂĽhrt. 

Von  diesen  Arten  kann  ich  nur  Vagans  untersuchen, 
welche  allerdings  von  Phragmatobia  abweicht  und  sich  auch 
nicht  gut  bei  Arctia  unterbringen  lässt.  Von  ersterer  (lattung 
trennen  sie  die  starkgekämmten  Fühler  des  Mannes  und  der 
wollig  behaarte  Thorax  desselben.  Von  Arctia  unterscheidet 
sich  die  Art  dadurch,  dass  auf  den  HinterflĂĽgeln  Rippe  3,  4 
und  5  dicht  nebeneinander  entspringen. 

Antarctia  Hb.  mit  Punctata  Pack,  mir  fremd. 

Leucarctia  Pack,  mit  Acraea  Pack.  =  $  Acria  Dr., 
,j   Caprotina  Dr.  u.  Californica  Pack. 

Mir  ist  nur  die  erstere  Art  bekannt,  welche  sich  wohl 
kaum  von  Spilosoma  wird  trennen  lassen.  Geäder,  Fühler, 
Palpen,  Stellung  der  Spornen  der  Hintersehienen,  selbst  Fär- 
bung und  Zeichnung  des  Hinterleibes  und  der  FlĂĽgel  stellen 
sie  zu  jener  Gattung.  Die  verhältnissmässig  kürzeren  Fühler 
und  die  gestrecktere  Form  der  FlĂĽgel  scheinen  mir  keine  ge- 
nĂĽgenden Trennungsmerkmale  zu  sein. 

Spilosoma  Steph.  mit  Virginica  Fb.  Congrua  Wlk. 
Vestalis  Pack.,  von  welchen  mir  Congrua  fremd  ist.  Stretch 
bildet  noch  Latipennis  ab. 

Hyphantria  Harr,  mit  Textor  Harr.  =  Spilos.  Candida 
Wlk.    Punctata  Fitch.     Cunea  Dr.  =  Punctatissinia  Smith. 

Mir  ist  nur  Punctata  fremd. 

Von  Spilosoma  unterscheidet  sich  diese  Gattung  durch 
den  Rippenverlauf  der  VorderflĂĽgel,  auf  welchen  Rippe  10 
nicht    aus.    sondern    dicht    vor  7  entspringt,    auch    finde    ich 


298 

bei  meinen  Exemplaren    von  Textor  imd  Cnnea    keine  Mittel- 
spornen der  Hintersehienen. 

Text(»r  variirt  ausserordentlich  in  der  Zeichnung  der  Vor^ 
derflĂĽgel,  ich  besitze  ein  StĂĽck,  welches  auf  denselben  keine 
Spur  von  braunen  Flecken  zeigt. 

Hübner  Zuträge,  f.  387,  88,  findet  sich  ein  hierher  ge- 
hörendes, rein  weisses  Thier  von  Florida  als  Budea  abgebildet, 
welches  vielleicht  eine  rein  weisse  Varietät  von  Textor  ist, 
denn  Cunea  bildet  HĂĽbner  ebenfalls  ab. 

Euchetes  Harr,  mit  Egle  Dr.  u.  var.  Collaris  Fitch.  = 
Tanada  Antica  Wlk.  u.  Eglenensis  Clem. 

Mir   sind  nur  Egle  Dr.  und  Collaris  Fitch  bekannt. 

Arachnis  Hb.  mit  Picta  Pack. 

Diese  Gattung  bildet  den  Uebergang  zu  der  folgenden^ 
indem  die  HinterflĂĽgel  schon  anfangen,  die  eigenthĂĽmliche 
dreieckige  Form  zu  zeigen.  Hb.  Ztg.  f.  913.  14  bildet  eine 
zweite  Art  als  Aulaea  ab,  welche  Bdv.  als  auch  in  Californien 
fliegend  anfĂĽhrt.  Der  Unterschied  zwischen  beiden  Arten  liegt 
in  der  Färbung  der  Vorderflügelunterseite,  bei  Aulaea  ist  deren 
Vorderrand  roth,  bei  Picta  gelb  gefärbt. 

Ecpantheria  Hb.  mit  Scribonia  Stoll.  Oculatissima  Smith. 
Cunegunda  Beauv.  Diese  Gattung  zeichnet  sich  durch  die  am 
Afterwinkel  eigenthümlich  verlängerten  Hinterflügel  des  Man- 
nes aus,  bei  den  sĂĽdamerikanischen  Ai-ten  tritt  dieses  Merk- 
mal noch  stärker  hervor. 

Halisidota  Hb.  —  Phoegoptera  Bdv.  mit  Tessellaris  Hb. 
=  Antiphola  u.  Harrisii  Wlsh.  Cinctipes  Grt.  =  Tessellaris  Wlk. ; 
fraglich  ist,  ob  diese  Art  noch  nördlich  bis  in  die  vereinigten 
Staaten  reicht.  Caryae  Harr.  =  Annulifascia  Wlk.  =  Porph}-- 
ria  H.  Seh.  Maculata  Harr.  ==  Fulvoflava  Wlk.  =  Guttifera 
H.  Seh.  Californica  Wlk.  =  Anguhfera  Wlk.  Agassizii  Pack. 
=  Salicis  Bdv.  Edwardsii  Pack.  =  Translucida  Wlk.  :=  Quer- 
CU6  Bdv.  Argentata  Pack.  ?  Roseata  Wlk.  und  die  von  Stretch 
abgebildete  Sobrina  Str. 

In  Natur  kenne  ich  nur  Tessellaris,  Caryae  und  Agassizii; 
in  Abbildungen  ausserdem  Edwardsii,  Sobrina  und  Argentata. 
Halisidota  ist  eine  eigenthĂĽmliche,  sich  an  manche  Syntomiden- 
Gattungen  anschliessende  Gattung,  deren  meiste  Arten  dem 
tropischen  Amerika  angehören. 

Mit  dieser  Gattung  schliessen  die  Arctiineu  der  Verfasser, 
die  bei  Stretch  angefĂĽhrten  Gattungen  Leptarctia  mit  Decia 
Bdv.,  Lena  Bdv.  und  Dimidiata  Str.,  sowie  Viodiosoma  mit 
Fulva  Str.,  Nigra  Str.,  Tricolor  Str.,  Favensii  Str.,  sowie  Va- 
nessodes  Grt.  &  Rb.   mit  Clarus  Grt.   &  Rbs.,  Trans.  Am.  Ent. 


299 

Soc,  1870  Oetbr.,  p.  176,  von  Texas,  scheinen  bei  Herausgabe 
dieses  Verzeichnisses  den  Verfassern  noch  nicht  bekannt  ge- 
wesen zu  sein. 

Nachdem  Vorstehendes  bereits  niedergeschrieben  war,  er- 
hielt ich  durch  Grote's  Güte  ein  Exemplar  seiner  Arbeit,  „No- 
tes on  American  Lepidoptera  with  Descrij)tions  of  Twenty — 
one  New  Species  in  den  Bullet:  Buflalo  Soc.  Nat.  Sc.  Sept.  1874^'. 
Da  ein  Theil  der  hier  neu  beschriebenen  Arten  in  meiner 
jetzigen  und  früheren  Arbeit  zu  besprechen  gewesen  wäre,  so 
erwähne  ich  derselben  hier. 

Es  werden  folgende  neue,  dem  nordamerikanischen  Fau- 
nengebiete eigene  Arten  beschrieben. 

Sphingidae:  Hemaris  Palpalis  Grt.  aus  der  nächsten 
VerAvandtschaft  von  Tenuis,  von  allen  Verwandten  durch  die 
orangegefärbten  Palpen  und  schAvarze,  nicht  in  der  Mitte 
röthlich  behaarte  Afterspitze  verschieden,  A^on  Brittisch  Co- 
lumbia. 

Lepisesia  Victorina  Grt.   von  Brittisch  Columbia. 

Gerat omia  Hageni  Grt.  von  Texas. 

Sodann  bemerkt  der  Verfasser,  dass  Ellema  Harrisii 
Clem.  sj'nonym  mit  Lapara  Bombycoides  Wlk.  ist,  wodurch 
sich  die  Zahl  der  frĂĽher  verzeichneten  Arten  um  eine  ver- 
mindert. Dagegen  treten  als  in  Florida  gefunden  zwei  neue 
Arten  hinzu,  nämlich  Pachylia  ficus  L.  und  Amphonyx 
Antaeus  Dr.  Smerinthus  Pallens  Streck,  wird  von  Grote 
für  Varietät  von  Juglandis  Smith-Abbot  erklärt.  Sphinx 
P^remitoides  Streck,  erklärt  Grote  für  wahrscheinlich  identisch 
mit  Sph.  Lugens  Wlk.  In  Check  List  of  North  American 
Sphinges  in  Bulletin  of  the  Buffalo  Soc.  of  Nat.  Scienc.  Vol.  U. 
No.  4  (1875)  fĂĽhrt  Grote  noch  folgende  Arten  als  in  Nord- 
amerika vorkommend  auf:  Darapsa  Myron  var.  Cnotus  HĂĽbn. 
Ztg.  Südstaaten.  —  Sphinx  Perelegans  H.  Edw.  Californien.  — 
Sphinx  Oreodaphne  H.  Edw.  Californien.  —  Sphinx  Vancouve- 
rensis  H.  Edw.   Californien. 

Bombyces:  Die  Gattung  Crocota  Hbn.  glaubt  der  Ver- 
fasser von  den  Lithosidae  hinweg  und  zu  den  Arctiinae  hin 
versetzen  zu  mĂĽssen,  da  alle  die  betreuenden  Arten  Neben- 
augen haben,  „since  it  is  excluded  from  the  Lilhosians  by  the 
presence  of  simple  eyes'-^  Mir  scheint  dies  Merkmal  nicht  zu 
genĂĽgen,  so  nahe  verwandte  Gattungen  so  weit  von  einander 
zu  trennen.  Bimaculata  Canad.  Entom.  2.  pp.  4  —  6.  1869 
ist  das  Weib  von  Quinaria  Grt.  Er  glaubt,  dass  von  zwei 
veränderlichen  Arten  die  Synonymie  verwirrt  ist. 


300 

Varietät  von  Brevicornis  Walk,  möge  Rubicnndaria 
Hb.  Ztg.  sein.  In  diesem  Falle  wird  aber  HĂĽbner's  Name  als 
der  ältere  als  Artname  bleiben  müssen  und  Walker's  Name 
muss  die  Varietät  bezeichnen,  wenn  letztere  auch  die  gewöhn- 
liche Form  sein  sollte;  ebenso  glaubt  Grote,  dass  Aurantiaca 
Hb.   und  Ferruginosa  Wlk.   sj^nonjm  sind. 

Hypoprepia  Miniata  Kb.  wird  nun  als  Varietät  zu 
Fucosa  Hbn.  Ztg.  gestellt,  ebenso  Cisthene  ĂĽnifascia 
G.  &  R.,  Trans.  ^Amer.  Ent.  Soc.  Vol.  IL  No.  IV.  PI.  II. 
f.  63.  pag.  9.  $,  zu  Subjecta  Wlk,;  als  neue  Art  tritt  zu: 
C.   Tenuifascia  Harr,   von  Texas  als  Lithosia. 

Die  von  Boisduval  in  den  Lep.  de  la  Calif.  beschriebenen 
und  von  Stretch  als  Cisthene  abgebildeten  beiden  Arten  Nexa 
u'nd  Faustinula  werden  als  Arten  einer  neuen  Gattung, 
Byssophaga  Behr  (1872)  aufgeführt;  als  Varietät  zu  Fausti- 
nula gehört  Fusca  Stretch. 

Zu  Lithosia  treten  neu  hinzu: 

Casta  Sanborn,  New- Hampshire  u.  New-York,  u.  Candida 
H.  Edw.  Vancouvers  Island,  ferner  die  in  Trans.  Am.  Ent. 
Soc.  (1870  Octbr.)  p.  176.  beschriebene  Cephalica  Grt.  (fe  Rh. 
von  Texas. 

Zu  Clemensia  kommen  ebenfalls  zwei  neue  Arten, 
nämhch  L^mbrata  Pack,  von  Californien  u.  Irrorata  H.  Edw. 
von  Vancouvers  Island. 

Neu  ist  die  Gattung  Roeselia  Hb.,  fĂĽr  welche  aber  als 
ein  Jahr  älter  der  von  Leach  gegebene  Name  Nola  die 
Priorität  hat.  Grote  führt  als  Arten  an:  Nigrofasciata  Zell., 
Minuscula  Zell.,  Melanopa  Zell.  Warum  Strictalis  Zell, 
weggelassen  ist,  weiss  ich  nicht.  In  seiner  Arbeit  ĂĽber  die 
nordamerikanischen  Noctuinen  im  Jahrg.  36  (1875)  dieser  Ztg., 
pag.   342,  sagt  Grote: 

„Nolaphana  Gr.  besitzt  Nebenaugeu  und  gehört  unter  die 
Noctuinen,  nicht  zu  den  Tortriciden,  zu  welchen  Fitch  sie 
stellte.  Zwei  Arten  sind  bekannt:  Malana  Fitch  u.  Zelleri  Gr.^' 

Warum  Grote  diese  beiden  Arten  zu  den  Noctuinen  stel- 
len will,  ist  mir  nicht  klar,  der  Nebenaugen  wegen  kann  es 
rloch  wohl  nicht  geschehen,  denn  solche  fĂĽhren  ja  auch  die 
Arctiincn.  Wenn  Malana  und  Zelleri  Nebenaugen  besitzen, 
während  solche  den  übrigen  Nola-Arten  fehlen,  so  ist  dies 
eben  wieder  ein  Beweis,  auf  wie  schwachen  FĂĽssen  unsere 
â–   kĂĽnstlich  gebildeten  Familien  und  Gattungen  im  System  theil- 
weis  stehen,  wenn  zwei  Arten,  welche  sich  in  ihrem  ganzen 
Habitus  eng  an  die  Verwandten  anschliessen,  dann  nicht  nur 
in  eine  eigene  Gattung,  sondern  sogar  in  eine  andere  Familie 


30! 

versetzt  werden  mĂĽssen,  so  unnatĂĽrlich  und  gezwungen  diese 
Stellung  auch  sein  mag. 

An  die  Arctiinae  schhessen  sich  bei  Grote  die  Dasy- 
chirinae  entsprechend  unsern  Liparidae.  Die  Familie  enthält 
0  Gattungen  mit  18  Arten. 

Orgyia  Ochs,  mit  Nova  Fitch,  mir  fremd,  Leucostigma 
Smth.-Abb.,  Definita  Pack.  u.  Vetusta  Bdv.  Letztere  mir 
unbekannt.  Die  beiden  mir  bekannten  Arten  gehören  in  die 
Verwandtschaft  von  Trigotephras  Bdv.,  und  zu  Leucostigma 
gehört  zweifellos  als  Synonym  Cladophora  Leucographa 
Hb.  Ztg.   745,  46  von  Georgien. 

Parorgjia  Pack,  mit  Plagiata  G.  <k,  R.  Clintonii 
G.  &  R.  Leucophaea  Smth.-Abb.  Basiflava  Pck.  Obli- 
quata  G.  (t  R.  Parallela  G.  &  R.  Achatina  Smth.-Abb. 
Cinnamomea  G.  &  R.  Claude sti na  Wlk.,  mir  sämmtlich 
unbekannt. 

Laria  Curt.  mit  Rossii  Curt.  Soviel  mir  bekannt,  i.st 
nicht  Curtis,  sondern  HĂĽbner  Autor  zur  Gattung  Laria,  und 
Rossii  hat  ihren  Platz  nicht  in  dieser  Gattung,  sondern  in 
Dasycliira  Steph.,  mit  deren  ĂĽbrigen  Arten  sie  in  allen  StĂĽcken 
ĂĽbereinstimmt. 

Carama  Wlk.   Cretata  Gr.   mir  fremd. 

Lagoa  Harr,  mit  Crispata  Pck..  Opercularis  Smth.  Abb. 
und  Pyxidifera  Smth.   Abb. 

Die  Arten  dieser  Gattung  zeichnen  «ich  durch  die  eigen- 
tliĂĽmliche,  wollige  Bedeckung  der  VorderflĂĽgel  au,^. 

Die  nun  folgenden  Cochlidiinae  zeigen  der  europäischen 
Fauna  gegenĂĽber  einen  merkwĂĽrdigen  Reichthum  an  Gattungen 
und  Arten.  Die  Verfasser  fĂĽhren  von  ersteren  13  mit  31 
Arten  auf,  unter  Avelchen  sehr  schön  gezeichnete  und  gefärbte 
Thiere  sind.  Leider  besitze  ich  nur  sehr  wenige  dieser  Arten 
und  muss  auf  eine  eingehendere  Besprechung  verzichten.  Eine 
Anzahl  hierher  gehörender  Thiere  hat  H.  Seh.  in  seinem 
Exotenwerk  abgebildet. 

Euclea  Hb.  mit  Cippu.s  Harr.  =  Querceti  H.  Seh. 
(,iuercicola  H.  Seh.  BifidaPack.  Ferruginea  Pack.  Paenu- 
lata  Clem.     Mir    sind    nur    die   beiden  ersten  Arten  bekannt. 

Parasa  Moore  Chloris  H.  Seh.  —  Neaera  Chloris.  — 
Diese  Art  bildet  Moore  in  seinem  Werk  als  ostindisch  ab,  sie 
ist  aber  sicher  nordamerikanisch  und  von  dem  verstorbenen 
Neustadt  in  Breslau  mehrfach  aus  von  Nordamerika  erhalteneu 
Puppen  erzogen  worden,  auch  icli  habe  den  Falter  mehrmals 
von  Nordamerika   erhalten. 


303 

Monoleuca  G.  &  R.  semifascia  WIk.  Tram.  Am.  Eiit. 
Soc.  Vol.  II.  No.  IV.  F.  63.  c^  p.   10. 

Noohelia  Clem.  Tardigrada  Clein. 

Empretia  Clem.   Stimulea  Clem. 

Phobetron  Hb.  mit  seinen  3  Arten:  Pithecium  »Smlli. 
Abb.  =  Al)botana  Hb.    —    Hyalinum  Walsh.,    Nigricans 
Grt.  ist  mir  fremd. 

Limacodes  Scapha  Harr.  Inornata  G.  &  R.  Bigut- 
tata  Pack.  Y-inversa  Pack.  Mir  ist  nur  Scapha  in  Natur 
bekannt. 

Eine  Unterabtheilung  ist  Lithacodes  Pack,  mit  Recti- 
linea  G.  &  R.  Trans.  Amer.  Ent.  Soc.  Vol.  II.  No.  IV.  PI.  II. 
f.  62  rj  pag.  10.  und  Fasciola  H.  Seh.  =  Laticlavia  Clem. 

Packardia  G.  (fe  R.  =  C3'rtosia  Pack.  Fusca  Pack. 
Geminata  Pack.  Ocellata  Gr.  Albipuncta  Pck.  mir  sämmt- 
lich  fremd. 

Adoneta  Clem.  Spinuloides  H.  Seh.  Leucosigma 
Pack,  an  spec.  praec?  Pygmaea  G.  &  R.  Ich  kenne  nur 
die  erste  Art. 

Heterogenea  Knocli  Shurtleffi.   Pack. 

Kronaea  Reak.     Minuta  Reak. 

Isa  Pack.     Textula  H.   Seh. 

Tortricidia  Pack.  Pallida  H.  Seh.  Testacea  Pack.  Fla- 
vula  H.   Seh.    kenne  ich  sämmtlich  nicht  in  Natur. 

So  reich  wie  die  vorige  Familie  an  Arten  war,  so  arm 
ist  es  die  nun  folgende  der  Psychinae. 

Dieselbe  enthält  nur  5  Gattungen  mit  je  einer  Art,  m)d 
eine  Gattung  wird  sicher  noch  ausgeschieden  werden  mĂĽssen. 

Psyche  Ochs,  mit  Confederata  G.  &  R.  Nach  Grote's 
Abbildung  in  den  Trans.  A.  E.  S.  Vol.  II.  No.  4.  T.  3.  f.  60. 
67.  ist  es  eine  mittelkleine  ziemlich  dicht  beschuppte  schwarz- 
braune Art,  der  Sack  ähnelt  dem  von  Unicolor  Hfngl.  (Gra- 
minella  S.  V.),  ist  aber  nur  halb  so  gross.     Texas,  3Iai,  Juni. 

Phryganidia  Pack.  Californica  Pack.  Diese  Gattung 
wird  kaum  in  der  Familie  verbleiben  können.  Stretch  bildet 
sowohl  beide  Geschlechter,  als  auch  das  Flügelgeäder  ab.  ich 
besitze  nur  zwei  männliche  Exemplare. 

Von  den  Psychinae  trennt  diese  Art  das  vollständig  ge- 
llügelte  Weib,  das  Vorhandensein  der  Zunge  und  die  vollstän- 
dig entwickelten,  vom  Kopf  abstehenden,  sichelfiirmigen  l^al- 
pen,  ferner  die  einfache,  nicht  gegabelte  Dorsale  der  A'order- 
Hügel.  Das  bei  Stretch  abgebildete  Geäder  stimmt  mit  dem- 
jenigen, welches  meine  Exeui])lare  zeigen,  nicht  vollständig 
ĂĽberein. 


303 

Die  VorderflĂĽgel  haben  12  Rippen,  Rippe  2  entspringt 
nahe  dei*  Hinterecke  der  Mittelzelle,  3  und  4  gestielt  aus  die- 
ser Ecke,  5  aus  der  Mitte  des  Querastes,  etwas  näher  an  6 
als  an  3  und  4;  6  und  7  dicht  nebeneinander  aus  der  Vorder- 
ecke der  Mittelzelle,  8  und  10  aus  7;  9  aus  8,  11  aus  der 
vorderen  Mittelrippe. 

HinterflĂĽgel  mit  3  Innenrandsrippen,  3  und  4  gestielt  aus 
der  Hinterecke,  6  und  7  auf  gemeinsamem  Stiel  aus  der 
Vordereeke,  5  aus  dem  Querast  der  Mittelzelle,  8  aus  der 
Wurzel. 

Thyridopteryx  Steph.  Ephemeraeformis  Steph.  = 
Oiketicus  coniferarum  Harr,  und  wohl  auch  gleich  Ani- 
mulina  Dichroa  H.  Seh.  Exot.  520,  wenigstens  stimmt  die- 
ses Bild  genau  mit  meinem  Exemplar,  obgleich  die  Art,  welche 
H.  Seh.  abbildet,  aus  Brasihen  stammen  soll. 

Herrich  SchäfTer  wird  wohl  Recht  haben,  wenn  er  glaubt, 
dass  seine  Familien  Animulina,  Oeceticina,  Megalopygina  und 
Heterogynina  später  mit  den  Psychiden  zu  einer  einzigen 
Familie  zu  vereinigen  sein  dĂĽrften,  wenn  sie  auch  einige  Ab- 
weichungen in  einzelnen  Körpertheilen  und  im  Geäder  zeigen. 
Die  Gattung  Thyridopteryx  nähert  sich  durch  den  langen,  den 
Afterwinkel  weit  ĂĽberragenden  Hinterleib  und  die  Gestalt  der 
FlĂĽgel  schon  bedeutend  Oeketicus.. 

Lacosoma  Grt.  mit  Chiridota  Grt.  und  Perophora 
Melsheimeri  Harr.  =  Arrhodia  egenaria  Wlk.  sind  mir 
unbekannt. 

Die  nun  folgende  Famihe  Ptilodontinae,  unsern  Noto- 
dontidae  entsprechend,  ist  wieder  reich  an  Gattungen  und 
Arten. 

Ichthy  u  ra  Hb.  —  Hier  wird  wohl  der  Name  Clostera  Ochs., 
welcher  schon  1810  gegeben  wurde,  die  Priorität  haben.  Von 
den  fĂĽnf  angefĂĽhrten  Arten:  Inclusa  Hb.  Ztg.,  Ornata  Harr., 
Inversa  Pack.,  indentata  Pack.,  Albosignia  Fitsch,  Yaw  Fitsch, 
besitze  ich  nur  die  erste  und  dritte,  beide  haben  ganz  euro- 
päischen Habitus  und  ähneln  Anastomosis  und  Pigra.  Hübner's 
Bild  in  den  Zuträgen,  F.  561,  ist  im  Colorit  ganz  verfehlt. 
Bdv.  in  den  Lepid.  de  la  Calif.  beschreibt  noch  Incarcerata, 
welche  Art  vielleicht  mit  einer  der  übrigen  zusammenfällt. 

Apatelodes  Pack,  mit  Torrefacta  Smth.-Abb.  und  An- 
gelica   Grl. 

Mir  ist  nur  die  erstere  Art  bekannt,  welche  allerdings 
ein  von  der  vorigen  Art  sehr  verschiedenes  Aussehen  hat. 
A'ordertlĂĽgel  mit  Anhangzelle,  aus  ihr  Rippe  G  und  7.  Rippe 
5   der  HinterfUiael  ist  nicht  wie  bei  der  vorioeu  GutlunĂĽ,-  sehr 


304 

sc'hwac-li,  Hondeia  kaum  schwächer  als  die  übrigen  Rippen, 
der  Saum  der  VorderflĂĽgel  ist.  vor  der  Spitze  ansgenagt,  der 
Thorax  ohne  Schopf. 

Data  na  Walk,  mit  Minislia  L)r.  Angusii  G.  ifc  R.  Major 
G.  &  R.  Integerrima  G.  (fe  R.  =  ?  Ministra  Sm.-Abb.  Con- 
tracta  Wlk.    Perspicua  G.   &  R. 

Die  drei  Arten,  M^elche  ich  vergleichen  kann  —  Ministra, 
Angusii  und  Integerrima  —  sind  sich  in  Zeichnung  und  Fär- 
bung ausserordentlich  ähnlich,  und  was,  von  diesen  beiden 
Punkten  abgesehen,  die  übrigen  körperlichen  Merkmale  anbe- 
langt, so  stimmen  diese  Arten  sehr  mit  der  europäischen  Gat- 
tung Phalera  (Bucephala)  ĂĽberein,  der  Bau  der  FĂĽhler  ist 
genau  derselbe,  ebenso  haben  die  Hinterschienen  4  Spornen, 
die  VorderflĂĽgel  zeigen  wie  bei  Phaleia  eine  Anhangzelle,  aus 
welcher  Rippe  6  und  7  entspringen.  Rippe  5  der  HinterflĂĽgel 
ist  ebenfalls  etwas  sch\Aächer  als  die  übrigen  Rippen,  und  3 
und  4  entsp]ingeu  ebenfalls  wie  bei  Phalera  aus  einem  Punkte. 
Beiläuflg  bemerkt  ist  dieses  Merkmal  ein  sehr  untergeordnetes, 
ein  $  von  Integerrima  zeigt  diese  beiden  Rippen  deutlich  ge- 
trennt, während  der  rj  und  die  beiden  andern  mir  vorliegenden 
Arten  beide  Rippen  aus  einem  Punkt  entspringend  zeigen. 

Auch  die  Bildung  des  Thorax  und  Hinterleibes  stimmt 
ganz  mit  Phalera  ĂĽberein,  ersterer  zeigt  auch  die  eigenthĂĽrn- 
liche,  hier  dunkle,  Zeichnung  wie  jene  Gattung. 

Augen  ebenfalls  nackt.  Ob  Ocellen  vorhanden  sind,  kaini 
ich  ohne  Beschädigung  meiner  Exemplare  nicht  erkennen. 

Jedenfalls  steht  diese  Gattung,  auch  wenn  man  sie  mit 
Phalera  nicht  vereinigen  will,  Clostei-a  viel  näher  als  Apa- 
telodes. 

Nadata  Walk.  Alastor  Bdv.  mil  (iibbosa  Smth.-Abl).  und 
der  mir  fremden  Doubledayi  Pack. 

Gute  Gattung,  durch  den  hohen  kapiizenartigen  Schopf 
des  Thorax  ausgezeichnet.  Fühler  des  Mannes  lang  gekämmt, 
des  Weibes  gewimpert,  VorderlUigel  mit  Anhangzelle,  Hinter- 
tlügel  mit  schwächerer  Rippe  5;  3  und  4  nicht  aus  einem 
Punkt,  doch  nahe  bei  einander  entspringend.  Hinterschienen 
mit  4  Spornen. 

Hyparpax  Hb.   mit  Aurora   Smth.-Abb.   mir  fremd. 

Gluphisia  Bdv.  mit  Trilincata  Pack.  =  ?  Septentriu- 
nalis  Wlk. 

Boi.sduval  in  seinen  L^pid.  de  la  (j'aliforn.  l'ĂĽhrt  Crenata  Esp. 
auf  und  sagt,  dass  er  diese  Art  in  mit  den  europäischen  ganz 
ĂĽbereinstimmenden  Exemplaren  aus  Californien  und  Nordamerika 
erhalten  habe. 


305 

Die  beiden  männlichen  Exemplare  stammen  aus  Pennsyl- 
vanien,  von  wo  ich  dieselben  ohne  Namen  erhielt.  Sie  stim- 
men in  der  Grösse  mit  kleinen  Stücken  von  Crenata  überein, 
auch  die  Zeichnung  der  VordertlĂĽgel  ist  wie  bei  jener  Art, 
die  Griuidfarbe  dagegen  weicht  beträchtKch  ab,  denn  die  der 
VorderflĂĽgel  ist  ein  schmutziges  Grau,  welches  nur  im  Mittel- 
und  Wurzelfelde  bräunlich  bestäubt  ist.  Die  Hintertlügel  sind 
weissgrau,  ohne  dunklere  Saumhälfte  und  mit  einfarbig  grauen 
Franzen. 

Unterseite  weisslichgrau,  die  dunkeln  Querstreifen  kaum 
angedeutet,  die  Kammzähne  der  Fühler  kürzer  als  bei  Crenata. 

Sollte  meine  Art  mit  Trilineata  identisch  sein,  so  möchte 
ich  deren  Artverschiedenheit  von  Crenata  nicht  anfechten. 

Notodonta  Ochs.  Stragula  Grt.  Basitriens  Walk,  und 
Californica  Stretch.  Erstere  sind  mir  völlig  fremd;  die  Letztere 
kenne  ich  nur  aus  Stretch's  Abbildung,  die  Art  ist  Dictaea 
sehr  ähnlich.     Nach  einer  Note  der  Verfasser  ist 

Notodonta  Plagiata  Walk.  =  Tritophus  S.  V.  mit  falsch 
angegebenem  Vati'rland ! 

Lophodonta  Pack,  mit  Ferruginea  Pack.  Angulosa  Smth.  — 
Abb.  (lig.  inf.)  Georgica  G.  (fe  R.  =  Angulosa  Smth.  —  Abb.  (tig. 
sup.)  mir  sämmtlich  fremd. 

Ebenso  kenne  ich  nicht: 

Pheosia  Hb.  mit  Rimosa  Pack,  und  Dimidiata  H.  Seh. 
Letztere  Art  ist  den  Verfassern  als  noi'damerikanische  Art 
zweifelhaft. 

Nerice  W^alk.  Bidentata  Walk. 

Von  Nodonta  durch  den  kapuzenartigen  Schopf  des  Tho- 
rax und  die  Anhangzelle  der  VorderilĂĽgel  verschieden,  Innen- 
rand ohne  Schuppenzahn. 

Edema  Walk,  mit  Albifrons  Smth.  —  Abb.  Männliche  Füh- 
ler mit  nackter  Spitze,  weibliche  Fühler  fadenförmig.  A^order- 
IlĂĽgel  mit  sehr  kleiner  Anhangzelle,  ohne  Schuppenzahn.  Edema 
Producta  Wlk.  und  Edema  fuscescens  Walk,  gehören  nach 
einer  Note  der  Verfasser  zu  den  Noctuen  und  in  die  Gattung 
lugura. 

Seirodonta  Gt.  &  Rb.  mit  Bilineata  Gt.  &  Rh.  und  Muste- 
Hira  Pack.,  sowie 

Oederaasia  Pack,  mit  Concinua  Smth.  —  Abb.  Nitida 
Pack.  Badia  Pck.   und 

Dasylophia  Pack.  Anguina  Smth.  —  Abb.  =  $  Drymonia 
cucuUifera  H.  5.  ,^  Heterocampa  punctata  Wlk.  Interna  Pack. 
Letzlere   Art  ist  in  den  Tiansact.   of  Ihe  Americ.  Entom.  Soc. 

20 


306 

Vol.  I.  Aug.  1867.  PI.  IV.  f.  31  abgebildet.  Die  Gattung  scheint 
Heterocampa  sehr  nahe  zu  stehen;  endheh 

Schizuia  Dbl.     Ipomeae  Dbl.    sind  mir  in  Natur   l'remd. 

Coelodasys  Pack,  mit  Unicornis Ömth.  —  Abb.  =,^Edema 
semirutescens  Wlk.  Edmansii  Pack.  ApicaUs  Gt.  &  Rb.  Lepti- 
noides  Grt.  &  Rb.  Biguttata  Pack.  =  ^  Heteroc.  ducens  Wlk. 
$  Het.  compta  Wlk.  ?  ,^  Het.  corticea  Wlk.  Harrisii  Pack. 
Cinereofrons  Pack.  =  Het.  Ustipennis  Wlk.  —  Unicornis,  Bi- 
guttata, Cinereofrons  kann  ich  in  Natur,  Leptinoides  in  der  Ab- 
bildung, Trans.  Vol.  I.  PI.   IV.   f.   33,  vergleichen. 

Männliche  Fühler  fast  zur  Hälfte  ihrer  Länge  ungekämmt, 
Biguttata,  Cinereofrons,  oder  nur  mit  nackter  Spitze,  Unicornis, 
Leptinoides,  weibliche  Fühler  fadenförmig.  Lange  und  sehr 
schmale  Anhangzelle.  VordertlĂĽgel  ohne  Schuppenzahn.  Schei- 
tel mit  kleinem  Schopf,  Hinterleib  schlank,  den  Afterwinkel 
der  HintertlĂĽgel  weit  ĂĽberragend. 

Schenkel  und  Schienen,  M^enigstens  der  Männer,  dicht 
wollig  behaart.  Hinterschienen  mit  4  Spornen.  Augen  nackt. 
Palpen  sehr  kurz,  anliegend  behaart.  Rippe  5  der  HintertlĂĽgel 
schwächer. 

In  der  Form  des  Hinterleibes  und  im  FlĂĽgelschnitt  gleichen 
Biguttata  und  Cinereofrons  von  europ.  Gattungen  am  meisten 
Pterostoma  Palpina,  aber  FĂĽhler,  Palpen,  der  starke  Schuppen- 
zahn, trennen  diese  Gattung  weit. 

Janassa  Wlk.  Lignicolor  Wlk.  =  ,^  Xylinodes  virgata  Pack. 
(^  Edema  transversata  Wlk.  $  Exaerela  Lignigera  Wlk.  mir 
fremd. 

Heterocampa  Dbld.  mit  Astarte  Dbld.  Obliqua  Pack. 
Brunnea  Gt.  &  Rb.  Umbrala  Wlk.  Trouvelotii  Pack.  Pulverea 
Gt.  &  Rb.  Marthesia  Cr.  204  B.  Elongata  Gt.  &  Rb.  Gutti- 
vitta  Gt.  &  Rb.  =  Cecrita  guttata  und  Drymonia  indeterminata 
Wlk.  Het.  Biundata  Pack.  Drym.  mucorea  H.  Seh.  —  Biun- 
data  Wlk.  =  Het.  semiplaga  und  Stauropus  viridoscens  Wlk. 
Lochmaeus  olivata  Pack.  —  Thyatiroides  Wlk.  Cinerea  Pack. 
=  Misogada  sobria  Wlk.  —  Unicolor  Pack.  Marina  Pack,  und 
in  der  Untergattung  Lochmaeus  Dbld.  Munteo  Dbld.  =  Het. 
subalbicans  Grt.   Tadana  cinerascens  Wlk. 

In  einer  Note  nennen  die  Verfasser  noch  folgende  von 
Walker  aulgestellte,  aber  wegen  unzulänglicher  Beschreibung 
nicht  zu  deutende  nordamerikanische  Arten: 

Di-ymonia  confusa,  Heterocampa  mollis,  nigrosignata, 
Psaphida  resumens,  Cei-tila  ilexuosa,  Hatima  semirufescens, 
Acherdoa  ferraria,  Bcdlura  gortynoides. 

In    Natur    kenne    ich    nur    Brunnea  Gt.  &  Rb.  $,    der  ,^ 


307 

dieser  Ai*t,  sowie  der  von  Pulverea  Gt.  &  Rb.  waren  damals 
den  Verfassern  unbekannt,  Unieolor  Pack,  rj^,  Manteo  Dbld.  rj, 
ausserdem  Abbildungen  von  Obliqua  Pack.  ,^  $,  Marthesia  Cr.  r^, 
Elongata  G.  &  Rb.  $,  Pulverea  Gt.  &  Rb.  $  in  den  Trans. 
Vol.  I.  PI.  IV.  Brunnea  nähert  sich  unserer  Tritophus,  die 
ĂĽbrigen  Arten  haben  mehr  oder  weniger  Aehnlichkeit  mit 
Torva  und  den  Drymonia-Arten. 

Von  Notodonta  und  Drymonia  trennt  Heterocampa  die 
lange  und  schmale  Anhangzelle,  das  gänzliche  Fehlen  des 
Schuppenzahns  und  die  nackte  Spitze  der  männlichen  Fühler. 
Hiezu  treten  noch  zwei  neue  von  Harvey  in  dem  Bulletin  of 
the  Buffalo  Soc.  of  Nat.  Science  Vol.  1,  No.  4  (1874)  aufge- 
stellte Arten,  nämlich  Heterocampa  Subrotata  Harv.  p.  263. 
PI.  XI.  f.  2  u.  4  r^  $  und  Heterocampa  Celtiphaga  Harv.  p.  263. 
PI.  XL  f.  3  (^.  Die  Raupe  der  Letzeren  lebt  an  Celtis  Occi- 
dental is. 

Platycerura  Pack,   mit  Furcilla  Pack,  ist  mir  fremd. 

Cerura  Seh.  =  Harpyia  Ochs. 

Borealis  Harr.  =  Fiiicula  Smth.  —  Abb.  Cinerea  Wlk. 
Sitiscripta  Wlk.    Scolopendrina  Bdv.   u.  Multiscripta  Riley. 

Sämmtliche  Arten  sind  klein,  von  der  Grösse  unserer  Bi- 
tida und  Furcula.  Vergleichen  kann  ich  Borealis,  Cinerea  und 
Multiscripta.  Erstere  ist  unserer  Furcula  ausserordentlich  nahe 
verwandt,  Cinerea  weicht  von  Cinerea  durch  die  graue  Grund- 
farbe und  die  sch\^'arzen  Rippenpunkte  hinter  der  Querbinde 
ab.  Multiscripta,  mir  von  Grote  selbst  bestimmt,  ist  eine  den 
Verfassern  damals  unbekannte,  von  den  ĂĽbrigen  sehr  ab- 
weichende Art. 

Mit  dieser  Gattung  schliessen  die  Ptilodontinae  und  an  sie 
reihen  sich  die  Platyptei-yginae   mit  3   Gattungen  an. 

Drepana  Schk.  Arcuata  Wlk.  =  Piatypt.  Furcula  Grt., 
eine  unserer  Falcataria  L.  verwandte  Art;  noch  näher  steht 
derselben  Siculifer  Stretch,  welche  ich  nur  nach  dem  Bilde 
bei  Stretch  kenne. 

Genicula  Wlk.   ist  mir  fremd. 

Piatypt eryx  Lasp.  mit  Bidentata  Grt.  =  Edapteryx 
bidentata  Pack. 

in  dieser  Zeitung,  XXXI.  p.  252,  habe  ich  schon  be- 
merkt, dass  ich  nach  der  von  Packai-d  gegebenen  guten  colo- 
rirten  Abbildung  zwischen  Bidentata  und  unserer  Lacertinaria  L. 
keinen  Unterschied  finden  kann.  Aus  dieser  Art  eine  eigene 
Gattung  zu  bilden,  kann  höchstens  durch  den  gezähnten  Saum 
der  VordertlĂĽgel  bedingt  werden,  denn  in  Betreff  der  weib- 
lichen Fühler    und    der  Spoi-nen  der    Hinterschienen    «timmen 

20* 


308 

FalcatÄi-ia,  und  auch  Arcuata  mit  Lacertinaria  überein,  auch 
die  früheren  Stände  der  Letzteren  zeigen  keinen  Unterschied 
von  denen  der  verwandten  Arten,  und  so  erseheint  die  Auf- 
stellung einer  eigenen  Gattung  mindestens  nicht  unumgĂĽnglicii 
nothwendig. 

Dryopteris  Grote  mit  Rosea  Grt.  =  Drepana  rosea  Wik, 
Cilix  americana  H.  S.  Piatypt.  Formiila  Grt.  var.  Drep.  mar- 
ginata  Wlk.   und  Irroi-ata  Pack. 

Mir  liegt  bloss  ein  Weib  von  Kosea  zur  Vergleichung  vor 
und  bei  diesem  zeigen  die  FĂĽhler  eine  von  den  Verwandten 
abweichende  Bildung.  Sie  sind  kürzer  als  gewöhnlich  und 
mindestens  doppelt  so  stark  wie  bei  den  ĂĽbrigen  Arten,  breit- 
gedrückt,  ohne  Zähne,  aber  auf  Ober-  und  Unterseite  mit 
ganz  schwachen  Querrillen. 

Der  Schnitt  der  Vorderflügel  ähnelt  Curvatula,  doch  ist 
die  Spitze  der  FlĂĽgel  viel  weniger  vorgezogen,  bildet  in  Folge 
dessen  keinen  so  scharfen  Haken  wie  bei  jener  Art^  dafĂĽr  ist 
aber  die  Ecke  des  Saumes  auf  Rippe  3  stärker.  Hinterschienen 
nur  mit  Endspornen. 

In  seiner  1874  erschienenen  List  of  the  North  American 
Platypterices,  Attaci,  Hemileucini,  Ceratocampadae,  Lachneides, 
Teredines,  Hepiali,  nimmt  Grote  fĂĽr  die  erste  Gattung  den 
Namen  Platypteryx  Lasp.  (1802)  wieder  an,  doch  scheinen 
mir  die  angefĂĽhrten  GrĂĽnde  fĂĽr  dieses  Verfahren  nicht  ge- 
nĂĽgend. 

Statt  Platypteryx  fĂĽr  die  zweite  Gattung  beizubehalten, 
wird  dieselbe  nun  Prionia  Hb.  (1816)  genannt. 

Die  nun  folgenden  Attacina  zerfallen  in  7  Gattungen  mit 
10  Arten. 

Telea  Hb.  mit  Polyphemus  L. 

Actias  Leach  mit  Luna  L. 

Attacus  L.  mit  Splendidus  De  Beauv.  von  Californien, 
mir  fremd. 

Samia  Hb.  in  der  späteren  Arl)eit  Philosamia  Grt.  ge- 
nannt, mit  Cynthia  Dr.  In  Amerika  eingefĂĽhrt  und  akkli- 
matisirt. 

Callosamia  Pack,  mit  Promethea  Dr.  und  Angulifera  Wik. 

Platysamia  Grt.  neuerdings  wieder  Samia  Hb.  genannt, 
mit  Cecropia  L.,  Columbia  Smth.  mir  fremd,  Gloveri  Streck, 
und  Californica  Grt.  =  Ceanothi  Beer,  Euryale  Bdv. 

Saturnia  Schk. 

Galbina  Cleni.   mir  fremd.      Texas. 

Die  Ceratocampinae  werden  eingetheilt  in  Hemileu- 
cini  mit   4   Gattungen. 


309 

Hemileuca  Wlk.,  Maja  Dr.  Diese  bekannte  Art  ändert 
insofern  ab,  als  im  SĂĽden  die  Grundfarbe  ein  tiefes  Schwarz, 
und  die  weii^se  MiĂĽelbinde,  besonders  auf  den  VorderflĂĽgeln 
sehr  schmal,  zuweilen  sogar  durch  die  Grundfarbe  unter- 
brochen ist,  während  im  Norden  das  Weiss  vorherrscht  und 
bei  manchen  StĂĽcken,  wie  ich  deren  einige  aus  Maine  besitze, 
die  weisse  Binde  der  VordertlĂĽgel  mindestens  dreimal  so  breit 
ist  wie  bei  Exemplaren  aus  Maryland. 

Die  Raupe  dieser  Art  soll  arg  stinken. 

Nevadensis  Stretch,  PI.  4.  f.  IC,  unterscheidet  sieh 
hauptsächlich  durch  rothgelben  Halskragen  und  graue  Schulter- 
decken von  Maja. 

Grotei  Hopf,  von  Texas,  von  welcher  sich  die  Typen  im 
Berliner  Museum  befinden,  ist  schlanker,  einfarbig  schwarz, 
die  VorderflĂĽgel  zeigen  in  der  Mitte  einen  breiteren  umgeleg- 
ten weissen  Mondfleck  gegen  den  Vorderrand,  einen  M'eissen 
Mittelpunkt  und  einen  schmalen  Querfleck,  die  HinterflĂĽgel 
eine  schmale  weisse  Querbinde,  der  Halskragen  ist  weiss. 

Juno  Pack,  von  Arizona,  sowie  die  in  dem  frĂĽheren  Ver- 
zeichniss  zu  Pseudohazis  gestellte  Pica  Walk,   sind  mir  fremd. 

Pseudohazis  Grt.  &  Rbs.  mit  Eglanterina  Bdv.  H.  Seh. 
Exot.  60,  455,  für  welche  in  der  neueren  Arbeit  als  älterer 
Name  Hera  Harris  angenommen  wird,  von  Californien  und 
den  Rocky  Mountains. 

Coloradia  Blacke  mit  Pandora  Blk.  von  Colorado  kenne 
ich  nicht. 

Hyperchiria  Hb.  in  der  neueren  Arbeit  Automeris  Hb. 
(1816)  genannt,  mit  Jo  Fbr.  und  Zelleri  Gt.  &  Rb.  von  Texas. 

Letztere  Art  in  den  Trans.  Am.  Ent.  Soc.  Philad.  2, 
PI.  2.  f.  65  nach  einem  weiblichen  Exemplar  abgebildet,  ist 
eine  der  grössten  Ai'ten  der  Gattung  von  ganz  exotischem 
Ansehen. 

In  der  neueren  Arbeit  ist  die  Reihenfolge  der  Gattungen, 
und  wie  mir  scheint,  mit  Recht  verändert. 

Automeris  wird  vorangestellt,  dann  folgt  Coloradia, 
Pseudohazis,  Hemileuca  und  den  Schluss  macht  die  im 
frĂĽheren  Verzeichniss  noch  fehlende  Gattung  Euleucophaeus 
Pack,  mit  ihrer  einzigen  Art  Tricolor  Pack,  von  Neu-Mexico, 
welche  Stretch   143,  6.  f.  3,  4  abbildet. 

Die  Dryocampini,  nun  Ceratocampadae  Harr.  (1841) 
genannt,  umfassen:  •" 

Eacles  Hb.  mit  Imperialis  Dr. 

Citheronia  Hb.  mit  Regahs  Fb.  und  Sepulchrahs  Gt.  &  Rb. 

Die  Letztere  ist  nach  einer  auf  Abbots  unpublicirten  Plat- 


IHIO 

ten,  vvelclio  im  britischen  Museum  betindlich  sind,  abgebildeten 
Art  Rufgestellfc,    scheint    also   in  Nadir  nicht  bekannt  zu  sein, 

Adelocephala  Bdv.  in  der  neueren  Arbeit  Sphingi- 
cam])a  Walsh.  (1864")  genannt,  mit  der  mir  in  Natur  frem- 
den Bicolor  Harr.  Trans.  Am.  Ent.  Soe.  Vol.  I  ?  (J867)  No.  I. 
])1.  I.   f.   3,   4.  $  pag.    10. 

Anisota  Hb.  mit  Stigma  Fb.  Senatoria  Smth.  —  Abb,  und 
Virginiensis  Dr.  =  Pellucida  Smth.  —  Abb. 

Dryocampa  Harr,  mit  Kubieunda  Fb.  uud  deren  Varie- 
tät Alba  Grt. 

Lachneiinae  mit  4  Gattungen. 

Gastropacha  Ochs,  mit  Americana  Harr.  =  Occidentalis 
Wlk.  ?  Ilicifolia  Smth.  —  Abb.  und  Ferruginea  Pack. 

In  der  neueren  Arbeit  wird  diese  Gattung  Eutricha  Hb. 
(1806)  genannt  und  ausser  den  erwähnten  beiden  Arten  wer- 
den noch  angefĂĽhrt:  Carpinifolia  Bdv.  California  Pack,  und 
Mildei  Stretch  p.  113,  PI.  4  f.  12  von  Californien,  unserer 
Betulifolia  ähnlich. 

Tolyi)e  Hb.  mit  Velleda  Stoll  und  Laricis  Fitch;  zu 
Letzterer  gehört  als  Varietät  Minuta  Gt. 

Artace  Wlk.   mit  Punctistriga  Wlk.   mir  fremd. 

Clisiocampa  Curtis,  nun  Ti'ichoda  Hb.  (1806)  genannt, 
mit  Americana  Fb.  =  Decipiens  Wlk.  Castrensis  Smth.  —  Abb. 
Frutetorum  Bdv.  Lep.  de  la  Californ. 

Disstria  Hb.  Verz.  p.  192.  No.  1975  (Malacosoma)  = 
Neustria  Smth.  —  Abb.  Silvatica  Harr.  Drupacearum  Bdv.  L^p. 
de  la  Californ.  Californica  Pack.  =  Pseudoneustria  Bdv.  Lej). 
de  la  Californ. 

Alle  3  Arten  von  ausgesprochen  europäischem  Aussehen, 
und  sich  eng  an  Castrensis  und  Neustria  anschliessend. 

In  der  neueren  Arbeit  beginnt  die  Reihenfolge  der  Gat- 
tungen mit  der  in  dem  älteren  Verzeichniss  fehlenden  Gattung 
Gloveria  Pack,  mit  Arizonensis  Pack,  von  Arizona,  dann 
folgt  Eutricha,  Trichoda,  Artace,  Tolype  und  den  Schluss 
macht  die  neue  Gattung  Heteropacha  Harvey  mit  der  ein- 
zigen Art  Rilevana  Harvey  von  Missouri  und  Texas,  welche 
im  Bulletin  of  the  Buflalo  Soc.  of  Nat.  Scienc.  Vol.  I.  No.  4 
(1874)  pag.  262  beschrieben  und  PI.  XL  f.  1.  nach  einem 
männlichen  Exemplar,  von  Missouri,  abgebildet  ist. 

Nun  folgen  ip  dem  älteren  Verzeichniss  die  Hepialini 
mit  den  Unterfamilien  Cossini  und  Hepialini. 

In  der  neueren  Arbeit  werden  beide  Unterfamilien,  ge- 
wiss mit  Recht,  als  eigene  Familien  angesehen,    die   frĂĽheren 


311 

Cossini  heissen  nun  Teredines  Hb.  (1806),  die  Hepialini 
Hepiali  L.  (1788). 

Die  Teredines  umfassen  2  Gattungen: 

Xyleutcs  Hb.  jetzt  in  Xystus  Grt.  umgewandelt,  mit 
Robiniae  Peck.  und  den  mir  fremden  Arten:  Crepera  Harr. 
Querciperda  Fitch,  Mac  Murtrei  Bdv.  Populi  Wlk. 

Von  Cossus  unterscheidet  sich  diese  Gattung,  soweit  ich 
nach  der  einzigen  mir  bekannten  Art  Robiniae  urtheilen  kann, 
durch  den  langgestreckten  schmalen  Thorax  und  ebensolchen 
Halskr-agen,  die  gestreckteren  VorderflĂĽgel,  deren  Saum  viel 
schräger  ist,  und  die  eigenthümliche,  fast  dreieckige  Form  der 
HinterflĂĽgel  des  Mannes,  deren  Saum  und  Innenrand  viel 
schärfer  gegeneinander  abgesetzt  sind,  als  bei  jener  Gattung. 
Eingeschobene  Zellen  aller  FlĂĽgel  fĂĽhren  die  Xystus-Arten 
auch,  ebenso  Anhangzelle  der  VorderflĂĽgel. 

Bei  Cossus  (Avenigstens  bei  C  Ligniperda)  entspringen 
Rippe  9  und  10  auf  ganz  kurzem  gemeinsamen  Stiel  aus  der 
Vorderecke    der  Anhangzelle,    bei  Xystus    dagegen    9  aus  7. 

Interessant  ist  bei  Robiniae  auch  die  verschiedene  Färbung 
der  Hinterflügel  bei  beiden  Geschlechtern;  während  bei  dem 
Weib  dieselben  schmutzig  grau  sind,  zeigen  sie  bei  dem  Mann 
als  Grundfarbe  ein  hohes  Goldgelb  und  der  Saum  und  Vorder- 
rJind,   sowie  die  Wurzel  sind  tief  schwarz  gefärbt. 

Zeuzera  Ltr. 

Pyrina  Fb.  und  Canadensis  H.   Seh.  Exot.  F.    168. 

Hepialini  mit 

Sthenopis  Pack.  Argenteomaculata  Harr.,  Quadriguttata 
Pack.  Purpurascens  Pack.  Argentata  Pack.,  wozu  noch  die  von 
Stretch  abgebildeten  beiden  Arten  Behrensii  Stretch  und  Mon- 
tanus  Stretch  treten. 

Hepialus  Fb.  mit  Hyperboreus  Möschl,  =  Pulcher  Grote 
Labrador,  Colorado.  Labradoriensis  Pack.  —  wie  ich  vermuthe, 
als  ^  zu  der  vorigen  Art  gehörend  —  Mustelinus  Pack.  Oest- 
liche  Staaten.  Gracilis  Grt.  Quebeck.  Californicus  Bdv.  CaH- 
fornien,  Hectoides  Bdv.    Californien. 

In  seiner  neueren  Arbeit  zieht  Grote  die  Gattung  Sthe- 
nopis ein  und  stellt  deren  Arten  zu  Hepialus,  ob  mit  Recht, 
kann  ich,  da  ich  nur  Argenteomaculata  in  einem  einzelnen 
Exemplar  besitze,  nicht  beurtheilen. 

Hiermit  schliessen  die  Spinner,  und  es  bleibt  mir  nun  noch 
übrig,  einige  mir  erst  später  bekannt  gewordene  Arten  nach- 
zutragen und  einige  anderweitige  Eigänzungen  zu  geben. 

Was  erstlich  die  von  mir  in  ihrem  nordamerikanischen  Hei- 
mathsrecht  angezweifelten  Arten:  Philampelus  Linnei  Gt.  &  Rb. 


312 

Phil.  Liihrnscae  und  Ancei'vx  FAh  anbelangt,   so  kommen  die- 
pelhcn  wirklich  in  den  vereinigten  Staaten  vdv. 

Herr  Dr.  Speyer  schreibt  darüber:  „Herr  Meske  theilt 
„mir  Folgendes  brieflich  mit:  Sph.  Linnei  und  Ello  kommen 
.^bestimmt  in  Nordamerika  vor.  Beide  Arten  erhielt  ich  aus 
„Texas,  wo  sie  mein  Freund  daselbst,  gefangen  hat.  Sph.  La- 
„bruscae  ist  sicher  von  Rile}-  bei  St.  Louis,  Missouri,  gefangen 
.,worden.  Ausserdem  bemerkt  Meske,  dass  Anceryx  Merianae 
..Grt.  ebenfalls  aus  Texas  komme.'-' 

Zu  diesen  Arten  wird  vielleicht  auch  Sph.  (Eucheryx) 
Licastus  Cr.  Paree  Fb.  kommen,  wenigstens  schrieb  mir  ein 
nordamerikanischer  Freund,  dass  er  mehrere  Exemplare  eines 
Schwärmers  erzogen  habe,  welcher  nach  der  mir  mitgetheil- 
ien  Beschreibung  kaum  eine  andere  Ai-t  sein  kann. 

Was  ferner    die  von  mir  in  dieser  Zeitung  j_875  p.   283   _ 
erwähnte  und  kurz  beschriebene  Sesia,    welche    ich    zu  Scia- 
pteron  stellte,  anbelangt,  so  ist  es  nach  Grote's  Urtheil,  welchem 
ich  das  eine  meiner  beiden  Exemplare  zur  Ansicht  zusendete, 
sicher  eine  noch  unbeschriebene  Art,    deren    ausfĂĽhrliche  Be- 
schreibung   ich    hier    gebe.     Eine  genaue  Untersuchung  zeigt 
ĂĽbrigens  bei  dieser  Art  so  eigenthĂĽmlich  gestaltete  Hinterbeine, 
dass  eine  Trennung  von  Sciapteron    schwei*    zu  umgehen  sein     I 
wird,    und    fĂĽr    diese  Art  wohl  eine  eigene  Gattung  wird  er-     ' 
richtet  werden  mĂĽssen,    fĂĽr    welche    ich  den  Namen  Grotea    y 
nach    dem     um    die   Lepidopterologie    Nordamerika's    so    ver- 
dienten Hen-n  Grote  in  Buflalo  wähle. 

FĂĽhler  des  Mannes  mit  bewimperten  Lamellen,  bei  dem 
Weibe  schlanker  als  bei  Sciapteron. 

Palpen  nicht  so  gerade  am  Kopf  aufgerichtet  wie  bei 
Sciapteron,  schwächer  behaart. 

Vorderbeine:  Schienen  viel  kirrzer  als  die  Schenkel  und 
etwa  halb  so  lang  als  die  Tarsen. 

Mittelbeine:  von  dej-  Länge  des  Hinterleibes,  Schienen 
von  der  Länge  der  Schenkel,  wenig  kürzer  als  die  Tarsen. 
Hinterbeine:  fast  doppelt  so  lang  wie  der  Hinter- 
leib, Schienen  länger  als  die  Schenkel  mit  Mittel-  und  End- 
spornen, am  Ende  mit  starker,  pinselartig  vorstehender 
Behaarung.  Tarsen  um  mindestens  die  Hälfte  länger 
als  die  Schienen,  das  Wurzelglied  viel  länger  als  die 
drei  ĂĽbrigen  Glieder  zusammen,  kurz,  aber  dicht 
anliegend  behaart,  mit  Dornborsten,  die  drei  ĂĽbrigen 
Glieder  mit  längerer,  pinselartiger  Behaarung. 

Hinterleib  an  der  Wurzel  dĂĽnner  als  in  der  Mitte,    ohne 
lichte  Ringe. 


31  a 

VorderflĂĽgel  bis  auf  eine  kleine  glashelle  Stelle  nahe  der 

Wurzel  dicht  beschuppt.     HintcrflĂĽgel  glashell,  Rippe  3  und  4 

/    auf  kurzem   Stiel  gemeinsam  entspringend.     Die  beiden  Innen- 

randsrippen  näher  bei  einander  verlaufend. 
'  C-rr.  Longipes  n.  sn.    FĂĽhler   oben  schAvarzbraun,   unten 

röthlicli.  Pal})en  i-ostroth,  nach  vorn  schwarz  behaart,  End- 
glied gelb.  Kopf  rostroth  gerandet.  Schenkel  schwarz,  Vor- 
derschienen gelb,  Mittel-  und  Hinterschienen  schwarz,  erstere 
mit  breitem,  letztere  mit  schmalem,  rostgelbem  Ring  in  der 
Mitte.  Tarsen  gelb,  die  der  Hinterbeine  oben  in  der  Mitte 
schwärzlich  behaart.      Schienenspornen  gelb. 

Vordertlügel  schwarzbraun,  an  der  Wurzel  ein  länglicher 
glasheller  Fleck,  Innenrand  an  der  Wurzel  i-öthlich  angelegt. 
Hinterfliigel  glashell  mit  rostfarbenem  Schimmer,  Ripi)en,  Mit- 
teltleck und  Franzen  schwarzbraun.  Unten  der  Vorderrand 
aller  FlĂĽgel  an  der  Wurzel  gelb  angelegt.  FlĂĽgelspannung 
33  mm.  VordertlĂĽgelbreite  3,5  mm.  ,^  $.  Vereinigte 
Staaten. 

Bei  dieser  Gelegenheit  möge  es  mir  auch  gestattet  sein, 
nochmals  der  Sph.  -Vitis  L.  zu  erwähnen,  über  welche  mein 
Freund  Herr  Weymer  in  dieser  Zeitung  1875  p.  46  eine 
der  von  mir  frĂĽher  ausgesprochenen  entgegengesetzte  Ansicht 
äussert. 

Nachdem  ich  durch  die  GĂĽte  des  Herrn  Dr.  v.  Heyden 
in  Frankfurt  a.  M.  in  den  Stand  gesetzt  worden  bin,  die  Ab- 
bildung in  dem  Werk  der  Sibylla  Merian  zu  vergleichen,  neige 
ich  mich  auch  der  von  Herrn  Weymer  vertretenen  Ansicht 
zu,  dass  Sph.  Vitis  L.  gleich  ist  mit  Vitis  Cr.  268  E.  ($), 
und  da  Linnei  Grt.  &  Rbs.  eben  diese  Art  ist,  letzterer  Name 
in  Wegfall  kommen  muss.  Obgleich  die  Merian'sche  Abbil- 
dung sehr  roh  und  in  Betrefl'  der  HinterflĂĽgelzeichnung  ent- 
schieden verfehlt  ist,  lässt  doch  die  Zeichnung  der  Vorder- 
flĂĽgel kaum  einen  Zweifel  darĂĽber  aufkommen,  dass  das 
Bild  das  von  Cramer  Fig.  268  E.  abgebildete  Thier  vor- 
stellt. 

In  meiner  frĂĽheren  Ansicht  musste  mich  auch  die  brief- 
liche Mittheilung  Grote's  bestärken,  dass  in  seinem  colorirten 
Exemplar  des  Merian"schen  Werkes  jene  Figur  vollständig 
rothen  Aussenrand  der  HinterflĂĽgel  zeige. 

Zudem  wird  mir  Herr  Weymer  zugeben,  dass  die 
Worte  bei  Linne  „posticis  margine  tenuiore  sanguineis  und 
Alae  inferiores  macula  nigra  in  disco"  ebenfalls  auf  beide 
A'erwandte  Arten  passen  und  es,  wenn  Linne  nicht  die  Abbil- 
dung in  jenem  Werk  citirte ,  schwer  sein  wĂĽrde  zu  entscheiden, 


314 

ob  er  diese  oder  die  andere  Art  beschrieben  habe,  da  beide 
frĂĽher  ĂĽberdies  fĂĽr  die  verschiedenen  Gesohlechter  einer  Art 
gehalten  wurden.  Grote's  colorirtes  Bild  von  Vitis  vermehrt 
entschieden  die  Verwirrung,  denn  nimmt  man  an,  dass  die 
Merian  dieses  Exemplar  ihres  Werkes  selbst  colorirt  oder  doch 
ein  solches  colorirtes  Exemplar  Linne  vorgelegen  habe,  so  ist 
es  eben  so  leicht,  daraus  zu  folgern,  dass  er  die  zweite  Art 
als  Vitis  beschrieben  habe.  In  jener  Abbildung  sind  die  Vor- 
derflĂĽgel  theilweis  ĂĽber  die  HinterflĂĽgel  zurĂĽckgeschoben  und 
so  wäre  vielleicht  nicht  der  ganze  Aussenrand  sichtbar  gewe- 
sen, wodurch  sich  die  Annahme,  dass  Linne  denselben  nicht 
als  roth  ausdrücklich  erwähnt,  allenfalls  erklären  Hesse.  Jeden- 
falls ist  es  sehr  begreiflich,  dass  Grote  durch  die  colorirte 
Abbildung  zu  seiner  Annahme  kommen  musste.  Volle  Gewiss- 
heit darĂĽber,  welche  von  beiden  Arten  Linne  als  Vitis  be- 
schrieben hat,  kann  nur  seine  Sammlung  geben,  wenn  sich 
nämlich  eine  der  beiden  Arten  in  derselben  befindet,  denn 
darĂĽber,  ob  Linne  ein  colorirtes  oder  nicht  colorirtes  Exemplar 
des  Merian'schen  Werkes  vorgelegen  hat,  als  er  jenes  Citat 
niederschrieb,  wird  allerdings  keine  Gewissheit  zu  erlangen 
sein.  Der  Mann  von  Vitis  muss  ĂĽbrigens  merkwĂĽrdig  selten 
sein,  ich  erhalte  die  Art  seit  einer  Reihe  von  Jahren,  all- 
jährlich in  mehreren  Exemplaren  aus  Surinam,  habe  aber 
noch  nie  ein  männliches  Exemplar  erhalten. 

Schliesslich  möchte  ich  mir  noch  eine  kurze  Erwiderung 
gegen  Herrn  Weymer's  Ansicht  in  Betreff  des  Zusammen- 
gehörens  von  Smerinthus  Pavonina  Hb.  ^utg.  F.  835.  36  und 
Excaecatus  Abbot  gestatten. 

Von  meinen  Exemplaren  von  Excaecatus  stimmt  insofern 
keines  gut  mit  HĂĽbner's  Abbildung,  als  bei  allen  das  Wurzel- 
feld der  VorderflĂĽgel  entschieden  viel  lichter  als  das  Mittel- 
feld gefärbt  ist,  und  das  Rosenroth,  welches  bei  jenem  Bild 
das  Auge  der  HinterflĂĽgel  nach  innen  als  schmalen  Rand 
umgiebt,  bei  meinen  Exemplaren  bis  zur  Wurzel  und  gegen 
den  Vorderrand  ebenfalls  viel  weiter  reicht.  Ausserdem  fĂĽhrt 
Excaecata  die  Einbuchtungen  des  VorderflĂĽgelsaumes  rein  weiss 
und  nur  die  Spitzen  der  Zacken  braun,  von  Weiss  zeigt  aber 
jenes  Bild  keine  Spur. 

Wenn  Boisduval,  wie  Herr  Wejmer  mittheilt,  frĂĽher 
beide  Arten  fĂĽr  synonym  gehalfen,  so  scheint  er  doch  jetzt 
von  dieser  Ansicht  zurĂĽckgekommen  zu  sein,  denn  in  seinem 
neuesten  Sphingidenwei'k  beschreibt  er  sowohl  Pavonina  (us) 
pag.  37  als  Excaecatus  pag.  38  als  eigene  Arten,  giebt  deren 


315 

ĂĽnterpchiede  an  und  beschreibt  auch  die  Raupen  Beider.  Die- 
jenige von  Pavonina  lebt  nach  seiner  Mittheihmg  auf  Prunus- 
Arten,  die;jenige  von  Excaecatus  auf  Heckenrosen  und  einigen 
verwandten  Sträuchern. 

Entschieden  scheint  also  das  Zusammengehören  von  Pa- 
vonina Hb.  und  Excaecatus  Abbot  doch  noch  nicht  zu  sein. 
In  seiner  neuesten  Aufzählung  der  nordamerikanisclien  SchAvär- 
mer,  im  Bulletin  of  the  Buffalo  Soc.  of  Nat.  Scienc.  Vol.  H. 
No.  4  (1875)  pag.  226  zieht  Grote  unter  No.  38  Pavonina 
als  Synonym  zu  Excaecatus,  und  so  ist  es  immerhin  möglich, 
dass  beide  Arten  zusammengehören  und  ihre  Raupen  auch 
abändern. 

Aegeria  (Sesia)  Pictipes  Grt.  &  Rb.  ist  in  den  Trans. 
Amev.  Ent.  Soc.  Vol.  II.  No.  IV.  PI.  H.  F.  64  abgebildet  und  p.  5 
beschrieben.  Der  schmale  weisse  gelbe  Ring  des  zweiten 
Hinterleibsegmentes,  welchen  die  Beschreibung  erwähnt,  ist  in 
der  Abbildung  kaum  erkennbar. 

Cydosia  Aurivitta  Grt.  &  Rb.  i^  ist  ebendaselbst  PI.  III. 
F.   68  abgebildet  und  pag.   8  beschrieben. 


Ueber  Bostrychus  amitinus  Eichli. 

Von 
Professor  Wr.  Duebner  zu  AschalTouburg. 


Diese  in  der  Berl.  Ent.  Ztschr.  (1871  p.  138)  von  Eich- 
hoff  zuerst  beschriebene,  bis  dahin  wohl  mit  B.  typographus 
verwechselte  Art  lässt  sich  nach  Eichhotrs  Beschreibung,  so- 
wie nach  der  Auseinandersetzung  von  Forstrath  Kellner 
(Deutsche  Ent.  Ztschr.  1876,  I)  leicht  und  bestimmt  von 
B.  typographus  unterscheiden.  Indessen  scheint  die  Art  auch 
nicht  überall  so  häufig  mit  B.  typographus  vorzukommen  wie 
in  ThĂĽringen;  unter  vielen  aus  Oberbayern  erhaltenen  Exem- 
plaren der  letzten  Art  habe  ich  keinen  B.  amitinus  auffinden 
können.  Weniger  leicht  als  von  B.  typographus  lässt  sich 
B.    amitinus    von    B.    Cembrae    Heer    unterscheiden,    welcher 


316 

letztere  nicht  blos  in  der  Zirbelkiefer,  sondern  ebenso  häufig 
(wenigstens  im  Engadin)  in  der  Lärche  haust,  in  M'elcher  auch 
B.   amit.inus  vorkommt. 

Heer'«  Beschreibung  könnte  dazu  verleiten,  B.  amitinus 
für  ein  kleines  Exemplar  von  B.  Cembrae  zu  erklären;  den- 
noch lassen  sich  bei  genauer  Untersuchung  beide  bestimmt 
von  einander  unterscheiden,  nur  ist  in  Heer"s  Beschreibung 
von  B.  Cembrae  gerade  das  Merkmal,  wodurch  sich  dieser 
von  B.  amitinus  unterscheiden  lässt,    nicht  aufgenommen. 

Unser  bester  Bostrychinenkenner,  Oberförster  Eichhoff, 
gab  mir  anfangs  nach  dem  einzigen,  damals  in  seinem  Besitz 
befindlichen  Exemplar  von  B.  amitinus  mehrere  Unterscheidungs- 
merkmale an. 

Später,  nachdem  ich  ihm  mehrere  Exemplare  desselben, 
die  ich  der  Freundlichkeit  des  Herrn  Forstrath  Kellner  ver- 
danke, zugesandt,  konnte  er  ausser  der  geringeren  Grösse  nur 
noch  Einen  der  von  ihm  frĂĽher  behaupteten  Unterschiede  fest- 
halten, aber  einen  wesentlichen,  welcher  die  Stellung  der  Zähne 
am  Rande  der  eingedrĂĽckten  Stelle  betrif!"t. 

Bei  B.  amitinus  ist  nämlich  die  Bezahnung  genau  so  wie 
bei  B.  typographus,  und  der  oberste  Zahn  nächst  der  Nath 
steht  gerade  in  der  Verlängerung  des  ersten  Zwischenraumes 
der  Punktstreifen;  dagegen  sind  die  Zähne  bei  B.  Cembrae 
nicht  nur  im  Allgemeinen  grösser,  namentlich  länger,  sondern 
es  ist  auch  der  erste  Zahn  weiter  von  der  Nath  abgerĂĽckt 
und  steht  erst  in  der  Verlängerung  des  zweiten  Zwischenraumes, 
oder  wenigstens  des  zweiten  Punktstreifens,  während  man  in 
der  Verlängerung  des  ersten  Zwischenraumes  nur  ein  kleines 
Höckerchen  als  Andeutung  eines  fünften  Zahnes  wahrnimmt. 
Endlich  ist  auch  die  gelbe  Behaarung  ĂĽberhaupt,  besonders 
auf  dem  Brustschilde  bei  B.  Cembrae  merklich  länger  und 
dichter  als  bei  B.  amitinus. 


317 


Neue  exotische  Nitidulidae, 

beschrieben  von 
Ediii.  Reittei*  in  Paskau  (MiUn-en). 


Colastus  brunneus  n.  sp. 

Latus,  brunneo-ferrugineus,  nitidus,  fulvo-pubescens,  an- 
tennarum  clava  infuscata,  pedibus  testaceis;  capite  crebre 
leviter  punctato;  prothoi-ace  valde  transverso,  dorso  sparse 
fortiter,  lateribus  crebve  subtiliter  punctato,  antice  rotuudatim 
angustato,  angulis  posticis  fere  rectis,  basi  utrinque  leviter 
sinuato;  elytris  thorace  vix  latiovibus,  apiee  singulatim  obtuse- 
rotundatis,  dorso  crebre  seriatim  punctatis  et  pubescentibus, 
abdomine  dense  subtiliter,  pygidioque  parcius  punctato.  Long. 
4 —   lat.   2.-    mm. 

Patria:    Columbia.    (Mus.  Steinheil.) 

Aus  der  Verwandtschaft  des  niger  Saj  und  simplex  Mur., 
ausgezeichnet  durch  die  Färbung  und  auch  leicht  an  der 
Punktirung  des  Halsschildes  kenntlich,  welche  an  den  Seiten 
desselben  dicht  und  fein,  auf  der  Scheibe  grob  und  weitläufig 
markirt  ist.     Kommt  neben  consobrinus  Murray  zu  stehen. 

Von  Herrn  E.  Steinheil  in  Columbien  gesammelt  und  in 
dessen  Sammlung  befindhch. 

Ghalepopeplus  vorax  n.  sp. 

Oblongus,  nitidus,  piceus,  anlennis  pedibusque  rufo- 
testaceis,  capite  et  prothorace  sat  dense  et  fortiter  punctatis, 
elytris  striato-punetatis,  interstiliis  seriatim  punctulatis.  Long. 
3   mm. 

Patria:  Columbia.  (San  Carlos.) 

Einfarbig  schwarzbraun,  nur  die  FĂĽhler  und  Beine  roth. 
An  den  ersteren  ist  die  Keule  weniger  hell  gefärbt,  kann 
jedoch  nicht  braun  genannt  werden.  Kopf  und  Halsschild  sind 
ziemlicli  dicht  und  kräftig  punctirt,  glänzend.  Das  Letztere  ist 
nicht  ganz   doppelt  S(j  breit  als  lang  mit  säuuntlich  abgerundeten 


318 

Winkeln.  Sehildch'^n  quer,  viereckig  verrundet,  fein  punktirt. 
FlĂĽgeldecken  so  breit  als  das  Halsschild,  fast  gleichbreit, 
l^/^mal  so  lang  als  das  Halsschild,  glänzend,  gestreift  punk- 
tirt, alle  Zwischenräume  mit  einer  viel  feineren,  deutlichen 
Punktreihe.  Die  oberen  Hinterleibssegmente  ziemlich  dicht 
und  kräftig,  aber  weniger  tief  als  das  Halsschild  punktirt. 
Vorderschienen  mit  2  diese  Gattung  charakterisirenden  Zähnen 
an  der  äusseren  Spitze. 

Von  allen  4  bekannten  Arten  durch  mehr  gleichbreiten, 
einfarbigen  Körper,  kräftigeic  Punktirung  und  geringe  Grösse 
abweichend. 

In  der  Sammlung  des  Herrn  E.  Steinheil  in  MĂĽnchen. 

Pria  affinis  n.  sp. 

Oblongo-ovalis,  subdepressa,  brunneo-testacea,  subtilissime 
griseo-pubescens,  prothorace  angulis  po.sticis  subobtusis,  elj- 
tris  apice  fere  rotundatis,  sutura  antice  pygidioque  subinfuscatis. 
Long.    2.g   mm. 

Mas.  Antennae  capite  thoraceque  longiores,  clava  fortiter 
serrata. 

Patria:    Madagascar. 

Der  P.  Dulcamarae  ähnlicli,  aber  viel  grösser,  länglicher, 
heller  braungelb,  das  Halsschild  nach  vorn  sehr  verschmälei-t, 
etwas  kĂĽrzer,  die  Hinterecken  mehr  stumpfwinkehg,  aber 
scharfkantig,  die  Flügeldecken  länger,  an  der  Spitze  abgerundet. 
Die  FĂĽhler  des  ^  sehr  lang,  das  erste  Glied  nur  massig 
gross,  die  FĂĽhlerkeule  nach  einer  Seite  sehr  stark,  nach  der 
andern  viel  geringer  gesägt.  Das  Pygidium  und  die  Nath  in 
der  Nähe  des  Schildchens  sind  gewöhnlich  schwach  gebräunt. 

In  meiner,  ehemals  der  Scluunn'schen  Sammlung. 

Pocadius  breviusculus  n.  sp. 

Sul)Orbicularis,  convexus ,  nitidus,  helvolo-puberulus,  fiisco- 
ferrugineus,  prothoracis  lateribus  et  coleoplerorum  disco  rufis. 
Ins  fortiter  striato-punctatis,  suhtus  antennis  pedibusque  rufo- 
testaceis.     Long.   2.8  nun. 

Pat  ria:  Am  er.  borealis. 

Dem  P.  helvolus  Er.  nahe  verwandt,  aber  von  kĂĽrzerer, 
gewölbter,  fast  halbkugeliger  K«Mj)erform,  die  Puiditirung  der 
Ober.seite   viel  tiefer,    die  Punktstreifen    uul'  dvu  FlĂĽgeldecken 


319 

selii'  kräftig,  das  Halsschild  ist  an  den  Seiten  mehr  gerundet, 
die  Hinterwinkel  stumpfer,  die  ^Färbung  ist  ein  dunkles  Rost- 
roth, die  Seiten  des  Halsschildes  und  die  gemeinschaftliche 
Seheibe  der  FlĂĽgeldecken,  sowie  die  Unterseite,  Beine  und 
die  ganzen  FĂĽhler  heller  roth  oder  gelbroth. 

Von  brevis  m.  durch  noch  kürzere,  kleineie  Körperform, 
einfarbig  helle  Fühler,  viel  stärkere  Panktirung,  stumpfe  Hin- 
terwinkcl   des  Halsschildes  etc.   abweichend. 

Aus  Nordamerika;  in  meiner,  ehemals  der  Schaum'schen 
Sammlung. 

Camptodes  nigriventris  n.  sp. 

Subovatus,  convexus,  nitidus,  testaceus,  macula  postica  trans- 
versa frontali,  thoracis  vitta  media,  antice  et  postice  marginem 
attingente,  scutello,  elytris  ventreque  nigris;  capite  Ihoraceque 
obsolete  punctulatis,  eljtris  substriatis,  minus  dense  et  paulo 
subtiHus  punctatis;  stria  suturali  nulla;  unguiculis  vix  evidenter 
dentatis.     Long.   3.5  mm. 

Patria:  Columbia.  (Mus.  E.   Steinheil.) 

Dem  Camptodes  Czwalinai  Rttr.  sehr  ähnlich  und  nahe- 
stehend; von  demselben  durch  die  Färbung  des  Halsschildes, 
der  Bauchringe  und  feinere  Punktirung  der  Oberseite  ab- 
weichend. Der  Käfer  ist  gelbroth,  eine  quere,  den  hintersten 
Theil  der  Stirn  einnehmende  Makel,  ein  breiter  Längsstreifen 
ĂĽber  die  Mitte  des  Halsschildes,  welcher  den  Vorder-  und 
Hinterrand  erreicht,  das  Schildchen,  die  FlĂĽgeldecken  und  die 
Bauchringe  tief  schwarz,  glänzend.  Das  letzte  Glied  der 
Fühlerkeule  ist  sehr  schwach  gebräunt.  Die  Sculptur  der 
Oberseite  am  Grunde  ist  bei  starker  Vergrösserung  wie  bei 
Czwalinai. 

Camptodes  Steinheili  n.  sp. 

Subhemisphaericus,  nitidus,  brunneus,  ore,  antennis  (clava 
fusca)  pedibusque  testaceis,  capite  thoiaceque  obsoletissime 
punctulatis,  hoc  lateribus  dilutiore,  scutello  minutissime  punctato; 
elytris  nigris,  vix  evidenter  subtilissime  stviatis,  interstitiis 
minus  dense  punctatis,  stria  suturali  nulla:  pygidio  crebre 
distincteque  punctato;  unguiculis  vix  dentatis.  Long  3.3  — 
3.5  mm. 


320 

Patria:  Columbia  or.    (Mus.  E.   Steinheil.) 

Mit  Campt,  bicolor,  dispar  und  nigripennis  verwandt,  aber 
von  allen  3  Arten  durch  die  })echbraune  Färbung  des  Kupfe.s 
und  des  Halsschildes  abweichend.  Ausserdem  von  bicolor  durch 
stärkere  Wölbung  des  Körpers,  verloschene  Punktirung  auf  Kopf 
und  Halsschild  und  weitläuligere  Puidvtirung  der  Flügeldecken 
verscbieden.  Von  di.spar  durch  die  Punktirung  des  ganzen 
Käfers  und  von  nigripennis  ausserdem  durch  die  dunkle  Fühler- 
keule sieh  entfernend. 

Ist  zwischen  Czwalinai  m.    und    bicolor  Er.    einzureihen. 

Cryptarcha  Klugii. 

Ovata,  leviter  convexa,  fusco-brunnea,  nitidula,  confertis- 
sime  aequaliterque  punctulata,  griseo-pubescens,  lateribus 
paullo  dilutior;  prothorace  transverso,  basi  utrinque  bisinuato, 
angulis  posticis  subacuti.s,  leviter  productis,  lateribus  antice 
parum  angustatis,  angulis  anticis  subpruminulis,  fascia  trans- 
versa sublobata  fusca  obscure  pubescente,  eljtris  breviter  ova- 
tis,  seriatim  subsetulosis,  fasciis  duabus  transversis  lobatis,  una 
intermedia,  altera  ante  aplcem  fuscis  ubseure  pubescentibus; 
scutello  vix  punc'ato.     Long.   3  mm. 

Patria:    Madagascar. 

In  der  Grösse  und  Körperform  der  C.  imperialis,  in  der 
Zeichnung  der  strigata  etwas  ähnhch.  Oberseite  gelbbraun, 
hell  gelb  behaart,  eine  etwas  unbestimmte  Querbinde  in  der 
Mitte  des  Halsschildes  dunkelbraun  und  dunkelbehaart,  lerner 
bclinden  sich  zwei  ebenso  gefärbte  und  behaarte,  sehr  lappige 
(^)uerbinden  auf  den  Decken,  die  eine  steht  in  der  Mitte,  die 
zweite  knapp  vor  der  Spitze.  Die  letztere  entsendet  Jederseils 
in  der  Mitte  einen  Ast  nach  aufwärts,  die  mittlere  an  den 
Seiten  einen  nach  oben  und  abwärts.  Ebenso  ist  das  Schild- 
eben  und  ein  Punkt  unter  der  Basis  der  FlĂĽgeldecken  ziem- 
lich  in  der  Mitte  dunkler. 

Konnnt  zwischen  imperialis   und   maculatu  zu  stehen. 

In  meiner  Sammluno-. 


321 


Sammlung  auserlesener  Vögel  und 
Schmetterlinge, 

mit    ihren    Namen    herausgegeben    auf  100  nach  der 

Natur    ausgemalten    Kupfern 

von 

Jacob  HĂĽbiier. 

Augsb.  1793.  8. 


Dieses  sehr  seltene  Buch,  das  kaum  von  jemand  Anders 
als  von  Ochsenheimer  und  Treitschke  an  ein  paar  Stellen 
citirt  und  erst  durch  den  Staudinger-Wocke-Catalog  in  ein 
wenig  verdientes  Gedächtniss  zurückgerufen  worden  ist,  wird 
den  wenigsten  Lepidopterologen  zu  Gesicht  gekommen  sein 
oder  künftig  kommen.  Werneburg  hat  es  in  seinen  Beiträgen 
zur  Schmetterlingskunde  ĂĽbergangen.  Vielleicht  wird  Mancher, 
dem  bekannt  ist,  dass  HĂĽbner  ein  blosser  Schmetterlingsmann 
war,  der  sich  eine  eigenthĂĽmliche  Sprache  geschaffen  hatte, 
bei  dem  Worte  Vogel  im  Titel  des  Buches  an  die  Bedeutung 
aenken,  in  welcher  es  z.  B.  Zincken  in  seiner  Monographie 
der  Gattung  Chilo  vielfach  gebraucht,  nämlicHi  als  Synonym 
von  Schmetterhng  (imago).  Aber  dies  wäre  ein  Irrthum. 
Der  Titel  enthält  keine  Tautologie,  sondern  es  sind  wirklich 
Vögel  (aves)  und  Schmetterlinge  abgebildet.  Die  bunten, 
grösstentheils  exotischen  Vögel,  von  denen  jede  Tafel  einen 
in  natürlicher  Grösse  oder  in  verkleinertem  Massstabe,  wie 
der  Raum  es  erlaubte,  darstellt,  sind  „bis  auf  einen  kleinen 
Theil  derselben'"''  aus  andern,  nicht  genannten  Werken  copirt. 
Als  fast  nur  Copien  bietend,  wird  das  Werk  bei  Ornithologen 
eben  so  wenig  verbreitet  sein  wie  bei  Entomologen.  Die 
Namen  der  Vögel  werden  die  wenigsten  Lepidopterologen  in- 
teressiren.  Da  ich  selbst  kein  Ornitholog  bin,  und  nur  die 
Hübner'schen  Benennungen  wiederholen  könnte,  die  jetzt  gewiss 
zum  grössten  Theile  verändert  sind,  so  lasse  ich  sie  weg  und 
bemerke  nur,  dass  jeder  Vogel,  auf  einem  Baumstumpf,  Ast 
oder  Stein  sitzend,  so  viel  Raum  einnimmt,  dass  nur  eine 
Ecke,  oben  oder  unten,  fĂĽr  einen  einzigen  Schmetterling  frei 
bleibt.  Es  enthält  also  jede  Tafel  auch  nur  einen  Schmetter- 
hng. Im  Vorwort  sagt  Hübner:  „Unter  den  Schmetterlingen 
ist  nicht  einer,    der    nicht    neuerdings    unmittelbar    nach    der 

21 


322 

Natur  gezeichnet  und  gemalt  ^^•ul•de•'.  Aber  ungeachtet  dieser 
Versicherung  sind  A-iele  Bilder  ganz  mittehnässig  ausgefallen, 
weil  es  mit  Fliigelgestalt  und  Färbung,  selbst  mit  der  Grösse 
nicht  immer  genau  genommen  wurde.  Besehreibungen  der 
Arten  hat  HĂĽbner  nicht  gegeben;  er  hat  es  sogar  unterlassen, 
das  Vaterland  und  die  Flugzeit  anzuzeigen.  „Ich  Hess  es  bei 
den  deutschen  und  lateinischen  Namen  bewenden,  deren  Aus- 
wahl ich  mit  vieler  Sorge  getroffen  habe,"  ist  die  ganze 
Rechtfertigung  fĂĽr  dieses  Verfiihren.  Somit  ist  alles,  w^as  wir 
ausser  den  Tafeln  besitzen,  die  auf  S.  5  —  16  gegebene  Auf- 
zählung der  Namen  der  lOü  Vögel  und  et)en  so  viel  Schniel- 
terlinge.     Dabei  ist  folgendes  Musler  befolgt: 

I.    Der  gemeine  Colibri  und  der  saumschatticht.e  Spanner. 
Trochilus  Colubris  et  Ph.  Geom.  Politata. 

Die  Ansicht  des  Buches  verdanke  ich  der  Freundlichkeii 
des  Dr.  Staudinger,  der  es  in  seiner  reichen  Bibliothek  besitzt. 
Es  schien  mir  eine  uĂĽtzHche,  kleine  Arbeit  zu  sein,  wenn  ich 
zur  Befriedigung  der  Wissbegierde  der  Lepidopterologen,  denen 
es  nicht  so  gut  wĂĽrde  wie  mir,  die  100  Schmetterlingsnamen 
unter  Beifügung  der  jetzt  gebräuchlichen  Synonymie  aufzählte. 
So  leicht  die  Lösung  dieser  Aufgabe  im  Anfange  schien, 
so  schwierig  erwies  sie  sich  stellenweise  in  ihrem  Verlauf. 
Es  fanden  sich  so  viele  Bedenken,  ob  ich  immer  die  richtige 
Deutung  eines  Bildes  getroffen  hätte,  dass  ich  einen  Theil 
derselben  den  Herren  Dr.  Staudinger  und  Wocke  vorlegte. 
Ihr  Urtheil  fiel  theils  zustimmend  aus,  theils  unter  sich  und 
von  dem  meinigen  abweichend.  Ganz  gegen  meine  Erwar- 
tung bleiben  also  noch  Punkte  zu  erledigen,  und  das  BĂĽchlein 
kann  noch  nicht  als  abgethan  bei  Seite  gelegt  werden.  Ich 
halte  es  für  zweckmässig,  die  Bemerkungen  der  Revisoren 
meiner  Bestimmungen  in  ihren  eigenen  Worten  mitzuĂśieilen. 
I.  Geom.  politata  (Acid.). 
'2.    Pvr.  luctualis  (Alged.   luct.)  ,^. 

'A.    Till,    lessella    (Gelech.    tessella    H.    quadrella  F.)    zu 
klein,    mit   zu  kurzem    ersten  Fleck    und    mit     falscher 
llinterfliigelform. 
'«.     Till,    funerella   (Psecad.)  ,_^,   zu   klein,    iiiil    zu    seluiia- 

len,  um  Innenrand  zu  dunkeln  HiiitertlĂĽgelii. 
.K  Die  weisfleekichte  Schabe.  Tin.  luctuella. 
Wocke  stellt  sie  im  C'ataJog  ohne  Bedenken  als  einer- 
lei mit  der  Heinemamrschen  Luctuella  oder  meiner 
Sauleriella  auf.  Sie  ist  zu  klein  und  ohne  Concavität 
des    HintertlĂĽgehandes;    ausserdem   sind    auf    den    Vru-- 


323 

derflĂĽgelu  alle  Binden  vom  Vorderrande  viel  zu  w^eit 
getrennt;  statt  der  ersten  ist  ein  blosser  Punkt;  die 
dritte  erreicht  den  Innenwinkel  und  ist  basalwärts 
nicht  gezähnelt.  Mag  dies  alles  nur  die  Folge  der 
etwas  verkleinerten  Abbildung  »ein,  so  wäre  doch 
Fig.  144  des  grossen  Werkes  ohne  Fragezeichen 
voranzustellen,  obgleich  hier  die  erste  Binde  fehler- 
haft bis  zum  Innenrande  verlängert  ist. 

6.  Die  weisgedupfte  Schabe,  Tin.  quadripunctella. 
Ich  erkenne  in  ihr  eine  zu  klein  gerathene  Butalis 
Scopolella  H. ,  bei  welcher  ausserdem  die  Grundfarbe 
zu  dunkel,  die  zwei  Punkte  zu  klein  und  zu  weiss 
gegeben  sind,  und  der  verloschene  Punkt  der  FlĂĽgel- 
spitze weggelassen  ist.  Bei  solchen  Mängeln  wird 
mau  wohl  nicht  daran  denken,  dem  Namen  Priorität 
zuzugestehen.  Staudinger  sagt  dazu:  Die  Bestimmung 
kann  richtig  sein,  bleibt  aber  fraglich.  Wocke's  Worte 
sind:  FĂĽr  Scopolella  viel  zu  klein;  auch  wenn  man 
das  Bild  für  das  eines  sehr  kleinen  Männchens  von 
Scopolella,  dem  der  hintere  Fleck  fehlt  (ich  weiss 
nicht,  ob  solche  Exemplare  vorkommen),  nehmen 
wollte,  so  stimmt  doch  die  Stellung  der  beiden  vor- 
lumdenen  Flecke  nicht.  Wenn  die  Flecke  nicht  so 
rein  weiss  wären,  so  würde  ich  unbedingt  für  But. 
MĂĽlleri  Manu  bestimmen.  [Es  ist  mir  nicht  Avahr- 
scheinlieh,  dass  HĂĽbner  diese  ungarische  Art  vor  sich 
gehabt  haben  sollte;  obgleich  Scopolella  in  Hartmann's 
MĂĽnchener  Fauna  nicht  vorkommt,  so  halte  ich  es 
doch  für  leicht  möglich,  dass  Hübner  selbst  sie  ge- 
längen hat.] 

7.  Pyr.  quadripunctalis  (Bot.).  Ob  genauer,  wie  es 
scheint,  als  im  grossen  Werk  Fig.  76,  kann  ich  in 
in  Ermangelung  eines  Exemplares  nicht  entscheiden. 

8.  Tortr.  vernana  (Earias)  gut. 

9.  Tin.  characterella  (Epigr.  Steinkellneriana)  J,  auf 
den  Vorderflügeln  zu  wenig  röthlich  gemischt. 

10.  Pjn-.  politalis  (Orob.)  ^  viel  zu  grell;  insbesondere 
ist  das  Wurzelfeld  der  \'orderllĂĽgel  und  die  Randliinde 
der  HinterllĂĽgel  zu  scharf  abgegrenzt. 

11.  Tin.  ligulella.  Der  ganz  gerade  Verlauf  der  dĂĽnnen 
Querlinie  scheint  iĂĽr  Gelech.  ligulella  zu  sprechen. 

12.  Tin.  Schlemmerella  (Dolopl.  punetulana  S.  V.)  $ 
kenntlich,   nur  mit  zu  heller  Grundfarbe. 

21* 


324 

13.  Tin.  flavifrontella,  ein  gutes  Bild  dev  Incurv.  Oehl- 
mainiiella  r^,  bei  welcher  jedoch  dev  Costalpunkt  weg- 
gelassen ist. 

14.  Tortr.  squamulana,  die  Varietät  der  Literana,  die 
im  grossen  Werke  Fig.  95  abgebildet  ist.  (Tricolorana 
Haw.) 

15.  Pyr.  cribrunialis  (Hermin.  cribralis  H.).  Dieser  Name 
ist  in  Staiidinger's  Catalog  S.  141  (wo  durch  einen 
Druckfehler  r.  cribahs  statt  r.  cribralis  steht)  als  recht- 
mässiger Name  aufgenommen.  Er  ist  eine  Schöpfung 
wie  Cribrumella,  Lapidisaria  und  unzählige  Walker'sche 
Artnamen.  Da  HĂĽbner  selbst  ihn  im  grossen  Werk 
berichtigt  hat,  so  sollte  die  Verbesserung  doch  Geltung 
behalten.  Es  ist  Niemand  eingefallen,  die  Fabricische 
Benennung  Nicrophorus  beibehalten  zu  wollen,  weil  sie 
viel  älter  ist,  als  Necrophorus. 

16.  Fyr.  rubidalis  (Asop.)  $,  fälschlich  mit  rostgelben 
Franzen. 

17.  Tin.  sulphurella  (Cerost.  persicella)  $,  zu  wenig  gelb 
und  mit  zu  feinen  Querlinien. 

18.  Tin.   rostrella  (Pleurota)  ,^. 

19.  Die  SchiffermĂĽUersche  Schabe,  Tin.  Schiffer- 
mille rella  (Nemot.  faseiellus  F.)  r^,  ein  schlechtes 
Bild,  auf  dessen  Deutung  erst  der  Name  fĂĽhrt. 

20.  Pyr.  aerealis,  ähnlich  der  Fig.  44  des  Schmetterlings- 
werks, aber  nnt  schmälern  Flügeln,  wesshalb  beide 
Bilder  sehr  von  Fig.  169,  170  (Opacalis)  abweichen. 
Dieser  Opacalis  kommen  die  gi-aubĂĽndner  Exemplare 
am  nächsten.  Dass  ich  Bot.  opacalis  für  verschieden 
von  der  norddeutschen  Ablutalis  Eversm.  halte,  habe 
icli  Ent.  Ztg.  1872  S.  99  auseinander  gesetzt.  Ob  aber 
Aerealis  H.  dieselbe  Art  wie  Opacalis  ist,  wage  ich  Jetzt 
nieht  mehr  zu  entscheiden. 

21.  Die  Bergwieseneule,  Noct.  alpina.  Sie  sieht  einer 
ungewöhnlich  kleinen  Erastr.  deceptoria  ähnlich,  bei  der 
nicht  die  ganze  Basis  der  Vorderflügel  weiss  wäre,  son- 
dern nur  das  hinterste  Ende  des  Weissen  als  breite 
abgebrochene  Binde  bliebe,  und  statt  der  breiten  hinte- 
ren, am  Vorderrange  gespaltenen  Binde  eine  wellig 
gezackte  (^)uerlinie  vorhanden  wäre.  Aber  .so  sieht 
Deceptoria  (Atratula)  in  der  Wirklichkeit  nie  aus,  und 
Staudinger  erwälint  diese  Alpina  im  Catalog  nicht. 
Sollte  es  wohl  die  in  den  Querlinien  verschönerte  Ab- 
bildung   einer   sehr   abgellogenen   Herc.   alpestralis    sein? 


325 

Ein  .'«olches  Exemplar  von  entsprechender  Grösse  habe 
ich  seines  veränderten  Aussehens  wegen  aus  Graubünden 
mitgebracht;  allein  auf  den  HinterflĂĽgeln  fehlt  ihm  nicht, 
wie  in  HĂĽbner's  Bild,  die  Andeutung  der  hellen  Quer- 
linie. 

Hierzu  sagt  Staudinger:  ein  sehr  guter  Gedanke, 
aber  das  Facit  angreifbar.  Wocke:  Alpestralis  ist  nie 
so  gross  und  hat  nie  eine  so  deutliche  vordere  Binde. 
Ich  halte  das  Bild  fĂĽr  das  der  Herc.  Helveticaiis  HS., 
zu  welcher  auch  die  Franzen  stimmen,  die  bei  Alpestralis 
auf  den  VorderflĂĽgeln  immer  gescheckt  sind.  Das  Bild 
von  HĂĽbner's  Fig.  135  im  grossen  Werke  ist  gewiss 
nach  einem  abgeflogenen  StĂĽcke  gemacht;  bei  frischen 
Exemplaren  ist  die  vordere  Binde  besonders  am  Vorder- 
rand stets  sehr  deutlich.  Uebrigens  halte  ich  Lugu- 
bralis  und  Helveticaiis  fĂĽr  zwei  gut  unterschiedene 
Arten;  ich  flng  vorigen  Sommer  4  ganz  reine  Helveti- 
calis  am  Piz  Umbrail  und  sehr  viele  Lugubralis  am 
Fusse  des  Monte  Livrio    bei  Stelvio,    ohne  üebergänge. 

22.  Pyr.  emortualis  (Zanclogn.)  ,^. 

23.  Tin.  Raddaella  (Nemot. — us)  (^  mit  verunglückter  Vor- 
derflĂĽgelfarbe. 

24.  Tprtr.  semimaculana  (Paed.  Solandriana  L.  var. 
semimaculana)  ,^  =  Fig.  48  des  grossen  HĂĽbner'schen 
Werkes,  doch  zu  klein. 

25.  Tin.  viridella  (Adela)  S- 

26.  Tin.  sphingiella  (Nemot.  metalHcus  Poda)  j^,  ohne 
Glanz  auf  den  FlĂĽgeln. 

27.  Der  kleine  Sackspinner,  Bomb,  pectinella  ^, 
heller  als  Fig.  5  des  grossen  Werks,  wird  schon  von 
Ochsenheimer  zu  seiner  Psyche  pectinella  gezogen. 

28.  Pyr.  potamogalis  kann  nicht  wohl  etwas  Anderes 
sein  als  Hydr.  stagnata  Don.  Aber  die  Zeichnungen 
sind  viel  zu  fein;  der  Hinterrand  ist  nur  blassgelb  und 
hat  sogar  schwarze  Punkte,  statt  ein  gelbes,  dunkel 
und  scharf  gesäumtes  Marginalband  zu  zeigen.  Auch 
Fig.  82  des  grossen  Werkes  ist  nicht  genau,  kommt 
aber  der  Wirklichkeit   doch  näher. 

29.  Sph.  tineiformis  (Paranthr.)  kenntlich,  aber  mit  falsch 
gemaltem  Hinterleibe. 

30.  Der  strohgelbe  Wickler,  Tortr.  paleana  ,^  (?) 
sehr  klein,  mit  blassgelben,  ziemlich  schmalen  Vorder- 
und  weissen  HinterflĂĽgeln,  also  die  Hauptform  (Palleana"^ 
der  Heinemann'schen  Tortr.  flavana  S.   44. 


326 

31.  Torlr.   tesselana  (Concli.  aleella.    tesserana  S.  V.)  .9. 

32.  Pyr.  palealis  (Eurjcr.)  $. 

33.  Pap.  Thersamon  (Polvomin.)  J^  der  ungeschwänzten 
Varietät.     Vgl.  No.   83." 

34.  Bomb,  cristatula  (Nola).  Diese  mir  in  der  Natur 
unbekannte  Art  sieht  hier  recht  bedeutend  verschieden 
von  Fig.  17  des  grossen  Werkes  aus  und  kommt  mir 
naturgeti-euer  vor. 

35.  Die  grĂĽne,  oranienbunte  Eule,  Noet.  calligrapha. 
Sie  ist  offenbar  gleich  der  noch  mehr  verschönerten 
Fig.  530  des  Noctuenwerkes,  die  HĂĽbner  im  Verzeich- 
niss  8.  205  zwischen  Spoliatricula  und  Fraudatricula  als 
s^'nonym  mit  Borkhausen's  nach  der  Natur  beschriebener 
Noct.  calligrapha  IV.  S.  172  einreihte.  Staudinger  zieht 
sie  im  Catalog  als  Varietät  zu  Bit.  algae  F.  (Spoliatri- 
cula). Dasselbe  thut  Guenee  init  seiner  Calligrapha, 
deren  entsprechende  Zeichnungen  d'un  orange  vif  sein 
sollen. 

36.  Tortr.  uncana  sieht  einer  verkleinerten  Conch.  hamH na 
i^  sehr  ähnlich,  bei  welcher  bloss  der  rothe,  aus  dem 
Innenwinkel  schräg  bis  zur  Querader  reichende  Strich 
vorhanden  ist.  Aber  ausserdem  ist  im  Bilde  der  Vorder- 
rand mit  einer  feinen,  rothgelben  Linie  eingefasst.  "Wenn 
nun  auch  Hamana  öfters  auf  dem  Vorderrande  rosi- 
farbene  Fleckchen  hat,  so  sind  diese  doch  nie  zu  einer 
Linie  verbunden,  und  der  Hinterrand  ist  auch  durch  keine 
dunklere  Linie  von  den  Franzen  getrennt.  Sollten  diese 
Abweichungen  bloss  willkĂĽrliche  Verbesserung  der  Natur 
sein?  (Vgl.  No.  39.) 

Staudinger   und  Wocke   erkennen   hier   entschieden 
Conch.  hamana  ;9. 

37.  Bomb,  colon  ist  Emyd.  cribrum  var.  Candida  $  mit 
weissem  Kopf. 

38.  Tin.  canipella  ist  Cramb.  craterellus  Scop.  5^,  nicht 
Chrysonuchelhis.  Wocke  schreibt:  ist  im  Catalog  durch 
ein  mir  jetzt   unerklärliches  Versehen  falsch  citirt. 

39.  Tortr.  hamana  (Conch.1  $,  die  unter  No.  36  bemerkte 
Varietät,  bei  welcher  die  Linie  an  der  Querader  den 
gewöhnlichen  Haken  macht,  und  der  Vorderrand  unge- 
fleckt   ist. 

40.  Tortr.  diversana  (Conchyl.  hamana)  ,J^,  die  gewöhn- 
liche Varietät,  ganz  wie  Fig.  139  des  grossen  Wcrke."^. 

41.  Pyr.  alpiualis  (Bot.)  J. 

42.  Bomb,  nitidella  (Fumea  interuiediellaBr.,nitidellaHS.),j'. 


327 

43.  Tin.  mj^ella  i^t  Nephopt  argyvella  SV.  $,  wie  die 
Schmalheit  der  VorderflĂĽgel,  deren  grĂĽnliehe,  freilich 
lu  dunkle  und  der  hellen  Längsstreilen  entbehrende  Farbe 
und  der  gelbe  Hinterleib  beweisen.  —  Dieser  Bestim- 
mung geben  Staudinger  und  Wocke  ihren  Beifall. 

44.  Tin.  conchella  =  Cramb.   }>inetellus  L. 

45.  Pyr.  sanguinalis  (Bot.)  sehr  lebhaft  gelb  und  roth, 
aber  da  die  Hinterflügel  zur  deutschen  Färbung  gehören, 
wohl  nur  verschönert. 

46.  Pyr.  nigralis  (Bot.)  $. 

47.  Bomb,  plumella  ist  nach  Ochsenheimer  Psyche  (Epichn.) 

pulla  K.  Das  Bild  hat  die  Gir»sse  der  brandenburgischen 
und  schlesischen  Pulla.  Das  Geäder  der  Vorderflügel 
ist  zu  dick  aufgemalt,  und  die  FĂĽhler  haben  zu  wenig 
Kammstrahlen,  wohl  in  Folge  der  Kleinheit  der  Abbil- 
dung. Weniger  erklärlich  ist  der  für  Pulla  und  ihre 
Nebenformen  ganz  falsche  Verlauf  des  VorderflĂĽgel- 
geäders;  er  stimmt  auch  auf  den  beiden  Seiten  nicht 
überein.  —  Ueber  Plumella  Ochsenh.  schreibt  mir 
Mann,  dass  das  Wiener  Museum  in  der  Podevin'schen 
Sammlung  nur  zwei,  also  alte  Kxemplare  besitze,  dass 
die  Art  aber  nicht  mit  Pulla  verwechselt  werden  könne, 
bei  welcher  die  Kammzähne  der  Fühler  weit  länger 
seien.  [Ochsenheimer  II I,  S.  168  erwähnt  keiner  Ver- 
schiedenheit in  der  FĂĽhlerbildung.] 

48.  Tortr.  Zaegana  (Conch.  Zoegana)  .^  zu  hell  gelb. 

49.  Tortr.  apiciana  stimmt  in  der  Hauptsache  mit  der 
etwas  grössei-n  Fig.  87  des  grossen  Werkes  und  der 
noch  grössern  Fig.  7  bei  HS.  Wocke  zieht  diese  No.  49 
zu  Hastiana.  Ihrem  Habitus  nach  möchte  ich  sie  eher 
für  Varietät  der  Tei'.  rufana  SV.  halten.  Doch  habe 
ich  kein  Exemplar,  jiei  dem  der  Raum  zwischen  dem 
Längsstreifen  und  dem  Vorderrand  dunkel  ausgefüllt 
wäre;  eher  ist  dieser  Raum  heller  als  der  Rest  des 
Flügels.  Aber  dasselbe  finde*  auch  bei  den  Varietäten 
der  Hastiana  statt,  welche  der  Divisana  HĂĽbn.  nahe 
kommen.  Treitschke,  der  seine  Lucidana  ofl'enbar  nach 
der  Natur  beschrieben  hat,  erwähnt  gleichfalls  nichts 
von  einem  dunkeln  Vorderrande. 

Staudinger  stimmt  meiner  Ansichl  bei,  und  Wocke 
schreibt:  ich  halte  diese  Apiciana  jetzt  auch  fĂĽr  Aber- 
ration der  Rufana.  Im  Catalog  habe  ich  sie  fälschlich 
zu  Hastiana  gezugen;  ich  kannte  (bnials  von  Rufctna  nur 
eine  Forn). 


328 

50.    Die  dckergelhe  Schabe,    Tin,  ochrella  ist  Cerost. 

coptella  Fabr. 
ol.    Torir.  fevugana  (1.   leiTiig.)  ist  Tortr.  ochreana  H.  .^. 

52.  Geom.  auroraria  ist  Fid.  roraria  Fabr.  $.  Sonderbarer 
Weise  benennt  HĂĽbn.  diese  Art  ebenso  wie  die  in  den 
Beiträgen,  die  doch  ganz  richtig  das  ^  von  Limbaria  F, 
vorstellt.  Dass  er  die  Varietät  Rablensis  vor  sich  gehabt 
haben  sollte,  ist  gar  nicht  anzunehmen. 

53.  Die  Feuereule,  Noct.  birivia.  Sie  hat  Grösse,  Ge- 
stalt und  Zeichnung  der  Birivia  Fig.  42  des  grossen 
Werkes.  Zwar  zeigt  letztere  noch  eine  verloschene, 
helle  Querlinie  nahe  der  Basis  und  eine  solche  vor  dem 
Hinterrande  der  Vorderfliigel ;  auch  ist  ihr  Hinterleib 
stärker  ^  aber  beide  stimmen  doch  so  sehr  mit  einander 
überein,  namentlich  in  der  ringförmigen  Gestalt  der 
Zapfenmakel,  d^ss  ich  annehmen  möchte,  beide  seien 
nach  demselben  Originale  verfertigt.  Dass  dieses  Original 
nicht  zu  der  viel  kleinern  Birivia  H.  Fig.  631.,  HS. 
Fig.  9  gehört  haben  kann,  ist  offenbar.  Aber  weder 
diese,  noch  Agr.  Helvetina  besitzen  eine  Spur  der  in 
HĂĽbners  Birivia  so  gi-ellen  Zapfenmakel,  und  auch 
Treitschke,  der  V,  1.  191  beide  HĂĽbnersche  Bilder 
(Fig.  631  und  die  Fig.  53  des  vorliegenden  Buches)  zu 
seiner  Birivia  citirt,  weiss  nichts  vom  Vorhandensein  einer 
Zapfenmakel.  Staudinger  zieht  im  Catalog  die  HĂĽb- 
nerschen  Bilder,  (Fig.  42  des  grossen  Werkes  und  Fig.  53 
der  Vögel)  doch  mit  einem  Fragezeichen,  zu  Agr.  Hel- 
vetina Bdv.,  und  in  dieser  Annahme  wird  er  wohl  Recht 
haben.  Agr.  lucipeta  besitzt  eine  Andeutung  der  hellen 
Zapfenmakel,  aber  keinen  Ring;  auf  sie  kann  also  HĂĽb- 
ners Bild  nicht  gedeutet  werden. 

54.  Die  spitzflĂĽgelichte  Schabe,  Tin.  scalpella.  Sie 
scheint  mit  Anarsia  Spartiella  ^  noch  am  besten  zu 
stimmen,  obgleich  diese  nicht  gut  spitzflĂĽglig  heissen  kann. 
Von  den  schwachen  Zeichnungen  der  Spartiella  sieht  man 
auf  dem  Bilde  keine  Andeutung. 

Staudinger  schreibt:  die  Palpen  scheinen  mir  dazu 
in  der  Figur  viel  zu  lang.  Wocke :  ich  möchte  sie  eher 
fĂĽr  Ypsol.  barbellus  halten ;  Jedenfalls  ist  das  Bild  un- 
sicher. 

55.  Noct..  candelisequa.  Ich  glaube  nicht,  dass  Staudinger 
wohl  gethan  hat,  diesen  Namen  fĂĽr  Agr.  sagittifera  H. 
aufzunehmen.  Nur  die  Zeichnung  auf  -^4  der  Vorder- 
tlĂĽgel  stimmt  5  dafĂĽr  fehlt   die  schwarze,  aus  der  Nieren- 


329 

makel  entspringende  Längslinie  und  die  beiden  dunkeln 
Querlinien,  und  eine  dunkel  blaugraue  Grundfarbe  auf 
dem  RĂĽckenschilde,  den  VorderflĂĽgeln  und  sogar  auf  den 
HinterflĂĽgeln  (aussei-  an  der  Wurzel)  hat  Sagittifera  nie- 
mals. —  Wocke  sagt  dazu:  sie  passt  zwar  in  einigen 
StĂĽcken  zu  Sagittifera,  doch  im  ganzen  zu  wenig,  als 
dass  man  das  Bild  zu  dieser  Art  citiren  könnte. 
56  und  57.  (Unterseite)  Pap.  Evippus  =  Lyc.   roboris  E.  ^. 

58.  Tortr,  characterana  (Xylosteana  L.)  $  mit  zu  ge- 
streckten FlĂĽgeln  und  zu  wenig  Gelb  in  den  braunen 
Zeichnungen;  auch  liegt  der  Innenrandfleck  nur  auf  dem 
rechten  FlĂĽgel  richtig. 

59.  Der  Nullenspanner,  Geom.  nuUaria,  völlig  mit 
Figur  18  des  Spannerwerkes  stimmend,  nur  heller  und 
mit  schwarzen  Hinterrandpunkten  der  HinterflĂĽgel  und 
mit  unnatĂĽrlich  kurzen  FĂĽhlern.  Im  systematischen  Ver- 
zeichniss  S.  287  stellt  HĂĽbner  sie  mit  Cordiaria  als  Eili- 
crinia  nullaria  auf,  Guenee  benennt  sie,  ohne  sie  in 
natura  zu  kennen,  Amilapis  nullaria  und  citirt  dazu  Es- 
pers tab.  46  Fig.  1.  Diese  Tafel  habe  ich  nicht  zur 
Ansicht;  im  Text  sagt  Esper  S.  259:  das  Original  [wel- 
ches nicht  das  HĂĽbnersche  gewesen  zu  sein  scheint]  habe 
ich  aus  der  Sammlung  BĂĽringer's  in  Gunzenhausen  mit- 
getheilt  erhalten;  es  wurde  aus  Oestreich  beigebracht." 
MerkwĂĽrdiger  Weise  findet  sich  die  Art  weder  in  Stau- 
dingers  Sammlung,  noch  im  Wiener  Museum  (\vie  mir 
Mann  meldet).  Sie  wäre  die  einzige  exotische  Art,  welche 
Hübner  in  dem  vorliegenden  Buche  gebracht  hätte,  wenn 
Wocke  mit  seinem  Ausspruch:  .,ist  gewiss  Exote,,  Recht 
und  Guenees  Vermuthung,  qu'elle  est  aussi  de  TAmerique 
septentrionale,  sich  bestätigte. 

60.  Dej-  blindfleckichte  Spinner,  Bomb,  strigula  (Nola) 
(^,  zu  scharf  gezeichnet,  ohne  die  helle  Querlinie  vor  dem 
VorderflĂĽgel  und  mit  zu  heller  Wuizel  der  HinterflĂĽgel. 
Es  ist  aber  nicht  N.   confusalis. 

61.  Der  rostige  Spinner,  Bomb,  aerugula.  Ich  theile 
nicht  Staudingers  Bedenken  (im  Cat.),  in  diesem  Bilde 
ein  scharf  gezeichnetes  .^  der  Nola  centonalis  H.  anzu- 
erkennen; ein  ähnliches  besitze  ich  selbst.  Aber  aerugo 
und  die  Wortform  wären  in  meinen  Augen  sehr  erheb- 
liche Gründe  gegen  die  Einführung  des  Namens.  — 
Staudinger  schreibt  mir:  Aerugula  kann  weiter  nichts 
sein  als  Centonalis,  ist  aber  viel  zu  roth ,  und  Wocke 
benennt  sie  einfach :  Centonalis. 


330 

H2.  Der  himtstaubichte  Spanner,  Geom.  rubicapraria 
(wohl  Druckfehler  fĂĽr  ruj)icapr.)  ist  Apl.  (nionaria,  ohne 
dunkeln  Rand  der  VorderflĂĽgel  und  mit  zu  dunkeln  .Hinter- 
flĂĽgeln. 

63.  Tortr.  corylana  (Phoxopt.  l^undana  F.)  mit  weisser 
Grundfarbe  und  gleichmässigen,  doch  zu  wenigen  C*ostal- 
häkchen,  woraus  die  Engländer  eine  eigene  Art  machen 
wollen. 

64.  Tortr.   tibialana  (Paed,  foenella  L.)  ,j^. 

65.  Tin.  avellanella  (Semiosc.)  ,^  mit  zu  heller  Zeichnung. 

66.  Geom.  purpuraria  (Lythria)  ,5^,  die  Sommergeneration 
mit  vollständiger,  nur  am  Vorderrandc  gespaltener  Binde; 
die  FlĂĽgel  sind  aber  zu  lang,  die  FĂĽhler  zu  kurz. 

67.  Sph.  globulariae  (Lio)  j^  ein  schlechtes  Bild,  aber 
doch  von  dieser  Art. 

68.  Pyr.  ferugnlis  (Druckf.  fĂĽr  ferrug.)  ist  Bot.  rubigi- 
nalis  H.  $. 

69.  Pyr.  areualis  ist  Bot.  verbascalis  SV.  ,^  sieher,  doch 
weniger  kenntlich  als  Fig.  80  des  grossen  W^erkes,  ob- 
gleich sie  vor  dieser  die  richtige  Hinterrandzeiehnung 
voraus  hat. 

70.  Pap.  Telicanus  (Lyc.)  $. 

71.  Tortr.  similana  (Paedisca)  J^,  ein  gutes  Bild  der 
FRschen  Dissimilana  Taf.   62  Fig..  2. 

72.  Pyr.  flavalis  (Bot.)  sehr  scharf  gezeichnet,  wie  die  Art 
kaum  je  vorkommt,  also  wohl  verschönert. 

73.  Tortr.  Trauniana  (Phthorobl.)  $. 

74.  Pyr.  trinalis  (Bot.)  ,^.  Die  Flecke  hängen  fälschlich 
mit  dem  A'^ordenund  zusammen. 

7.5.  Tortr.  ramosana  (Sarothr.  Revayana  var.  ramosana) 
.^  mit  grauer  Grundfarbe  der  VorderflĂĽgel  und  zu  langen 
FĂĽhlern. 

76.  Pyr.  polygonalis,  ein  ,^  der  nördlichen  Varietät  Ru- 
sticalis  H. ,  die  frĂĽher  als  vei'schieden  von  Bot.  polygo- 
nalis  Tr.  galt. 

77.  Tin.  se(juella  (Cerost.)  $  zu  HĂĽbners  Tin.   Fig.  103  ,j^. 

78.  Tin.  falcella,  nach  FlĂĽgelgestalt  und  Zeichnungsanlage 
sieher  Cerost.  faleella  SV;  die  braune  und  die  gelbliche 
Farbe  sind  aber  so  gesättigt  und  stechen  so  grell  von 
einander  ab.  dass  eine  grosse  Aehnlichkeit  mit  Xylo- 
stella  L.   (dentella  F.)  herauskommt. 

Staudinger  schreibt :  sieher  Faleella ,  weniger  vc)-- 
schcinert,  als  zu  dunkel  gehalten.  Wolke:  sie  kann  nur 
Faleella  sein. 


331 

79.  Py.r.  sirecialis  (verschrieben)  ist  Rivula  sericealis  .j^, 
mit  zu  wenig  gelber  Grundfarbe. 

80.  Bomb,  selenitica  (Dasyeh.)  ^. 

81.  Bomb,  capueina  (Lophopt.  carmelita)  ,^. 

82.  P^'r.  Straminalis  (Grob,  stramentalis  Tr.)  ^^  mit  eben 
.so  unnatürlich  grauer  Färbung  wie  Elutalis  H.  62  im 
grossen  Werk. 

83.  Pap.  Thersamon  (Polyom.)  $  mit  geschwänzten  Hinter- 
flĂĽgeln.    S.  No.  33. 

84.  Die  silberstreifichte  Schabe,  Tin.  strigella  — 
ein  schlechtes  Bild,  das  ich  aber  zufolge  der  langen 
Taster  nicht  zu  Neph.  argyrella,  sondern  nur  zu  Cr. 
rostellus  ,^,  der  alpinen  Varietät  des  Cr.  perlellus,  ziehen 
kann.  Das  Bild  ist  zu  gross,  die  VorderflĂĽgel  zu  ge- 
streckt und  ohne  Glanz,  die  HinterflĂĽgel  gegen  die  Wurzel 
zu  hell.  Dass  Glanz  da  sein  soll,  und  dass  die  Zwischen- 
räume der  Längsadern  heller  hervortreten  sollen,  geht 
aus  der  deutschen  Benennung  hervor. 

Staudinger  schreibt:  den  Streifen  nach  eher  ein 
grosser  alpiner  Warringtonellus.  Wocke:  Nicht  Rostellus 
Lab.,  der  nie  so  gross  und  auch  nicht  so  gestreift  ist, 
noch  weniger  Warringtonellus,  der  noch  kleiner  ist,  son- 
dern nur  ein  dunkler  Perlellus.  Die  früher  gewiss  glän- 
zend weiss  gewesenen  Streifen  sind  durch  Alter  und 
Feuchtigkeit  braungrau  geworden,  wie  dies  bei  Bleifarben 
oft  vorkommt. 

85.  Geom.  achatin  ata  (Lygris  testata  L.)  ,^. 

86.  Tin.  pterodactyiella  (Cerost.   scabrella  L.)  ,5. 

87.  Tin.   carmelitella  (Rhinos.  Denisella  SV.)  ,^. 

88.  Die  mittelstreifichte  Schabe,  Tin.  interuptella 
(Dnickf.  fĂĽi-  Interrupt.)  ist  sicher  Gelech.  interruptella  H., 
obgleich  die  HintertlĂĽgelgestalt  falsch  ist. 

89.  Tin.  harpella  (Cerost. "xylostella  L.)  ^. 

90.  Die  rothsprecklichte  Schabe,  Tin.  pudureUa  ist 
sicher  Anchin.  daphnella  S.V. ,  obgleich  mit  viel  zu 
schmalen  FlĂĽgeln. 

91.  Die  glimmernde  Schabe,  Tin.  antenella  (Druckf. 
fĂĽr  antenii.)  ist  Cerosj.  lucella  F.  mit  unnatĂĽrlicher  Ver- 
dunkelimg  der  Basis  und  des  Hinterrandes  der  Vorder- 
fUigel;  dem  Hinterleibe  nach  stellt  das  Bild  ein  ,^  dar, 
was  sicher  falsch  ist. 

92.  Tortr.   Udmanniana  (Paed.  Uddmanniana  L)   j. 

93.  Bomb,  albula  (Nola)  ,^,  kein  gutes  Bild,  doch  sicher. 

94.  Pyr.  flamm ealis  (Endotr.)  ,^. 


332 

95.  Die  pvi"<^päugichte  Schabe,  Tin.  pyropella  ist 
Mos.  silacelliis  H.  ,^  ohne  Taster  und  mit  falscher  Hinter- 
tlĂĽgejgestalt;  auch  sind  die  zwei  Punkte  der  Querader 
so  deuthch,  wie  selten  in  der  Natur.  Staudinger  schreibt, 
die  Richtigkeit  dieser  Bestimmung  sei  ..sehr  möglich". 
Wocke:  ich  lialte  diese  Pyropella  auch  fĂĽr  Mes.  sila- 
cellus. 

96.  Die  Zweipunktschabe,  Tin.  bipunctella.  Ich  halte 
sie  fĂĽr  eine  schlechte  Darstellung  der  Pleur.  bicostella 
L  $,  in  welcher  die  VorderflĂĽgel  zu  stumpf,  die  Costal- 
vitta  /AI  schmal  und  deren  auch  zu  schmale  braune  Ein- 
fassung zu  hell  gerathen  sind.  Die  2  Punkte  sind  richtig 
gegeben;  der  dritte,  in  der  Falte  liegende  ist  freilich 
weggelassen. 

Staudinger  sagt:  dass  es  Bicostella  sei,  ist  wohl  mög- 
lich; aber  hier  sind  die  Palpen  zu  kurz.  Wocke:  kann 
nur  PI.  bicostella  vorstellen;  die  etwas  zu  kurzen  Palpen 
stören  nicht;  entscheidend  sind  die  2  Punkte. 

97.  Tortr.  Byringerana  ist  das  zu  schmalflĂĽglig  dargestellte 
Männchen  der  Tei*.  Hastiana  L.,  und  zwar  viel  ähnlicher 
der  Varietät  Buringerana  Fig.  216  des  grossen  Werkes 
als  der  Bj'ringerana  Fig.  61  ebenda;  in  letzterer  sind 
die  hellen  Stellen  gelblichroth. 

98.  Tin.  roscidella  (Hypon.  plumbellus)  3*. 

99.  Der  eulenfcirmige  Wickler,  Tortr.  noctuana.  Es 
ist  mir  kein  Wickler  bekannt,  auf  welchen  sich  dieses 
Bild  anwenden  Hesse.  An  Retin.  resinella,  selbst  in 
HĂĽbner's  Fig.  29,  ist  nicht  zu  denken.  Mir  scheint, 
dass  gar  kein  Wickler,  sondern  eine  Phycidee  vorgestellt 
ist,  und  zwar  entspricht  Aerob.  obtusellSi  H.  115  so- 
wohl nach.  Grösse  und  Flügelgestalt  wie  nach  der  Zahl 
der  hellen  Querstreifen  und  nach  dem  in  eine  Schatten- 
binde ĂĽbergehenden  Strich  der  Querader  dem  Bilde  von 
Noctuana  ziemlich  genau. 

Staudinger  schreibt:  ist  auch  mir  wahrscheinlich,  aber 
nicht    apodiktisch    gewiss  Obtusella.     Wocke:    99    halte 
ich  auch  fĂĽr  ein  schlechtes  Bild  von   Acr.  obtusella. 
100.    rieom.   silaeeata  (Cidaria)  ^  mit  zu  schmalen  Vorder- 
flügeln, falscher  Hinterrandzeichnung  und  weissem  Körper. 


P.  C.  Zell  er, 


333 


Zur  Lebensweise  der  Paussiden, 


C,  A.  Dohrit. 


Herr  Ach.  Raftray  theilt  in  seinem  kĂĽrzlicli  erschienenen 
Werke:  Afrique  Orientale,  Abyssinie  p.  113  folgende  interes- 
sante Beobachtung  mit: 

La  Fontaine,  in  seiner  Art  kein  ĂĽbler  Naturfreund,  hat 
ganz  richtig  behauptet  „la  fournii  n'est  pas  preteuse'^ ,  die 
Ameise  liebt  das  Ausleihen  gar  nicht;  sie  ist  in  hohem  Grade 
thätig,  arbeitsam,  ja  von  ziemlich  borstiger  Gemüthsart.  Doch 
hatten  die  Entomologen  längst  wahrgenommen,  dass  sie  Tisch- 
gänger duldet,  wahre  Parasiten,  welche  auf  Ameisenkosten 
leben,  und  doch  so  klein  und  vertheidigungslos  sind,  dass  die 
Ameisen  mit  ihren  kräftigen  Beisswerkzeugen  sie  spottleicht 
vernichten  könnten.  Aus  neuern  Beobachtungen  ergab  sich, 
dass  die  Ameisen,  weit  entfernt  diese  kleinen  Gäste  zu  schä- 
digen, sogar  fĂĽr  sie  ganz  mĂĽtterliche  Sorgfalt  beweisen.  Es 
\A'äre  seltsam,  wenn  diese  Aufopferung  Seitens  der  Ameisen- 
wirthe  eine  durchaus  uneigennützige  wäre.  In  der  That  be- 
merkte man  bald,  dass  die  kleinen  Gäste  aus  besonderen 
Apparaten  eine  vermuthlich  sĂĽsse  FlĂĽssigkeit  absonderten,  nach 
welcher  die  Ameisen  lĂĽstern  waren.  Diese  besondere  That- 
sache  ward  in  Frankreich  beobachtet,'*)  und  diese  Olaviger 
(so  nach  ihren  keulförmigen  Fühlern  benannt)  sind  von  sehr 
geringer  Grösse. 

Es  kamen  aber  auch,  namenthch  aus  heisseren  Ländern, 
andere  Insecten,  die  von  den  Sammlern  sehr  gesucht  wurden, 
einmal  wegen  ihrer  Seltenheit,  sodann  wegen  ihrer  seltsamen 
Form.  Sie  waren  wesentlicii  grösser,  wenn  auch  immer  noch 
unter  1  Ceutinieter.  Man  wusste  ziemlich  gewiss  nach  Aus- 
sage derer,  die  sie  gefangen  hatten,  dass  diese  Paussus 
ebenfalls  in  Ameisenhaufen  lebten,    aber    was  trieben  sie  da? 


*j   Öchon   iin   Jahrg.   1845  dieser  Zeitung   S.    123   veröffentliclite 
der  verstoi'bene  ĂĽrimm  analoge  Beobachtungen  ĂĽber  Dinarda  dentata. 


Mau  sah  an  ihnen  weder  die  HaarbĂĽ.sciiel,  aus  denen  die 
Claviger  die  den  Ameisen  willkommene  P\nR-htigkeit  schwitzen, 
noch  waren  sie  so  bewaffnet,  dass  sie  etwa  den  Ameisen  sich 
mit  Gewalt  aufdrängen  konnten. 

Ich  war  fest  entschlossen,  diesen  Käfern  eifrigst  nach- 
zuspüren, um  wo  möghch  ein  Eckcheii  dieses  Sclileievs  zu 
lĂĽften. 

Gleich  nach  der  Ankunft  in  Abyssinien  durchwĂĽhlte  ich 
mit  unverdrossenstem  Eifer  alles,  was  mir  von  Ameisen- 
Colonien  irgend  aufstiess,  auf  die  Gefahr,  von  den  mit  Recht 
erbitterten  Colonisten  schnöde  gebissen  zu  werden.  In  jenen 
Gegenden  giebt  es  sehr  grimmige  Arten;  einige  davon  verthei- 
digten  ihre  Nester  so  tapfer,  und  waren  von  der  Natur  mit 
so  trefflichen  Waffen  ausgestattet,  dass  es  mir  bei  dem  besten 
Willen  unmĂĽgUch  war,  den  Kampf  mit  ihnen  zu  bestehen.  In 
weniger  als  einem  Augenblicke  war  ich  mit  grossen  schwarzen 
Ameisen  übersäet,  welche  mich  so  wüthend  bissen,  dass  sie 
sich  lieber  mitten  durchreissen  liessen,  aber  die  Mandibehi 
nicht  öffneten:   es  war  ein  Schmerz,   um  toll  zu  werden. 

Lange  Zeit  verging,  bis  ich  den  ersten  Paussus  ei'wisehte, 
endlich  gelang  es  mir,  einen  in  die  Todes-BouteiUe  zu  beför- 
dern; aber  da  es  mitten  in  einer  Reise  war,  hatte  ich  keine 
MĂĽsse,  ihn  weiter  zu  untersuchen.  In  Adua  war  ich  begĂĽn- 
stigter: unter  einem  Steine,  der  die  Gänge  kleiner  sch^arz- 
rother  Ameisen  bedeckte,  sah  ich  einen  Paussus  auf  einem 
Zweigfragment  unbeweglich  sitzen.  Mit  den  kleinen  Ameisen 
verglichen,  konnte  er  fĂĽr  einen  riesigen  Elephanten  gelten.- 
Bald  bemerkte  ich,  dass  ich  eine  ganze  Famihe  dieses  Paussus 
vor  mir  hatte,  und  da  die  Ameisen  durchaus  nicht  bösartig 
waren,  legte  ich  mich  zu  besserer  Beobachtung  platt  auf  den 
Bauch.  Die  Ameisen  liefen  mit  äusserster  Behendigkeit  hin 
und  her,  schienen  aber  die  Paussus  sorgfaltigst  zu  vermeiden, 
welche  ihrerseits  sich  nicht  rĂĽhrten.  Das  wollte  mir  nun  gar 
incht  passen,  denn  dabei  war  nichts  weiter  zu  beobachten. 
Ich  nahm  also  einen  Graslialm  und  berĂĽhrte  damit  ganz  zart 
einen  Paussus.  Paff!  schoss  er  seine  Kanone  los  und  wSiv  in 
ein  kleines  Wölkchen  von  weissem  Rauch  gehüllt.  Den  Amei- 
sen schien  diese  Exi)losion  unangenehm  zu  sein  —  es  -wurde 
ganz  leer  um  den  Paussus.  Ich  berĂĽhrte  ihn  wieder,  und 
wiederum  kanonirte  er. 

Mir  war  diese  Bombardirkunst  nichts  Neues,  ich  hatte  sie 
schon  an  andern  Insecten  bemerkt,  die  frei  umherlaufen,  oder 
an  feuchten  Stellen  unter  Steinen  leben.  Das  von  ihnen  aus- 
gestossene  Gas  ist  so  kaustisch,  dass  es  auf  der  Haut  spĂĽrbar 


335 

brennt,  dass  der  l)raunschwarze  Brandfleck  durch  mehrfaches 
Waschen  mit  Seife  nicht  vergeht,  und  sieh  erst  nach  einigen 
Tagen  verliert. 

Nun  Wieb  zu  ermittehi,  ob  das  Paussus-Gas  gleiche  Wir- 
kung ĂĽbe:  ich  berĂĽhrte  also  das  Thierchen  mit  dem  Finger; 
es  bombardirte,  aber  weder  gab  das  einen  Fleck  auf  der  Haut, 
noch  spürte  ich  irgend  Wärme.  Dies  Experiment  war  mir 
noch  nicht  schlagend,  v^^ahrscheinlich  war  meine  Haut  zu  hart. 
Mit  grosser  Vorsicht  Hess  ich  einen  Paussus  in  einem  Glas- 
röhrchen explodiren,  und  der  Erfolg  war  glänzend.  Das 
Röhrchen  füllte  sich  mit  Gas  und  an  den  Wänden  gab  es 
einen  gelblichen  Niederschlag,  vergleichbar  dem,  welchen  der 
Phosphor  eines  Schwefelhölzchens  erzeugt.  Ich  kostete  davon 
und  hatte  auf  der  Zunge  die  Wirkung  eines  Causticums. 

Bei  der  grossen  Seltenheit  der  Paussiden  war  es  mir  nicht 
vergönnt,  weitere  Beobachtungen  zu  machen.  Ich  habe  nicht 
die  Freude  gehabt,  sie  essen  zu  sehen,  aber  ich  habe  alle 
Ursache  zu  glauben,  dass  sie  mit  Einwilligung  der  Ameisen 
unter  ihnen  leben.  Ohne  Zweifel  finden  die  Paussus  in  den 
Ameisenbanten  eine  wärmere,  gleichmässige  Temperatur,  eine 
mit  Ameisensäure  geschwängerte  Luft,  die  ihnen  behagt; 
ausserdem  thierische  und  vegetabilische  Stoffe,  von  den  Amei- 
sen für  die  Ernährung  ihrer  Larven  zusammengetragen,  welche 
den  von  Natur  trägen  Paussiden  passen.  Durch  ihre  Fähigkeit 
zu  bombardiren  imponiren  sie  den  Ameisen,  welche  aus  Er- 
fahrung gelernt  haben,  sie  ungestört  gewähren  zu  lassen  und 
in  Frieden   zu  toleriren. 

Diese  einfache  Thatsache  wird  hofrentlich  ausreichen, 
das  Interesse  zu  erklären,  welches  man  für  diese  kleinen 
Wesen  empfindet,  die  so  höchst  wunderbar  sind.  Niemanden 
wird  es  befremden,  dass  man  lange  und  beschwerliche  Reisen 
nicht  scheut,  um  sie  zu  fangen  und  ihre  LebensM^eise  zu 
studiren. 

—  Soweit  Herr  Raflray.  Ich  habe  natürlich  gegen  die 
Zuverlässigkeit  seiner  interessanten  Beobachtung  nichts  einzu- 
wenden, halte  aber  seinen  daraus  gezogenen  Schluss  fĂĽr  nicht 
erschöpfend.  In  meiner  Sammlung  befindet  sich  ein  Pleuro- 
pterus  allernans  Westw.  aus  Natal,  aus  dessen  Anus  eine  er- 
liäitele  gelbe  Materie  vorragt,  welche  ich  für  das  Residuum 
einer  Bombardirung  halte.  Aber  daraus,  dass  die  Paussiden 
im  Noth fälle  sich  dieser  Sprützkunst  als  Vertheidigung  bedie- 
nen, folgere  ich  noch  nicht,  dass  sie  von  den  Ameisen  nur 
„aus  Furcht  vor  dieser  Gas-Exhalation'-  geduldet  werden. 
Und    dazu    bewegt    micii    nicht   nur  die  von  Herrn  Gueinzius 


336 

(Jahrg.  1851  S.  228  ^dieser  Zeitung)  erzählte  Thatsache,  dass 
die  Ameisen  bei  Port  Natal  einen  Pentaplatartlirus  „spazieren 
fĂĽhrten^',  sondern  auch  der  Umstand,  dass  ich  in  meinei- 
Sammlung  noch  heute  einen  Pentaplatarthrus  aufzeigen  kann, 
auf  dessen  RĂĽcken  eine  Ameise  sitzt,  nicht  in  einer  gespreizten, 
ofTensiven,  sondern  in  einer  behaghchen  (saugenden?)  Stellung. 
Es  scheint  mir  durchaus  wahrscheinlich,  dass  die  Paussiden 
nicht  nur  einer  Explodirung  zur  Abwelir,  sondern  auch  eines 
Exsudats  fähig  sind:  aus  dem  letzteren  und  seinem  geniess- 
baren  Reize  wĂĽrde  sich  die  Toleranz  der  Ameisen  jedenfalls 
am  leichtesten  erklären  lassen. 

April   1876. 

C.  A.  ĂĽ. 


Zwei  Leseblumen. 

\'ou 
C  A.  Dolirn. 


A)    FĂĽr  Lepidopterophilen. 

(aus  dem  Bericht  ĂĽber  dif  dreissigsle  Suiiinicr-Acrsaminhing  des 
Niederländischen  Entom.  Vereins,  Amsterdam  am  24.  Juli  1875). 

—  Herr  Piepers  trägt  einige  mei  kMürdige  Beobachtun- 
gen vor,  die  er  während  seines  Aufenthalts  in  Ostindien  über 
dortige  Insecten,  vornehmlich  Sclinu'llerlinge  gemacht,  und 
sagt  unter  andern: 

Schon  in  Holland  kann  man  dann  und  wann  wahrnehmen, 
wie  einige  Sclimetterlinge  sich  auf  feuchten,  sonnenbeschiene- 
neu  Sand  niedersetzen  und  die  Feuchtigkeit  aufsaugen.  Aber 
wenn  man  in  Insulinde  um  die  heisseste  Tageszeit  ein  aus 
^and  oder  Kies  bestehendes  Ufer  eines  BergflĂĽsschens  oder  ein 
dergleichen  Bett  eines  fast  ausgetrockneten  Bächleins  betritt. 
Jagt  man  Iteinah  mit  jedem  Schritt  Tagvögel,  vor  allem  Papi- 
lioniden  und  Pieriden  auf,  welche  dort  mit  zugeklappten  FlĂĽ- 
geln beinah  unsichtbar  doch  mit  sichtlichem  GenĂĽsse  sassen, 
um  sich  an  dem  feuchten  Boden  zu  erlaben;  plötzlich  sieht 
mau    sich    umflatteit  durch  Schwärme  solcher  Thierchen,  die 


337 

vov  den  FĂĽssen  aufhuschen.  Es  war  auf  einer  Reise  in  SĂĽd- 
west Celebes.  als  mein  Reisegesell  hei  dem  Ueberschreiten 
eines  fast  versiechten  Bächleins  plötzlich  ausrief:  „0  sieh  ein- 
mal, was  für  eine  piächtige  Blume!"  und  nach  seinem  Hin- 
deuten sah  ich  mitten  im  Bachbette  zwischen  dem  feuchten 
Kiese  eine  prachtvolle  orangegelbe  Blume  mit  weissem  Cen- 
trum, ungefähr  von  zehn  Centimeter  Durchmesser.  Das 
Seltsame  der  Sache  bewog  mich,  näher  zu  treten,  um  es 
genauer  zu  betrachten,  und  was  sah  ich?  —  die  Blume  bestand 
aus  zwei  (^oncentrischen  Ringen  von  Callidr^'as  ScjUa  L.,  welche 
ihre  auf  der  Unterseite  gelb  und  orange  gefärbten  Flügel  zu- 
sammengeklappt hatten  und  ämsig  beschäftigt  waren,  den 
leuchten  Saud  auszusaugen:  sie  hatten  eine  geringere  Zahl 
einer  weissen  Pieridenart.  die  derscll»en  Beschäftigung  oblag, 
umschlossen,  nnd  diese  schienen  das  weisse  Herz  der  Blume 
zu  bilden.  Ich  erinnere  mich  noch  der  VerblĂĽfftheit  meines 
Reis^egenossen,  als  bei  meinem  Nähertreten  die  ganze  Blume 
als  ein  Schwärm  Schmetterhnge  auseinanderstob. 

Solche  hen-liche  Blume,  in  welcher  neben  weissgelben 
Pieriden  eine  Anzahl  rother  Pieris  Zaiinda  die  Blumenblätter 
bildete,  sah  ich  später  auf  einer  andern  Stelle  im  Südwesten 
von  Celebes,  just  über  dem  schönen,  Aon  Wallace  beschrieb- 
nen  Wasserfall  von  Maros.  Und  da  ei'blickte  ich  zugleich, 
was  ich  weder  IVüher  noch  später  gesehen,  und  worüber  ich 
auch  nocli  nichts  gehört  noch  gelesen  habe,  ich  sah  einen 
Schmetterling  sich  baden. 

Während  ich  am  Ufer  des  Flusses  stand,  der  dort  vor 
seinem  Eintritt  in  die  Felsenspalte,  aus  der  er  als  Wasserfall 
brausend  und  donnernd  hinaustritt,  einen  anscheinend  ruhigen, 
krystallklaren  Spiegel  darstellt,  kam  ein  Exemplar  des  Papiho 
llelenus  L.  ĂĽber  das  Wasser  hergetlogen.  Niedrig  fliegend, 
wie  es  seine  Gewolniheit  ist,  war  das  Ihierchen  mir  bis  auf 
kurzen  Abstand  nah  gekommen,  als  ich  es  plötzhch  die  Flügel 
halb  zuklappen  und  ganz  nahe  bei  mir  untertauchen  sah,  so 
dass  der  ganze  Körper  und  ungefähr  «in  Drittel  der  schief 
aufwärts  gerichteten  Flügel  unter  Wasser  kamen;  darauf  er- 
hob es  sich  wieder  aus  dem  Wassei-  und  Uog  weiter. 

B)    FĂĽr  Hymenopterophilen 

(aus  Walertoiis  Waiiderings  in  Soiitli  Aineriraj. 

Der  Autor  erzählt,  eine  Vampyr-Fledernuius  habe  einem 
Schotten,  Namens  Tarbel.  Avährend  .seines  Nachlsi-hlafs  etwas 
Blut  abgesogen,    und   fährt  dann  fort: 

22 


338 

Das  war  nicht  die  letzte  Heimsuchung  Tarbefs  an  den 
Ui'evn  dos  Fhi-sses  Pamnuiron;  in  der  iblgenden  Nacht  wurde 
über  ihn  eine  in  B^uropa  unbekannte  Folter-Procedur  verhängt. 

Die  in  Guyana  heimische  grosse  rothc  Ameise,  dort  unter 
(leni  Namen  Conslue  bekannt,  wandert  ol't  zu  Millionen  in 
geschlossener  Ordnung  wie  ein  Regiment  Soldaten  quer  durch 
das  Land,  biegt  weder  rechts  noch  links  ab.  ĂĽberklettert  alles, 
was-  ihr  im  Wege  liegt,  und  vertilgt  alles  Geniessbare.  Die 
EigenthĂĽmer  der  Pflan/ungen  sehen  diese  rĂĽcksichtslosen  Ein- 
<lringlinge  nicht  eben  ungei'u,  weil  nach  deren  Durchmarsch 
ihre  HĂĽtten  fĂĽr  lange  Zeit  von  allem  vorher  eingenisteten 
Ungeziefer  grĂĽndlich  bereinigt  sind,  gehen  aber  ihren  peinlich 
schmerzenden  Bissen  und  Stichen  auf  das  vorsichtigste  aus  dem 
Wege. 

Nun  hatte  Mister  Taibet  Abends  sich  an  einer  reichlichen 
Portion  delicater  Krabben  gĂĽtlicher  gethan,  als  seinem  Magen 
dienlich  war,  und  erM'achte  durch  unzMeideutige  knitl'licht- 
A'orzeiclieu  beschleunigter  Digestion.  Eiligst  und  ohne  beson- 
♦lere  Zeit  Verschwendung  durch  Belästigung  mit  Unterkleidern 
snchte  er  das  ihm  bekannte  Tempelchen  der  Venus  Cloacina 
auf.  um  seinen  drängenden  Gefühlen  Luft  zu  machen,  setzte 
sich  auf  den  Dreil'uss  der  Pythia,  aber  —  —  mit  Entsetzen 
Miul  lurchtbarem  Hailoh  schnellte  er  wieder  auf,  denn  er  hatte 
sich  mitten  in  eine  Procession  jener  ]0then  Wanderfanatiker 
gesetzt,  und  eine  Dynamit-Pl\})losion  hätte  ihn  nicht  schmerz- 
licher in  die  Höhe  treiben  können,  als  die  hundert  vergifteten 
Dolehstiche  der  in  doppeltem  Sinne  besessenen  Ameisen.  Es 
dauerte  für  den  armen  Märtyier  eine  Ewigkeit,  bis  die  sehlaf- 
trunknen  Diener  sich  ermuntert.  Licht  angesteckt  mid  mit 
schwerer  MĂĽhe  die  festverbissenen  Foltergeister  ihm  StĂĽck  fĂĽr 
StĂĽck  abgelesen  hatten.  Das  war  doch  tausendmal  schlimmer 
als  der  sanlte  Aderlass  der   Vampyre! 


339 


Exotisches 

von 
CA.  Dohrn. 


(Schluss  der  Liberiana  S.  118.) 

In  demselben  Yerhältniss,  in  welchem  der  Monrovianer 
Jäger  bisher  weniger  Tetrameren  als  Pentameren  und  Heterome- 
ren  eingesandt  hat,  haben  mich  auch  die  befragten  BĂĽcher  und 
die  befragten  Freunde  bei  der  Benennung  der  Arten  mit 
weniger  Aufklärung  ausgestattet. 

Unter  den  Rüsselkäfern  fanden  sich  nur  folgende  Gattun- 
gen vertreten:  Catamonus,  Lixus  (auritus  Schh.,  spinimanus 
Schh.),  Aleides  (dentipes  Oliv.),  Cryptorhynchus  (2  sp.), 
Rhina  (Afzelii  Schh.),  Sipalus  (guineensis  Schh.,  mendicus 
Schh.),  Rhinocles  (nasica  m.  S.  86.),  Rhynchophorus 
(phoenicis  F.),  Sphenophorus  (senegaiensis  Schh.).  Ceroba- 
tes,  Phloeotragus  (heros  F.,  gigas  F.).   Mecocerus. 

Etwas  besser  steht  es  allerdings  um  die  Longicornia.  Es 
fanden  sich:  Doryeera  (spinicornis  White)  Acanthophorus 
(Tithoes)  (continis  Cast.),  der  von  mir  als  beide  Gattungen 
confundirend  bezeichnete.  S.  118  besprochne  Bock,  den  ich 
in  meiner  Sammlung  amphibolus  benannt  habe.  Macrotoma 
sp.,  Mallodon  (Downesi  Hope),  Xystrocera  (drei  Arten, 
darunter  femorata  Chevr.),  Neocerambyx  sp.,  Plocaederes 
(denticornis  F.),  Mecaspis  (violacea  Thoms.),  Callichroma 
fafrum  L.,  speciosum  Dalm.,  atripenne  HopeV,  zwei  mir  un- 
bekannte sp.  und  die  S.  124  1.  c.  von  mir  spliinx  benannte 
sp.),  Oxyprosopus  sp.,  Leontium  (cinereipes  Chevr.), 
Euporus  (brevicornis  F.),  Monohammus  (2  sp.),  Coptops 
(bruuneus  F.),  Prosopocera  (lupunetata  Drury,  sp.),  Tecton 
((|uadrisignatus  Chevr.),  Ceroplesis  sp.,  Phryneta  (mammil- 
lata  Dalm.,  obscura  Oliv.),  Fr ea  (maculicornis  Thoms.,  quadri- 
punctata  Chevr.,  sp.),  Ecphora  (testacea  F.),  Moecha  (He- 
cate  Chevr.),  Eurysops  (Esau  Chevr.).  Sternotomis  (ornata 
Oliv.,  crux  nigra  Hope),  Tragocephala  (nobilis  F.),  Pach}'- 
stola  (2  sp.),  Hecyrida  (Blanchardi  Chevr.),  Oberea  sp., 
und  ein  Paar  kleine  noch  unbestimmte  Sapeixliden. 

Entschieden  armselig  ist  die  Beute  an  Phytophagen  aus- 
sefallen.    Zwar  beoinnt  den  Reioen  eine   prachtvoll  liinimelblau 

•22* 


340 

sliulilciidp  Sagrtl.  die  icli  im  Lacordaire  nicht  finde,  und  genau 
mit  derselben  scliönen  Far))e  blitzt  Corynodes  azureus  Sahlb. ; 
aber  ausser  Hispa  melanaiia  Baly,  Cassida  nigrodorsata  Boh.. 
liepatica  Boh.,  spilota  Boii.,  ohovata  Klug,  vVspidomorplm 
cinela  F.  (einer  wahren  j'iinzessin  von  Portugal  mit  sehr  vielen 
Namen)  (juadriramosa  Boh..  liaccoplera  intricata  Klug,  Copto- 
t'Vela  semivittata  Boh.,  pallidula  Boh.,  Lema  armata  F., 
Syagrus  calcaratus  F..  Ceralces  Murrayi  Baly,  Pachytoma 
gigantea  lllig.,  Nisotra  dileeta  Dalm.,  Oides  (Adorium)  nigri- 
pes  Uliv.,  sind  nur  noch  wenige,  zur  Zeit  ungetaul'te  Galeru- 
ciden  und  Haitiken  gekommen. 

Eumor})hiden  hat  es  gar  keine  gegeben;    von  Erotyliden 
die  hĂĽbsche  Episcaphu  coeca,    welche  Fabricius  irrthĂĽmlich 
zu  den  Elateriden  gesellt  hatte,    und  zwei  vielleicht  noch  un 
beschriebene  Arten  dieser  Oaltuag. 

Von  Coccinelliden  ]\am  (ausser  der  bei  afrikanischen 
Sendungen  fast  unvermeidlichen  Cydonia  lunata  F.)  Alesia 
hamata  Schh..  Chnootriba  assimilis  Muls..  Epilachna  bifa- 
sciata  F.,  deren  Identität  mit  E.  chrysomelina  Klug  gewiss  mit 
Recht  behauptet,  wenngleich  einzelne  der  Monrovianer  ^par 
exees  de  matiere  coloi-ante''  gegen  massig  gelarbte  italienische 
Ep.  chrysomelina  aulTallend  abstechen;  eine  noch  abweichen- 
dere A^'arietät,  aber  doch  mit  identischer  Basis  bietet  eine  mir 
durch  Freund  Doria  mitgetheilte  Form  aus  dem  Lande  der 
Bogos.  Es  scheint,  als  ob  Coccinella  (Adalia)  bipunctata  L. 
vei-gebens  den  Yiris  doctissimis  durch  ihre  unendliche  Yaria- 
bihtät  gepredigt  hat,  dass  die  „Schlüsselmädchen  der  Jungfrau 
Maria"  —  so  heissen  die  Mai-ienkäfer  im  schAvedischen  Volks- 
munde  —   mit  ihrer  Toilette  höchst  wankelniüthig  kokettiren. 


Schliesslich  habe  ich  noch  zu  registriren,  dass  gegen  Ende 
April  d.  J.  eine  neue  Sendung  e  Liberia  einlraf.  Da  sie  schon 
seit  viel"  Monaten  als  ..fertig  zum  Absenden"  angemeldet  wai-, 
seildem  aber  alle  Nachrichten  ausblieben,  so  war  es  natĂĽrlich, 
dass  bereits  die  Besorgniss  entstand,  entweder  dem  Ex])edien- 
ten  oder  dem  expedirlen  Schiffe  sei  ĂĽebles  zugestossen.  Wenn 
der  Monrovia-Jäger  damals  voi-  vier  Monaten  geschrieben  hatte 
„die  Käfer  dieser  Sendung  seien  besonders  schön"  —  so  hat 
ihn  da/AI  wahrscheinlich  der  Umstand  angeleitet,  dass  er  ein 
Dutzend  des  allei-dings  augenbestechenden  Goliathiden  Ceratorh. 
guttata  Oliv,  gefangen  hatte.  Dieser  hĂĽbsche,  aber  nicht  eben 
seltne  Prahlhans  hat  auch  dem  langen  Liegen  in  schlechtem 
Spiritus  tapfern  Widersland  geleistet  und  ist  ungeschädigt  davon 


341 

gekommen.  Desto  weniger  aber  haben  das  die  meisten  der 
ausserdem  mitgesandten  Speeies  verti-agen,  die  vorzugsweise 
aus  Carabieinen,  Laraellicornien  und  Heteromeren  bestanden. 
Mehr  als  ^j.^  davon  hatte  die  Cohäsion  ganz,  oder  zum  grössern 
Theil  eingebĂĽssl.  Ein  Paar  Exemplare  von  Chrvsoehroa  (?) 
aurata  F.  und  ein  inzwischen  von  befreundeter  Hand  mit  der 
patria  ,,Atr.  occid.  interiov"  vorgelegtes  StĂĽck  von  der  kleinen, 
sehmalen  Gestalt,  welche  ich  im  Jahrg.  1875  S.  450  dieser 
Zeitung  besprochen  habe,  geben  mir  Anlass  zu  bezweifeln, 
ob  ich  damals  Recht  gehabt,  das  kleine  Exemplar  (Long. 
30  millim.  Lat.  8  millim.)  als  eine  verkĂĽmmerte  Form  der 
grossen  anzusehen.  Sie  sind  gewiss  nahe  mit  einander  ver- 
wandt, aber  doch  verschieden,  da  die  beiden  kleineren  voll- 
kommen mit  einander  stimmen,  während  unter  den  mir  jetzt 
vorliegenden  grossen  keines  unter  Long.  45  m.  Lat.  18  m. 
misst.  Hiebei  will  ich  gleich  die  Bemerkung  anknĂĽpfen,  dass 
zu  dem  Buprestiden,  welcher  mir  (1.  c.  S.  450)  als  Iridotaenia 
chrysochlora  Palis.  bestimmt  worden  war,  sich  in  dieser  letzten 
Sendung  ein  zweites  Exemplar  vorgefunden  hat,  jenem  ersten 
ganz  genau  ähnlich,  mithin  von  Falisot's  Beschreibung,  Abbil- 
dung und  von  den  mir  von  Dejrolle  als  chrysochlora  verkauf- 
ten StĂĽcken  in  der  Sculptur  der  Elvtra  und  wie  ich  jetzt  bei 
2  Exemplai'en  sieherer  behaupten  kann,  auch  durch  die  feinere 
Thoraxrinne  abweichend.  Da  sie  mit  Ausnahme  der  goldigen 
Spitze  des  Apex  der  Deckschilde  trĂĽb  dunkelgrĂĽn  ist,  so  wird 
ihr  der  Name  decolor  gerade  passen.  Den  frĂĽher  bereits 
erwähnten  Buprestiden  haben  sich  in  dieser  letzten  Sendung 
noch  zwei  Psiloptera  punciatissima  F.  gesellt,  die  in  zwei 
verschiednen  Händen  mit  gutem  Gewissen  zu  zwei  verschie- 
denen Arten  gestempelt  werden  könnten:  die  eine  misst  20, 
die  andere  27  milHm.,  die  kleine  ist  schwachglänzend  grün, 
die  grössere  brillant  feuergolden,  bei  der  kleineren  ist  die 
Thorax-Mittelrinne  kaum  bemerkbar,  dagegen  sehr  augenfälV'g 
bei  der  grösseren.  Aber  die  Exemplare  meiner  Sammlung- 
reichen  vollkommen  aus,  diese  Extreme  zu  vermitteln. 

Unter  dem  übrigen  Zuwachs  war  mir  zunächst  ein  zwei- 
tes StĂĽck  des  vorher  besprochneu  Acanthophoriden  (amphi- 
bolus  m.)  natĂĽrlich  sehr  willkommen;  es  stimmt  durchaus  mit 
dem  frĂĽher  erhaltenen.  Ferner  wurde  Stethodesma  (Ceton.) 
Strachani  Bainbr.  mil  Freuflc  begrĂĽs^ri.  Dass  Schaum  Rui-- 
meister^s  melanopiera  damit  vei'einigt  hat,  halte  ich  fĂĽr  richtig. 
Bei  dem  vorliegenden  Exemplare  sind  die  weissen  FleckcheĂĽ 
<ler  Elytra,,  wenn  auch  undeutlich,  so  doch  noch  zu  erkennen. 
Ein  neuer  llydaticus,  ein  neuer  Ochyropus,    Clivina  sp.,  eine 


342 

auH'allend  kleine  Uloma.  Lagria  sp.,  ein  zierlicher  Balaninus. 
dem  ostindisehen  C-  album  F.  ähnlich,  ein  kiipfergoldiges 
Callichroma,  2  sp.  Nitidididen,  eine  rothgelhe  Hispa  sp.  haben 
die  Sprilgefahr  glĂĽcklich  ĂĽberstanden.  Was  aber  dei-  Sendung 
unbedingt  die  Krone  aulgesetzt  hat ,  ist  ein  trefflich  erhaltenes 
StĂĽck  des  bisher  nur  in  dem  typischen  Exemplar  bekannten 
Paussiden  Orthoplerus  Lalertei  Westw.  Da  als  sein  Fund- 
ort Rio  grande,  sĂĽdlich  vom  Gambia  angegeben  war,  so  steht 
zu  hoffen,  dass  das  reizende  Thierchen  bald  auch  von  Andern 
gefangen  werden  wird,  sofern  jetzt  constatirt  ist,  dass  sein 
Verbreitungsbezirk  sich  wenigstens  ĂĽber  70  deutsche  Meilen 
erstreckt. 


Beiträge  zu  den  Pyralidinen  Südamerika's. 

Von 
Prof.  Carl  Bei*^  in  Buenos  Aires. 


Bei  meiner  vor  anderthalb  Jahren  erfolgten  Bearbeitung 
der  Pyralidinen  der  Ai'gentinischen  Republik  '"')  musste  ich  ver- 
schiedene Arten  aus  der  Sammlung  des  öti'entlichen  Museums 
in  Buenos  Aires,  ĂĽber  die  ich  gern  einige  Bemerkungen  ge- 
macht hätte,  unberücksichtigt  lassen,  weil  sie  aus  andern 
Territorien  stammten  und  demzufolge  der  Aufgabe  jener  klei- 
nen Arbeit  widersprachen.  Ich  bespreche  sie  jetzt  in  dieser 
Abhandlung,  weil  ich  durch  meine  inzwischen  ausgefĂĽhrten 
Reisen  in  den  Stand  gesetzt  bin,  die  ZĂĽnslerfauna  Argentiniens 
nm  ein  ))aar  .\rten  zu  bereichern  und  Zusätze  zu  der  einen 
oder  andern  Species  zu  liefern. 

Die  unterdessen  von  mir  in  Palagonien  beobachteten 
Pyralidinen  lasse  ich  hier  unerwähnt,  weil  sie  in  meiner 
Arbeit  über  die  Lepidopteren  jenes  Landes  ''•'■*•')  eingehend  be- 
handelt worden  sind. 


*)  Pyralididao  Argentini.  (Deutsche  entomolog.  Zeitschrift. 
Berlin  1875.  —  Boletin  de  la  Acadeniia  Nacinnal  de  Ciencias  Exactas. 
Buenos  Aires  1874.) 

**)  Patagonische  J-epidoptercn.  beobachtet  auf  einer  Reise  im 
Jahre  1874.  (Bulletin  de  la  Societv  Jinperiale  des  Naturalistes.  Moscou 
1875) 


343 

1.  Chrysauge  bifasciata  Walk. 

Walker,  List  of  Lep.  Ins.  Bomb.  p.  368.  —  Lederer. 
Pyralidinen,  p.   332.   Taf.   6.  Fig.    1. 

Aus  Rio  de  Janeiro.  —  Wir  besitzen  aber  ein  von 
Dr.  Burmeistei-  gefangenes  ^^  das  grösser  ist  als  die  von 
Walker  angegebenen  Maasse;  es  hält  in  der  Flügelspannung 
14  mm.  Der  Einbug  des  schw^arzen  Vorderrandes  der  Hinter- 
flügel ist  viel  schwächer,  als  ihn  Leder  er  auf  seiner  Zeiche 
nung  angiebt. 

Die  Beine  sind  anliegend  besclmp})t,  bis  auf  die  Hinter- 
schienen, welche  oben,  vorherrschend  am  ersten  Drittel,  ab- 
stehende Haare  tragen. 

2.   Botis  amiculatalis  Nob. 

,^  et  $.  Saturate  aurantiaca;  aus  latissime  rufo  fusce- 
scenii  —  marginatis,  albo  fuscoque  cilialis,  lineis  transversis 
punctisque  discalibus  nigi'icantibus.     —    Exp.   al.  ant.    16  mm. 

Aus  Buenos  Aires  und  von  der  Sierra  de  Cordova.  — 
In  der  Nähe  von  Botis  insignitalis  Guen.  zu  stellen.  Im 
FlĂĽgelschnitt  der  Botis  badipennis  Grote  (Bulletin  ofthe 
Buffalo  Society  of  Natural  Sciences  1873.  p.  88.  pl.  11: 
F.    12)  ähnlich. 

In  der  Grundfarbe  dunkel  orangegell»;  dieselbe  am  reinsten 
im  Diskus  der  HintertlĂĽgel. 

Kopf  und  Palpen  i-öthlichbraun  angeflogen,  ersterer  am 
Rande  ĂĽber  den  Augen  weisslich,  letztere  zugespitzt:  unten 
zum  grössten  Theil  rein  weisf^.  Thorax  imd  Abdomen  dunkel 
orangefarbig,  ohne  jede  Auszeichnung. 

Die  Flügel  mit  breitem,  röthliohbraunem  Saume,  der  von 
der  äusseren  Quei'linie  an  beginnt.  Die  Querlinien  der  vor- 
deren hin-  und  hergebogen,  am  Innenrande  genähert;  die 
zweite  mit  schwachem  Bogen  um  die  Querader.  Der  Qucr^ 
streif  der  HinterflĂĽgel,  welcher  vor  der  Mitte  des  Voi-dej-- 
randes  beginnt,  zieht  zum  Saume  vor  dem  Afterwinkel  und 
mündet  kurz  vor  demselben  in  eine  schwärzliche  Strieme,  die 
von  der  Flügelbasiy,  sich  allmählich  erweiternd,  dem  Innen- 
rande parallel,  zum  Saume  vor  dem  Afterwinkel  läuft,  jedoch 
denselben  nicht  erreicht.  Die  Färbung  ist  darelbst  lebhafter 
braunroth,  während  sie  zum  Vorderiande  hin  einen  schwärz- 
lichen Ton  annimmt.  Der  Mittelpunkt  aller  FlĂĽgel  ist  gut 
sichtbar;  auf  den  VordertlĂĽgeln  laidct  sich  ausserdem  noch 
ein  schwärzlicher  Strich  auf  dei-  Querader  und  eine  ver- 
düsterte   Färbuno'    am    Costalrande.     Die   Saumlinie    ist    fein. 


344 

schwarz,  auf  Hern  dunklen  Grunde  wenig  sichtbai'.  Die  Fran- 
zen  unter  der  P'lĂĽgelspitze  sind  eine  breite  Strecke  weiss. 
dann  zum  Innenwinkel  hin  rothbraun;  die  am  Innenrande  der 
Hinterflügel  gelb.      Die   Wurzelhälfte  der  Saumfranzen  dunkel. 

Unterseite  der  Flügel  äh)ilieh  der  Oberseite,  nur  in  Allem 
matter,  und  der  breite  dunkle  Saum  verliert  sieh  gegen  den 
Innenwinkel,  trägt  aber  auf  den  Vorderen  in  der  Mitte,  nahe 
der  Querlinie,  eine  intensive  Verdunkelung,  welche  sich  zum 
Saum  hin  vei'liert.  Beide  Mittelfleckchen  der  Vordej-flĂĽgel 
grösser  und  dunkler  als  auf  der  Oberseite. 

Die  Brust  ist  unten  weisslich  und  die  Bauehfläche  hell- 
grau, welche  letztere  Färbung  auch  die  anliegend  beschuppten 
Beine  haben,  mit  Ausnahme  der  Schienen,  die  aussen  gelblich 
sind.  Vordertarsen  am  ersten,  dritten  und  vierten  Glied  ver- 
dunkelt. 

Ein  gut  erhaltenes  i^  dieser  schönen  Art  fing  ich  im 
Januar  dieses  Jahres  am  Rio  Richuelo  bei  Buenos-Aires.  Ein 
,^  erbeutete  ich  Ende  März  in  der  Sierra  von  Cordova. 
Letzteres  ist  sehr  verflogen  und  verschossen  und  hat  daher 
eine  schalgelbe  Färbung.  Auch  ist  bei  ihm  der  dunkle  Saum 
nicht  s(t  breit  wie  bei  dem  $,  so  dass  zwischen  ihm  und  der 
äusseren  Querlinie  noch  eine  ziemlich  breite  Stelle  von  der 
Grundfarbe  sich  befindet.  Die  Franzen  fehlen.  Die  Farbe  des 
Thorax  und  Abdomens  ist  graugelb. 

3.    Botis  phoenicealis  Htibn. 

Walk.,  Pyral  p.  315.  —  Guenee,  Pyral.  p.  173.  - 
Led.  1.  1.  p.  367.  —  Herrich-Schäffer,  Correspondenz- 
blatt.   1871.  p.   19. 

Aus  der  Banda  ())iental  del  Uruguay,  wo  ich  diese  Art 
im  September  1873  am  Rio  San  Salvador  fing.  —  Sie  ist  viel 
matter  und  unscheinbarer  als  Hüb ner"s  Bild  (Zuträge  Fig.  115 
— 116"),  welches  in  Allem  viel  zu  grell  gegeben  zu  sein  seheint, 
was  Herrich-Schäffer  ebenfalls  bei  seinen  cubanischen 
Exemplaren   beobachtet  hat. 

Bei  unsei-em  Thier  sind  die  FlĂĽgel,  besonders  die  hinte- 
ren, ziemlich  dünn  bestäubt,  das  Gelb  und  Roth  wenig  her- 
vortretend, und  die  Zeichnungen,  wiewohl  alle  vorhanden, 
doch  mehr  oder  weniger,  zumal  auf  den  HintertlĂĽgeln  verwischt. 

Auf  der  Unterseite  ist  die  Färbung  und  Zeichnung  noch 
viel  weniger  ausgej)rägl,  als  auf  der  Oberseite,  und  besonders 
als  auf  dem  Bilde  HĂĽbner's.  worĂĽber  schon  Chi e nee  I.  1. 
sich  au.sspricht. 


345 

Die  Palj)en  sind  stark  zugespitzt,  etwas  geneii^t;  die 
Nebenpalpen  sind  anfgerichtet.  Die  Segmentsränder  des  Hinter- 
leibes sind  nur  unbedeutend  heller  als  die  übrige  Färbung. 
Die  Bauchfläche  ist  gelblich  weiss;  ebenso  gefärbt  sind  die 
Mittel-  und  Hinterbeine,  die  Vorderbeine  haben,  dagegen  an 
Schienen  und  Tarsen   nithlichgelbe  Flecke. 

4.   Botis  suavidalis  Nob. 

j*.  Palpis  erectis.  late  squamosis,  articulo  terminali  vix 
conspicuo;  alis  luridis,  area  mediana  pallidiore,  lineis  duabus 
fuscis  ad  marginem  interiorem  approximatis ;  anticarum  lineola 
discali  fusca.    —   Exp.   al.   anl.    J^  mm. 

Aehnlich  der  Botis  jucundalis  Led.  (1.  1.  p.  37(1  u. 
463.  Taf.  8.  Fig.  17.)  aus  Ostindien.  Unterschieden  von  ihr 
durch  die  geringere  (rrösse  (18  gegen  22  mm.),  die  aufwärts 
gebogenen,  an  dei"  Stirn  anliegenden  Palpen,  den  Mangel  der 
gelben  Flecke  vor  dem  UrsprĂĽnge  der  ei'sten  und  hinter  dem 
Beginn  der  zweiten  Mittellinie,  den  in  den  Innenrand  auslau- 
fenden bräunlichen  Strich  auf  der  Querrippe  der  Hinterflügel, 
und  die  dĂĽstere  Unterseite  der  Vorder flĂĽgel. 

Palpen  bis  zur  Stirn  reichend,  breit  beschuppt,  gelblich 
braun,  unten  an  der  Wurzel  weisslich;  das  Endglied  stumpf, 
kaum  hervortretend.  Nel)enpalpen  dunkler  braun,  den  ersteren 
dicht  aufliegend.  Fühler  von  3/4  der  Vorder  flügel  länge,  sehr 
kurz  gewimpert.  Kopf  von  der  Farbe  der  Palpen.  Halskragen 
lebhafter  dunkelgelb.     Thorax  fast  safrangelb. 

Die  VordertlĂĽgel  gestreckt,  der  Vorderrand  an  der  Spitze 
schwach  gebogen,  der  Saum  unter  der  Spitze  bis  Rippe  3 
ziemlich  gerade  verlaufend,   von  da  an  sanft  gerundet. 

Die  HinterflĂĽgel  in  der  Form  ganz  wie  bei  Botis  jucun- 
dalis Led. 

Die  CT-ruiidfarbe  aller  FlĂĽgel  lief  schmutzgelb.  Das  Mittel- 
feld dei'  Vorderflügel  längs  der  äusseren  Querlinie  von  der 
Bucht  der  letzteren  bis  Rippe  8  (ilgelb,  ebenso  das  Wurzel- 
feld von  der  Mittelrippe  bis  zum  Innenrande,  welche  Färbung 
nach  der  Basis  zu  in  Braungelb  ĂĽbergeht.  Die  Querlinien  sind 
dunkelbraim,  die  innere  auf  der  Mediana  sanft  gebogen;  die 
äussei'e  am  Vorderiande  schwai'z,  nach  dem  Innenwinkel  zu 
einen  unrege hiiässigen  Bogen  machend,  dann  verloschen  nach 
dem  langgezogenen,  beiderseits  striemig  ölgelb  angelegten 
Mittelfleck  hinauf-  und  unter  demselben  scharf  zum  Innenrande 
ziehend.  Das  Mittel-  und  Wurzelfeld  der  HinterflĂĽgel  reiner 
gelb    als    auf    den  Vorderflügeln.     Der    bräunliche  Strich    auf 


346 

der  Querader  zieht,  auf  Rippe  J  b  saumwärts  schwach  ge- 
brochen, deutlich  bis  zum  Innenra^nde.  Die  von  ^^^  de«  Vor- 
derrandes zum  Innenwinkel  hin  iaid'ende  braune  Querlinie  ver- 
liert sich  auf  zweidrittel  des  VVeges'^  von  wo  an  die  dunklere 
Färbung  des  8aumes  das  Mittelfeld  begrenzt.  Der  Saum  der 
Flügel  hat  die  dunkelste  Färbung  und  eine  braune  Saumlinie. 
Die  Franzen  sind  weisslich,  in  der  JVIitte  graubraun,  an  der 
Basis  gelblichweiss. 

Das  Abdomen  ĂĽberragt  weit  den  Afterwinkel,  ist  oben 
lebhaft  gelbbraun,  mit  schwärzlichen,  hie  und  da  weiss  auf- 
geblickten  Segmentsrändern;  unten  ist  es  weisslich.  Sein  letztes 
Segment  iiat  oben  einen  schwarzen,  l)eidei"seits  weiss  angeleg- 
ten Längsfleck. 

Die  Unterseite  der  VorderflĂĽgel  ist  gelblich  grau,  die  der 
HinterflĂĽgel  dunkel  strohgelb;  beide  mit  undeutHch  durch- 
scheinenden Zeichnungen  der  Oberseite. 

Beine  weisslich.  Die  Vorderschienen  gelblich,  ihre  ersten 
Tarsen  abstehend  dunkel  beschuppt;  die  Mittel-  und  Hinter- 
schienen weisslich,  deren  Tarsen  gelblich. 

Ein  Männchen,  das  ich  den  3.  Juni  1873  in  Rio  de 
Janeiro  fing. 

5.    Botis  tinctalis  Led. 

Led.  1.  1.  p.  371  u.  465.  Taf.  9.  Fig.  5.  —  Herr.-Sch. 
1.  1.  p.  20. 

Ende  Januar  d.  J.  fing  ich  in  der  Nähe  von  Buenos  Aires 
ein  sehr  gut  erhaltenes  ,^  einer  ZĂĽaslerart,  welches  ich  nur 
hierher  ziehen  kann.  Es  stimmt  in  (rrösse  und  Zeichnung 
recht  gut  mit  den  Angaben  Ledere r's  ĂĽberein. 

Bei  meinem  Exemplar  finde  ich  aber  die  vom  genannten 
Autor  angegebene  bräunhche  oder  braungraue  Färbung,  die 
in  den  Binden,  Querlinien  und  in  der  Bestäubung  auftriti,  als 
dunkel  Braunroth  mit  einem  Stich  in  Blutroth.  Ausserdem  is( 
bei  ihm  die  Mittellinie  der  HinterflĂĽgel  nicht ,  wie  auf  dem 
Bilde  Ledere  r's,  zum  lunenrande,  sondei-n  zum  Saum  gebo- 
gen,  was  freilich  einigermassen  aus  der  Beschreibung  erhellt, 
und  welcher  Unterschied  weniger  in  Betracht  kommt,  wenn 
man  die  Zeichnung,  was  Lederer  selbst  sagt,  als  nicht  ganz 
gelungen   beti-achtet. 

Die  innere  und  äussere  Querlinie,  welche  an  Rippe  I  b 
im  Mittelfelde  sehr  nahe  an  einander  kommen,  dann  divergiren 
und  am  Innenrdnde  sich  wi(!der  nähern,  bilden  dadurch  dort 
einen  5  —  H-eckisen  Rina,. 


347 

Saumlinie  aller  FlĂĽgel  zerrissen,  rothbraun.  Franzen  hell- 
gelb .  an  den  Spitzen  weisslich. 

Nachtrag.  Den  21.  December,  als  mein  Manuskript  zur 
Versendung  bereit  lag,  fing  ich  noch  ein  $  dieser  Species, 
welches  besser  mit  der  Beschreibung  Lederer"s  ĂĽbereinstimmt. 
Es  bleibt  somit  kein  Zweifel  ĂĽbrig,  dass  wir  die  bezeichnete 
Art  vor  uns  haben. 

6.    Botis  phaeopteralis  Gnen. 

R.  plebejalis  Led.,  1.  1.  p.  373  u.  469.  Taf.  10.  Fig.  8. 
—   Guenee,  1.  1.   p.  349.  -  Walk.,  612.  -  Herr.-Sch.,  26. 

Aus  Cordova  in  der  Argentinischen  Republik  und  Santos 
in  Brasilien.  Am  ersteren  Ort  im  März  1875,  am  letzteren 
im  Juni   1873  von  mir  gefangen. 

Ich  lasse  hier  eine  von  mir  frĂĽher,  als  ich  die  Art  noch 
nicht  kannte,  angefertigte  Beschreibung  dieser  nicht  leicht 
nach  den  vorhandenen  Beschreibungen  bestimmbaren  Species 
folgen. 

Flügelspannung  20 — 25  mm.  Grundfarbe  hell  bräunlich- 
grau mit  einem  Ton  in"s  Strohgelbe,  wie  das  Saumfeld  bei 
Botis  ruralis  Scop.  und  B.  fuscalis  Hb.,  oder  braungrau 
bis  schwärzlichgrau,  schwach  irisirend:  die  Flügelränder  ge- 
wöhnlich verdüstert. 

Die  Vorderflügel  sind  am  Costalrande  bis  zum  hint«"ini 
Querstreif  ziemlich  gerade ,  von  da  an  sanft  gebogen  mit 
einigermassen  scharf  vortretender  Spitze.  Der  Saum  ist  bis 
zur  Mitte  der  Zelle  2  schwach  ausgeschwungen,  v(jn  da  an 
zum  Innenwinkel  gerundet.  Die  Querlinien  sind  dunkelbraun; 
die  innere  gebogen,  am  Innenrande  entfernter  von  der  FlĂĽgel- 
basis als  am  Vorderrande;  die  äussere,  die  an  der  Krümmung 
des  Costalrandes  beginnt,  läuft  in  deutlichen  Zacken  und  Zäh- 
nen in  der  Richtung  zum  Innenwinkel,  kehrt  in  Zelle  2  plötz- 
lich wurzelwärts.  zur  Nierenmakel  schräge  hinaufziehend,  und 
vor  dieser  in  zwei  bis  drei  undeutlichen  Zacken  zum  Innen- 
rande. Die  Nierenmakel  ist  schmal,  annähernd  halbmond- 
förmig; die  Ringmakel  ist  durch  feine  dunkle  Bestäubung  an- 
gedeutet. 

Die  HinterflĂĽgel,  welche  am  Vorderi-ande  ziemlich  breit 
weisslich  sind,  haben  eine  hellere,  aber  im  Ganzen  grauerie 
Färbung  als  die  Vorderflügel;  ihr  Mittelpunkt  ist  klein,  an  der 
Grenze  der  weisslichen  Voi-derrandsfarbung  befindlich. 

Die  gezackte  Querlinie  bildet  fast  eine  Fortsetzung  der 
äusseren  Querlinie  der  Vorderflügel,  ist  am  Vorder- und  Innen- 


348 

rande  theilweise  verloschen    und  verläuft   wie  die  der  Vorder 
flĂĽgel,   nur  entfernter  vom  Mittelpunkt. 

Der  Saum  der  FlĂĽgel  ist  dunkler.  Die  Franken  sind  hell, 
von  einer  chinkelltruunen  Theilungslinie   durchzogen. 

Die  Unterseite  der  FlĂĽgel  ist  heller  als  die  Oberseite^  die 
Zacken  der  Querlinien,  auf  den  Vordei'ilĂĽgeln  die  Nierenmakel 
und  auf  den  HinlerflĂĽgeln  der  Mittelpunkt  sind  meist  deutlich 
sichtbar. 

Die  FĂĽhler,  welche  bis  '-^l^  des  Vorderrandes  reichen, 
sind  von  der  Farbe  der  VorderflĂĽgel.  Die  vorgestreckten  Pal- 
pen sind  dunkelbraun,  unten  weiss ^  das  letzte  Ghed  ist  sehr 
stumpf,  aus  dei-  Behaarung  des  zweiten  wenig  hervortretend. 
Die  Nebenpalpen  sind  bräunlich,  nach  aussen  gerichtet.  Tho- 
rax und  Hinterleib  im  Farbentoii  kaum  heller  als  die  Vorder- 
flĂĽgel; letzterer  unten  hellgrau,  an  der  Spitze  dunkel.  Beine 
anliegend  dĂĽnn  beschuppt,  weisslich,  die  pelzige  Behaarung 
des  ersten  Tarsengliedes  der  vorderen  von  der  letzten  Hälfte 
an  dunkelbraun,  an  der  Spitze  hell. 

7.    Botis  pruinalis  Led. 

Led.  1.  1.  p.  373  u.   369.  Taf.  9.  Fig.   6. 

Den  8.  Juni  1873  fing  ich  in  Santos  (Brasilien)  einen 
stark  verflogenen  Zünsler,  welcher  bis  auf  die  Grösse  —  er 
hat  nur  26  mm.   in  der  Flügelspannung  —  zu  dieser  Art  passt. 

8.    Botis  ruralis  Scop. 

B.  verticalis  Schiff.  —  Stand.  Cat.  Lep.  ]>.  211  no. 
201.   -  Led.,  375.    -   Guen.,  337.   -   Walk.,  o56. 

Herr  Professor  Dr.  Burmeister,  hat  vor  Jahren  ein 
Exemplar  dieser  Art  in  Rio  de  Janeiro  gefangen,  das  voll- 
ständig mit  einem  europäischen  übereinstimmt.  —  Die  Art 
wird  aus  Europa  dorthin  verschleppt  worden  sein. 

9.    Botis  matutinalis  Guen. 

Guen.,  p.  195.  -  Walk.,  354.  —  Led.,  376.  Taf.  11. 
Fig.    14.   —   Herr.-Sch.,  p.   28. 

Aus  Rio  de  Janeiro  durch  Dr.  IJumieistei'.  —  Kleiner 
als  Guenec'sche  und  Wttlker'sche  Exemplare,  nur  19  mm., 
während  jene  23  —  26  mm.  für  die  Flügel.'ipannung  angeben, 
sonst  aber  mit  der  Gueneeschen  Beschreibung  und  dem 
Bilde  (bei  unserem  StĂĽck  mir  der  Saum  nicht  so  breit  dunkel) 
Ledere r"s  sehr  gut  üliereinstimoiend  und  sicher  hierher  gehörig. 


349 
10.    Eurycreon  evanidalis  Berg^. 

Berg,  Deut.srhe  eiiloni.  Zeit.sclir.  Berlin  1875.  p.  132.  — 
Boletiu  de  la  Acadeinia  Nacional.  Buenos  Aires  1874.  p.  i6'6. 
—   Bulletin    de    la  Öoc.  Imp.   des  Islaturalistef^.     Moseou   1875. 

Aub  Bueno.s- Aires.  Cordova  und  Patagonien.  —  Ein  .9, 
das  ich  Ende  März  d.  J.  in  der  Sierra  von  Cordova.  in  einer 
Hohe  von  etwa  4000'  thig.  ist  viel  gröber  bestäubt  und  sehr 
dunkel  gezeiehnel.  zeigt  aber  in  anderer  Weise  keine  Ab- 
weichungen. 

11.  Eurycreon  rantalis  Guen. 

Phycopterus  signariellus  Blaneh.,  Gay,  Hist.  de 
Chile.  Zool.  lom.  VIT.  p.  lOll  Atlas,  Lep.  tab.  VII.  F.  13.  — 
E.  subl'ulvalis  Herr.-Seh.  1.  1.  p.  26.  —  Guen.,  p.  405.  — 
\ÂĄalk.,  802.  -  Led..  370.  Taf.  12.  Fig.  3.  -  Zeller, 
Yerhandl.  der  zool.-botan.  Gesellsch,  Wien.  1872.  p.  519.  — 
Berg,  1.  l.  p.    132  resp.   161. 

Aus  Buenos  Aires,  Cordova,  der  Banda  Uriental  del 
Uruguay  und  aus  Patagunien.  Nach  Prof.  Zeller  und  Lede- 
ier auch  in  Nordamerika.  —  Hier  bei  uns  überall  recht  liäutis: 
und  variirend  in  der  Färbung. 

Anmerkung.  In  meiner  z.  Z.  im  Druck  betindlichen 
Abhandlung  ĂĽber  die  Patagonischen  Lepidopteren.  die  ich  im 
vertlossenen  Jahre  dort  zu  beobachten  Gelegenheit  hatte,  habe 
ich  nachzuweisen  gesucht,  dass  IMiycopterus  signariellus 
Bland),   diese  Art  repräsentiri. 

12.  Chromodes  armeniacalis  Guen. 

Guen.,  p.   312.  pl.  8.  F.   8.    —  Led.,  p.   390. 

Ans  Buenos  Aires.  —  Guenee  giebt  für  seine  5  aus 
Brasilien  stammenden  ,^  eine  FlĂĽgehveite  von  31  mm.  (sollte 
vielleicht  21  heissen?)  an;  ein  hiei'  anfangs  dieses  Jahres  ge- 
fangenes Q   hat  eine  FlĂĽgelspannung  von  nur   18  mm. 

Ausser  dieser  viel  geringeren  Grösse,  dem  schwarzen 
Endglied  der  Palpen  und  dem  sehr  schmalen  schwarzen  Costal- 
rand,  welche  dunkle  Färbung  zum  ersten  Drittel  hin  sich  ganz 
verliert,  —  zeigt  es  keine  Unterschiede  und  ist  von  der 
Guenee'schen  Art   nicht  zu  trennen. 

Lederer  giebt  die  Franzen  als  braunschwarz  an,  was 
auch  Guenee's  Bild  zeigt.  Bei  unserem  Exemplar  sind  sie 
dunkel  scljwar/.,   nnvk  glänzend,   welcher   Unterschied  in  dem 


350 

Alter  der  StĂĽcke  zu  suchen  sein  wird.  Die  FĂĽhler  sind  bei 
Guenee  auf  dem  Bilde  zu  lang  angegeben;  sie  erreichen  nicht, 
was  auch  Leder  er  sagt,  die  FlĂĽgelspitze. 

13.  ?  Heterodes  Ausonia  Cram. 

H.  ausonialis  Guen.,  j).  811.  pl.  4.  F.  9.  —  Led., 
1.  1.  p.  395.   -  Walk.,  p.   585. 

Aus  Cordova  —  Ein  5-  das  ich  nur  zu  dieser  Species 
ziehen  kann. 

Es  stimmt  besser  mit  dem  Cram  ersehen  (Taf.  140. 
Fig.  C.)  als  mit  dem  Bilde  von  Guenee  überein.  In  Grösse 
und  Färbung  wie  dort  angegeben;  aber  bei  vortheilhaft  ein- 
fallendem Licht  ist  eine  Andeutung  der  Querstreifen  auf  den 
Flügeln  sichtbar,  deren  äusserer  auf  den  Vorder-  und  Hinter- 
flĂĽgeln in  der  Mitte  einen  weiten  Yorsprung  zum  Saum  ent- 
sendet. Die  HinterflĂĽgel  ausserdem  noch  mit  einem  solchen 
Streif  kurz  vor  dem  Saumrande.  Auch  Mittelpunkte  sind, 
wenn  man  die  Flügel  schräg  von  der  Seite  betrachtet,  sicht- 
bar, und  die  Palpen  sind  nicht  aufgebogen,  sondern  vorgestreckt, 
wie  bei  den  meisten  Botiden. 

Ich  stecke  das  Thier  einstweilen  als  Heterodes  Auso- 
nia zurĂĽck,  bis  ich  zu  mehr  Vergleichsmaterial  komme,  um 
mit  Sicherheii   über  die  Species  entscheiden  zu  können. 

14.  Glyphodes  sibillalis  Walk. 

Walk..  I.   I.  p.   506.   -  Led.,  1.  1.  p.  402. 

Aus  Paraguay.  —  Walker  hat  sie  von  St.  Domingo, 
Ega  und  Venezuela,  und  Leder  er  aus  letzterer  Republik  ge- 
habt. LTnser  ziemlich  defectes  Exemplar  stimmt  im  Ganzen 
gut  mh  der  Beschreibung  Walker's  ĂĽberein;  nur  ist  sein 
Mittelglied  der  Palpen  nicht  „with  two  ochraceous  marks 
on  the  outer  side"',  sondern  die  untere  Hälfte  der  Palpen 
ist  weiss,  die  obere  ocherfarl)ig. 


15.  Coenostola  apicalis  Led. 

Led.,  I.   I.  p.  409.  Taf.    14.  Fig.    IG. 

Ein  $  aus  Rio  de  .Janeiro.  —  Gut  mit  der  Beschreibung 
und  Abbildung  Lederer"s  ĂĽbereinstimmend.  Die  FĂĽhler,  deren 
Länge  dieser  Autor  nicht  angeben  konnte,  reichen  bis  3|^  des 
Costalrandes  der  VordeitlĂĽael. 


351 

Die  B'rauzen    dieser  Art    sind    an  der  Spitze,  am  Innen 
Avinkel  und  an  dem  eckigen  Vorsprung  des  Saumes  der  FlĂĽgel 
eraubraun,  sonst  weiss,   mit  ziemlicli  breiter  brauner  Theilung-s 
linie  und  weisslicher  Wurzel. 

Anmerkung.  In  seiner  öfters  erwähnten  Abhandlung 
über  eubanische  Schmetterhnge  führt  Herrich -Schäffer  bei 
Coe.  apiealis  als  Citat  Lederer's  Taf.  15.  Fig.  1  an;  diese 
Fig ür  geh öi't  zu  Coe.   e  r  u  p  t  a  1  i  s . 

16.  Pilocrocis  amissalis  Guen. 

P.   ra mentalis  Led..   I.   I.  p.   430.   Taf.    16.  Fig.    13. 

Aus  C'ordova.  —  Es  liegen  mir  3  Exemplare  dieser  Art 
vor.  deren  Vaterland  Leder  er  nicht  kannte.  Er  wird  sie  aber 
Mohl  aus  Brasilien  gehabt  haben. 

Ich  nehme  an,  auf  Grund  der  nachfolgenden  Argumente, 
dass  Ouenee's  Botis  amissali,'^  (I.  1.  p.  351.)  aus  Brasilien, 
welche  Led  er  er  nicht  gekannt  hat,  mit  der  von  ihm  auf- 
gestellten Pilocrocis  lamentalis  identisch  ist.  Beide  haben 
nur  je    1   q   gehal>t.  und  noch  dazu  kein  gut  erhaltenes. 

Meine  Exemplare  haben  alle  Charaktere,  welche  letzt- 
genannter Autor  zur  BegrĂĽndung  seiner  Gattung  Pilocrocis 
angiebt.  und  ausserdem  noch  Manches,  de.ssen  er  nicht  Er- 
wähnung thut,  was  aber  bei  Guenee  sich  iindet;  umgekehrt 
vermisst  man  einiges  bei  diesem  Lepidopterologen .  was  erste- 
rer  an  Merkmalen  hat. 

Guenee  giebt  als  FlĂĽgelweite  32  mm.;  Led  er  er  hat 
versäumt,  solche  /u  notiren;  unsere  Stücke  haben  eine  Flügel- 
spannung von  '26  —  29  mm. 

Der  violette  Schiller  auf  den  FlĂĽgehi,  von  welchem 
Lederer  nicht  spricht,  ist  wie  in  der  Beschreibung  des  fran- 
zösichen  Autors;  diesem  M-iderspricht  dagegen  die  genugsam, 
wenn  auch  nicht  immer  sehr  deutlich,  sichtbare  Querlinie  auf 
der  Unterseite  der  HinterHĂĽgel,  die  Leder  er  deutlich  gezeich- 
net hat,  wek'he  aber  nach  Guenee  nicht  vorhanden  sein  soll. 

Nach  (ruenee  soll  unter  dem  FlĂĽgelumschlag  ein  brauner 
Haarpinsel  sich  betinden;  Lederer  erwähnt  eines  .solchen 
nicht  unsere  Individuen  haben  ihn.  wie  auch  die  eigenthĂĽm- 
liche.  phycideenartige  Bildung  der  FĂĽhler  im  ersten  Viertel, 
•die  letzterer  beschreibt  und  abbildet,  während  es  in  Betreff 
der  FĂĽhler  [>ei  Guenee  heisst :  ,.sans  nodosite".  Dieser 
sagt  von  den  Vorderbeinen:  „ayant  les  jambes  velues  et 
le  premier  ai'ticle  du  tarse  garni  d'une  espece  de 
manchotte  de  ])oils  elargie";  sie  sind  bei  unseren  StĂĽcken 


352 

wie.  gewĂĽhĂĽlich  bei  den  Bolidcn  und  also  nielir  oder  weniger 
luu'li  der  Angabe  Guenee's. 

Die  Hinterbeine,  die  dem  Lederer'.seheu  Exemplar  lehlten. 
bieten  iieine  Aus7.eiehnungen  vor  den  Botiden.  Der  Hinterleib 
ist  an  den  Segmentsrändern  heller,  niid  überragt  den  After- 
winkel um   i|4 — i/a. 

(lue nee  giebt  auf  den  VorderllĂĽgeln  mir  einen  (^uerstreif 
an,  weil  der  innere  blos  bei  reinen  Exemplaren  zu  sehen  ist. 

J>er  Querstreif  der  Hintertliigel  macht  in  der  Mitte  einen 
weit  grösseren  Vorsprung  aJs  ihn  Leder  er  gezeichnet  hat. 

Die  Fi-anzen  sind  weisslieh.  mit  breiter  brauner  Thei- 
luugslinie. 

Die  Palpen  sind  am  Kopfe  aufsteigend,  dicht  beschuppt, 
gerundet,  in  der  oberen  Hälfte  graubraun,  unten  weiss ^  das 
Endglied  ist  kurz,  stumpfspitzig.  Die  Nel)enpalpen  sind  kurz, 
fadenförmig,  aufgerichtet.     Nebenaugen  sind  vorhanden. 

17.  Syngamia  florella  Cram. 

(^uinqualis  Hübn.,  Zutr.  351 — 352.  —  S.  fiorellalis 
Guen.,  p.    187.   —  Led.,  p.  435.   —  Walk.,  p.  333. 

Diese  in  SĂĽdamei'ika  weit  verbreitete  Art  kommt  auch  in 
der  Argentinischen  Republik  vor;  wir  besitzen  ein  Pärchen 
aus  Cordova.  Die  Exemplare  bieten  nichts  Abweichendes  von 
den  vorhandenen  Beschreibungen,  sie  sind  nur  etwas  grösser 
(r^   18,  $   19  mm.)  als  die  Angaben  Guenee's. 

18.    Synclera  traducalis  Zell. 

Ă–pilomela  retinalis  Led.,  Wien,  entom.  Monats.  1857. 
p.  100.  —  Glyphodes  univocalis  Walk.,  I.  I.  p.  499.  — 
Zeller,  Lep.   micr.   Caflr.  p.   54.    1852. 

Diese  bis  jetzt  in  Uatlrien,  Syrien  und  Ostindien  aufge- 
fundene Species  besitzen  wir  aus  Rio  de  Janeiro,  von  wo 
sie   l'rof.   Bur meist  er  ge])rachl    hat. 

Das  E.vemplar  stimmt  vortrelllit-h  mit  den  Beschi-eibungen 
ĂĽberein. 

19.    Parapoynx  indomitalis  Nob. 

$.  Alba  purum  fuscescenti  varia;  alis  anticis  lineis  duabus 
(interiore  e  j)unctis  duobus,  exteriore  llexa)  fuscis,  liturulu 
ante  apicem  fuscescente,  maculis  minutis  duabus  discalibus 
puncti.sque  marginalibus  bene  determinatis  nigricantibus;  posti<!is 
^slrigis  binis  j)unctis(|ue  marginalibus  fuscis.  —  Exp.al.ant.  lÖuim. 


353 

Durch  den  Mangel  der  Rippe  8  der  HinterflĂĽgel  zur 
Abtheilung  B.  Leder er's  gehörig. 

Grundfarbe  des  Körpers  und  der  Flügel  weiss,  hin  und 
wieder  mit  spärlicher,  bräunlichgrauer  Verdüsterung. 

Stirn  und  FĂĽhlerbasis  dicht  anliegend  beschuppt,  weiss; 
erstere  ziemlich  breit;  die  FĂĽhler  sonst  gelbhch  braun,  ihre 
Glieder  sehr  deutlich  eckig  vortretend.  Palpen  dei'  Stellung 
nach  wie  bei  den  übrigen  Arten  dieser  Gattung,  in  der  Fär- 
bung die  zwei  ersten  Glieder  bräunlich,  besonders  aussen,  das 
Endghed  und  die  Nebenpalpen  gelblich  weiss. 

Statt  der  ersten  Querlinie  der  VorderflĂĽgel  zwei  dunkel- 
braune Fleckchen,  deren  oberes  in  der  Mittelzelle,  das  untere 
in  Zelle  1  b  sich  befindet,  und  von  welchen  das  letztere  grös- 
ser ist  und  eine  intensivere  Färbung  besitzt.  Die  zweite  Quer- 
linie, in  der  Farbe  schmutzig  braun,  beginnt  ziemlich  breit 
an  2/3  des  Costalrandes,  und  verschmälert  sich,  indem  sie  in 
der  Richtung  zum  Saum  zieht.  In  Zelle  5  macht  sie  saum- 
wäi'ls  einen  verwaschenen  Vorsprung,  geht  darunter  wurzel- 
wärts,  wobei  sie  sehr  undeutHch  wird,  aber  in  Zelle  Ib  wie- 
der zieijnlich  breit  auftritt,  zwei  undeutlicke  Haken  gegen  den 
Saum  entsendend.  Im  Hohlräume  des  Rogens  dieser  Querlinie 
befinden  sich  zwei  tiefbraune  Punkte  oder  kleine  Fleckchen, 
deren  oberes  eine  rundhche,  das  untere  eine  länglich  runde 
Form  hat.  Der  Vorderrand  des  Mittelfeldes  ist  spärhch  dunkel 
bestäubt  und  hat  einige  braune  Schuppen  an  der  Costalrippe. 
Ausser  diesen  Zeichnungen  haben  die  VorderflĂĽgel  noch  einen 
Streifwisch  im  Saumfelde,  der  am  Vorderrande,  etwa  1  MiUi- 
meter  vor  den  eckig  geformten  schwärzlichen  Saumpunkten 
seinen  Anfang  nimmt  und  nur  bis  Rippe  4  sichtbar  ist. 

Die  Hinterflügel  haben  zwei  breite  bräunliche  Querlinien 
und  einen  Mittelfleck.  Die  ersteren,  parallel  verlaufend,  bilden 
zuerst  einen  langgezogenen  Bogen  gegen  den  Saum  und  dann 
einen  andern  ähnlichen  zur  Wurzel  des  Flügels;  die  innere 
verläuft  in  der  Flügelmitte,  die  äussere  1  —  i^j.)  mm.  vor  den 
dunklen  langgezogenen  Saumpunkten,  in  den  Afterwinkel  mĂĽn- 
dend. Der  Mittelfleck,  der  vor  der  ersten  Querlinie  steht,  ist 
unregelmässig  dreieckig,  ziemlich  gross. 

Der  Saumrand  der  Flügel  ist  von  einer  schmalen  bräun- 
liehen Linie  begrenzt.  Die  Fianzen  sind  schmutzig  weiss,  mit 
bräunlichem  Glanz,  und  im  ersten  Drittel  mit  unregelmässig 
dreieckigen  bräunlichen  Fleckchen. 

Die  Unterseite  der  VorderflĂĽgel  ist  dunkel  graubraun;  die 
der  HinterflĂĽgel  weisslich  mit  grauem  Ton  und  undeutlich 
durchscheinenden  Zeichnungen  der  Oberseite. 

23 


354 

Abdomen  und  Beine  dĂĽnn  und  anliegend  beschuppt; 
ersteres  weiss,  letztere  schmutzig  weiss  bis  grau  oder  bräun- 
lich, die  Vorderschenkel  und  Schienen  sogar  schwärzlich, 
ebenfalls  die  Vordei-tarsen  dunkler  als  die  Mittel-  und  Hinter- 
tarsen. 

Ich  fing  diese  Art  in  einem  r^  Ende  April  1874  in  der 
Banda  Oriental  del  Uruguay,  in  einer  Canada  (Sumpflache 
zwischen  p]rhöhungeu  des  Bodens),  wo  es  10  Uhr  Vormittags 
bei  Sonnenschein  lebhaft  an  den  Sumpfpflanzen  (Eichhornia 
azurea  Knth.,  Pontederia  nymphaeifolia  und  Hydro- 
cotyle  Bonariensife  Lam.)   umhertlatterte. 

20.    Parapoynx  efFrenatalis  Nob. 

$.  Alba  fuseo  subconspei'sa;  palporum  articulo  secundo 
exterius  fuscescenti;  alis  fasciis  duabus  luridis  marginem  ex- 
teriorem  versus  denticulatis ,  linea  marginali  nigro-fusca.  — 
Exp.  al.  ant,  20  mm. 

Ebenso  wie  die  vorhergehende  ohne  Rippe  8  der  Hinter- 
flĂĽgel. Die  Form  der  FlĂĽgel  wie  bei  P.  stratiotalis  HĂĽbn. 
Grundfarbe  weiss,  hie  und  da  lehmgelblich  angeflogen. 

Kopf  weiss,  in  der  Mitte  anliegend  beschuppt;  an  den 
Seiten  die  Schuppen  etwas  erhoben.  Die  Palpen  sind  in  der 
Mitte  aussen  bräunlich.  Fühler  gelbhchweiss,  die  Glieder  stark 
vortretend. 

Thorax  und  Abdomen  schmutzig  weiss  mit  eingemischten 
bräunhchen  und  lehmgelben  Schuppen,  ersterer  vorn  mit  un- 
deutlichem weissem  Querbande. 

Vorder-  und  Hintei-flĂĽgel  weiss,  mit  breiter,  lehm-  oder 
fchmutziggelber  Binde  vor  dem  Saume  und  ähnlich  gefärbtem, 
dieser  parallel  laufendem  äusserem  Querstreif,  welcher  um  die 
Querader  einen  Bogen  machend  auf  den  VordertlĂĽgeln  weit 
wurzelwärts  zum  Innenrande  zieht  und  auf  den  Hinterllügeln 
mehr  grau  in  der  Färbung  und  undeutlicher  ist,  auch  ge- 
streckter verläuft.  Diese  Querstreifen  sind  gegen  den  Saum 
scharf  gezackt  und  heben  sich  in  dem  weissen  Grunde  gut  ab. 

Die  VorderflĂĽgel  mit  dunklen  Schuppen  im  Mittelfelde, 
welche  sich  auf  der  Querader  zu  einem  Fleckchen  gruppiren 
und  in  Zelle  1  b  Verdunkelungen  erzeugen.  Das  Wurzelfeld 
bei  meinem  Exemplar  theilweise  abgerieben ,  jedoch  auch  mit 
dunklen  Atomen. 

SauniHnie  schwarzbraun,  der  äussere  Saumrüud  selbst 
lehmgelblich ,  der  Raum  zwischen  beiden  schmal  weiss.  Fran- 
zen  weisslich  mit  undeutlicher,  breiter,  gelblicher  Theilungslinie. 


355 

Die  Unterseite  der  Flügel  Avie  oben,  aber  in  allen  Fär- 
bungen und  Zeichnungen  sehr  matt.  Mittelpunkte  keine  vor- 
handen. 

Unterseite  des  Körpers  und  die  Beine  weiss,  ohne  weitere 
Auszeichnung. 

Von  dieser  Art  habe  ich  ein  $  vor  mir,  das  ich  Anfangs 
März  d.  J.  in  Cordova  fing.  Ein  paar  Stücke  deiselben  Spe- 
cies  sah  ich  auch  in  der  Insektensamnilung  der  Academia 
Nacional  de  Ciencias  Exactas  daselbst. 

Buenos  Aires,  Mitte  December   1875. 


REGISTER. 


Botis  amiculatalis  n.  spec No.  2 

„      matutinalis  Guen ^^  9 

„      phaeopteralis  Guen ^^  G 

„      phoenicealis  Hübn ^^  3 

„      pruiualis  Led ,,  7 

„      ruralis  Scop „  8 

„      suavidalis  n.  spec ,,  4 

„      tinctalis  Led ,,  5 

Chromodes  armeniacalis  Guen n  12 

Chrysauge  bifasciata  Walk ,,  1 

Coenostola  apicahs  Led n  ^^ 

Euryereon  evanidalis  Berg ::  '0 

„          rautalis  Guen .      .      .  „  11 

Glyphodes  sibillahs  Walk ii  '^^ 

Huterodes  Ausonia  Cram n  ^3 

Parapo^iix  ellrenatalis  n.  spec ii  ~^ 

„          indomitalis  u.   spec ^i  1^ 

Pilocroeis  amissalis  Guen n  ^^ 

Syngamia  tlorella  Crani ^i  ^^ 

Synclera  traducalis  Zell •  •)■>  ^^ 


23* 


356 


Neue  Dytisciden, 

beschrieben  von   E.   Vif  e  h  n  c  k  e. 


(Foi'ts.  V.  ö.  197.) 

Cnemidotus  festivus. 

Rotundatus,  brevis,  pallide  testaceiis,  prothoraee  sparsiiii 
punctato,  basi  utviuque  foveolato,  elytris  punctato-stiialis, 
interstitiis  rugoso-punctatis,  basi,  «utuni  et  inaeulis  14  piceis. 
Long.   2^1^  mm. 

Eine  zierliche,  bellgelbe  Art,  dem  C.  duodecim-punctatu.s 
Sa}^  am  nächsten,  doch  ist  sie  um  die  Hälfte  kleiner,  von 
mehr  rundlicher  Form,  und  durch  eine  auf  jeder  Seite  ander 
Basis  des  Halsschildes  belindliche   Grube  ausgezeichnet. 

Der  Kopf  ist  klein  und  hat  ziemlich  grosse  vorstehende 
Augen,  deren  Zwischenraum  lein  punktirt  ist.  Das  Halsschild 
ist  kurz,  auf  der  Mitte  weitläutig,  nach  den  Rändern  zu  dichter 
und  stärker  punktirt;  an  der  Basis  befindet  sich  jederseits 
eine,    von  einigen  grösseren  Punkten    gebildete,    tiefe  Grube. 

Die  Flügeldecken  sind  rundlich  vor  der  Spitze  abgeschrägt, 
ĂĽberall  fein  runzelig  punktiit,  mit  neun  Reihen  Punkte  ver- 
sehen, die  an  der  Basis  gross  sind,  nach  hinten  zu  kleiner 
werden.  Die  Basis,  die  Nath,  ein  gemeinschaftlicher  Fleck 
au  der  Spitze,  sowie  sieben  Flecke,  einer  hinter  der  Schulter 
an  der  Seite,  ein  anderer  vor  der  Mitte,  zwei  hinter  diesem, 
und  drei  vor  der  Spitze  ein  Dreieck  bildend,   dunkelbraun. 

Unterseite  und  Beine  mit  Ausnahme  der  bräunlichen 
Hinterschenkel  gelb. 

Vaterland:  Texas. 

Vatellus  lentus. 

Oblongo-ovalis,  crebre  punctatus,  thorace  rufo-testaceo, 
elytris  fuscis,  apice  rufo-teslaeeis,  tenuiter  pubescens,  pedibus 
testaceis.     Long.   3i|'._)   mm. 

Von  länglicher  Form   mit  schwach  abgetlachtem   Rücken. 

Kopf  rothgelb  init  iielleren  P'ĂĽhlern  und  Tastern,  fein 
und  sparsam  punktirt,  und  an  der  Vorderseite  neben  den 
Augen  mit  einem   flachen  Eindrucke  versehen. 


357 

Halsschild  zweimal  so  breit  als  lang,  die  Seiten  gerundet, 
Vorderwinkel  abgerundet,  die  hinteren  fast  rechtwinklig,  ĂĽberall 
ziemlieh  stark  und  dicht  punktii't,  rothgelb  mit  braunem 
Hinter  rande. 

Flügeldecken  länglich  oval,  vorne  nicht  breiter  als  die 
Basis  des  Halsschildes,  in  der  Mitte  erweitert,  nach  hinten 
verschmälert,  dicht  und  stark  punktirt,  überall  dünn  behaart, 
dunkelbraun  von  Farbe  mit  hellerer  Spitze. 

Die  Unterseite  braunroth,  stark  aber  weitläufig  punktirt. 
Beine  hellgelb. 

Vaterland :    Portorico. 

In  den  Sammlungen  als  Hydroporus  lentus  Erichs,  in  lit. 
verbreitet. 

Vatellus  Haagi. 

Oblongo-ovalis,  crebre  punctatus,  thorace  fusco,  basi 
transverse  impresso,  elytris  fuscis  vel  flavo-ferrugineis  obsolete 
rufo  maculatis,  apice  pedibusque  rufis.     Long.   5  mm. 

Länglich  oval,  gewölbt,  auf  dem  Rücken  etwas  abgeflacht. 

Kopf  klein,  rothbraun  mit  helleren  FĂĽhlern  und  Tastern, 
die  Stirn  fein  und  weitläufig,  neben  den  Augen  stärker  und 
dichter  punktirt,  an  der  Vorderseite  der  Augen  mit  einem 
kleinen  Eindrucke. 

Halsschild  rothbraun,  am  Hinterrande  etwas  dunkler, 
doppelt  so  breit  als  lang,  die  Seiten  gerundet,  nach  hinten 
verschmälei't,  Vorderwinkel  abgerundet,  die  hinteren  fast 
rechtwinkelig,  ĂĽberall  dicht  punktirt  und  in  der  Mitte  vor 
dem  Hinterrande    durch    eine    tiefe  Querfurche  ausgezeichnet. 

Flügeldecken  länglich  oval,  an  der  Basis  viel  breiter  als 
das  Halsschild,  ĂĽberall  sehr  dicht  und  ziemlich  stark  punktirt, 
etwas  dunkler  als  Kopf  und  Halsschild;  der  äussere  Rand,  ein 
unbestimmter  Fleck  an  der  Basis,  drei  am  Seitenrande  befind- 
liche Flecke,  ein  grösserer  hinter  der  Schlüter,  ein  zweiter 
in  der  Mitte,  ein  kleinerer  hinter  diesem  sowie  die  Spitze 
röthlich.  Die  LTnterseite  ist  braun,  die  Beine  roth,  an  den 
Hinterbeinen  die  Schienen  bräunlich. 

Vaterland':  Brasilien,  Corrientes. 

Diese  ausgezeichnete  Art  emj>nng  ich  von  Dr.  Haag  in 
Frankfurt  a.   M. 

Trogus  Godeffroyi. 

Ovalis,  postice  dilatatus,  subdepressus,  supra  olivaceus, 
labro,    prothoracis    margine    laterali,    elytrorumque  vitta  sub' 


358 

marginali  luteis,  corpore  subtus  nigro-piceo,  pedibus  antieis 
pallidis.     Long.   33  —  34   mm. 

Mas  et  fem.  thorace  elytrisque  laevibus. 

Dem  T.  limbatus  Fabr.  ähnlich,  jedoch  erhebhch  kleiner, 
auf  dem  RĂĽcken  flacher,  durch  den  ganz  gelben,  umgeschla- 
genen Rand  der  FlĂĽgeltlecken  besonders  abM'eichend. 

Eiförmig,  nach  hinten  stark  verbreitert,  die  Oberseite 
flach  gewölbt,  dunkel  olivengrün.  Der  Vorderkopf,  die  Seiten 
des  Halsschildes,  eine  neben  dem  Seitenrande  fortlaufende 
Binde  auf  den  FlĂĽgeldecken,  sowie  der  ganze  umgeschlagene 
Rand  der  FlĂĽgeldecken  gelb. 

Die  Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  pechschwarz,  die 
Vorderbeine  gelb,  die  Tarsen  der  Mittelbeine  bräunlich. 

Vaterland:  Australien,  Brisbane,  Cap  York. 

Von  Daemel   gesammelt. 

Trogus  Haagi. 

Oblongo-ovalis ,  convexiusculus ,  supra  olivaceus,  protho- 
racis  elytrorumque  liml)0  laterali  late  luteis,  subtus  nigro 
piceus,  pedibus  antieis  lestaceis.     Long.   24  mm. 

Von  T.  tripunctatus  Oliv.,  dem  diese  Art  am  nächsten 
steht,  durch  eine  gewölbtere,  mehr  gleichbreite  Form  und  die 
ganz  pechbraune  Untei'seite  verschieden,  die  bei  tripunctatus 
gelbliche  Seiten  der  Mittelbrust  zeigt. 

Oval,  nach  hinten  nur  wenig  verbreitert,  gewölbt,  dunkel- 
olivengrĂĽn,  der  Vorderkopf,  die  Seiten  des  Halsschildes  und 
der  Flügeldecken  breit  gelb  gesäumt.  Das  Halsschild  vor  dem 
Schildchen  etwas  eingedrĂĽckt  und  die  FlĂĽgeldecken  nach 
hinten  mit  kleinen  punktförmigen  Grübchen  ziemlich  dicht 
besetzt. 

Die  Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  dunkelbraun,  die 
Vorderbeine  gelblichroth. 

Vaterland:  Nubien. 

Meinem  Freunde  Dr.  Haag  in  Frankfurt  a.  M. ,  dem  ich 
diese  Art  verdanke,  gewidmet. 

Trogus  natalensis. 

Ovalis,  depressiusculus,  supra  nigro-olivaceus,  subtus  testa- 
ceus,  labro,  thoracis  limbo,  eljtrorum  margine,  pedibusque 
luteis,  femoribus  posterioribus  basi,  tibiisque  fuscescentibus. 
Long.  22  mm.  Fem.  Elytrorum  margine  laterali  subtilissime 
irregulariter  striolato. 


359 

Von  T.  scutellaris  Germ.,  dem  diese  Art  am  nächsten 
verwandt  ist,  durch  eine  viel  kĂĽrzere  und  breitere  Form  un- 
terschieden. EitVirmig,  hinter  der  Mitte  am  breitesten,  dunkel- 
ohvengrĂĽn,  die  Seiten  des  Halsschildes  und  der  FlĂĽgeldecken 
gelb  gesäumt. 

Unterseite  mit  den  Beinen  gelb,  an  den  Hinterbeinen  die 
Wurzel  der  Schenkel  sowie  die  Schienen  bräunlich. 

Die  Flügeldecken  der  Männchen  sind  glatt,  die  der  Weib- 
chen an  den  Seiten  gestrichelt. 


Port  Natal. 


Trogus  nigripes. 


Ovalis,  postice  dilatatus,  apicem  versus  rotundatus,  con- 
vexiusculus,  nitidus,  supra  et  subtus  nigro-piceus,  elytris 
postice  rugulosis.     Long.  20  mm. 

Von  der  Form  des  Tr.  irritans  Dohrn,  und  von  dieser 
Art  und  dem  ihm  gleichfalls  nahestehenden  notasicus  Aube 
durch  die  ganz  schwarzen  Beine  unterschieden. 

Oval,  stark  gewölbt,  hinter  der  Mitte  etwas  erweitert, 
bis  auf  den  bräunlichen  Mund  ganz  schwarz  gefärbt.  Kopf 
und  Halsschild  fein  punktirt,  letzteres  am  Hinterrande  und 
neben  den  Seiten  fein  längsgestrichelt.  Flügeldecken  mit  drei 
Reihen  grösserer  Punkte,  auf  der  hinteren  Hälfte  fein  ge- 
runzelt. 

Diese  schöne  Art  stammt  aus  Borneo  und  wurde  mir  von 
Herrn  Fetting  mitgetheilt. 

Trogus  Steinheili. 

Ovalis,  postice  subdilatatus,  apicem  versus  late  rotundatus, 
depressiuseulus,  supra  nigro-olivaceus ,  iabro,  prothoracis  limbo 
laterali,  elytrorum  macula  obliqua  apicali  rufo-luteis;  corpore 
subtus,  pedibusque  piceis,    anticis   rufo-luteis.     Long.   23  mm. 

Mas  et  fem.  thorace  elytrisque  laevibus. 

In  der  Farbe  dem  Tr.  laevigatus  Ol.  sehr  ähnlich,  aber 
etwas  grösser,  flacher  und  mehr  gleichbreit,  in  der  Form  mit 
Tr.  latus  Fabr.  ĂĽbereinstimmend;  auch  sind  die  Weibchen, 
welche  sowohl  bei  laevigatus  als  latus  dicht  punktförmig  ge- 
strichelt sind,  bei  dieser  Art  ganz  glatt. 

Von  ovaler,  flacher  Form,  hinter  der  Mitte  nur  wenig 
verbreitert.  Die  Oberseite  schwarzgrĂĽn,  der  Mund,  die  Seiten 
des  Halsschildes  und  eine  Makel  vor  der  Spitze  der  FlĂĽgel- 
decken, welche  zuweilen  sehr  undeutlich  wird,  rothgelb. 


360 

Die  Unterseite  mit  den  Hinterbeinen  ist  pechbraun,  die 
Vorderbeine  sind  geJbroth. 

Vaterland:  Neu-Granada,  Medeliin. 

Nach  Herrn  E.  Steinheil  in  MĂĽnchen  benannt,  der  mir 
diese  Art  freundlichst  mittheilte. 


Histoire  naturelle  des  Insectes. 

Species  General  des  Lepidopteres  Heteroceres 

par 
M.  M.  Boieduval  et  dienee. 


Tome  Premier  iSphiiigides,  Sesiides,  Castniides.  Par  M. 

le  Docteur  J.  A.  Roisduval.  —  Paris  Librairie  Encyclopedique 

de  Roret.  1874. 

ist  der  Titel  des  neuesten  und  wahrscheinlich  letzten  Werkes 
des  berĂĽhmten  Lepidopterologen,  welcher  in  neuester  Zeit 
seine  grosse  Sammlung  verkauft  und  damit  wohl  fernerer  Be- 
schäftigung mit  der  Entomologie  entsagt  hat. 

Da  aufTallender  Weise  bisher  noch  keine  Recension  dieses 
Werkes  erfolgt  ist,  will  der  Unterzeichnete  dasselbe  einer 
kurzen  Besprechung  unterziehen. 

In  der  Vorrede,  datirt  vom  März  1874,  sagt  der  Ver- 
fasser, dass  das  Werk  bereits  vor  20  Jahren  begonnen  und 
1868  beendet,  seine  Herausgabe  aber  durch  die  politischen 
Verhältnisse  der  letzten  Jahre  verzögert  worden  sei. 

Das  Werk  enthält  excl.  Vorj-ede  und  systematisches  Ver- 
zeichniss  558  Seiten  Text  und  1 J  colorirte  Kupfertafeln,  und 
es  werden  in  demselben  an  Sphingiden  484  Arten  in  6  Tribus 
und  52  Gattungen,  Sesiiden  incl.  die  Gattungen  Stygia,  Atychia, 
Thyris  und  Pachythyris  187  Arten  in  3  Tribus  \md  15  Gat- 
tungen, Caslniiden  78  Arten  in  2  Tribus  und  5  Gattungen 
beschrieben. 

Die  Sphingiden  beginnen  mit  der  Gattung  Acherontia  und 
schliessen  mit   Dasyphinx. 

Ueber  BegrĂĽndung  und  Zusammenstellung  der  einzelnen 
Gattungen,  sowie  über  deren  Reihenfolgo  enthält  sich  Schrei- 
ber dieses  eines  Urtheils;  es  scheint  ihm,  als  wenn  die  Sphin- 
giden   ĂĽberhaupt   an  scharfen  Gattungscharakteren  nicht  allzu- 


361 

reich  wären  und  dadurch  dem  Systematiker  mancherlei  Schwie- 
rigkeiten bei  Aulstellung  eines  möglichst  vollkommenen  Systems 
in  den  Weg  legten. 

Ueber  allzugrosse  Gattungsfabiikation  in  diesem  Werk 
darf  man  abei*  bei  so  artenreichen  Gattungen  wie  Sphinx  mit 
61,  Chaerocampa  mit  84,  Macvoglossa  mit  72,  Sesia  mit  138 
und  Castnia  mit  53  Arten  nicht  klagen;  unsre  Herren  trans- 
atlantischen Collegen  wĂĽrden  hier  ein  reiches  Feld  fĂĽr  Auf- 
stellung zahlreicher  neuer  Gattungen  gefunden  haben!   — 

Ein  Mangel  scheint  es  dem  Berichterstatter  zu  sein,  dass 
bei  den  einzelnen  Gattungen  nie  die  Jahreszahl  der  Aufstellung 
und  eben  so  wenig  ein  NachM^eis  darĂĽber,  wo  dieselbe  zuerst 
geschehen  ist,  gegeben  worden  ist.  Am  meisten  emplindet 
man  diesen  Mangel  bei  solchen  Gattungen,  deren  bisher  ge- 
bräuchliche und  allbekannte  Namen  durch  neue  von  dem  Ver- 
fasser siibstituirte  Benennungen  verdrängt  wurden,  z.  B. 
Eucheryx  Bdv.  =  Calliomma  Bdv.  od.  Walk.;  Madoryx  Bdv.  = 
Hemeroplanes  Hb.;  Everyx  Bdv.  =  Otus  Hb.,  Darapsa  Wlk. 
Nur  bei  einzelnen  Gattungen,  z.  B.  bei  Epistor  Bdv.  werden 
GrĂĽnde  angegeben,  warum  der  frĂĽhere  Name,  in  diesem  Fall 
Enyo  Hb.,  verworfen  wurde. 

Die  Arten  sind,  soweit  sie  dem  Verfasser  in  Natur  be- 
kannt waren,  meist  gut,  wenn  auch  zuweilen  etwas  kurz, 
beschrieben;  ihm  fremde  Arten  hat  er  nach  den  vorhandenen 
Abbildungen  oder  Beschreibungen  beschrieben,  freilich  sind 
erstere,  z.  B.  bei  Gramer,  zuweilen  herzlich  schlecht. 

Wo  dem  Verfasser  die  ersten  Stände  bekannt  waren, 
sind  auch  ĂĽber  diese  Mittheilungen  gemacht. 

Die  anscheinend  fehlende  Daremma  Undulosa  Wlk.  aus 
Nordamerika  fĂĽhrt  Verfasser  als  Sph.  Brontes  Dr.  an,  wie  aus 
dem  Citat:  Boisdv.  Spec.  Gener.  PI.  15  F.  6  hervorgeht,  er 
hält  entgegen  Grote  (Proceed.  Ent.  Soc.  Philad.  1865  p.  60) 
diese  Art  fĂĽr  Brontes  Drury  und  sagt,  dass  er  die  von  Grote 
1.  c.  PI.  1  F.  5  als  Brontes  Dr.  abgebildete,  von  Cuba  stam- 
mende Art  nicht  kenne.  Pergesa  (Oreus)  Thorates  Hb.  Ztg. 
wird  als  Eucheryx  Croesus  Dalm.  aufgefĂĽhrt.  Wenn  diese  Art 
in  den  Analecta  entomologica ,  welche  ich  nicht  kenne,  die 
aber  1823  erschienen,  beschrieben  ist,  so  wĂĽrde  der  Name 
Crösus  allerdings  die  Priorität  haben;  denn  das  dritte  Hundert 
von  Hübner's  Zuträgen,  in  welchem  F.  525/26  Thorates  abge- 
bildet ist,  erschien   1825. 

Die  schwächste  Parthie  des  Buches  in  systematischer  Hin- 
sicht sind  entschieden  die  Sesiides;  denn  hier  wird,  ohne  dass 
die    wissenschaftlichen    Ergebnisse    der    neueren    Zeit    nur    im 


362 

Geringsten  berileksichtigt  wären,  auf  den  Standpunkt,  welchen 
die  Systematik  vor  25  Jahren  einnahm,  zurĂĽckgegangen  und 
die  Cossidengattung  Stjgia  Ltrll.,  sowie  die  Tineengattung 
Atychia  Ltrll.  (Chimaera  Ochs.)  zu  den  Sesien  gestellt.  Dass  in 
diesen  beiden  Gattungen  mehrere  dei-  zu  den  Europäern  ge- 
zählten Arten  fehlen,  ist  durch  den  verspäteten  Druck  nach 
Abschluss  des  Werkes  zu  erklären;  einige  Arten  wie  Stj'gia 
Colchica  H.  S.  (1852),  Atychia  Candefacta  Led.  (1858),  Dia- 
cona  Led.  (1858),  Cassandrella  Stdgr.  (1859),  Laeta  Stdgr. 
(1863)  hätten  aber  wohl  angeführt  werden  können. 

Eine  grosse  Anzahl  exotischer  Sesien  sind  mit  Walker'schen 
Beschreibungen  au fgefĂĽhrt. 

Von  Castnien  besitzt  Schreiber  dieses  ein  viel  zu  geringes 
Material,  um  sich  ein  Urtheil  ĂĽber  deren  systematische  Anord- 
nung erlanlien  zu  dĂĽrfen. 

Als  ein  beim  Gebrauch  des  Buches  sehr  empfindlicher 
Mangel  muss  das  Fehlen  eines  alphabetischen  Registers  be- 
zeichnet werden;  das  am  Schluss  gegebene  systematische  Ver- 
zeichniss  mit  den  einzelnen  Arten  beigesetzten  Seitenzahlen 
kann  jenen  Mangel  nicht  beseitigen;  wer  das  Buch  öfters  ge- 
braucht, ist  geradezu  geniithigt,  will  er  beim  Nachschlagen 
nicht  viel  Zeit  unnĂĽtz  verlieren,  sich  ein  Register  anzufertigen. 
Cocytia  d'Urvillei  Bdv.    ist    merkwĂĽrdiger  Weise  weggelassen. 

Die  Figuren  der  Kupfertafeln,  unter  ihnen  mehrere  Rau- 
pen und  Puppen,  theilweis  Copien  aus  Abbot,  sind  schön  aus- 
gefĂĽhrt. 

Der  Preis  des  Werkes,  M.  15.  —  ,  ist  ein  sehr  massiger 
zu  nennen. 

Jedenfalls  ist  das  Werk,  unbeschadet  seiner  schwachen 
Parthien ,  ein  sehr  brauchbares  und  fĂĽr  den  Lepidopterologen, 
welcher  sich  mit  exotischen  Schwärmern  befasst,   unentbehrlich. 

H.  B.   Mö seh  1er. 


363 


Neue   Cla vicornien, 

beschi'ieben 
von  JEdni.  JReittei*. 


Litargus  sexnotatus  n.  sp. 

Oblongo-ovalis ,  subdepressiis ,  pubescens,  fuscus,  prothora- 
cis  maigine  tenui  prope  angulos  posticos  et  eljtris  punctis 
tribus  luteo-testaceis.     Long.   2  mm. 

Pati-ia:  Monrovia  (Mus.   Dohrn). 

Länglieh  oval,  ziemlich  flach  gediälckt,  dicht  und  fein 
punktii-t,  mit  sehr  kurzer  und  feiner,  anliegender  Behaarung 
dicht  bekleidet,  schwarzbraun,  wenig  glänzend.  Fühler  und 
Beine  braungelb.  Das  Halsschild  ist  fast  doppelt  so  breit  als 
lang,  nach  vorne  stark  verengt,  am  Hinter rande  leicht  zwei- 
buchtig  und  hier  gerade  so  breit  als  die  Wurzel  der  FlĂĽgel- 
decken. Der  Seitenrand  in  der  Nähe  der  Hinterwinkel  schmal 
gelb  gesäumt;  die  letzteren  selbst  scharfeckig.  Jede  Flügel- 
decke mit  3  gelben  Makeln,  deren  oberste  in  der  Mitte  ganz 
an  der  Wui'zel  derselben,  die  zweite  knapp  vor  der  Mitte 
der  Decken  gegen  die  Nath  gerĂĽckt  und  die  dritte  vor  der 
Spitze  in  gleicher  Stellung  mit  der  zweiten  sich  befindet.  Die 
Behaarung  ist  braunschwarz,  auf  den  gelben  Makein  gelb. 
Ebenso  sind  feine  etwas  längere  Haarreihen,  wie  bei  den 
meisten  Arten,  bemerkbar. 

Diese  Art  steht  dem  Litarg.  coloratus  Ros.  in  der  Körper- 
form, Art  der  Punktirung  und  Behaarung  sehr  nahe,  entfernt 
sich  jedoch,  sowie  von  sämmtlichen  bekannten  Arten,  durch 
die  Zahl  und  Stellung  der  runden  Makeln  auf  den  FlĂĽgeldecken. 

Aethinopa  '')  calva  n.  sp. 

Brevis,  subovalis,  parum  convexa,  nigra,  modice  nitida, 
supra  glabra,  confertim  punctata,  eljtris  subserlatim  punctatis, 
piceis,  sat  dense  fulvo- vestitis ;  prothorace  transverso,  basi  utrinque 


•*)  Aethinopa  n.  gen.  Siehe  „Vei'handlungen  des  Naturforschenden 
Vemns  in  Brunn.    XIII. 


364 

sinuato,  angulis  posticis  subrectis,  obtusiusculis,  apice  parum 
prominulis,  lateribiis  fiilvo-pilosis  aiitice  lotundatirn  angiistato. 
Elytra  brevia,  apice  subroliindatim  triineata  et  tenuiter  fenu- 
gineo  limbata,  lateribiis  ciliatis.  Pygidium  haiid  foitius  piin- 
ctatum.     Long.   5.7  mm. 

Patria:  Monrovia  (Mus.   Dohrn). 

Von  Aethinopa  fiilvovestita  m.  nur  dm-ch  die  Färbung 
und  geringe  Behaarung  der  Oberseite  verschieden. 

Eine  dritte  Art  ist  noch  folgende: 

Aethinopa  rustica  n.  sp. 

Brevis,  subovata,  minus  convexa,  nitidula,  sat  dense  bre- 
viter  fulvo-vestita ,  nigra,  subtus  picea,  antennis  pedibusque 
piceo-rutis;  capite  prothoraceque  confertim  subtiliter  })unctatis, 
hoc  transverso,  basi  utrinque  sinuato,  angulis  posticis  rotun- 
datis  subproduetis,  lateribus  antice  rotundatim  angustato;  scu- 
tello  dense  subtiliter  punctulato;  elytris  brevibus,  apice  subro- 
tundato-truncatis  et  tenuiter  ferrugineo  limbatis,  lateribus  ciliatis, 
supra  crebre,  distincte,  subseriatim  punctatis.  Pygidium  minus 
dense  et  subtilius  punctatum.     Long.   4.5  —  4.8  mm. 

Patria:  Madagascar?  (Mus.   Reitter). 

Die  dreizehn  Arten  dieser  Gattung,  welche  ich  bis  jetzt 
kenne,  sind  einander  sehr  ähnhch.  Punktirung  und  Behaarung 
weicht  bei  den  einzelnen  wenig  ab.  Die  vorliegende  Art  un- 
terscheidet sich  von  Aeth.  fulvovestita  hauptsächlich  durch  die 
Färbung,  durch  etwas  kräftigere  Punktirung  der  Flügeldecken 
und  wenig  gebräunte  Fühlerkeule.  Von  Calva  entfernt  sie 
sich  durch  etwas  kleinere  Körperform  und  deutliche  Behaarung 
der  Oberseite,  endlich  durch  die  Färbung  der  Fühler  und 
Beine. 

Angeblich  aus  Madagascar.  1  St.  in  meiner  Sammlung 
(Schaum). 

Telmatophilus  analis  n.  sp. 

Elongato-lincaris,  leviter  convexus,  nitidulus,  rufo-fervu- 
gineu.s,  sat  dense  minus  breviter  helvolo  pubescens,  dense 
profundeque  punctatus;  prothorace  leviter  transverso,  lateribus 
tenuiter  incrassatis,  inlegris,  band  c renalis,  subrectis,  basi 
utrinque  sinuatis,  foveola  basali  lata,  obliqua,  angulis  posticis 
fere  rectis,  dorsf)  dense  fortilcr  punctato;  elytris  thorace 
paululum  latioribus,  elongatis,    subparallelis ,    apice    rotundatis, 


365 

dorso  ante  medium  tvansversim  impressis,  minus  fortitev-apieem 
versus  subtilius  et  parcius  punctatis,  apiee  determinate  nigris. 
Oculis  conicis,  aeuto-produetis.  Sterno  dense  tbveolatim 
punctato.     Long.   2  mm. 

Fat  via:  Chili  (Mus.   Dolirn). 

Cryptopliaguw  analis  Germain  i.  litt. 

Eine  neue  leicht  kenntliche  Art.  In  der  Grösse  und 
Körperform  kommt  sie  dem  T.  Typhae  gleich,  weicht  aber 
von  allen  bekannten  Arten  in  mehrfacher  Hinsicht  ab.  Hell 
rostroth,  wenig  gewölbt,  glänzend,  gelblich,  ziendich  dicht 
und  grob  behaart,  nur  die  Augen  und  die  gut  begrenzte  Spitze 
der  Flügeldecken  (schwarz.  Fühler  kräftig,  mit  gut  abgesetzter 
3-gHederiger  Keule,  so  lang  als  Kopf  und  Halsschild  zusam- 
men. Halsschild  um  1/3  breiter  als  lang,  knapp  vor  der  Mitte 
am  breitesten,  die  Seiten  ziemlich  gerade,  mit  deutlich  ver- 
dicktem, glattem  Rande,  die  Basis  ist  jederseits  gebuchtet,  die 
Scheibe  xov  dem  Hinterrande  einfach,  ziemhch  tief  und  schräg- 
eingedrückt,  ohne  Fältchen,  wie  bei  den  meisten  bekannten 
Telmatophilus-Arten.  Ausserdem  ist  die  Oberseite  des  Hals- 
schildes sehr  stark  und  dicht  punktirt;  die  Hinterecken  sind 
rechtwinkelig.  Das  Schildchen  quer,  etwas  grösser  als  bei  den 
anderen  Arten.  FlĂĽgeldecken  wenig  breiter  als  das  Haischild, 
ziemlich  gleichbreit,  doppelt  so  lang  als  zusammen  breit,  an 
der  Spitze  gemeinschaftlich  gerundet,  die  Scheibe  vor  der 
Mit-te  jederseits  tief  quer  eingedrückt,  schwächer  und  etwas 
weniger  dicht  aln  das  Halsschild  punktirt,  gegen  die  Spitze 
wird  die  Punktirung  noch  feiner  und  weitläuiiger.  Die  ganze 
Brust,  besonders  das  Prosternum  in  seiner  ganzen  Ausdehnung 
sehr  grob,  fast  grubenartig  punktirt.  Augen  stark  kegelförmig 
zugespitzt  vorragend.  An  den  FĂĽssen  ist  das  dritte  Glied  un- 
deutlicher gelappt. 

Die  Form  der  Augen,  der  Bau  des  Halsschildes  und  der 
FĂĽsse  weichen  zwar  von  den  bekannten  Telmatophilus-Arten 
bedeutend  ab;  so  lange  jedoch  diese  Art  vereinzelt  dasteht, 
ist  es  nicht  angezeigt,  auf  dieselbe  eine  besondere  Gattung  zu 
errichten, 

Telmatophilus  tropicus  Kirsch,  aus  Peru  (Berl.  Zeitschr. 
1873,  Pg.  150)  gehört  jedenfalls  nicht  in  diese  Gattung,  son- 
dern ist  wahrscheinlich  ein  Loberus  und  vielleicht  mit  meinem 
L.  Horalis  oder  undulatus  identisch. 

Prioschema  nov.  gen. 

Labrum  magnum,  transversum,  integrum;  angulis  rotundatis.' 
Antennae    capite   parum   lougiores,  aiticulis  duobus  primis 


366 

inerassatis,  ceteris  tenuioribus,  subquadratis,  clava  3-ai-ticulata, 
minus  abnipta,  obloiigo-ovali. 

Oculi  iimgiii,  apieeui  Ihoracis  altingentes. 

Meutuin  transversum ,  apiee  tiuncatum. 

Maiidibulae  apice  tenues,  simplices. 

Stenium    latissimum ;    prostei'iium    cum    melasterno  avcte 
conjunctum;  mesosternum  oeeultum. 

Segmentum  anale  simplex. 

Pedes  valde  distenti,  tibiae  tenues,  muticae. 

Tarsi  omnes  simplices,  artieulo  quarto  pavum  minore. 

Unguiculi  simplices. 

Corpus  minutissimum ,  ut  in  gen.  Pria  formatum. 

Eine  neue  Gattung  von  der  Körperform    einer  sehr  klei- 
nen Pria. 

Die  Oberlippe  deutlich,  gross,    ganzrandig,    von  der  hor- 
nigen Beschaflenheit    der  Stirn,    mit    blasseren    Rändern    und 
abgerundeten  Winkeln.     Der  Vorderrand   der  Stirn  ist  in  der 
Mitte  schwach  ausgebachtet,  die  Scheibe  ist  vollkommen  eben. 
FĂĽhler  an  den  Seiten,    vor    den   grossen  am  Hinterrande    den 
Thorax  stark  berĂĽhrenden  Augen,    eingefĂĽgt,    nur  wenig  die 
Länge  des  Kopfes  überragend,    also    ziemlich  kui-z  und  dünn; 
die  beiden  Basalglieder  sind  verdickt,    die    ferneren    zart,    so 
lang  etwa  als  breit,    oder    nur  unmerklich  länger,    die  Keule 
wenig  abgesetzt,  dünn,  länglich-oval,  dreigliederig.   Mandibeln 
zum  grössten  Theile  von  der  grossen  Oberlippe  verdeckt,  mit 
einfacher,  feiner  Spitze.    Mentum  stark  quer,  am  Ende  gerade 
abgestutzt,  die  Maxillen  zum  grössten  Theile  unbedeckt  lassend. 
Die  Endglieder    der  Lippen-    und  Kiefertaster    mit    länglicher, 
allmählich  dünner  werdender  Spitze.    Die  Brust  sehr  breit,  eine 
gleiche  Ebene    bildend,    das  Metasternum   ist  nach  vorn,    das 
Prosternum  nach  rückwärts  ausgezogen,    und  beide  stossen  in 
gerader  (Juerlinie  aneinander;    das  Mesosternum    ist  also  voll- 
ständig unsichtbar.     Die    breite  Brust    bedingt  die  starke  Ent- 
fernung   der  HĂĽften    von    einander;    diese   stark  quer.     Beine 
zart,  die  Schienen  diuni,  unbewehrt,  nur  die  vordersten  haben 
an    der    Spitze     ihrer    Aussenkante     zwei    sehr    kleine    Kerb- 
zähnchen    und    einen    grossen    geraden  Enddorn.     Der  Bauch 
ist  aus  5  Ringen  zusammengesetzt,  wovon  der  erste  und  letzte 
etwas    längei'    sind    als    die   unter  sich  ziemlich  gleich  langen 
mittleren.    Das  letzte  Segment  einfach,  ohne  jene  bei  Melige- 
thes  wahrnehmbaren  bogenartigen  EindrĂĽcke. 

Halsschild  stark  quer,  der  Hintei'rand  leicht  an  die  Wur- 
zeln der  FlĂĽgeldecken  stossend,  und  diese  nicht  ĂĽberragend. 
Sehildchen  kurz  dreieckig.     FlĂĽgeldecken   an  der  Wurzel  von 


367 

der  Breite    des  Halschildes,    nach    rückwärts    stark    gerundet 
verengt,  das  Pygidium   fast  ganz  bedeckend. 

Diese  neue  Gattung  ist  zwischen  Meligethes  und  Xeno- 
strongyhis  einzureihen.  In  meiner  „S3-st.  Eintheilung  der  Niti- 
dularien",  Brunn  1878,  Pg.  57,  musw  demnach  das  Schema 
der  Gattungs-Uebersicht  wie  folgt  erweitert  werden: 

1  a.    Lefze  äusserst  klein,  schwer  sichtbar,    aus  2  abge- 

rundeten häutigen  Lappen  bestehend.  —  Hieher  die 
mit  Prioschema  zunächst  verwandten  Gattungen,  als: 
Crjptoraea,  Pria  und  Meligethes. 

2  a.    Lefze  deutlich ,  hornig. 

a.    Mesosternum  unsichtbar.     Alle  HĂĽften    weit  von 
einander  abstehend.   —  Hieher  die  neue  Gattung 
Prioschema. 
aa.    Mesosternum    deutlieh   sichtbar.     Wenigstens  die 
4  vorderen  HĂĽften    mehr  oder  weniger  einander 
genähert.     Hieher    alle    weiteren  Gattungen  von 
Xenostrongjlus    bis   Hebascus;    also    bis    zu    den 
eigentlichen  Strong3'liden. 
Prioschema    weicht    durch   die  breite  Brust  und  das  ver- 
deckte Mesosternum  von  allen  echten  Nitiduliden  ab,  von  den 
Strongyliden    duicli    Hache   Körperform    und    den    nicht    über 
die  Basis    der    FlĂĽgeldecken    greifenden  Hinterrand    des  Hals- 
schildes. 

Prioschema  Dohrni  n.  sp. 

Oblonge -ovata,  fusca,  obscura,  lateribus  corporis  paullo 
ferrugineo  transparentibus,  antennis  pedibusque  pallidis;  capite 
thoraceque  confertissime  punctulatis  et  brevissime  vix  perspicue 
dense  pubesceutibus,  hoc  transverso,  basi  utrinque  sinuato,  lateri- 
bus fere  rectis  sed  prope  angulos  anticos  rotundatim  angustatis, 
angulis  posticis  rectiusculis;  elytris  ovatis,  subtiliter  bistriatis, 
interstiliis  latis,  aequalibus  et  ut  in  thorace  confertissime  punctu- 
latis et  minuiissime  i)ubescentibus.     Long.    I.5,  lat.   1   mm. 

Patria:  Monrovia  (Mus,  Dohrn). 

Das  Halsschild  ist  doppelt  so  breit  als  lang,  am  Yorder- 
rande  leicht  zur  Aufnahme  des  Kopfes  ausgebuchtet,  der  Hin- 
terrand ist  fein  gerandet  und  doppelbuchtig,  die  Seiten  fast 
gerade,  nur  vom  letzten  Drittel  alj  gegen  die  Voiderwinkel 
gerundet  verengt;  die  Hinterwinkel  klein,  recliteckig.  FlĂĽgel-, 
decken  am  Grunde  von  der  Breite  des  Halsschildes,  ein-  und 
einviertelmal  so  lang  als  zusammen  breit,  kurz  eiförmig,  nach 
rückwärts  verengt,  mit  abgerundeter,  das  Pygidium   fast  ganz 


368 

bedeckender  Spitze.  Die  Oberseite  des  Käfers  ist  braun,  matt, 
die  Seiten  des  Körpers,  namentlich  der  Kopf  und  die  Seiten 
des  Halsschildes,  weniger  die  Spitze  der  FlĂĽgeldecken  heller 
roströthlich  durchscheinend,  die  Unterseite  ist  blasser  gelbbraun, 
mit  lichten  FĂĽhlern  und  Beinen,  nur  das  Metasternum  ist 
dunkler  braun.  Der  ganze  obere  Körper  ist  mit  einer  äusserst 
subtilen  und  gedrängten  Punktirung  und  Behaarung  versehen, 
welche  man  beide  nur  durch  stärkere  Vei-grösserung  wahr- 
nehmen kann,  und  die  als  Ursache  der  Glanzlosigkeit  des- 
selben zu  betrachten  sind;  jede  FlĂĽgeldecke  zeigt  ausserdem 
noch  zwei  gleichmässig  vertheilte  Linien,  welche  schwach  ver- 
tieft ihre  ganze  Länge  durchlaufen. 


Die  Raupe  von  Hadena  Amica  Tr., 

beschrieben 
vom  Oberlehrer  ĂĽiiilenis  in  Ăśorpat. 


Da  diese  Raupe  bisher  noch  nicht  genau  beschrieben  ist, 
gebe  ich  hiermit  zunächst  eine  Diagnose  des  erwachsenen 
Thieres,  wie  es  in  der  5ten  Woche,  einige  Tage  nach  der 
letzten  Häutung  erscheint: 

Länge  je  nach  dem  Geschlecht  5  —  G  Centimeter,  dick- 
walzig,   vorn  etwas   verdĂĽnnt,  hinten  etwas  abgestutzt. 

Kopf  abgerundet,  in  der  Mitte  herab  etwa«  eingedrückt, 
mit  kurzen,  einzehien  Bor.sten,  grasgrĂĽn. 

Die  ganze^  Raupe  matt  gra.sgrĂĽn,  weiss-gelblichmehlig 
punktirt,   spärlich   mit  kurzen  Borsten  besetzt. 

Die  Ringeinschnitte  gelblich. 

Ueber  den  Füssen  läuft  eine  weissliche  Längslinie,  welche 
nech  dem  RĂĽcken  zu  dunkler,  nach  dem  Bauche  hin  heller 
grĂĽn  begrenzt  ist.  Auf  dem  RĂĽcken  und  ĂĽber  den  Seiten  drei 
dunklere    unterbrochene  Linien,    die    weisslich    punktirt    sind. 

Die  Luftlöcher  sind  gelb,  dunkler  umzogen.  Baucli  und 
Füsse  wie  <ler  Rücken  grün,  gelbweisslich  bestäubt,  Fuss- 
sohlen  gelb. 

Diese  Zeichnungen  verwischen  sich  gegen  Ende  de> 
Raupenzustandes    immer  mehr,    und    das    Thier    sieht    zuletzt 


^369 

recht  hell  und  wie  stockfleckig  aus.  Die  grĂĽne  Begrenzung 
der  Rückenlinie  tritt  wtäi-ker  hervor  als  die  Linie  selbst,  ebenso 
die  dunklere  Begrenzung  der  Linie  ĂĽber  den  FĂĽssen  nach  dem 
RĂĽcken  z,u;  die  Seitenlinien  verschwinden  dagegen. 

Ich  habe  die  Raupen  aus  den  Eiern  eines  Weibchens  im 
Jahre  1875  mit  Aconitum  Napellus  -erzogen;  in  diesem  Jahre 
die  Nachkommen  jener  Zucht  zu  vielen  Hunderten  mit  Prunus 
Padus;  das  Ti.ier  pllanzt  sich  gefangen  leicht  fort. 

Das  Ei  ist  olivengrau,  rund,  ziemlich  gross. 

Die  eben  ausgeschlĂĽpfte  Raupe  ist  graugelblich,  geht 
spannerartig,  frisst  noch  nicht  viel,  läuft  oder  tastet  dagegen 
desto  lebhafter  umher;  diese  Ruhelosigkeit  dauert  bis  zur  Häu- 
tung. In  der  zweiten  Häutung  sitzen  die  Thiere  mit  Vorliebe 
an  den  Spitzen  der  Zweige  in  Fragezeichenstellung;  sie  sind 
niin  einfach  grasgrĂĽn,  ĂĽber  den  FĂĽssen  eine  gelblich  weisse 
und  daneben  eine  dunklere  grĂĽne  Linie,  der  Kopf  ist  gelblich. 

Am  lebhaftesten  gezeichnet  ist  die  Amica-Raupe  in  der 
'dritten  und  vierten  Häutung,  wo  sie  2  —  3  Centimeter  lang 
ist.  Da  li-itt  besonders  der  weisse  Streif  ĂĽber  den  FĂĽssen 
recht  auflallend  hervor. 

Die  Raupe  ist  höchst  gefrässig  und  hat  mir,  da  ich  sie 
im  Zimmer  schon  vom  März  an  erzog,  viel  Mühe  gemacht; 
denn  da  es  hier  zu  Lande  (1876)  bisher  (Mitte  Mai)  eher 
zurück  als  vorwärts  gegangen  ist  mit  der  Vegetation,  musste 
ich  Prunus  Padus  für  den  starken  Appetit  meiner  Zöglinge  in 
grosser  Menge  im  Zimmer  treiben.  Wenn  sie  einmal  etwas 
gehungeit  hatten,  wurden  die  Raupen  gleich  gelblich,  frassen 
aber  alsbald  desto  mehr  und  erholten  sich  von  dieser  Blässe 
zu  voller  Farbe  der  Gesundheit. 

Die  Entwicklungszeit  der  Raupe  dauert  durclischnittlich 
sechs  Wochen;  wenn  das  Thier  sich  im  Moose  ein  einfaches 
rundhches  Lager  gemacht  hat  —  es  wird  in  diesem  Zustande 
dunkelgrünlich  und  bräunlich  grossgefleckt  —  liegt  es  noch 
einige  Zeit,  bis    die    grosse    braune  Puppe    sich  herausschält. 

Die  Puppenruhe  dauerte  im  voi'igen  Jahre  7 — -8  Wochen. 
Die  normale  Flugzeit  ist  die  zweite  Hälfte  des  August  und 
die  erste  des  September  alten  Stils,  also  der  gregorianische 
September. 

Weibchen  sind  am  Honig  sehr  selten  zu  fangen;  sie  sind 
zum  Fluge  zu  träge  und  scheinen  wenig  zu  saugen. 


24 


370 


Eine  noch  nicht  beschriebene  Aberration 
der  Syntomis  Phegea  (ab.  Pfluemeri). 


Durch  die  GĂĽte  des  Herrn  Dr.  Staudinger  erliielt  ich 
d.  J.  ein  sehr  schönes  Exemplar  der  ab.  Phegeus  ^^642  a). 
In  dem  bekannten  Cataloge  des  genannten  Herrn  sind  unter 
042  b  u.  c  noch  einige  weitere  Abänderungen  von  Pliegea 
charakterisirt.  und  da  ich  mich  im  Besitze  einer,  an  genannter 
Stelle  nicht  erwähnten  Varietät  befinde,  so  erlaube  ich  mir, 
dieselbe  hier  kurz  zu  beschreiben.  Sie  ist  in  allen  Theilen 
etwas  kleiner  als  die  Stammform,  und  ähnelt  sehr  der  oben 
erwähnten  ab.  Phegeus  Esp.,  zumal  was  die  Grösse  und  Form 
der  weissen  Flecke  anbelangt,  die  kaum  i|Ăź  so  gross  sind  als 
bei  der  Stammart  Phegea  L.  —  Der  Hauptunterschied  meines 
StĂĽckes  besteht  jedoch  darin,  dass  sich  auf  den  OberflĂĽgeln 
noch  ein  5.  kreisrunder,  kleiner,  weisser  Punkt,  nahe  der 
FlĂĽgelwurzel,  befindet  (Phegeus  hat  deren  4),  sowie  sich  denn 
auch  auf  den  UnterflĂĽgeln  an  derselben  Stelle,  nicht  wie  bei 
Phegeus  ein,  sondern  zwei  kleine  weisse  Flecke  zeigen,  und 
ist  jener,  der  Flügelwurzel  zunächst  stehende,  von  ganz  glei- 
cher Grösse    wie    der    erwähnte  fünfte  Punkt  der  Oberflügel. 

Da  dieser  immerhin  interessanten  Aberration,  so  viel  mii- 
bekannt,  bis  jetzt  nirgends  Erwähnung  geschehen,  so  scheint 
sie  noch  seltner  vorzukommen,  als  die  ĂĽbrigen,  und  desshalb 
erlaubte  ich  mir,  darauf  aufmerksam  zu  machen. 

Gefangen  wurde  dieselbe  vor  mehreren  Jahren  von  mei- 
nem als  Botaniker  wohlbekannten  Freunde,  Herrn  Cantor 
PflĂĽmer  zu  Hameln.  Ich  habe  mir  desshalb  erlaubt,  ihr  den 
Namen  dieses  eifrigen  Entomologen  beizulegen  und  sie  als  ab. 
Pfluemeri  642  d  aufzustellen. 

Dermalen  befindet  es  sich  in  meiner  Sammlung  und  steht 
bekannten  Entomologen  gern  zur  Ansicht  zu  Diensten.  Schliess- 
lich bitte  ich,  im  Fall  Jemand  geneigt  sein  sollte,  mir  die, 
als  ab.  Cloelia  Esp.  und  Iphimedia  Esp.  (642  b  u.  c)  be- 
kannten Abweichungen  in  reinen  Stücken  käuflich  zu  über: 
lassen,  dieserhalb  gĂĽtigst  mit  mir  in  Verbindung  treten  zu 
wollen. 

von  Wacquant-Geozelles 

(Sophienliof  bei  Aerzen.     Hannover). 


371 


Vereins-Angelegenheiten. 


Bei  Eröffnung  der  Sitzung  am  30.  März  erbat  sich  unser 
Vereins-RechnungsfĂĽhrer  und  Zeitungs  Expedient,  Herr  Gillet 
de  Montmore  das  Wort  zu  folgendem  Vorschlage: 

Von  manchen  Seiten  machte  man  mich  darauf  aufmerk- 
sam, dass  es  vielleicht  keine  erheblich  gesteigerte  Beschlag- 
nahme meiner  wenigen  freien  Zeit  erfordern  werde,  wenn 
ich  es  übernehme,  an  auswärtige  Mitglieder  unsers  Post 
Verbandes  unsre  Zeitung  direct  unter  Band  zu  versenden. 
Bei  RĂĽcksprache  mit  den  Herren  Dr.  C.  A.  und  Dr.  H.  Dohrn 
sprach  der  letztere  die  Vermuthung  aus,  die  ĂĽberwiegende 
Zahl  der  Abonnenten  werde  es  bei  dem  gewohnten  Modus 
der  Bestellung  durch  Post  oder  Buchhandel  belassen.  Dem 
nach  stelle  ich  anheim: 

durch  unsre  Zeitung  bekannt  zu  machen,  dass  fĂĽr  das 
nächste  Jahr  (1877)  die  auswärtigen  Mitglieder  unsers 
Vereins,  welche  innerhalb  des  deutsch-österreichischen 
Postverbandes  wohnen,  die  Stettiner  entom.  Zeitung  gegen 
postfreie  Einsendung  an  den  Verein  von  sechs  Mark 
40  Pfennigen  in  frankirten  Vierteljahrsheften  unter  Kreuz- 
band direct  beziehen  können. 

Nachdem  der  unterzeichnete  Präses  erklärt  hatte,  er  habe 
fĂĽr  seine  abweichende,  in  der  Stiftungs-Sitzung  vom  17.  Octo- 
ber  1875  ausgesprochene  Ansicht  als  Hauptgrund  nur  die 
Besorgniss  ausgesprochen,  Herr  Gillet  werde  durch  solche 
Einzeln- Versendung  unbillig  ĂĽberbĂĽrdet  werden,  es  sei  mithin 
sein  freiwilliges  Erbieten  nur  mit  herzlichem  Dank  zu  accep- 
tiren,-  nahm  die  Versammlung  den  Vorschlag  an. 

Demnächst  trug  der  Unterzeichnete  vor,  wie  folgt: 
Einen  zwar  ähnlichen,  aber  in  einem  wesentlichen  Punkte 
abweichenden  Modus  der  Zeitungs-Distribution  (nämlich  mit 
ausschliesslicher  Verpflichtung  der  Mitglieder  zur  directen  Be- 
ziehung und  Verlust  der  Mitgliedschaft  für  die  säumigen)  ver- 
langt Herr  Dr.  Kraatz  in  Berlin  in  einem  von  ihm  unter- 
zeichneten Artikel  im  Februarheft  der  von  ihm  redigirten 
„Entomologisehen  Monatsblätter''  S.  33  bis  36.  Zwar  ist  dies 
Heft  noch  nicht  erschienen,  aber  Herr  Kraatz  hat  den  betref- 


372 

fenden  Correcturbogen  unserm  Secretair.  Herrn  Prof.  Zeller 
mitzutheilen  sich  löblichst  beeilt. 

Der  Artikel  wurde  hierauf  wörtlich   vorgelesen. 

Herr  Prof.  Hering,  als  Senior  des  Vorstandes  und  Stiftungs- 
Mitghed  des  Vereins,  gab  darauf  folgende  Erklärung  ab: 

In  dem  soeben  verlesenen  Artikel  hat  der  Verfasser  den 
Vorstand  und  zum  Theil  die  Mitglieder  des  Stettiner  entom. 
Vereines,  besonders  auch  den  um  den  Verein  hochverdienten 
Präsidenten  desselben  in  so  ungehöriger  und  gehässiger 
Weise  angegriffen,  dass  angenommen  werden  darf,  er  habe 
damit  seinen  Austritt  aus  dem  Verein  zu  erkennen  geben 
wollen,  womit  der  Vorstand  einverstanden  ist. 

Gegen  diese  Auffassung  der  Sache  erhob  der  Unterzeich- 
nete ein  formales  Bedenken,  welches  er  wie  folgt  motivirte: 

Herr  Dr.  Kraatz  will  sich  „als  langjähriges  Mitglied 
des  Stettiner  Vereins ,  dem  das  Wohl  desselben  jederzeit  gerade 
so  am  Herzen  gelegen  hat,  wie  das  des  unsrigen'''  (d.  h.  des 
Berliner),  „darauf  beschränken,  an  den  Vorstand  des  Siet- 
finer  Vereins,  gestützt  auf  §  18  der  Statuten,  eine  Bitte  zu 
richten". 

Diese  „Beschränkung"  ist  in  der  That  wahrhaft  beschei- 
den, und  das  redliche  Interesse  des  Beschränkten  für  das 
Wohl  des  Stettiner  Vereins  um  so  weniger  in  Frage  zu  stel- 
len, als  er  ja  (S.  35)  „dem  Vereins-Präsidenten"  (d.  h.  mir) 
„nicht  hinderlich  werden  will,  an  der  Spitze  seiner  Statisten 
fröhlich  die  Vereinsfahne  zu  schwenken". 

Lassen  wir  dem  Herrn  Oppositions-Präsidenten  die  Ver- 
antwortung seiner  „Statistik"  zusammt  unbeschränkter  Stilistik- 
idi  wende  mich  zu  seiner  Legitimation  in  Betreff  der  an  den 
yereins- Vorstand  gerichteten  Bitte. 

Herr  Dr.  Kr.  beginnt  seinen  Artikel  mit  den  Worten: 
„Nachdem  wir  seit  bald  30  Jahren  die  Stett.  ent.  Zeitung 
direct  vom  Vereine  bezogen  haben   —    — " 

Diese  „b.ild  30  Jahre"  und  der  Pluralis  majestatis  brachten 
mich  darauf,  in  den  früheren  Jahrgängen  unserer  Zeitung  nach- 
zusehen: „seit  wann  Herr  Kr.  dem  Vereine  angehöre?"  Das 
Ergebniss  war  folgendes: 

Im  Jahre  1847  wurde  sein  Vater,  der  Herr  Kaufmann 
Kraatz  in  Berlin  als  Mitglied  aufgenommen,  wie  es  in  den 
Vereinsangelegenheiten  S.  321  des  achten  Jahrgangs  unserer 
Zeitung  verzeichnet  steht.  In  den  nun  folgenden  vier  Jahr- 
gängen finden  sich  keine  Mitglieder- Verzeichnisse;  das  nächste 
steht  erst  im  dreizehnten  (1852),  und  in  diesem  finden  wir 
nicht    ferner    den    Heim  KaufnuinU',    w(thl    aber    den  Herrn 


1 


373 

Studiosus  Kraatz  in  Heidelberg  als  Mitglied  aufgefĂĽhrt.  Heute 
nach  24  Jahren  ist  es  mir  nicht  mehr  genau  erinnerlich,  wie 
der  Zusammenhang  gewesen  sein  mag  —  wahrscheinHch  der, 
dass  es  dem  Vereinsvorstande  damals  unpassend  erschienen, 
einen  „Gymnasiasten''  als  Mitglied  aufzunehmen,  und  dass  es 
nach  dessen  Promotion  zum  ..Studenten-'  seinem  Vater  als 
unnöthiger  Luxus  vorgekommen,  die  entom.  Zeitung  in  duplo 
zu  halten.  Da  ich  bereits  in  den  Bericht  ĂĽber  die  Stiftungs- 
sitzung am  9.  Nov.  1851  (S.  360  desselben  Jahrgangs)  einen 
Brief  des  Studiosus  Kr.  an  mich  aus  Heidelberg  v.  20.  Oct. 
aufgenommen  hatte,  so  war  es  natĂĽrlich  niemandem  aufi'allend, 
ihn  im  Verzeichnisse  von  1852  unter  den  Mitgliedern  figuriren 
zu  sehen. 

Dies  war  anscheinend  ein  grober  formaler  Verstoss  gegen 
unsern  bisherigen  Brauch;  denn  wenn  wir  auch  im  Laufe  der 
40  Jahre  des  Vereinsbestehens  uns  mehrfach  aus  einleuchtend 
praktischen  GrĂĽnden  dazu  entschhessen  mussten,  von  dem 
todten  Buchstaben  der  alten  oder  der  revidirten  Satzungen  iu 
irgend  einem ,  nach  vorheriger  Discussion  reiflich  erwogenen 
Punkte  abzuweichen,  ohne  darin  (im  Zeitalter  des  Dampfes) 
einen  zwingenden  Grund  zu  finden,  wegen  jeder  unerheblichen 
Modification  eine  Statutenänderung  mit  hoher  obrigkeitlicher 
Sanction  zu  extrahiren,  so  sind  wir  doch  in  dem  allerdings 
sehr  erheblichen  Punkte:  „wer  gehört  zum  Vereine  als  Mit^ 
glied?"  nie  von  der  ursprünglichen,  in  allen  ähnlichen  Vereinen 
geltenden  Form  wissentlich  abgewichen. 

Mitglied  ist  nur,  wei-  von  einem  Mitgliede  dazu  vorge- 
schlagen und  (§12  der  revid.  vStatuten)  gegen  dessen  Zulas- 
sung vom  Vorstande  nichts  eingewendet  ist.  —  Die  Aufnahme 
wurde  demnächst  durch  das  über  die  Sitzung  berichtende 
Zeitungsheft  zur  Kenntniss  der  auswärtigen  Mitglieder  gebracht.''*) 

Wahrscheinlich  habe  ich  selber  den  bei  Aufstellung  des 
Mitgliederverzeichnisses  von  1852  begangenen  Verstoss  gegen 
die  Statuten  zu  vertreten,  auch  falls  mir  vielleicht  bei  dessen 
Anfertigung  ander  weite  BeihĂĽlfe  zu  Theil  geworden,  und  ich 
habe  wegen  dieses  Verstosses  um  Indemnität  zu  bitten.  Aber 
mein  Bedauern  kann  offenbar  an  dem  Thatbestande  nichts 
ändern. 


*)  Die  anfangs  ĂĽbliche  Zusendung  der  ausgefertigten  Diplome 
haben  wir  (seit  ungefähr  1860)  eingestellt,  wenn  sie  von  den  Betref- 
fenden nicht  ausdrĂĽcklich  verlangt  wurde.  Wir  halten  auch  heute 
noch  das  EinrĂĽcken  der  erfolgten  Aufnahme  in  unsere  Zeitung  fĂĽr 
das  ausreichend  Wesentliche. 


374 

Die  Mitgliedschaft  unsers  Vereins  kann,  wie  die  aller 
andern  mir  bekannten  wissenschaftlichen  Gesellschaften,  nicht 
durch  Erbschaft  noch  durch  Substitution,  sondern  muss  fĂĽr 
die  Person  des  Betreffenden  nach  der  bestehenden  Vorschrift 
erworben  werden.  Ergiebt  es  sich  im  Laufe  der  Zeit,  dass 
Jemand  dem  Anscheine  nach  unberechtigt  unter  den  Mitgliedern 
figui-irt,  so  steht  ihm  in  erster  Linie  natĂĽrlich  frei,  den 
Gegenbeweis  (z.  B.  durch  ein  rite  ausgefertigtes  Diplom,  wie 
wir  es  1852  noch  allen  neu  aufgenommenen  Mitgliedern  zu- 
gehen Hessen)  zu  führen  —  oder  in  zweiter  Linie,  das  früher 
Versäumte  nachträgheh  ergänzen  zu  lassen. 

Mithin  wĂĽrde  ich  die  Auflassung  unseres  Herrn  Seniors 
durch  meinen  Vorschlag  dahin  moditiciren: 

Abzuwarten,  ob  Herr  Dr.  Kraatz  nachweist,  dass  er  wirk- 
lich statutenmässig  Mitglied  des  Stettiner  Vereins  ist: 

Im  Falle  der  Aftirmative  in  weitere  Erwägung  des  bis 
dahin  zu  vertagenden  Anti'ages  des  Herrn  Prof.  Hering  ein- 
zutreten: 

Im  Falle  der  Negative  bei  dem  nächsten  Verzeichnisse 
der  Vereinsmitglieder  den  Namen  des  Herrn  Dr.  Kraatz 
in  Wegfall  zu  bringen. 

Bei  seinem  Feuereifer  fĂĽr  peinliche  Beobachtung  statuta- 
rischer Reglementirung,  wird  ihm  dieses  höfliche  Anheimgeben 
gewiss  als  vollkommen  rechtfertig  einleuchten.  '"') 


*)  Eine  bedauerliche  CoUision  in  der  Druckerei  wegen  unver- 
schieblichen P'ertigstellens  von  Eisenbahn-Tabellen  verzögerte  den  Ab- 
schluss  und  die  Ausgabe  des  vorliegenden  Heftes  um  einige  Wochen. 
Herr  Dr.  Kraatz  hat  es  diesem,  von  uns  nicht  zu  beseitigenden  Uebel- 
etande  beizumessen,  dass  wir  seinem,  unter  dem  18.  April  c.  an  den 
Vereinsvorstand  gerichteten  Verlangen: 

„ihm  gefälligst  durch  den  Herrn  Rendanten  oder  anderweitig  bal- 
digst Mittheilung  darĂĽber  zugehen  lassen  zu  wollen,  wie  gross  das 
Baar -Vermögen  des  A^ereins  gegenwärtig  (in  runder  Summe)  ist" 
eben  nicht  „baldigst"  sondern  erst  nach  l^eendigung  dieses  Heftes  durih 
das  Verlangen  unsrerseits  entsprechen,  zunächst  den  unentbehrlichen 
Nachweis  zu  fuhren,  dass  er  überhaupt  zur  »Stellung  von  Anträgen 
behufs  „besserer  Einrichtung  des  Vereins"  legitimirt  ist.  Dass  ihm  das 
wahre  (namentlich  das  baare)  Wohl  des  ötettiner  Vereins  nicht  bloss 
am  Herzen  liegt,  sondern  auch  an  die  Nieren  greift  und  auf  die  Gal- 
lenblase drĂĽckt,  ergiebt  sich  leicht  aus  seinen  chronischen  Beschwerden 
ĂĽber  die  bedauerliche  Nicht-Subvention  des  preussischen  Staates  (jetzt 
nach  der  Umlaufe  des  Berliner  Vereins  wohl  des  deutschen  Reiches): 
.das  unbestrittene  Talent  des  Herrn  Opposition.s-Präsidenten  zu  neuen, 
neuei'en  und  neuesten  „Gründungen"  würde  in  einem  soliden  liaaren 
Hinterhalt  ein  immerhin  annehmliches  Gegengewicht  gegen  die  wenn- 
gleich unwahrscheinliche,  doch  denkbare  Katastrophe  eines  „Krachs" 
besitzen. 


375 

Die  Versammlung,  auch  Herr  Prof.  Hering,  erklärte  sich 
mit  dieser  Ansieht  einverstanden,  nachdem  Herr  Prof.  Zeller 
die  Erklärung  abgegeben  hatte,  dass  er  auf  Ersuchen  die 
Jahrgänge  von  1847  bis  1852  auf  das  genauste  collatiouirt, 
und  darin  von  einer  formalen  Aufnahme  des  Dr.  Kraatz  als 
Mitglied  nichts  vorgefunden  habe. 

Der  Unterzeichnete  nahm  darauf  wiedei-  das  Wort  in 
folgender  Weise: 

Meine  einstweilige  Ueberzeugung,  dass  Herr  Dr.  Kraatz 
nicht  als  Mitglied  dazu  legitimirt  ist,  Vorschläge  zur  Verbes- 
serung unsers  Vereins  zu  machen,  wĂĽrde  mich  nicht  abhalten, 
dieselben  möglichst  unbefangen  zu  prüfen  und  eventuell  zur 
Befolgung  zu  empfehlen,  falls  sie  mir  wirklich  begrĂĽndet  schei- 
nen.    Aber  wenn  er  (S.   36)  deduciren  will: 

„das.s  der  Vereins- Vorstand  30  Jahre  lang^'   (durch  den  bis- 
herigen Modus    der  Zeitungs-Spedition)    „gegen    den  klaren 
Sinn  des  Statulen-Pai-agraphs  gehandelt,   welcher  als  natĂĽr- 
liche Folge  Ausschliessung  derjenigen  Mitglieder  invol- 
virt,    die    auf    die    entom.  Zeitung    nicht    durch  die  Post 
pränumeriren'''    — 
so    ist    diese  Deduction    wahrhch    nicht   „])rächtig  logisch".  *) 
Hätte  Herr  Kr.  seine  archäologischen  Studien  über  gültige  und 
ĂĽber  antiquirte  Satzungen  des  Stettiner  Vereins  noch  auf  meine 
Stiftungs-Reden    vom  7.  Nov.    1849    und   10.  Nov.    1850  aus- 
gedehnt, .so  wĂĽrde  er  darin  mit  Anwendung  auch  nur  massi- 
ger Geisteskräfte  den  Modus  zusammt  Motiven  entziflert  haben, 
,  nach    welchem  der  Vereinsvorstand    ohne    irgend  Einwendung 
oder  Widerspruch  auswärtiger  Mitglieder  die  Zeitungs-Ausgabe 
laut  Beschluss  der  General  Versammlung  damals  geregelt  hatte 
und  auch  später  handhabte    Die  obenstehende,  hochpathetische 
BezĂĽehtigung  des  Vorstandes  zeriliesst  absolut  in  Nichts,  wenn 
man  in  der  von  Hr.  Kr.  speeiell  in  Bezug  genommenen  General- 
Versammlung  vom   6.  Nov.    1845  (Jahrg.   6,  S.   381)  als  aus- 
drücklich beschlossen  wörtlich  folgendes  findet: 

„Der  bisherige  Vereinsbeitrag  von  1  Rth.  fällt 
weg.*""  —  —  „Diese  Pränumeration'-'-  (auf  die  ent.  Ztg.) 
„wird  auf  allen  deutschen  P  o  s  1  ä  m  t  e  i-  n  a  n  g  e  n  o  m  - 
men.'' 


*)  Das  Steinwerlen  mit  solchen  schäbigen  Epitln-ten  habe  ich 
Herrn  Kr.  schon  einmal  (Ent.  Ztg.  1869,  S.  13)  dringend  widerrathen, 
da  sie  leicht  auf  den  SchĂĽtzen  zurHckpraJlen.  Das  dort  mitgetheilte, 
seinen  „langstiligen  Exposes"  von  Dr.  Schaum  ausgestellte  ZeugniSs. 
„dass  sie  doch  nicht  geradezu  unlogisch  wären",  scheint  mir  nui 
ziemlich  bedingtes  Lob  auszusprechen.  ..    .-_ 


376 

Da  aber  die  Postämter  sich  nicht  auf  Specificirung  des 
Namens  der  Besteller  einlassen  (weder  damals  noch  jetzt), 
so  föllt  damit  das  ganze  Kartenhaus  der  Involviruug  des 
Ausschliessens  unerbittlich  zusammen.  Was  dieser  Logik 
an  yjlichtvoller'"''  Pracht  fehlt,  ersetzt  sie  Jiofrentlich  durch 
Kürze  und  Klarheit.  Demgemäss  hatte  Hr.  Kr.  gar  keinen 
Anspruch  auf  directe  Zusendung  seiner  Zeitung  durch  unsern 
Expedienten,  der  nur  seine  ordnungsmässige  Pflicht  erfüllte, 
als  er  den  eingeschlichnen .  derzeit  unrecht  fertigen  Prätensionen 
ein  Ende  machte. 

Nach  Allem,  was  voraufgegangen,  bedarf  es  kaum  noch 
'der  ausdrĂĽcklichen  Versicherung,  dass  auch  von  1877  ab  es 
Jedem  unsrer  Yereinsmitglieder  völlig  freigestellt  ist,  die 
Stettiner  entom.  Zeitung  nach  seiner  Wahl  zu  bestellen,  durch 
directe  Pränumeration  an  den  A'^erein,  durch  Post  oder  Buch- 
handel. Wir  trauen  Jedem,  der  aus  eigner  Wahl  in  unsre 
Gemeinschaft  tritt,  so  viel  GefĂĽhl  fĂĽr  Decoruiri  zu,  dass  er 
sein  Interesse  fĂĽr  den  Verein  durch  Halten  des  (Jentral-Blatts 
bethätigt,  wenn  er  kann:  erlauben  es  ihm  veränderte  Um- 
stände nicht,  so  hat  er  deswegen  kein  „ray6  de  la  liste*"''  zu 
besorgen,  *)  falls  er  seinen  Austritt  nicht  selber  anmeldet, 
oder  sich  durch  unwĂĽrdiges  Benehmen  aus  der  Vereinsgemein- 
schaft ausschUesst. 

Aber  wenn  Hr.  Kr.  auch  in  allen  andern  Quereleu  Unrecht 
hat,  darin  kami  ich  ihm  nicht  widersprechen,  dass  es  lästig 
und  widerhaarig  ist,  unser  Mitgliederverzeichniss  mit  dem 
Ballast  fraglicher,  theils  verschollener,  theils  vielleicht  längst 
verstorbener  Personen  aufzubauschen.  Seine  vei-bindliche  Glosse 
dabei :  „dass  bei  einer  Purification  Herr  D.  nicht  mehr  an  der 
Spitze  eines  gelehrten  Vereins  von  (1874)  668  wohlgezählten 
Mitghedern  stehen  und  nicht  mit  Geringschätzung  auf  solche 
Idnweisen    köiuien    würde,     welche    noch    nicht    halb    so  viel 


*)  Wer  sollte  es  wohl  fiir  niöglicli  halten ,  doii.s  dieser  Ausdruck 
in  meiner  Stift ungsrede  vom  17.  Od.  1875  (S.  7,  Jalirg.  187(>)  von 
Hrn.  Kr.  mit  der  grundgutmiLthigcn  Ă–cholic  versehen  werden  konnte; 
„ich  (ü.)  wol!(^  damit  auf  das  unzarte  vaye  de  la  liste  des  ausge- 
zeichneten Pariser  Scliatznieisters  Buquet  hindeuten!"  Weiss  Hr.  Kr. 
nicht,  dass  dies  der  bei  fast  allen  franz.  Gesellschaften  ĂĽbliche  Aus- 
druck ist  (auch  bei  den  belgisclien),  und  dass  die  Schatzmeister  ĂĽberall 
sich  dieser  Formel  bedienen?  Uebrigens  wird  mein  ehrenwerther 
alter  College  Hiiquet  ebenso  wenig  auf  den  iiässlichen  Leim  dieser 
Insinuation  gehen,  wie  .sich  der  „hochgeachtete,  liebenswürdige  Herr 
Prof.  Zeller"  durch  die  Kr.'sche  saubre  Definition  „anständiger  Ento; 
inologen"  abhatten  licss,  den  fĂĽr  unsre  Zeitung  eben  fertig  gewordeneu 
Artikel  abzuliefern. 


377 

zählen'^  —  trifll  durchaus  in's  Blaue,  da  ich  die  keck  be- 
hauptete „Hinweisung  mit  Geringschätzung'''  für  eine  licentia 
poetica  des  nervös  aufgeregten  Autors  erkläre,  die  einfach 
erfunden  ist.  Aber  ich  gedenke  bei  der  Abfassung  des 
nächsten  Verzeichnisses  mit  Beihülfe  meines  Freundes  Zeller 
und  anderer  Veteranen  diejenigen  Namen  unsrer  bisherigen 
Mitglieder  nicht  ferner  aufzufĂĽhren,  von  denen  wir  seit  min- 
destens 10  Jahren  weder  direct  noch  indirect  ein  Zeichen  des 
Lebens  gesehen  oder  in  Erfahrung  gebraclit  haben.  NatĂĽrlich 
soll  es  uns  freuen,  wenn  (wie  kĂĽrzlich  unser  Reverendus 
Bilimek)  der  irrig  als  todt  Vermeinte  dagegen  durch  ein 
willkommnes  Autograph  schlagenden  Protest  einlegt. 

Von  mehreren  Seiten  sind  uns  Anträge  auf  Schriftentausch 
zugegangen.  Es  wurden  nach  dem  Vortrage  des  Unterzeich- 
neten einzelne  davon  genehmigt,  andere  abgelehnt,  da  wir  bei 
der  Zunahme  des  Zeitungs-Materials  auf  die  steigenden  Her- 
stellungskosten verständige  Rücksicht  zu  nehmen  gezwungen 
sind,  und  uns  darin  nach  der  Decke  zu  strecken  haben. 

Als  Mitglieder  wurden  vorgeschlagen  und  aufgenommen 
die  Herren 

E.  L.   Ragonot,   tresorier  adjoint  der  entom.  Gres.    in 

Paris . 
.1.   Sparre-Schneider .   Stud.   real,   in  Christiania. 
* 

In  der  Sitzung  am  4.  Mai  wurden  als  Mitglieder  in  den 
Verein  aufgenommen  die  Herren 

Dr.   von  Horvath  in  Buda-Pest, 
Herrn.   Tetens,  Stud.  nat.  in  MĂĽnchen. 

Der  Verein  hat  den  Tod  des  Herrn  Telegraphen-Directors 
Küster  in  Bamberg  zu  beklagen,  dessen  „Käfer  Europa's"  ihm 
ein  ehrendes  Andenken  als  fleissigem  Entomographen  sichern. 
In  Wien  ist  unser  Mitglied  Herr  Buchhändler  Sartorius  ge- 
storben, dessen  europäische  Käfeisammlung  anerkannt  schätz- 
bar war.  Mir  ist  nicht  bekannt,  ob  er  ausser  den  in  der 
Wiener  entom.  Monatschrift  publicirten,  in  Hagen's  Bibl.  entom, 
aufgefĂĽhrten  fĂĽnf  Ai'tikeln  noch  anderweite  Entomologica  ver- 
fasst  hat.  Während  dies  gedruckt  wird,  geht  auch  die  Trauer- 
kunde ein,  dass  Herr  Graf  Angelo  Ferrari,  Bibliotheivar  und 
Custös  der  kais.  zool.  Sammlung  in  Wien  am  18.  Mai  ent- 
schlafen ist;  er  hat  seinen  Freund  Ludwig  Redtenbacher,  zu 
dessen  Fauna  Austriaca  E'errari's  ausgezeichnete  Käfersammlung 
einen  bedeutenden  l'lieil  des  Materials  beigesteuert  hat.  nicht 
lange   ĂĽberlebt.  Dr.   C.   A.  Do  hm. 


378 


Synonymisches  ĂĽber  Tomiciden, 

vom   Kaiser].  Oberförster 
^lÂĄ.  Eiehhofr  in  Saarhurg.  (Lothr.) 


Bostrichup  Marshami  Rve  Tlu>  Eni.  Mon.  Mag.  IV.  1867  p.  188 
ist  identisch  mit  Drvococies  (Bostrichus)  nlni  Georg  Stett. 
ent.  Zeit.  J.    1856.  "p.   oO. 

Bostvichus  .«eptentrionis  Maiinh.  in  Nichts  voischieden  von  Bost. 
semicastaneus  Mannh.,  heide  aller  zusammenfsiilend  mit 
Dryocoetes  (Bostrichus)  autogvaphus  Ratz. 

Bostrichus  aini  Muls.  et  Rey  Opusc.  ent.  VII.  1856.  p.  111. 
fällt  zusammen  mit  Xylehorus  (Bostrichus)  Pfeilii  Ratzeh. 

Xylehorus  carinipennis  Eiohh.  Berl.  ent.  Z.  1868  p.  281  ist 
nach  einem  typischen  Exemplar  des  Phloeolrogus  oblique- 
caiida  Motsch  mit  diesem  identisch. 

Bostrichus  oblitus  Perris  Ann.  See.  Fr.  1862  p.  218  ist  un 
zweifelhaft  =  Bostrichus  longicollis  Gyll. 

Bostrichus  tachygraphus  Sahlb.  ist  nach  einem  typischen 
Exemplar  =  Xylehorus  dispar  Fabr.  .V- 

Tomicus  praemorsus  Eichh.  Berl.  ent.  Z.  1867  p.  401  =  Bostri- 
chus  calligraphus   Germ.    Ins.    Spec.    nov.    1824   ]).    461. 

Xyloterus  biA'ittatus  Mannh.  ist,  wie  schon  Leconte  festgestellt 
hat,  das  $  von  Xyloterus  cavifrons  (,^)  Mannh.,  beide  aber, 
wie  hier  constatirt  werden  soll,  nicht  verschieden  von 
Xyloterus  (Trypodendron)  hneatus  Ratz,  (ob  auch  gleich 
Bostrichus  lineatus  Oliv,   ist  mir  fraglich). 

Xyloterus  quercus  Eichh.  ist  wahrscheinlich  =  Apate  signata 
Fabr.  =  Apate  limbata  Payk.  =  Bostrichus  5-lineatus 
Adams  =  Bostrichus  lineatus  Gyll.  (excepta  var.  e.). 

Bostrichus  fagi  Fabr.  =  Bost.  fagi  Ratz.  =  Bostr.  fagi  Nordl. 
=  Ernoporus  Thomsonii  Ferr. 

Dryocoetes  capronatus  Perr.  Ann.  Soc.  France  1866  p.  193  ist 
=  Bostrichus  Bulmerincqi  Kol.  Mel.  ent.  III.  p.  39  t.  14 
f.  12  und  letzterer  eine  gute,  von  Bost.  bicolor  Hbsl.  ver- 
schiedene Art. 

Pterocyclon  longulum  Eichh.  Berl.  ent.  Z.  1868  j).  278  = 
Tomicus  mali  Fitch  Trans.  New  York.  Agr.  Soc.  II.  1855. 
No.   5. 

Bostrichus  decolor  Boield  ==  J  von  Bostrichus  (Xylehorus)  Saxe- 
senii  Rat«. 

Hypoborus  mori  Aube  und  genistae  Aub.  haben  beide  deutlich 
4-gliedrige  FĂĽhlergeis.sel  und  fallen  unter  die  Gattung 
Liparthrou  W<tll. 


379 

Cryphalus  piceae  Ratz,  ist  mit  Unrecht  von  Ferrari  ('Bork, 
p.  II)  und  Redtenbacher  (Fn.  Aust.  ed.  3.  11  367)  als 
Varietät  zu  Cryphalus  asperatus  G3'll.  Ratz,  gezogen. 
Er  ist  unzweifelhaft  gute  Art  und  unterscheidet  sich  von 
C.  asperatus  durch  gedrungenere  Form,  breiteren  Höcker- 
Heck  auf  dem  Vcn-dertheil  des  Brustschildes,  und,  wie 
schon  Ratzeburg  mit  Recht  hervorhebt,  durch  stets  deut- 
lich aufgerichtete,  längere,  reihenweise  geordnete  Haar- 
börstchen  auf  den  Flügeldecken. 

Xyleborus  abnormis  Eichh.  Berl.  ent.  Z.  1868.  p.  282  scheint 
zusammenzufallen  mit  Eccoptopterus  6-spinosus  Motsch. 
Bull.  Mose.  1863.  II.  515,  letztere  Gattungs-Bezeichnung 
ist  aber  wohl  unhaltbar. 


Iiitellisrenz. 


Die  hiemit  zum  Verkauf  angebotene  Sammlung  des  Unter- 
zeichneten besteht  aus: 

I.  Käfer  von  der  Westküste  von  Sumatra  in  13  Orlaskasten. 
Cicindelidae  10,  Carabidae  20,  Wasserkäfer  20,  Staphyl.  3, 
Pectinicorn.  30,  Lamellicorn.  80,  Buprest.  15,  Elat.  15,  Tele- 
phor.  10,  Tenebr.  30,  Meloidae  5,  Curcul.  100,  Brenth.  2, 
Cerambyc.  100,  Chrysomel.  160,  Coccinell.  40,  ausserdem 
noch   30,    zusammen   670    Species    in   ca.    2640   Exemplaren. 

II.  Durch  Tausch    und    Kauf    erworbene   Käfer    aus  Amerika 
und  Australien:   ungefähr   180  Exemplare  in  90  Species. 

III.  8  Kasten,  enthaltend:  Wasserscorpione,  Taranteln,  Tausend- 
fĂĽsse,  Kugelasseln,  Wanzen,  Heuschrecken,  Hummeln,  Wespen, 

Bienen,  Leguan,  fliegende  Eidechse. 

IV.  Schmetterlinge  von  der  WestkĂĽste  von  Sumatra,  562  StĂĽck 
in    den    prachtvollsten    und    seltensten    untadelhaft    erhaltenen 

Exemplaren. 
MĂĽnden,    12.  Mai   1876. 

Lambrecht,  Niederl.  Capitain  a.  D. 


FĂĽr  Coleopterologen ! 

Die  vom  vcist.  Rechnungsrath  Eigenbrodt  zusammen- 
gebrachte Käfersammlung  ist  billig  zu  verkaufen.  Näheres 
bei  Frau  Wwe.  Eigenbrodt,  Fruchtmarkt  Nr.   3,  Coblenz. 


380 

Verlag  von  R.  Friedländer  &  Sohn  in  Berlin,  N.  W.  Carlstr.  11. 

So  eben  erschien  Heft  3   und  4  der 

Monographie  Revision  and  Synopsis 

of  the 

European    Trichoptera 

by 

Rob.  Jflac  E<aclilaii. 

Heft  3  mit  4  Kupfertafeln.      Preis  4  M.   50  Pf.   (frauco). 
Heft  4  mit  8  Kupfertafeln.     Preis  8  M.   50  Pf.  (franco). 

Die    frĂĽher    erschienenen    Hefte    1    und  2    (Preis    14   M.j 
stehen  ebenfalls  franco  zu  Diensten. 


A.  Fedtschenko's  Reise  in  Turkestan. 

Entomologischer  Theil,    bearbeitet    von    Erschoff,    Mac 

Lachlan,  Morawitz,   v.   Solsky,  de  Saussure  u.   A. 
AusfĂĽhrlicher  Prospect    ist    dieser    Nr.    der    Entomol.   Zeitung 

beigefĂĽgt. 
Berlin  N.  W.,  Mai   1876. 

R.  Friedlandei*  <f*  Soliu. 


Inhalt: 

Juli  —  September. 

Burmeiöter:  Argeiitin.  Trox  ti.  241.  Berg:  Rogenholera  grandi.s. 
S.  268.  TLschbein:  Ichneumon  (Zusätze  u.  Bemerkungen).  S.  273. 
Möschler:  Exotisches.  S.  293.  Doebner:  Bostrychus  amitinus.  S.  315. 
Reitter:  Neue  exot.  Nitidul.  S.  317.  Zeller:  HĂĽbner's  Samml.  aus- 
erlesener Vögel  u.  Schmett.  S.  321.  Dohrn:  Lebensweise  d.  Paussiden. 
S.  333.  Zwei  Lesebiumen.  S.  336.  Exotisches  (Liberiana  Sclilus&). 
S.  339.  Berg:  SĂĽdamer.  PyraMd.  S.  342.  Register  dazu.  S.  355. 
Wehncke:  Neue  Dytisciden.  S.  356.  Möschler:  Bericht  über  Bois- 
duval's  Spec.  General.  S.  360  Reitter:  Neue  Clavicorn.  S.  363. 
Sintenis:  Raupe  von  Hadena  Amica.  S.  368.  Wacquant  v.  Geo- 
zelles:  Pliegea  aberr.  Ptluemeri.  S.  370.  Vereinsangelegenheiten.  S.  371. 
Eichlioff:  Synonymisches  zu  Tomicus.  S.  378.     Intelligenz. 


Ausgegeben  Ende  Jmii. 


Entoiuologifiehe  Keifuii 


§af 


lierausgegeben 

von  dem 


eiitomologisclieu  VereiDe  zu  Stettin. 


Redaction-  Iii  Commission  bei  den  Buchhandl. 

C.  A.  Dohrn,  Vereins-Präsident,    v.  E.  S.Mittlerin  Berlin  n.  Fr. Fleischer 

in  Leipzig. 

No.  10-12.  37.  Jahrgang.    Octob.- Decbr.  1876. 


Vereins- Angelegenheiten. 


lu  dei-  Ă–itzuiig  am  15.  Juni  wurde  den  Versammelten 
initgetiieill,  dass  unser  Verein  in  Ehrenbreitenstein  Herrn 
Reehnungsrath  Eigeubrodt  verloren  hat.  Aus  einem  Briete 
des  Freiherrn  v.  Harold  ergiebt  sieh  die  erfreuliehe  Nach- 
richt, dass  der  zwölfte,  der  Schluss-Band  des  grossen  Catalogus 
Coleopterorum  jetzt  in  AngrifT  genommen  wird.  Unser  Mit- 
glied, Prof.  Schmidt-Goebel,  hat  die  Universität  Lemberg 
verlassen  und  ist  nach  Wien  ĂĽbergesiedelt.  Nach  einem  Briefe, 
welcher  die  Zusendung  mehrerer  Jahrgänge  unserer  Zeitung- 
begehrt,  ist  bei  unserem  Mitgliede  Don  Victor  Lopez  Seoane 
zu  ergänzen,  dass  er  nicht  nur  Dr.  medic. ,  sondern  auch  Dr. 
juris  und  Advocat  am  königl.  Tribunal  zu  Ferrol  ist.  Das 
freundhche  Erbieten  unsers  Collegen  Lichtenstein,  der  Zei- 
tung eine  Anzahl  AbdrĂĽciie  seiner  Phylloxera-Metamorphosen- 
Phafsen  beilegen  zu  lassen,   wurde  dankend  angenommen. 


Dr.   C.  A.  Dohrn, 


25 


382 


Leseblume, 


In  dein  zweiten  Fascikel  des  dritten  Bandes  der  Atti  della 
Society  VenetĂĽ-Tientina  Padova ,  Aprile  1876  (inde  ich  S.  204 
folgende  interessante  Mittheilung. 

Herr  Graf  A.  P.  Ninni  wurde  um  2.  Juni  1873  von  sei- 
nem Bruder  darauf  aufmerksam  gemacht ,  dass  eine  Epeira 
umbratica  ihr  Netz  in  absonderlicher  Weise  construirt  habe. 
Es  hatten  nehmlich  unter  einem  Bienen-Ă–ehuppen  (1  Meter 
breit,  von  Pfosten  getragen,  die  2. 20  Meter  hoch  sind)  sich 
mehrere  Spinnen  dieser  Art  an  das  Anlegen  von  Netzen  ge- 
macht, wie  man  an  den  vielen  unvollendet  gebliebenen  Ge- 
spinnsten  bemerken  konnte,  hatten  ĂĽber  die  Arbeit  als  undank- 
bar aufgegeben.  Nur  eine  Spinne  hatte  ihren  Plan  mit 
Beharrlichkeit  durchgefĂĽhrt  und  ein  gutes  und  starkes  Netz  in 
folgender  Art  zu  Stande  gebracht. 

Sie  hatte  vom  Dache  einen  Faden  bis  herunter  auf  den 
Boden  gezogen,  dort  ein  kleines  Steinchen  umsponnen  und 
dieses  bis  zu  18  Centimeter  vom  Boden  schwebend  erhoben. 
Auf  diese  Art  hatte  sie  zu  den  zwei  Haltpunkten  oben  am 
Dach  und  seitwärts  an  einem  Pfosten  einen  dritten  gewonnen, 
und  zwischen  diesen  drei  Punkten  ein  ausreichend  haltbares 
Gewebe  construirt. 

Um  zu  erkunden,  (»b  sie  in  älmlicher  Weise  verfahren 
würde,  zerstörte  der  Graf  das  Gewebe,  und  bemerkte  nach 
drei  Tagen  zu  seiner  Freude,  dass  sie  ein  neues  Netz  nach 
demselben  Sjsteme,  jedoch  mit  einer  offenbaren  Verbesserung 
gewebt  hatte.  Sie  hatte  nehmlich  sl;»tl  des  einen  Balancir- 
Steinchens  deren  zwei  umsponnen,  und  zwischen  beiden  ein 
Strohhiihnchen  eingeilochten.  Diesmal  hatte  sie  sogar  auf  den 
Seitenhalt  am  Pfosten  Verzicht  gethan  und  das  Netz  bot 
sonach  die  Form  eines  gleichschenkligen  Dreiecks,  mit  Ver- 
längerung der  Spitze  durch  den  ausgezogenen  Faden  und  die 
am  Ende  desselben  hängenden  2  Steinchen  mit  dem  Strohhalm 
dazwischen. 

Das«  der  Heri-  Graf  sich  mit  diesem  Beweis  industriellen 
Scharfsinns  noch  niclil  begnĂĽgte,  und  das  Kunstwerk  zun) 
zweiten  Male  zerstörte,  linde  ich  geradehin  grausam  und 
thierquälerisch.  Gerade  so  hat  es  aucli  die  entrüstete  Spinne 
aufgefasst  und  sich  weiter  keine  inidankbare  MĂĽhe  an  diesem 
verfehmten  Orte  gegeben.  0.  A.  D. 


383 


Salvo  Error e. 

Von 
C  A,  DoUrii« 


Bei  vielen  KauĂśeuteu  in  Norddeutschland  (ob  auch  ander- 
wärts weiss  ich  nicht)  ist  es  üblich,  hinter  eine  Rechnung  die 
Buchstaben  Ö.  E.  E.  0.  zu  setzen,  mit  welchen  „Salvo  errore 
et  omissione""'   gemeint  ist. 

Die  Entomographen  thäten  vielleicht  gut,  diese  Beschei- 
denheits-Lettern zu  adoptiren,  falls  sie  nicht  etwa  der  KĂĽrze 
wegen  das  S.  M.  (salvis  melioribus)  der  Juristen  vorziehen. 
Die  Mode,  sich  durch  Gegenseitigkeit  lichtvolle  und  endgĂĽltige 
Apodictik  zu  assecurireu,  konnte  unmöglich  lange  Bestand  be- 
hahen.      „Wir  irren  allesamnit,  doch  jeder  irret  anders.'' 

Ich  will  im  Nachstehenden  versuchen,  einige  Belege  dazu 
zu  geben,  noch  dazu  lauter  gedruckte.  Dass  mir  dabei  jede 
Absicht  zu  verletzen  fern  liegt,  wird  sich  aus  dem  Verfolg 
ergeben. 

Die  Zusendung  eines  Kästchens  mit  einem  Dutzend  Käfer 
aus  Madagascar  durch  College  Baden  in  Altona  (Besitzer  der 
ehemals  Sommer'schen  Sammlung,  und  der  vielen  Burmei- 
ster'schen  Typen  darin)  veranlasste  mich,  wegen  einzelner 
Arten  die  in  den  Aunales  de  la  Soc.  de  France  1868  S.  753 
seqq.  verĂĽtl'eut lichte  Arbeit  nieines  Freundes  Fairmaire  nach- 
zusehen.    Dabei    stiess    ich    zufällig  (S.   780)  auf  die  Gattung 

Aprostoma  Guerin 
und  fand  dahinter  die  (von  mir  bisher  ĂĽbersehene)  Bemerkung, 
dass  dies  otfenbiir  dieselbe  Gattung  sei,  welche  Erichson  in 
den  Ins.  Deutschi.  III.  S.  274  als  Mecedanum  „sans  descrip- 
tion  d'espece  et  sans  details  vraiment  suffisants"  aufgefĂĽhrt 
habe. 

Fairmaire  lässt  dann  eine  lateinische  Beschreibung  des 
Aprostoma  filum  Guer.   folgen  und  fĂĽgt  darauf  hinzu: 

,,Le  facies  de  ce  singulier  insecte  expUque,  comment 
Erichson  et  Lacordaii-e  ont  pu  meconnaitre  ses  aftinites 
et  le  langer  parmi  les  Brenihides:  mais  c'est  evideniment 
un  Colydiilin  exagere  dans  ses  proportions  et  deveint  tout 
a  fait  filiforme.'"' 

25* 


;}84 

Da  ich  Aprostoma  liliim  besitze,  so  glaube  ich  mich  zu 
dei-  Annahme  berechtigt,  dass  Mecedanum  Er.  sp.  dasselbe 
Thier  ist,  mithin  Fairmaire  in  der  l)ehaupteten  Synonymie 
Recht  hat. 

Aber  desto  weniger  verstehe  ich,  was  er  mit  dem  gan- 
zen Nachsatze  hat  sagen  wollen,  denn  Erich sou  sowohl  wie 
Lacordaire  fĂĽhren  Mecedanum  unter  den  Colydiern  auf 
und  eiwähnen  der  Brenthiden  auch  nicht  mit  einer  Silbe. 

Wahrscheinlich  beruht  Fairmaire's  Irrthum  auf  einer  Ver- 
wechslung damit,  dass  Guerin  in  der  Revue  etc.  Cuvierienue 
1839  S.  171  seine  „Descfiption  du  genre  Aprostome'-''  mit 
folgenden  Worten  schliesst: 

Cet  insecte   remarquable   tient  en  meme  temps  du  genre 

Calodrome,  qu'  on  ne  peut  placer  que  dans  le  voisinage 

du  genre  Taphroderes,  dans  les  Brenthides,  et  des  Coly- 

dies:     nous     en    donnerons    bientot    une     tigure    el    une 

description  plus  complete. 
Das  Versprechen   der  Abbildung   und   genaueren   Besehreibung 
hat  Guerin  unerfĂĽllt  gelassen. 

Zu  jener  Zeit  standen  die  Colydier  noch  unter  Latreille's 
Xylophagen  wegen  ihrer  viergliedrigen  Tarsen.  Dies  muss 
nuui  berĂĽcksichtigen,  um  Guerin's  Zusatz  hinter  der  Ueber- 
schrift  Aprostome  zu  verstehen  „nouveau  coleoptere  voisin  du 
Calodromus  et  formant  la  liaisou  entre  les  Rhynchophöres  et 
les  Xylophages." 

Durch  Erichson's  Dismembratiou  der  Xylophagen  und  Ein- 
l'ĂĽgung  eines  Theiles  derselben,  namentlich  der  Colydier,  in  die 
Clavicornien  war  die  Sachlage  fĂĽr  Aprostoma  wesentlich  ver- 
schoben, ĂĽebrigens  hatte  Guerin  otl'enbar  zu  viel  Aceent  auf 
die  Brenthiden  (Calodromus,  Taphroderes)  und  zu  wenig  auf 
die  Colydier  gelegt,  so  dass  Erichson  vollkommen  entschuldigt 
war,  an  Aprostoma  (welches  er  in  Agassiz  Nomenciator  1840 
uulluhrt)  nicht  gedacht  zu  haben,  als,  er  in  der  Naturg.  ins. 
Deulschl.  111.    1845  die  Gattung  Mecedanum  errichtete. 

Westwood  (London  Transact.  1869  p.  319)  ignorirt  Mece- 
danum und  Fairmaire's  1868  publicirte  Notiz  darĂĽber,  bereichert 
Aprostoma  durch  eine  neue  Art  planifrons  vom  Niger,  und 
bemerkt  zu  dem  gleichzeitig  bes])rochnen  Apr.  tilum,  Herr 
(iuerin  habe  ihm  1842  gestattet,  eine  sorgftiltige  Zeichnung 
davon  zu  machen,  und  habe  das  Thier  fĂĽr  ein  Zwischenglied 
/wischen  Calodromus  (Brenthidae)  und  Colydium  gehalten. 
Dann  lĂĽgt  Westwood  hinzu: 

The  former  relationship  is  due  only  lo  the  very  elongate 
and  slender  form   of  the  insect.    The  latler  is  its  genuine 


385 

affinity,    as   is   proved   bv    the   structure   of  the  different 

parts  of  the  mouth. 

Dies  mĂĽssen  die  logischen  Freunde  in  MĂĽnchen  nothwen- 
dig  übersehen  haben,  sonst  wären  sie  nicht  mit  Aprostoma  in 
dem  neunten  Bande  ihrer  gewissenhaften  Rang-  und  Quartier- 
Liste  auf  Parade  gezogen,  wo  dieser  Colydier  zwischen  Ta- 
phroderes  und  Ischnomerus  als  Caballero  entschieden  einer 
de  la  mas  triste  figura  ist.  Sofern  dieser  neunte  Band  die 
Jahreszahl  1872  trägt,  hätte  Fairmaire's  Notiz  über  Aprostoma 
=:  Mecedanum  (1868)  sie  vor  diesem  Error  allenfalls  salviren 
sollen. 

Controverse  wäre  freilich  darüber  denkbar,  ob  Guerin's 
unsichres  Schwanken  ĂĽber  Aprostoma,  ob  Brenthide,  ob  Coly- 
dier, vor  dem  sicher  fundamentirten  Mecedanum  Erichson's  die 
Priorität  verdient,  oder  nicht?  Ich  denke  Ja;  ich  billige  durch- 
aus den  von  den  MĂĽnchner  Dioskuren  S.  XV  ihrer  Vorrede 
zum  Catalogus  Coleopterorum  ĂĽber  dergleichen  Fragen  ausge- 
sprochenen Grundsatz. 

Demnach  wĂĽrde  (mit  Beziehung  auf  Lacordaire's  Anord- 
nung Genera  d.  Col.  11.  p.  371)  es  in  Band  DI  des  Catalogus 
monacensis  S.   857  anstatt  Mecedanum  lauten  mĂĽssen: 

Aprostoma. 
d-TiQO-tJrößa  —   os  hebetatum. 
Guerin     Rev.    Zool.     1839    p.    171. 
Mecedanum  Erichson. 
filum  Guer.  Rev.  Zool.  1830  p.  172.    -^   Westw? 
Trans,  ent.  Soc.  1869  p.  319.  Erichson  Naturg. 
Ins.  m.  p.   274  (1845)  Fairm.  Ann.  Fr.  1868 
p.   780.  Madagascar 

planifrons  Westw.  1.   c.   p.   320.  Fl.  Niger 

S.  E.  E.  0. 

C.  A.  D. 


386 


Weitere  Beobachtungen  ĂĽber  Phylloxera, 


von 
•f.  lilclitenstein. 


Nach  Veröffentlichung  meiner  letzten  Wahrnehmungen 
in  Betreff  der  Reblaus  besuchte  ich  Bordeaux,  um  dort  an 
verschiedenen  Reben  die  Naturgeschichte  der  VerwĂĽsterin  zu 
studiren.  Im  Mai  legte  ich  dem  dortigen  Congresse  folgendes 
vor,  was  ich  ĂĽber  den  Kreislauf  dei-  Metamorj)hosen  conslatirl 
zu  haben  glaube. 

Im  normalen  Zustande  lebt  Phylloxera  vastatrix  auf  der 
amerikanischen  Rebe,  welche  unter  dem  Namen  Clinton  be- 
kannt ist. 

Von  October  bis  Mitte  April  liegt  das  Ei  auf  der  Rinde 
des  Weinstocks.  In  der  letzten  Hälfte  des  April  steigt  die 
entwickelte  junge  Laus  auf  die  Blätter,  wo  sie  Gallen  erzeugt 
und  nach  3  Häutungen  in  diese  Gallen  2  —  300  Knospen-Eier 
(oeufs-bourgeon)  parthenogenetisch  legt. 

Darauf  entweder  gleich  nach  dieser  ersten,  oder  nach  2, 
3,  4  Generationen  erfolgt  Wanderung  der  jungen  Blattläuse 
nach  den  Wurzeln^  hierauf  eine  neue  Häutung,  deren  Resultat 
ein  mehr  warziges  Ansehen  hat.  In  diesem  Stadium  wächst 
sich  das  Thier  aus  und  legt  in  die  von  ihm  in  die  Wurzel 
gestochenen  Löcher  täghch  2  bis  3  Eier.  Diese  parthenoge- 
netischen  Knospen-Eier  (oeufs-bourgeon)  können  unentwickell 
mehrere  Jahre  ausdauern. 

Das  Gallenblatt-Leben  dauerte  von  Mai  bis  Juni,  die  Wur- 
zel-Procedur  in  Juni  und  Juli;  im  August  zeigen  sich  die 
Nymphen  dieser  Colonien,  kriechen  aus  der  Erde  hervor  und 
liefern  die  geflügelten  Puppenträger.  Sobald  die  Puppen  gelegt 
sind,  erseheinen  daraus  die  sexuirten  ungetlügelten  Läuse  ohne 
Schnabel,  begatten  sich,  und  legen  das  befruchtete  Ei,  mit 
welchem  dann  der  neue  Kreislauf  beginnt. 

Was  geschieht  aber,  wenn  die  Läuse  die  erwähnte 
Clinton-Rebe  nicht  finden,  auf  welcher  sie  Gallen  erzeugen 
können? 

Sie  steigen  dann  im  „Struggle  for  hfe*-'  (Kampf  um's 
Dasein)  in  die  Blattknospen  und  versuchen  dort  zu  saugen. 
was  aber  nur  wenigen  gelingt,  so  dass  die  meisten  verkommen. 


387 

Einzelne  wenige  (offenbar  die  gescheidteren  und  geistig  be- 
gabteren unter  ibnen)  kriechen  zu  den  Wurzeln  hinunter  und 
siedeln  sieh  da  an.  Dabei  verwandelt  sich  sofort  ihre  feine 
glatte,  fĂĽr  die  Sommerwohnung  in  den  Gallen  passende  Haut 
in  das  warzige  gröbere  Fell,  gleichsam  in  Analogie  des  Berg- 
manns, der  auch  zu  seinem  Leben  im  Schacht  einen  gröbern 
Habit  braucht,  verglichen  gegen  die  leichtere  Kleidung  des  im 
Sonnenlicht  hantirenden  Landmanns, 

Den  Lesern  dieser  Zeitung  ist  vielleicht  das,  was  ich 
ĂĽber  die  Entwicklungsgeschichte  der  anthogenetischen  Phyllo- 
xeriden  registrirt  habe,  schon  seltsam  genug  erschienen;  doch 
glaube  ich ,  an  einer  von  mir  wieder  aufgefundenen  Kollar'schen 
Art  noch  etwas  ganz  Neues  und  Abweichendes  beobachtet  zu 
haben. 

Ich  fand  Acanthochermes  quercus  Kollar  (Sitzungs- 
berichte der  k.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  Wien  L  S.  78)  Phyl- 
loxera  acanthochermes  m.  am  20.  Mai  in  Le  Vallier,  Langoi- 
lan  (Vaucluse)  bei  Herrn  DelbrĂĽck. 

Das  Thier  bildet  unter  den  Eichenblättern  linsenförmige 
Vertiefungen,  welche  Kollar  ausreichend  beschrieben  hat,  um 
sie  leicht  zu  erkennen.  Anfangs  Mai  gleicht  die  Laus  durch- 
aus der  gewöhnlichen  Phylloxera  quercus,  nur  dass  sie  doppelt 
so  orross  ist,  und  durch  zwei  BĂĽrsten  am  After  entschieden 
den  Charakter  einer  ächten  Coccide  zeigt. 

Aus  ihr  entwickelt  sich  eine  kreisrunde  Nymphe,  um- 
geben von  fleischigen  sternfin-migen  Anhängseln,  welche  die 
bereits  deutlich  dui-chschimmernden  sexiiirten  Puppen  in  ihrem 
Körper    trägt. 

Sie  platzt,  und  es  tritt  heraus  der  dicke  Puppenträger. 
Ganz  abweichend  von  den  ĂĽbiigen  Phjlloxeren  zeigt  sich  diese 
Form  bei  Acanthochermes  ungeflügelt,  und  während  Ph. 
vastatrix  3,  4  Puppen,  quercus  und  coccinea  4,  6  Puppen 
enthalten,  producirt  sie  nicht  weniger  als  60  bis  80,  etwa  1/3 
Männchen,  -jg  Weibchen.  Aus  diesen  auf  einen  Haufen  ge- 
legten Puppen  entwickeln  sich  nach  acht  Tagen  die  sexuirten 
Thiei'e,  ganz  Phylloxeren-förmig  ohne  Schnabel;  das  Männchen 
exhibirt  einen  ziemlich  starken,  senkrecht  nach  unten  gerich- 
teten dreieckigen  Penis. 

Sie  begatten  sich  sofort,  und damit  schliessen 

fĂĽr  den  Augenblick  meine  Wahrnelimungen!  Denn  nach  der 
Begattung  sind  sie  alle  scheintodt:  nur  dass  man  im  Abdomen 
der  Weibchen  ein  einziges,  gro.'-ses  Ei  hell  und  lebendig  durch- 
seheinen sieht. 

Wird    es    bei    den  anthogenetischen  l'emphigus-Arten  (P. 


388 

terebinthi,  P.  lentisci)    bis   zum  nächsten  Frühjahr  im  Mutter- 
leibe verbleiben?     Wer  weiss  das? 

Diese  in  wesentlichen  Punkten  so  verschiedenartig  orga- 
nisirten  Thiere  alle  in  dei-selbeu  Gattung  unterzubringen,  wird 
wohl  systematisch  unthunlich  sein.     Curae  posteriores! 

Montpellier,  im  Juni. 


Ooleopterologische  Kleinigkeiten , 

von 
Prof.  Sehiutidt-Cioebel  in  Wien. 


Die  Flugperiode  der  Maikäfer  (M.  vulgaris  u.  hippo- 
castani)  fĂĽr  Lemberg  ist,  wie  von  vornherein  zu  erwarten 
stand,  eine  vierjährige.  Starke  Maikäferjahre  waren  1855, 
1859,  1863  eein  wenig  schwächer),  1867,  1871;  mittelmäs- 
sige  1862,  1866,  1870  (die  Aufzeichnungen  von  1854,  1856. 
1857,  1858  fehlen  mir);  ziemheh  schwache  1861,  1865. 
1869,  1873;  sehr  schwache  1853,  1860,  1864,  1868  und 
1872.  M.  hippocastani  waltete  dabei  an  einigen  Localitäten 
vor.  Am  zeitigsten  erschienen  sie,  so  M'eit  meine  Notaten 
reichen,  am  28.  April  1862.  Weissbuchen,  Eichen,  Ross- 
kastanien, dann  Rothbuchen,  Weiden  und  Ebereschen  waren 
in  starken  Jahren  sehr  von  ihnen  befallen,  Obstbäume  wenig, 
Linden  und  Traubenkirschen  (Prunus  padus)  wurden,  so  viel 
ich  bemerkte,  nicht  angetastet.  Nadelbäume,  etwas  einge- 
sprengte Kiefern  ausgenommen,  fehlen  in  der  nächsten  Um- 
gebung. Einige  Lärchen  in  Gärten  wurden  massig  von  ihnen 
besucht. 

Es  wäre  von  grossem  wissenschaftlichem  und  praktischem 
Interesse,  die  Flugperiode  fĂĽr  ganz  Deutschland  und  die  an- 
grenzenden Ländei"  kennen  zu  lernen,  also  ähnliche  Berichte 
wie  den  vorliegenden  aus  recht  vielen  Punkten  des  Gebietes 
zu  erhalten,  in  welchem  diese  Blätter  verbreitet  sind,  nebst 
Beifügung  der  Angabe  über  die  beiläufige  Seehöhe  des  betref- 
fenden Gebietes,  sowie  dessen  Bodenbeschaffenheil  im  Allge- 
meinen. Die  sich  nach  Norden  und  Nordosten  erstreckende 
Ebene,  auf  welcher  Lemberg  Hegt,  hat  rund  800  Fuss  alt. 
par.  M. ,    die    nach   SĂĽden    und    SĂĽdwesten    anstossende    erste 


389 

galizische  Terrasse  1000—1100  F.  vSeehöhe.  Der  Boden  der 
Ebene  ist  theilweise  ein  mittelguter  Thonboden  mit  etwas 
schwerem  schwarzem  und  ein  wenig  moorigem  Erdreich,  der 
der  Terrasse  ein  ziemlicli  stark  sandiger  leichter  lehmiger, 
streckenweise  sehr  f^andiger. 


Unter  die  autfälligen  und  interessanten  Lemberger  Vor- 
kommnisse gehört  ohne  Zweifel  Pelopoeus  destillatorius  111. 
Seine  Verbreitung  geht  über  ungeheure  Länderstrecken,  von 
Guinea  nach  SĂĽd-Europa  und  Westasien  bis  in  die  Vorberge 
des  Ural,  wie  es  aber  scheint  vollkommen  inselartig  und  mit 
grossen  Zwischenräumen.  Das  erste  Exemplar  erhaschte  ich 
hinter  meinem  Fenster  am  10  Juli  1862.  Vergebens  schaute 
ich  mich  nach  seinem  Bau  um,  der  wohl  in  der  Nähe  an 
einem  Gesimse  sein  mochte,  weil  das  Thier  sich  sonst  wohl 
nicht  leicht  bis  in  den  2.  Stock  verflogen  hätte  —  ich  konnte 
trotz  aller  MĂĽhe  nichts  entdecken.  V^enige  Tage  darauf  er- 
blickte ich  ein  zweites  Exemplar,  das  nach  einem  kĂĽrzlich 
gefallenen  Regen  mitten  in  der  Stadt  Lemberg  von  einer  der 
chaussirten  Strassen  den  fein  zerriebenen  Koth  zu  seinem  Bau 
mit  den  Kiefern  aufnahm;  leider  konnte  ich  seiner  nicht  hab- 
haft werden.  Ein  drittes  Exemplar  fand  ich  unter  allerlei  ganz 
gemeinen  Insekten,  die  mir  von  einem  beginnenden  Sammler 
zu  Gebote  gestellt  wurden,  der  keine  weitere  Auskunft  geben 
konnte,  als  dass  es  aus  Lemberg  stamme.  Er  schien  demnach 
in  jenem  Jahre  eben  nicht  selten  zu  sein,  doch  bekam  ich 
ihn  später  nie  wieder  zu  Gesichte.  Die  Provinz  Preussen,  in 
deren  sandigen  Gegenden  so  manches  sĂĽdhche  Insekt  unver- 
hofft auftaucht,  könnte  ihn  leicht  auch  aufzuweisen  haben,  und 
ich  möchte  hiemit  die  dortigen,  sowie  auch  die  oberschlesischen 
Sammler  auf  ihn  aufmerksam  gemacht  haben. 


Von  GIvptoma  corticinum  meint  Dr.  Kraatz  in  der 
N.  G.  d.  Ins.  Deutschi.  11.  p.  1049:  „Das  von  Aube  beobach- 
tete Vorkommen  des  Käfers  in  der  Gesellschaft  von  Ameisen 
dürfte  wohl  nur  ein  zufälHges  gewesen  sein.''  Ich  kann  dieser 
Meinung  nach  ineinen  Erfahrungen  nicht  unbedingt  beistimmen. 
Ich  fing  diesen  noch  immer  seltenen  Käfer  zwar  nur  einmal, 
aber  da  auch  gleich  66  StĂĽck,  bei  Wien  im  Prater,  im  Jahre 
1848,  jedoch  nicht,  wie  Redtenbacher  in  seiner  F.  A.  sagt,  in 
morschen  Eschenbäumen,  sondern  in  einer  Weissbuche  (Car- 
pinus  betulus),    die   auf  einer  Seite  bis  in  ziemhche  Tiefe  von 


390 

einer  in  dem  noch  recht  harten  und  festen  Holze  minirenden 
Ameise  zahlreich  bewohnt  war.  Ich  stemmte  mit  vieler  MĂĽhe 
das  diirchminirte  Holz  auf  etwa  1 1/2  Fuss  Länge  und  einige 
Zoll  Tiefe  heraus  und  hatte  also  Gelegenheit,  den  ganzen  Bau 
zu  durchsuchen  und  das  Thierchen  in  seinem  Benehmen  zu 
beobachten.  Wie  Motschulsky  richtig  angiebt,  ist  es  sehr  trag 
und  langsam,  lässt  sich  bei  Berührung  fallen  und  .stellt  sich 
mit  ausgestreckten  steifen  Beinen  lodt.  Es  sass  oder  spazierte 
sehr  gemächlich  in  allen,  auch  den  tiefsten  Gängen  des  Baues 
herum,  und  nahm  allem  Anschein  nach  von  den  Ameisen  eben 
so  wenig  Notiz  als  diese  von  ihm.  Dies  scheint  denn  doch 
anzudeuten,  dass  der  Käfer,  w^enn  er  auch  nicht  lediglich  auf 
die  Ameisen  angewiesen  ist,  doch  unter  ihnen  am  besten  ge- 
deiht; denn  ich  kann  mich  nicht  erinnern,  je  von  einem  so 
ausgiebigen  Fange  an  irgend  einem  andern  Orte  gelesen  zu 
haben,  und  es  ist  wohl  schwer  anzunehmen,  dass  eine  solche 
Anzahl  —  die  herabgefallenen  und  übersehenen  nicht  einmal 
mitgerechnet  —  zufällig  in  den  Ameisenbau  gerathen  sein 
sollte. 

Larven  und  Puppen  fand  ich  allerdings  keine,  aber  es 
mochte  Avohl  die  Zeit  vorüber  sein,  wo  der  Käfer  in  diesen 
Zuständen  vorkommt. 

"Wenn  der  Käfer  sonst  an  verschiedenen  Lokalitäten  ge- 
funden wurde  —  aber  nie  so  massenhaft  —  so  darf  man 
wohl  muthmassen,  dass  diese  wenigstens  in  manchen  Fällen 
entweder  frĂĽher  von  Ameisen  bewohnt,  im  Moment  aber  \'er- 
lassen,  oder  dass  Ameisen-Colonien  in  der  Nähe  waren,  ohne 
dass  die  Sammler  die  gehörige  Aufmerksamkeit  auf  diesen 
Umstand  richteten.  Immerhin  mag  zuweilen  unter  bestimmten 
Verhältnissen  der  Käfer  so  zu  sagen  selbstständig  ohne  Amei- 
sen leben  können  und  leben,  aber  ohne  Zweifel  gedeiht  er 
bei  in  Holz  minirenden  Ameisen  weitaus  am  besten. 

Die  Ameise,  bei  welcher  ich  ihn  fand,  ist  Lasius  brun- 
neiis  Ltr.  Meine  Bestimmung  desselben  ist  von  Dr.  Mayr 
bestätigt. 


Sphindus  dubius  Gj'll.  oder  richtiger  liis]iidus  Payk. 
(Anobium)  ist  in  den  Wäldern  bei  Lemberg  gerade  keine  be- 
sondere Seltenheit.  Das  eigentliche  Wohn-  und  Kosthaus  des- 
selben ist  eine  grosse  Lycogale,  die  ich  aus  Mangel  an  HĂĽli's- 
mitteln  nicht  näher  bestimmen  konnte.  Auch  in  einer  andern 
kleinern  Species  (aber  nicht  L.  miniata)  habe  ich  ihn  schon 
gefunden.      Daselbst    kam    auch    ein  Colon    vor;    welche  Art. 


3P1 

kann  ich  mich  leider  nicht  mehr  erinnern.  Es  dĂĽrften  die 
Colon-Arten  wohl  mehrfach  in  unterirdischen  Pilzen  leben,  wie 
ich  diess  namentlich  von  den  Anisotominen  vermuthe.  Mit 
einem  TrülT'elhimd  wäre  der  Sache  leicht  auf  die  Spur  zu 
kommen.  Dass  die  unterirdischen  Schwämme  von  Insekten 
bewohnt  sind,  weiss  jedei-  TrĂĽflelsucher  und  habe  ich  dies 
als  Knabe  an  frischen  „madigen^'  Trüffeln  öfter  gesehen;  auch 
erzog  ich  später  aus  unterirdischen  Pisolithus  arenarius  den 
f *  r y  p  t  o  p  h  a g  u  s  S  c  h  m  i  d  t i  i  Stm.  Besonders  häufige  Bewohne r 
mehrerer  Lvcogale-Arten  sind  eine  Anzahl  Agathidien;  doch 
nähren  sie  sich  auch  oft  von  andern  an  Sporen  sehr  reichen 
Pilzen,  wie  ich  sie  z.  B.  mehrfach  an  Stemonitis  und  Arcyria 
fand.  Wo  man  Agathidien  hinter  Rinden  findet,  fehlen  Micro- 
myceten  nie.  Auch  an  einer  Sphaeria  sind  sie  zu  haben. 
TTntersucht  man  den  Inhalt  des  Darmkanals  von  einem  Agathi- 
dium.  so  findet  man  ihn  grösstentheils  aus  Sporen  bestehend. 
Auch  das  seltene  Syntomium  aeneum  fand  ich  Stemonitis 
abweidend  an  einem  Buchenstrunk  im  Waldschatten.  Orchesia 
micans  ist  bekanntermassen  ein  häufiger  Bewohner  von  Poly- 
porus  rufus,  die  schönen  und  seltenern  gebänderten  Arten 
fivsfiata  Payk  und  undulata  Kraatz  kommen  aber  bei  Lemberg 
und  in  den  Karpal hen  im  Waldschatten  an  abgestorbenen  oder 
geworfenen  Birken  hinter  der  sich  ablösenden  und  zurückrol- 
lenden weissen  Rinde  vor;  ob  sie  nicht  doch  vielleicht  Pilz- 
bewohner, kann  ich  nicht  unbedingt  bestreiten;  denn  es  wuchsen 
auch  harte  Boleti  an  diesen  Birken;  aber  an  diesen  sass  nie 
eine  Orchesia;  0.  minor  Walk,  klopfte  ich  von  dĂĽrren  Aesten 
ab;  der  spätere  Name  von  Rosenhauer  —  sepicola  —  deutet 
ein  ähnliches  Vorkommen  an. 


Bei  Capnodis  tenebrionis  giebt  v.  Kiesenwetter  (Ins. 
Deutschi.  IV.  28)  als  Vaterland  die  sĂĽdlichsten  Theile  SĂĽd- 
Deutschlands,  namentlich  SĂĽd-Tirol  an,  hat  aber  dabei  ĂĽber- 
sehen, dass  ich  in  dieser  Zeitung  (XVI.  S.  212)  ihr  Vordringen 
weit  nach  Norden  constatirt  habe,  indem  ich  berichtete,  dass 
ich  sie  bei  Prag  in  sonnigen  Lagen  auf  den  Blättern  von 
Prunus  spinosa  und  insititia  fing,  in  deren  Rhizom  die  Larve 
lebt.  Sie  ist  seit  jener  Zeit  dort  noch  mehrfach  gefangen 
worden,  und  liegt  mir  aucli  aus  Ostgalizien  vor,  wo  auch 
Perotis  lugubris  vorkommt. 

Von  Anchomenus  gracilipes  berielitel  v.  Rottenberg 
in  der  Berl.  ent.  Z.  XI.   412,  dass  er  in  Schlesien  im  Hacheu 


392 

Lande  ilbeivintert,  während  man  ihn  im  Frühjahre  nie  daselbst, 
sondern  im  Hochgebirge  finde.  Bei  Lemberg  traf  ich  ihn 
nicht  selten  auch  im  Frühjahre  an,  während  ich  zu  Ende 
September  1852  im  Stryer  Kreise  auf  dem  Gipfel  der  Paraschka, 
in  einer  Seehöhe  von  etwa  4000  Fuss,  ihn  in  Mehrzahl  unter 
Steinen  sammelte. 


Cryptoeephalus  sericeus  ^  traf  ich  am  23.  Juli  1854 
in  voDständiger  Copula  mit  Chrysomela  varians  2-  Leider 
konnte  ich  das  Paar  nicht  mit  nach  Hause  nehmen,  um  das 
Ergebniss  abzuwarten;  indessen  wäre  es  ohne  Zweifel  gleich 
Null  gewesen. 


Die  Bombjlii  sind  entschieden  Schmarotzer,  und  zwar 
auch  von  Hymenoptern.  Ich  erzog  eine  der  kleinern  einfarbig 
braungelblichen  Arten,  die  ich  bei  meinen  mangelhaften  dipte- 
rologischen  Hülfsmitteln  nicht  ganz  verlässlich  bestimmen 
konnte,  und  die  mir  ein  Dipterologe,  dem  ich  .sie  mit  der 
Bitte  um  Bestimmung  zusandte,  nichl  so  freundlich  war,  zu 
benennen,  noch  auch  wiederzuschicken,  aus  den  Puppen  von 
CoUetes  fodiens,  von  welchem  ich  einmal  eine  lehmige  Erd- 
wand eines  Hohlweges  so  besetzt  fand,  dass  icli  nicht  den 
Daumen  aufsetzen  konnte,  ohne  ein  Eingangsloch  zu  bedecken. 
Die  Zeichnung  in  Westwood's  Introd.  mod.  class.  ĂĽ.  p.  538, 
Fig.  128.  14  ist  zwar  etwas  roh,  aber  sonst  richtig.  Die  von 
Imhoff'  in  der  Isis  von  1832.  V.  kann  ich  leider  nicht  nach- 
sehen. 


Ocnera  hispida  F.  ist  in  Stein's  Cat.  Col.  Eur.  nicht 
aufgefĂĽhrt.  Ich  besitze  sie  jedoch  schon  seit  mehr  als  30  Jahren 
aus  Sicilien,  von  wo  sie  der  verstorbene  Dr.  Helfer  in  mehre- 
jen  Exemplaren  mitbrachte. 


Vom  Vorkommen  des  Lucanus  cervus  in  Buchen  wurde 
schon  einige  Male  (auch  in  diesen  Blättern)  berichtet;  ich  traf 
ihn  in  den  Vorbergen  der  Karpathen  im  Kolomeer  Kreise  in 
alten  Buchenwäldern,  wo  weil  und  breit  keine  Eiche  vorkam, 
in  riesigen  Exemplaren  an.  Indessen  beschränkt  sich  seine 
Larve  nicht  auf  diese  beiden  Bäume.  Mehreren  meiner  Zuhörer 
aus    dem    östlichen  Galizi,en    und    aus   der  Bukowina  war  gar 


kein  anderes  Vorkommen  bekannt  als  in  und  auf  Weiden, 
und  zwar  ziemlich  liäulig.  was  auch  für  England  gilt,  wo  sie 
nach  Westwood  (Inlrod.  1.  188)  hauptsächlich  (chietly)  in 
Weiden  und  Eichen  lebt.  Schrank  Fn.  boic.  I.  375  giebt  fĂĽr 
L.  capreolus  eine  andere  Amentacee  oder  Salicinee,  die 
Schwarzpappel  an.  Dallinger  berichtet  in  Hoppe's  ent.  Taschb. 
{'.  1797,  p.  197,  dass  er  drei  frisch  entwickelte  StĂĽcke  des 
Käfers  in  einem  faulen  Wallnussstocke  angetroffen ,  und  Mul- 
.stuit  (Lamellic. "  588)  erwähnt,  dass  Marquis  Laferte  die  Larve 
itn  faulen  Holz  eines  Kirschbaums  gefunden.  Mir  brachte  ein 
Hörer  Exemplare  von  Brzezany  (Ostgalizien ,  in  dessen  Um- 
gebung Eichen  häufig  sind),  die  aus  wilden  Birnbäumen  stamm- 
ten. Petagna  (Instit.  entom.  I.  p.  132)  giebt  von  der  var. 
Dorcas  an,  dass  sie  in  den  Stämmen  alter  Eschen  lebe,  was 
Schlotthauber  (Rtzebg.  Forstins.)  von  der  Stammart  berichtet. 
Freyssler  (Verz.  böhm.  Ins.  p.  10)  sagt:  „bei  uns  in  Böhmen 
sehr  gemein,  in  allen  Fichten-  und  Eichenwaldungen",  während 
Ratzeburg  alte  Kieferwurzeln  als  ihren  Wohnort  anfĂĽhrt.  Das 
auflTälhgste  Vorkommen  giebt  Kugelann  in  Schneiders  neuest. 
Mag.  p.  255  an  —  „wird  im  Frühjahr  und  Herbst  nicht  sel- 
.,ten  an  Brechstuben  in  den  Flachs-Scheevenhaufen  (dem  Ab- 
..fall  der  gebrochenen  Leinptlanzen)  gefunden".  —  Es  dürfte 
somit  die  Hirschkäferlarve  Avahrscheinlich  im  faulen  Holze 
aller  grossen  Laubbäume  mit  Bevorzugung  der  Eichen  und 
Weiden  und  einio;er  Nadelbäume  w^ohnen. 


Von  Corymbites  cruciatus  L.  sagt  Redtenbacher  F.  A. 
'.'>.  i'd  I.  p.  547,  er  komme  auf  Equisetum  vor.  Dahin  mag- 
er wohl  nur  zufällig  gerathen  sein  und  ich  habe  ihn  nie  daraul' 
MugetrotTen,  wohl  aber  fing  ich  ihn  jedes  Jahr  im  Mai  und 
.)uni  mehrfach  auf  den  Plankenzäunen  von  Lembergs  Gärten, 
welche  aus  Kieferbrettern  bestehen,  die  zwischen  Fichten- 
pfosten eingefalzt  sind,  so  dass  er  wohl  ohne  Zweifel  als  ein 
Holzbewohner  angesehen  werden  muss.  Jedoch  konnte  ieli 
nicht  ergrĂĽnden,  welche  der  beiden  Holzarten  ihn  eigentlich 
beherbergt.  Die  Adelocera-Arten  möchte  ich  nicht  ohne  wei- 
teres als  Nachtthiere  ansehen,  wie  Redtenbacher  das  (p.  528) 
Ihut,  denn  ich  fing  in  OlmĂĽtz  an  einer  aus  Eiehenbalken  ge- 
bauten BrĂĽcke  innerhalb  einiger  'l'age  13  StĂĽck  A.  lepidoptera 
beim  hellsten  Sonnenschein.  A.  fasciata  und  quercea  Hbst. 
Cvaria  F.)  traf  ich  allerdings  im  Innern  hohler  Eichen,  also 
vor  der  vollen  Tageshelle  geschĂĽtzt,  in  einigen  Exemplaren  in 
Brandeis  bei  Prae-  an. 


394 

Quedius  dilatatus,  der  bekanntlich  bei  den  Hornissen 
wohnt,  wnrde  von  mir  einmal  in  2  Exemplaren  sĂĽdlich  von 
Prag  (Königsaal)  bei  Aas  gefunden.  Wahrscheinlichst  ging  er 
dort  auf  Raub  aus. 


Crj'ptocephalus  sericeus  ist  öfter  auf  blühenden  wil- 
den Rosen  verschiedener  Speeies  zu  finden.  Er  beschäftigt 
sich  dort  damit,  die  Staubfäden  vollständig  abzuweiden,  mag 
aber  trotzdem  die  Befruchtung  (Hier  nicht  verhindern,  sondern 
sogar  befördern,  indem  durcli  sein  Herumwühlen  zwischen  den 
Staubladen  der  Blumenstaub  auf  die  Narben  fällt. 


Denops  albofasciatus  Charp.  soll,  wie  Redtenbacher 
(F,  A.  ed  III.  549j  berichtet,  nach  Hampe's  Beobachtung 
springen.  Obwohl  ich  dieses  schöne  Thierchen  im  Jahre  1837 
im  Mai  an  den  Flechtzäunen  der  serbischen  Quaruntaine,  in 
welcher  ich  11  Tage  eingesperrt  war,  mit  aller  MĂĽsse  in 
einer  Anzahl  Exemplare  fing,  so  konnte  ich  doch  nichts  der- 
gleichen bemerken.  Dagegen  stellte  es  sich  als  höchst  wahr- 
scheinlich heraus,  dass  er  als  grimmiger  Mörder  die  friedlich 
zusammenwohnenden  Apate  Capucinas  und  Capucinos  zu  ihrem 
geistigen  und  seinem  leibhchen  Heile  ,,in  ein  bessei-es  Jenseits*' 
beförderte;  denn  er  spazierte  beständig  schnüffelnd  an  den 
Eichenpfählen  des  Zaunes  herum,  in  welchen  die  Apate  zahl- 
reich vorhanden  war,  ging  in  den  Bohrh'ichern  derselben  ein 
und  aus,  und  wurde  von  mir  mehreremale  sammt  seinen 
nmth masslichen  Opfern  durch  Tabakrauch  aus  denselben  heraus- 
getrieben. Er  scheint  demnach  eben  so  wenig  Vegetarianer 
zu  sein,  als  mehrere  seiner  Verwandten. 


Tropidoderes  sepicola  Hbsl.  und  Anthotribus  (Ma- 
crocepiuilus)  albinus  L.,  zwei  Käfer,  die  in  Lemberg  an  den 
Flechtzäunen  —  der  erstere  an  den  aus  Weiden-Knütteln  und 
Ruthen  verfertigten  —  sehr  häufig  sind,  machen  jedoch,  was 
meines  Wissens  noch  nicht  beobachtet  wurde,  SprĂĽnge  oder 
wenigstens  sprungartige  Bewegungen.  Statt  sich  nämlich  bei 
der  Annäherung  eines  Feindes  einfach  fallen  zu  lassen,  schnel- 
len sie  sich,  nicht  immer,  aber  häufig,  von  ihrem  Sitze  herab, 
so  dass  sie  in  einem  schwachen  Bogen  fallen.  Wahrscheinlich 
thun  sie  dies,  um  ihres  Falles  auf  den  Boden  sicher  zu  sein, 
wo  sie  ihren  Verfolgern  sichei-er  enlzogen  sind,  als  wenn  sie 


395 

auf  dem  nächsten  Knüttel  des  Zaunes  liegen  bleiben.  Chora- 
gus  Sheppardi  Kby.,  von  dem  ich  an  einem  abgestorbenen 
Ahorn  nach  und  nach  60  sammelte,  ist  aber  schon  ein  eigent- 
licher Springer,  wenn  er  sich  auch  nicht  immer  dieses  Mittels 
zur  Flucht  bedient  und  seine  Sprünge  höchstens  etwa  2  Zoll 
erreichen.  Ob  Ch.  piceus  Schm.  ebenfalls  ein  Springer  ist, 
kann  ich  nicht  sagen,  da  ich  nur  ein  einziges  Exemplar  von 
dĂĽrren  Obstbaumzweigen  bei  Lemberg  abklopfte.  Tv.  sepicola 
fĂĽhrt  ausserdem  ein  Manoever,  so  weit  ich  wahrnehmen 
konnte,  genau  so  wie  Xestobium  pulsator  Schall,  aus, 
nämlich  das  Klopfen,  das  bei  letzterem  bereits  von  Schaller 
und  Späteren  beschrieben  ist ,  das  ich  aber  hier  doch  wieder 
erzählen  zu  dürfen  glaube.  Der  Käfer  klammert  sich  nämlich 
mit  den  ziemlich  gespreizten  Hinterbeinen  und  mit  den  weni- 
ger entfernten  Mittelbeinen  fest  an  das  Holz  an,  hakt  die 
Klauen  der  Vorderbeine  in  irgend  ein  kleines  Ritzchen  oder 
Höckerchen  ein,  hebt  sich  auf  den  Vorderbeinen  so  hoch  als 
möglich  in  die  Höhe,  und  schlägt  nuji,  indem  es  sich  mit 
diesen  plötzlich  herabreisst,  aus  aller  Macht  mit  den  geschlos- 
senen Oberkiefern  auf  die  Unterlage,  so  dass  es  verwunderlich 
ist,  wie  das  Thier  diese  heftigen  ErschĂĽtterungen  \'ei'tiagen 
kann.  Die  Zalil  der  Schläge  mag  in  der  Secunde  immerhin 
5  —  0  betragen  und  nach  Je  15  —  20  Schlägen  folgt  eine  län- 
gere oder  kĂĽrzeie  Pause  von  einigen  Minuten  und  endlich  eine 
lauge  Unterbrechung,  nach  welcher  es  seine  Klopferei  an  einem 
andern  Orte  beginnt.  Der  klopfende  Käfer  iiess  mich  so  nahe 
kommen,  dass  ich  ihm  durch  eine  Lupe  von  2  Zoll  Brennweite 
zusehen  konnte,  welcher  Umstand  mich  lebhaft  an  das  Balzen 
des  Auerhahns  eiinnerte,  mit  welchem  es  auch  offenbar  den- 
selben Zweck  hatte,  nämlich  die  Anlockung  des  Weibchens, 
Trotzdem  konnte  ich  keinen  Schall  wahrnehmen  —  ich  habe 
IVeilicli  kein  sehr  feines  Gehör  —  und  das  andere  Geschlecht 
mag  die  Schläge  vielleicht  mehr  fühlen  als  hören.  Tr.  sepi- 
cola, der  viel  scheuei'  und  obendrein  nocli  viel  kleiner  ist, 
konnte  ich  nicht  so  genau  beobachten,  docli  ist  sein  Verfahren 
im  Allsemeineii  oanz  dasselbe. 


Pelecotonia  J'ennica  Pajl^-  'h'g  '^'1'  ^-^var  nur  dreimal, 
einmal  in  Böhmen  bei  Leitmeiitz  und  zweimal  in  Galizien, 
trotzdem  möchte  ich  mir  erlauben,  eine  Ansicht  über  seine 
Oekonomie  auszusprechen.  Ich  halte  den  Käfer  nämlich  für 
einen  Schmarotzer  von  den  beiden  bei  uns  vorkommenden 
Arten   von  Ptilinus.     Ich    traf  ihn  jedesmal  an  niDrschen  Par- 


?.96 

lien  von  Sehwaizpap])eln  und  Kopfweiden,  in  weiclien  der 
eine  oder  der  andere  der  L'lilini  seinen  Wohnsitz  au  teeseh  lagen 
hatte,  und  zwar  zu  der  Zeit,  zu  welcher  die  Ptilini  so  zu 
sagen  im  vollen  Flor  standen  und  theils  eben  ausgeschlĂĽpft, 
theils  damit  beschäftigt  waren,  zur  Fortpflanzung  neue  Bohr- 
löcher anzulegen.  Das  bellende  Thierchen,  das  seiner  Zartheit 
halber  gar  nicht  geeignet  ist,  als  Holzbewohner  selbst  Bohr- 
lĂĽcher  anzulegen,  trieb  sich  zwisehen  den  Ptilinen  herum,  kam 
aus  den  Bohrlöchern  derselben  heraus  und  kroch  auch  wiedei* 
in  solche  hinein.  Wer  in  der  Lage  ist ,  mehrfach  mit  Ptilinen 
besetztes  Holz  einzuzwingern ,  wird  wohl  auch  einmal  eines 
StĂĽckes  habhaft  w^erden,  in  welchem  Pelecotoma  schmarotzt, 
und  so  die  Frage  entscheiden  können.  Es  wäre  mir  selbst 
mit  einer  morschen  Weide  gelungen,  hätte  nicht  ein  der 
Entomologie  sehr  fern  stehender  gewöhnlicher  Holzbedüiftiger 
die  Weide  ehei*  abgeholt,  als  ich  sie  zu  kaufen  kam.  Von 
der  sehr  zarten  und  sehr  Hinken  Phloiotrya  rufipes  Gyll., 
die  ich  in  den  Vorbergen  der  Karpathen  im  Stanislauer  Kreise 
an  mit  Bohrlöchern  versehenen  Knütteln  eines  Flechtzaunes  in 
einigen  Exemplaren  fing,  möchte  ich  dieselbe  Vermuthung  auf- 
stellen. Die  nahe  stehende  Abdera  flexuosa  Payk.  schlĂĽpfte 
mir  (nebst  Orchesia  micans)  aus  Polyporus  rufus  aus,  n)it 
welchem  ein  in  tiefem  Waldesschatten  stehender  morschei- 
Laubholz-Strunk  besetzt  war. 


Ueber  die  Artrechte  von  Cryptohypnus  dermestoides 
Gmr.  spricht  sich  schon  v.  Kiesenwetter  (N.  Gr.  d.  Ins.  Deutschi. 
IV.  p.  367)  zweifelnd  aus.  Sie  sind  in  der  That  Cr.  4-gutta- 
tus  Cast.  (tetragraphus  Gmr.)  gegenĂĽber  nicht  aufrecht  zu  er- 
halten, da  die  von  v.  Kiesenwetter  vernuitheten  Uebergänge 
faktisch  vorkommen.  Ich  besitze  die  vollständige  Uebergangs- 
reihe  aus  Prag,  OlmĂĽtz  und  Kolomea,  wo  deren  Glieder  wie 
die  Stammart  an  den  sandigen  Ufern  der  Moldau,  dei-  Mareli 
und  des  Pruth  einzeln  vorkommen.  Erst  werden  die  Schulter- 
Hecken  kleiner,  dann  verschwinden  sie,  dann  geschieht  dasselbe 
mit  den  hintern  Flecken  der  B]lytra.  Dabei  hat  ein  Exemplar 
ohne  Vorderflecken  die  Fühlerbasis  noch  röthlich  braun  und 
ganz  gelbe  Beine,  ein  anderes  aber  schon  in  der  Mitte  dunklere 
Schenkel,  während  ganz  ungefleckte  das  1.  Fühlerglied  doch 
nicht  schwarz,  sondern  nur  dunkelbraun  oder  an  der  Basis 
schwarz  und  das  2.  und  3.  auch  dunkel  haben.  Dass  die 
Flügeldecken  im  Verhältniss  zum  Thorax  kürzer  seien,  kann 
ich    nur    in    einem    sehr  eerinaen  Maasse,    da  aber  auch  bei 


397 

einzelnen  Exemplaren  von  Cr.  4-guttatus  finden.  Wenn  mau 
diese  Art  mit  vier  Flecken  (sovväe  bei  4-pustulatus  F.)  als 
Stammart  annimmt,  so  mĂĽsste  die  Nomenclatur  lauten:  Cr. 
4-guttatus  Cast.  var.  a,  elytris  maeula  tantum  apicali  pallida 
var.  b,  elytris  omnibus  immaculatis.  E.  dermestoides  Hbst.  Käf. 
X.  85.  96.  taf.  165.  F.  10'")  —  minimus  Lacord.  Faun. 
Par.   660. 

Allein  lange  vor  Castelnau,  nämlich  im  Jahre  1792  hat 
Preyssler  in  Mayer,  Sammlung  physikal.  Aufsätze  11.  S.  XXVII. 
1  Tab.  3.  27.  den  Käier  aufs  ausführlichste  und  genaueste  (auf 
41  ('2  Seite)  beschrieben  und  auf  der  dritten  (unnumerirten)  Tafel 
stark  vergrössert  und  gut  abgebildet.  Schönherr  in  seiner  ^yn. 
ins.  in.  316  hat  dies  auch  nicht  ĂĽbersehen  und  bringt  das 
Citat  als  Synonym  von  El.  4-pustulatus  Fabr.  bei,  wohin 
ess  aber  keinesfalls  gehört,  da  der  Pre\'sslersche  Käfer  ganz 
unzweifelhaft  der  4-guttatus  Gast.  ist.  UnglĂĽcklicherweise 
aber  wählte  Preyssler  den  Namen  4-pustulatus,  den  Fabri- 
ciuö  in  Ent.  syst.  Tl.  2.  235.  89.  in  demselben  Jahre  1792 
dem  Elater  gegeben  hatte,  den  wir  jetzt  noch  so  nennen. 
Eine  Priorität  für  einen  oder  den  andern  Autor  innerhalb  des 
Jahres  1 792  ist  —  wenigstens  für  mich  —  nachzuweisen  nicht 
möglich  und  so  bleibt  wohl  nichts  anderes  übrig,  als  den 
ziemlich  allgemein  angenommenen  nomenclatorischen  Gesetzen 
entsprechend,  zwei  gleiche,  nur  durch  den  beigefĂĽgten  Namen 
des  Autors  unterschiedene  Namen  in  demselben  Genus  bestehen 
zu  lassen,  da  schwerlich  sich  die  Coleopterologen  entschliessen 
werden,  Cryptohypnus  mit  Thomson  in  ein  halb  Dutzend  Ge- 
nera zu  zerspalten  und  die  in  Rede  stehende  Art  als  Zorochrus 
Thoms.  (Skand.  Col.  VT.  116)  hinzustellen.  Zwei  gleiche  Namen 
iĂĽ  einem  Genus  kommen  doch  im  Ganzen  so  selten  vor,  dass 
mit  dem  Einprägen  des  Autornamens  das  Gedächtniss  der 
Coleopterologen  nicht  zu  sehr  in  Anspruch  genommen  wird. 
Es  gäbe  nur  noch  einen  Ausweg,  der  aber  wohl  keinen  An- 
klang finden  dürfte,  nämlich  einen  der  Namen  4-pustulatus  zu 
cassiren  und  den  andern  bestehen  zu  lassen,  und  zwar  den, 
welcher  bei  sonst  gleichen  Rechten  durch  eine  genauere  und 
ausfĂĽhrlichere  Beschreibung  und  eine  beigefĂĽgte  gute  Abbildung 
den  Vorzug  verdient,  und  diess  wäre  der  Preyssler'sche.  Statt 
des  Fabricischen  könnte  dann  etwa  der  Zetterstedt'sche  agri- 
cola    (Act.  Holm.   1824  p.    155)    eintreten.     Doch    hievou  sei 


*)  Dieses  Citat  kann  ich  nur  auf  v.  Kieseiiwetters  Autorität  hin 
anfĂĽhren,  da  icli  es  nicht  selbst  nachsehen  kann,  indem  mir  Herbs 
Käf.  X.  fehlt. 

26 


398 

abgesehen   —   nach  meiner  unma«sge.bhehen  Ansiciil    iniiss    e 
nun  heissen: 

Cr.   4-pustulatus  F.    1792 

agrieola  Zett.    1824 

(juadrum  Gyll.   1827  und 
Cr.   4-pu8tuj"atus  PreyssJ.    1792 

4-pustulatu8  Payk.    1800 

dermestoides  Hbst.   1806 

4-pustulatus  var.   Gyll.    1808 

4-pustulatus  Gast.    1835 

minimus  Lacord.    1835 

tetragraphus  Germ.    1844 

tetragraphus  Thoms.    1864. 


Aromia  rosarum  Luc.  erkannte  ich  im  Jahre  1842  als 
Varietät  von  Ar.  moschala,  indem  ich  sie  in  Copula  mit  der- 
selben antraf,  und  zwar  bei  Böhmisch-Aicha  im  böhmischen 
Mittelgebirge  sĂĽdlich  von  Reichenberg.  Bisher  ist  sie  meines 
Wissens  noch  nicht  so  Aveit  nördlich  gefunden  worden,  sondern 
nur  aus  Sicihen,  SĂĽd-Frankreich.,  SĂĽd-Russland  und  Daurien 
bekannt.  Sie  wird  sich  wohl  auch  sonst  noch  auf  deutschem 
Gebiete  auffinden  lassen,  wenn  man  nur  erst  der  von  den 
Sammlern  gering  geschätzten  und  daher  wenig  beachteten 
Stammart  die  volle  Aufmerksamkeit  zuwenden  wird.  An  dieser 
machte  ich  ĂĽbrigens  im  Sommer  1 874  in  Lemberg  eine  wenig- 
stens mir  neue  Erfahrung.  Die  Thiere  w^aren  grösstentheils 
eben  ausgeschlĂĽpft,  was  sich  durch  den  besonders  heftigen 
Geruch  kund  gibt,  den  .sie  auf  ziemliche  Entfernung  verbreiten, 
und  durch  welchen  man  sie  frĂĽher  als  durch  das  Auge  wahr- 
nimmt. Ich  Ihig  aus  purer  Jagdiust  einige  Exemplare,  die 
nebenbei  gesagt  in  Lemberg  selten  grĂĽn,  sondern  fast  immer 
violett  kupfi'ig  oder  kuplVig  gefärbt  sind,  und  wollte  eines,  das 
ich  am  Ende  des  Abdomens  und  an  den  Hinterbeinen  hielt. 
unter  die  Nase  halten,  als  es  mir  auf  etwa  4  Zoll  Entfernung 
eine  Ladung  einer  wasserklaren  FlĂĽssigkeit  aus  dem  Maule  in's 
Auge  sprĂĽtzte,  die  ziemlich  beissend  war,  so  dass  ich  ĂĽber 
das  Brennen  und  Thränen  des  Auges  vergass,  zu  untersuchen, 
welchen  Geruch  die  aus  dem  Auge  heraufgewischte  FlĂĽssig- 
keit hatte.  Ich  ling  nun  natĂĽrlich  noch  so  viele  Exemplare, 
als  ich  eben  auflinden  konnte,  um  die  Beobachtung  zu  wieder- 
holen, allein  keines  mehr  that  mir  den  Gefallen,  das  Kunsl- 
stĂĽck  AA'ieder  zu  produciren.  An  andern  Cerambycinen  kam 
mir  etwas  dergleichen    bisher  nie   vor.     Kirby  (Introd.   to  cnt. 


399 

VII.  ed.  p.  420,  deutsch.  Uebers.  II.  p.  283)  berichtet  nach 
Sheppard's  Erzähhing,  dass  er  die  nacli  Moschus  riechende 
FlĂĽssigkeit,  wie  die  Carabi  aus  dem  After  sprĂĽtze,  was  aber 
in  dem  eben  ei-zähheii  Falle  ganz  unmöglich  war  und  somit 
unrichtig  iM. 

Patrobus  tatricus  Mill..  den  der  Autor  in  der  Tatra 
auf  der  Seehöhe  von  6500'  und  darüber  antraf,  erhielt  ich 
aus  der  Nähe  von  Sanox  aus  unbekannter,  aber  jedenfalls  ge- 
ringer Seehöhe,  iing  ihn  auch  in  den  Thälern  der  Karpathen 
im  Stanislauer  Kreise  in  liöchstens  1000 — 1200'  Höhe  und 
endlich  sogar  einmal  hier  bei  Lemberg,  wo  auch  mein  Freund, 
der  frĂĽher  hier  stationirte  Berghauptmann  Jurasky  ein  Exem- 
plar auffand.  Er  wurde  jedesmal  an  Ufern  von  Bächen,  in 
schattigen  Schhichlen  unter  Steinen  angetroffen.  Das  Thier 
besitzt  somit  eine  bedeutende  vertikale  und  horizontale  Ver- 
breitung, und  dĂĽrfte  nicht  nur  auf  der  ganzen  ersten  galizi- 
schen  Terrasse,  sondern  möglicherweise  auch  noch  in  OesteiT. 
Schlesien,  vielleicht  sogar  in  Preuss.  Schlesien,  also  auf 
deutschem  Gebiete  vorkommen,  wesshalb  ich  hier  die  schlesi- 
schen  Entomologen  auf  ihn  aufmerksam  mache. 

Der  A'on  mir  gleichzeitig  mit  Miller  auf  Myricaria  ger- 
manica bei  Kolomea  (und  Weldzirz)  häutig  angetroffene  Sty- 
losomus Tamaricis  dĂĽrfte  vielleicht  auch  in  Ober-Schlesien, 
an  den  Ufern  der  Weichsel,  und  am  Rhein  bis  Pforzheim 
herab  vorkommen,  da  seine  Futterpflanze  dort  eben  so  zu 
Hause  ist,  wie  durch  die  ganze  Alpenkette  von  der  Schweiz 
bis  Oesterreich.  Auffälliger  Weise  führen  ihn  aber  Redten- 
bacher  und  Gredler  (Käf  v,  Tirol)  nicht  auf,  und  doch  ist  es 
schwel-  glaublich,  dass  er  in  seiner  Verbreitung  von  den  Mittel- 
meerländern, wo  er  auf  Tamarix  gallica  häufig  ist,  einen 
Sprung  bis  auf  den  Nordabhang  der  Ivarpathen  machen  sollte, 
den  seine  Futterpflanzen  nicht  machen.  Die  sehlesischen  und 
oberrheinischen  Entomologen  werden  ihn  wohl  noch  auffinden 
und  die  deutsche  Fauna  durch  ihn  bereichern. 

In  den  Karpathenthälern  kommt  auch  der  so  gesuchte 
Phryganophilus  ruficollis  F.  vor,  und  zwar  an  älteren 
gefällten  Tannensiänunen  bei  Skole.  Mein  Freund  Jurasky 
erbeutete  um  Pfingsten  einige  Exemplare  daselbst. 

Silpha  opaca  ist.  eine  entschieden  phytophage  Art.  Ich 
fand  sie  mehrfach,  al)er  stets  nur  einzeln,  Anfangs  Mai  auf 
Hutweiden,  an  dem  jungen  zarten  Grase  eifrig  fressend. 
Silpha  obscura  dürfte  gelegenthch  einmal  als  Schädiger  des 
Roggens    und    dei'  Gerste  auftreten,     ich  traf  sie  in  Lemberg 


400 

im  Juni  1867  auf  diesen  beiden  Getreidearten  so  häufig,  dass 
ich  auf  einen  BHck  in  die  Runde  immer  12  — 15  Stück  zählen 
konnte.  Sie  frass  am  Halme  und  an  den  Blättern  ziemlich 
grosse  Flecken  der  Oberhaut  weg,  so  dass  die  Pflanzen  krän- 
kelten. Schon  Schi-ank  En.  ins.  Austr.  p.  43  sagt  „Frequens 
in  Ccrealium  spicis*'.  auf  welch  letzteren  ich  sie  ĂĽbrigens  nicht 
sitzen  sah. 

Hie  und  da  findet  man  in  entomologischen  Schriften  noch 
immer  Zweifel  ausgesprochen,  dass  Zabruw  gibbus  phytophag 
sei  und  dem  Weizen  Schaden  zufĂĽge.  So  spricht  liedtenbaeher 
F.  A.  ed.  111.  noch  mit  ,,soll"  von  der  Beschädigung  des 
Weizens  durch  den  Käfer,  und  Kaltenbach  (Pflanzenfeinde 
p.  736)  redet  von  „vorgeblichen  Beschädigungen'-'' .  Diesen 
Zweifeln  gegenĂĽber  kann  ich  berichten,  dass  ich  im  Jahre  1851 
bei  OlmĂĽtz,  wo  viel  Weizen  gebaut  wird,  ihn  auf  einem 
kleineu  abgesonderten  FeldstĂĽck  von  etwa  200  Quadr.-Klftr. 
antraf,  wo  er  von  den  schon  ziemlich  erwachsenen  aber  noch 
grünen  und  weichen  Körnern  reichlich  ein  Drittel  heraus- 
gefressen hatte  und  noch  so  eifrig  weiter  frass,  dass  er,  ohne 
sich  stören  zu  lassen,  mir  gestattete,  ihn  mit  einer  Lupe  von 
etwa  2  Zoll  Brennweite  zu  beobachten  und  den  ganzen  Mecha- 
nismus des  Fressens  wahrzunehmen.  Von  den  tiefer  innerhalb 
der  Spelzen  gelegenen  Theilen  des  Kornes  Hess  er  die  grössere 
Parthie  stehen  und  packte  ein  zweites  von  oben  und  seitwärts 
an,  um  mit  aller  Bequemlichkeit  zu  schmausen.  Auf  dem 
kleinen  befallenen  Felde  that  er  also  grossen  Schaden,  indessen 
fand  ich  ihn  auf  andern  nicht  weit  abgelegenen  Feldern  doch 
nur  in  sehr  massiger  Anzahl,  und  so  möchte  ich  glauben, 
dass  er  sich  bei  seiner  Unfähigkeit  zum  Fluge  nui-  in  seltenen 
Fällen  auf  gnissere  Strecken  ausbreiten  dürfte,  dagegen  auf 
den  einmal  befallenen  Feldern  arge  VerwĂĽstungen  anrichtet. 
Er  liebt  schwere  bündige  Böden  und  scheint  lockere,  sandige 
zu  fliehen,  wahrscheinlich  weil  sie  nicht  zur  Anlage  seiner 
Röhren  und  Höhlen  taugen.  Auf  sandigem  Terrain  kommt 
er,  auch  auf  Weizenfeldern,  sehr  sparsam  vor,  so  dass  ich 
beispielsweise  bei  Lemberg,  wo  es  freilich  wenig  Weizenfelder 
giebt,  in  23  .Jahren  ein  einziges  Exemplar  erbeutete. 


Von  PI)}  tophagie  einiger  Amara -Arten  liegen  mehrfach 
Meldungen  vor.  Auf  den  Aehren  einiger  Gramineen  triill  man 
sie  nicht  selten  an,  besonders  beliebt  sind  aber  die  Schötchen 
von   Capsella  bui'.sa   pasloris.      ludessen    begnĂĽgen  .sie   sich 


401 

nicht  mit  vegetabilischer  Diät,  sondern  greifen  auch  nach 
animalischer  Kost.  Es  gelang  mir  einmal,  eine  Capsella,  auf 
welcher  eine  A.  trivialis  eifrigst  frass,  so  abzureissen,  dass 
keine  Erschütterung  stattfand  und  ich  der  ungestört  weiter  fres- 
senden Amara  mit  der  Lupe  zusehen  konnte.  Während  ich 
dies  that,  schwebte  langsam  eine  MĂĽcke  heran;  ich  fing  sie 
und  langte  sie  mit  gespitzten  Fingern  vorsichtig  der  Amara 
hin.  Diese  wendete  sich  auch  sogleich  von  ihrer  Mahlzeit  ab, 
erfasste  die  MĂĽcke  mit  den  Oberkiefern  und  verspeiste  sie 
..mit  Haut  und  Haar",  so  dass  zu  dem  Vollständigen  von  Bra- 
ten und  Salat  nichts  fehlte,  als  ein  guter  Trunk,  den  sie  aber 
bei  der  Saftigkeit  der  Kost    wahrscheinlich   verschmäht  hätte. 


Ueber  die  Befruchtung  der  nordamerika- 
nischen Yucca -Arten. 

Den  Beiträgen  zur  Kenntniss  der  nordamerikanischen  Nacht- 
falter, besonders  der  Microlepidoptern,  von  Prof.  P.  C.  Zeller 
zufolge,  soll  nach  sehr  genauen  Beobachtungen  von  Riley  die 
Befruchtung  der  verschiedenen  nordamerikanischen  Yucca-Arten 
einzig  und  allein  durch  das  Weibchen  einer  Motte,  Pronuba 
Yuccaella  Riley,  oder  Tegeticula  alba  Zeller,  bewirkt  werden. 

Prof  Zeller  glaubt,  dass  bei  dieser  höchst  interessanten 
Entdeckung  noch  nicht  alles  gesehen  worden  sei,  um  die  son- 
derbaren Vorgänge  bei  der  Fortpflanzung  der  Motte  ganz  ge- 
nügend zu  erklären;  welche  Bemerkung  mir  Veranlassung  gab, 
während  der  nächsten  Blütezeit  der  Pflanze  diese  bis  jetzt 
wohl  in  ihrer  Art  einzig  dastehende  Befruchtung  etwas  näher 
zu  beobachten. 

Den  8.  Mai  fand  ich  die  ersten  blĂĽhenden  Yucca  und 
gleichzeitig  in  den  ganz  überhängenden,  taubeneigrossen,  offenen 
PerigonblĂĽten  einige  der  zierlichen  schneeweissen,  ganz  frisch 
ausgekrochenen  Motten.  Des  folgenden  Tags  besuchte  ich  eine 
andere  Stelle,  an  welcher  die  Pflanzen  in  Menge  blĂĽhten,  und 
die  Motten  viel  zahlreicher  M'aren.  Zwei  Tage  später  ting  ich 
an  einem  dritten  Platz  eine  weitere  Anzahl,  so  dass  ich  gegen 
100  Stück  zusammenbrachte,  von  welchen  ich  die  schönsten 
Exemplare  aufspiesste,  eine  grosse  Zahl  aber  mit  den  BlĂĽten 
lebendig  mit  nach  Hause  nahm,  um  ihr  Treiben  unter  der 
Glasglocke  genauer  beobachten  zu  können. 

Ich  sah  nun  folgendes.  Die  Weibchen  bohrten  mit  ihrem 
fein  zugespitzten  hornartigen  Legestachel  in  das  freilich  nicht 
ganz  weiche,    vielmehr    ziemlich    harte,    meistens    etwa    eine 


402 

Linie  dicke  äiLtsevc  Fleisch  des  Fiuchtknotens  (Fig.  3  e)  und 
legten  jedesmal  ein  Ei  hinein.  Nachher  kletterten  sie  gewöhn- 
lich auf  die  Antheren  und  kratzten  mit  den  dazu  sehr  gĂĽnstig 
gestalteten  Maxiila rtastern  aus  der  Antherenspalte  fFig.  2  b)  die 
darin  liegenden  Pollenkörner  heraus;  hatten  sie  eine  genügende 
Masse  zwischen  dem  eingerollten  SaugrĂĽssel  zu  einem  kleinen 
KlĂĽmpchen  geformt,  so  schoben  sie  dasselbe  in  das  durch  den 
Legestachel  hervorgebrachte  Loch.  Diese  Operation  wieder- 
holten sie  an  ein  und  demselben  Fruchtknoten  ott  mehrmals 
und  wanderten  dann  in  eine  andere  BlĂĽte. 

Wie  nun  Pi-of  Zeller  mittheilt,  so  beobachtete  Riley  das- 
selbe in  ganz  gleicher  Weise. 

Aus  dieser  Operation  wohl,  wie  ich  es  auffasse,  schliesst 
nun  Rilej,  dass  das  Insect  die  Befruchtung  der  Pflanze  be- 
wirke, und  nimmt  sogar  an,  dass  eine  natĂĽrliche  Befruchlung 
der  Samen  gar  nicht  voi-komme.  Diese  Ansicht  kann  ich  nach 
meinen  Beobachtungen  nicht  t heilen,  und  zwar  aus  folgenden 
Gründen:  Die  Frucht  der  Yucca  ist  eine  grosse  drcifächcrigc 
Kapsel.  Schon  frĂĽher  hatte  ich  zM'ar  beobachtet,  dass  bei  der 
Reife  der  Samen  sehr  selten  eine  Kapsel  gefunden  wird,  die 
kein  angebohrtes  und  ausgefressenes  Fach  hätte;  dagegen  habe 
ich  öfters  Fächer  gefunden,  die  ganz  unversehrt  waren,  und 
solche  unversehrte  Kapseln  und  Fächer  können  daher  nicht 
wohl  dui'ch  das  Insect  befruchtet  worden  sein.  Dass  solclier 
im  Jahre  1870  nach  Europa,  gebrachte  Same  wirklich  keimte, 
habe  ich  selbst  gesehen.  Zwar  sollen  die  in  Europa  blĂĽhenden 
Yucca  bis  jetzt  noch  keinen  keimfähigen  Saamen  hervor- 
gebi-acht  haben;  diese  Erscheinung  wird  aber,  wie  ich  glaube, 
nicht  sowohl  durch  die  Abwesenheit  der  Motte,  als  vielmehr 
durch  die  vei-änderten  klimatischen  und  Kulturverhältnisse  zu 
erklären  sein.  So  liefert  z.  B.  die  kultivirte  Ananas  in  ihrem 
eigenen  Vaterlande  keine  fruchtbaren  Samen,  sondern  dies 
thut  nur  die  wilde;  ebenso  thun  dies  die  Datteln,  Erdbeeren, 
Feigen  etc.  Bei  sehr  vielen  Yucca-Pflanzen  fand  ich  die 
Blüten  abgefallen  oder  kränkelnd;  an  diesen  sassen  aber  am 
Stengel  imd  den  noch  stehenden  BlĂĽten  eine  Menge  grosser 
Wanzen,  Ani.soscelis  cincta  Hahn,  welche  mit  ihrem  starken 
SaugrĂĽssel  den  BlĂĽtenstengel  so  verletzt  hatten,  dass  die 
Saftzirkulation,  die  während  dieser  Zeit  in  den  Blüten  am 
stärksten  ist,  zu  sehr  gestört  wurde,  Avas  das  Abfallen  der- 
selben verursachte. 

Abgesehen  von  diesen  flrĂĽnden,  sprechen  die  folgenden 
Beobachtungen  noch  mehr  gegen  die  Befruchtung  durch  die 
Motte.     Bei  vielen  Pflanzen    kommt  es  vor,    dass    die  Pollen- 


i 


403 

körner  schon  auf  die  Narben  gelangen,  bevor  die  Blumen- 
krone sich  öffnet,  und  8o  ifst  es  bei  der  Yucc«.  Als  ich  näm- 
lich die  unmittelbai'  über  den  geöffneten  betindlichen  noch 
geschlossenen  PerigonblĂĽten  auseinanderbreitete,  fand  ich 
die  Antheren  derselben  schon  mit  offener  Spalte,  und  da  die 
GritVcl  mit  den  Narben  viel  tiefer  liegen,  so  kann  eine  Be- 
fruchtung schon  stattthiden .  bevor  es  einer  Motte  möglich  wird, 
in  das  Perigon  hineinzudringen.  Aus  physiologischen  GrĂĽnden 
Ivann  aber  auch  keine  Befruchtung  durch  die  Pollenkörner  bei 
«lern  von  der  Motte  befolgten  Verfahren  stattfinden.  Die  Be- 
tViK'htung  der  Samen  geschieht  einzig  nur  durch  die  Narben 
hindurch;  nur  mit  diesen  stehen  die  Eierchen  oder  Samen- 
knöspehen  in  Verbindung,  und  nur  der  auf  die  Narben  kom- 
mende und  durch  die  Verbindungsschläuche  gehende  Pollen 
lieviarkt  die  Befruchtung  der  Eier.  Die  Motte  bringt  aber  die 
Pollenkörner  nicht  auf  die  Narben,  sondern  schiebt  sie 
in  das  Loch,  das  sie  am  Fruchtknoten  verursachte; 
nicht  um  die  Pflanze  zu  befruchten,  sondern  um  die  Wunde 
â– /.u  schliessen,  damit  das  hineingelegte  Ei  durch  den  bald 
heraustretenden  Saft  nicht  herausgewaschen  wird.  Warum 
nimmt  das  Thier  aber  gerade  die  Pollenkörner  zu  diesem  Zweck? 
Weil  es  dieselben  mit  grösster  Leichtigkeit  herausnehmen  kann, 
und  die  Pollen,  sobald %ie  mit  dem  Saft  in  BerĂĽhrung  kommen, 
stai-k  anschwellen  und  das  Loch  nm  so  schneller  und  besser 
\'erschliessen.  Die  Antheren  fallen  aber  oft  sehr  leicht  ab  oder 
schrumpfen  bald  zusammen  nach  der  Entleerung  des  Pollen- 
staubes; dann  benutzt  das  Weibchen  die  weichen  Borstenhaare 
(Fig.  1  d,  Fig.  2  a),  mit  welchen  der  Antherenstiel  dicht 
ĂĽberzogen  ist,  zum  Verschluss.  Mehrere  solcher  KlĂĽmpchen 
habe  ich  aus  den  Tastern  herausgenommen  und  unter  dem 
Mikroskop  neben  den  Pollenkörnern  immer  mehr  oder  weniger 
Antherenstielhaare  gefunden. 

Von  mehreren  Blüten  habe  icli  die  Staubgefässe  alle  ganz 
weggenommen;  die  darauf  ge!)rachten  Weibchen  legten  ihre 
Eier  gleichwohl  in  den  Fruchtknoten,  und  konnten  dann  die 
Löcher  niclit  verstopfen.  Nach  kurzer  Zeit  sah  ich  schon  mit 
blossem  Auge  ein  kleines,  durchsichtiges  Tröpfchen  Saft  heraus- 
treten. WĂĽrde  nicht  die  Oelfnung  jedesmal  dui'ch  das  Insekt 
verschlossen,  so  mĂĽsste  die  Entwicklung  des  Samens  gestiirt 
>',erden  und  das  Räupchen  ktinnte  nach  dem  Ausschlüpfen  aus 
dem  Ei  seine  Nahrung  nicht  erhalten. 

Beim  Herauskralzen  des  Polleus  durch  die  Motte  werden 
/.war  ohne  Zweifel  öfters  eine  Anzahl  Körner  herunterfallen 
und  zufällig  auf  die  Narben    gelangen.     Eine  derartige  Beför- 


404 


derung  der  Refruchtnng  durch  Insekten  ist.  vielfach  bekannt. 
Aber  eine  von  Pflanzen  ausschliesslich  nur  durch  Insekten 
verursachte  Befruchtung  ist  meines  Wissens  noch  nicht  positiv 
nachgewiesen;  eine  absichtliche  aber,  wenn  man  diese  dafĂĽr 
halten  sollte,  würde  in's  Reich  der  Fabeln  gehören.  Diese 
Motte  ist  meines  Erachtens  also  keine  Pronuba,  sondern  eine 
Corruptrix. 


PerigonblĂĽte  von  Yucca. 


Fig.    1.     PerigonblĂĽte  unmittelbar    vor    dem  Oeffnen,    beinahe 
natürliche  Grösse. 

a  Fruchtknoten. 

l  Griffel  mit  den  Narben. 

c  Antheren  den  Pollen  enthaltend. 

d  Antherenträger  oder  Stiele. 

«  Perigon. 


Fig.   2,  etwas  vergrössert. 

«  Antherenstiel. 

i  Anthere. 

c  Antherenspalte,  worin  die  Pollen  liegen. 


405 

Fig.   3.    Dnrc'hschnift  der  Frucht  oder  des  Pistills.   Vergrössert. 

a  Fruchtknoten. 

1>  Fächer,  worin  die  Samen  liegen,  die  an  der  Innen-Nath  an- 
gewachsen sind. 

c  Griffel,  durch  welchen  die  Verbindungsschläuche  von  den 
Narhen  aus  an  die  Innen-Nath  des  Faches  gehen. 

d  Narben  als  kleine  Bläschen  auf  dem  Griffel  sitzend. 

c  Löcher,  durch  welche  die  Motte  die  Eier  an  den  Fruchtknoten 
legt. 

Dallas,  Texas,   14.  Mai   1876. 

J.  Boll. 


Anzeichnungen  ĂĽber  einige  Coleoptera 
Gordovana  (Argentina). 


Herr  William  Davis  hat  in  dem  Zeitraum  von  August 
1871  bis  März  1873  im  Auftrage  des  Harvard  College  der 
Universität  Cambridge  (Massachusetts)  in  der  Umgegend  der 
ai'gentinischen  Stadt  (jetzt  durch  verdienstliche  Anregung  Bur- 
meister's  der  Universität)  Cordova  Käfer  gesammelt,  und  über 
deren  Fundort,  Futterpflanzen,  Erscheinnngszeit,  Lebensweise 
u.  s.  w.  Bemerkungen  notirt,  welche  theils  neu  sind,  theils 
wohl  verdienen,  als  Fingerzeige  fĂĽr  Exploration  der  dortigen 
Fauna  in  Erinnerung  gebracht  zu  werden.  Ich  habe  die  mir 
interessant  dĂĽnkenden  aus  dem  englischen  Texte  ĂĽbersetzt, 
muss  aber  im  Voraus  bemerken,  dass  ich  nicht  sicher  bin, 
die  Pflanzenbenennungen  aus  dei'  mitunter  nicht  ganz  deut- 
lichen Handschrift  richtig  entziffert  zu  haben. 

C.  A.   Dohrn. 

Die  Stefle,  auf  welcher  ich  für  gewöhnlich  Insecten  sam- 
melte, beginnt  eine  (engl.)  Meile  sĂĽdwestlich  von  dej-  Stadt  Cor- 
dova bei  dem  National-Observatorium  und  erstreckt  sich  von 
da  etwas  über  eine  Meile  südlich  und  westlieh.  Der  grössere 
Theil  dieses  Bezirks  liegt  60  Fuss  ĂĽber  dem  Thale  des  Flus- 
ses Primero,  wird  aber  durch  tiefe  Einschnitte  unterbrochen, 
die  durch  die  heftigen  Sturzregen  im  Sommer  ausgewaschen 
sind.  Der  Boden  ist  leicht  und  lehmig.  Die  Mehrzahl  der 
den  Boden  bedeckenden  Gebüsche  hat  eine  Höhe  von  vier  bis 
acht  Fuss;  die  gewöhnlichsten  darunter  sind  die  „Jarilla^'  und 
die  Varietäten  des   „Algarrobo". 


406 

Das  riima  sieht  unverdient  im  Rufe  «jiopser  Dürre:  im 
Sommer  vcn  1872  zu  1873  '')  fielen  schweie  und  lanije  dauernde 
Regengüsse.  ••'•')  Im  Herbste  ist  es  oft  Avolkig  mit  viel  leielitem 
Rogen.  Die  Sommeriiitze  ist  selten  intensiver  als  unsre  grössto. 
Im  Winter  bildet  sich  Nachts  zuweilen  Eis,  das  aber  schon 
frĂĽhmorgens  schmilzt. 

[Herr  Davis  hat  die  nun  folgenden  Noten  auf  die  Num- 
mern bezogen,  mit  welchen  er  die  Species  seiner  Ausbeute 
versehen  hal.  Die  Bestimmung  der  so  bezeichneten  Arten 
habe  ich  theils  selber  nach  Anleit  meiner  Sammlung,  theils 
nach  Auskunft  meinei*  darnach  befragten,  in  einzelnen  Gru})- 
pen  vorzugsweise  bewanderten  Freunde  gegeben.  Da  mir 
meistens  mehr  als  ein  Exemplar  vorlag,  mitunter  sogar  schätz- 
bare Reihen,  so  darf  ich  annehmen,  dass  bei  der  Determina- 
tion kein  erheblicher  lirthum  vorgefallen  sein  wird.    C.   A.  D.] 

Stenodactylus  (Eudinopus)  dytiscoides  Schreib. 

Die  Männchen  kneten  die  Kothkugeln,  rollen  sie  fünfzig 
Fuss  weit  oder  noch  weite)',  und  scharren  sie  dann  drei  Zoll 
bis  zu  einem  Fuss  tief  ein.  Ich  habe  wahrgenommen,  dass 
die  Männchen  eine  Weile  an  der  Stelle  liegen  bleiben,  wo  sie  die 
Kugel  eingescharrt  und  mit  lockrer  Erde  bedeckt  haben.  Bringt 
man  zwei  zusammen,  so  kämpfen  sie  heftig  mit  einandei',  und 
versuchen  es,  mit  ihren  Vorderl)einen  die  FlĂĽgeldecken  des 
Gegners  abzureissen.     Sie  fliegen  gut  und  schnell. 

'"')  Die  geehrten  „Europäer"  unter  den  Lesern  werden  durch 
diese  Bezeichnung  daran  erinnert,  dass  die  Jahre&zeitcn  jenseit  des 
Aequatoi's  den  iinsrigen  diametral  entgegengesetzt  sind.  Als  ich  um 
Mitternacht  —  bei  Tage  wäre  es  kaum  ausführbar  gewesen  — ■  in  der 
Neujahrsnacht  von  1835  zu  1836  in  Rio  de  Janeiro  einen  Brief  sehrieb, 
beschränkte  sich  meine  ganze  Toilette  auf  eine  baumwollene  C'amisa. 
und  obendrein  miisste  ich  nach  je  10  ]\linuten  Schreibens  die  rechte 
Hand  in  eine  SchĂĽssel  mit  Wasser  tauchen .  um  ihre  Transpiration  zu 
beseitigen.  —  Durch  die  stehende  Wärme  von  einigen  dreissig  Grad 
Reaumur  von  November  bis  P'ebruar  war  meine  Epiderniis  bereits  so 
verwöhnt,  dass  ihr  im  April  1836  die  auf  +  1'^'^  ge.sunkene  Tempera- 
tur fröstiich  vorkam.  C    A.  D. 

**)  Auch  hier  sei  es  mir  vergönnt,  eine  persönliche  Reminincenz 
einzuflechten.  l'nser  hierlands  ĂĽblicher,  etwas  hyj)erbolisclier  Ausdruck 
bei  starkem  Regen:  „es  giesst  wie  mit  Kannen"  passt  oft  genug  auf 
die  Niederschläge  bei  tropischen  (lewittei-n.  Ich  wohnte  in  Rio  in 
einem  Gasthause  in  dei-  Rua  do  Ou^idor.  we'che  wenig  oder  gar  kein 
Gefäll  nach  dem  Hafen  hat.  Elin  Freund,  der  mich  Nachmittags  be- 
.suchte,  war  genöthigt,  bei  mir  zu  übernachten,  denn  nach  dem 
Gewitterregen,  der  von  3  bis  5  Uhr  aus  den  ScUeuseu  des  Himmels 
heruntergeprasselt  war,  stand  das  Wasser  in  der  Strasse  ĂĽber  andert- 
halb Fuss  hoch  und  haUe  sich  erst  am  nächsten  Morgen  passirbar 
verdunstet,  C.  A.  D. 


407 

Eucraiiium  arachnoides  Rnille. 

Diefr^c  Käfef  graben  ihre,  meist  aus  Viscaeha-Kotli  gebil- 
deten Kugeln  einen  Fiisis  oder  noch  tiefer  in  trocknen  Boden. 
Legt  man  einen  auf  den  RĂĽcken,  so  streckt  er  seine  Hinter- 
beine so  weit  als  möglich  von  sieh,  hebt  den  Kopf  in  die 
Höhe  und  kommt  so  wieder  ganz  rasch  auf  die  Beine.  Das 
wird   ihm  durch  das  kurze.  Abdomen  wesentlich  erleichtert. 

Canthon  janthinus  Blanch.   var.  melanocephalus  Dej. 

Recht  häiiiig  an  warmen  feuchten  Tagen  nach  einenx 
Regenguss.  (^ft  sieht  man  zwei  oder  drei  Käfer  dieselbe  Koth- 
kugel  wälzen:  jedoch  rollen  sie  sie  nur  eine  kui-ze  Strecke, 
ehe  sie  sie  eingraben. 

Bolbites  onitoides  Harold. 

Diesen  Käfer  findet  man  häufig  unter  dem  Koth  von  Haus- 
thieren.  Er  macht  schiefe  Löcher,  acht  oder  zehn  Zoll  lang, 
niiect,  unter  dem  Kothe.  den  er  nicht  in  Ivugelform  rollt, 
sondern  bloss  in  das  Loch  Ij-ägt  mid  dann  mit  zwei,  drei  Zoll 
Erde  ĂĽbei'deckt. 

Phanaeus  splendidiihis  F. 

Diese  Art  ist  gemein  unrl  macht  Löcher  diiect  unter 
menschlichen  Relicten. 

Phanaeus  Imperator  Chevr. 

Er  wird  in  tiefen  Lf'ichern  unter  derselben  Materie  nur  in 
den  heissesten  Tagen  Decembers  und  Januars  gefunden.  Nicht 
selten. 

Oncideres  impluviatus  Germai'.  (?) 

[Unter  diesem  Namen  wurde  mir  das  Thier  zugesandt: 
ich  kann  es  aber  nicht  fĂĽr  die  von  Germar  in  den  Tnsectorum 
Species  beschriebne  Art  halten,  von  der  ich  zwei  mit  der 
Beschreibung  vollkommen  ĂĽbereinstimmende  Exemplare  aus 
Montevideo  besitze.  Abgesehen  von  der  legelmässigeren  Rei- 
henstellung der  Fleckchen  auf  den  FlĂĽgehU  cken  hat  0.  implu- 
viatus die  von  Germar  angegebnen  zwei  grossen  weissen  Flecke 
auf  der  Unterzeite  der  Brust,  .und  von  diesen  ist  bei  der 
grossen  mir  voi-liegenden  Zahl  der  Cordovaner  Art  auch  keine 
Spur  zu  sehen.  Vielleicht  ist  es  0.  Germari  Thomson,  was 
ich  nicht  constatiren  kann,  weil  mir  dessen  Beschreibung  nicht 
vorliegt.  Jedenfalls  ist  die  Art  dem  impluviatus  sehr  nahe- 
stehend, und  ihre  Lebensweise  wird  eine  ganz  älinliche  sein.    D. 

Davis  bemerkt  dazu:] 


408 

Diese  Art  erscheint  von  Neujahr  bis  Anfang  März  an  den 
Algarrobo-BĂĽsehen,  und  gleicht  der  Farbe  ihrer  Rinde.  Die 
Eier  werden  während  des  Januar  gelegt  und  die  Larven 
kriechen  nach  etwa  zwei  Wochen  aus.  Den  Cocon  findet  man 
Anfang  Decembers.  Das  Weibchen  schneidet  eine  kleine  Quer- 
grube  in  die  Rinde,  bis  das  innere  Holz  bloss  liegt,  und  schiebt 
dann  das  Ei  unter  die  Borke  (ich  glaube  allezeit  gegen  die 
Zweigspitze  hin).  Zehn  bis  zwanzig  Eier  werden  an  einen 
Zweig  gelegt,  welcher  dann  beinah  oder  gänzlich  durch  einen 
Einschnitt  unter  dem  am  niedrigsten  gelegten  Ei  gekappt  wird. 
Solchergestalt  werden  Zweige  von  i|4  bis  zu  1  Zoll  Durch- 
messer zum  Absterben  gebracht.  Manche  Eier  liefern  keine 
Larven.  Den  Larven  wird  von  einem  Ichneumoniden  und 
einem  ganz  kleinen  Parasiten  nachgestellt:  von  letzterem  leben 
bisweilen  20  und  mehr  Individuen  in  einer  einzigen  Larve; 
man  findet  ihre  Cocons  im  Cocon  des  Wirthes.  Ein  Zweig, 
aus  welchem  sich  vollkommene  Imagines  dieses  Oncideres  ent- 
wickeln, besteht  dann  in  der  Regel  nur  noch  aus  der  blossen 
Rinde. 

Clytus  spinifer  Newm.   (nebulosus  Lap.  Gory). 

Die  Larve  lebt  in  Algarrobo-Bäumen;  oft  kriechen  die 
Käfer  aus  den  Haufen  Brennholz  in  der  Stadt  aus  und  schwär- 
men um  die  Dämmerungsstunde. 

Orion  patagonus  Gner. 
lebt  in  den  Algarrobo-Bäumen  und  ist  ein  Nachtthier. 

Dorcacerus  barbatus  Oliv. 

entwickelt  sich  in  demselben  Baume,  fliegt  bei  Tage  und  ist 
sehr  gemein.  [Ich  erinnere  mich  noch  sehr  wohl,  mit  welchem 
Behagen  ich  diesen  ansehnlichen  Bock  auf  einer  Excursion 
bei  Rio  fing;  die  goldnen  Borten  seines  matt  purpurnen  Fracks 
sind  ebenso  original,  wie  sein  gelbseidner  Bart,  in  den  das 
ganze  Gesicht  vergi-aben  ist,  und  der  mich  auf  der  Stelle  an 
Bottom's  ergötzliche  Costum -Bedenken  im  Midsummernights 
dream  erinnerte,  ob  er  den  Pyramus  ,,in  either  your  straw- 
coloured  beard,  your  orange-tawny  beard,  or  your  perfect 
yellow"  spielen  .soll.  Leider  dehnt  sich  sein  Vorkommen  ĂĽber 
das  ganze  tropische  und  subtropische  Südamerika  östlich  der 
Cordilleras  aus,  und  sein  Exterieur  distinguc  kann  ihm  die 
..Geringschätzung  wegen  gemeinen  Auftretens^'  nicht  abwenden. 

D.] 


409 

Oxymerus  pallidulus  Burm. 

vom   „Piquilliii". 

Mallodon  bonariensis  Thoms. 

von  der  lombardischen  Papjjel,  welche  zahlreich  im  Thale 
wächst.     Nachtthier. 

Naupactus  sulfureosignatus  Blanch. 

Frische  Exemplare  haben  glänzend  gelbe  Pubescenz  auf 
<ier  Vorderseite  des  Thorax  und  längs  der  Sutur  der  Elytra, 
welche  sich  leicht  abreibt  und  im  Alcohol  fast  vei-geht.  Die 
Art  ist  häutig  auf  Algarrobo  und  Jarilla. 

Naupactus  leucoloma  Schönh. 
Pantoinorus  n.  sp.  elegans  Dhn.  coli. 

beide  häutig  auf  Klee  (Lucerne)  in  der  Nahe  des  Observatoriums. 
Cratosomus  Latreillei  Lacord.  Dej.  cat. 

eine  auf  den  Algarrobo-BĂĽsclieu  gemeine  Art,  welclie  die  Rinde 
in  den  Knoten  der  Gelenke  frisst. 

Cratosomus  sp.  (lenis  Dhn.  coli.) 

[Bekanntlich  hatte  Lacordaire  fĂĽr  den  Grrafeii  Dejean  in 
Tucuman  gesammelt  und  hatte  ihm  auch  diese,  der  vorigen 
allerdings  ziemhch  ähnliche,  aber  nicht  bloss  durch  die  Klein- 
heit (weniger  als  halb  so  gross),  sondern  aucii  durch  Sculptur- 
differenz  abweichende  Art  mitgebracht.  Roelofs,  jetziger  Be- 
sitzer der  Dejean'schen  Curculioniden,  fand  sie  darin  mit 
Latreillei  zusammengesteckt,  ist,  aber  meiner  Meinung,  dass  es 
eine  besondere  Art  ist.  Damit  stimmt  auch  die  Notiz  von 
Davis  ĂĽberein,  dass  sie  nicht  wie  die  vorige  an  Algarrobo, 
sondern   last  immer  auf  Jarilla  gefunden  wird.] 

Conotrachelus  pullus    Dej.  cat. 

war  nie  bei  Tage  zu  sehen,  kam  aber  häufig  Abends  geflogen, 
wenn  Licht  angezĂĽndet  war;  stridulirt  mit  dem  Abdomen  gegen 
die  Elytra. 

Centrinus  sanguinicollis  Schönh. 

lebt  auf  Polello.  Zwei  andere  Centrinus-Arten  auf  Selva  del 
campo,  eine  dritte  ausschliesslich  auf  einer  Asciepias. 

Apion  sp.   (alpha  Dhn.  coli.) 
wurde   in   tdten   Gallen   am   Cliafiar  angetroffeM. 


410 

Bruchus,  zwei  Sj). 
waren  sehr  gemein  in  den  HlĂĽlen  und  Samenkapsein  des 
Retamo.  Viele  von  ihnen  lallen  einem  Ohaleiditen  zum  Opier. 
Die  Larve  des  Käfers  höhlt  zwei  odei'  drei  Samen  aus  und 
hüllt  sie  gemeinsam  in  eine  Röiire  von  zusammengeklebtem 
Wurmmehl  vor  der  Verwandlung.  Zwanzig  und  mehr  Samen 
linden  sich  in  einer  Schote  und  öfters  triH't  man  in  einer  ein- 
zigen beide  Aiten  Bruchns  saninit  ihren  Parasiten. 

Psiloptera  plagiata  Cast.  GorA . 
Diesen  Piachtkäfer  (und  noch  zwei  andre,  weniger  häulige 
Arten)  findet  man  an  Algarrobo-BĂĽschen.  Wenn  man  ihnen 
nahe  koniml ,  huschen  ,sie  eiligst  nach  der  abgewendeten  Seite 
des  Zweiges,  woran  sie  sitzen.  [Psil.  plagiata,  von  welcher 
mir  eine  reiche  Zahl  vorliegt,  vai-iirt  nicht  nur  bedeutend  in 
der  Grösse,  von  15  bis  zu  27  Millimeter,  sondern  auch 
in  der  grcibern  f)der  geringeren  Sculptur  und  Punktirung,  so 
dass  es  durchaus  verzeihlich  wäre,  aus  den  kleinsten,  fast 
cylindrischen,  roth  gerä)iderten  und  den  grössten  tlachbreiten, 
bleifarbig  eingefassten  Exemplaren  zwei  Arten  zu  machen, 
wenn  nicht  alle  Uebergänge  vorlägen.]  D. 

Castalia  (Hvperantha)  stigmaticollis  Desmarets. 
Diese  Art  ist  häutig    auf    den  gelben  Blüten  des  Retamu 
und  hat  dieselbe    brillante  Färbung,    die    aber    durch  Alkohol 
sehr  geschädigt  wird.   Sie  ist  ziemlich  träge  und  schwerbeweglich. 

Anthaxia  sp.  (tuniidula  Dliu.  coli.) 
Diese    und    ähnliche    kleine  Arten  lindet  man,  aber  nur, 
wenn  die  Sonne  scheint,    an    kleineu  t'acteen:    i^ie    sind    ins- 
gesamn)t  sehr  tlĂĽchtig. 

Pyrophorus  punctatissimus.  Hlaneh. 
Die  Eingeborneu  nennen  ihn  Juco.  Ich  ting  ihn  Nachts 
durch  das  Herumschwingen  einer  glĂĽhenden  Kohle.  Ich  konnte 
mich  seiner  als  Lampe  bedienen,  wenn  ich  Nachts  die  Theil- 
zahlen  eines  aequatorialen  Telescops  ablesen  Avollte:  seine 
Leuchtbläschen  reichten  dazu  vollkommen  aus. 


Callirhipis  sp.  (liegt  mir  nicht  vor.  D.) 
.    Nur  bei  Soconcho  an   „Vara  de  San 

Pilanze  dem    ,,Iron  weed''   ähnlich  gefunden.     Obwohl  dieselbe 

bei  Cordova  recht 

nie   duiuul"  iindeu. 


Selten.    Nur  bei  Soconcho  an   „Vara  de  San  Jose",  einer 

:ej 

bei  Cordova  recht  liäulig   wuchs,    konnte    ich    hier    das  Thier 


il  1 

Astylus  interruptus    Gerniar. 

Au  warmen,  sonnigen  Tagen  im  September  und  Oetohev 
häuKg  auf  den  Blüten  des  Piquillin. 

Arthrobrachus   sp.   vacillans  Dhn.  coli. 

Gemein    iuif    den  BlĂĽten    eines    kleineu  ('actus    und    des 
Ret  am  0. 

Cantharis  sp.  zebra  Dhn.  coli. 

Diese    schöne,    gleichmässig   grau  und  schwarz  gestveitle 
;■     Art,    lebt    auf    Retamo.     Sie  ist  träge  und  lässt  sich  bei  der 
leisesten  BerĂĽhrung    sofort    auf  die  Erde  fallen.     Nimmt  man 
sie  in  die  Hand,    so    sondert   sie  aus  den  Spitzen  der  Femora 
eine  gelbe  FlĂĽssigkeit  ah. 

Epicaiita  atomaria  Germ, 
lebt  auf  Retamo. 

Tetraonyx  sp.   ridens  Dlui.  coli. 
Auf  den  BlĂĽten  eines  Cactus. 

Megalostomis  gazella  Lacord. 

Lebi   auf  Chanar. 

Megalostomis  histrionica  Harold,    Cosciiioptera   tibialis  Harold, 

Cosc.   sp.  Eris  Dhn.   coli.,    Dachrys  manca  Harold,    D.  gracilis 

Haiold.  Stereoma  laevicollis  Haiold,  Urodera  hamatifera  Harold, 

Ur.  Bergi  Haiold 

leben  sämmtlich  auf  Büschen  von  Algavrobo. 

Stereoma  Biirmeisteri  Haiold 
auf  Jarilla;   macht   ^ellen   nur   Versuch,   davon  zu   iliegen. 

Chlamys  >p.   der  apricaria  Lac.   ähnlich,  aber  ausreichend 
verschieden,  aenigma  Dhn.   coli. 

iindet  man  auf  Retamo,  dessen  vertrockneten  Knospen  sie 
ziemlieh  ähnlich  ist.  '  \A'enn  ersciireckl,  lä.>st  sie  sich  fallen 
und   ilieoi    davon. 


412 

Bei  folgenden  Arten  werden  nur  die  Futteipflanzen  an- 
gegeben : 

Chalcophana  sp.  (die  angegebne  Determination  gemma  Perty 
ist  irrig)  auf  Selva  del  campo;  Plagiodera  erythroptera  Blaneh. 
auf  einer  Weide;  eine  Lisonycha  in  den  BlĂĽten  der  Platt- 
Rebe  (^^quash-vine),  eine  andere  auf  Hollunder,  eine  dritte 
auf  der  Passions-Rebe  (passion-flower  vine);  auf  letzterer 
leben  auch  zwei  Arten  Cacoscelis  und  Diphaulaca  cordovana 
Harold,  während  Diph.  angularis  Harold  auf  dem  „Quebra- 
rado"  (sie)  anzutreten  ist.  Vier  Arten  Poecilaspis,  bonarieiisis 
Bob.,  cancellata  Bob.,  lĂĽ-pustulata  Bob.  und  I2-verrucata 
Bob.  leben  auf  dem  „Squasb'S  ebenso  Epilachna  paenulata 
Germ.,  während  Eriopis  connexa  Germ,  den  Retamo  bevor- 
zugt. 

Schliesslich  bemerkt  Herr  Ăśa\is  noch  ĂĽber  den  viellacb 
variirenden  Clavicorn  Camptodes  vittatus  Er.,  dass  derselbe  in 
den  Blüten  des  „kleinen  Cactus'-'  lebt,  sehr  scheu  ist  und  es 
liebt,  sich  in  die  Blumenblätter  zu  verkriechen,  um  dann  auf 
die  Erde  zu  fallen. 

Ueber  das  Vorkommen  der  gleichfalls  von  ihm  gesam- 
melten Carabicinen,  des  seltnen  Calosoma  armatum  Dej.,  des 
prachtvollen  Eurjsoma  festivum  Dej.  und  des  ansehnlichen 
Prioniden  Calocomus  Desmaiesti  Guer.  fehlen  zu  meinem  Be- 
dauern alle   Andeutungen. 

C.  A.  Dobrn. 


413 


Zusätze  und  Bemerkungen  zu  der  Ueber- 

siclit  der  europäischen  Arten  des  Genus 

Iclmeumon, 

vide  Eilt.  Zeit.  (1873)  XXXIV.  S.  345,  (187G)  XXXVII.  S.  273, 

vom 
Oberforstmeister  Tisclibeln  in  Eutin. 

(Scliluss.) 


Wenn  ich  nun  nach.stehend  den  Veisueh  mache,  die  Arten 
I 'cser  Section  in  einer  analytischen  Reihenfolge  zusammen  zu 
stellen,  so  muss  ich  um  nachsichtige  Beurtheilung  bitten,  zu- 
mal ich  nicht  alle  Arten  vor  mir  habe,  und  die  grosse  Aehn- 
lichkeit  vieler  Arten  die  Sache  schwierig  macht.  Es  soll  diese 
mĂĽhsame  Arbeit  aucli  nur  dazu  dienen,  die  Bestimmung  inso- 
weit zu  erleichtern,  als  auf  eine  kleinere  Anzahl  von  Arten 
hingewiesen  wird,  unter  denen  dann  der  Suchende  die  specielle 
Beschreibung  nachzusehen  hat,  um  sich  Gewissheit  zu  ver- 
öciiaflen. 

Beide  Geschlechter  in  einer  Tabelle  zusammen  zu  lassen, 
ist  nicht  wohl  thunlich,  und  es  wird  das  Auffinden  sehr  er- 
leichtern,   wenn    die  Geschlechter  getrennt  behandelt  werden. 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Männchen  der  Sect.  4.  T. 

i^Divls.  2.  W.   —  Sect.  3.  II.j 

I.   Hinterschenkel  roth  oder  gelb. 
A.   Hinterleib  schwarz. 

A.  Scutellum  schwarz    cessator.  ,^  MĂĽller. 

12-15   mm. 
melanosomus.  ,^  W. 
12  —  14  mm. 

B.  Scutellum  weiss quadrialbatus.  ,j^  W. 

10-12  mm. 

quacsitorius.   ,^   W. 

12  — 15  mm. 

27 


414 

B.   Die    mittleren    Hinteileibssegmente 

schwarz  und  gelb saicitorius.  ^  W. 

10-12  mm. 
xanthorius.  r^  Kriechb. 

10—19  mm. 
Lichtensteini.  ^  Tisch b. 

14  mm. 
bellipes.  ,^  W. 

15  —  17  mm. 
C   Die  mittleren  Hinterleibssegm.  gelb. 

A.  HinteihĂĽften  mit  wei.'^sem  Fleck  grossorius.  (^  W. 

20-22  mm. 
tlavifemur.  r^^  Tischb. 
13  mm. 

B.  HinterhĂĽften  schwarz,  ohne  weisse 
Flecke. 

ĂĽ.   Segment  7  schwarz. croceipes  r^  W. 

12-19  mm. 
ö.   Segment  7  mit  weissem  Fleck  venustus.  (^  Tischb. 

11-12  mm. 
Ăś.   Die    mittleren    Hinterleibssegmente 

roth insidiator.  ,^  Tischb. 

11   mm. 
septentrionalis.  ,^  H. 
12-18  mm. 
II.  Hinterschenkel  schwarz. 
A.  Hinterleib  schwarz. 
A.   Sentellum  weiss  oder  mit  weissem 
Fleck. 
((.  Endsegmente  des  Hinterleibes  mit 
weissem  Fleck. 

a.   FĂĽhler  weiss  geringelt   Maeklini.  ,^  H. 

12-14   mm. 
Huglandi.  ,^  H. 
12 — 16  mm. 
Ăź.   FĂĽhler  nicht  weiss  geringelt    â–   perfidus.  ,^  Tischb. 

IG  mm. 
0-  Endsegmente     des     Hinterleibes 
nicht  weiss  gefleckt. 
«.   Hintertibien   weiss  geringelt- •  •computatorius.  ,^  var.  W. 

12-18  mm. 
multiannulatiis.   rj  Gr. 

12 —  10  mm. 
edictorius.  ,^  L.  12  mm. 


415 

ß.  Hintertibien  ganz  schwarz  •  •  •  •  languidus.  (^  W. 

15  —  19  mm. 

B.  Scutellum  schwarz vafer.  (^  Tischb. 

13  mm. 
B.  Hinterleib  schwarz,    die    mittleren 
Segmente  gelb  oder  roth. 
A.  Scutellum   weiss    oder   weissgelb. 

1.  Hinterleibssegmente  2  bis  6  gelb. 

a.  Coxen  schwarz divergens.  ,^  H. 

16-20  mm. 

b.  Coxen  gelb ochraceus.  ^  Tischb. 

18  mm. 

2.  Hinterleibssegm.  2  bis  3  (4)  gelb. 
a.  Die  Segmente  2  u.  3  mit  schwar- 
zer Zeichnung. 

a.  Hinterrand    des  Segmentes    2 

breit  schwarz   bisignatus.  (^  Gr. 

18-19  mm. 
Ăź.  Vorderrand   des  Segmentes  3 
schwarz. 
X   Diese    schwaize    Zeichnung 
besteht    in    einer  schwarzen 

Linie stramentarius.  ^^  Tischb. 

14 — IG  mm. 
(noch  nicht  beschrieben.) 
terminatorius.  ,j   H. 

12  —  18  mm. 
nemorahö.  (^  Tischb.  var. 

13-18  mm. 
zonalis.  ^  W. 
8  —  9  mm. 
X  X   Diese  schwarze  Zeichnung 
besteht  in  einer  nicht  ab- 
aekĂĽrzten  schwarzen  Linie, 
auch  sind  gewöhnlich  noch 
sonstige    schwarze   Zeich- 
nungen auf  Segment  2  und 

3  vorhanden molitorius.  ,^.  H. 

12  —  18  mm. 
y.   Vorderrand   des    Segmentes  2 
und  Einschnitt  zwischen  Seg- 
ment 2  und  3  schwaiz,  Seg- 
ment   1     in    den    Hinterecken 

mit  rundem,  gelbem  Punkt-    bjevi^^.  S'^  Tischb.  il  Mim. 

27^^ 


416 


b.   Segment    2    und    3    (4)    gelb, 
ohne  schwarze  Ze'chnung. 

a.  Hintcrvand  des  Segmentes  5 
breit  und  Segment  6  und  7 
ganz  weiss jucundus.  ,^  Tischb. 

9  mm. 
Ăź  Segment  7    mit  gelbem  Fleck 

an  der  Valve mellinurus.  (^  W. 

11 — 13  mm. 
y   Segment  5  bis  7  schwarz. 

X   Segment  2,   3,   4  gelb strangulator.  rj  Tischb. 

20  mm. 
nemoralis.  r^  Tischb. 

13-18  mm. 
vivacior.  ^  Tischb. 

7  — 13  mm. 
gracilentus.  ^  var.  W. 

10-12  mm. 

X  X   Segment    2    und    3    gelb 
(4  mitunter  theilw.  gelb). 

"  Segment  3   etwa  so  lang  als 
breit,    also  quadratisch  oder 

fast  quadratisch terminatorius.  ^  W. 

12-18  mm. 
giacilentus.  ^  W. 

10  —  12  mm. 
tompestivus.   f^  H. 

10—12  mm. 
luctatorius.  ^  L. 

12  — 16  mm. 
confusorius.  ^  H. 

12  — 14  mm. 
bucculentus.  ,^  W. 

12  —  18  mm. 
suspieiosus.  ^  H. 

12  —  18  mm. 
inquiuatus.  ^  W. 

11  —  14  mm. 
oblongalus.  ,^  Tischb. 

15   mm. 


417 

öo  Segment  3  entschieden  brei- 
ter als  lang emancipatus.  o   H- 

10—12  mm. 
rugosus.  ,^  Tischb. 

8  mm. 
caloscelis.  ,^  W. 
10-12  mm. 
guttatus.  ,^  Tischb. 
7  mm. 

000  JVIir  unbekannt  •  • tubercuhpes.  ,^  W. 

18  mm. 
albicollis.   ,^.  W. 
13  — 16  mm. 
thulensis.  ,^  Riithe. 
13  —  15  mm. 
3.  Hinterleibssegmente   2  bis  3  bis 
7   roth  oder  gelbroth. 
a.   Segment  2  bis  4  bis  7  gelbroth, 

Anus  ohne  weisse  Flecke  •  •  •  •  horridator.  ,^  Ziegler. 

20  mm. 
ö.  Segmente    (1)    2    bis    3  bis  5 

blutroth.  Anus  weiss punctus.  (J  Gr. 

11  — 13   mm. 
c.  Segment  2  bis  3  roth. 
a.  Segment    3     mit    schwarzem 
Vorderrand. 
X   Anus  ohne  weisse  Flecke  ■  •  balteatus.  ,^  W. 

=  zonellus  H. 
10—11   mm. 
X  X  Anus  mit  weissen  Flecken  caedator.  t^  Tischb. 

11  mm. 
decipiens.  r^  H. 

8—10  mm. 
Ăź.  Segment    3    ohne    schwarzen 
Vorderrand. 
X   Segment  (6)  7  mit  weissem 

Fleck obsessor.  ,^  W. 

13—15  mm-, 
septemguttatus.  ,^  Gr. 

13  mm. 
gracilicornis.  ,^  W. 

12  —  16  mm. 
X  X  Endsegmente  ohne  weissen 

Fleck. 


418 


^  Segment  3  etwa  so  lang  als 
breit,    also  quadratisch  oder 
fast  quadratisch. 
""'  Gastrocälen  und  Nadelrisse 

sehr  stark computatorius.  ^  W. 

12—18  mm. 
"*  Gastrocälen  und  Nadel  risse 

nicht  sehr  stark gradarius.  ,^  H.  =  frac- 

torius.  r^  W. 

12  —  16  mm. 

suturalis.   (^  H. 

8—9  mm. 
vicinus.  ,^  H. 
10-12  mm. 
^^  Segment  3  breiter  als  lang  gracilicornis.  ,j    var.  W. 

12-16  mm. 
hircinus.  ,^  H. 

8—9  mm. 
raptorius.  ,^  H. 
7  — 10  mm. 
sculpturatus.  rj  H. 

8—10  mm. 
insidiosus.  ,^  H. 

9—12  mm. 
proletarius.  i^  W. 
7  —  8  mm. 
4.   Segment  2    und  3    schwarz  mit 
rothen  Zeichnungen. 
a.   Segment  2  dunkelbraun  geran- 
det    mit   rothen  Hinterwinkeln; 
Segment  3  an  den  Seiten  dun- 
kel rothbraun,  am  Hinterrande 
heller,    Segment  4  am  Hinter- 
randc  verblichen  rothgelb  •  •  •  •  submarginatus.  ,^ 

($  Gr.— W.=subrep- 
torius.  H.) 
10—14  mm. 
6.   Segment    2    hinten    rostfarben. 
Segment  3    mit  2  rostfarbenen 

Flecken piceatorius.  .^.  Gr. 

18  mm. 
//.   Scutellum     mit     gelbem     Punkt, 

Hinterschenkei  an  der  Basis  gelb  velatus.  ,J  W. 

11-13  mm. 


41*) 

f.    Sciitelliim  schwarz  oder  roth. 
1.   Antennen  weiss  geringelt. 

a.  Hinterleibssegmente  1  bis  3  ganz 

gelb fluvipetiolus.  ,^  Tischb. 

13  mm. 

b.  Hinterleibssegmente  2  bis  3  roth- 
braun   auxifer.  ;^  Tischb. 

14  mm. 
2.  Antennen  nicht   weiss  geringelt. 

a.  Antennen    auf    der    Unterseite 
roth  oder  rothgelb. 

a.  Hinterleibssegmente    2    bis    4 

roth latrator.  ,^  H. 

5  —  7  mm. 

Ăź.  Hinterleibssegmente    2    bis    3 

roth incomptus.  .^  H. 

5  —  7  mm. 
y.  Hinterleibssegmente    2   und    3 

roth  mit  schwarzem  Fleck  •  •  simulans.  ,^  Tischb. 

6  mm. 

b.  Antennen    ganz  schwarz. 

a.  Hinterleibssegmente    2    bis    4 

roth delator.  ,^  W. 

10  mm. 
Ăź.  Hinterleibssegment  1  an  der 
Spitze  roth,  2  und  3  roth  mit 
schwarzen  Flecken,  4  schwarz 
mit  rothem  Hinterrand,  Scu- 
tellum    mitunter    mit    rothem 

Fleck  an  der  Spitze versiitus.  ,^  H. 

9 — 10  mm. 
y.  Hinterleibssegmente    2    bis    3 
roth. 
t  Stigma  schmutzig  rothgelb  •  •  manicatus.  ^  H. 

10-12   mm. 
tt  Stigma  dunkelbraun.    Scutel- 
lum  mitunter  mit  rothem  Fleck 

an  der  Spitze stigmatorius.    ^  Zetters. 

7  —  12  mm. 
ttt  Stigma  schwarzbraun.   Scu- 
tellum  mitunter  nwt  rothem 

Fleck  an  der  Spitze vulneratorius.  S  ^• 

7  —  8  mm. 


420 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Weibchen  der  Sect.  4.  T. 
(Divib.  2.  W.  -    Scct.  3.  H.) 

Subdiv.  1.  Antennen  fadenförmig,  stark 
oder  am  Ende  ein  wenig  zugespitzt. 
I.   Sc'utellum    weiss    odei-  gelblich  (nur 
ausnahmsweise  schwarz). 
A.  HinterhĂĽften  mit  BĂĽrste. 
A.  Tarsen  nicht  verbreitert. 
1.  Hinterschenkel  schwarz. 

a.  Die  hinteren  Tibien  an  der  Ba- 
sis weiss  oder  hellgelb. 

a.  Segment  7  mit  weissem  Fleck  multiannulatus.  $  H. 

12  —  16  mm, 
Ăź.  Segmente    5   bis    7  mit  weis- 
sem Fleck, 
t  Gesicht  ohne  weisseZeichnung  molitorius.  $  L. 

12-18  mm. 
ttt  Gesicht  mit  weissem  Augen- 
rand,   Clypeus    mit  weissen 
Flecken  an  den  Seiten  •  •  •  •  holsaticus.  $  Tischb. 

14   mm. 

b.  Die  hinteren  Tibien  an  der  Ba- 
sis röthlich. 

a.  Hinteileibssegmente  2  und  3 
schwarz  oder  zum  Theil  dun- 
kelbraun  computatorius.  $  M. 

12—18  mm. 
Ăź.  Die  Hinterleibssegmente  2  und 
3  roth. 

t  Halskragen  oben  weiss albicoDis.  $  W. 

11  — 13  mm. 
tt  Haikragen  oben  nicht  weiss. 
X   Hinterhüften  mit  Bürste  •  •  retractus.  $  Tischb. 

11-12  mm. 
X  X  HinterhĂĽften  mit  Tuberkel  cerebrosus.  $  W. 

11  —  12  mm. 
y.   Die  Hinterleibssegmente   2  bis 

7  kastanienbraun diversor.  $  W. 

18  mm. 
C.  Die  hinteren  Tibien  breit  stroh- 
gelb oder  gelb. 

o.  Segment  2  und  3  gelb stramentarius.  $  Gr. 

13-18.  mm. 


421 


Ăź.   Segment  2  und  3  loth. 
t  FĂĽhler  vor  der  Spitze  stark- crasbicornis.  $  Tischb. 

0  mm. 
ft  FĂĽhler   vor  der  Spitze  nicht 

ungewöhnlich  stark confusorius.  $  Gr. 

12 — 14  mm. 
retectus.  $  Tischb. 
8  mm. 
d.  Die  hinteren  Tibien  schwarz  •■  cuneatus.  $  Tischb. 

12  mm. 
2.  Hinterschenkel  rotli  mit  schwar- 
zer Spitze sarcitorius.  $  L. 

10  —  12  mm. 

B.  Tarsen  verbreitert gradarius.  $  W. 

12  —  IG  mm. 


thulen.sis.  $  Ruthe. 
10-12  mm. 


B.  HinterhĂĽften  ohne  BĂĽrste. 


A-  Hinterschenkel  schwarz  oder  zum 
grössten  Theil  schwarz. 
1.  Der    Rand    der    "Wangen    unten 
an  der  Basis  der  Mandibeln  ver- 
breitert u.  etwas  zurĂĽckgebogen. 
a.  Hintertibien  an  der  Basis  hellgelb. 
a.  Segment  5  bis  7  mit  weissem 

Fleck suspiciosus.  $  W. 

12-18  mm. 
Ăź.  Segment  6  und  7  mit  weissem 

Fleck mordax.  $  Kriechb. 

12   mm. 
ö.  Hintertibien  an  der  Basis  roth. 
a.  Die  Flecken    auf    den   letzten 
Hinterleibssegmenten   bläulich - 

weiss   glaucus.  $  Tischb. 

12  mm. 
Ăź.  Die  Flecken    auf    den   letzten 
Hinterleibssegmenten  weiss, 
t  Postpetiolus  sehr  schwach  na- 
delrissig,  Segment   1    roth  •  ■  •  rufigena.  $   Kriechb. 

1 1    mm. 
ft  Postpetiolus  stärker  nadelris- 
sig, Segment    1   schwarz. 


422 


X   Segment    3    an    der    Basis 

ohne  schwarze  Binde  •  •  •  •  bueculentus.    $  W. 

12  —  18  mm. 
gracilentus.  $  W. 

10-12  mm. 
vicinus.  $  H. 
10-12  mm. 
X  X   Segment  3  an  der  Basis 

mit  schwarzer  Binde  •  •  •  decipiens.  ^  H. 

8-10  mm. 
(caedator.  $  H.  ?) 

2.  Der  Rand  der  Wangen  unten  an 
der  Basis  der  Mandibeln  nicht 
verbreitert    und    zurĂĽckgebogen. 

a.  Hintertibien  hellgelb  oder  weiss- 
gelb. 

a.   Segment    3     mit    schwarzem 

Vorderrand terminatorius.  $  Gr, 

12-18  mm. 
/S.   Segment    3    ohne    schwarzen 
Vorderrand. 
t  Antennen  stärker  als  gewöhn- 
lich   .•  •  •  validicornis.  $  H. 

10-12  mm. 
ft  Antennen    nicht    stärker   als 
gewöhnlich. 
X   Segment  1    roth  oder  roth 

mit  schwarzem  Stiel vivacior.  $  Tischb. 

7-10  mm. 
X  X   Segment  1   schwarz. 
-|-  Segment  2  und  3  kastanien- 
braun   melanotis.  $  H. 

14  —  16  mm. 
—  —  Segment  2  und   3  roth  •  tempestivus.   '^  H. 

10-12   mm. 

b.  Hintertibien  an  der  Basis  roth, 
gelbroth  oder  braunroth. 

a.  Hintertibien    braunroth,     Seg- 
ment 2  und   3  entw.  schwarz 

oder  braunroth inquinatus.  $  W. 

11  —  14  mm. 
decurtatus.  $. 
11  —  13  mm. 


423 

Ăź.  Hintertibien  roth.    Segment  2 
lind  3  roth. 
t  Segment  1   roth. 

X   Mesonotum  i-oth ruticolhs.  2  H. 

10-13  mm. 
XX   Mesonotum  schwarz- •••  multipictus.  $. 

6  —  7  mm. 

tt  Segment   1   schwarz aries.  ,9  Kriechb. 

11  —  12  mm. 
luctatorius.  $  H.(nonW.) 

12-16  mm. 
albiger.  $  W. 

10—12  mm. 
firmipes.  $. 

9—10  mm. 
obliteratus.  $. 

9  mm. 

c.  Hintertibien  schwarz majusculus.  $  Tisehb. 

17  mm. 

B.  Hinterschenkel    schwarz,    aus- 
nahmsweise roth. 

1.  Segment   1   bis   3   roth proletarius.  ^  W. 

7  —  8  mm. 

2.  Segment   2  bis  3  roth caedator.  $  Gr. 

9—11   mm. 

C.  Hinterschenkel  roth. 

1.  Segment   1   bis  3  roth gratus.  '^  W. 

8  mm. 

2.  Segment  2  bis  3  i-oth. 

a.  Segment  6  und  7  mit  weissem 

Fleck rarus.  l^.  Tisehb. 

10  mm. 
/).  Segment  5  bis  7    mit  weissem 

Fleck septentrionalis.  '^  H. 

12—18  mm. 
subalpinus    $  H. 
14  mm. 

D.  Hinterschenkel  gelb indiscretus.  $  W. 

13  mm. 

U.   Scutellum    schwaiz    oder  roth  oder 
roth  gezeichnet. 
A.  Hinterschenkel  roth  oder  roth  mit 
schwarzen  Knien 


424 

A.   Soutellum  rotli Thomsoni.  $  H. 

12-18  mm. 
Ăź.   Scutellum  schwarz. 

1.  Segment.  2  und  3  roth nemorator.  $  W. 

7  mm. 

2.  Segment   1   bis  3—4  —  5  roth- -latrator.  $  W. 

5  —  7  mm. 

B.  Hinterschenkel    schwarz    (mitunter 
am  Grunde  roth). 

A.  Segment  2  und  3  roth incomptus.    $  H. 

5  —  7  mm. 

B.  Segment   1   bis  3  roth. 

1.  Scutellum   loth  (var.   schwarz)  •  perhicmatus.   $  Tischb. 

11  —  12  mm. 

2.  Scutellum  schwarz alpestris.  $  H. 

5  —  7  mm. 
spurius.  $   W. 

5  mm. 
analis.  $  W. 

7  —  9  mm. 

C.  Hinterschenkel  gelb luteipes.    $  W. 

13  mm. 
Subdiv.   2.   Antennen  borstenförmig. 

I.  HinterhĂĽften  mit  Tuberkel  oder  BĂĽrste. 

A.  Hinterschenkel  schwarz tuberculipes.  $  W. 

12  mm. 

B.  Hinterschenke]  roth  oder  grössten- 
theils  roth. 

A.  Segment  2  und  3  roth,   Segm.  3 

mit  schwarzem  Vorderrand  •  •  •  »balteatus.  $  W. 

IC — 11   mm. 

B.  Segment  2  und  3  schwarz   •  •  •  •  corniger.  $  Tischb. 

17  —  18  mm. 

II.  HinterhĂĽften    ohne   Tuberkel    oder 
BĂĽrste. 

A.  Hinterleibssegmente  2  bis  3  bis  4 
roth  oder  gelbroth. 
A.  Scutellum  gelb  oder  weiss. 
1.   Gastrocälen  ziemlich  gross,    der 
zwischenliegende  Raum  schmäler 
oder    so  breit    als  das  Mittelfeld 
des  Postpetiolus. 
a.  Hinterschenkel   schwarz. 


425 

a.  HinterhĂĽfteii  mit  gelbem  Fleck  grossorius.  $  F. 

20-22  mm. 
Ăź.  HinterhĂĽften  ohne  gelb.  Fleck, 
f  Segment  2  bis  4  roth,   5  bis 

7  schmutzigroth diveigens.  $  H. 

16  —  20  mm. 
ff  Segment  2    mit  biaungelben 
oder    rothen    Flecken,    Seg- 
ment 3  schwarz didymus.  $  Gr. 

18  mm. 
Itt  Segment  2    und  Seiten  des 

Segmentes  3  roth immisericors.    $  Tischb. 

16  mm. 
Ittt  Segment  2  und  3  gelb  mit 

gelbrothen  Vorderi-ändern  silaceus.  $  Gr. 

9  — 11   mm, 
ttttt  Segment  2  und  3  roth. 
X    Segment  4  bis  7   mit  weis- 
sen Flecken emancipatus.  $  W. 

10-12  mm. 
X  X  Segment  5  bis  7  mit  weis- 
sen Flecken suturalis.  $  H. 

8  —  9  mm. 

ö.  Hinterschenkel  roth  (ausnahms- 
weise schwarz) gracilicornis.  $  Gr. 

12  — 16  mm. 
bellipes.  ?  W. 

17—19  mm. 

2.   Gastrocälen  klein,  der  zwischen- 
liegende Raum  breit,  wenigstens 
breiter    als    das    Mittelfeld    des 
Postpetiolus. 
((.  Hinterschenkel  roth. 
a.  Antennen  schwarz  und  weiss  •erythromerus.   2.   W. 

13  mm. 

ß.  Antennen  dreifarbig«  ■ eumerus.  $  W. 

8  mm. 
b.  Hinterschenkel  schwarz. 

a.   Hinterschienen  gelb caloscelis.  $  W. 

ß.   Hinterschienen  roth.  10—12   mm. 

•[•  Fühler  meistens  3-farbig,  roth, 
weiss  und  schwarz. 


426 


X  Segment  1  am  Hinteirande, 
2  und  3  ganz  und  Segni.  4 
am  Vordenande  rotli  •  •  •  •  rufolineatus.  $  H. 

9  mm. 

XX   Segment  2  und  3  voth    iiiptorius.   $  L. 

7  — 10  mm. 
exilicoruis.  $  W. 

7  —  8  mm. 
insidiosus.  $  W. 

9-12  mm. 
9-albatus.  $  Kriechb. 

10  mm. 
hircinus.  $  H. 

8—10  mm. 
sculpturatus.  $  H. 
8—10  mm. 

tt  FĂĽhler   meistens   zweifarbig, 
schwarz  und  weiss. 
X    Segment  1  bis  3  dunkelbraun  punctus.  $  W. 

10-12  mm. 
X  X   Segment   1   bis  3  roth  •  •  rutidens.  f  W. 

8  mm. 
XXX   Segment  2  bis  3  roth. 

"    Segment    3    an    der    Basis 

schwarz zonalis.  $  Gr. 

8  —  9  mm. 
^'^   Segment    3    an    der    Basis 
nicht  schwarz. 
^  Segment  6  und  7  mit  weis- 
sem  Fleck phaeostigmus.  $. 

10  —  12  mm. 
8**  Segment  5  bis  7  mit  weis- 
sem Fleck. 

(X  Segment  2  und  3   roth    medialis.  $  W. 

10—12  mm. 
oo  30  Segment  2  und  3  kasta- 
nienbraun, Seut.  flach  obsessor.  $  W. 
13—^14  mm. 

ttt  FĂĽhler  zweifarbig,  schwarz 

und  roth intricator.  $  W. 

5  —  6  mm. 


427 

y.  Hinterschienen  schwarz,  selten 

voth obscuripes.  $  H. 

10-12  mm. 
melanobatus.  $  (Gr.)  W. 
16  —  17  mm. 
B-  Scutellum  ganz  schwarz  oder  röth- 
lich,  zuweilen  schwarz  und  an  der 
Spitze  roth  oder  rothbraun. 

1.  Antennen  ganz  schwarz Fabricii.  $  Schrank. 

7  mm. 

2.  Antennen  2-  oder  3-farbig. 

a.  Segment  7  mit  weissem  Fleck  polyonomus.  $  W. 

7  —  8  mm. 

b.  Segment  6  und  7   mit  weissem 
Fleck. 

a.  Hintertibien  gelbroth stigmatarius.  $  Zetterst. 

7  — 12  mm. 
Ăź.  Hintertibien  roth. 
t  Segment  1—3  kastanienroth   versutus.  $  H. 

9-10  mm. 
tt  Segment   1  —  3    roth,    Meso- 

thorax  mit  rothem  Fleck- -vuJneratorius.  $  Zetterst. 

7  —  8  mm. 
ttt  Segment  2  und  3  loth  •  • -manicatus.  $  H. 

10-12  mm. 

B.  Hinterleibssegmente   1  bis  3  oder  7 
gelb  oder  gelb  gezeichnet. 

A-  Beine  schwarz  und  gelb xanthorius.  $  Forster. 

12  — 17  mm. 
/?.  Beine  schwarz  und  i'oth sexcinctus.  $. 

W  — 13  mm. 

C.  Hinterleib  schwarz,    die  Segmente 
2   und  3  selten  bräunlieh. 

A.  Hinterschenkel  roth  oder  doch  in 
grosser  Ausdehnung  roth. 

1.  Scutellum  schwarz cessator.  $  W. 

12-15  mm. 

2.  Scutellum  weiss melanosomus.  $  H. 

12-14  mm. 
quadriiilbatus.  J  Gr. 

8—12  mm. 
quaesitorius.  J  L. 

12 — 15  mm. 


428 

/i.  Hinteischenkel  schwarz  oder  doch 

grösstentheils  schwarz Mäkhni.  $  H. 

12  —  14  mm. 
laugiiidus.  $  W. 

14  mm. 
siibmarginatus.  $  Gr. 
=    subreptorius.    H.   W. 

10—14  mm. 
Haglundi.  $  H. 

12  — 16  mm. 
trimaculatus.  ^Taschenb. 

12  mm. 

Nochmals  muss  wiederholt  werden,  dass  diese  Tabellen 
mir  einen  Anhalt,  eine  Erleichterung  bei  der  Bestimmung 
geben  sollen.  Wer  sich  länger  mit  den  Ichneumonen  beschäf- 
tigt hat,  wird  wissen,  wie  schwankend  manche  Kennzeichen 
sind.  Die  Uebergänge  von  iadenHirmigen  zu  borstenförmigen 
Antennen,  indem  die  fadenförmigen  Antennen  nach  dem  Ende 
hin  etwas  spitzer  werden,  oder  die  Uebergänge  von  der  star- 
ken BĂĽrste  an  den  HinterhĂĽften  zu  einer  schwachen,  oder  zu 
einer  geringen  Anhäufung  von  Haaren  an  der  Stelle,  an  wel- 
cher die  BĂĽrste  zu  .stehen  pflegt  u.  s.  w.  verwischen  die 
scharfen  Grenzen.  Bei  den  Farben  sind  die  Uebergänge  be- 
kanntlich noch  viel  häufiger.  Die  Grösse  habe  ich,  da  sie 
einigen  Anhalt  bietet,  in  Millimetern  angegeben. 

Die  in  der  Tabelle  aufgefĂĽhrten  neuen  Arten,  welche  mit 
Kriechb.  bezeichnet  sind,  wurden  von  Prof.  Kriechbaumer  in 
MĂĽnchen  aui'gefunden;  derselbe  wird  sie  in  dem  Correspondenz- 
blatte  des  zoologisch-mineralogischen  Vereins  in  Regensburg 
beschreiben.     Diese  Arten  haben  mir  zur  Ansicht  vorgelegen. 


429 


Neue  Staphylinen, 

beschrieben 
von  Dr.  Ed.  Eppelslieiiti  in  GrĂĽnstadt. 


Bolitochara  Brucki  nov.  »p. 

Nigra,  nitida,  subtiliter  griseo-pubescens,  pedibus  piceis 
thorace  elytrisque  parcius  fortiter  punctatis,  abdomine  fere 
laevigato.     Long,    l^/o  ĂĽ"- 

Mas:  Abdominis  segniento  sexto  dorsali  posterius  parce 
fortiter  granulato,  medio  tuberculo  majore  ornato. 

Durch  ihre  gleichmässig  tiefschwarze  Färbung  vor  allen 
übrigen  Arten  gekennzeichnet,  von  stari<em  Glänze  des  ganzen 
Körpers,  welcher  durch  die  nur  massig  dichte  und  feine  grau- 
gelbe Behaarung  in  nichts  abgeschwächt  wird.  Der  Kopf 
sammt  den  Augen  ist  etwas  breiter  als  das  Halsschild,  wenig 
dicht,  stark  punktirt.  Die  Palpen  sind  pechbraun.  Die  FĂĽhler 
sind  auflallend  schlank  fĂĽr  diese  Gattung,  einfarbig  schwarz, 
länger  als  Kopf  und  Halsschild,  nach  der  Spitze  zu  nur  sehr 
wenig  verdickt,  vom  4.  bis  zum  10.  Ghed  an  Länge  nicht 
ab-,  an  Breite  nur  wenig  zunehmend,  so  dass  die  vorletzten 
Glieder  noch  deutlieh  so  lang  als  breit  sind,  das  3.  Glied  wenig 
kürzer  als  das  2.,  das  letzte  lang  eiförmig  zugespitzt,  etwas 
kĂĽrzer  als  die  zwei  vorhergehenden  zusammengenommen.  Das 
Halsschild  ist  an  seiner  Basis  halb  so  breit  uls  die  FlĂĽgeldecken, 
um  gut  ein  Drittel  breiter  als  laug,  an  den  Seiten  vor  der 
Mitte  etwas  aerundet  erweitert,  doch  uacii  hinten  kaum  mehr 
als  nach  vorn  verengt,  oben  n)ässig  gewölbt,  nicht  dicht,  aber 
stark  und  tief  punktirt,  in  der  Mitte  gegen  die  Basis  zu  etwas 
abgeflacht,  ohne  deutliches  GrĂĽbchen  am  Grunde.  Die  FlĂĽgel- 
decken sind  um  die  Hälfte  breiter  und  um  ein  Drittel  länger 
als  das  Halsschild,  an  der  Basis  massig  dicht  und  stark,  je 
mehr  gegen  die  Spitze  zu  desto  zerstreuter  und  gröber  punktirt 
mit  glänzend  glatten  Zwischenräumen.  Der  Hinterleib  ist  gleich- 
breit, breit  und  hoch  gerandet,  das  2.  bis  4.  Segment  oben 
an  der  Basis  der  Quere  nach  eingedrĂĽckt  und  nur  in  dieser 
Rinne  mit  einzelnen  gröberen  Punkten  besetzt,  sonst  glatt.  Die 
Beine  sind  pechbraun. 

28 


430 

Beim  rj  ist  der  6.  obere  Hinterleibsring  auf  seiner  hinteren 
Hälfte  mit  kleinen  Höckerchen  sehr  zerstreut  besetzt,  ausser- 
dem mit  einem  grüssereu  Höckei-  in  der  Mitte  versehen,  wel- 
cher der  Spitze  des  Segments  etwas  näher  liegt  als  der  Basis. 

Vaterland:  Granada.  Ein  einziges  ^  in  der  Sammlung 
des  Herrn  von  BrĂĽck. 

Der  Käfer  hat  etwas  Fremdartiges  im  Habitus  und  weicht 
von  den  ĂĽbrigen  Bolitochara-Arten  vornemlich  durch  seine 
schlanken  FĂĽhler  ab,  dĂĽrfte  aber  kaum  c^ner  andern  Gattung 
angehören. 

Leptusa  pulchra  nov.  sp. 

Elongata,  linearis,  tenuissinie  llavo-pubescens ,  rul'a  aut 
rufo-brunnea,  antennis,  pedibus  anoque  testaceis,  abdominis 
cingulo  nigro;  capite  subtriangulari  densius  sat  eouspix-ue,  tho- 
race  elytris  latiore  transverso  medio  canaliculato  posterius 
evidenter  angustalo  crebre  subtihssime,  elytris  hoc  subbrevioi-i- 
bus  disco  subjmpressis  crebre  fortiter  granuloso-punctatis, 
abdomiue  anterius  })arcius  ])unctato.  postice  fere  laevigato. 
Long.   3|^  lin. 

Mas:  Thorace  profundius  impresso,  elytris  basi  secunduui 
suturam  elevato-tumidulis ,  margine  laterali  posterius  praesertim 
plicato-elevatis,  abdomine  segmento  superiore  quinto  medio 
tuberculo  oblongo  prominulo,  sexto  eodem  paullo  minore 
tenuioreque  ornato. 

Schlank,  beinahe  gleichbreit,  der  Hinterleib  auch  beim  $ 
kaum  etwas  nach  der  Basis  zu  verschmälert,  roth  oder  roth- 
l)raun  mit  breitem,  schwarzem  HinterleibsgĂĽrtel  und  gelbhchen 
FüJilern,  Beinen  und  After,  mit  lebhaftem  Glänze  der  Flügel- 
decken und  des  Hinterleibs,  welcher  auf  Kopf  und  Halsschild 
durch  die  dichte  und  feine  Punktirung  und  Behaarung  etwas 
gedämpi't  erscheint.  Der  Kopf  ist  rundlich,  so  breit  als  der 
Vorderrand  des  Halsscliiids ,  von  den  kleinen  schAvarzen  Augen 
nach  hinten  wenig,  nach  vorn  ziemlich  stark  verengt,  der 
Scheitel  der  Quere  nach  gewölbt,  die  Stirn  abgellacht,  oben 
dicht  und  fein  aber  deutlich  punktirt.  wenig  glänzend,  sehr' 
fein  und  kurz  gelblich  beliaart.  Die  Füliler  sind  etwas  länger 
als  Kopf  und  Halsschild,  an  der  Basis  ziemlich  schlank,  nach 
der  Spitze  zu  stark  verdickt,  Glied  2  und  3  länglich  verkehrt- 
kegelföi'mig,  3  ein  wenig  schlanker  und  kürzer  als  2,  4  so 
breit  als  3  an  der  Spitze,  beinahe  so  lang  als  breit,  nach  der 
Basis  nur  sehr  wenig  verschmälert,  5  — 10  quer,  allmählich  an 
Breite  nicht  nur,   sondern  auch   an  Länge  zunehmend,  so  dass 


431 

Glied  10  beinahe  doppelt  so  breit  als  lang  ist,  11  so  lang  als 
die  beiden  vorhergehenden  zusammengenommen,  kurz  eiförmig 
mit  abgestumpfter  Spitze.  Das  Halsschild  ist  etwa  um  ein 
Drittel  breiter  als  lang,  an  den  Seiten  vor  der  Mitte  etwas 
gerundet-erweitert  und  hier  am  breitesten,  etwas  breiter  als 
die  FlĂĽgeldecken  am  Hinterrand,  nach  vorn  wenig,  nach  hinten 
deuthch  verengt,  die  Vorderecken  stark  niedergedrĂĽckt  und 
dadurch,  dass  der  wenig  gerundete,  beinahe  gerade  abgestutzte 
Vorderrand  gegen  dieselben  hin  etwas  ausgeschweift  ist,  schwach 
spitzwinkelig  vortretend,  die  Hinterecken  sehr  stumpf  und  sammt 
dem  Hinterrand  in  äusserst  schwachem  Bogen  zugerundet;  oben 
ist  es  an  den  Seiten  nur  massig  gewölbt,  in  der  Mitte  nieder- 
gedrückt und  hier  der  ganzen  Länge  nach  von  einer  nach 
hinten  sich  verbreiternden  und  in  ein  QuergrĂĽbchen  endigenden 
Längsrinne  durchzogen,  überall  äusserst  dicht  und  seicht 
punktirt  und  wie  der  Kopf  sehr  dicht  mit  kurzen  feinen  an- 
liegenden Härchen  besetzt.  Die  Flügeldecken  sind  kaum  etwas 
kĂĽrzer  als  das  Halsschild,  so  breit  als  der  Hinterrand  desselben, 
an  den  Seiten  fast  gerade,  am  Hinterrand  vor  den  Hinterecken 
deutlich  ausgebuchtet,  um  das  Schildchen  herum  mehr  oder 
weniger  aufgetrieben,  auf  dem  RĂĽcken  namentlich  gegen  den 
Hinterrand  hin  schräg  niedergedrückt,  dicht  und  ziemlich  stark 
körnig-runzelig  punktirt,  dicht  und  etwas  länger  und  weniger 
fein  behaart  als  das  Halsschild.  Der  Hinterleib  ist  ziemhch 
gleichbreit,  auch  beim  .9  kaum  etwas  gegen  die  Spitze  hin 
verbreitert,  an  den  Seiten  breit  und  hoch  gerandet,  auf  den 
vordem  Ringen  am  Grunde  quer  eingedrĂĽckt,  voi'n  seicht  nicht 
dicht  punktirt,  hinten  ziemhch  glatt,  massig  dicht  und  fein 
behaart. 

Beim  ^^  ist  der  Längseindruck  des  Halsschilds  tiefer,  die 
FlĂĽgeldecken  sind  hinter  dem  Schildchen  beiderseits  der  Naht 
zu  einer  deutliehen  Beule  aufgetrieben,  auf  dem  Rücken  stär- 
ker niedergedrĂĽckt  und  am  Seitenrand  namentlich  gegen  hinten 
zu  einer  kräftigen  Falte  aufgeworfen.  Ausserdem  befindet  sich 
auf  dem  5.  oberen  Ring  eine  etwas  vor  der  Mitte  beginnende 
und  unmittelbai-  vor  dem  Hinteri-ande  endigende  kielartige 
Längslnberkel  und  auf  dem  6.  eine  ebensolche,  welche  jedoch 
etwas  kleiner  und  schwächer  ist. 

Von  Herrn  vom  BrĂĽck   bei  Ajaccio  aufgefunden. 

PhĂĽonthus  tibialis  nov.  sp. 

Niger,  nitidus,  elytri>^  densius  punetatis  viridi -aeneiö, 
tibiarum    basi    tarsisque    rufo- brunneis,    capite    suborbiculato, 

28* 


432 

thorace  antrorsum  subangustato  latitudine  vix  longiore  seriebus 
dorsalibus  5-punctatis,  abdomine  segmentis  anterioribus  basi 
lateribusque  parcius  fortiter  punctatis,  apice  medio  segmentisque 
posterioribus  fere  laevigatis.     Long.  S^jg   ĂĽn. 

Mas:  segmento  7^  ventiali  medio  triangulariter  exciso. 
Von    der    Grösse    und   Gestalt    der    mittleren  Stücke  des 
Philonthus  ebeninus,  Kopf  und  Halsschild  schwarz  und  spiegel- 
blank,   die  Flügeldecken    dunkel   erzgrün;    durch  die  Färbung 
der  Beine    und    die  eigenlhĂĽmliche  Punktirung  des  Hinterleibs 
in    hohem   Grade    ausgezeichnet.     Der  Kopf  ist  in  beiden  Ge- 
schlechtern etwas  schmäler  als  das  Halsschild,  rundlich;  neben 
dem    gewöhnlichen    gi-össeren  Punkt    voin  am  Innenrande  der 
Augen  befindet  sich,  quergestellt  zu  demselben,  beiderseits  ein 
ebenso  starker  und  tiefeingedrĂĽckter;    vom  hintern  Innenrande 
der  Augen    laufen    beiderseits  4  etwas   schwächere  Punkte  in 
schräger  Richtung  gegen  die  Basis  des  Kopfes  zu,    der  Raum 
zwischen  diesen  und  den  abgerundeten  Hinterwinkeln  ist  etwas 
feiner  zerstreut  punktirt.    Die  FĂĽhler  sind  schlank,  so  lang  als 
Kopf  und  Halsschild,  einfarbig  schwarz,  das  dritte  Glied  etwas 
länger    als    das    zweite,    von    den   folgenden  die  ersten  etwas 
länger,  die  letzten  noch  so  lang  als  breit,  das  Endglied  eiför- 
mig,   ausgerandet.     Die  Taster   sind  pechschwarz.     Das  Hals- 
schild   ist    etwas  schmäler  als  die  Flügeldecken,  kaum  länger 
als  breit,  nach  vorn  ein  wenig  verengt,    mit  niedergedrĂĽckten 
etwas  zugerundeten  Vorder-  und  sehr  stumpfen  Hinterwinkeln, 
vorn  gerade  abgeschnitten,    hinten    im  Bogen  gerundet,    oben 
massig    gewölbt    mit    einer    Rückenlinie    von    5   gleichstarken 
Punkten   —   nach    der    richtigeren  Zählung    von  Thomson  und 
Fauvel,    mit  6  nach    der   von  Erichson  und  Kraatz   —   ausser 
den  Randpunkten    noch  mit  4  —  5  Seitenpunkten.     Die  Flügel- 
decken sind  etwas  breiter  als  die  Basis  des  Halsschilds,  so  lang 
als  dasselbe ,    massig    dicht    und    stark  punktirt  und  anliegend 
gelbgrau    behaart.     Das    Sohildehen    ist    schwarz,    sehr    dicht 
punktirt    und  behaart.     Der  Hinterleib  ist  auf  seinen  vorderen 
Segmenten  an  der  Basis  und  gegen  die  Seiten  hin  wenig  dicht 
aber  stark  und  tief  punktirt,    gegen    den  Hinterrand    zu  glatt, 
so  zwar,    dass    auf  jedem   nachfolgenden  Ringe  der  punktirte 
Raum  kleiner  M^ird,    während  der  glatte  sich  mehr  und  mehr 
ausdehnt,  bis  fchhesslich  auf  den  letzten  Ringen  nur  noch  ver- 
einzelte Punkte  stehen.    Oben  ist  der  Hinterleib  ĂĽberall   wenig 
dicht    ziemhch    lang  gelbgrau  behaart,  auf  den  4  ersten  Seg- 
menten am  Grunde  der  Quere  nach  ziemlich  tief  eingedrĂĽckt, 
unten  in  ähnlicher  Weise  punktirt  und  behaart.  Die  Beine  sind 
schwarz,  die  Basalhälfte  der  Schienen  und  die  Füsse  hell  roth- 


433 

braun,  alle  Schienen  bedomt,  die  VorderfĂĽsse  in  beiden  Ge- 
schlechtern nur  massig  erweitert,  aber  beim  ^  mit  viel 
längeren  goldgelben  Haaren  besetzt  als  beim  $. 

Beim  ^  ist  das  7.  untere  Hinterleibssegment  in  der  Mitte 
dreieckig  ausgerandet,  die  Spitze  der  Ausrandung  abgerundet; 
oberhalb  derselben  ist  eine  kleine  dreieckige  glatte  Vertiefung. 

Bei  einem  der  mir  vorliegenden  StĂĽcke  fehlt  in  der 
Rückenreihe  des  Halsschilds  ein  Punkt  auf  einer  Seite,  während 
er  auf  der  andern  vorhanden  ist,  bei  einem  andern  derselbe 
Punkt  —   der  2.  von  unten   —   beiderseits. 

Der  Käfer  könnte  unter  den  Arten  mit  einer  Rückenreihe 
des  Halsschilds  von  5  resp.  6  Punkten  höchstens  mit  fumarius 
verwechselt  werden,  welcher  sich  jedoch  auf  den  ersten  Blick 
durch  eiförmigen  Kopf,  breiteres  Halsschild,  viel  dichter  und 
feiner  punktirte  FlĂĽgeldecken  und  Hinterleibsringe  und  durch 
einfarbig  helle  Beine  unterscheidet.  Am  nächsten  steht  unsere 
Art  jedenfalls  dem  ebeninus,  von  welchem  sie,  abgesehen  von 
der  Zahl  der  Halsschildpunkte,  durch  beim  r^  kleineren  Kopf, 
schlankere  FĂĽhler,  etwas  dichter  punktirte  FlĂĽgeldecken  und 
besonders  durch  viel  gröbere  und  anders  vertheilte  Punktirung 
des  Hinterleibs  abweicht. 

Von  Raymond  bei  Nauplia  in  Griechenland  gesammelt. 
Aus  der  Sammlung  des  Herrn  vom  BrĂĽck. 

Lathrobium  sibiricum  nov.  sp. 

Latius,  subconvexum,  nigrum,  nitidum,  antennis  piceis 
basi  apiceque  rufis,  palpis  apice  piceis,  pedibus  rufo-piceis, 
capite  suborbiculato  parce  subtilius,  thorace  coleopterorum 
latitudine  subquadrato  elytrisque  thorace  subbrevioribus  dense 
fortiter  punctatis.     Long.   3  lin. 

Fem:  Abdominis  segmento  7"  medio  acute  triangulariter 
producto,  lateribus  subsinuato. 

Mas:  latet. 

Dem  L.  fovulum  Steph.  (punctatum  Zett.  Er.)  sehr  nahe 
verwandt,  aber  bei  gleicher  Länge  breiter,  gedrungener  und 
gewölbter  als  dasselbe ,  Kopf,  Halsschild  und  Flügeldecken  sind 
kürzer  und  die  beiden  letzteren  dichter  und  stärker  punktirt. 
Der  Kopf  ist  rundlich,  fast  so  breit  als  das  Halsschild,  von 
den  abgerundeten  Hinterwinkeln  bis  zu  den  Augen  gleichbreit. 
dann  von  da  rasch  nach  vorn  verengt  —  während  er  bei 
punctatum  an  den  Hinterwinkeln  am  breitesten  ist  und  sich 
von  da  nach  vorn  allmählich  verschmälert  —  oben  massig  ge- 
wölbt,   in    der  Mitte    der    ganzen  Länge   nach  sehr  vereinzelt 


434 

massig  stark,  nur  ein  schmaler  Raum  zwischen  den  FĂĽhlern 
dichter  und  kräftiger,  an  den  Seiten  und  in  den  Hinterwinkeln 
feiner  und  noch  dichter  punktirt,  fein  grau  behaart,  an  den 
Seiten  mit  einzelnen  längeren  schwarzen  Haaren  besetzt.  Die 
Maxillartaster  sind  röthlich,  das  2.  und  3.  Glied  in  der  Spitzen- 
hälfte pechschwarz. 

Die  FĂĽhler  sind  schlank,  so  lang  als  Kopf  und  Halsschild, 
pechfarben,  das  erste  Glied,  die  Basis  des  2.  und  3.  und  das 
Endglied  rostroth,  Glied  3  etwas  länger  als  2,  Glied  5  bis 
10  gleichlang,  etwas  länger  als  breit.  Das  Halsschild  ist  qua- 
dratisch, kaum  länger  als  breit,  mit  geraden  Seitenrändern, 
stark  niedergedrĂĽckten  stumpfen  Vorder-  und  abgerundeten 
Hinterwinkeln,  oben  etwas  gewölbt,  ziemlich  dicht  stark  und 
tief  punktirt  und  fein,  massig  dicht  graulich  behaart,  eine 
schmale  an  der  Basis  und  Spitze  etwas  verbreiterte  Mittellinie 
spiegelglatt.  Das  Schildchen  ist  mit  einigen  wenigen  Punkten 
besetzt.  Die  FlĂĽgeldecken  sind  nur  so  breit  als  das  Halsschild,-, 
an  der  Spitze  schief  nach  innen  abgestutzt,  so  dass  sie  an  der 
Naht  deutlich  kĂĽrzer  sind  als  das  Halsschild,  etwas  dichter- 
aber  nicht  ganz  so  stark  und  tief  punktirt  wie  dasselbe,  mit. 
etwas  runzeligen  Zwischenräumen,  fein  und  ziemlich  dichte 
behaart.  Der  Hinterleib  ist  matt,  äusserst  dicht  und  fein 
punktirt  und  behaart,  das  6.  Segment  am  Hinterrand  schmal 
rothbraun  gesäumt.     Die  Beine  sind  braunroth,  kräftig. 

Beim  ^  ist  das  7.  obere  Hinterleibssegment  in  der  Mitte 
scharf  dreieckig  vorgezogen,  an  den  Seiten  etwas  gebuchtet. 
Das  ,^  ist  mir  noch  unbekannt. 

Vaterland:   Ost-Sibirien.     In  meiner  Sammlung;. 


435 


Ueber  die  ZucM  von  Bombyx  (Antheraea) 
Pernyi  Gu6r., 


von 
[r.   lielievre  in   Amboise. 


[Der  Sitzungshei-ioht  vom  3.  Juni  1876  der  Soc.  entomol. 
de  Belgique  in  Bruxelles  enthält  am  Schlüsse  den  nachstehen- 
den interessanten  Vortrag.  Ich  habe  ihn  aus  dem  Französischen 
ĂĽbersetzt,  weniger  fĂĽr  die  Leser  dieser  Zeitung,  die  dessen 
kawm  bedĂĽrfen  werden,  wohl  aber  in  Bezug  darauf,  dasS  sie 
meine  Uebersetzung  Landschullehrern  und  solchen  Personen 
mittheilen  können,  denen  es  rathsam  und  ausführbar  erschiene, 
auf  die  anscheinend  einträgliche  und  im  grössten  Theile  von 
Deutschland  realisirbare  Zucht  des  neuen  Seidenspinners  sich 
einzulassen.  Die  als  beste  Nahrung  bezeichnete  Quercus 
pedunculata  lässt  sieh  ja  überall,  wo  sie  nicht  schon  wächst; 
leicht  anpflanzen.  C.  A.  Dohrn.] 

Herr  Lelievre  zeigt  der  Versammlung  ein  lebendes  Exem- 
plar von  Bombyx  (Antheraea)  Pernyi  Guer.  aus  dem  nördlichen 
China;  es  ist  ein  Weibchen,  mit  Eierlegen  an  die  Wände  der 
Schachtel  beschäftigt,  worin  es  eingeschlossen. 

H^rr  Lelievre  macht  dazu  folgende  Mittheilung. 

Diese  schöne  Art  Bombyx  wird  seit  lange  in  ihrer  Hei- 
mat zu  einem  Webestoff  ausgenutzt,  der  ganze  Völkerschaften 
bekleidet  und  durch  den  Handel  auch  auf  die  Märkte  von 
Europa  kommt. 

Die  Raupe  iindet  man  vorzugSAveise  in  bergigen  Gegenden. 
Man  verdankt  ihre  EinfĂĽhrung  nach  Frankreich  dem  Abbe 
Perny,  der  dem  verstorbenen  Guerin  eine  grosse  Zahl  von 
Eiern  zustellte  und   1855  zuerst  ihre  Zucht  versuchte. 

In  China  erhält  man  ohne  Schwierigkeit  zweimal  jährlich 
Cocons,  zuerst  im  Sommer  (Juli),  dann  im  Herbst  (September, 
October).  Die  vollständige  Entwicklung  der  Raupe  kann  inner- 
halb sechs  Wochen  bis  zu  zwei  Monaten  geschehen.  "; 

Bald  nach  der  Verpuppung,  wenige  Tage  nachher,  schliipfi 
der  Schmetterling  aus,    Begattung    und  Eierlegen  erfolgen  so- 


436 

fort;  bei  gewöhnlicher  Temperatur  kriechen  die  Räupchen  10 
oder   12  Tage  nachher  aus. 

Die  Seide  von  B.  Pernyi  ist  braun,  wie  die,  welche  unter 
dem  Namen  Byssa  bekannt  ist,  von  den  grossen  Cocons  der 
Antheraea  Mjlissa  F.  stammt,  den  Stoff  fĂĽr  die  berĂĽhmten 
Taschentücher  (foulards)  liefert  und  von  den  Engländern  auf 
den  europäischen  Markt  gebracht  wird. 

Der  Cocon  von  B.  Pernji  ist  dem  von  B.  mori  ähnlich 
geschlossen,  folglich  kann  man  ihn  in  derselben  Weise  ab- 
haspeln. 

Zum  Erzielen  guten  Erfolges  muss  man  das  AusschlĂĽpfen 
auS'  den  Eiern  aufmerksam  überwachen,  das  regelmässig  in 
der  FrĂĽhstunde  stattfindet. 

Man  muss  für  die  Räupchen  ganz  frische  Eichenblätter 
bereit  halten,  denn  sowie  sie  ausschlĂĽpfen,  machen  sie  sich 
behende  an's  Fressen.  Zuerst  sind  sie  schwarz  und  gleichen 
auf  den  ersten  Blick  der  Raupe  unsrer  gemeinen  Saturnia 
carpini.  Später  werden  sie  immer  intensiver  schön  grün;  die 
Tuberkeln  ihrer  Ringe  nehmen  verschiedne  Farben  an.  Bei 
der  ausgewachsnen  Raupe  vergehen  diese  Tuberkeln  fast  ganz: 
auf  den  Seiten  der  drei  oder  vier  Ringe  hinter  den  Thorax- 
Segmenten,  welche  die  Krallen -FĂĽsse  tragen,  zeigen  sich 
glänzende  Silberflecke,  grösser  oder  kleiner,  ähnlich  denen, 
welche  man  auf  den  vier  FlĂĽgeln  des  ausgebildeten  Thiers 
findet. 

Zur  Förderung  des  Wachsthums  und  der  Gesundheit  der 
Raupen,  muss  man,  sobald  sie  grösser  werden,  und  vor  und 
nach  der  jedesmaligen  Häutung  die  Eichenblätter  Morgens  und 
Abends  mit  einem  Wedel  tĂĽchtig  besprengen.  Man  wird  be- 
merken, namentlich  nach  der  dritten  Häutung  und  nach  heis- 
sen,  gewitterschwĂĽlen  Tagen,  dass  die  Raupen  gierig  die 
Wassertröpfchen  von  den  Blättern  aufsaugen. 

Anfangs  versuchte  ich  es  mit  zwei  Generationen,  wie  die 
Chinesen;  aber  die  zweite  schlug  fehl,  weil  die  Mehrzahl 
meiner  Raupen  noch  in  der  dritten  Häutung  waren,  als  Ende 
Septembers  schon  kalte  Tage  sich  einstellten.  Desshalb  habe 
ich  es  vorgezogen,  die  im  Juh-August  gesponnenen  Cocons  an 
einen  kĂĽhlen  Ort,  z.  B.  in  den  Keller  zu  stellen,  und  sie  erst 
im  Mai-Juni  des  nächsten  Jahres  auskriechen  zu  lassen.  Die 
ersten  krochen  dann  vom   10.  bis   15.  Mai  aus. 

Kaum  ausgekrochen  sucht  das  ,^  eifrigst  die  $.  Die  Be- 
gattung erfolgt  vorzugsweise  des  Abends,  dauert  22  bis  24 
Stunden,  und  nicht  selten  begattet  sich  dasselbe  (^  drei-,  vier- 
mal mit  andern  $. 


437 

Beide  Geschlechter  gleichen  sich  durchaus,  nur  dass  das 
^  stark  gekämmte  Fühler  hat.     Das  $  legt   150  bis  230  Eier. 

Nicht  genug  kann  ich  anrathen,  die  Raupen  an  einem 
warmen  und  gut  gelĂĽfteten  Ort  zu  halten  und  vor  unreiner 
Luft  zu  bewahren.  Ich  bediene  mich  mit  Erfolg  der  „bibe- 
rons"  *)  die  ich  mit  frischem  reinem  Wasser  oder  mit  feuchtem 
Sande  fĂĽlle;  dahinein  stecke  ich  die  Eichenzweige,  nachdem 
ich  sie  von  Ameisen,  Spinnen  und  andern  Raupenfeinden  sorg- 
fältig gereinigt  habe.  Vorzugsweise  muss  man  Zweige  von 
einem  altern  Baume,  nicht  fleischige  Triebe  von  Schösslingen 
nehmen,  denn  die  Blätter  der  letzteren  sind  zu  wässrig  und 
machen  die  Raupen  zu  der  abscheulichen  Krankheit  geneigt, 
welche  man  „flat"  (Blähsucht?)  nennt.  Auch  haben  diese 
Schösslinge  die  schlechte  Eigenschaft,  dass  sie  rasch  welken, 
auch  wenn  sie  im  Wasser  stehen. 

Von  allen  Eichenarten  scheinen  die  Raupen  an  Quercus 
pedunculata  am  meisten  Geschmack  zu  finden. 

Man  muss  sich  hĂĽten,  die  Raupen  zu  berĂĽhren,  da  sie 
sofort  eine  gelbbraune  FlĂĽssigkeit  aus  dem  Munde  absondern, 
was  sie  schwächt.  Wenn  sie  grösser  sind,  kann  man  sie  ohne 
sie  zu  verletzen  nicht  von  dem  Zweige  losmachen,  an  den  sie 
sich  angeklammert  haben  —  eher  würden  sie  sich  die  Füsse 
ausreissen  lassen. 

Um  diesem  Uebelstande  abzuhelfen,  ist  es  gerathen,  die 
„biberons"  in  einem  Kreise  aufzustellen  und  das  Centrum  frei 
zu  lassen.  Haben  die  Raupen  die  Blätter  aufgezehrt,  oder  sind 
diese  welk  geworden,  -so  stellt  man  andre  biberons  in  die  Mitte 
mit  frischen  Zweigen,  welche  die  älteren  berühren:  dann  gehen 
die  Raupen  eiligst  auf  die  frische  Nahrung  ĂĽber. 

So  fahrt  man  fort  und  lässt  sie  alle  Verwandlungs-Phasen 
durchmachen  und  nach  der  vierten  Häutung  spinnen  sie  sich 
ihren  Cocon  durch  Umklappen  eines  Blättchens  von  dem  Eichen- 
zweige, auf  dem  sie  gerade  sitzen. 

Von  allen  Seidenerzeugern,  die  man  neuerlich  nach  Europa 
gebracht,  ist  diese  Art  die  am  leichtesten  zu  cultivirende. 


Soweit  Herr  Lelievre.  Ich  bedaure.  dass  er  sich  nicht 
ausdrücklich  darüber  erklärt  hat,  ob  und  unter  welchen  Be- 
dingungen er  bereit  ist,  Eier  von  B.  Pernyi  abzulassen,  muss 
dies  also  den  Herren  anheimgeben,  welche  geneigt  sind,  diese 


*)  Biberon,  Gefäss  mit  einem  langen  Halse,    woraus  man  durch 
Saugen  trinken  kann. 


438 

anscheinend    leichte   Industrie    zu    eultiviren,    oder    in    ihren 
Kreisen  anzuregen.     Jedenfalls  wird  ein  Brief  an 

Monsieur  Lelievre 
membre  de  la  Soc.  d'hist,  nat.  d'Angers 

a 


wohl  an  die  richtige  Adresse  kommen. 


Amboise 

C.  A.  Dohrn. 


Ist  der  Kartoffelkäfer  giftig? 

Von 
Aug.  Grote  und  JLdolph  Kaitner  von  BufTalo  N.  Y. 


Wiederholentlich  wurde  in  öffentlichen  Blättern  die  Angabe 
gemacht,  dass  der  Kartoffel-  oder  Colorado-Käfer  (Leptinotarsa 
decemlineata)  giftige  Eigenschaften  habe,  besonders  aber  ge- 
schah dieses  in  dem  siebenten  Berichte  ĂĽber  die  Insekten 
Missouri's  von  Prof.  C.  V.  Riley.  Es  wird  behauptet,  dass 
wenn  man  mit  den  Käfern  in  Contact  kommt  oder  wenn  man 
dieselben  verbrĂĽht  oder  verbrennt  und  den  Rauch  oder  Dampf 
einathmet,  sich  verschiedene  Symptome  von  Haut-  oder  ner- 
vösen Krankheiten  zeigen. 

Um  die  Sache  zu  untersuchen,  wurde  eine  Anzahl  Käfer 
auf  Feldern  in  der  Nähe  von  Buffalo,  wo  man  kein  Arsenik 
in  Anwendung  gebracht  hatte,  gesammelt,  und  der  Destillation 
mit  Salzwasser,  um  eine  erhöhte  Temperatui'  zu  erreichen,, 
unterworfen.  Durch  dieses  Verfahren  erhielt  man  von  einem 
Quart  Insekten  eine  FlĂĽssigkeit  von  ungefĂĽhr  4  ITnzen  Ge- 
wicht. Diese>  FlĂĽssigkeit  war  vollkommen  klar,  und  es"  ent- 
strömte ihr  ein  sehr  unangenehmer  Geruch;  sie  ergab  eine 
alkahsche  Reaktion,  da  sie  eine  gewisse  Quantität  freien 
Ammoniaks  und  kolilensauren  Ammoniaks  enthielt. 

Alsdann  wurde  eine  gleiche  Quantität  der  Käfer  zur  Be- 
reitung einer  Tinktur  genonimen,  welche  auf  folgende  Weise 
hergestellt    wurde:     Absoluter    und    chemisch    reiner    Alkohol 


439 

wurde  '"über  lebenden  Käfern  condensirt;  nach  einer  vierund-. 
zwanzigstĂĽndigen  Digestion  wurde  der  Alkohol  bei  einer 
schwachen  Hitze  abgedampft.  Diese  erhaltene  Tinktur  hatte 
eine  säuerliche  Rückwirkung,  war  braun  von  Farbe  und  nicht 
unangenehm  von  Geruch. 

Um  die  Wirkungen  der  FlĂĽssigkeit  und  der  Tinktur  auf 
das  thierische  System  zu  erproben,  wurde  zum  Versuche  eine 
Anzahl  Frösche  genommen.  Ungefähr  ein  halber  Cubik-Cen-. 
timeter  der  FlĂĽssigkeit  wurden  getrennt  in  den  Magen  gebracht. 
Weder  die  FlĂĽssigkeit  noch  die  Tinktur  zeigten  eine  wahr- 
nehmbare Wirkung.  Die  Lebhaftigkeit  der  so  behandelten 
Frösche  zeigte  nicht  die  geringste  Abnahme,  obgleich  sie  die: 
gegebenen  Dosen  bei  sich  behielten. 

Dann  wurden  zwei  frische  Frösche  genommen  und  ihnen 
mit  einer,  gewöhnlichen  hypodermischen  Spritze  die  Flüssigkeit- 
und  die  Tinktur  in  die  hinteren  FĂĽsse  eingespritzt.  Die  Ein- 
spritzung der  destillirten  Flüssigkeit  zeigte  keine  schädlichen- 
Folgen.  Eine  leichte  Abneigung,  den  Hinterfuss  zu  gebrauchen, 
zeigte  sich  zuerst,  auch  war  dies  bei  einem  anderem  Frosche 
der  Fall,  dem  man  eine  Einspritzung  von  reinem  Wasser  ge- 
geben hatte,  um  den  hervorgebrachten  Wirkungen  Einhalt 
zu  thun. 

Die  Einspritzung  der  Tinktur  erwies  sich  fĂĽr  den  Patien- 
ten als  tödtlich.  Wenige  Minuten  nach  der  Einspritzung  schien 
das  operirte  Bein  paralvsirt  zu  sein,  und  innerhalb  dreissig 
Minuten  hörte  das  Herz  auf  zu  schlagen.  Während  dieser 
Zeit  hatten  sich  die  beiden  andern  Frösche  wieder  vollständig 
von  den  Wirkungen  der  Operation  erholt. 

Die  Tinktur,  obgleich  stark  concentrirt,  erhieh  nur  eine-, 
kleine  Menge  thierischer  Säure,  die,  wenn  mit  den  Basen  der 
Pottasche  und  Soda  geschwängert,  unter  dem  Mikroskope  sicht- 
bare, sechsflächige  leicht  vergehende  Crystalle  bildete.  Es  ist 
bekannt,  dass  solche  Säuren  in  ihren  Wirkungen  auf  das  thie- 
rische System  sehr  heftig  sind.  Dem  Stiche  eines  Flohes  oder 
einer  Wanze  folgt  die  Einführung  von  Säure,  welche  eine 
SchM'ellung  durch  das  Gerinnen  der  eiweisshaltigen  FlĂĽssig- 
keiten des  Körpers  verursacht.  Milch,  der  man  einige  Tropfen 
der  oben  beschriebenen  Tinktur  während  der  angegebenen 
Versuche  zugesetzt  hatte,  gerann  sehr  rasch.  In  dem  Falle 
der  obenangefĂĽhrten  Insekten,  sind  besondere  Organe  mit  der 
Absonderung  der  Säuren  beschäftigt,  welche  in  dem  Haushalt 
der  Insekten  dazu  dienen,  diejenigen  Theile  des  Blutes,  welche 
dem  Insekt  nicht  zur  Nahrung  dienen,  zum  Gerinnen  zu  brin- 
gen.    Beim  Kartoflelkäfer    hat    man    keine  derartigen  Organe 


440 

entdeckt.  Das  Vorhandensein  der  Säuren  leitet  zu  der  An- 
nahme solcher  Organe,  die  aber  allem  Anscheine  nach  beim 
Kartoffelkäfer  nicht  entwickelt  sind.  Die  Säuren  wurden  in 
so  kleinen  Quantitäten  gefunden,  dass  der  Schluss,  der  Kar- 
toffelkäfer sei  nicht  giftig,  nach  den  vorliegenden  Versuchen 
unabweisbar  ist. 

Es  erscheint  wahrscheinlich,  dass  die  veröffentlichten  An- 
gaben des  Gegentheils  sich  auf  falsche  Beobachtung  grĂĽnden, 
und  es  ist  wahrscheinlicher,  dass  gewisse  von  den  als  sehr 
gefährlich  und  umständlich  erzählten  Fällen  der  Vergiftung  dem 
Gebrauch  des  Arseniks  (Pariser  Griin's  und  arsenikhaltiger 
Säuren),  M'elches  jetzt  so  bedeutend  zur  Zerstörung  der  Käfer 
gebraucht  wird,  zuzuschreiben  sind.  Viele  Metallsalze  erzeugen 
Jucken  auf  der  Haut.  Der  durch  Hitze  erzeugte  Dampf  der- 
selben eingeathmet,  bringt  nervöse  Störungen  hervor.  Die 
Wirkungen  des  Pariser  Griin's  sind  für  die  des  Kartoffelkäfers 
gehalten  worden. 

Es  ist  jedoch  wahrscheinlich,  dass  wenn  man  eine  grössere 
Menge  Käfer  durch  Feuer  zerstört,  selbst  wenn  sie  kein  Ar- 
senik enthalten,  eine  unvollständige  Verbrennung  stattfindet; 
in  diesem  Falle  wird  kohlensaure«  Oxyd  (C.  0.)  erzeugt, 
welches  die  angegebenen  ĂĽbeln  Wirkungen  zur  Folge  hat. 
Ebenso  mag  hier  bemerkt  werden,  dass  vor  dem  Erscheinen 
des  Kartoffelkäfers,  die  Kartoffelpflanzen  selbst  nicht  so  häufig 
berĂĽhrt  wurden,  als  jetzt.  Eine  Untersuchung  ĂĽber  die  Wir- 
kung, die  das  Eindringen  der  feinen  Haare  der  Blätter  in  die 
Haut  erzeugt,  und  der  Eigenschaften  der  Pflanze,  dĂĽrfte  die 
Ursachen  der  Symptome,  ĂĽber  welche  man  sich  beklagt,  er- 
geben. 

(Abgedruckt  aus  einem  Buffalo  Blatte  fĂĽr  Agricultur.) 


44t 


Nachtrag  zu  S.  336  dieses  Jahrgangs, 


von 
C  A.  Dolirn. 


[Von  den  Mittheilungeu  des  Herrn  Piepers  konnte  ich 
wegen  damals  abzudruckender  frĂĽher  eingegangener  Artikel 
nicht  alles  wörtHch  oder  im  Auszuge  übersetzen,  was  mir 
und  meinen  Freunden  interessant  dĂĽnkte;  dahin  rechne  ich  das 
Folgende.] 

An  dem  erwähnten  Wasserfalle  von  Maros  *)  war  ich 
noch  Zeuge  eines  bemerkenswertheu  Vorganges  bei  Tag- 
schmetterlingen. Dass  sich  ihre  Männchen  (wie  die  meisten 
Thiere  in  der  Minnezeit)  um  die  Gunst  irgend  einer  Helena 
balgen,  halte  ich  für  ausreichend  bekannt  —  sonst  aber  stehen, 
tjoviel  ich  weiss,  diese  Insekten  als  selir  verträgliche,  durch- 
weg nicht  streitlustige  Geschöpfchen  zu  Buch.  Um  so  mehr 
erstaunte  mich  das,  was  ich  einst  mit  Augen  sah.  Um  und 
auf  die  BlĂĽten  eines  Strauches  flogen  verschiedene  Tagfalter 
(Precis  Iphita  L.  und  etliche  Pieriden),  als  plötzlich  ein  im 
Vergleich  mit  ihnen  riesiger  Schmetterling,  Papilio  Remus  Cr. 
heranschwebte,  um  sich,  wie  zu  vermuthen,  auch  an  diesem 
Festmahl  zu  betheiligen.  War  es  nun  bei  den  Kleinen  die 
Besorgniss,  sie  möchten  bei  etwa  riesiger  Esslust  des  unge- 
betnen  neuen  Gastes  zu  kurz  kommen,  oder  was  sonst,  genug 
ich  sah  sie  den  Pap.  Remus  anfallen,  veijageu  und  noch  eine 
Strecke  verfolgen,  bis  dass  sie  sicher  waren,  dass  er  ernstlich 
die  Flucht  genommen  hatte,  worauf  sie  zu  ihren  Blumen  zurĂĽck- 
kehrten. Dass  Schwalben  und  kleine  Vögel  sich  auf  grössere 
Raubvögel  stürzen,  wenn  sie  ihren  Nestern  Gefahr  drohen, 
weiss  ich,  und  habe  von  den  Kämpfen  der  Kohbri's  mit 
amerikanischen  Sphinges  gelesen;  aber  in  beiden  Fällen  sind 
ja  die  Angreifer  und  Sieger  mit  scharfen  Schnäbeln  ausgerüstet 
und  nicht,  wie  im  vorliegenden  Falle,  scheinbar  ganz  wehr- 
lose Falter. 

Ist  es  vielleicht  in  der  Insektenwelt  „tout  comme  chez- 
nous'-',  und  sind  etwa  viele  von  den  lieben  geflügelten,  prächtig 
gekleideten,  scheinbar  so  sanftmĂĽthigen  und  wehrlosen  Thierchen 


*)  Im  SĂĽdwesteil  von  Celebes. 


442 

in  ihrer  nächsten  Umgebung  wahre  Katzen?  man  kann  nicht 
verkennen,  dass  die  eben  besprochne  Thatsache  bei  den  be- 
theiligten Faltern  mehr  Nachdenken  voraussetzen  lässl,  als 
man  ihnen  gemeinhin  zutraut.  Dass  es  ihnen  an  Erinnerungs- 
vermögen nicht  gebriehl,  glaube  ich  aus  folgender  Thatsache 
schliessen  zu  dĂĽrfen.  In  der  halb  ofllenen  Veranda  der  Gesell- 
schaft Harmonie  zu  Mangkasar  bemerkte  ich  eines  Abends  den 
bereits  erwähnten,  dort  nicht  seltnen  P'alter  Precis  Iphita  L. 
Das  Thierchen  sass  den  ganzen  Abend  durch  ungeachtet  der 
sehr  starken  Beleuchtung  ruhig  an  der  Zimmerdecke.  Am 
nächsten  Tage  kam  ich  in  dieselbe  Lokalität,  aber  bei  Tage- 
war  das  Thier  nicht  da,  fand  sich  jedoch  Abends  auf  derselben 
Stelle  wieder  ein  und  sass  dort  ruhig.  Und  da  die  Bildung  in 
Mangkasar  noch  nicht  so  weit  vorgeschritten,  dass  man  es  dort 
für  unerlässhch  hält,  jedes  unschuldige  Thierchen,  das,  sich  in 
menschliche  Wohnungen  wagt,  ei-barmungslos  zu  tödten  oder 
zu  verjagen,  hatte  ich  das  Vei-gnügen,  das  Gedächtnissvermögen 
der  Precis  Iphita  sechs  Tage  hinter  einander  zu  bewundern. 
Bei  Tage  war  sie  nie  zu  sehen;  wahrscheinlich  hatte  sie  aus- 
wärts Geschäfte:  aber  sechs  Abende  hintereinander  fand  ich 
sie  genau  auf  derselben  Schlafstelle.  Dann  ist  sie  vermuthlich 
umgekommen,  denn  nachher  bheb  sie  verschwunden. 

Ich  weiss  nicht,  ob  alle  Falter  so  regelmässige  Nachtquar- 
tiere inne  halten;  ĂĽber  die  der  Lycaeniden  und  Micro's  habe 
ich  folgendes  zu  sagen.  Kommt  man  bei  Tages  Anbruch  in 
einen  indischen  Wald,  während  Gras  und  niedrige  Kiäuter 
noch  nass  sind  vom  nächtlichen  Thau,  so  sieht  man  überall 
an  den  Spitzen  dieser  Pflanzen  Microlepidoptera  sitzen.  Sowie 
die  Wirkung  der  Sonnenstrahlen  sich  spĂĽrbar  macht,  was  in 
Indien  rasch  vor  sich  geht,  und  sowie  die  Pflanzen  trocken 
werden,  kriechen  die  Motten  langsam  am  Stengel  hinunter,. 
um  sich  im  Moose  und  zwischen  den  Wurzeln  zu  verstecken, 
und  dort  in  Stille  und  Dunkelheit  ihren  Tagschlaf  zu  halten. 
Eine  Stunde  nach  Sonnen  Aufgang  sieht  man  keine  einzige 
mehr.  Bei  den  Lvcaeniden  dagegen  findet  gerade  das  Gegen- 
theil  statt.  Sobald  die  Sonne  bemerklich  wirkt,  kriechen  sie 
langsam  an  dem .  Stengel  der  niedein  Gewächse  bis  zur  Spitze 
hinauf,  sonnen  sich  ein  Weichen  recht  behaglich  und  fliegen, 
dann  aus.  In  Holland  sieht  man  selbst  in  den  längslen  Sonuner- 
tagen  vor  Morgens  acht  Uhr  wenig  Tagfalter  fliegen,  und 
Liebhaber  grosser  Hitze,  wie  z.  B.  die  Lvcaeniden,  kommen 
erst  später  zum  Vorschein:  in  Ostindien  ist  eine  Stunde  nacli 
Sonnen    Aufgang   die    Schmetterlingswelt   in   voller   Bewegung. 

Dass  die   meisten   von  Linne's  Crepuscularien  nicht  blos  in 


i 


443 

deiv Abend-  und  Morgen-Dämmerung  schwärmen,  sondern  ächte 
Nachtfalter  sind,  gilt  jetzt  als  ausgemacht.  Doch  findet  mau 
in  Indien  lichtige  Dämmerungsfalter,  nicht  zu  den  von  Linne 
als  solche  angesehenen  Sphinges  gehörig,  sondern  aus  der 
grossen  Gruppe  der  Rhopalocereu.  Kaum  neigt  sich  die  Sonne 
zmn  Untergange,  so  sieht  mau  in  Java  wie  in  Celebes  die 
CylloLedaL.,  Amathusia  Phidippus  L.  nnd  Casyapa  Thrax  L. 
massenhaft  herumfliegen:  in  Celebes  auch  Debis  Europa  F. 
Doch  habe  ich  diese  Arten  niemals  Nachts  im  Mondenscheine 
sich  herumtummeln,  oder  wie  andre  zahlreiche  ächte  Nacht- 
falter in  erleuchtete  Zimmer  hineinfliegen  sehen,  während  sie 
doch  bei  Tage  ganz  still  sitzen  und,  wenn  aufgestört,  nur  eine 
kurze  Strecke  .wegfliegen,  um  sich  gleich  wieder  zu  setzen. 
Den  gemeinsten  dieser  Schmetterlinge,  Cyllo  Leda  L.  sah  ich 
in  Masse  während  der  Morgendämmerung  fliegen,-  was  ich  ein- 
mal auch  bei  Debis  Europa  F.  constatirte.  Vermuthlich  ge- 
höien  auch  verschiedene  Arten  Mycalesis  und  Elymnias  fSais 
Or.   zu  diesen  ächten  Dämmerungsschwärmern. 

Dass  manche  Raupen  nicht  ohne  Nachtheil  berĂĽhrt  werden 
dĂĽrfen,  weiss  man;  von  Schmetterlingen  gilt  das  im  Allgemeinen 
nicht.  Auch  in  diesem  Punkte  muss  ich  der  Wahrheit  zur 
Steuer  diesen  frommen  Lämmern  ihre  traditionelle  sanftmüthige 
Reputation  schmälern.  Im  Südwesten  von  Celebes  fliegt  eine 
kleine  weisse  Motte  (eine  noch  unbeschriebene  Species  Scir- 
pophaga),  als  wahre  Landplage  in  ganzen  Schwärmen  Abends, 
in  die  erleuchteten  Zimmer,  setzt  sich  auf  alles,  auch  auf  die 
Meiischen,  und  wo  sie  die  blosse  Haut  berĂĽhrt  hat,  entstellt 
sofort  ein  unleidliches  Jucken.  Zum  Gratial  beschmitzt  sie 
überall  die  Aveissen  Wände  durch  Ablegen  ihrer  mit  gelbem 
Pelz  ĂĽberzognen  und  angeklebten  Eier. 

Ich  gehe  nuii  von  den  Faltern  auf  die  Raupen  ĂĽber  und 
habe  meine  Verwunderung  darĂĽber  zu  verlautbaren,  dass  ich 
in  Indien,  wo  doch  so  viele  verschiedene  Schmetterlinge  hau- 
sen, so  wenig  Raupen  angetroflen  habe.  Vermuthlich  verbergen 
sieh  die  meisten  (wie  auch  so  manche  in  den.  gemässigten 
Zonen)  vor  Hitze  und  Tageslicht  in  der  Erde  und  besuchen 
nur  Nachts  ihre  Futterpflanzen.  Ueberdies  leben  wohl  nur. 
wenige  (analog  den  tropischen  Gewächsen,  verglichen  mit 
denen  in  temperirten  Ländern)  geselHg.  Mit  Ausnahme  von 
Bombyx  Waringi  Teysm.,  deren  Raupen  ich  einmal  auf  einem 
jungen  Ficus  Benjaminea  -L.  in  Mehrzahl  fand,  traf  ich  nie 
eine  grössere  Zahl  beisammen. 

Was  man  schon  in  Europa  wahrgenommen,  dass  nehmhch 
manche    Raupen    ihie    ursprĂĽngĂĽchen   Futterpflanzen   aufgeben,.. 


444 

um  vorzugsweise  sich  von  neu  eingeführten  zu  nähren  (ich 
erinnere  an  Acherontia  Atropos  L.,  welche  am  liebsten  Kar- 
toffelkraut heimsucht),  das  trifl't  auch  in  Batavia  zu.  Die  dort 
und  in  Celebes  gemeine  Raupe  des  häufigen  Papilio  Agamemnon 
L.  trißTt  man  stets  auf  den  Blättern  der  aus  Westindien  ein- 
gefĂĽhrten  Anona  muricata  L.  In  Batavia  fand  ich  die  Raupe 
von  Euploea  Midamus  L.  eben  so  oft  auf  einer  einheimischen 
Pflanze  wie  auf  der  aus  Europa  eingefĂĽhrten  Ziei-pflanze ,  dem 
Oleander.  Und  die  Raupe  von  Cyllo  Leda  L.  war  auf  dem 
Pampasgras  nicht  selten,  das  ich  in  meinem  Garten  in  Mang- 
kasar  (Celebes)  aus  SĂĽdamerika  angepflanzt  hatte,  um  es  als 
Pferdefutter  zu  nutzen. 

Auch  bei  den  ostindischen  Raupen  fielen  mir  die  seltsamen, 
zum  Theil  vielleicht  als  „Mimicry^^  zu  deutenden,  immerhin 
merkwĂĽrdigen  Verschiedenheiten  und  Aehnlichkeiten  der  Rau- 
pen unter  einander  auf  Bisweilen  und  anscheinend  ohne  irgend 
feste  Regel  gleichen  sich  die  Raupen  naheverwandtei-  Arten 
auf  das  äusserste;  bisweilen  sind  sie,  auch  bei  Arten,  die  sich 
autrallend  ähnhch  sehen  (wie  z.  B.  bei  den  europäischen 
Acronycta  tridens  und  psi)  höchst  verschieden.  Bei  den  sehr 
mit  einander  verwandten  Papilio  Memnon  L.  und  P.  Polytes  L. 
zeigen  die  Raupen,  etwa  mit  Ausnahme  der  Grösse  und  der 
Nahrungspflanze,  keinen  Unterschied 5  die  kleine  Pfeilsch\^ anz- 
raupe  der  oben  erwähnten  Bomhyx  Waringi  Teysm.  gleicht 
vollkommen  einer  Miniatur-Ausgabe  einer  Sphinx-Raupej  die 
sehr  weit  auseinander  stehenden  Amathiisia  Phidippus  L.  und 
Lasiocampa  Vishnu  Guer.  haben  Raupen  von  sehr  eigenthĂĽm- 
licher  Gestalt,  die  sich  aber  nur  durch  die  Farbe  und  die 
Nahrungspflanze  unterscheiden.  Von  den  Raupen  der  letzteren 
Art,  welche  in  Farbe  und  Zeichnung  stark  variiren,  besass 
ich  einige  Exemplare,  welche  mitten  ĂĽber  die  ganze  RĂĽcken- 
länge eine  schöne  Zeichnung  hatten,  einem  Streifen  aus  weisser 
und  gelber  Flockseide  vergleichbar.  Auch  auf  beiden  Seiten 
dieser  Raupen  waren  viele  weisse  und  gelbe  Haare  sichtbar. 
Jener  Sti-eifen  und  die  Seitenhaare  verwandelten  kurz  vor  der 
Verpuppung,  und  ohne  dass  eine  Häutung  stattfand,  ihr  Weiss- 
gelb in  Violett. 

Noch  niehr  befremdete  mich .  was  ich  an  den  Haaren  der 
Raupe  von  Miresa  tdtens  Walk,  beobachtete,  die  HorsHeld  als 
Setora  nitens  abgebildet  hat.  Als  ich  diese  sehr  schöne  Raupe 
fand,  war  sie  ganz  mit  sogenannten  Dornen  besetzt,  ich  zählte 
an  ihr  8  grosse  und  24  kleine.  Nach  einigen  Tagen  häutete 
sie  sich ,  ohne  dass  sie  ihr  Aeusseres  scheinbar  veränderte. 
Aber  bei  der  nächsten  Häutung  nach  einigen  Tagen  hatten  sich 


445 

die  Dornen  in  HaarbĂĽschel  verwandelt,  einige  mehr  steifen 
Scheuerbürsten,  andere  mehr  Pinseln  ähnlich.  Drei  Tage  später 
vereinigten  sich  die  BĂĽrstenhaare  wieder  in  die  Form  von 
spitzigen  Dornen  —  wieder  nach  drei  Tagen  gingen  sie  in 
BĂĽrsten  und  Pinseln  auseinander.  Die  Dornform  kehrte  nun 
nicht  wieder,  doch  bis  zur  Verpuppung  dauerte  die  fast  täghclie 
Veränderung  der  Haare  bald  zu  Bürsten  bald  zu  Pinseln. 

Sofern  ich  mich  während  meines  Weilens  in  Indien  fast 
ausscMiesslich  um  Schmetterlinge  gekĂĽmmert  habe,  kann  ich 
ĂĽber  Insekten  anderer  Ordnungen  nicht  viel  berichten.  Doch 
kann  ich  die  wenn  schon  nicht  neue,  doch  sich  aufdrängende 
Wahrnehmung  nicht  verschweigen,  wie  viel  gewaltiger  das 
Insektenleben  in  tropischen  Gegenden  sich  offenbart  im  Ver- 
gleich unsrer  gemässigten  Landstriche.  Die  überaus  lästige 
Frechheit  der  Fliegen  lernt  jeder  Gast  Indiens  verwĂĽnschen; 
jede  Hausfrau  weiss,  dass  sie  vor  unzähligen  Ameisen  fast 
nichts  schĂĽtzen  und  aufbewahren  kann.  Einmal  war  Nachts 
meine  Taschenuhr  stehen  geblieben:  der  befragte  Uhrmacher 
holte  zwischen  den  Rädern  eine  kleine  Ameise  heraus,  die  sich 
in  den  Feder-Spielraum  eingeschlichen  hatte,  um  von  dem  feinen 
Oel  der  Werkschmiere  zu  naschen.  Jede  Abendlampe  bringt 
Hunderten  kleiner  Insekten  aller  Ordnungen  den  Tod;  zahlreiche 
Käfer  kommen  angeschwirrt,  auch  eine  allerdings  unschädliche, 
aber  von  den  Damen  sehr  gefĂĽrchtete,  in  der  That  auch  gleich 
Sphinx  convolvuli  durch  ihre  Dummdreistigkeit  höchst  lästige 
Gryllotalpa,  vom  Lichte  angelockt.  Wem  hätten  nicht  in  Ost- 
indien plötzlich  ein-  und  austliegende  Schwärme  von  Termiten, 
oder  noch  ärger  von  übelriechenden  Orthopteren  oder  von  Jucken 
erregenden  Lepidoptern  die  Abendmahlzeit  verstört?  Wem  haben 
Kakerlaken  oder  Termiten  durch  ihre  VerwĂĽstungen  in  Linnen- 
schränken und  Bibliotheken  nicht  die  socialistische  Verwünschung 
abgerungen,  lieber  gar  kein  Privat -Eigenthum  zu  besitzen? 
Besonders  Leute,  die  nicht  immer  in  den  besser  geschĂĽtzten 
Wohnungen  der  grössern  Städte  übernachten,  dürfen  sich  un- 
vergesshcher  indischer  Nächte  erinnern,  in  welchen  Dichter  und 
Verhebte  ihr  Herz  an  Mondschein  und  Steruenllimmer  in  reich- 
stem Maasse  erlaben  konnten,  während  arme  ermüdete  Menschen, 
denen  Schlaf  vor  allem  nöthig  war,  durch  blutgierige  Moskiten, 
krabbelnde  Ameisen  und  andres  Ungeziefer  wie  durch  wahre 
Quälteufel  gefoltert  wurden!  Nun  zum  Schlüsse  noch  ein  selbst 
erlebtes  Ereigniss. 

In  Batavia  glaubte  ich  durch  meinen  Moskiten-Betthimmel 
mich  während  der  Nacht  gesichert,  wachte  aber  einmal  durch 
unerklärhch    starkes    Geräusch    auf;    meine   Schlafstube    schien 

29 


446 

durch  Gesumse  in  einen  grossen  Bienenkorb  verwandelt.  Das 
Nachtlicht  war  erloschen ,  wahrscheinlich  durch  Insektenflug  aus- 
gelöscht; das  Licht  einer  Gaslaterne  vor  dem  Fenster  reichte 
aber  aus,  mich  wahrnehmen  zu  lassen,  ckiss  die  Aussenseite 
meines  Moskitovorhangs  mit  irgend  einer  Art  Wespen  dicht  be- 
setzt war.  Begreiflich  hatte  ich  kein  GelĂĽst,  mein  Versteck  zu 
verlassen,  aber  zu  meinem  Schreck  gewahrte  ich,  dass  die 
Schutzgardine  nicht  genau  schloss,  und  dass  schon  einzelne 
Tirailleurs  der  feindliehen  Horde  sich  Eingang  verschafft  hatten. 
Nun  galt  es  einen  heroischen  Entschluss!  Ich  riss  die  Gardine 
auseinander  und  warf  meine  Kopfkissen  so,  dass  ich  von  einem 
auf  das  andere  springend  die  KammerthĂĽr  erreichen  konnte, 
ohne  mit  nackten  FĂĽssen  auf  die  vermeintlich  auf  dem  Fuss- 
boden  sitzenden  Wespen  zu  treten.  GlĂĽcklich  gelangte  ich  hinaus, 
rief  meine  Diener  und  Hess  Licht  bringen.  Als  diese  die  Thiere 
sahen,  erklärten  sie  dieselben  für  unschädlich  und  griffen  sie 
furchtlos  mit  den  Händen.  Es  waren  ausgewachsene,  geflügelte 
Termiten,  welche  sich  zwischen  den  Steinen  des  Fussbodens 
durchgearbeitet  hatten  und  bei  diesem  Durchbruch  herzlich  wenig 
sich  um  den  dadurch  um  seine  Nachti'uhe  geprellten  „Herrn 
der  Sehöpfung^^  bekümmerten.  Es  dauerte  etwa  anderthalb 
Stunden,  bis  sie  durch  ein  ausserhalb  der  Kammer  hingestelltes 
Licht  alle  bewogen  waren,  nach  diesem  hinzufliegen  und  mein 
Schlafgemach  zu  räumen.  Dasselbe  Ereigniss  wiederholte  sich 
in  derselben  Kammer  ein  Jahr  später.  Der  Störenfried,  den 
ich  an  das  Museum  in  Leyden  gesandt  habe,  ist  dort  durch 
Dr.  Ritsema    als    Dorylus  Klugi   Hagen   determinirt    worden. 


447 


Sparostes   africanus, 

beschrieben  von  J.  Putzeys. 

Ater  nitidissimus,  palpis  antennisque  brunneis. 
Clypeus  truncatus,  lobis  lateralibus  late  rotundatis. 
Caput  in  medio  anguste  et  longe  foveolatum,  utrinque 
longitudinaliter  multistrigosum.  Oculi  prominuli  nee 
distincte  petiolati.  Prothorax  brevissime  transver- 
sus,  lateribus  parallelis,  margine  antico  emarginato, 
angulis  prominulis  rotundatis;  ante  basim  rotundatus, 
supra  convexus,  antice  transversim  sulcatus,  foveolis 
basalibus  nullis.  Elytra  elongata,  basi  truncata  hume- 
ris  subdentatis,  apice  angustata;  punetato-striata, 
interstitio  3.  pone  striam  3.  trifoveolato;  stria  prae- 
scutellari  longa,  suturae  pai-allela. 

Long.  20  —  El.   11.   —  Lat.  6  Mill. 

Au  premier  aspect,  il  ressemble  beaucoup  au  Sp.  brevi- 
collis.  Comme  j'ai  decrit  cette  espece  fort  longuement  (R6v. 
g^n.  des  Clivin.  p.  27)  je  me  bornerai  a  signaler  ici  les  diff^- 
renees. 

Les  elytres  sont  plus  retrecies  k  Textremite;  la  dent 
humerale  est  moins  niarquee;  entre  la  suture  et  Ja  premiere 
strie,  il  existe  une  strie  prescutellaire  longue  et  droite;  les 
stries  sont  un  peu  moins  profondes ,  plus  distinetement  ponctuees ; 
on  ne  distingue  que  les  3  gros  points  posterieurs  sur  le  3.  in- 
tervalle.  Le  corselet  est  moins  echanere  au  bord  anterieur 
qui  est  longe  par  un  sillon  profond  oĂĽ  s'arrete  le  sillon  longi- 
tudinal;  les  angles  anterieurs  sont  moins  avances.  De  ehaque 
cöte  des  yeux,  on  ne  nemarque  qu'une  seule  carene,  droite, 
et  non  terminee  par  un  tubercule  en  arriere  des  yeux;  ceux- 
ci  sont  egalement  saillans,  mais  plus  grands  et  beaucoup  moins 
enchässes  posterieurement.  L'epistome  est  plus  nettement  tronque 
et  ses  prolongemens  lateraux  sont  moins  avances,  bien  moins 
anguleux  et  meme  arrondis:  chez  le  brevicollis,  ils  depassent 
le  labre;  ici  ils  sont  beaucoup  plus  courts.  La  dent  du  menton 
est  completement  arrondie  et  les  lobes  lateraux  sont  moins 
tronques.  L'abdomen  est  plus  ponctu6;  de  meme  que  chez  le 
brevicollis,  les  trois  derniers  segmens  sont  longes  par  une 
iigne  enfoncee,  un  peu  anguleuse  vers  le  milieu.  Les  trochan- 
ters  posterieurs  sont  egalement  attenues  a  leur  extrdmite. 
Zambese.    2  ind.  communiques  par  Mr.  Dohrn. 

—  29* 


448 


Selbst-Kritik. 


„Wenn's  dem  Denker  (engl,  donkey)  zu  wohl  wird,  so 
wagt  er  sich  aufs  Eis/'  Das  ist  der  Eindruck,  den  mein 
Aufsatz  über:  „Einige  Beispiele  von  Nachahmung  bei  Insekten'' 
im  Jahrgang  1871  dieser  Zeitschrift,  Seite  279,  heute  auf  mich 
macht. 

Zunächst  wäre  der  Ausdruck  „Schützende  Aehnlichkeit^' 
als  Uebersetzung  des  englischen  Wortes  mimicry  besser  gewesen. 
Aber  ganz  abgesehen  davon  erscheinen  mir  die  SchlĂĽsse,  die 
ich  dort  aus  meinen  Beobachtungen  zog,  durchaus  nicht  wohl 
begrĂĽndet. 

Da  sich  Niemand  gefunden  hat,  der  meiner  am  Schluss 
ausgesprochenen  Aufforderung,  mich  zu  widerlegen,  nachgekom- 
men wäre,  so  übernehme  ich  selbst  diese  Rolle. 

Von  den  allbekannten  Fällen,  wo  Insekten  wegen  ihrer 
Aehnlichkeit  mit  Ptlanzenlheilen  odei-  Theilen  des  Erdbodens 
leicht  übersehen  werden  können,  habe  ich  damals  nicht  ge- 
sprochen ;  ich  brauche  mich  daher  nur  über  die  Fälle  auszu- 
lassen, wo  Insekten  anderen  systematisch  fern  stehenden 
Insekten  ähnlich  sind  und  dadurcli  mancher  Nachstellung  ent- 
gehen. Hier  hat  die  Phantasie  den  weitesten  Spielraum.  Ver- 
blendet durch  die  wenigen  Fälle,  wo,  wie  bei  den  Volucellen 
und  Sesien,  eine  schĂĽtzende  Aehnlichkeit  wirklich  besteht,  ist 
man  so  weit  gegangen,  l'hiere  ein  und  derselben  Gattung  als 
sich  einander  nachahmend  anzusehen.  Oder  man  hat  uns  auf- 
getischt, es  gäbe  Macroglossa- Arten,  die  eine  schützende 
Aehnhchkeit  mit  Colibris  hätten.  Raupen,  welche  Schlangen 
nachahmten  u.  s.   w. 

SEs  lohnt  sich  nicht  der  Mühe,  all  den  Blödsinn  im  Ein- 
zelnen zu  recapituliren  und  zu  widerlegen.  Gegen  die  Er- 
klärung, wie  die  schützende  Aehnlichkeit  entstanden  sei,  lässt 
ßich  jedoch  ein  Wort  einwenden.  Die  Anhänger  der  Darwin'schen 
Theorie  haben  diese  wunderbare  Erscheinung  als  auf  dem  Wege 
der  natural  selection  entstanden  betrachtet  und  fĂĽr  sich  aus- 
gebeutet. Sie  vergassen  nur,  und  mir  ist's  auch  passirt,  Bei- 
spiele, die  gegen  ihre  Lelire  sprechen,  aufzusuchen. 

Ein  Naturgesetz  muss  sich  nicht  bloss  auf  Insekten,  son- 
dern auch  auf  die  Pflanzen  anv\'endcn  lassen.  Wem  wĂĽrde  es 
nun    einfallen    zu    sagen,    Linaria    vulgaris    ahme    Euphorbia 


449 

cyparissias  nach?  Wären  Euphorbia  und  Linaria  Thiere,  so 
wĂĽrde  der  Grund  der  Nachahmung  vom  Verfechter  der  Dar 
win'schen  Theorie  schnell  gefunden  sein.  Es  wäre  etwa  der 
ätzende  Saft,  welcher  die  eine  schützt;  somit  könnte  die  an- 
dere sich  das  Aussehen  jener- angeeignet  haben.  Wollte  man 
gar  die  Crystalle  in  IVIitbetracht  ziehen,  so  bekäme  man  noch 
viel  tolleres  Zeug.  Der  Zweck  dieser  Zeitschrift  gestattet  es 
aber  nicht,  von  dem  Bereich  der  Insekten  zu  lange  abzu- 
schweifen; es  hätten  sonst  auch  Säugethiere,  Vögel  u.  s.  w. 
manchen  Gegenbeweis  geliefert. 

Ich  kann  nun  als  mit  der  schĂĽtzenden  Aelinlichkeit  nichts 
zu  schaffen  habend  fast  all  die  Beispiele  nennen,  die  ich  im 
oben  angefĂĽhrten  Aufsatze  fĂĽr  vermeintliche  Nacha]amungs- 
Beispiele  ausgab.  Wenn  Pterophorus  ericetorum  einer  Dipteren- 
Art  und  Chimab.  phryganella  einer  Phryganea  ähnlich  sehen, 
so  wird  ihnen  das  wahrscheinlich  eher  schaden  als  nĂĽtzen,  da 
die  Vögel  solche  Thiere  mit  Vorliebe  verzehren.  Ueberhaupt 
lässt  sich  in  den  meisten  Fällen  gar  nicht  ersehen,  ob  die 
ĂĽbereinstimmende  AehnHchkeit  zwischen  verschiedenerlei  Thie- 
ren  den  Zweck  des  Schützens  hat.  Oft  können  wir  sogar 
sagen,  dass  dieser  Zweck  sicher  nicht  vorliegt.  So  lebt  z.  B. 
verborgen  unter  Steinen  ein  seltener  Opilionide  (nepeforme), 
welcher  dem  glatten  Wasserscorpion ,  von  dem  er  den  Wanzen- 
Namen  entliehen  bekam,  äusserst  ähnlich  sieht.  Auch  die 
Raupe  von  CucuUia  umbratica  hat  ihre  auf  schwarzem  Grund 
stehenden  orangegelben  Flecke,  die  sie  der  Salamandra  macu- 
lata  ähnhch  machen,  nicht  auf  dem  Wege  der  ,,freien  Zucht- 
wahl" erlangt.  Ferner  wird  auch  niemand  behaupten  können, 
dass  der  Sack  der  Hehcinella  das  Gehäuse  einer  Helix  wieder- 
gebe, oder  dass  gewisse  Coleophoren  mit  ihren  Säcken  die 
Clausilien  nachahmen  wollten.  Wären  jedoch  die  so  ähnlich 
bekleideten  Larven  der  Phryganeen  und  Psj^chiden  zuerst  im 
Malaiischen  Archipel  oder  am  Amazonenstrom  entdeckt  worden, 
so  hätte  man  sie  zweifelsohne  sich  einander  adaptieren  lassen. 

Wir  dürfen  aber  nicht  hinter  ähnlichen  Erscheinungen 
immer  denselben  Zweck  suchen.  Zudem  ist  die  Zahl  der 
Insekten  so  gross,  dass  gleichartige  Farbenzusammenstellungen, 
die  ja  ausser  der  Form  die  grösstcn  Aehnlichkeiten  hervor- 
rufen, sich  öfters  wiederholen  können. 

Ich  halte  es  fĂĽr  ĂĽberflĂĽssig,  mich  weiter  gegen  die  falsche 
Erklärung  der  sogenannten  „Nachahmung'-^  auszusprechen. 
Wer  nicht  mit  Voreingenommenheit  urtheilt,  wird  selbst  er- 
kennen, dass  weder  die  Aehnlichkeit  der  Insekten  mit  anderen 


450 

Naturgegenständen,  noch  die  Aehnliehkeit  der  Insekten  unter 
sich,  auf  dem  Wege  des  Kampfes  um's  Dasein  entstanden 
sind.  Denn  Gott  hat  den  Thieren  diesen  Schutz  gerade 
deshalb  verliehen,  damit  sie  nicht  um's  Dasein  zu 
kämpfen  brauchen! 

C.  Dietze. 


Inhaltis  -Terzeichsiiss. 


Januar — März. 

Neujahrs- Note  zum  Reichs-Text  S.  3.  Rede  zur  Stiftungsfeier 
S.  5.  Mitglieder-Verzeichniss  S.  26  Korb:  Insekten -Beobachtungen 
in  der  Libyschen  Wüste  S.  27.  Möschler:  Exotisches  (Scudder's 
Synon.  List)  S.  32.  Ritaema:  Paussus  Woerdeni  S.  42.  Cornelius: 
Eine  neue  Insektenquelle  (Gasometer-Bassin)  S.  43.  Reitter:  Nach- 
trag zu  Lathridiidfe  S.  50.  Wehncke:  Dytiscus  persicus  n.  sp.  S.  52. 
Stein:  Neue  Tenthredoniden  S.  53.  Keferstein:  Lepidopterolo- 
gisches  S.  62.  Lichten  st  ein:  Zur  Systematik  von  Phylloxera  S.  64. 
Dohrn:  Literatur  (Westwood's  Thesaurus  oxon.)  S.  65.  Koltze: 
Englische  Notizen  S.  67.  'Brischke:  Lepidopt.  Notizen  S.  63. 
Emery:  Ueber  hypogäische  Ameisen  S.  71.  Dohrn:  Exotisches 
(Liberiana)  S.  77.  Dohrn:  Rhinocles,  nov.  Genus  Calandr.  S.  86. 
Spängenberg:  Ueber  drei  hochnord.  Arten  Cupido  S.  91.  Fuchs: 
Lepidopt.  Mitth.  aus  d.  nassauischen  Rheinthale  S.  94.  Haag:  Aspila 
Dohrni  n.  sp.  S.  106.  Haag:  Zur  Synonymie  d.  Melasomen  Bur- 
meister's  S.  108.     Dohrn:  Pieris  brassicse  S.  108.    Intelligenz  S.  110. 


April — Juni. 

Vereins-Angelegenheiten  S.  113.  Dohrn:  Exotisches  (Liberiana) 
S.  115.  Zwei  Longicornien  S.  119.  Ftiliomachie  S.  12/.  Grote: 
Nordamer.  Noctuiden  S.  134.  v.  Kalchberg:  Sicil.  Lepidopteren  S.  138. 
Burmeister:  Hymenopt.  Mittheilungen  S.  151.  Schmiedeknecht: 
Ein  Ausflug  S.  184.  Vereins- Angel.  S.  189.  Kassen- Abschluss  S.  191. 
Backhaus:  Puppenzucht-Apparat  S.  192.  Wehncke:  Neue  Dytisci- 
den  S.  194.  Speyer:  Anzeige  von  Grote's  Check  List  S.  198.  Biolog 
Notiz  ĂĽber  L.  Redtenbacher  S.  205.  Reitter:  Camptodes  vittatus 
Er.  S.  206.  Frey  u.  Boll:  Tineen  aus  Texas  S.  209.  Suffrian: 
Synonymische  Miscellaneen  S.  229.  Lichtenstein:  ĂĽber  Phj'lloxex'a 
S.  231.  V.  Harold:  Beschreibung  einer  neuen  Enneamera  S.  233. 
Staudinger:  Ueber  Cupido  Fylgia  S.  235.  Tischbein:  Notiz  S.  235. 
Keferstein:   Sphinx  Atropos  S.  236.     Intelligenz  S.  238. 


451 


Juli— September. 


Burmeister;  Argentin.  Trox  S.  241.  Berg:  Rogenhofera  grandis 
S.  268.  Tischbein:  Ichneumon  (Zusätze  u.  Bemerkungen)  S.  273. 
Möschler:  Exotisches  S.  293.  Doebner:  Bostrychus  amitinus  S.  315. 
Reitter:  Neue  exot.  Nitidul.  S.  317.  Zeller:  HĂĽbner's  Samml.  aus- 
erlesener Vögel  u.  Scbmett.  S.  321.  Dohrn:  Lebensweise  d.  Paussiden 
S.  333.  Zwei  Leseblumen  S.  336.  Exotisches  (Liberiana  Schluss) 
S.  339.  Berg:  SĂĽdamer.  Pyralid.  S.  342  Register  dazu  S.  355. 
Wehncke:  Neue  Dytisciden  S.  356.  Möschler:  Bericht  über  Bois- 
duval's  Spe^.  General.  S.  360.  Reitter:  Neue  Clavicorn.  S.  363. 
Sintenis:  Raupe  von  Hadena  Aniica  S.  368.  Wacquant  v.  Geo- 
zelles:  Phegea  aberr.  Pfluemeri  S.  370.  Vereinsangelegenheiten  S.  371. 
Eichhoff:  Synonymisches  zu  Tomicus  S.  378.     Intelligenz. 


October — Deeember. 

Vereinsangelegenheiten  S.  381.  Dohrn:  Leseblume  S.  382.  Salve 
Errore  383.  Lichtenstein:  Beobachtungen  ĂĽber  Phylloxera  S.  386. 
Schmidt-Goebel:  Coleopt.  Kleinigkeiten  S.  SS"^.  Boll:  Befruchtung 
der  Yucca-Arten  S.  401.  Dohrn:  Coleopt.  Cordovana  S.  405.  Tisch- 
bein: Uebersicht  d.  Genus  Ichneumon  S.  413.  Eppelsheim:  Neue 
Staphylinen  S.  429.  Lelievre:  Zucht  von  Bombyx  Pernyi  S.  435. 
Grote  und  Kaiser:  Kartoffelkäfer  giftig  oder  nicht?  S.  438.  Dohrn: 
Nachtrag  S.  441.  Putzeys:  Sparostes  africanus  S.  447.  Dietze: 
Selbst-Kritik  S.  448.     Inhalts-Verzeichniss.     Alphab.  Register. 


Ausgegeben    Ende    August. 


452 


Alphabetisches  Register 


Seite 

A. 

Abdera  flexuosa 396 

Abia  mutabilis 235 

Abromus  BruckĂĽ 51 

Acanthophorusll9,ampMbolus341 
Acidalia  contiguaria  98,  deter- 

minata  141 ,  mutilata 140 

Acrobasis  singuiaris 144 

Acronycta  alni ,  funeralis  ....  200 
Aethiiiopa  calva  363,  rustica  364 

Aglaope  infausta 94 

Agrotis  augur  201,  cuprea,  for- 

cipiĂĽa 97 

Amasis  concinna  34.  235,  Kril- 

peri 54 

Amara  trivialis 401 

Amathusia  Phidippus 443 

Anacampsis  basalis 147 

Anceryx  Ello 312 

Anchomenus  gracilipes 391 

Anomaladiscordabilis79,  vetiila  78 

Anthaxia  tiimidiĂĽa 410 

Antlieraea  Pernyi 435 

Anthotribus  albinus 394 

Apion  alpha :  . . .  409 

Aprostoma  filum  383,  planifrons  385 

Archon  Centaiirus 82 

Argyresthia  4-strigolla 209 

Arthrobracliiis  vacillans 411 

Aspila  Dohrni 106 

Astenoi'hina  Turneri 82 

Astylus  interruptus 411 

B. 

Bolbites  onitoidcs 407 

Bolitochara  Brucki 429 

Bombylius 392 

Bombyx  aerugula  329,   Pernyi 
435,  Waringi 443 


Seite 

Bostrychus  alni  378,  amitinus 
315,  decolor,  fagi,  Marshami, 

oblitus,  tachygraphus 378 

Botis  amiciilatalis  343,  matuti- 
nalis  348,  phaeopteralis  347, 
phoenicealis  344,  pruinalis, 
ruralis  348 ,  septentrionalis 
378,  suavidalis  345,  tinctalis  346 

Botys  trinalis 105 

Bruchus  sp 410 

Biiccidatrix  angustata  218, 
RUeyi 219 


©. 


Calleida  ruficoUis 85 

Callichroraa  Sphinx 124 

Calostega  purpuripennis 116 

Camptodes  nigriventris ,  Stein- 

heili  319,  vittatiis  206 412 

Cantharis  zebra 411 

Canthon  janthinus 407 

Capnodis  tenebrionis .391 

Cai'adrina  superstes 98 

Cardiogenius  cicatricosus ,  hir- 

sutus,  subcostatus 108 

Castalia  stigmaticollis 410 

Casyapa  Thrax 443 

Centrinus  sanguinicollis 409 

Centris  159,  bimacidata  163, 
coUaris  159,  denudans  160, 
lanipes  163,  muralis  161,  ni- 
grescensl63,  nigriventris,  nu- 
dipes  165,  pectoralis,   pulve- 

rata  161.  vulpeciila 164 

Cephenoniyia  grandis 270 

Cephus  albomaciilatus  59,  spec- 

tabilis  58,  varicgatus 59 

Chalopopeplub  vorax 317 


453 


Seite 

Chesas 264 

Chlamys  aenigma 411 

Ohoragus  Sheppardi 395 

Chordodera  pentachordia 83 

(  hromodes  armeniacalis 349 

Clirysocorys  erythriella 214 

Cliiysaiige  bifasciata 343 

Cimbex  scapiilaris 53 

Cleodora  tanacetella 69 

Clytus  spinifer 408 

Cnemidotus  festivus 356 

Coenostola  apicalis 350 

Colastus  brunneus 317 

Conotrachelus  puUus 409 

Coriscium  paradoxum  212, 

rhombiferelhim 213 

Corymbites  cruciatus 393 

Coscinoptera  Eris,  tibialis  . . .  .411 
Cosmopteryx Clemensella,  gem- 

miferella 214 

Cratosomus  Latreillei,  lenis. .  .409 

Cryptarcha  Klugii 320 

('ryptocephalus  BĂĽlardierii,  san- 

guinolentus  230,  sericeus  392, 

394,  vaiians 392 

Gry  pt  oliypnus  der  mestoides  396, 

4-pustulatus 398 

Cupido  Alexis  92,  Fylgia  91, 

235,  Chiron 93 

Cyllo  Leda 443 

Cyphonistes  Burmeisteri 80 


D. 

Dachrys  gracilis,  manca 411 

Danais  Chrysippus 28 

Dasypolia  templi 67 

Debis  Europa 443 

Denops  albofasciatus 394 

Dorcacerus  barbatus 408 

Dorycera 119 

Dorylus  Klugi 446 

Dryocoetes  capronatiis 378 

Dy tiscus  persicus 52 


Elacliista  pusilla  215,  texanica  216 

Enicmus  carpatbicus 51 

Enneamera  ornata  234,  suma- 

.  trensis  233,  variabilis 234 

Epicauta  atomaria 411 


Seite 

Epitritus  Argiolus  75,  Bau- 

diieri 76 

Eucranium  arachnoides 407 

Eupithecia  indigata  101,  luteo- 

strigata  142,  pusillata 99 

Eiu-ycreon  evanidalis,  rantalis  349 

Gelechia  cauligenella 69 

Geometra  nullaria 329 

Glyphodes  sibUlalis 350 

Glyptoma  corticinum 389 

Gracilaria  auriferella  211,  con- 
simUella  210,  desmodifoliella 
212,  interpositella  211,  ob- 

scuripennis 209 

Grapliolitha  Servillana 68 

Grotea  312,  longipes 313 

H. 

Hadena  amica  368,   gemina, 

sectilis 204 

Helotropba  fibrosa,  reniformis  202 

Hemileuca  Maja 309 

Heterodes  Ausonia 350 

Hydaticus  Daemeli  195,  insig- 
nis  194,  maciilatus  196,  phi- 

lippensis  197,  Riehli 195 

Hypenodes  Kalclibergi 139 

Hypoborus  mori 378 


I. 

Ichneumon  273,  413,  anxifer 
288,  balteatus  289,  bisigna- 
tus  289,  Bohemani  273,  cae- 
dator  282,  coniger,  cuneatus 
294 ,  discriminator  278 ,  di- 
versor  290,  dubius  275,  ex- 
plorator  274,  flavipetiolatus 
287,    funebris  275,    glaucus 

285,  immisericors  285,  insi- 
diator  287,  Lichtensteini  291, 
luteipes  290,  nemoralis  292, 
percussor  274,  retractus  285, 
rugosus  289 ,  strangulator 
283,     vafer    286,     venustus 

286,  vivacior  281,  xantho- 
rius  290 

Iridotaenia 341 


454 


Seite 

Lagopelus 265 

Lasiocampa  Vishnu 444 

Lathrobium  sibiricum 433 

Leptanilla  Revelierei 74 

Leptinotarsa  10-lineata 438 

Leptusa  pulchra 430 

Liberia    (Monrovia)    Käfer    77, 

118 339 

Lita  punctata  146,  singula  . .  .145 

Litargus  6-notatus 363 

Lithocolletis  affinis  222,  am- 
brosiaeella  221,  desmodiella 
227,  modesta  224,  occitanica 
224,  pusillifoliella  226,  robi- 
niella  227,  tenuistrigata . . .  .225 
Lithosia  lutarella,  pallifrons  96> 

nnita 95 

Lobesia  permixtana 68 

Lucanus  cervus 392 

M. 

Macroceras  oecophila 150 

Mallodon  bonariensis 409 

Mamestra  albifusa,  ti'ifolii  . . .  .202 

Mecedanum 385 

Megalostomis    gazella,    histrio- 

nica 411 

Melolontha  hippocastani ,  vul- 
garis   388 

Mesophleps  acuminatus 148 

Monachus  peregrinus 229 

Myoderma  alutacea 85 

Myzine  166,  albosignata  179, 
bipunctata  168,  bonaerensis 
182,  carbonaria  168,  cuyana 
181,  duplicata  172,  elegans 
178,  erythropyga  169,  fron- 
talis 177,  gemeUata  176,  ma- 
culatissima  173,  pallidipennis 
180,  pai'anensis  171,  robusta 
175,  sexcincta 170 

W. 

Naupactus  leucoloma,  sulfureo- 

signatus 409 

Nephopteryx  maculata 143 

Nepticula  Dallasiana 228 

Noctua  alpina  324,  birivia,  can- 

delisequa 328 

Noctuiden-genera  (N.  america- 
nische) 134 


Seit« 
O. 

Ocnera  hispida 392 

Odontopus  cupreus 116 

Oncidei-es  impluviatus 407 

Opostega  accessoriella 216 

Orchesia  micans 391 

Orion  patagonus 408 

Orthopterus  Lafertei 342 

Oxymerup  paUidulus 409 

P. 

Pachycephalus  smyrnensis.  ...   60 

Pantomorus  elegans 409 

Papilio    Aganaemnon,    Polytes 

444,  Reraus 441 

Parapoynx  effrenatalis  354,  in- 

domitalis 352 

Pararge  Aegeria  63,  Maera  138, 

Xiphia 63 

Patrobus  tatricus 399 

Paussiden   ^. .  .333 

Paussus  Woerdeni 42 

Pegala 34 

Pelecotoma  fennica 395 

Pelopoeus  destillatorius 389 

Phanaeus  imperator,  splendidu- 

lus 407 

Philonthus  tibiaUs 431 

Phloiotrya  rufipes 396 

Phoberus 264 

Phryganophilus  ruficollis 399 

Phyllocnistis  insignis 217 

Phylloxera  64,  231 386 

Pieris  brassicae 108 

Pilocrocis  amissalis 351 

Plesia 170 

Pocadius  breviusculus 318 

Polygonia 38 

Polyoncus 264 

Popillia  calĂĽpyga 79 

Precis  Ipliita 441 

Pria  affinis 318 

Prioscelis  serrata 117 

Prioscliema  Dohrni 367 

Pronuba  yuccasella 401 

PsĂĽoptera  plagiata 410 

Pterocj'^cion  longulum 378 

Pycnocerus  sulcatus 117 

Pyrophorus  punctatissimus  , .  .410 
Pyrrhia  anguJata,  exprimens.  .203 

Q,uediu8  dĂĽatatus 394 


455 


Seite 
R. 

Rhinocles  86,  Nasica 88 

Rhizaphis 231 

Rogenhofera  grandis 268 


Schreckensteinia  festaliella ....   69 

Sciaphila  virgaureana 68 

Setora  nitens 444 

Silpha  obscura,  opaca^. 399 

Smerinthus  excaecatus,  pavoni- 

nus 314 

Solenopsis  orbula 74 

Sparostes  africanus 447 

Sphindus  dubius 890 

Sphinx  Atropos  236,  vitis....313 

Stenodactylus  dytiscoides 406 

Stereoma  Biirmeisteri,  laevi- 

collis 411 

Stigmatomma  73,  denticulatum, 

impressifrons 74 

Stylosomus  tamaricis 399 

Symmoca  pallida 149 

Synclera  traducalis 352 

Syngamia  florella 352 

Syntomis  Phegea 370 

Syntomium 391 

T. 

Tarpa  albicincta  55,  Loewii  56, 

maculipennis 57 

Teleia  femoralis 146 

Telmatophilus  analis 364 

Tetraonyx  ridens 411 

Tinea  bipunctella,  luctuella  322, 
myella  327,  pyropella  332, 
quadripunctella  323,  scalpella 

328,  strigeUa 331 

Tischeria  aenea,No]ckenii,quer- 
citeUa  220,  ZellereUa 219 


Seite 

Tithoes 121 

Tortrix  apiciana  327,  noctuana 
332,  uncana 326 

Trogus  Godeffroyi  357,  Haagi, 
natalensis358,nigripes,  Stein- 
heUi 359 

Trox  241,  aeger  259,  brevicol- 
lis  260,  ciliatus  258,  gemmi- 
fer  261,  hemisphaericus  253, 
pampeanus  255,  pastillarius 
250,  patagonicus  254,  pede- 
stris  256,  pillularius  262,  su- 
berosus 257 

Tropidoderus  sepicola 394 

C. 

unterirdische  Ameisen 71 

Urodera  Bergi,  hamatifera  ...411 

V. 

Vatellus  Haagi  357,  lentus  ...356 

IL, 

Xestobium  pulsator 395 

Xyela  graeca 57 

Xyleborus  carinipennis 378 

Xylina  lambda,  Thaxteri 203 

Xylocopa  151,  Augusti  153, 
auralenta  156,  Ăźrasilianorum 
153,  barbata  157,  ciliata  158, 
frontalis  152,  grisescens  156, 
serripes  156,  splendidula  159, 

teredo  153,  virginica 156 

Xyloterus  bivittatus,    quercus  378 

Z. 

Zabrus  gibbus 400 

Zanclognatha  Zelleri 98 


Extral)lättclieii 

zum 

Jahrgang  1876  der  Stettiiier  Entomologischeu  Zeitung. 


Da  das  letzte  Heft,  einschliesslich  des  alphabetischen 
|-  Index  und  Inhalts  des  Jahrgangs,  schon  abgeschlossen  und  der 
letzte  Bogen  unter  der  Presse  ist,  und  da  es  voraussichtlich 
einige  Zeit  dauern  wird,  ehe  wir  das  erste  Heft  fĂĽr  1877  in 
Angriff  nehmen,  so  gebe  ich  in  der  Frage  der  Kraatz'schen 
Mitgliedschaft  oder  Nichtinitgliedschaft  dem  Herrn  Doctor  nach- 
stehend das  Wort.  Er  schreibt  unter  dem  Datum  Berlin  21.  Juli 
folgendes  an  meinen  Freund  Prof.  Zeller: 

Geehrter  Herr  Professor! 

Obwohl  der  Stettiner  Verein  sich  mit  mir  durch  seine 
Zeitung  in  Verbindung  setzt  und  ich  mich  gern  desselben 
Weges  bedienen  werde,  so  erlaube  ich  mir  doch  heut,  mich 
beim  Vereine  und  Ihnen  hiermit  durch  den  nachfolgenden 
Passus  aus  einem  Briefe  des  Herrn  Dr.  Dohrn  vom  29.  Ja- 
nuar 1852  zu  legitimiren. 

„Ein  Mitgheds-Diplom  werde  ich  Ihnen  nächstens  mit 
nacli  Berhn  nehmen.'-' 

Ich  wĂĽrde  Ihnen  das  Original  gleich  mitsei.den,  wenn 
ich  sicher  wĂĽsste,  dass  mein  Brief  Sie  zu  Hause  trifft. 
WĂĽnschen  Sie   es? 

Ich  kann  nun  dieses  Diplom,  welches  nie  in  meine 
Hände  gelangt  ist,  dessen  Existenz  und  Existenz-Berechtigung 
indessen  von  der  Hand  des  Herrn-Vereins-Präsidenten  gleich- 
sam urkundlich  constatirt  ist,  natĂĽrlich  nicht  einsenden, 
sondern  muss  umgekehrt  ergebenst  bitten,  mir  dieses  Docu- 
ment  einzusenden,  und  nicht  länger  vorzuenthalten,  welches 
fĂĽr  mich  eine  erheiternde  Wichtigkeit  erhalten  hat. 

Gleichzeitig  erlaube  ich  mir  zu  bitten: 

1.  um  Zusendung  von  No.  1 — 9  des  Jahrganges  1876  der 
Stettiner  Zeitung  unter  Kreuzband.  Ich  werde  6  Mark 
40  Pfg.  mit  gewohnter  PĂĽnktlichkeit  an  Herrn  Gillet  ein- 
senden. 

2.  um  den  längst  erbetenen  Nachweis  des  Stettiner  Vereins- 
Vermögens. 

Sollte  Sie  der  Vergleich  eines  guten  Ex.  von  HĂĽbner's 
Schmetterl.  und  Vögel  irgendwie  interessiren,  so  steht  es 
gern  zu  Diensten. 

Mit  bestem  Gruss 

Ihr  aufrichtig  ergebener 

G.    Kraatz,   Linkstr.    28. 


Hierauf  erwiedere  ich  dem  Herrn"  Dr.  folgendes: 
Seinem  Beispiele  gemäss  suchte  ich  in  seinen  Briefen  aus 
jener  Periode  nach  und  fand  ein  Schreiben  von  ihm  d.  d. 
^Heidelberg  d.  18.  Januar  52".  Es  ist  zu  lang,  um  es  hier 
wörtlich  einzurücken,  aber  zur  Klärung  der  damals  zwischen 
dem  Hrn.  Dr.  und  mir  obwaltenden  „persönlichen  Beziehungen'^ 
wird  es  gestattet  sein,  folgende  zwei  Wendungen  wörtlich 
daraus  zu  entnehmen: 

„Haben  Sie  mir  vielleicht  irgend  welchen  Rath  in  Be- 
zug auf  neue  Tausch-Verbindungen  zu  geben? 

—  —  Ich  sammle  Material  zu  einer  tüchtigen  Durch- 
sicht der  Homaloten,  einer  Gattung,  in  der  noch  viel  (zu) 
thun,  viel  Zeit  und  Sehkraft  zu  verlieren  ist^  wenn  Sie 
Gelegenheit  haben  mich  zu  unterstĂĽtzen  so  vergessen  Sie 
nicht  Ihres  Schützlings  zu  gedenken.  Sehr  lieb  wäre  es 
mir  z.  B.  Mannerheim'sche  Typen  zu  den  Gattungen  Homa- 
lota  und  Oxypoda  zu  bekommen." 

Speciell  auf  die  jetzt  vorliegende  Diplom-Frage  bezieht 
sich  auf  der  ersten  Seite  dieses  Briefes  das  vierte  Alinea. 

„Ich  erlaube  mir  weiter  Ihnen  eine  oft  vergessene 
(d.  h.  von  mir)  Bitte  vorzulegen,  nämlich  die:  mir  ein  Mit- 
glieds-Diplom zukommen  zu  lassen." 

Die  Authenticität  der  vorstehenden  Brief- Excerpte  wird 
mein  Mitcoi-rector  Prof.  Zeller  dem  Herrn  Dr.  bestätigen,  falls 
es  dessen  fĂĽr  ihn  bedarf. 

Mir  scheint  nun  meine  Aeusserung  in  meinem  Briefe  vom 
29.  Januar   1852: 

„Ein  Mitgheds-Diplom  werde  ich  Hinen  nächstens  mit  nach 
Berlin  nehmen" 
nichts  weiter  als  d'.e  nahe  liegende  Antwort  auf  die  „oft  ver- 
gessene Bitte"  des  Hrn.  Studiosus  Kr.  zu  sein.  Daraus  mit  ihm 
(in  seinem  Briefe  an  Prof.  Zeller)  zu  folgern,  „dass  die  Existenz 
und  Existenz-Berechtigung  jenes  Diploms  von  der  Hand  des 
Herrn  Vereins-Präsidenten  gleichsam  urkundlich  constatirt 
ist",  wäre  nicht  nur  unjuristisch,  sondern  einfach  thöricht, 
wenn  nicht  der  ganze  Satz  durch  die  eingemischten  Wörter 
„Existenz-Berechtigung"  und  „gleichsam''  auf  Schrauben  stände. 
Factisch  steht  folgendes  fest:  Herr  Stud.  Kraatz  hat  um 
ein  Diplom  gebeten,  ich  habe  ihm  „nächstens"  eins  verspro- 
chen: er  hat  das  nachher  vergessen,  ich  auch.  Und  so  ist  er 
ohne  Diplom  geblieben;  sehr  natĂĽrlich,  da  in  der  Sitzung  vom 
2.  Februar  1852  zwar  die  von  ihm  in  seinem  Briefe  vom 
18.  Januar  empfohlenen  Herren  Dr.  Stierlin  (irrig  von  ihm  als 
Stierlein  benannt)  und  Stud.  Haag  von  mir  zu  IVIitgliedern  vorge- 
schlagen und  in  den  Verein  aufgenommen  wurden,  er  aber  nicht. 
Dass  Hr.  Kr.  sich  bona  fide  auch  ohne  Diplom  fĂĽr  ein 
Mitglied  gehalten  hat,   wird   ihm  niemand  verübeln  können: 


ausser  meiner,  von  ihm  ungenau  gedeuteten ,  brieflichen  Aeus- 
Ăźerung  hatte  er  das  Mitglieder-Verzeichniss  vor  dem  Jahrgang 
1852  zu  seiner  Entschuldigung.  Ich  habe  bereits  S.  373  dieses 
Jahrganges  1876  drucken  lassen,  „dass  ich  den  Verstoss  gegen 
die  Statuten  bei  Aufstellung  jenes  Verzeichnisses  zu  vertreten 
und  desshalb  bei  dem  Vorstande  des  Vereins  um  Indemnität 
zu  bitten  habe.'^ 

Mithin  liegt  die  Frage,  ob  MitgHed  oder  nicht,  genau  in 
der  von  mir  S.  374  präeisirten  Alternative,  nur  dass  Herr 
Dr.  Kraatz  eingeständlich  kein  Diplom  besitzt. 

Seine  scherzhafte  Unterschrift  in  einem  spätem  Briefe  an 
Prof.  Zeller  „honoris  causa  Mitglied  des  Stettiner  Vereins^  wäre 
demnach  in   „erroris  gratia'-'   zu  berichtigen.    Errare  humanum. 

Nicht  dem  mindesten  Zweifel  unterliegt  es,  dass  der  ge- 
samjnte  Vereins- Vorstand,  mich  mit  eingeschlossen,  in  keinem 
analogen  Falle  bei  Andern  solchen  Wichtigkeits-Accent  auf 
die  stricte  Beobachtung  der  Form  bei  der  Aufnahme  oder 
bei  der  nachzuholenden  Ergänzung  legen  würde;  dass  es  aber 
gerade  bei  Hrn.  Dr.  Kraatz  geschieht,  dafĂĽr  hat  er  ja  selber 
durch  seine  (S.  375  d.  Ztg.)  angefĂĽhrte  Argumentation  gesorgt, 
welche  von  angeblich  durch  uns  verletzten  und  missachteten 
Vereinsgesetzen  strotzt.      Sic  vos  non  vobis! 

Freihch,  Herr  Dr.  Kraatz  ist  eben  „einer  von  den  rich- 
tigen gebornen  Berhnern" — *}  und  ich  hätte  das  füglich  früher 
bedenken  sollen,  dann  würde  ich  mich  über  manches  Spätere 
weniger  gewundert  haben. 

Dass  er  als  (vermeintliches)  Mitglied  des  unsrigen  Titular- 
Präsident  des  Oppositions-Vereins  wurde  und  sich  alle  Mühe 
gab,  den  neuen  Verein  auf  Kosten  des  alten  womöglich 
zur  Alleinherrschaft  zu  bringen,  das  braucht  bei  einem  Neo- 
phyten  nicht  Wunder  zu  nehmen.  Aber  dass  der  weiland 
„Schützhng'-''  mir  gegenüber  sich  auf  das  hohe  Pferd  der  Ver- 
mahnungen setzte,  das  ging  mir  denn  doch  ĂĽber  den  Spass, 
und  ich  sagte  ihm  den  reichlich  verdienten  Bescheid.  Wenn 
er  darauf  in  seiner  Berl.  Zeitschrift  Jahrg.  1869  S.  V  drucken 
Hess,  „der  ganze  Aufsatz  zeigt  allzuklar,  dass  Herr  Dohrn  auch 
in  anderer  als  fach  wissenschaftlich  er  entomologiöcher  Hinsieht 
für  nicht  vollständig  zurechnungsfähig  zu  erachten  ist  — "  so 
freute  mich  das  herzlich,  denn  dieser  Ton  ĂĽberhob  mich  jeder 
Antwort:  auf  solchen  Defect  an  Verschämtheit  giebt  es  in 
decenter  Polemik  kein  Echo. 

Aber  leider  setzt  sich  Hr.  Kr.,  wenn  auch  nicht  immer 
in  einen  Kasten  mit  Homalota,  doch  oft  genug  in  die  Nesseln, 


*)  Es  giebt  auch  hochachtbare  „unrichtige  Berliner",  darunter 
mir  sehr  werthe  Freunde ,  aber  die  leiden ,  wie  sie  mir  oft  eingestan- 
den, oft  genug  unter  dem  in  ganz  Deutschland  verrufnen  Localhoch- 
mutli  der  Majorität  ihrer  Landsleute. 


und   verlangt   von   dem,    den  er  heute  für  unzurechnungsfähig 
erklärt  hat,  morgen  Auskunft  über  das,  übermorgen  über  jenes, 
als    wenn    wir    in   Stettin   nichts  besseres  zu  thun  hätten,  als 
die  Windeier  eines  Ueberläufers   auszubrüttai.     Der  oben  mit- 
getheilte   Brief  liefert   dazu   den   frappanten   Beleg.      Nachdem 
ihm  S.   376  Jahrg.    1876  mit  dĂĽrren  Worten  gesagt  ist,   dass; 
der  Expedient    unsrer   Zeitung    ihm    keine    schicken    durfte, 
nimmt  er  Zeller's  Intervention  in  Anspruch,    schickt  aber  das 
schuldige  Geld  nicht  an  Zeller,  der  es  aus  Gefälligkeit  für  ihn 
auslegt,  sondern  an  Gillet.     Und  Avas  seine  Prätension  wegen 
der    Specitication    des    Stettiner  Vereinsvermögens    betriff't   (in 
einem  Briefe   an  Zeller  d.  d.   25.  Juli   erhebt   er   sich   zu  der 
erheiternden  Phrase:  es  muss  jeden  Unbefangenen  gera- 
dezu stutzig  machen,  dass  der  Vorstand  eines  Vereins  sich  I 
weigert,  Auskunft  über  dessen  Vermögen  zugeben!),  so  diene 
ihm    zur    beruhigenden  Abfertigung,    dass    der   Vorstand    des! 
Vereins  die  Rechnungen   prĂĽft,    bevor   er   sie  dechargirt,    und  i! 
dass  gegen  die  Rechenschaft,  wie  sie  von  Anbeginn  bis  heute 
in  der  Zeitung  alljährlich    abgelegt    wird,    ausser  i  h  m  bisher 
noch  Niemand  etwas  zu  erinnern  gehabt  hat.  Da  Hr.  Dr.  Kraatz  j 
nie  einen  Pfennig  zu  der  Vereinskasse  beigetragen  hat,  so  wird  j 
er   selbstverständlich   auch    keine   Ansprüche   daran   begründen 
können;    vor  krankhafter  Neugier   nach   seinen   angekündigten 
Meliorationsplänen  schützt  uns  unser  pommerscher  Gleichmuth, 
auch  abgesehen  von  des  H.  Kr.  formaler  Berechtigung,  die  an- 
scheinend unerwiesen  bleibt. 

Die  inzwischen  an  die  Red.  eingelaufene  Anfrage  des  H.  Kr. 

„ob  sie  Berichtigungen  ihrer  irrthümlichen  Angaben  in  der 

Stett.   ent.  Zeit,  auch  gegenwärtig  die  Aufnahme  in  derselben 

versagt  ?"•' 
bestätigt  auf  das  Schlagendste,  was  ich  oben  über  die  Eigen- 
thĂĽmlichkeit  eines  richtigen  Berliners  behauptet  habe.  Wenn 
Hr.  Kraatz  glaubt,  dass  ii-gend  ein  Redacteur  sich  gefallen 
lassen  wird,  was  er  (Kr.)  frĂĽher  beanspruchte,  dass  nehmlich 
die  Redaction  hinter  seine  Artikel  keine  Bemerkung  folgen 
lassen  dürfe  —  so  ist  das  eben  nur  richtig  berlinisch.  Schickt 
Hr.  Kr.  etwas  an  die  Redaction  (sogar  wenn  es  lepidopterische 
Leimruthen  fĂĽr  die  Amateurs  seiner  Photographie  .sind),  was 
irgend  fĂĽr  die  Leser  von  wirklich  Avissenschaftlichem  oder 
unterhaltendem  Interesse  sein  kann,  so  wird  er  genau  ebenso 
tractirt  werden,  wie  jeder  Andere,  aber  es  wird  keinem 
Artikel  oder  keiner  Berichtigung  von  ihm  im  Voraus  ein 
Privilegium  versprochen. 

Noch  weniger  habe  ich  Zeit  und  Lust,  mich  auf  diese  uner- 
quickliche Art  Correspondenz  einzulassen  —  es  fehlt  mir  Gottlob 
nicht  an  angenehmeren,  die  meine  MĂĽsse  erspriesslicher  ausfĂĽllen. 

Stettin,   29.  Juli   1876.  Dr.  C.  A.  Dohrn. 


'